Thu, Sep 25th 2025 07:15
Edited on Wed, Jul 1st 2026 02:04
Es war eine aufregende Nacht gewesen, trotzdem ist Gregorian wie fast immer zeitig auf den Beinen. Seinen Morgentee hat er mit einem großzügigen Schuß Branntwein aufgewertet und sich in seinem Lieblingsstuhl breit gemacht. Er genießt die ungestörte kurze Zeit am frühen Morgen und läßt seine Gedanken freien Lauf. So sehr er die wieder aufgeflammte Beziehung zu T'Sai auch genießt, ist es ihm doch klar, daß er sich nicht nur im gemeinsamen Bett in ihre Hand begeben hat. Doch der anfänglich zornige Widerwille hat einer heiteren Erleichterung Platz gemacht. Jahrzehntelang hatte er Verantwortung getragen, die ihn nicht selten schwer gedrückt hatte. Doch jetzt hat T'Sai einen Teil dieser Verantwortung begierig von seinen Schultern genommen und ihre neugewonnene Macht beflügelt und begeistert sie. Das erste Mal seit langer Zeit ist er nicht bloß zufrieden, sondern fast schon glücklich.
T'Sais Herrschsucht, ihr messerscharfer Verstand, ihre Schönheit, ihre Durchtriebenheit und Skrupellosigkeit machen sie nur umso begehrenswerter. Daß sie ihm Erfüllung schenkt, ist nicht nur ihrer unzweifelhaften Zuneigung zuzuschreiben, sondern zu einem Teil Berechnung. Doch auch dieser Umstand trägt nur zu ihrer Anziehungskraft bei. Schmunzelnd nippt er an seinem Tee. T'Sai hatte wie so oft recht gehabt mit ihrer Beurteilung Alessandrinas. Verglichen mit ihr war die verblichene Gräfin tatsächlich nur eine kleine Dirne gewesen, die das Glück gehabt hatte, ihn auf dem falschen Fuß zu erwischen. Doch da reißt ihn leises Klopfen aus seinen Gedanken. Da ihn niemand zu dieser Stunde zu stören wagt, wenn es nicht wichtig ist, erhebt er sich seufzend aus seinem Stuhl. Er wollte T'Sai nicht mit einer gerufenen Aufforderung einzutreten wecken, so öffnet er selbst die Türe zu seinen Privaträumen. Mit einer Entschuldigung übergibt ihm eine seiner Untergebenen eine Nachricht und ein Päckchen mit dem Hinweis, daß der Bote von Loros Onkel darauf bestanden hat, daß die Nachricht sofort zu übergeben ist. Gregorian selbst hatte Anweisung gegeben, daß dieser Klient bevorzugt zu behandeln ist. So nimmt er mit einem gemurmelten Dank Schreiben und Päckchen, schließt die Türe und begibt sich wieder an seinen Platz. Er öffnet die Nachricht und nach einigen Augenblicken läßt er das Schreiben sinken. "Bei den Schatten! Ist dieser Kretin völlig verrückt geworden?": entfährt es ihm.