Ja. Ich will für immer die Pflanzenmeisterin sein. Ich werde auch die beste Heilerin, Wandlerin, Verformerin und mindestens annehmbare Drachenmeisterin werden, aber bis ans Ende meiner Tage nie aufhören, mich auch den Pflanzen zu widmen.
Ich wollte Torben von meinen neusten Errungenschaften der Magie berichten, wollte über das Fliegen im Limbus diskutieren, wollte von all den Abenteuern erzählen, in welchen seine Zauber mir geholfen hatten; aber ich war mir nicht sicher, wie offen ich reden durfte, schliesslich befanden wir uns immer noch im Sanatorium. Ich wollte ihm etwas Stolz entlocken, dass mir die Verwandlung überhaupt gelungen war; wollte meine Freude teilen, um ihn vom eintönigen Gefängnisleben abzulenken; aber er verfiel wieder bloss in seine arrogante Schutzhülle, dass dies nicht gut genug sei. Zugegebenermassen war ich vermutlich nicht überzeugend genug. Auf jeden Fall stellte er dabei die zentral wichtige, aus seiner Sicht rhetorische, Frage: Will ich für immer die Pflanzenmeisterin bleiben?! Ja, ich will mich noch viel weiterentwickeln und zu einer noch besseren Pflanzenmeisterin werden! Ich habe die letzten zehn Jahre damit verbracht mit jedem freien Bisschen Erdkraft vor dem Schlafengehen noch einen oder zwei Haselbusch zu wirken. Ich habe die Dosierung perfektioniert, um möglichst effizient Zutaten herstellen zu können und somit Teile meiner Erdkraft für die Zukunft vorzubereiten - wie jede gute Tochter Satuarias. Doch Torben hat Recht, auch wenn er das nicht so meinte, ich sollte mir bewusster werden, was genau ich mit meiner verfügbaren Erdkraft erreichen will und welchen Zauber ich noch üben möchte, um nicht nur Zutaten, sondern Fähigkeiten für die Zukunft zu sammeln. Daher werde ich heute etwas Neues wagen! Die letzten Tage seit den Forschungen in Drakonia habe ich stets meine Gefühle in die Formeln fremder Repräsentationen fliessen lassen, aber heute wage ich das Gegenteil: Wenn die Kraft der Natur anstatt auf dem Gefühl der Fülle und Fruchtbarkeit, auf der zugrundeliegenden Struktur der Kraftfäden aufbaut, dann müsste die Bahn des Astralflusses in einem Winkel von 40 … nein 37° um den Bauch angesetzt werden, den Bogen über Brust schlagen und schlussendlich in einem möglichst flachen Winkel über Kopf und Arme hinausfliessen, vielleicht in eine sechseckige Grundfläche auslaufend? Und die gesprochene Formel dazu … ich muss das mit Bella ausdiskutieren! & vielleicht wird mir auch Sanaroth noch einen sinnvollen Hinweis aufzeigen können.
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Die oberste Rondrageweihte ist soeben nach Perricum zurückgekehrt - mit der Nachricht vom Sieg, aber weder ihr Gesicht noch ihr Herz glaubten den Worten und weder Yann noch Goswin sind mitgekommen. Yann begleitet den Leichenzug in seine Heimat zurück – das erklärt, wieso er sich so früh von Goswin trennte und weiter im Norden blieb. Möge Boron ihren Weg gnädig bleiben und Phex seine Reise beflügeln, dass er baldmöglichst zu uns stossen kann. Es bleibt uns nicht mehr viel Zeit. Goswin hingegen hat ursprünglich Ayla begleitet, per Schiff zurück nach Perricum - was auch seinen geographischen Aufenthalt über die letzten Tage erklärt - wurde jedoch mit ein paar Kameraden auf einer der Zwergeninseln abgesetzt. Auch wenn wir völlig um Dunklen gelassen wurden, was ihr Auftrag dort beinhaltete, schien sie völlig aufgebracht, dass die Gruppen unter allen Umständen da herauszuholen von weltbewegender Wichtigkeit sei - dabei schien ihr entgangen zu sein, dass der dritte Gezeichnete auch einer der Ausgesetzten sei, sondern um noch etwas weiterem Willen… Auf jeden Fall werden Sanaroth, Bella und ich uns dem Entsatz anschliessen und laufen morgen früh aus. Es bleiben noch fünf Tage, bis wir uns im Schlund einfinden sollten. So werde ich mich nicht mehr verabschieden können, aber das sollte ihm bewusst sein. Und auch wenn es kein ganzer Kuchen wird, sollte immerhin die Anwesenheit der südländlichen Mandarinen für sich sprechen.
Die letzten Tage waren wir regelmässig im Sanatorium, um Meister Tarlisin und Torben zu besuchen und über ihre anstehende Mission zu ratschlagen. Ich glaube, dass sich sein Trotz etwas, und vor allem seine Angst deutlich gelegt haben. Er sehnt sich nach Freiheit, kann das aber nicht richtig ausdrücken, zumindest nicht jemandem gegenüber, der noch nie geflogen ist. Auch wenn in Zwischen niemand mehr davon ausgeht, dass der Sphärenschlüssel jemals in Meister Tarlisin’s Besitz war und somit durchs Auffinden der Flüchtigen auch kein Anhaltspunkt zum eigentlichen Ziel gefunden wird, erhofft sich Meister Tarlisin mit der Rückgabe von Rohals Zauberstab einen gleichwertigen Effekt zu erzielen. Torben dagegen hofft seine "unfaire" Anklagen durchs Gildengericht zu entschärfen, indem er ihnen einen alternativen Sündenbock präsentiert. Er lässt sich immer noch von Borbarads Wut antreiben und hört nicht auf die Liebe Rohals. Ich kann ihm nicht mehr helfen, als mit gutem Beispiel voranzugehen und zu hoffen - nein, ich kann ihm vertrauen! Wenn er seine unbändigbare Überzeugungskraft darin investiert, einen Handlanger wider die Schöpfung aufzuhalten und dabei vielleicht auf Meister Tarlisin’s Weisheit und Ausgeglichenheit hört, wird ihre Mission gelingen.
Am zweiten Tag habe ich auch Sanaroth bei seiner eigenen Analyse des Geisteszustands seines Freundes geholfen. Ich bin mir nicht sicher wie ich das vollbracht habe oder wieso das funktionieren würde, aber ich habe mich versucht auf das Gefühl zu fokussieren, ähnlich wie bei Darion am Konvent, die Schutzhülle … auszuweiten? Die Bande zu meinen Freunden! … auch Sanaroth und Tarlisin gemeinsam mitzubeschützen. Ich habe versucht, mich darauf zu konzentrieren, durch Sanaroths Herz hindurch, auch einen Unbekannten als meinen Freund zu sehen, um die Bande weiterknüpfen zu können. Und es war geradezu peinlich, nichts zu spüren dabei. Wie soll ich ihm das erklären, wenn er es nicht selbst versteht? Aber was auch immer ich tat, schien zu funktionieren, denn Sanaroth’s verdutzter und später verständnisvoller Gesichtsausdruck verrieten mehr, als ich selbst zu verstehen vermochte. Später hat er erzählt, detaillierte Gedankenbilder aus Meister Tarlisins Erinnerungen gesehen zu haben - nicht die ungefähren Gefühle, wie ich das seit … kenne, sondern richtige, farbige Bilder … wie damals. Ich habe daraufhin auch Torben gebeten am nächsten Tag mit mir zu meditieren; auch wenn ich Angst hatte, meine Chance verpasst zu haben und die Bande nie wieder erneuern zu können. Aber es hat funktioniert! Nicht die lebendigen Bilder oder vergangene Erinnerungen, von denen Sanaroth berichtete, sondern nur leise Grundstimmungen, die im Moment für ihn wichtigsten Gefühle, aber nichtsdestotrotz: Mein Unterbewusstsein hat ihn wieder als Teil der Schöpfung akzeptiert! & ich darf wieder mit Stolz verkünden, dass Torben Dergeler mein Freund ist.
Die letzten Tage habe ich zwei neue Freunde gewonnen - nach dem Vollmondritual werde ich zusehen müssen, nicht welche zu verlieren!