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Die Neun Höllen

„Durch mich geht man hinein zur Stadt der Trauer,
Durch mich geht man hinein zum ewigen Schmerze,
Durch mich geht man zu dem verlornen Volke.
Gerechtigkeit trieb meinen hohen Schöpfer,
Geschaffen haben mich die Allmacht Ios,
Die höchste Weisheit und die erste Liebe
Vor mir ist kein geschaffen Ding gewesen,
Nur ewiges, und ich muss ewig dauern.
Lasst, die Ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“
- Der erste Gesang des Tieflings Lesoth

Die Gesänge des Barden Lesoths wurden von vielen Kirchen Eschatons als ketzerischer Text eines Wahnsinnigen abgetan, doch es war die Kirche des Pêlor, die sich als erste zu dem Wahrheitsgehalt und Wert dieses Werks bekannte und sich nicht gegen seine Verbreitung stellte. Und so kam es, dass seit dem Beginn des Zweiten Zeitalters die Kirchen des Pantheons der jungen Völker die Gesänge des Lesoths zur Abschreckung und zur Lehre gebraucht haben.
Auch wenn die Aufführung dieser Texte in den grossen Städten verboten ist, finden sich doch immer wieder Gerüchte von Tieflingen, die im verborgenen die Lieder singen - doch sie singen sie nicht - oder nicht nur - zum Lobe des Asmodeus, der auf dem Thron der Neun Höllen sitzt, sondern auch um mehr über ihre eigene Herkunft zu erfahren.

Zusammenfassung

Die neun Höllen sind die Manifestation eines Bösen, das sich durch seine Gesetze, Verträge und Versprechungen am Leben erhält. Durch Asmodeus List, hat er sich den Anspruch auf die Seelen von bösen und grausamen Personen verschafft, welche nicht das Recht haben in den Himmel aufzusteigen und an der Seite der Götter zu verweilen, sondern vielmehr für alle Ewigkeit Qualen erleiden oder für die Neun Höllen den Blutkrieg schlagen müssen.
Im Vergleich zum Abyss weisen die Neun Höllen eine klare Ordnung auf und sind somit diametral den unendlichen Ebenen der Domäne der Erzdämonen und ihrer Heerscharen entgegengesetzt. Aus Lesoths Gesängen können wir erfahren, dass in jedem Höllenkreis ein Erzteufel regiert und sein Reich nach seinen Wünschen geformt hat. Jeder dieser Teufel hat zum Auftrag Seelen Sterblicher zu sammeln, aufdass er seine Quote in der höllischen Bürokratie erfüllen kann. Im Zentrum und am tiefsten Punkt der Hölle sitzt der absolute Herrscher Asmodeus und verwaltet die anderen achte Höllenkreise so gut es geht, wobei es nicht selten zu Anschlägen auf sein Leben kommt, die ihn jedoch eher erheitern als beunruhigen.

Die neun Höllenkreise
1. Avernus - das ewige Schlachtfeld

Im ersten Höllenkreis, der sich Avernus nennt, treffen die Neun Höllen und der Abyss aufeinander und bilden hier ein ewiges Schlachtfeld, welches schon seit Anbeginn der Zeit heftig umkämpft ist. Höllische Maschinen und niedere Seelen stellen sich hier gegen den Ansturm der dämonischen Horden und jede gefallene Seele wird neu geboren, damit sie wieder ihren Dienst in den Legionen der Hölle tun kann.
Zwischen den aufeinanderprallenden Ebenen, verläuft der Fluss Styx, der sich hier in verschiedene Flüsse aufspaltet und der von einem Fährmann, dessen Namen und Herkunft unbekannt sind, befahren wird. Der Fluss Styx zieht sich, so die Legende, quer durch die Ebenen Eschatons und soll seinen Ursprung in der elementaren Ebene des Wassers haben und das schönste, schillerndste Blau aufweisen - doch hier, auf dem ewigen Schlachtfeld, färbt sich dieses Blau in ein brackiges, übelriechendes Rot und es kommt nicht selten vor, dass der Fluss nach einer grausamen Schlacht überfliesst vom Blut der Gefallenen Teufel und Dämonen. Aus eben diesem Fluss entspringt Acheron, der höllische Strom, der gemäss Lesoth bis in die Domäne Asmodeus' reichen soll.
Avernus unterliegt dem Befehl Zariels, eines gefallenen Engels. Sie muss sich jedoch nicht nur gegen die Horden des Abyss behaupten, sondern hat hier in ihrer eigenen Domäne Konkurrenz durch Tiamat, fünfköpfige Mutter der chromatischen Drachen.

2. Dis - Die Stadt der Lust


Wenn man es geschafft hat das ewige Schlachtfeld hinter sich zu lassen, tritt man in den zweiten Höllenkreis ein und erblickt die Stadt Dis, die auch die Stadt der Lust genannt wird. Unter der strengen und sadistischen Führung von Fierna, einem ehemaligen Succubus aus dem Gefolge Grazz't, die ihren Meister hintergangen und somit die Hierarchie der Neun Höllen erklommen hat, werden jene bestraft und gequält, die sich am Fleisch versündigt haben. Den Wollüstigen, die frisch nach Dis kommen, wird hier in einem ersten Moment ein Paradies vorgegaukelt; doch lange hält dieser Eindruck nicht. Die Schmeichler*innen und Buhler*innen unter ihnen, finden sich schnell in Gruben voll ätzendem Kot wieder, in welchem sie sich bis ans Ende aller Tage wälzen müssen, ohne Aussicht aus ihrer Qual zu entkommen.
Gesetzt dem Fall, dass man Avernus durchqueren kann und dann nicht den Versuchungen Fiernas in der Stadt der Lust erliegt, findet man in diesem Höllenkreis einen Funken von Zivilisiertheit; denn auch wenn die Teufel böse sind, so legen sie immernoch viel Wert auf das Einhalten von Regeln.

3. Minauros - Der Palast der Völlerei und Verschwendung


Im Zentrum der Stadt Dis liegt der grosse Palast des Gründers der Stadt, der zugleich den dritten Höllenkreis darstellt und jene Bestraft, welche sich der Völlerei und Verschwendung schuldig gemacht haben. Jene, die neu in diesem Höllenkreis ankommen, werden Dispater vorgestellt, der sich schnell und grausam richtet und nicht wenige finden sich in Kammern mit Teufeln eingeschlossen, in welchen sie unter grossen Schmerzen gefüttert werden, damit sie dann Dispater zum ewigen Frass vorgeworfen werden.
Jene, welche verschwenderisch gelebt haben, sind oft an das Bankett des ewigen Frasses eingeladen, doch die Nahrung und andere Annehmlichkeiten, befinden sich immer just ausserhalb ihrer Reichweite, dass sie - mit der Erlösung im Auge - langsam und qualvoll an Hunger leiden müssen.
Dispater, dem dies eine grosse Freude bereitet, labt sich unterdessen an denen, die der Völlerei gefrönt haben und sein Hofstaat unterhält den schlangenleibigen Herrn der Stadt Dis.

4. Phlegetos - Die Schatzkammer der Neun Höllen


Mammon ist vermutlich der Erzteufel, der für Sterbliche am einfachsten zu kontaktieren ist, sich die Interessen derer, die zu einem solchen Schritt neigen und dem Herr der Gier, oft überschneiden. Mammon erfreut sich daran durch Verträge Königreiche im Tausch gegen Macht um ihren Reichtum zu betrügen und wenn ein einzelner Mammon um Rat bittet, so sollte er auch Schatzkammern aufweisen, die denen der Händlerkönige gleichen, wenn er nicht seine Seele dem Herrn der Gier geben will.
Lesoth berichtet in seinem Gesang, dass er hier, in der Schatzkammer der Hölle, einige bekannte Gesichter Waterdeeps und Belhankas gesehen hat, die auf ewig verdammt sind durch die Berge aus Gold und Edelsteinen zu schreiten, ständig auf der Suche nach etwas, das sie jedoch nie in diesem Reichtum finden. Lesoth nennt hier einige Granden aus Belhanka namentlich und weist eine erstaunliche Kenntnis einiger verstorbener Lords und Ladies aus Waterdeep vor, welche jedoch von den Autoritäten der Metropolen als konspiratives Gewäsch abgetan wurden und nicht als die Rache eines Barden.

5. Stygia - Der klagende Wald


Jene, welche sich im Affekt der Gewalt und dem Jähzorn hingegeben haben, werden im fünften Höllenkreis - der Domäne Molochs - auf ewig gestraft. Moloch, der nun von seiner eigenen, neunschwänzigen Peitsche gefesselt auf einem Thron aus Knochen inmitten eines düsteren, farblosen Waldes sitzt, hätte um ein Haar seine Stelle in der höllischen Hierarchie verloren, als er Asmodeus stürzen wollte. Doch auch bei diesem Putschversuch konnte Asmodeus nur müde lächeln und bestrafte Moloch mit Gleichgültigkeit und verdammte ihn dazu auf ewige dem Leiden seiner Sünderinnen und Sünder zuzuschauen, ohne selbst die Strafe auszuführen.
Die Jähzornigen, die hier ihre Ewigkeit verbringen, wurden alle in Bäume verwandelt, welche den pervertierten Elementen trotzen müssen. Sie ertragen peitschende Winde und einen stetigen Regen aus sengender Asche, während ihre Wurzeln vom Frost zerstört werden. Jene, welche noch belaubte Kronen besitzen, finden sich von Harpyien gequält, die ihr Laubwerk ausreissen und zerzausen.

6. Malbolge - Die zerschmetterten Tempel

Kein Höllenkreis beobachtet Asmodeus aus seinem Palast im Herzen der Neun Höllen lieber, als jenen, der von Baalzebub, dem Herrn der Fliegen, geleitet wird und in welchem Ketzer und Häretikerinnen gequält werden. Bei seiner grossen List musste Asmodeus dem himmlischen Konzil versprechend, dass er sich vor allem den Ketzer*innen annehmen wird und dies er voller Freuden. Baalzebub hat seitdem Exekutive, Legislative und Judikative in Personalunion vereint und sich eine Stadt errichtet, die voll der Tempel aller Gottheiten ist, die auf Eschaton angebetet werden oder wurden. In dem Tempeln finden sich hohe Kleriker*innen der jeweiligen Götter, die auf ewig in den geschändeten Tempeln voller zerschlagener Ikonen ihr Dasein fristen müssen und ein Tempel der Thala soll sogar die erste Amazonenkönigin beherbergen, die in den Augen der Donnergöttin Grässliches getan haben soll. Der wandernde Barde Lesoth erzählt uns in seinen Gesängen, dass jedoch das wahrlich verstörende vor den Mauern der Stadt der Ketzer liegt. Man muss wissen, dass sich die Mauern der Stadt inmitten einer aschenen Ebene erheben, in welcher viele Gräber eingelassen sind, aus denen kontinuierlich vielfarbige Flammen züngeln. In den verschiedenen Gräbern liegen Ketzer und je grösser ihre Schuld und je höher ihr Rang, desto näher befinden sie sich an den Stadtmauern. Ihre schmerzerfüllten Schreie lassen jeden erzittern, der sich auf den Weg über die aschene Ebene hin zur Stadt der Häretiker*innen macht.

7. Maladomini - Die höllische Schmiede

Wenn man den Schornsteinen in der Stadt der Häretiker*innen folgt, die permanent schwarzen, dichten Rauch verströmen, gelangt man in den siebten Höllenkreis, in welchem jene von Bael, dem Herr des Gemetzels, gestraft werden, welche sich durch grosse Gewalt einen Namen gemacht und ihre Macht missbraucht haben. Im vergleich zum fünften Höllenkreis, in welchem Leute bestraft werden, die im Affekt gewalttätig wurden, nutzt Bael hier jene, die kalkuliert grosses Leid zugefügt haben.
Sie alle sind auf ewig an diesen Kreis der Hölle gebunden und müssen unter strenger Aufsicht von Teufeln an den Schmieden die Waffen und Maschinen herstellen, die die Heerscharen der Hölle im Blutkrieg gegen die Dämonen ins Feld führen. Jene die Macht haben, sind hier machtlos und jedes kleine Vergehen wird so hart und grausam bestraft, wie sie einst ihre Untergebenen bestraft hatten.
Lesoth berichtet, dass das einzige, was den infernalischen Lärm dieser Schmiede übertönt, Schreie sind, die aus den Öfen hervorquellen und Bael selbst erklärte ihm, dass jene, welche Gewalt an sich selbst verübt hatten, hier ihre gerechte Strafe dadurch erhalten, dass ihr Schmerz die Esse der Höllenschmiede am lodern hält.

8. Cania - Die höllische Bürokratie


An der Grenze des grossen Abgrundes, an dessen Boden sich die Domäne des Asmodeus befinden sollte, erhebt sich ein Komplex aus ungeometrischen Gebäuden, die dem Herrn der höllischen Bürokratie Mephistopheles Heimstatt sind. Die Korridore dieses Höllenkreises ein Labyrinth zu nennen, würde der wahnsinnigen Brillanz des Architekten unrecht tun, da sich selbst Minotauren und andere Anhänger Baphomets hier drin verlieren.
Die grösste Freude bereiten Mephistopheles die verschiedenen Neuankömmlinge, welche dachten, dass sie auf der Seite der Gerechtigkeit und des Lichts stehen würden, doch vielmehr den Plänen der Erzteufel in die Hände gespielt haben. Nicht wenige Paladine und ehrenwerte Streiter*innen für das vermeintlich Gute finden sich hier und ihnen widmet Mephistopheles gerne seine ungeteilte Aufmerksamkeit. 
Die Archive des Mephistopheles folgen einer Ordnung, die nur er wirklich versteht und die jene Seelen, welche sich zu ihren Lebzeiten als Betrüger*innen einen Namen gemacht haben, fristen hier ein erbärmliches Dasein als höllische Schreiberlinge, welche auf Ewigkeiten die Verträge und Gesetzestexte der Hölle kopieren und redigieren müssen, bis ihr Herr zufrieden ist. Es ist ausser Frage, dass Mephistopheles ein grosses Vergnügen hat die Verträge aufgrund kleiner Spitzfindigkeiten als ungültig zu erklären, damit dann die geschundenen Seelen wieder von vorne beginnen müssen.

9. Nessus - Asmodeus' Palast

Am tiefsten Punkt der neun Höllen erhebt sich inmitten eines grossen Meeres aus Eis ein Palast auch schwarzen Gestein, in dessen Innern der Höllenfurst Asmodeus selbst sein Dasein fristet. Von den Gottheiten Eschatons in die Hölle verbannt, befindet er sich nun unter acht Höllenkreisen voller Betrug, Gewalt und Hinterlist begraben und wartet auf den Tag, an dem der Blutkrieg gewonnen wird und sich die höllischen Heerscharen über Eschaton ergiessen und es verschlingen werden. Ob dieser Tag kommen mag oder nicht, Asmodeus ist sich gewiss, dass er die Welt nach seinem Bilde neu formen kann und dass wenn jeder einen Platz in der höllischen Hierarchie zugewiesen bekommt, dass dann Krieg, Hunger und Seuchen der Vergangenheit angehören werden.

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