Neptunauten
Neptunauten sind die künftigen Raumfahrerinnen und Raumfahrer des Neptunprogramms der Vereinten Nationen. Der Beruf gilt als eine der begehrtesten, ehrgeizigsten und zugleich rätselhaftesten Laufbahnen des frühen 21. Jahrhunderts. Viele Kinder in Frankreich, Japan, dem Osmanischen Reich, der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und dem Vereinigten Königreich träumen davon, eines Tages zu jenen achtundvierzig Auserwählten zu gehören, die an Bord der Argo 1 zum Neptun reisen sollen.
Im Volksmund wird dieser Beruf oft spöttisch als Neptunautentum bezeichnet. Der Ausdruck ist halb Bewunderung, halb Hohn: Er meint die Vorstellung, dass eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen nicht mehr nur für Schule, Staat, Kirche, Partei oder Familie erzogen wird, sondern für einen fernen blauen Planeten, den kaum ein Mensch je mit eigenen Augen sehen wird.
Neptunauten sollen Wissenschaftler, Beobachter, Techniker, Versuchspersonen, Diplomaten und Repräsentanten der Menschheit zugleich sein. Von ihnen erwartet man körperliche Belastbarkeit, mathematische und sprachliche Begabung, seelische Ausdauer, soziale Wahrnehmung, politische Disziplin und die Fähigkeit, in jahrelanger Enge nicht nur zu überleben, sondern die Würde der Vereinten Nationen zu verkörpern. Gerade deshalb gilt das Neptunautentum vielen Kindern als höchster denkbarer Beruf: ferner als Pilot, glänzender als Diplomat, gefährlicher als Forscher und feierlicher als jede nationale Auszeichnung.
Die Auswahl soll nicht nur Begabung feststellen, sondern die seelischen, körperlichen und geistigen Funktionen der Kinder steigern. In jährlichen Leistungsfeststellungen werden Ausdauer, Reaktionsvermögen, mathematische und sprachliche Fähigkeiten, soziale Wahrnehmung, Gedächtnis, Disziplin, Schlafstabilität, Konfliktverhalten und moralische Belastbarkeit geprüft. Offiziell dienen diese Wettkämpfe der Vorbereitung auf die Auswahl der achtundvierzig Crewmitglieder. Inoffiziell sind sie längst zu einer Bühne geworden, auf der Eltern, Schulen, Staaten und Bündnisse ihre eigenen Hoffnungen gegeneinander antreten lassen.
Die Siegerinnen und Sieger werden häufig mit neptunförmigen Broschen oder Medaillen ausgezeichnet. Diese Schmuckstücke sind meist aus Glas oder Kristall gefertigt und enthalten bläulich schimmernde Hohlräume. In ihnen befinden sich symbolische Gas- und Flüssigkeitsmischungen, die an die ferne Atmosphäre des Neptun erinnern sollen: Wasserstoff, Helium, Methan sowie gelegentlich Ammoniakverbindungen, die eher der populären Vorstellung planetarer Fremdheit als der nüchternen Chemie entstammen.
In vielen Ländern gelten diese Broschen als harmloser Kinderschmuck. In anderen sind sie zu Statuszeichen geworden. Eine neptunblaue Medaille am Revers eines Schuluniformmantels kann Türen öffnen, Stipendien begründen, Heiratspläne verändern oder eine Familie in gesellschaftliche Kreise führen, die ihr sonst verschlossen geblieben wären.
Die Reise zum Neptun soll durch ein Jupitermanöver verkürzt werden. Bei planmäßigem Verlauf erreicht die Argo 1 im Jahr 2043 das Neptunsystem. Die Besatzung wird dort zwei Jahre lang Experimente, Untersuchungen, Beobachtungen und Sozialwahrnehmungen durchführen. Neben astronomischen, chemischen, atmosphärischen, magnetosphärischen und medizinischen Studien gilt ein besonderes Interesse der Fernerkundung der Monde, Ringe und Wetterstrukturen sowie dem Verhalten einer international zusammengesetzten Besatzung in extremer Entfernung von der Erde.
Die Mission ist daher nicht nur ein wissenschaftliches Unternehmen. Sie ist auch ein politisches Experiment der Vereinten Nationen: Achtundvierzig Menschen aus verschiedenen Staaten, Sprachen, Bekenntnissen und Bündnissystemen sollen beweisen, dass eine gemeinsame Menschheit nicht nur in Verträgen, sondern auch in Enge, Kälte, Angst, Erschöpfung und jahrelanger gegenseitiger Abhängigkeit bestehen kann.
Kritiker sprechen von einer Verplanung der Kindheit. Befürworter sehen im Neptunprogramm die höchste Form friedlicher Menschheitskonkurrenz. Die Kinder selbst bewegen sich zwischen Stolz, Angst, Ehrgeiz und Überforderung. Viele tragen ihre neptunblauen Broschen mit leuchtenden Augen. Manche verstecken sie unter dem Hemd. Einige polieren sie jeden Abend, als hinge von ihrem Glanz die Zukunft ab.
So sind Neptunauten mehr als künftige Raumfahrer. Sie sind ein Spiegel der Erde: ihrer Hoffnungen, ihrer Ungleichheiten, ihrer Disziplinierungsphantasien und ihres erstaunlichen Willens, selbst den fernsten Planeten noch in eine Bühne menschlicher Ordnung zu verwandeln.
Im Volksmund wird dieser Beruf oft spöttisch als Neptunautentum bezeichnet. Der Ausdruck ist halb Bewunderung, halb Hohn: Er meint die Vorstellung, dass eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen nicht mehr nur für Schule, Staat, Kirche, Partei oder Familie erzogen wird, sondern für einen fernen blauen Planeten, den kaum ein Mensch je mit eigenen Augen sehen wird.
Neptunauten sollen Wissenschaftler, Beobachter, Techniker, Versuchspersonen, Diplomaten und Repräsentanten der Menschheit zugleich sein. Von ihnen erwartet man körperliche Belastbarkeit, mathematische und sprachliche Begabung, seelische Ausdauer, soziale Wahrnehmung, politische Disziplin und die Fähigkeit, in jahrelanger Enge nicht nur zu überleben, sondern die Würde der Vereinten Nationen zu verkörpern. Gerade deshalb gilt das Neptunautentum vielen Kindern als höchster denkbarer Beruf: ferner als Pilot, glänzender als Diplomat, gefährlicher als Forscher und feierlicher als jede nationale Auszeichnung.
Rekrutierung und Ausbildung
Die großangelegten Rekrutierungsprogramme stehen unter der Leitung der Universität der Vereinten Nationen in Tokio. Bereits in den Volksschulen vieler Staaten werden Kinder beobachtet, gefördert und geprüft. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung in Frankreich, Japan, dem Osmanischen Reich, der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und dem Vereinigten Königreich, wo die Teilnahme am Neptunprogramm als Zeichen höchster familiärer, nationaler und internationaler Auszeichnung gilt.Die Auswahl soll nicht nur Begabung feststellen, sondern die seelischen, körperlichen und geistigen Funktionen der Kinder steigern. In jährlichen Leistungsfeststellungen werden Ausdauer, Reaktionsvermögen, mathematische und sprachliche Fähigkeiten, soziale Wahrnehmung, Gedächtnis, Disziplin, Schlafstabilität, Konfliktverhalten und moralische Belastbarkeit geprüft. Offiziell dienen diese Wettkämpfe der Vorbereitung auf die Auswahl der achtundvierzig Crewmitglieder. Inoffiziell sind sie längst zu einer Bühne geworden, auf der Eltern, Schulen, Staaten und Bündnisse ihre eigenen Hoffnungen gegeneinander antreten lassen.
Die Neptunistenspiele
Auch außerhalb der großen Raumfahrtnationen haben sich die sogenannten Neptunistenspiele verbreitet. Dabei handelt es sich um jährliche Wettbewerbe, bei denen Kinder und Jugendliche geistige, seelische und körperliche Leistungsfeststellungen zu bewerblichen Zwecken absolvieren. Die Spiele reichen von streng beaufsichtigten Prüfungswochen an Gymnasien und Akademien bis zu festlichen Stadienveranstaltungen, bei denen ganze Schulklassen unter den Flaggen der Mitglieder der Vereinten Nationen antreten.Die Siegerinnen und Sieger werden häufig mit neptunförmigen Broschen oder Medaillen ausgezeichnet. Diese Schmuckstücke sind meist aus Glas oder Kristall gefertigt und enthalten bläulich schimmernde Hohlräume. In ihnen befinden sich symbolische Gas- und Flüssigkeitsmischungen, die an die ferne Atmosphäre des Neptun erinnern sollen: Wasserstoff, Helium, Methan sowie gelegentlich Ammoniakverbindungen, die eher der populären Vorstellung planetarer Fremdheit als der nüchternen Chemie entstammen.
In vielen Ländern gelten diese Broschen als harmloser Kinderschmuck. In anderen sind sie zu Statuszeichen geworden. Eine neptunblaue Medaille am Revers eines Schuluniformmantels kann Türen öffnen, Stipendien begründen, Heiratspläne verändern oder eine Familie in gesellschaftliche Kreise führen, die ihr sonst verschlossen geblieben wären.
Die Mission der Argo 1
Nach derzeitigem Plan sollen die Auserwählten im Jahr 2031 vom chilenischen Weltraumhafen der Vereinten Nationen aus zur Internationalen Raumwerft gebracht werden. Dort beginnt der eigentliche symbolische Akt ihrer Laufbahn: der Übergang von der irdischen Auswahlordnung in die geschlossene Gemeinschaft der Argo 1.Die Reise zum Neptun soll durch ein Jupitermanöver verkürzt werden. Bei planmäßigem Verlauf erreicht die Argo 1 im Jahr 2043 das Neptunsystem. Die Besatzung wird dort zwei Jahre lang Experimente, Untersuchungen, Beobachtungen und Sozialwahrnehmungen durchführen. Neben astronomischen, chemischen, atmosphärischen, magnetosphärischen und medizinischen Studien gilt ein besonderes Interesse der Fernerkundung der Monde, Ringe und Wetterstrukturen sowie dem Verhalten einer international zusammengesetzten Besatzung in extremer Entfernung von der Erde.
Die Mission ist daher nicht nur ein wissenschaftliches Unternehmen. Sie ist auch ein politisches Experiment der Vereinten Nationen: Achtundvierzig Menschen aus verschiedenen Staaten, Sprachen, Bekenntnissen und Bündnissystemen sollen beweisen, dass eine gemeinsame Menschheit nicht nur in Verträgen, sondern auch in Enge, Kälte, Angst, Erschöpfung und jahrelanger gegenseitiger Abhängigkeit bestehen kann.
Gesellschaftliche Wirkung
Das Neptunautentum hat eine ganze Erziehungslandschaft verändert. Schulen werben mit Neptunquoten, Internate mit schwerelosen Übungssälen, Universitäten mit vorbereitenden Vorkursen. In wohlhabenden Familien werden Privatlehrer für Orbitalmechanik, Sprachen, Atemkontrolle, Musik, Diplomatie und Gedächtniskunst beschäftigt. In Arbeiterfamilien dagegen ist eine erfolgreiche Teilnahme oft mit der Hoffnung verbunden, ein Kind könne durch die Vereinten Nationen eine soziale Höhe erreichen, die ihm das eigene Land niemals zugestanden hätte.Kritiker sprechen von einer Verplanung der Kindheit. Befürworter sehen im Neptunprogramm die höchste Form friedlicher Menschheitskonkurrenz. Die Kinder selbst bewegen sich zwischen Stolz, Angst, Ehrgeiz und Überforderung. Viele tragen ihre neptunblauen Broschen mit leuchtenden Augen. Manche verstecken sie unter dem Hemd. Einige polieren sie jeden Abend, als hinge von ihrem Glanz die Zukunft ab.
So sind Neptunauten mehr als künftige Raumfahrer. Sie sind ein Spiegel der Erde: ihrer Hoffnungen, ihrer Ungleichheiten, ihrer Disziplinierungsphantasien und ihres erstaunlichen Willens, selbst den fernsten Planeten noch in eine Bühne menschlicher Ordnung zu verwandeln.
Die Staaten rühmen es, die Eltern lieben es, aber die Kinder müssen es ausbaden: Neptunautismus ist ein globales Phänomen im Jahr 2026, das alle Kulturen und Religionen verbindet, aber möglicherweise den Ehrgeiz von Politik und Elternschaft nicht überwindet.

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