Tagebucheintrag von Tisur

Blut. Der eiserne Geschmack von Blut erfüllt meinen Mund. Der Kopf dröhnt. Wie in Zeitlupe sehe ich die Welt an mir vorbeigleiten, mein Kopf dreht sich schneller als mein Körper als ich rücklings zu Boden falle. Mit einem Scheppern komme ich auf. Es ist nicht das Scheppern einer Rüstung, ein Magier trägt keine Rüstung. Es sind die vielen Schlüssel, Ringe und Ketten die um meinen Hals hängen. Durch meinen Körper schiesst der Schmerz und in meinen Mund vermischt sich das Blut mit Dreck, den ich beim Sturz geschlugt habe. Einen Moment bleibe ich seitlich liegen. Um mich ist der Kampf im vollem Gange. Schwerter treffen auf Schilde, Pferde schnauben. Direkt vor meinen Augen trifft der Huf eines Tieres die Erde und hinterlässt dort ein kleines Loch im Boden.

Ich bin Tisur, ein Magier, nun zumindest Rede ich mir selber ein einer zu sein, und im Moment stecke ich mal wieder in Schwierigkeiten. Vor einem Monat habe ich mich einem neuem Lord angeschlossen. Dem Lord Fridus von Schwertsbruch, ein kleiner Herrscher am Rande eines kleinen Reiches. Ich dachte hier könnte ich endlich meinen Frieden finden. Aber das Schicksal oder was auch immer mir das immer wieder antut wollte es anders. Ich verfluchte es.

Mit Schnauben rappelte ich mich auf, als die feindliche Reiterschar vorüber ist. Wen ich eines noch konnte, dann war das ausweichen und meinen Tod verhindern. Mit den anderen Magiern, es waren nur zwei, stand ich hinter den Bogenschützen. Der Lord hatte uns angewiesen von dort unsere Zaubersprüche zu wirken. Einer der beiden Zauberer war bereits Tod. Ein Pfeil hatte ihn getroffen, direkt nach dem der Gegner mit dem Angriff gestartet hatte. Der andere lag neben mir auf dem Boden. Es war ein alter Mann und ein Pferd hatte ihn nur streifen müssen um ihn umfallen zu lassen. Wahrscheinlich war er mal ein großer Zauberer gewesen, doch die Zeit hatte ihn zermürbt. Im Gegensatz zu Menschen altern Menschen die Magie benutzen schneller. Zumindest in den meisten Fällen.

Ich bücke mich und ziehe einen kleinen Beutel aus dem Umhang des toten Magiers. Mit einem Lächeln stecke ich ihn ein. Dann helfe ich meinem Kollegen wieder auf die Beine. Sein Name ist Seonir. Wir nicken uns zu. Wir wissen beide ganz genau was wir nun zu tun haben. Abhauen! Auch ich bin nicht mehr der jüngste. Um ehrlich zu sein bin ich höchstwahrscheinlich älter als Seonir. Aufeinander gestützt laufen wir Richtung Westen. Dort, auf einem kleinen Hügel hat unser Lord sein Banner aufgestellt. Es ist im Moment der sicherste Ort, den das Banner ist schon gefällt und unser Lord gefangen genommen. Unsere Truppen werden nur noch durch den Sohn des Herren von Schwertsbruch zusammengehalten. Im Gegensatz zu seinem Vater, ist der Sohn, Husur sein Name, ein staatlicher Mann.

Auf dem Hügel angekommen, setzen wir uns und schauen hinunter ins Tal. Dort ist mittlerweile jeder Widerstand gebrochen. Die letzten Soldaten des Lord von Schwertsbruch laufen in alle Richtungen davon. Unweit der Stelle an der der dritte unserer Zunft liegt, sehe ich das Ross von Husur. Den Reiter kann ich nirgends entdecken.

„Chrmm, jetzt muss ich mir wohl wieder einen neuen Herren suchen,“ ich spucke Blut und Dreck aus.

Seonir neben mir zuckt mit den Schultern. Sein roter Umhang hängt in Fetzen von ihm herunter. Blut sickert aus einer kleinen Wunde an seiner runzeligen Wange.

„Meine Zeit ist schon lange vorüber, einst diente ich großen Herren und jetzt bin ich hier bei diesem verlottertem Lord. Der hätte mir früher die Schuhe geputzt,“ ich höre die Wehmut aus der Stimme des Mannes.

Ich fingere in meiner Tasche nach dem kleinen Beutel. In ihm sind neben Fusseln nur ein paar Münzen und ein kleiner blaugrauer Stein. Der Stein war kaum größer als das Endglied meines kleinsten Fingers.

„Ein Stein der Koan. Hat ihm nicht viel gebracht,“ wieder kommt ein unechtes Lächeln über meine Lippen. Im Laufe meines Lebens hatte ich meinem Gesicht beigebracht immer glücklich zu schauen. Nur wer Glücklich aussieht, stirbt nicht.

Ich verstaue die Münzen in meiner Börse und schnippe den Stein hinter mich.

„Du bist wahrlich kein Gläubiger,“ Seonir schaute mich mit ausdruckslosen Augen an. „Mach was du willst, ich werde jetzt mit Feuer untergehen. So wie es einem ehemaligen Magier vom Hofe des Rakius gehört.“

Mit einem lauten Knacksen, das von einem Stöhnen begleitet wird, kommt der alte Mann wieder auf die Beine. Dann hebt er seine Arme und legt seine beiden Zeigefinger knapp oberhalb seiner Augen auf die Stirn. Leise beginnt er zu Murmeln. Ich sehe, wie sich auf seinem Gesicht eine neue Falte bildet.

Ich befahl mich nicht zu Lächeln. Ich war zwar kein Mensch, der auf Regeln groß wert legte aber dennoch war ich ein Magier. Mit dem Feuer untergehen, war der Leidspruch der Feuervernarrten unter uns, wen sie ihrem Leben ein Ende bereiten wollten.

Es dauert nicht lange und neben mir liegt nur noch Asche. Nachdenklich beobachte ich das Kampffeld. Das Lächeln breitet sich wieder auf meinem Gesicht aus. Vor mir liegen meine Pläne begraben durch die Schwerter eines feindlichen Lordes, neben mir die Asche eines Gleichgesinnten und in meiner Tasche befinden sich nicht genug Münzen um lange überleben zu können.

Während ich aufstehe, fließen die letzten Tropfen des Blutes des eben zu Asche zerfallenen Magiers meine Hand hinauf. Sie vermischen sich mit meinem Eigenen. Ein Fluch kommt mir über die Lippen, als ich spüre wie wenig Leben in dem Blut steckt. Es sind nur wenige Wochen.

Aber wie schon gesagt, es gibt nur eines auf das ich mich wirklich verstehe und das ist es nicht getötet zu werden. Den ich bin der letzte meiner Art, ein Magier des Blutes.


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