Chrononit

Ein tiefer Atemzug, Kontrolle über seine zitternden und von der Kälte halbtoten Finger bekommen, den Schmerz und das Blut ausblenden. Er atmete aus, erwischte den Moment als sein Körper am ruhigsten war, den exakten Augenblick zwischen zwei Herzschlägen und drückte ab. Das grünliche Schimmern des Damarin drang seitwärts aus dem Lauf während das gleißend helle Geschoss donnernd aus seinem Lauf fuhr. Schnee wurde unter Domian aufgewirbelt und die Rinde naher Bäume erzitterte, nahezu zeitgleich als die Kugel ihr Ziel traf. Er riss die Arme hoch, fuhr mit ihnen durch die Schwaden roten Rauchs und zerteilte sie. Was vorher eine Art gläserne Hülle um das weiß-silberne Chrononit gebildet hatte, erzitterte mit einem knackenden Geräusch während sich ein tiefer Riss öffnete, dann ein zweiter und ein dritter. Unzählige Risse, die die gesamte Oberfläche überwucherten, bis sie in einem Regen aus verschwindenden Scherben auseinanderbrach.
Für einen winzigen Augenblick hing das Chrononit in der Luft, scheinbar befreit von Gravitation und anderen weltlichen Einflüssen, bevor es ruckartig zusammenzuckte. Domian nahm kaum mehr als ein helles Licht wahr, eine Art Schockwelle, die aus dem flüssigen Metall hervorbrach und durch die Umgebung fuhr. Die ersten Bäume rings um das Metall schienen zu schrumpfen, fielen in sich zusammen während hundertfach Nadeln an ihren Bäumen erschienen und wieder verschwanden. Die Körper der Magier und der Soldaten am Boden erbebbten einen Augenblick. Einige von ihnen schienen zu verschrumpeln während sie dutzende Jahre in Sekunden alterten. Bei einem anderen presste neu wachsendes Fleisch ein Schwert aus seinem Leib heraus, welches Minuten zuvor sein Leben beendet hatte, bevor er zusammenwuchs, aus seiner Kleidung herauszufallen schien und für einen Augenblick als nacktes Kleinkind im Schnee lag, bevor es verschwand. Domian blickte auf seine eigene rechte Hand hinab, sah wie seine eigene Haut runzlig und faltig wurde. Ein letzten Mal stieß er heiße Luft aus, flüsterte Zetos Namen in den Wind und ließ sein Bewusstsein los.

Chrononit ist ein mächtiges übernatürliches Metall, welches nur im hohen Norden von Uras, in Chronos Grab, gefunden werden kann. Angeblich hat es sich im zweiten Zeitalter gebildet als der Deitische Chronos von seinem Geschwistern zerrissen wurde und sein Blut das Himmelsgebirge hinabrann. Wo es in den Boden sickerte, band es sich an die Metalle im Inneren der Erde und bildete somit Chrononit, mit der Fähigkeit den Verlauf der Zeit zu ändern.

Inhaltsverzeichnis

1. Entstehung

Da es bisher nicht gelungen ist Chrononit künstlich zu reproduzieren und generell nicht viel Wissen über das Metall verfügbar ist, kann nicht genau gesagt werden wie es seinen Weg nach Uras fand, allerdings finden sich einige Hinweise in den religiösen Texten verschiedener Nomadenstämme und in alten Aufzeichnungen. Diesen zufolge existierte unter den Deitischen einst ein übermächtiges Wesen namens Chronos, welches die Kontrolle über die Zeit verliehen bekommen hatte. Diese Macht verlieh ihm die Möglichkeit nahezu alles zu erreichen, was er sich nur wünschte und zog den Neid der übrigen höheren Wesen auf sich. Also entschieden sie eine gewaltige Feier zu seinen Ehren zu geben, die sie in seinem Palast auf der Spitze des Himmelsgebirges abhielten. Dort vergifteten sie ihren Bruder mit einem Trank der ihn tief schlafen ließ und begannen seinen Körper auseinander zu reißen. Sobald sie dies getan hatten, stellten sie jedoch fest, dass seine Gliedmaßen weiterhin die Zeit zurückdrehten und versuchten zusammenzuwachsen.
Daher versuchten sie seine Glieder zu schmelzen, doch selbst die Tropfen, die von ihm übrig blieben, strebten danach erneut einen gesamten Körper zu bilden. Also rissen die Deitischen das Himmelsgebirge aus seinen Verankerungen und verteilten den Leib ihres Bruders unterhalb. Sie setzten die gewaltigen Berge wieder auf sie und sorgten durch die gewaltige Last dafür, dass seine einzelnen Fetzen sich nicht regen konnten. Wie viel Wahrheit in dieser Geschichte steckt ist schwer zu sagen, jedoch können einige Aspekte nicht abgestritten werden. Bereits frühe Überlieferungen der Yal'Sekai erwähnen ein Wesen namens Chronos, welches bedingt die Zeit manipulieren konnte. Ebenso haben die jüngsten Ereignissen um den Lortan-Konflikt die Existenz von göttlicher Energie zu Tage gefördert, auch wenn solche Informationen der breiten Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.


2. Form und Gestalt

Chrononit kann in der Region um Chronos Grab in einer Tiefe von etwa 3000 Metern gefunden werden. In dieser Tiefe reicht die Hitze, damit Chrononit seine flüssige Form beibehält und in dieser Form inaktiv bleibt. Bei steigender Kälte verfestigt sich das Material und erreicht ab etwa 30°C eine feste Form. In seiner flüssigen Gestalt erinnert Chrononit an eine weiß-silberne Form von Quecksilber. Während es sich verfestigt bilden sich kleinere feste Kugeln aus dem Chrononit, das in seiner vollständig ausgehärteten Form scheinbar aus mehreren zusammengewachsenen Kugeln besteht. Von außen wirkender Druck hat maßgeblichen Einfluss auf die notwendige Temperatur um Chrononit zu schmelzen. 

3. Wirkung

Chrononit verfügt grundsätzlich über zwei verschiedene Wirkweisen, jedoch ist unklar, ob diese miteinander in Relation stehen oder unabhängig voneinander agieren. Die erste Aktivität von allem Chrononit, sowohl in seiner flüssigen als auch festen als auch in der raffinierten Version, liegt in der Beschleunigung umliegender Energien. Hierbei steigt die Frequenz aller umliegender Energien rasant an. Dies bildet die Basis für das Interesse von Tasmeran an dem Material. Befinden sich Magier oder magische Energie innerhalb des vom Chrononit
beeinflussten Areals, so reagiert die Kraft extrem und beschleunigt sich selbst bis zu einem Punkt an dem sie vollkommen unkontrollierbar wird. In der Nähe von Chrononit verlieren Magier die Kontrolle über ihren Körper, können sich nicht mehr regen und jede Form von Magie wird neutralisiert. Allerdings haben sich eine Handvoll Magier herauskristallisiert, deren Kontrolle über ihre Kräfte herausragend genug ist, um sich der Wirkung des Chrononit zu entziehen. In seiner flüssigen Form ist diese Fähigkeit am stärksten und das Areal reduziert sich maßgeblich, wenn das Material sich verfestigt. Gegen die zweite Wirkung des Chrononit können sich jedoch umso weniger Personen wehren, die Fähigkeit den Fluss der Zeit zu manipulieren. Jede Ansammlung von Chrononit ist einzigartig dahingehend, wie genau ihr Einfluss auf die Zeit aussieht, grundsätzlich ändert sich diese Manipulation jedoch entsprechend des Zustands. In seiner flüssigen Form wird das betroffene Areal nur sehr klein sein und an Größe und Intensität zunehmen, wenn sich das Metall verfestigt. Hierbei tritt etwas besonderes ein, wenn diese Umwandlung sehr plötzlich geschieht. In diesem Fall wird das Metall
Chrononit zählt wohl zweifelsohne zu den mächtigsten Ressourcen des gesamten Planeten. Selbst abseits seiner außerordentlichen Fähigkeiten bündelt ein einzelnes Kilo dieses Materials ausreichend Energie, um damit den gesamten Energieverbrauch einer Großstadt über zwei Dekaden zu sichern. Diese Energie gebündelt in Form von Waffen könnte es womöglich sogar mit den tödlichsten Schöpfungen aufnehmen, die von den Vergangenen hinterlassen wurden.
— Maxir Theherit
kurzzeitig eine radikale Form annehmen, bei welcher die Manipulation der Zeit nicht länger vorhersehbar, sondern vollkommen willkürlich ist. Einige Ansammlungen von Chrononit werden den Fluss der Zeit innerhalb ihres Areals verlangsamen, andere nur die Zeit bestimmter Lebensformen. Andere Brocken werden die Zeit von Lebewesen vor spulen und sie altern lassen, oder aber die Zeit zurück spulen und innerhalb des Areals Wesen jünger werden lassen. Bringt man Chrononit in eine raffinierte Form ist die spezifische Form dieser Manipulation noch besser kontrollierbar.

4. Verarbeitung

Die Kunst Chrononit zu verarbeiten ist derzeit nur in Tasmeran verbreitet und wird von ihnen gehütet wie nichts anderes, weshalb ausschließlich ihr Militär und die höchsten Mitglieder ihrer Gesellschaft diese Informationen besitzen. Somit sind sie auch die wenigen Personen, welche über raffiniertes Chrononit verfügen. In dieser Form bildet das Chrononit eine glatte Sphäre aus verschiedenen weißen und silbernen Tönen, in deren Innerem unzählige kleinere Blasen aus Chrononit zu sehen sind. Eine solche Chrononit-Sphäre in der Größe eines Fingernagels wiegt etwa einen Kilogramm. Das wenige was über die Herstellung dieser Art bekannt ist, umfasst angeblich die Nutzung bestimmter arkaner Kräfte.

5. Verbreitung

Was den Fundort von Chrononit angeht, so kann dieser wohl zurecht als Paradox bezeichnet werden. Ein Großteil allen Chrononits welches jemals geborgen wurde, wurde in einer Region am Süden des Himmelsgebirges gefunden, welches als Chronos Grab bezeichnet wird. Allerdings wurde Chrononit zum allerersten Mal in Himmelsfuß im Jahr 711 nBnZ. entdeckt, eine Region weit außerhalb des heutigen Himmelsgebirges. An dieser Stelle greift die Legende um Chronos und seinen zerrissenen Körper und jeder Ort, an welchem seither Chrononit gefunden wurde, wurde als Teil von Chronos Grab erklärt. Somit bildet die Mine unter Himmelsfuß eine Art Exklave von Chronos Grab.

6. Nutzung

Neben Tasmeran verfügen nur wenige der übrigen Mitglieder der kleinen Waage über Chrononit und auch sie besitzen nur außerordentlich wenig. Der Päridatsstaat Asorat fand zwar im Jahr 711 nBnZ. als frühste Nation das wertvolle Metall, verwahrt es jedoch bis heute an einem unbekannten Ort und nutzt es für diverse Experimente. Sowohl der Rat der Magier als auch Mas'Orat Organisation verfügen über geringe Mengen und versuchen diese zu nutzen um entsprechende Mittel zum Schutz zu entwickeln als auch zur persönlichen Abhärtung gegen die negativen Auswirkungen. Tasmeran verfügt mit Abstand über die größte Menge an Chrononit. Diese Ressourcen verteilen sich gleichermaßen über die herrschende Familie als auch über die höchsten sieben Vertreter des Militärs. Jeder dieser sieben Purifikations-Generäle verfügt über eine Montur in deren Innerem ein raffiniertes Stück Chrononit verbaut ist, welcher jedem von ihnen angeblich Kontrolle über einen anderen Aspekt der Zeit verleiht. Darüber hinaus führt jeder von ihnen eine Waffe in welcher eine geringe Menge Chrononit in flüssiger Form aufbewahrt wird. In welcher Form das Chrononit der Herrscher vorliegt und über wie viel Chrononit das gesamte Reich verfügt ist bisher vollkommen unbekannt.

Kommentare

Please Login in order to comment!
Jan 8, 2022 14:22 by Senix Blackwood

Sehr interessantes Metall, auch die Verbreitung ist interessant gestaltet

Jan 9, 2022 21:29

Danke für den lieben Kommentar :)

Jan 8, 2022 14:45

Toller Artikel, mir gefällt insbesondere der Mythos um die Entstehung der Materials!

Jan 9, 2022 21:29

Danke sehr :)