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Sat, Sep 27th 2025 10:20   Edited on Wed, Jul 1st 2026 02:07

[Tag 24, morgens] Eine neue Aufgabe

Es ist wohl das erste Mal passiert, seit Andeth bei Lua eingezogen ist - oder, besser gesagt, dazu gezwungen wurde, bei ihr einzuziehen. Lua ist vor Andeth aufgewacht. Sie haben zusammen noch eine Flasche Wein getrunken, haben lange miteinander geredet. Doch in keinster Weise wie eine Herrin und ein Sklave reden würde, sondern einfach wie es zwei junge Leute tun würden, die einander sympathisch finden. Nun jedoch, als Andeth aufwacht, findet er den Platz im Bett neben sich leer vor. Und sollte er sich also entscheiden, aufzustehen und das Zimmer zu verlassen, wird er eine Szene vorfinden, die sich so auch noch nie zugetragen hat, seit er hier ist.   Lua ist in dem Ess- und Wohnzimmer. Das Licht der Sonne lässt das Zimmer bereits hell erscheinen. Luas Antlitz auf dem großen Bild an der gegenüberliegenden Wand scheint vom Sonnenlicht geradezu mit Leben erfüllt zu sein, und das warme Lächeln, das das Gemälde prägt und das auch der realen Lua so eigen ist, kommt in all seiner Natürlichkeit zur Geltung.   Es dauert nicht lange, da erscheint auch die reale Lua in dem Zimmer. Sie trägt immer noch das leicht durchsichtige Unterkleid, das ihr inzwischen nur mehr als Nachthemd dient, dick genug um Details ihres Körpers zu verschleiern, dünn genug, dass man die Konturen desselben nur allzugut erahnen kann. Sie trägt in einer Hand einen Krug mit frischem Wasser, in der anderen eine Schüssel mit frischem Obst und stellt beides auf den inzwischen schon fast vollständig gedeckten Frühstückstisch. Als sie Andeth erblickt, kommt ein Strahlen in ihre großen, braunen Augen.   “Guten Morgen, Andeth!” grüßt sie ihn freundlich. “Ich hoffe, du hast gut geschlafen! Denn heute wird ein wichtiger Tag für uns werden, glaube ich!”  
Thu, Oct 2nd 2025 07:59

Andeth blinzelt verschlafen gegen das helle, warme Licht, das durch die Vorhänge fällt. Für einen Augenblick meint er, all das sei nur ein Traum gewesen – die Fesseln, die Befehle, die Demütigungen. Doch das Gemälde an der Wand, in goldenes Morgenlicht getaucht, und die stille Gewissheit, dass Lua wirklich dort draußen im Zimmer ist, bezeugen, dass er in einer anderen, vielleicht ebenso gefährlichen, vielleicht aber auch neuen Art von Nähe angekommen ist.   Schlagartig zuckt er zusammen. Ein eisiger Gedanke fährt ihm durch den Kopf: Er hat verschlafen. Es darf nicht sein, dass seine Herrin vor ihm aufgestanden ist. Sein Körper spannt sich, als hätte ihn ein Peitschenhieb getroffen. Noch halb in der Betäubung des Schlafs, reißt er die Augen auf, als könne er so die verlorene Zeit zurückholen.   Wie von der Tarantel gestochen fährt er aus dem Bett hoch, nur in seiner Unterhose, das Herz hämmert wild in der Brust. Er schwankt kurz, noch benommen, und sein Blick irrt gehetzt durchs Zimmer. Mit einer Mischung aus Panik und bitterer Selbstanklage beißt er sich auf die Lippen. „Lua… es tut mir leid, dass ich verschlafen habe,“ stammelt er atemlos, die Stimme voller Unruhe. „Ich… ich wollte es nicht. Ich mache mich sofort an die Arbeit.“   Mit fahrigen Bewegungen rafft er seine Kleidung vom Boden auf, als könne er sich im nächsten Atemzug schon an den Herd stellen, den Tisch decken, irgendetwas tun, um sein vermeintliches Versagen zu tilgen. Seine Finger zittern, als er den Stoff ergreift, die Haut noch warm vom Schlaf, die Gedanken jedoch kalt vor Furcht.
Fri, Oct 3rd 2025 12:10

Lua reagiert mit ihrem warmen, bezaubernden Lächeln, das die strahlenden Augen noch strahlender macht. Sie stellt das Obst und das Wasser auf den Tisch, schaut Andeth in die Augen, intensiv, wie sie immer schaut. Doch ist es kein einschüchternder, vielmehr ein anziehender, beruhigender Blick, eben ganz ihre Art. Und diese Art macht die schöne junge Frau noch anziehender, in all ihrer Reinheit, Ehrlichkeit, Bescheidenheit.   “Nein, Andeth,” antwortet sie, “du hast doch nicht verschlafen. Es ist nur, dass ich früher aufgewacht bin. Freilich hätte ich noch können die Decke anstarren, aber ich habe mir gedacht, ich kann doch auch einmal das Frühstück machen. Ich bin kein Genie in der Küche wie du, aber ich kann wohl einige Dinge hin- und hertragen. Leider ist der Tee noch nicht fertig. Ich habe das Wasser aufgesetzt, aber es wird noch etwas dauern, bis es kocht. Aber setz dich doch und greif inzwischen zu!”   Sie schaut Andeth noch einige Sekunden mit diesem so bemerkenswerten Lächeln an, dann verschwindet sie wieder in der kleinen Küche, nimmt den Topf vom Herd, sät einige Teeblätter in das Wasser, rührt mit einem hölzernen Löffel darin herum.
Fri, Oct 3rd 2025 07:11

Ein Stein fällt Andeth vom Herzen, als er ihre Worte hört. Für einen Moment sinkt der Druck, der seine Brust eben noch zugeschnürt hat, und er atmet spürbar erleichtert auf. Fast zu hastig streift er das Hemd über, die Hände zittern leicht, und er kämpft damit, die Schnur seiner Hose ordentlich zu binden. Noch ehe Lua ganz in der Küche verschwunden ist, hat er sich schon in Bewegung gesetzt – getrieben von dem Drang, wieder das Heft in die Hand zu nehmen.   „Lua… das ist wirklich…“ Er stockt, ringt um die richtigen Worte, findet dann nur ein aufrichtiges, atemloses: „Danke.“ Doch kaum ausgesprochen, packt ihn die alte Gewohnheit: Er stürzt zum Tisch, richtet die Schüssel mit dem Obst zurecht, prüft den Krug mit dem Wasser, als wolle er alles noch einmal mit seiner Hand ordnen.   Dann eilt er in die kleine Küche, wo der Duft der Teeblätter bereits aufsteigt. Ohne Lua zu bedrängen, gleitet er neben sie, greift beinahe automatisch nach einem Tuch, wischt die Tropfen vom Rand der Kanne, ordnet die Tassen bereit, als sei dies sein natürlicher Platz. In der Bewegung liegt keine Strenge, nur eine spürbare Erleichterung, ja fast Freude: dass er wieder etwas tun kann, dass er seiner Rolle gerecht wird.   „Ich mache das schon, lass mich nur,“ sagt er, und ein Lächeln huscht über sein Gesicht – unsicher, aber echt. Für einen Augenblick wirkt er wie befreit, nicht mehr der Gehetzte von eben, sondern einfach ein junger Mann, der aufatmet, weil er nützlich sein darf.
Mon, Oct 6th 2025 06:50

Lua sieht, wie Andeth noch die Schüsseln, die sie bereits auf den Tisch gestellt hat, richtet, dass sie alle so stehen, dass sie von ihrem Stuhl aus am besten aussehen. Ein Lächeln geht über ihre Lippen. Dann rührt sie wieder im Tee, so lange eben, bis Andeth neben ihr steht und ihr schon fast mit Nachdruck klar macht, dass das eben seine Aufgabe sei. Lua tritt einen Schritt zur Seite, legt ihm einen Augenblick lang ihren Arm um die Taille.   “Danke, Andeth,” meint sie nur.   Sie geht schließlich zu ihrem Platz im Esszimmer, setzt sich. Ihr Blick gleitet noch einmal zu Andeth, der nun endgültig “seine” Küche zurückerobert zu haben scheint. Der Blick bleibt vielleicht etwas zu lange an ihm hängen, das warme Lächeln wird etwas breiter. Schließlich greift sie sich einen Apfel und beißt genüsslich hinein.