Gulama zuckt mit den Schultern, schaut dann nach links und nach rechts, bevor sie sich auch über den Tresen beugt und ganz leise antwortet: “Ich versuche, daran zu glauben. Aber ich bin mir da nicht so ganz sicher. Ich habe grausame Dinge gesehen, die nur eine Bestie zu tun imstande ist. Und ich habe Dinge gesehen, die nur ein guter Mensch macht.”
Sie setzt sich dann wieder hin, bedankt sich für den Wein und nippt daran.
“Ich bin nicht die Bedienstete der Dargha,” beantwortet sie dann den zweiten Teil von Astrids Frage. “Ich bin ihre Sklavin. Gott sei Dank ist Fräulein Marissa da, so bin ich noch am Leben, und so werde ich auch gut behandelt. So begrapscht die Dargha mich manchmal, aber ansonsten geht es mir gut bei ihr. Also, den Umständen entsprechend.”
Sie denkt nun einen Augenblick lang nach, bevor sie weiter spricht: “Du wirst es vielleicht schon wissen, aber mein Vater hat für Stafan die Finanzen geregelt. Das heißt, er hat Stafan dabei geholfen, dem Haus Imeria das Geld unter der Nase wegzustehlen, und ganz ehrlich, er hat sich selbst auch seinen Teil genommen. Du wirst wohl auch wissen, was mit Stafan und seinen Männern passiert ist. Schließlich haben im Viertel alle noch Tage danach von den verzweifelten Schreien gesprochen, die man gehört hat, als die Dargha sie zu Tode gefoltert hat. Mein Vater schien dabei ganz gut davonzukommen, niemand hat ihn zunächst verdächtigt, etwas mit Stafan zu tun zu haben. Aber dann ist meinem Bruder eine dumme Idee gekommen, und zwar die Dargha, die damals noch Jägerin war, oder vielleicht doch schon Dargha, ich weiß es nicht mehr, mit seinen Freunden zu vergewaltigen. Und Geld dafür zu nehmen, damit jedermann mitmachen oder zuschauen konnte. Es waren Mari und Theomer, die die Dargha gerettet haben, sagt man. Naja, jedenfalls ist die Dargha dann zu unserem Haus gekommen. Sie hat meine Mutter erstochen, meinen Vater massakriert, meinen Bruder und seine Freunde gefoltert und dann vor unserem Haus, das jetzt ihre Residenz ist, gepfählt. Du wirst dich vielleicht an ihre Leichen auf den Pfählen erinnern, die hingen da ja, bis sie zu stinken begonnen haben. Ich wurde als einzige verschont, und ich glaube eben, dass Mari die Dargha dazu überredet hat. Seither bin ich die Sklavin der Dargha.”
Sie nippt abermals von ihrem Glas.
“Das ist meine Geschichte, warum ich der Dargha diene,” schließt sie die Erzählung.