Hier zu sitzen und darauf zu warten, dass es mich zerreißt, ist eigentlich schlimmer als die Verwandlung selbst. Nein. Eigentlich nicht. Vermutlich nicht. Vielleicht hab ich in dem Monat auch nur wieder vergessen, wie beschissen es war. Aber nichts tun zu können, als darauf zu warten war auch unterirdisch. Ich konnte ja wirklich gar nichts machen, während ich mich wieder so krank fühlte und den Wolf immer lauter in meinem Hinterkopf hörte. Könnte das dumme Vieh nicht einfach mal die Klappe halten, bis es wenigstens an der Reihe ist?!
Ich hatte nicht viel mehr erwartet in dieser Nacht außer warten, dem Unvermeidlichen und einer Wagenladung Schmerzen und Kontrollverlust. Einen großen Schatten in meinem Rücken zu spüren, war nicht auf der Liste. Und für einen Moment fürchtete ich auch, dass es ein Tier wäre, gegen das ich mich nicht einmal wehren könnte. War es nicht. Zu meinem Glück. Ein Tier, so groß wie zwei Pferde, wäre sofort mein Ende gewesen. Hätte nicht mal versuchen müssen zu kämpfen. Traurigstes Ende jemals und genauso beinamenlos, wie ich immer gefürchtet hatte.
Vielleicht hätte ich mir denken können, das es sich um Súlfr handelt. Oder nicht. Hätte nicht damit gerechnet, aber es machte ja irgendwie Sinn. Eine der wenigen Sache, die ich nicht meckernd hinterfragt habe. Womöglich weil sie mich dann in einem Happs verschluckt hätte. Ich folgte ihr in den Wald. Rückblickend eine seltsame Erfahrung und irgendwie nicht? Kann sich so etwas richtig anfühlen? So fühlte es sich an. Es wurde viel geredet. Vieles, was einfach von ihrer Seite geht und was ich auch nicht so simpel sehe - vielleicht die Krux bei der ganzen Sache. Darüber, dass der Wolf kein Monster sein muss, sondern ein Schutz und ich es ihm irgendwie schwer mache (fair), dass der Zauber tatsächlich helfen könnte, den Werwolf loszuwerden. Dass die Geschichte mit dem Jäger und Cerawna einen Funken Wahrheit enthält. Ein wenig über die Artefakte. Dass ich den Wolf nicht behalten müsste, wenn ich nicht wolle.
Dass so viel auf Angst und Hörigkeit herumgeritten wurde, fand ich aber kacke (und ein Glück erinnere ich mich da nicht mehr an jeden ätzenden Hinweis), aber dass die Hexe erwähnt wurde, machte mich doch schon stutzig. Vor allem im Zusamenhang was Rudel-blabla-Blutzugehörigkeit anging. Weil...wieso sollte sie denn etwas wissen? Dass die Hexe meine Familie einmal getroffen hat, war fast schon zu viel und sie liegt mir noch immer in den Ohren. Aber dass sie etwas wissen sollte, war genug, dass ich nicht bei Súlfr nachfragte, sondern es später nachholen wollte.
Es wäre einfach gewesen das Problem jetzt sofort so zu lösen. Ich glaube nicht, dass sie mich überredet hat, aber es klang sinnig. Und die Hexe wurde auch nie müde zu sagen, dass es nicht als Fluch zu sehen ist, oder zumindest aus einer anderen Perspektive...also vielleicht...naja, ich entschied mich für den Wolf.
Wenn ich das wirklich kontrollieren kann und auch definitiv niemanden verwandeln kann, dann könnte ich ja die Ausnahme sein, die in der Gilde bleiben kann. "Der Wolf" wär aber auch schon cool als Beiname, oderß Könnte man schon mit arbeiten. Fände ich nicht tragisch. Außerdem kann sich Súlfr dann jetzt ihr Angst-Gerede auch sonst wo hinschieben.
Genauso wie ich es vergessen konnte, die Verwandlung noch länger herauszuzögern. Sie zeigte mir die Richtung, die von den anderen fortführt - definitiv die beste Variante, um nicht aus Versehen jemanden anzufallen - und ich lief los.
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