Sun 7th Dec 2025 12:48

Kapitel 2

by Arystan Dazin

Es wurde nicht besser für uns, als wir weiter vorstießen. Vor allem, weil Ilam etwas Vögelähnliches sah, das niemand sonst sehen konnte. Ich sage vogelähnlich, weil es eine Mischung aus einer Eule mit überlangem Hals und Geweih war. Ich habe eine Zeichnung dazu angefertigt, in der Hoffnung, dass es uns später helfen würde. Ich frage mich wie die Muskelstruktur dieses Tieres aufgebaut sein muss, um diesen Körper aufrecht zu halten, oder zu fliegen. Da Ilam es sehen kann, wird es auch keine perfekte Tarnung sein, die es als Fähigkeit hat ... vielleicht nur eine teilweise perfekte Fähigkeit. Ob die von diesem Tier kommt, oder insgesamt bei mutierten Tieren in dieser Dunkelheit?
Dass es sich um eine Mutation handelt, bin ich mir ziemlich sicher. Denn auch Rénierièl als auch ich sahen bei anderen Tieren einen Schimmer, der ihnen zu viele Augen und Arme gab. Natürlich war es nicht dasselbe wie bei dieser Eule, aber unnatürlich war es trotzdem. Und dass es mit der Dunkelheit zusammenhängen muss, ergibt sich von selbst.
Wir fanden ein verlassenes Dorf. nicht ganz verlassen eigentlich, denn ein Haus war beleuchtet. Rénierièl sah sich dort um, fand aber nur eine ältere, gebrechliche Frau, die in einem Haus voller Schriftstücke war und mit sich selbst sprach. Für niemanden von uns schien sie eine große Bedrohnung zu sein. Dass sie uns gegenüber skeptisch und abweisend war, überraschte wohl niemanden. Dennoch ließ sich Brionglóideach, die von ihren Kindern und Enkeln hier zurückgelassen worden war, dazu erweichen, dass wir auf sie aufpassen würden und sie uns dafür in ihr Haus lassen würde. Ich sage das so einfach, dabei brauchte es einen weiteren Beinah-Überfall in der Nacht durch die Eule und lautes Kratzen an der Tür von Brionglóideach, um sie zu erweichen. Das Monster erwischten wir nicht und es floh, nachdem es etwas Schaden durch uns erfuhr. Schade. Nicht weil ich ein totes Tier sehen wollte, sondern weil die Erkenntnisse, die es zweifelsohne mit sich bringen würde. Es würde bestimmt auch helfen zu verstehen wie der Schatten funktionierte, wenn es beeinflusst und wen nicht. Aber leider nein...
Wir rasteten also bei Brionglóideach. Mehr oder weniger. Da keiner der anderen Anstalten machte sich das angebotene, freie Bett zu nehmen, schlug ich zu. Seit wir unterwegs sind, ist keine der Rasten wirklich erholsam und ich hatte die Hoffnung, dass es mit einem Bett besser werden würde. Tat es leider nicht so wirklich, aber wir wurden auch nicht mehr aufgeschreckt. Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, dass es mir passiert wäre. Denn so bemerkten wir erst, als es zu spät war, dass Brionglóideach am Morgen verschwunden war. Es ließ uns zunächst nur mit Fragen zurück, es gab keinerlei Hinweise, was mit ihr passiert sein könnte. Kein weiterer Überfall, keine deutlichen Spuren. Nur Rénierièl fehlten ein paar Haare. Am Ende war es die Kombination aus meiner schlechten Nacht, Wissen, das irgendwo in meinem Kopf vergraben war, und dieses schlechte Bauchgefühl, was uns dazu brachte, dass ich womöglich in der Situation war, dass die Alte eine Hag gewesen war und in meinen Kopf eingezogen war...

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