Ich bin froh, dass wir es aus der Situation herausgeschafft haben. Ich weiß, dass unser Zirkel dafür berühmt ist, Ränke zu schmieden und Parteien gegeneinander auszuspielen, aber hier waren Dinge am Werk, die ich jetzt erst langsam anfange zu verstehen. Wenn ich an meine Vergangenheit denke, bin ich vielleicht auch einfach nicht so talentiert darin, Verrat aufzudecken ...
 
Wie dem auch sei. A propos Verrat, Ceril hat sich in der Sache anständig verhalten. Galachna allein weiß, warum. Ihre mächtige Verwandte Prinzessin Ylva so vor den Kopf zu stoßen und sich selbst in Lebensgefahr zu begeben sah ihr sehr unähnlich. Vielleicht hält sie die Erweckung der Alten Götter wirklich für gefährlich. Ich wage nicht zu hoffen, dass sie es auch für mich getan hat... Du bist so naiv und dumm, Salaîne, hör auf mit dem Mädchenkram! Wie es wohl wird, wenn wir wirklich bei Perseis und ihrem Zirkel zusammen lernen, arbeiten und unsere Zukunft weben werden... Gerade kann ich es mir nicht vorstellen.
 
Was wohl mit Segu ist?! Obwohl er störrisch wie ein Esel und damit ein willfähriger Idiot der Vanjaróns ist, glaube ich an eine edle Gesinnung. Wobei ... wieder eine Situation, in der mich jemand fallengelassen hat... wenigstens diesmal mit Ansage. Ich denke nicht, dass ihm seine Treue trotz seiner Fähigkeiten einen großen Gefallen tun wird. Natürlich haben ihn die Vanjaróns auf diese wichtige Mission geschickt, aber wenn alles vorbei ist, wird er wieder im Stall Mist schippen. Vielleicht als besonders ausgezeichneter Mistschipper, aber letztendlich bleibt Mist Mist. Kobolde in den oberen Rängen der Macht vermisst man in Moneda genauso wie in Skander oder Beycillis.
 
Das Treffen mit dem Kaiser verlief sachte positiv. Vorerst haben wir einige Möglichkeiten erhalten, das Artefakt zu schützen. Sowohl vor ambitionierten Adeligen als auch von anderen Hexen. Auch wenn ich denke, dass Perseis sehr genau bescheid weiß, schließlich hat sie das Treffen mit dem Kaiser - oder sollte ich ihn Dastál nennen - ermöglicht. Ich hoffe, wir finden schnell etwas über die Macht der Artefakte heraus, ich bin aber milde positiv gestimmt. Ceril ist sehr hilfreich (wer hätte was anderes gedacht?!) und auch Erictho und Soteira sind unerlässlich in ihrem Mühen. Ericthos Blick auf Wiatt gefällt mir allerdings manchmal nicht. Es scheint, als würde sie seine Anatomie sehr genau studieren ... ich denke lieber nicht darüber nach, wieso sie das tut. Was mir Sorgen bereitet ist, dass wir vier Hexen sind, aber die Regel der Drei existiert. Ein innerer Zirkel besteht aus drei Hexen, ein Fluch wird dreifach ausgesprochen, und so weiter. Ich hoffe, wir kommen ohne bösem Blut aus der Situation, ich will keiner meiner Schwestern vor den Kopf stoßen. Vor allem nicht wegen Ceril. Ich weiß nur leider, dass sie für mein Vorhaben die Fähigste ist...
 
Ja, Wiatt... Wiatt hat eine Familie verloren, eine gewonnen und eine weitere wird versuchen, ihn als Monster zu richten. Dafür hat er einen imaginären wolfigen Freund erhalten... Ich habe keine Ahnung, was ich aus der Situation machen soll und wie ich ihm dabei helfen kann. Ehrlicherweise ist Psychotherapie nicht mein Feld der Expertise, auch wenn ich letzthin viel Erfahrung darin sammeln konnte. Obwohl er sich nicht viel anmerken lässt, weiß ich, dass ihn das beschäftigt. Ich denke, ich werde ihm auf die Art helfen, in der ich meine Fähigkeiten am besten einsetzen kann. Vielleicht gelingt es mir, bei der Erforschung der Artefakte den Brudermords-Fluch zu brechen. Leicht wird es nicht, aber ich habe großes vor mir.
 
Ja, großes habe ich vor. Oder doch nicht?! Für mich jedenfalls schon, aber in den Annalen unseres Zeitalter wird mein bevorstehender Erfolg nicht eingehen. Ceril nimmt es als ambitionslos wahr, aber ich will meinen Vater und meine Brüder wiedersehen, koste es, was es wolle. Sie war in den Monaten nach deren Tod nicht bei Mutter und meiner Schwester. Sie hat die Kälte und unausgesprochene Ablehnung nicht gespürt. Mir verkrampft sich das Herz, wenn ich daran zurückdenke. Es ist so lang her und ich war so jung. Ich kann mich nur noch an das Gefühl erinnern. Seltsam, dass man Ereignisse vergessen kann, aber sich Gefühle auf ewig in die Seele brennen, oder nicht?! In letzter Zeit wirken die dunkelsten Nächte etwas dunkler und die Schatten in meinem Arbeitszimmer undurchdringlicher ... Einerlei was sie über meine lebende Familie sagt, denn am Ende werde ich mir die Macht des Artefaktes zu eigen machen und alles wird so sein, wie es immer sein sollte.