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9. Handschuhe eines Teufels

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Die Nacht und der nächste Morgen verliefen unauffällig. Ich hatte mir gerade eine Tasse Tee organisiert, als ich ins Abteil zurückkam. Robert, Leon und Freddy spielten Karten. Die Sonne näherte sich langsam ihrem Zenit. Sie spiegelte sich in dem großen See, der sich links vom Zug schier endlos erstreckte.

"Der Schaffner meinte, dass wir in zwei Stunden die nächste Stadt erreichen.", meinte ich und genoss den warmen süßlichen Duft, der mir in die Nase zog.

"Was ist eigentlich in deinem Koffer?", fragte Robert. Verschmitzt schaute er hinter seinen Karten hervor. "Die beiden hier wollten es mir nicht verraten."

Er spielte seine letzte Karte aus und besiegelte damit Freddys Niederlage.

"Dann will ich es dir mal zeigen. Jetzt, wo wir auf neutralem Boden sind, müssen wir uns nicht mehr allzu strickt verstecken."

Leon schob die Karten zusammen. Ich stellte meinen Koffer so ab, dass jeder einen Blick hineinwerfen können würde. Unterdessen stand ich zwischen Koffer und Abteiltür. Meine Tasse Tee ruhte rechts neben meinem Koffer.

An meinen Fingerspitzen entflammten dunkelblaue Flammen. Als ich mich dem Koffer mit den Händen näherte, wurden die Flammen förmlich angesogen. Da wo sie auf den Koffer trafen, verschwanden sie so dann. Weitaus schneller, als wenn sie sich von Natur aus verflüchtigen würden.

"Eine Kristallmetalllegierung...", murmelte Robert.

Aus dem Inneren des Koffers erklang ein Knacken und Klicken. Mit einem satten Pling war das Schloss entriegelt und ich hob den Deckel an.

Robert klappte die Kinnlade runter. Im Deckel des Koffers reihten sich in drei Reihen jeweils dutzend Seelenkristalle auf. Sechsunddreißig an der Zahl. Sie schimmerten in allen bekannten Seelenflammen. Teilweise auch in unterschiedlicher Intensität. Von zarten Farbtönen bis zu kräftigen Dunkeltönen.

Im Boden des Koffers befanden sich eine Ablage für ein Paar Handschuhe. In den Handrücken der Handschuhe war jeweils ein Kristall eingearbeitet, deren innere Verstrebungen und Komplexität dem Kristall jeglichem Glanz raubte. Zwischen den Handschuhen waren drei große Seelenkristalle höchster Reinheit. Sie enthielten meine Seelenflammen und waren über Kristallleitungen mit den Handschuhen sowie den Außenwänden des Koffers verbunden.

"Das sind Kristalle von Seelendämonen.", sagte ich auf die Handschuhe deutend. "Wobei das nicht ganz korrekt ist. Es sind Prototypen von Seelendämonen."

Robert klappte seinen Mund wieder zu. "Du willst mir jetzt nicht gerade durch die Blume sagen, dass das künstliche Seelendämonen sind?"

Ich schmunzelte. "Da liegt gerade der Fokus meiner Forschung. Sie sind noch instabil. Können sich also nicht selbstversorgen, so wie andere bislang erforschte Seelendämonen."

Robert beugte sich über den Koffer und studierte die Kristalle aus nächster Nähe.

"Jetzt verstehst du vielleicht mein Interesse an deiner Forschung."

Robert setzte sich wieder und winkte ab. "Solche Kristalle kann ich nicht erschaffen."

"Sollst du auch nicht. Deine Arbeit wird die Grundlage für solche und sicher noch ganz andere Applikationen von Seelenkristallen.", meinte ich und schloss den Koffer wieder. Ein leises Knacken und Rattern folgte. Zugegebenermaßen erfüllte mich der Schließmechanismus auch mit Stolz, hatte ich mich doch gefühlt länger daran aufgehalten als an den Seelendämonen selbst.

"Hmmm... Ich werde darüber nachdenken.", sagte Robert und verschränkte die Arme vor der Brust. "Künstliche Seelendämonen. Ein Ding der Unmöglichkeit. Und überhaupt. Der letzte Seelendämon soll vor hunderten von Jahren entstanden sein."

Ich setzte mich ebenfalls und schob den Koffer wieder zwischen meine Beine.

"Offiziell ist das zutreffend."

"..." Robert seufzte. "Das wird mir zu bunt. Welches wissenschaftliche Grundverständnis stellst du als Nächstes auf den Kopf?"

Ich zuckte unschuldig mit den Schultern. Leon hörte auf mit Mischen und teilte zu einer neuen Runde aus.

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< Fragen der Innenrevision >

Innenrevision: "..."

Richard Thal: "Sie müssen sich nicht wiederholen. Ich erwarte die Entscheidung des Korrektivs. Der Hohe Rat sowie die Führung des Korrektorats und des Korrektivs sind über meine Forschung im Bilde."

Innenrevision: "...Bitte beachten Sie die Geheimhaltung. Ihr Schutz vor Zwangsmaßnahmen dürfte auch irgendwann seine Grenzen erreichen. Bitte setzen Sie fort."

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