Geistesenergie

"Hinter dir, Auril!", brüllte Arthur über den Kampflärm hinweg. Die kurze Drehung zu seiner Kameradin erwies sich als Fehler. Eine einzelne verirrte Schwertklinge erschien in seinem Blickfeld, raste über den Kopf eines geduckten Soldaten hinweg und nährte sich bedrohlich Arthurs Flanke.
"Aus dem Weg!", Mauros Stimme erklang wie ein Donnerschlag und ließ Arthur ruckartig zur Seite fahren. Die Axt seines Bruders raste beinahe wie ein Meteorit von oben heran und traf die Schwertklinge auf halber Strecke. Der Feind, ein kurz gewachsener Mann mit schwarzem Haar, dessen halbes Gesicht mit Blut bedeckt war, jaulte auf als das Schwert gewaltsam aus seiner Hand gedrückt wurde und noch in der Luft in seine Trümmer zerbrach.
Mit einem Schnappen nach Luft fing Arthur sich wieder und erlangte seinen Fokus zurück. Sein Blick traf einen Dolch am Gürtel des Feindes während seine Gedanken sich ordneten. Seine Sinne wanderten in Richtung seines Schädels, unmittelbar zu den Geistesfäden, die in hektisch aufgeregten Bahnen kreisten. Gleich zwei länger werdenden, unsichtbaren Fingern begann er die Fäden auszustrecken, erst nur wenige Zentimeter, dann schneller über einen Meter hinaus.
Die Zeit war knapp gewesen, er hatte nur fünf Fäden mitnehmen können, die sich zielstrebig unter Mauros Arm durchwanden und den feindlichen Soldaten erreichten. Mit aller Kraft, gleich einem Akt körperlicher Anstrengung, hievte er den Dolch aus der Scheide hervor und schleuderte ihn mit aller Kraft empor. Überraschung zeichnete das Gesicht des Feindes, während seine eigene Hand ins Leere fasste, wo er den Dolch vermutete, dann Entsetzen als die eigene Klinge seinen Hals traf und durchbohrte. Ein widerwärtiges und gurgelndes Röcheln drang aus der Kehle des Mannes, bevor Mauro herantrat und seine Axt in einer präzisen und schnellen Bewegung gegen seine Brust fahren ließ.

Verdammt, zu wenig Kraft, viel zu wenig Kraft. Der Gedanke verschwand augenblicklich wieder aus Arthurs Geist, als er einen neuen Feind bemerkte, der sich ihm von der Seite näherte.
Neben Lebensenergie formt Geistesenergie eine weitere der Energien . Sie findet sich hauptsächlich im Gehirn von Lebewesen und ist die Energie, welche den Geist oder je nach Gesichtspunkt den Verstand bildet. Geistesenergie bildet neben der Seele und dem Körper den drei Teil dessen was man Bewusstsein nennen kann.

1. Allgemeines

Betrachtet man die Geistesenergie zunächst unter neutralen Gesichtspunkten, so scheint sie eine simple Bündelung von Energie zu sein, die in den verschiedenen Hirnregionen residiert und den rationalen Faktor des Bewusstseins bildet. In Wirklichkeit ist das Konzept der Geistesenergie erheblich komplizierter und kann eher mit der Astralenergie verglichen werde. Genau wie diese verfügt Geistesenergie nämlich primär über die Fähigkeit sich durch die Grenzen des Astraviriums zu bewegen. Sie funktioniert in diesem Sinn als Bindeglied zwischen der Seele, die in den äußeren Ebenen des Astraviriums existiert und dem Körper, der auf den zentralen Ebenen wandelt.
Exakt hier entsteht die konzeptionelle Vorstellung der Geistesenergie als Fäden, die sich unsichtbar durch die Grenzen des Astraviriums bewegen und Seele und Körper verknüpfen. Diese Fäden werden zwei Kategorien unterteilt, seelische Fäden und körperliche Fäden. Seelische Fäden entspringen der Seele, durchziehen das Astravirium und heften sich an den Körper. Körperliche Fäden dagegen entspringen dem Körper, durchziehen das Astravirium und heften sich an die Seele. Die jeweilige Seite die "angeheftet" ist, kann durch bestimmte Einflüsse und auch bewusst gelöst werden, wobei die Unterschiede zwischen den Resultaten diese Unterteilung relevant machen. Darüber hinaus verfügen sie jedoch über einen identischen Aufbau im Hinblick auf strukturelle und aktivierende Energie. Darüber hinaus erfüllt Geistesenergie, auch wenn sie zu 99% im Gehirn vorhanden ist, stets den ganzen Körper mit einer dünnen Schicht aus Energie. Diese Schicht bewegt sich, anders als Lebensenergie, nicht wie eine Welle durch den Körper, sondern verharrt grundsätzlich still. Das Senden von Eindrücken ans Gehirn oder das Bewegen einer Hand bringen die Energie lediglich kurzzeitig zum Zittern.
  Das Konzept der Geistesfäden beschreibt die Konstrukte als insgesamt 100 Fäden, zumindest im Fall von Menschen. 50 dieser Fäden gehen vom Körper aus und sind mit ihm verankert, während die übrigen 50 von der Seele ausgehen und mit ihr verankert sind. In Wirklichkeit handelt es sich nur um ein einziges dickes "Garn" aus Geistesenergie pro Richtung, welches dieser Vorstellung entspricht. Erst das aktive Nutzen von Geistesenergie zieht einzelne kleinere Fäden heraus, wobei die Aufteilung in 50 dem Punkt entspricht, an welchem der menschliche Verstand potenziell irreparablen Schaden nehmen würde.


2. Strukturelle Geistesenergie

Ebenso wie bei anderen Energien kann sich der strukturelle Aspekt von Geistesenergie als eine Ansammlung von Blasen vorgestellt werden, welche in diesem Fall zwei Aufgaben übernimmt. Einerseits stellt sich die Bindung zwischen der Seele und dem Körper her und führt somit durch das Astravirium. Die Verbindung durch die strukturelle Geistesenergie ist hierbei permanent. Was als Haftung beziehungsweise Loslösung der Geistesenergie beschrieben wird, ist genau genommen nur die Bewegung der aktivierenden Geistesenergie innerhalb der Bahnen, die durch die strukturelle Geistesenergie festgelegt sind. Darüber hinaus sind die beiden Ansammlungen von struktureller Geistesenergie im Gehirn und der Seele dafür verantwortlich neue aktivierende Geistesenergie zu produzieren und gleichmäßig über die strukturelle Energie zu verbreiten. Solange ein Wesen wach ist verliert die strukturelle Geistesenergie durch die Produktion von aktivierender Geistesenergie an Stabilität. Erst durch Rast kann strukturelle Geistesenergie regeneriert werden.

3. Aktivierende Geistesenergie

Während strukturelle Geistesenergie eher die Bahnen bildet, in denen sich das Bewusstsein bewegt, bildet die aktivierende Geistesenergie das Bewusstsein selbst. Für gewöhnlich verteilt sich die aktivierende Geistesenergie gleichmäßig über die gesamte Länge der strukturellen Energie, sowohl als Brücke, die Seele und Körper verbindet als auch innerhalb von Körper und Seele. So formt sich das Bewusstsein als Strömung und Bewegung der aktivierenden Geistesenergie. Jede Form von Tätigkeit im wachen Zustand verbraucht die Geistesenergie, bevor die strukturelle Energie sie wieder ausfüllt. Besonders interessant wird die aktivierende Geistesenergie jedoch in Zuständen wie dem Schlaf.

Es mag zunächst nicht nur abstrakt, sondern insbesondere erschreckend wirken, wenn man zuerst hört, das eigene Bewusstsein sei nicht mehr als die Bewegung einer spezifischen Energie, welche sich von den äußeren Rändern des Astraviriums in den eigenen Organismus wendet, seine Bahnen zieht und anschließend wieder in ferne energetische Welten geschossen wird. Zugegebenermaßen verstehe ich das Ablehnen dieses Gedankens. Was die bewusste Lebensform als freien Willen wahrnehmen mag, in dem sie einen Sinn sucht, ist nun einmal nicht mehr als eine biologisch-energetische Bewegung. Das wirklich besondere an dieser Erkenntnis liegt jedoch nicht im Verlust der Identität den einige darin befürchten, sondern im Potenzial. Psychische Krankheiten, Geistesstörungen, alles nur deformierte Strömungen aus Geistesenergie, welche mit den richtigen Mitteln wieder in korrekte Bahnen gezwungen werden können.
— Dorimius Wallmehr, oberster Lehrmeister der hohen Akademien von Kartus, 780 nBnZ.


4. Freie Geistesenergie

Freie Geistesenergie bildet eine außergewöhnliche Form von freier Energie, denn obwohl sie auch in großen Mengen auf den zentralen Ebenen des Astraviriums wirkt, wird ihre freie Energie nicht auf diesen entladen, sondern stattdessen strömt sie in die Geisterwelt, die nächste Ebene des Astraviriums. Hier formt sie den Grundstein für die gesamte Ebene und generiert nicht nur Umgebung, sondern auch Lebewesen aus sich. In diesem Bereich greift auch die halbphysische Existenz der Geistesenergie, auf welche in einem späteren Kapitel eingegangen wird.

5. Frequenz

Geistesenergie liegt innerhalb ihrer Frequenz am nächsten an Lebensenergie, jedoch im positiven Bereich. Somit vibriert sie innerhalb der Bereiche 500 bis 1500. Dies bedeutet, die Frequenz von Geistesenergie ist hoch genug, damit sie eigentlich niemals zu Mutationen führen kann. Diese erhöhte Frequenz bedeutet jedoch, dass sie noch anfälliger durch Mutationen ist, welche durch Naturenergie oder Dämonenenergie ausgelöst werden als es die Lebensenergie ist.

6. Schlaf

Wie bereits erwähnt ist der Zustand des Schlafens ein ausgesprochen interessanter Zeitraum für das Verhalten der Geistesenergie. In dieser Zeit werden die Bahnen aus struktureller Energie gewissermaßen leergeräumt, damit sie die sonst produzierte Energie nutzen können, um sich selbst zu regenerieren. Die aktivierende Geistesenergie jedoch muss dafür große Teile der sonst stark frequentierten Bereiche räumen. Standardmäßig sind die gewaltigsten Teile der Geistesenergie gebündelt in Seele und Körper, während nur geringe Massen innerhalb der verbindenden Rohre zu finden sind. Tritt jedoch der Schlaf ein, so wird die gesamte Geistesenergie in diese Rohre gepresst, damit Körper und Seele sich regenerieren können. Diese Rohre dienen hierbei als Brücke durch das Astravirium, weshalb der nun befreite Geist ebenfalls im Astravirium verwahrt wird, genauer gesagt in der Geisterwelt, beziehungsweise der Ebene des Geists. Um es noch weiter zu präzisieren findet sich dort der Traumpfad, wo schlafende Geister verwahrt werden.

Im Grunde kann es sich als ein System aus zwei Kammern vorgestellt werden, in der linken Kammer steht eine Person, die ein dickes Seil, gesponnen aus 50 Fäden in der Hand hält, die den Körper repräsentiert. In der rechten Kammer steht eine weitere Person mit einem identischen Seil aus 50 Fäden, die die Seele versinnbildlicht. Bei der Geburt treten beide Personen an die Wand heran und überreichen einander ein Ende ihres Seils durch ein Loch in der Wand. Die andere Person nimmt das Ende entgegen und macht einen dicken Knoten hinein, damit beide Seile nicht mehr gleichzeitig durch das Loch passen. Im Laufe von Stunden werden die Arme beider Personen, die die Seile halten schwach und irgendwann schlafen sie ein und lassen die Seile los, die der andere ihnen überreicht hat, weil sie nur noch die Kraft haben ihr eigenes Seil zu halten. Beide Seile werden nun gleichzeitig in die Wand gezogen, kollidieren und verstopfen das Loch. Dieses Loch bildet nun die Traumwelt, in welcher der Geist sicher verwahrt wird, bis Körper und Seele sich erholen konnten
— Grundlagen der Geistesenergie, 866 nBnZ.


7. Risiken im Schlaf

Die Tatsache, dass der Geist als gebündelte Entität in den äußeren Bereichen des Astraviriums verweilt bedeutet, dass er entsprechend auch durch äußere Kräfte verändert und beeinflusst werden kann. Zu diesem Zweck gibt es bestimmte Schutzmechanismen des Geistes gegen derartige Einflüsse. Sollte irgendeine Form von Einfluss den Geist bedrohen, kann dieser sich im Bruchteil einer Wimpernschlages wieder über die gesamte Länge der strukturellen Energie verteilen und somit die Wirkung auf einen winzigen Anteil seiner selbst reduzieren. Die meisten Lebewesen erleben in einem solchen Augenblick ein Gefühl des Fallens und werden aus dem Schlaf hochschrecken. Es gibt nur sehr wenige bekannte Fälle, in denen der Geist tatsächlich Schäden im Traum erleiden konnte, jedoch ist es nicht vollkommen unmöglich.

8. Rationalität und Dreiteilung

Grundlegend wird innerhalb des Konstrukts von Körper, Seele und Geist von einer Dreiteilung gesprochen. Die Seele beherbergt die emotionale Seite der Persönlichkeit, der Geist die rationale und vernünftige Seite und der Körper den Instinkt. Dies entspricht teilweise der Wahrheit, da große Teile dieser Aspekte innerhalb des jeweiligen Bewusstseinsstück gespeichert sind. Dennoch beherbergt auch die Seele eine gewisse Rationalität und Instinkt, ebenso wie der Geist geringfügig emotional und instinktgetrieben ist. Da der Geist als "Kleber" zwischen Seele und Körper dient ist unklar, was genau geschehen würde, sollte der Geist vollständig aus der Gleichung entfernt werden. Die meisten Theorien gegen von einer Degeneration des Lebewesens zu einer bestialischen Form von Urinstinkt aus, die sich manifestieren würde, andere vermuten einfach nur eine Form von Bewusstseinstod, der nur basische Körperfunktionen übrig ließe.

9. Befähigte

Die Befähigte, welche Kontrolle über Geistesenergie ausüben werden als Orakel bezeichnet. Der Begriff leitet sich von Gelehrten der Frühzeit ab, welche als Ratgeber und Waise fungierten. Die Übernahme des Titels ist eine Anspielung auf eine außergewöhnliche Fähigkeit, die einigen Orakeln nachgesagt wird. Angeblich führt ihre verstärkte Bindung zur Geistesenergie dazu, dass sie die Wirren und das Chaos der Welt verstehen und ordnen können, um daraus die Zukunft abzulesen. Aus diesem Grund werden auch die Befähigten der Geistesenergie als Berater für weltliche Führungskräfte eingesetzt.

10. Tymidian-Mutation

Die Tymidian-Mutation der Geistesenergie, welche Orakel hervorbringt, verteilt die Struktur der Tymidian nicht innerhalb des gesamten Körpers, sondern streckt das Zäpfchen in feinen Bahnen durch das gesamte Gehirn. Hierbei wird jeder letzte Winkel des Gehirns von den feinen Adern durchzogen. Diese Verteilung der Tymidian in den Hirnregionen, ohne den restlichen Körper zu berühren, ergibt die Möglichkeit Geistesenergie zumeist ohne Bewegungen manipulieren zu können, was die Geistesenergie zur am schwersten erkennbaren Kraft macht. Die Tymidian-Mutation dieser Art kann auf keine bekannte Weise herbeigeführt werden, sondern ist eine angeborene Fähigkeit, die scheinbar weder auf biologischen noch auf energetischen Faktoren beruht.

Zusammenfassung der ersten Phase der Zwillingsstudie / Anregung des energetischen Potenzials durch Mutation der Tymidian im fötalen Zustand / 531 weibliche Probanden, mit bestätigten Zwillingsschwangerschaften / Schwierigkeiten bei der gezielten Aussetzung eines Embryos / Sterberate beider Embryos bei etwa 45% / Alle angereicherten Kinder zeigen leichte Umstrukturierungen der Tymidian, die ihre Zwillinge nicht besitzen / 3 von 291 überlebenden Kindern verfügen über die vollständige Mutation / 1 von 531 überlebenden nicht angereicherten Kindern verfügt über die vollständige Mutation
— Bericht unbekannten Ursprungs, der seinen Weg an die Öffentlichkeit fand


11. Entdeckung

Sowohl Befähigte, die der Geistesenergie mächtig waren als auch Geister selbst bilden eine lang gekannte Wahrheit auf Terria ab. Nach der grundlegenden Entdeckung der Energien als solche dauerte es jedoch überraschend lange, bis Geistesenergie als eigene Entität erkannt wurde. Erst die Entdeckung der klar abgegrenzten Astralenergie gab Aufschluss über die Unterteilung zwischen Lebensenergie und Geistesenergie. Vorher wurden angenommen Geistesenergie sei keine eigene Energie, sondern eine hoch frequentierte Form von Lebensenergie, die für die Transmission von Informationen innerhalb des Gehirns notwendig sei. Erst im Jahr 491 nBnZ. wurde die Geistesenergie als eigene Art von Energie deklariert und anerkannt.

12. Geister und Körperlose

Ein weiterer Aspekt der Geistesenergie, welcher teilweise der freien Geistesenergie zugeordnet werden kann, liegt in der Existenz von Wesen, die ausschließlich aus Geistesenergie bestehen und keinerlei Lebensenergie in sich tragen. Die Gestalt solcher Wesen wird als halbphysische Existenz bezeichnet und kommt in derart extremer Form ausschließlich innerhalb der Geistesenergie und der Astralenergie vor. Im Grunde ist hierfür das Mischverhältnis aus Energie und Materie relevant. Innerhalb der zentralen Ebene des Astraviriums liegt das Mischverhältnis bei 50/50. Auf der Ebene des Geistes direkt oberhalb der zentralen Ebenen reicht bereits ein Anteil an Materie von 10%, um Existenz zu erzeugen. Gleichzeitig fungiert Geistesenergie auf dieser Ebene gewissermaßen als die Lebensenergie der zentralen Ebene. Freie Geistesenergie dringt somit von der zentralen Ebene auf die Ebene des Geistes und da es dort niemals freie Materie gibt, bildet sie konstant aus sich selbst genug Materie um die aktuelle Menge Energie zu binden. Manchmal wird diese neue Existenz zum Fundament der Ebene, andere Male bilden sich Lebewesen daraus, sogenannte Geister oder Geistwesen. Einmal auf diese Weise existent geworden, können sie in dieser Form auch innerhalb der zentralen Ebenen überleben, da sie gewissermaßen eine Bindung an die Geisterebene selbst annehmen, welche die Bindung von Körper und Seele repliziert.

13. Tod

Der Prozess des Todes, ebenso wie der Akt des Sterbens, sind eng mit den Funktionen der Geistesenergie verwoben. Im Grunde setzt sich ein ähnlicher Prozess in Gang, wie er auch beim Schlafen auftritt, der jedoch primär die strukturellen Aspekte der Energie betrifft. Im Augenblick des physischen Todes verlässt das Bewusstsein den eigenen Leib und nicht selten berichten jene, die von dieser Schwelle zurückkehrten von außerkörperlichen Erfahrungen, Blicken auf ihren toten Leib während sie langsam aufstiegen und tatsächlich kann der ablaufende Prozess wohl genau so wahrgenommen werden. Im Moment des Todes verliert die strukturelle Geistesenergie, welche vorher noch dem Körper entströmte, ihren Halt und beginnt aus ihm zu weichen. Nur wenige Sekunden später kollidiert die entweichende Geistesenergie mit dem Geistschleier. Hierbei bindet sie sich an diesen als neuen Anker und somit wird das Bewusstsein in die Geisterwelt gezogen, wo sich der eigene Geist manifestiert. Zumeist dauert es nicht lange, bis ein Geist bemerkt wird, der soeben auf die andere Seite übergetreten ist und einer der Sensenmänner sich seiner annimmt. Diese Wesen streifen durch die Geisterwelt, sammeln die Verstorbenen ein und führen sie auf die äußeren Ebenen des Astraviriums auf den Dämonenpfad. Die Verstorbenen können sich jedoch weigern, diesen Wesen zu folgen und können entsprechend auch nicht gezwungen werden. Dies geschieht gelegentlich, wenn ein Geist sich nicht vollständig von seinem irdischen Leben lösen kann und mit Groll oder Bedauern auf seine Existenz zurückblickt.

14. Leben nach dem Tod

Wurde das Überbringen durch die Sensenmänner erst einmal ausgeschlagen, kommt es nur sehr selten vor, dass ein Geist ein zweites Mal von ihnen aufgesucht wird. Stattdessen beginnen sie eine neue Existenz in der Geisterwelt zu fristen. Vom Moment des Übertritts an, tritt hierbei ein Prozess in Gang welcher die Struktur der Geistesenergie selbst betrifft. Mit jedem Augenblick wird der Geist eines Toten stärker, er kann durch den Schleier auf die Welt der Lebenden blicken und diese Aussicht auf das Leben stärkt ihre Kräfte und ihren Groll noch weiter. Gleichzeitig mit diesem Wachstum verbleicht jedoch auch das Bewusstsein, lediglich Bedauern ist von diesem Zerfall ausgenommen. Nach und nach bleibt somit nicht mehr übrig von dem Geist übrig als der Wunsch zurück ins Leben zu kommen, um sein Bedauern zu korrigieren. Wächst die Macht der Geistesenergie weit genug an, erlangt ein Geist irgendwann die Fähigkeit wieder durch den Schleier hindurch zu agieren. Zunächst mag es hierbei höchstens reichen um kurze Nachrichten zu schicken, an Fenstern zu rütteln oder aber Objekte umzustoßen, mit der Zeit erlangen sie jedoch irgendwann die Fähigkeit als ganze Entität wieder hinüberzuwechseln. Jedoch wird dieser Zustand nahezu niemals erreicht, solange das Bewusstsein noch intakt ist, was also die Welt der Lebenden erreicht ist ein Wesen voller Hass und Zerstörungswut.
Die Orakel fungieren scheinbar als eine Art Ausgleich für jene Geister, die sich gegen ihren Übergang in den Dämonenpfad entscheiden. Sie können außer Kontrolle geratene Geister bändigen, zurück hinter den Schleier drängen und im Notfall sogar ausrotten. Erfahrene Orakel können sogar die Sensenmänner herbeizwingen, um sie ein zweites Mal darum zu bitten einen Geist mit sich zu nehmen. In solchen Fällen arbeiten sie daran die Reue und das Bedauern von Geistern zu korrigieren, indem er seine eigenen Kräfte mit ihnen teilt und ihnen somit Momente der Klarheit verleiht. Ihre natürliche Verbindung zur Geistesenergie erlaubt ihnen theoretisch eine sehr lange Zeit in der Geisterwelt zu verweilen, jedoch gelingt es nahezu allen Orakeln der Reue zu entrinnen und sich zufrieden dem Jenseits zuzuwenden.


15. Inhaltsdiagramm für Energien


 

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