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Tue, Jul 22nd 2025 08:14   Edited on Mon, Feb 23rd 2026 03:44

[Tag 23 Mittags] Die kulinarische Abwechslung

Mit den 15 Filis in der Tasche, dem einzigen Geld, das die Dragha zu zahlen bereit war, machte sich Astrid daran, die Küche des "Lachenden Zwillings" auf den Kopf zu stellen. Es war an der Zeit, Sayas Anspruch auf "etwas Neues" zu begegnen, auch wenn die Mittel begrenzt waren.   Sie durchsuchte jede Speisekammer, jeden Winkel, jede Truhe. Ihre Hände gruben sich durch alte Säcke mit Getreide für Brei oder Grütze, hoben staubige Töpfe und inspizierten die letzten, oft traurigen, Reste an Vorräten wie Zwiebeln, Kraut oder Linsen. Viel gab es nicht. Tierische Produkte waren für die meisten unerschwinglich, und die Vernachlässigung der Schenke hatten ihre Spuren hinterlassen.   Die allgegenwärtigen Ratten waren zwar eine Option, aber Saya hatte klargemacht, dass sie davon genug hatte. Astrid stand in der rauchigen Küche des "Lachenden Zwillings", die 15 Filis sicher in einem kleinen Beutel an ihrer Hüfte. Nachdem sie den kargen Vorratsschrank geplündert und eine Liste der unverzichtbaren Dinge erstellt hatte, war sie zum Markt gegangen. Sie hatte jeden einzelnen Fili dreimal umgedreht und gefeilscht, wo immer es möglich war. Am Ende hatte sie das Beste herausgeholt, was ihr Budget zuließ: ein paar kräftige, frische Zwiebeln, ein Kopf Kraut, ein Bündel duftender Wildkräuter, die sie von einem alten Bauern bekam, und – das Highlight – einen stattlichen, frisch gefangenen Olifern-Hecht, den sie zu einem überraschend guten Preis ergattert hatte.   Zurück in der Küche, legte Astrid ihre Schürze an. Der Geruch von altem Bier und feuchtem Holz wich langsam dem warmen Duft von gebratenen Zwiebeln. Das Kochen war für Astrid mehr als nur Arbeit; es war eine Quelle der Freude. Sie liebte es, aus dem Wenigen, das vorhanden war, etwas Nahrhaftes und Schmackhaftes zu zaubern. Ihre Hände bewegten sich flink und präzise.   Sie schnitt die Zwiebeln in feine Würfel, das Kraut wurde akkurat zerlegt. Der Hecht wurde sorgfältig ausgenommen und filetiert, jeder Schnitt saß perfekt. Astrid summte leise vor sich hin, während sie arbeitete. Es war die Art von Genugtuung, die sie aus der Erschaffung von etwas Nützlichem zog, aus dem Gefühl, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Der Topf auf dem Feuer köchelte leise, erfüllt von einem würzigen Duft, als die Zwiebeln glasig wurden und das Kraut weichfiel. Sie gab das Fischfleisch hinzu, ließ es kurz anbraten und löschte es dann mit etwas Wasser vom Brunnen ab – abgekocht, um Krankheiten zu vermeiden. Die Wildkräuter wurden fein gehackt und kurz vor Ende hinzugefügt, um ihr volles Aroma zu entfalten.   Es wurde kein Schweinegulasch mit Honig und grünem Salz, aber es wurde ein deftiger, aromatischer Hecht-Kraut-Eintopf. Ein Gericht, das die Seele wärmte und den Magen füllte. Astrid rührte den Eintopf noch einmal um, schmeckte vorsichtig ab. Ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, diesmal ein echtes, zufriedenes Lächeln. Es war gut. Sehr gut sogar.   Und mit diesem Eintopf stand sie nun vor der Residenz der Dragha und bittet um Einlass  
Tue, Jul 22nd 2025 09:40

Astrid ist inzwischen oft genug in der Residenz ein- und ausmarschiert, dass sie ohne größere Verzögerung durchgelassen wird. Freilich verursacht der Topf mit dem Eintopf einige verwunderte Blicke. Als sie dann in der Tordurchfahrt steht, wird sie zunächst einmal angewiesen zu warten. Es dauert nun etwas, bis Marigar, der Leiter der Leibwache der Dargha, auf sie zutritt. Auch sein Blick fällt auf den Topf, den Astrid trägt.   “Ich könnte mich nicht erinnern, dass die Dargha schon wieder einen Eintopf bestellt hat,” sagt er mit einem recht unfreundlichen Unterton. “Aber komm erst mal mit.”   Es geht nun die Treppe nach oben, in das Speisezimmer. Gulama ist in der Küche, rührt kräftig in einem Topf. Der Geruch ist gar nicht mal so schlecht - die Dargha hat wohl ziemlich übertrieben, als sie die fehlenden Kochkünste der Blondine kritisiert hat. Auf der anderen Seite bemüht sich Gulama auch, sich jeden Tag zu verbessern, was ihr auch ziemlich gut gelingt.   “Warte hier,” schnarrt Marigar und geht die Treppe nach unten. Gulama indes schaut aus der Küche, etwas verwundert über den Topf, den Astrid mithat. Sie lächelt ihr aufmunternd zu.   “Viel Glück!” ruft sie aus der Küche, widmet sich dann jedoch wieder den Eintopf, den sie für die Dargha zubereitet.
Tue, Jul 22nd 2025 10:12

Wieder wartet Astrid einige Zeit, dann hört sie nackte Füße und feste Stiefel die Treppe aus der Tordurchfahrt hochlaufen. Und einige Augenblicke später steht die Dargha im Esszimmer, gefolgt von Marigar.   Die Dargha war wohl gerade beim Training. Sie trägt nichts außer einem ledernen Bustier und einer Hose aus demselben Material. Ihr ganzer muskulöser Körper ist schweißnass, aus den zusammengebundenen Haaren haben sich einige Strähnen gelöst und kleben im Gesicht. An einer Seite ist nun ein kahler Streifen zu erkennen, Narben, die es dem Haar wohl ewig unmöglich machen, diesen jemals wieder zu bedecken. Die Dargha atmet schwer, der Brustkorb hebt und senkt sich und gibt den auftätowierten Schlangenschwänzen fast den Eindruck, als würden sie sich hin und her bewegen. Und die Schlangen auf ihrem Bauch, links und rechts vom Nabel, machen den Eindruck, als hätten sie sich aus ihrer Hose erhoben, um sich am Nass ihres Schweißes zu laben. Die Dargha sieht Astrid unverwandt an, ihr Blick verfinstert sich sofort.   “Marigar, bereite den Balken vor,” sagt sie mit beinahe drohendem Unterton. “Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir ihn bald brauchen werden.”   Dann schaut sie zunächst Astrid finster in die Augen, dann auf den Topf, dann wieder zurück zu ihren Augen.   “Was willst du? Ich habe nichts bestellt!”
Tue, Jul 22nd 2025 10:27

Astrid spürte die eiskalte Drohung in Sayas Stimme und den bohrenden Blick, der sie traf. Der Schweiß auf Sayas muskulösem Körper und die Narben in ihrem Gesicht machten ihre Worte umso eindringlicher. Der Geruch von Leder und hartem Training hing in der Luft, vermischt mit einem Hauch von Gulamas „Kochkünsten“ aus der Ferne. Doch Astrid hielt Sayas Blick stand, tief durchatmend, um die Furcht zu unterdrücken, die sich in ihr ausbreitete. Ihr Herz schlug einen hastigen Takt gegen ihre Rippen, aber äußerlich blieb sie ruhig. Es war Zeit für einen neuen Ansatz, eine andere Melodie als das bisherige Gezänk.   „Dragha“, begann Astrid, ihre Stimme war nun ruhig und respektvoll, ohne jede Spur von Trotz, die sonst so oft aus ihr sprach. „Ich möchte mich aufrichtig für alle Unannehmlichkeiten entschuldigen, die ich Euch bereitet habe.“ Sie machte einen kleinen Schritt nach vorne, den Topf noch immer fest in den Händen haltend. Das Gewicht des Topfes gab ihr Halt in dieser angespannten Situation. Ihr Blick wanderte zu dem Eintopf, und ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, das nun warm und echt wirkte, nicht mehr gezwungen wie vorhin. „Ich weiß euch steht Eintopf bis zum Hals aber ich finde, dieser besondere Eintopf ist mir sehr gelungen. Nach unserem Gespräch heute Morgen habe ich nichts Unversuchtes gelassen und bin direkt zum Markt gegangen, um die besten Zutaten zu finden, die ich für das Geld bekommen konnte.“   Sie hob den Topf leicht an, so als wolle sie den Inhalt präsentieren und den warmen Duft von gekochtem Fisch und frischem Kraut zu Saya aufsteigen lassen. „Ich möchte Euch versichern, dass ich keine Ratte verwendet habe“, betonte sie nochmals, ihre Stimme fest und klar doch ein breites Lächeln im Gesicht. „Für den Betrag, den Ihr bezahlt habt, Dragha, konnte ich mir ordentliche Zutaten vom Markt besorgen, wie frischen Fisch und gutes Kraut.“ Ihr Blick war ernst und aufrichtig, ihre dunkelbraunen Augen suchten nach einem Zeichen der Annahme. „Ich hoffe sehr, dass Ihr meine Entschuldigung annehmt und diesen speziellen Eintopf als ein aufrichtiges Zeichen meiner Entschuldigung seht.“ Astrid senkte den Topf wieder leicht und blickte der Dragha fest in die Augen.„Ihr könnt Euch auf mich verlassen, Dragha. Ich werde mein Bestes tun, damit der 'Lachende Zwilling' Euch zur Ehre gereicht.“
Tue, Jul 22nd 2025 10:47

Zunächst schaut die Dargha immer noch gleich finster, doch je länger Astrid redet, desto mehr klart der Blick sich auf. Schließlich schaut sie sie mit einem leichten Grinsen an, etwas abschätzig zwar, mit ziemlich herausforderndem Blick. Sie antwortet kein Wort. Stattdessen geht sie zu Gulama in die Küche. Im Vorbeigehen gibt sie der blonden Sklavin einen Klaps auf den Hintern. Wenig später kommt sie zurück, mit zwei Tellern und zwei Löffeln sowie einer Schöpfkelle. Sie stellt das ganze auf den Tisch. Wortlos nimmt sie Astrid den Topf aus der Hand und stellt ihn neben die Teller.   “Setz dich!” sagt sie nur kurz, füllt dann die Teller, stellt eines vor und eines neben sich. Sie lässt einen Löffel in ihr Teller fallen, einen in das, das sie offensichtlich für Astrid bereitgestellt hat. Sie selbst lässt sich auf eine Stuhl fallen, taucht den Löffel in den Eintopf und führt ihn zum Mund. Eine Weile behält sie den Eintopf im Mund, dann schluckt sie hinunter.   “Und was würde dieser Eintopf kosten?” fragt sie dann kühl, doch wenigstens ist dieser drohende, tiefschwarze Unterton vergangen.
Tue, Jul 22nd 2025 11:09

Astrid war völlig verwundert über die Frage. Der Übergang von der Drohung mit dem Balken zu dieser beinahe geschäftlichen Nachfrage war abrupt und unerwartet. Dennoch nutzte sie die Gelegenheit. Ohne zu zögern, setzte sie sich neben die Dragha an den Tisch, wobei sie versuchte, die körperliche Nähe so unauffällig wie möglich zu gestalten.   „Für Euch, ist dieses Essen selbstverständlich kostenlos“, sagte Astrid mit einem leichten Lächeln, das nun echter und weniger angespannt wirkte. Sie dachte kurz nach, während ihr Blick über den dampfenden Eintopf glitt. „Aber wenn Ihr fragt, für wie viel ich diesen Eintopf anbieten würde, dann wären das ungefähr sechs Filis pro Portion. Ich habe mir darüber noch keine genauen Gedanken gemacht, aber die Zutaten sind hochwertiger als unser übliches Angebot.“   Sie blickte Saya erwartungsvoll an. „Schmeckt Euch dieses Essen?“, fragte Astrid, ihre Augen aufmerksam auf Sayas Reaktion gerichtet. Dann nahm sie selbst einen Löffel und schöpfte sich eine Portion auf ihren Teller. Sie führte den Löffel zum Mund und genoss jeden Bissen des warmen, würzigen Hecht-Kraut-Eintopfs, der ihr in dieser angespannten Situation eine willkommene Stärkung war. Die Aromen tanzten auf ihrer Zunge, eine kleine Genugtuung inmitten der großen Unsicherheiten.
Tue, Jul 22nd 2025 12:57

Die Dargha schiebt sich noch einen Löffel des Eintopfs in den Mund. Dann sieht sie Astrid wieder an, noch immer kühl, sachlich.   “Sechs Filis sind zu viel,” sagt sie ruhig. “Das kann sich kein Schwein leisten. Versuch, noch etwas billigen Fisch untermischen, ein paar Kartoffeln, irgendwas, das den Bauch vollmacht und den Geschmack annimmt. Du musst auf 3 Filis, höchstens 4 kommen. Die Leute hier verdienen noch nicht so viel.”   Sie schaut wieder zu ihrem Teller und nimmt noch einen Löffel davon. Dann sieht sie wieder zu Astrid.   “Und wenn ich es bestelle, dann bezahle ich dir auch 10 Filis für die Portion. Aber dann lässt du mir dieses bekackte Wasser weg, dünstest mir den dummen Fisch mit den Zwiebeln und den Kräutern, oder brätst ihn, wie immer du willst. Aber mach mir nicht ständig und immer nur Eintopf. Das ist Arme-Leute-Essen, das geht gut für dich, das geht gut für mich, für meine Männer. Aber es geht nicht gut, wenn ich Gäste habe.”   Sie nimmt noch einen Löffel, schaut dann eine Zeit lang auf die Wand gegenüber. Dann legt sie Astrid eine Hand auf den Oberschenkel, sieht sie mit nun plötzlich freundlichem Lächeln an.   “Aber du hast das gut gemacht,” sagt sie schließlich. “Das schmeckt! Das schmeckt wirklich!”
Tue, Jul 22nd 2025 09:01

Astrid spürte die Hand auf ihrem Oberschenkel, eine Geste, die sie überraschte. Sie sah in Sayas Gesicht und erblickte dort das erste Mal ein Lächeln, das nicht drohend oder spöttisch wirkte. Ein echter Funke von Anerkennung blitzte in ihren Augen.   „Ich danke Euch, Dragha“, antwortete Astrid, die Erleichterung in ihrer Stimme war kaum zu überhören. Sie genoss einen weiteren Bissen des Eintopfs und nickte bei Sayas Anweisungen. „Ich verstehe. Eintopf für die Leute, aber für Gäste etwas Besonderes. Ich werde mir Eure Worte zu Herzen nehmen.“   Sie blickte auf den Teller der Dragha, der sich langsam leerte. „Ich werde es versuchen, mit den 3 Filis für die Leute im Viertel auszukommen“, sagte sie nachdenklich. „Es wird eine Herausforderung, aber ich nehme sie an. „Es gibt da noch so einiges, das ich gerne auf die Speisekarte setzen würde.
Tue, Jul 22nd 2025 10:34

Das Lächeln auf dem Gesicht der Dargha vergeht, und sie sieht ihr tief in die Augen. Aber plötzlich ist für einen kurzen Augenblick sogar ein Aufblitzen von Wärme zu sehen, bevor sie Astrid wieder kalt anschaut.   “Es ist ganz einfach,” sagt sie dann wieder kühl und sachlich. “Der Zwilling ist nicht einfach etwas, mit dem ihr euch eine goldene Nase verdienen sollt. Vielleicht schafft ihr das ja auch irgendwann. Aber der Zwilling ist wichtig für das Viertel. Die Leute brauchen einen Ort, an dem sie sich treffen können. Und sie müssen sich den Ort leisten können. Du brauchst also einige Gerichte, die du eben für zwei oder drei Filis anbieten kannst, und wenn es eine verdammte Grütze mit drei Fischschwänzen ist. Sie muss nur besser schmecken, als den Fraß, den sie sich zu Hause zusammenmischen. Ihr bringt sie ihnen auf einem sauberen Teller, lächelt brav und tut so, als wäret ihr froh, dass sie bei euch sitzen. Das heißt nicht, dass ihr umsonst arbeiten sollt, aber die Leute müssen kommen können, Dünnbier saufen und das Fressen können, das die schöne Astrid für sie zubereitet hat.”   Die Augen der Dargha schwenken kurz an Astrid auf und ab, sieht ihr dann wieder in die Augen.   “Ich sage dir, es wird bald Leute hier geben, die auch sieben oder acht Filis ausgeben können, und mit denen macht ihr dann euer Geld. Und bis dahin, naja, da reißt du dich gehörig zusammen, wenn ich etwas bestelle.”   Die Hand rutscht auf ihrem Oberschenkel ein kleines Stück nach oben.   “Haben wir uns verstanden?”
Wed, Jul 23rd 2025 10:40

Astrid spürte die Hand auf ihrem Oberschenkel, wie sie ein Stück nach oben rutschte, und der letzte Rest ihres Lächelns verschwand. Es war für sie keine Geste der Zuneigung, sondern eine Warnung, eine unmissverständliche Erinnerung daran, wer hier das Sagen hatte. Sie spürte Sayas Blick auf sich ruhen, eine Mischung aus Kälte und einer Macht Sie schluckte und nickte langsam. Ihre Augen wanderten kurz zu der Hand auf ihrem Schenkel, bevor sie wieder in Sayas Augen blickte.   „Ja, wir haben uns verstanden“, sagte sie leise, ihre Stimme klang nun fest und klar, ohne den vorherigen Enthusiasmus. Sie blickte Saya direkt in die Augen, ihre eigenen dunklen Augen spiegelten nun eine Mischung aus Trotz, Entschlossenheit und einer neu entfachten Vorsicht wider. Astrid verstand. Der „Lachende Zwilling“ war mehr als nur eine Schenke. Sie würde die Grütze mit den Fischschwänzen machen und dabei lächeln.   Ein Lächeln, das Saya bald nicht mehr von einem echten unterscheiden konnte.
Wed, Jul 23rd 2025 11:16

Ein zufriedenes Lächeln macht sich auf dem Gesicht der Dargha breit. Sie nickt kurz, zieht die Hand zurück und nimmt noch einen Löffel von dem Eintopf.   “Aber es ist gut, es ist wirklich gut,” meint sie. Sie löffelt noch zwei Mundvoll in sich hinein, dann dreht sie sich zu Astrid. Sie legt ihr einen Arm um die Schulter, beugt sich zu ihr hin, bis nur mehr zwei Finger zwischen ihre Nasenspitzen passen würden. Sie schaut ihr wieder tief in die Augen, mehr forschend als drohend oder flirtend.   “Warst du schon einmal in der Schmutzigen Ente?” fragt sie dann unvermittelt.
Wed, Jul 23rd 2025 11:55   Edited on Wed, Jul 23rd 2025 01:16

Astrid spürte Sayas Arm auf ihrer Schulter, die Nähe, die nur wenige Fingerbreit zwischen ihren Gesichtern schuf, und den forschenden Blick in ihren Augen. Die Frage nach der Schmutzigen Ente kam so unerwartet, dass sie einen Moment brauchte, um sie zu verarbeiten. Sie spürte, wie die Temperatur in ihrer Nähe anstieg, nicht nur wegen des Schweißes, sondern wegen der Intensität, die Saya ausstrahlte.   „Die Schmutzige Ente?“, wiederholte Astrid langsam, ihr Blick glitt kurz von Sayas Augen hin zu ihren Lippen und dann wieder zurück. „Ich weiß, wo das ist, natürlich.“ Sie schluckte, ihre Kehle fühlte sich plötzlich trocken an. „Aber nein. Ich war dort noch nie.“   Ein kleines, bitteres Lächeln huschte über ihre Lippen. „Mein Bruder hätte mich nie in so einen Laden gelassen. Nicht in die Schenke, nicht ins Restaurant und schon gar nicht ins Bordell.“ Sie hob die Schultern. „Er ist der Typ, der seine Filis dreimal umdreht"   Die Erinnerung an ihre Vergangenheit schien in diesem Moment weit entfernt, fast wie die Geschichte einer anderen Person.
Wed, Jul 23rd 2025 02:53   Edited on Wed, Jul 23rd 2025 02:57

Die Dargha lässt Astrid los, sitzt nun wieder gerade auf ihrem Stuhl. Sie schmunzelt, sieht Astrid an. Nun ist sogar etwas Belustigung in ihrem Blick.   “Dein Bruder passt so richtig in das verblödete Thornhoff-Pack,” antwortet sie süffisant. “Wenn ich nur euch beide hätte, ich würde dich zur Königin machen und ihn zu deinem Fußabstreifer.”   Das Grinsen vergeht, der Blick bleibt aber freundlich. Sie erhebt sich leicht, kramt in den Taschen ihrer Hose herum, holt ihr Rauchzeug heraus und entzündet sich eine Zigarette.   “Weißt du, was dein Problem ist?” fragt sie dann mit kühler Stimme, aber mit weit weniger kühlem Blick. “Du kannst kochen. Du weißt, wie man kocht. Aber du weißt nicht, was man kocht. Und der Grund ist eben ganz einfach der, dass dein Bruder nur auf sich selbst schaut, dass du ihm scheißegal bist. Und so hast du ein wahnsinniges Talent zum Kochen. Und ich wette, du hättest auch zahlreiche andere Talente, wenn du dich nicht immer so saublöd anstellen würdest, dass die gar keiner sieht. Aber du musst einmal richtig essen, dass du überhaupt siehst, dass es außer Eintopf noch andere Sachen gibt. Dass du Zeug kochen könntest, für das du auch 15 oder 20 verdammte Filis für die Portion verlangen kannst. Nicht jetzt, aber irgendwann.”   Sie zieht an der Zigarette, dann schaut sie Astrid wieder an. Plötzlich schnellt ihre linke Hand nach vorne und packt sie ihm Nacken, zieht sie ein Stück zu sich heran.   “Verdammt, Astrid,” sagt sie, nun in weit aggressiverem, emotionalen Tonfall, “ich bin nicht deine Feindin. Ich kann es sein, wenn du so weitermachst, und du wirst dann erst sehen, was es heißt, eine Feindin zu haben. Aber wenn du so bist wie heute, du wirst sehen, aus dir kann in diesem Viertel etwas werden. Und deshalb gehen wir morgen Abend in die Schmutzige Ente, wir beide. Nicht in die Kneipe, nicht ins Bordell. Wenn ich dich abfüllen wollte, wenn ich dich ficken wollte, ich könnte das hier und jetzt. Wir gehen ins Restaurant, damit zu siehst, was sie in der Ente kochen. Denn die Ente ist das beste Restaurant auf Imeria-Gebiet. Und meine Erwartung an dich ist, dass sich das ändert. Ob das jetzt der Zwilling ist oder meinetwegen das Gasthaus zu Geilen Astrid ist mir scheißegal. Aber du wirst kochen, so gut, dass ganz Pelorn in dieses Viertel kommt, um deinen Scheiß zu Fressen, um einen Lamen für ein Menü auszugeben. Und du wirst mit dafür sorgen, dass dieses Viertel nicht mehr das verfickt letzte Viertel der Stadt ist, wo du hinwillst. Du wirst mit dafür sorgen, dass die Leute sagen, das Viertel rund um den Lachenden Zwilling, da bringst du dein Geld hin, weil besser ausgeben kannst du es gar nicht.”   Sie lässt Astrids Nacken wieder los, zieht abermals an der Zigarette.   “Also, haben wir ein Rendezvous für morgen Abend?” fragt sie dann und zieht verführerisch eine Augenbraue nach oben. “Wenn du willst, schicke ich Gulama in den Zwilling. Deinen verdammten Eintopf warmhalten und auf ein paar armselige Teller schöpfen, das kriegt sie mindestens so schnell hin, wie Tara den Scheiß in den Gastraum tragen kann.”
Thu, Jul 24th 2025 12:59

Astrid spürte Sayas Hand in ihrem Nacken, fest, aber nicht schmerzhaft, und wurde ruckartig zu ihr herangezogen. Der Geruch von Tabak füllte ihre Nase. Sayas Worte prasselten auf sie ein, eine Mischung aus aggressiver Forderung und einem echten Wunsch, sie zu fördern. Die plötzliche Aggression, die sich dann in ein Angebot verwandelte, ließ Astrids Kopf schwirren, aber nicht aus Angst, sondern aus einer aufregenden Erkenntnis. Saya wollte ihr nichts Böses; sie wollte sie nur herausfordern und formbar machen. Sie verstand die Drohung – sie war nicht Sayas Feindin, aber sie konnte es werden, wenn sie nicht mitspielte. Doch sie verstand auch die Chance, die Saya ihr hier auf dem Silbertablett servierte. Ein Lamen für ein Menü? Das war ein Vermögen! Die Aussicht, den Zwilling zu einem Ort zu machen, an dem ganz Pelorn speisen wollte, ließ eine Welle von Ehrgeiz in ihr aufsteigen.   Sie versuchte, die körperliche Nähe und die verführerisch erhobene Augenbraue zu ignorieren, die eine weitere, unausgesprochene Einladung darstellten. Astrid schluckte. „Ein Rendezvous“, wiederholte sie leise, um Zeit zu gewinnen, um die volle Tragweite von Sayas Worten zu erfassen. Das Adrenalin pumpte noch immer durch ihre Adern, aber darunter lag ein aufregendes Kribbeln. Die Schmutzige Ente. Das beste Restaurant. Eine Lektion, keine Bestrafung. Eine Gelegenheit.   „Ja“, sagte Astrid schließlich, ihre Stimme wurde fester und klarer, ihr Blick voller Entschlossenheit. Sie nickte einmal kurz, der Blickkontakt mit Saya war unerschütterlich. „Ja, Dragha. Wir haben ein Rendezvous.“ Ein Blick auf den Eintopf auf dem Tisch und ein Gedanke an Gulama ließen sie noch hinzufügen: „Und Gulama kann den Eintopf warmhalten. Sie macht das gut.“   Astrid hatte das Gefühl, dass dieses Rendezvous in der Schmutzigen Ente nur der Anfang war. Sie spürte, dass Saya ihr eine Chance gab, eine Lehre erteilte, die sie in Thornhoff nie bekommen hätte.  
Thu, Jul 24th 2025 03:38

Noch einmal nickt Saya zufrieden, lächelt nun wieder einigermaßen freundlich.   “Also gut,” sagt sie. Sie haut ihre Hand auf Astrids Oberschenkel, nicht mit Gewalt, aber doch gut spürbar. “Ich werde dich also morgen abend abholen. Und nun gehe ich wieder trainieren.”   Sie steht auf, dreht sich schon weg, hält dann aber inne. Sie steckt sich die Zigarette in den Mund, kramt mit ihren Händen in der Hose herum und zieht schließlich ein Säckel hervor. Eine kurze Weile hört Astrid das Klimpern von Münzen, und schließlich legt sie einige davon vor Astrid auf den Tisch.   “Drei Portionen zu sechs Filis, das sind achtzehn Filis,” sagt sie nun wieder ziemlich kühl. “Zähl ruhig nach! Ich lasse dir den Topf bringen, wenn er leer ist!”   Nun dreht sie sich wirklich um, und behenden Schritten geht sie zur Treppe. Auf der ersten Stufe dreht sie sich noch einmal um.   “Hast du übrigens etwas Ordentliches zum Anziehen?” fragt sie nun. “Weil mit dem verlausten Kittel brauchst du im Restaurant der Ente nicht aufschlagen.”  
Mon, Aug 18th 2025 11:54

Astrid sah auf die Münzen, die auf dem Tisch vor ihr lagen. Achtzehn Filis. Sie kannte den Wert und diese Summe war mehr, als sie jemals verdient hatte. Ein kurzer, trotziger Funke zuckte in ihren Augen, bevor sie sie wieder hob und Saya direkt ansah.   „Dragha, das ist zu viel“, sagte Astrid mit zitternder Stimme, während sie langsam auf die Münzen zuging und sie mit ihrer Hand bedeckte. Sie hob ihren Blick wieder zu Saya. „Dies war eine Kostprobe und eine Entschuldigung. Ihr braucht dafür nicht zu bezahlen.“ Sie schob das Säckel, das Saya hervorgeholt hatte, mit der Hand zurück. Ihr Blick war leuchtend, eine Mischung aus Stolz und Dankbarkeit.   Als Saya sich umdrehte und die Frage nach ihren Kleidern stellte, konnte Astrid ein kleines, verlegenes Lächeln nicht unterdrücken. Sie wusste, wie sie aussah. Sie hatte nicht mehr als das, was sie am Leib trug, als sie aus dem Thornhoff Gebiet kam.   „Nein, Dragha“, rief Astrid. Ihre Stimme war klar und ruhig. Sie wusste, dass sie hübsch war. Es war keine Eitelkeit, sondern eine Tatsache. Und sie würde sich nicht dafür schämen. „Ich habe nichts Ordentliches zum Anziehen. Das hier ist alles, was ich besitze, seit ich aus dem Thornhoff Gebiet abgehauen bin.“ Sie legte ihre Hände auf ihren verdreckten Kittel.  
Tue, Aug 19th 2025 06:46

Die Dargha nimmt die Münzen und geht damit zu Astrid.     “Das sind keine Almosen,” sagt sie dann kühl. “Du kaufst dir damit weitere Zutaten. Du bringst mir wieder etwas zu essen. Ich sage dir wieder, ob es was taugt und was nicht. Du wirst eine größere Auswahl brauchen als diesen Fisch und ein paar Eintöpfe. Ich zahle dich nicht, damit du mir schöne Augen machst. Ich investiere in dich, damit du dem Viertel etwas bringst. Ganz einfach.”   Sie nimmt ihre Hand und drückt das Geld hinein. Dann dreht sie sich nach Gulama um.   “Prinzesschen!” ruft sie. “Du gehst jetzt mit Astrid in dein Zimmer und schaust zu, dass ihr ein Kleid findet, mit dem sie nicht aussieht wie eine Vogelscheuche. Das leihst du ihr für den Abend morgen in der Ente.”     Und, zu Astrid gewandt, fügt sie noch hinzu: “So, ich gehe wieder trainieren! Bis morgen!”   Sagt es und rennt auch schon wieder die Stufen nach unten.
Tue, Aug 19th 2025 06:47

Gulama kommt aus der Küche und lächelt Astrid an.   “Dann komm,” meint sie. “Schauen wir mal, ob wir etwas für dich finden!”   Als Astrid nun Gulama betrachtet, mit ihrem üppigen Busen, den weiblichen Rundungen, wird ihr auffallen, dass dies so leicht nicht sein wird. Schließlich ist Astrid nicht viel mehr als ein Strich in der Landschaft.