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Netgār

Verehrte Lady Alysanne, tatsächlich haben sich jüngst Ereignisse zugetragen, welche - und ich möchte es an dieser Stelle nicht beschönigen - zu äußerster Aufregung innerhalb des Hohen Rates geführt haben. Sicherlich seid ihr mit der lyrischen Kunst von Vektur van Dhomarich, sowie seinem bekanntestem Werk "Der Galopp des Netgār" bekannt. Die jüngsten Berichte eines Informanten, welcher auf der Insel Cropvest abgesetzt wurde (ein einmaliges Wagnis innerhalb eurer Generation) um neue Daten über den Zustand der örtlichen Natur zu sammeln, scheinen zu bestätigen, dass es so etwas wie einen "Netgār" tatsächlich geben könnte. Beigelegt findet ihr ein Textstück, welches die Erfahrungen unseres Biologen Walter Timbrer schildert.

Ich glaube nicht was ich gleich zu schreiben Gedenke. Ich muss jedoch, ich weiß dass ich jene abscheulichen und abartigen Erfahrungen zu Papier bringen muss.

Dies tue ich nicht einmal aufgrund der wissenschaftlichen Redlichkeit, welcher ich mich seit jeher eisern verschworen habe, sondern aufgrund der Hoffnung, dass ein gnädiger Zustand der Katharsis einsetzen möge, sobald ich diesen Fleischgewordenen Albtraum mit Tinte auf Papier gebannt habe, um somit zumindest ein Stück Kontrolle und Frieden zurückzuerlangen. Ich war gerade dabei Proben einer neuartigen, leuchtenden Weizenvariante zu skizzieren, als ich ein unterdrücktes Jaulen hörte und mich daraufhin einige Meter durch besagtes Weizenfeld hin zu jenem wehleidigen Geräusch bewegte. Es klang nach einem kleinen Säugetier, sodass ich aufgrund meines geschulten Wissens in Bezug auf die Fauna und Flora der Insel Cropvest nicht davon ausging in akuter Gefahr zu schweben, womit ich vorerst recht behalten sollte. Es handelte sich tatsächlich um eine junge Hirschkuh mit kräftiger Statur, welche mit aufgerissenem Leib ihre letzten Atemzüge tat. Was auch immer dies angerichtet hatte, besaß nicht nur rasiermesserscharfe Klauen oder Reißzähne, sondern hatte sich unbemerkt (sowohl von mir als auch jener besagten Hirschkuh) auf wenige Meter angenähert und sein Opfer lautlos erlegt.
Dann hörte ich ein merkwürdiges Klingeln, welches sich in unregelmäßigen Abständen wiederholte. Nach einigen Augenblicken war ich mir geradezu sicher, dass sich jenes glockenähnliche Klirren immerzu in meinem Rücken befand und sich gemeinsam mit mir im Kreis bewegte...oder mich lautlos umrundete. Mein Puls stieg schlagartig an und Kalter Schweiß trat mir auf die Stirn als ich ein fast einvernehmliches, geradezu zärtliches plätschern, oder Gluckern hörte. Damals dachte ich, bereits halb dem Wahn und der Schockstarre vollendest verfallen für einen Herzschlag darüber nach, ob der tosende Wind meinen Sinnen nicht doch etwa einen Streich spielte...bis mir aus meinen kartografischen Bemühungen der letzten Tage klar wurde, dass jenes unheilvoll fluoreszierende Feld in welchem ich mich befand doch tatsächlich von einer Sumpfartigen Vegetation umrundet war. Langsam begann ich mich langsam zurückzubewegen, immer mit Starrem Blick auf die niedergetrampelten Halme und Blätter, welche meinen rettenden Rückweg signalisierten und versuchte mich indessen - gleich einem verzweifelten Mantra - stetig davon zu Überzeugen, dass niemand auf Abysbour die Insel Cropvest so intensiv studiert hatte wie ich und dass ich mir bei bestem Willen keiner Kreatur bewusst war, welche eben jener Schreckensgestallt gleichkam, welcher mein mit Adrenalin geschwängertes Gehirn auf meine geistige Leinwand schmierte. Ich sah bereits die leicht erhöhte Hügelkette, welche das leicht niedere Feld und die umliegende Sumpfvegetation umgab (und hinter welcher sich in nicht allzu ferner Distanz unser Forschungsboot befand) als eine mächtige Kreatur aus den dreckigen, sich rapide teilenden Gewässern zu meiner rechten erhob und bereits innerhalb jener abartigen und doch zugleich eleganten Bewegung ein wieherndes Schreien von sich gab, welches mich nie mehr verlassen wird.
 Das Wesen war von Schlamm, Algen und weiterem Treibgut gnädiger Weise zu weiten Teilen verdeckt, jedoch war jener langgezogene, pferdeartige Schädel, welcher direkt zu vier zusammengehörigen Kiefern mit jeweils einer Unzahl an dolchartigen Fangzähnen bewährten Hölle der Verdammnis auseinander klappte unmöglich zu übersehen. Dicke Blutstropfen rannen an dem Teils filzigen, teils reptilienartigen Körper entlang, welcher ebenfalls der grundsätzlichen Form es pferdeähnlichen Wesens glich anmutet. Schlank, drahtig und doch zugleich Kräftig bewegten sich die Muskeln jenes Wesens, als seine vorderen und hinteren Gliedmaßen auf umliegenden Felsen stützte, welche im entferntesten an langliedrige, Menschliche Hände erinnerten, welche sich geradezu liebkosend um die besagten Felsen schmiegten und ihm (so glaube ich rückblickend) einen ausgezeichneten Halt an jeglichen Oberflächen bietet. Der bisher im brackigen Wasser des Feldes verschwundene Schweif jenes Wesens peitschte plötzlich aus dem sich immer weiter blutrot färbenden Moor und verfiel ihn ein unaufhörliches crescendo, welches sich mit dem teils menschlich, teils absolut undefinierbarem Gekreische jener Kreatur verband und mir nicht nur arglistige Tötungslust, sondern - und dies verstörte mich fast am meisten - endlosem Leid verbunden war. Die Tief in den Augenhöhlen liegenden Augäpfeln oszillierte zwischen Katzenähnlichen Schlitzpupillen und den Augen eines ganz normalen Erwachsen, wobei das tollwütige schreien sich mit ersterem, jene Klagvollen Laute mit letzterem Augenmerk zu synchronisieren schienen. Der Gestank, welcher mich umarmte, als ich mit offenem Mund versuchte einige Schritte über den steinigen und schlammigen Boden zu stolpern, ohne meinen Blick von jener mächtigen Gestalt abwende zu können ließ mich trotz meines schier unbeschreiblichen Fluchtreflexes augenblicklich würgen, sodass meine Sicht sogleich verschwamm, da mir jener Würge Reitz ganze Bäche an salziger Flüssigkeit in die Augen zu treiben schien. Das Wesen bewegte sich langsam auf mich zu, klappte in einer fließenden Bewegung seine "Handgelenke" ein, drückte seine offensichtlich höchst flexible Wirbelsäule (wenn solche Wesen überhaupt so etwas ihr eigen nennen können) gen Boden und nahm eine lauernde Haltung ein, welche einem echten Pferd oder Maultier niemals vergönnt gewesen wäre und vielmehr mit der Jagdhaltung von etwaigen Großatzen zu vergleichen gewesen wäre, was besonders durch dich sich abzeichnenden Schulterblätter innerhalb jener kauernden Pose deutlich machte. Ab diesem Punkt verlor ich mein Bewusstsein und es ist meiner treuen Crew zu verdanken, dass ich heute hier zu sitzen vermag, um eben jene Geschichte für die Nachwelt festzuhalten. Ich bitte meine Krude Schrift zu entschuldigen, denn das Schreiben mit meinem linken Arm ist noch äußerst ungewohnt für mich. Ich bitte sie inständig meinem Schiff und meiner Mannschaft die Einreise nach Yarnwall zu gewährleisten, wir haben unsere Dienste dem Vaterland gegenüber getan.
Weiterhin bitte ich sie von weiteren Expeditionen der Insel Cropvest abzusehen und keine weiteren verlorenen Seelen zu einer wissenschaftlichen Exkursion zu verführen. Auf der Insel wandeln Dinge und Gestalten, welche nicht für unsere Augen bestimmt sind, für keinen von uns. Wenn es einen Gott geben sollte, so möge er uns beistehen.
Walter Timbrer
Scientific Name
Unbekannt
Origin/Ancestry
Cropvest
Discovered by

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