Faerûn

1368 DR

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Faerûn, 1368 nach Dalerechnung (DR).


Der Monat Mirtul, der Schmelzmonat, hat gerade begonnen. Der Frühling hat sich endgültig gegen den Winter durchgesetzt: Der Wind ist noch kühl, doch die Tage werden länger, und entlang der Schwertküste erwacht neues Leben. Selbst die gewaltigen Mauern der Wissensfestung Kerzenburg scheinen im warmen Licht der Frühlingssonne weniger abweisend.

Doch jenseits der friedlichen Felder, Wälder und Hügel braut sich ein Schatten zusammen.

Seit einigen Monaten leidet die Region unter einer mysteriösen Eisenkrise. Werkzeuge brechen, Waffen zersplittern, Rüstungen fallen buchstäblich auseinander – egal ob frisch geschmiedet oder alt und bewährt. Alle Spuren führen in die Nähe der Grenzberge und in die kalten Tiefen der uralten Mine von Nashkell… doch die wahren Drahtzieher bleiben im Verborgenen.

Die Politik der Schwertküste ist angespannt:

  • Baldur’s Gate, Stadt des Reichtums und des Handels, versucht verzweifelt, Ordnung zu bewahren. Die Patrizier – der mächtige Rat der Vier – stehen unter Druck, da Handelsrouten gefährdet sind und das Vertrauen der umliegenden Nationen zu bröckeln beginnt.
  • Die Amnianer, alte Rivalen des Stadtstaates im Süden, sehen in der Krise Gelegenheit – und manche vermuten, dass die geschwächte Eisenversorgung ein bewusst provozierter Schritt sein könnte.
  • Die Flammende Faust, die Söldnerarmee Baldur’s Gates, ist an der Grenze präsenter denn je, um die Lage zu stabilisieren.
  • Selbst in den Tavernen der Dörfer hört man Gerüchte von Überfällen, Sabotage und politischer Spionage – als stünde ein Krieg kurz bevor.

Und während die Händler flüstern und die Regenten planen, spüren die einfachen Leute, dass etwas Dunkles im Verborgenen wächst… etwas, das weit über eine simple Metallknappheit hinausgeht.

Inmitten all dessen, in den letzten Tagen, hat euch ein Brief erreicht.

*„Reisender —

Euer Name ist mir zu Ohren gekommen, und ich glaube, dass eure Anwesenheit von großer Bedeutung sein wird – sowohl für euch als auch für das Schicksal der Schwertküste.

Ich lade euch ein, mich in Candlekeep aufzusuchen. Am Tor zeigt bitte den beigelegten Eintrittspass. Er ersetzt das übliche seltene Buch, das sonst für den Zutritt benötigt wird.

Kommt so bald wie möglich.

Eure Zukunft hängt davon ab.

– G.“*

Der Brief war knapp, aber von seltsamer Eindringlichkeit. Die beiliegende Eintrittskarte – ein kleines, in Leder gefasstes Dokument mit dem Siegel Candlekeeps – wirkte so wertvoll wie rätselhaft. Und so habt ihr euch – aus völlig unterschiedlichen Gründen – auf den Weg gemacht.

Die letzten Tage

Einer nach dem anderen, getrennt voneinander, trafet ihr in Candlekeep ein:
ein mächtiger Fels über den Wellen, geschützt von seinen unüberwindlichen Mauern und seinen gelehrten Wächtern. Am gewaltigen Bronzetor hattet ihr nur den Pass vorzuzeigen; ein seltener Vorgang, der die Wachen sichtlich irritierte, aber sie zögerten nicht, euch einzulassen.

Im Inneren empfing euch eine Atmosphäre der Ruhe, durchbrochen nur vom Blättern alter Pergamente, dem Kratzen von Federn und dem gedämpften Murmeln von Gelehrten und Mönchen. Doch hinter der Fassade der Gelassenheit lag etwas Unruhiges – eine Spannung in den Blicken, ein Flüstern hinter verschlossenen Türen. Auch hier scheint man die Gerüchte über die Eisenkrise, die politischen Drohungen und die zunehmenden Gewalttaten nicht ausblenden zu können.

Und nun, nach Tagen des Wartens, Studierens oder heimlichen Beobachtens, wurdet ihr endlich zusammengerufen.
Der Grund eurer Einladung steht unmittelbar bevor.

Dies ist Faerûn im Jahr 1368 DR – ein Land am Rand eines größeren Umbruchs.
Und ihr, jeder von euch mit eigener Geschichte und eigenem Schicksal, seid nun Teil davon.