Vergangenes - "Zu meiner Verteidigung: ich war erst zwölf."
Mit konzentrierter Miene fixierte Berian den Tonkrug der im Griff der magischen Hand vor ihm in der Luft schwebte. Ein durchscheinendes, irgendwie fragil wirkendes Gebilde aus Macht, das in der selben geisterhaft blauen Farbe glomm wie die Narben auf seinen Handrücken. Ein schwacher Schein der im Halbdunkel des Zimmers Reflexionen auf die Wände malte.
Die Hand zitterte schwach, schwankte einen Moment unsicher wie betrunken und Berian presste die Lippen zusammen. Sie entstehen zu lassen war einfach. Er folgte einem intuitiven Verständnis mit einer Leichtigkeit ähnlich wie Atmen. Aber sie aufrecht zu erhalten war das was Mühe kostete. Denn ab dem Moment in dem die magischen Energien die gewünschte Form annahmen musste er sich auf seinen eigenen Fokus, seinen eigenen Willen verlassen. Und wie viel Fokus konnte man von einem dreizehnjährigen Jungen schon erwarten...
Sekundenlang stabilisierte der Griff sich um den Krug. Ruhte er wieder reglos in der Luft. Dann klopfte es an der Tür. Und Berian zuckte zusammen.
Es knallte regelrecht als der Krug auf dem Boden aufschlug und dabei in mehrere große Scherben zerplatzte. Toll… soviel dazu.
»Beim haarigen Arsch eines Grotenschrats...«. fluchte er leise. Angelte nach den Handschuhen die neben ihm auf dem Tisch lagen und zog sie über, bevor er den Stuhl zurückstieß und die Tür aufriss.
»Was denn?!?«
Aelira wich einen Schritt zurück und hob entwaffnend die Hände.
»Hey hey… mach mal halblang!«
Sie lächelte schief. Bemüht Berians Ärger über sich hinwegbranden zu lassen.
»Alles okay? Das klang als wärst du… aus dem Bett gefallen. Also wenn ich gewusst hätte das...«
Berian verdrehte die Augen.
»Es ist nach acht Eli. Acht Uhr abends! Natürlich bin ich nicht aus dem Bett gefallen. Ich bin seit zehn Stunden nicht mehr im Bett.«
»Prima, dann kannst du ja jetzt runterkommen.«, antwortete sie und deutete mit einer einladenden Geste in Richtung Treppe.
»Theryis sagt es wird langsam voll und sie braucht deine Hilfe. Und ich kann auch nicht alle Tische alleine bedienen.«
»Ich komm ja schon...«
Er zog die Zimmertür hinter sich zu und ging voraus den Flur entlang. Ließ den Ärger hinter sich zurück und spürte wie ein Anflug von schlechtem Gewissen in ihm hochkroch.
»Entschuldige Eli. Ich hätte dich nicht so anblaffen sollen.«
»Entschuldigung angenommen.«
Sie knuffte ihm freundschaftlich in die Seite als sie zu ihm aufschloss. Sie war sechzehn. Sie war hübsch. Und irgendetwas in Berian war jedes Mal verwirrt wenn sie ihm so nahe kam.
»Du ziehst die Dinger wirklich nie aus hmm? Ich meine… es war den ganzen Tag super heiß heute. Du musst doch eingehen.«
Ihr Blick streifte seine Hände, aber er hätte auch ohne ihren Augen zu folgen gewusst worüber sie sprach. Er hörte das im Moment ständig. Berian… warum trägst du bei diesem Wetter Handschuhe… Berian… willst du dieHandschuhenichtausziehen… Berian!
Nein, NEIN verdammt das wollte er nicht!
Um sie nicht schon wieder ärgerlich anzufahren schloss er einen Moment die Augen und atmete ein.
»Es wird schlimmer, wenn Sonne dran kommt. Außerdem… wer will schon von nem Schankjungen mit Schuppenflechte bedient werden?«
Die Lüge fühlte sich mittlerweile sehr vertraut an. Anfangs hatte er sich dagegen gesträubt die Narben zu verstecken. Aber Theryis hatte ihm sehr eindringlich klar gemacht was seine Offenheit für Konsequenzen haben konnte. Sie hatte ihn gewarnt. Und dann hatte sie ihn gewähren lassen. Und mehr hatte es nicht gebraucht. Sie war für ihn da gewesen als er geweint hatte. Hinterher. So wie sie immer da war, wenn er sie brauchte. Aber wie es ihre Art war hatte sie ihm den Freiraum gegeben die Dinge auf die harte Tour zu lernen. Nämlich dass die Zauberpest Spuren in den Herzen und Köpfen der Leute hinterlassen hatte. Danach hatte er sich nicht mehr gegen das Tragen der Handschuhe gewehrt. Seitdem waren sie sein ständiger Begleiter. Genau wie diese eine Lüge.
Trotzdem bereute er nicht, dass er an ihnen fest gehalten hatte. Ganz unabhängig von dem Segen mit dem Mystra ihm an jenem Tag beschenkt hatte. Sie waren ein Teil von ihm. Sie würden immer ein Teil von ihm sein. Manifestierte Erinnerungen an ein Leben vor diesem hier. Vor Theryis und Toram. Vor dem Haus der tausend Gesichter. Manifestierte Erinnerungen an Leid und Härte. Aber vor allem an Liebe und Familie. An seine Eltern. Deswegen hatte er sie nicht aufgeben können. Weil sie alles waren was ihm aus diesem anderen Leben geblieben war. Alles was Tod und Feuer ihm nicht hatten wegnehmen können.
Es war jetzt über ein Jahr her. Aber er erinnerte sich noch so deutlich daran als wäre es gestern gewesen. Daran wie die Luft im Altarraum gerochen hatte. Wie sich der kühle Stein unter seinen Knien angefühlt hatte. Die Zauberpest war zu Ende gegangen. Mystra war zurückgekehrt und die fast verloschene Flamme des Glaubens an die Göttin der Magie war in den Herzen der Bewohner der Schwertküste wieder entflammt. Leben war in den Tempel in Niewinter zurückgekehrt. Man sprach von einem Wunder. Von einem Segen. Von Gnade und Erlösung. Und während auch seine Narben langsam verblassten klang das alles in seinen Ohren so unfassbar leer und bedeutungslos. Die Narben mochten verheilen, aber die Erinnerungen hallten in seinen Gedanken nach wie ein Schrei. Laut, empört und wütend. Die Zauberpest hatte ihm alles genommen. Und nun durfte er nicht einmal die letzten Spuren behalten die als Echo mit der Stimme seiner Eltern in seinem Herzen flüsterten. Er hatte den Erzählungen der Gelehrten und Priester gelauscht. Er wusste er sollte sich freuen. Sollte dankbar sein für die Heilung. Aber alles was er empfand war Ärger der von einer tiefen Verzweiflung genährt wurde. Von einer tiefen Angst das mit den Narben auch das Echo verstummen würde. Das die Gesichter seiner Eltern in seinen Erinnerungen genau so verblassen würden wie die Spuren auf seiner Haut.
Also war er nach dem Unterricht in den Tempel gegangen. Ein wütender, unvernünftiger Zwölfjähriger mit einem heißen, festen Knoten aus Zorn in seinen Eingeweiden. Er wusste nicht genau was er hatte tun wollen. Er wusste es bis heute nicht. Vielleicht ein paar Kerzen umwerfen und die Gläser zerschlagen in denen man Opfergaben auf den Altar gestellt hatte. Vielleicht das Tuch mit den Stickereien herunterreißen und… und... Er wollte Mystra wissen lassen wie wütend er auf sie war. Wie ungerecht das alles war.
Doch die erhabene Stille die ihn dort empfing, hatte seinem Zorn standgehalten. Hatte ihn einfach erstickt. Stattdessen war er die Tasche mit seinem Schreibzeug neben sich abgestellt und war vor dem Altar niedergekniet. Er erinnerte sich noch genau an jedes einzelne Wort was er gedacht und gesagt hatte. Wie er Mystra leise flüsternd gebeten hatte ihm die Narben nicht wegzunehmen. Wie er sie angefleht hatte. Wie sich schließlich doch Wut und Verzweiflung Bahn gebrochen hatten.
»Wie kannst du es wagen einfach wieder aufzuerstehen und mir alles wegzunehmen!«, hatte er gegen die Stille im Raum angeschrien, während die ersten heißen Tränen in seinen Augen brannten.
»Die ganze Zeit über mussten wir ohne dich zurecht kommen und jetzt bist du wieder da und tust so als wäre nichts passiert! Als wäre alles wieder in Ordnung! Als wäre es genug die Narben einfach verschwinden zu lassen! Nichts, hörst du, NICHTS ist wieder in Ordnung! Diese Narben gehören dir nicht! Du warst nicht mal dabei als ich sie bekommen habe! Du hast kein Recht dazu sie mir wegzunehmen Mystra! Du kannst sie nicht haben!«
Er hatte nach seiner Tasche gegriffen. Nach dem Federmesser das in der Mappe mit seinem Schreibzeug lag. Mit der verzweifelten Entschlossenheit im Herzen die Erinnerungen für die diese Narben standen zu bewahren. Er konnte kaum durch den Tränenschleier sehen als er die eine Hand vor sich auf den Stein des Altars presste. Die andere umfasste den Messegriff so fest das seine Knöcheln weiß waren. Er spürte die kalte Klinge seine Haut berühren. Den kurzen scharfen Schmerz als der erste Tropfen Blut hervor sickerte in seinem dummen aber zu tiefst entschlossenen Versuch die blassen Linien nachzuzeichnen die auf seinem Handrücken von seiner Spellscar geblieben waren.
Dann wurde ihm das Messer aus den Fingern gerissen, als eine magische Entladung den Raum für einen Moment in blaues Licht tauchte. Er wurde vom Altar zurückgeschleudert, schlitterte in eine Bank und blieb einen Moment benommen liegen. Blinzelte verwirrt dem Glühen entgegen das sich sekundenlang über dem Altar zu konzentrieren schien. Und... wurde von einem Gefühl tiefer Geborgenheit umfangen. Wie ein knisterndes Feuer an einem kalten Wintertag. Wie eine Decke die sich behaglich um ihn legte um die Schrecken die in den nächtlichen Schatten lauerten auszusperren. Wie sanfte Finger die behutsam durch sein Haar strichen. Ein tiefer innerer Friede der einen Herzschlag lang all die Verzweiflung, all die Wut und die Angst besänftigte. Das warme Lächeln und der Blick der Göttin der einen Moment lang auf ihm ruhte.
Dann verlosch das Licht und das Gefühl verblasste mit ihm. Doch weder das eine noch das andere ging ganz. Auf seinen Handrücken tanzte noch minutenlang ein schwaches blaues Glühen das die Linien seiner Narben nachzeichnete die ab diesem Tag nicht länger verblassten. Sie blieben und auch das Licht blieb und spielte immer dann über seine Finger wenn er nach dem magischen Gewebe griff.
Genau wie das Gefühl von Verborgenheit das er seitdem wie ein Versprechen in seinem Herzen bewahrte. Mystra hatte ihn erhört. Mehr noch, sie hatte ihn beschenkt. Er wusste dass eine Göttin seiner Vergebung nicht bedurfte. Doch der wütende zwölfjährige Junge hatte ihr verziehen. Mehr noch. Wenn er an sie dachte, wenn er spürte wie das Gewebe ihn berührte, dann empfand er ein allumfassendes Vertrauen. Er… hob den Kopf und schreckte aus seinen Gedanken hoch.
»Hey… sag mal träumst du?«
Aelira schüttelte ihn sacht an der Schulter und ihr Blick musterte skeptisch sein Gesicht.
»Du bist heute wirklich schräg drauf Berian. Und jetzt komm endlich. Du weiße wie Theryis sein kann.«
The major events and journals in Berian's history, from the beginning to today.
The list of amazing people following the adventures of Berian.



Social
Birthplace
Niewinter
Current Residence
Niewinter
Family Ties
Die elfischen Wurzeln von Berians Familie lassen sich durch dieHerzlande bis nach Evereska zurückverfolgen. Dort wachsen seine Großeltern auf und dort wird auch ihre Ehe geschlossen.
Yeslana Hunith Ithryn:
Daeàli Liadon:
Die Ehe der beiden ist keine Liebesheirat sondern zum Vorteil beider Familien arrangiert. Obwohl sie keine tiefe emotionale Bindung miteinander teilen sind sich Daeàli und Yeslana in Freundschaft verbunden. In späteren Jahren verschiebt sich der Lebensmittelpunkt der Familie unter anderem auf Grund von Yeslanas Aktivitäten für die Eldreth Veluuthra in den Niewinterwald nach Neu Sharandar. Die Verbindung bringt drei Kinder hervor:
Tareth Liadon:
Marallae Hunith Ithryn:
Und Berians Vater Mirasaldor Liadon, der wie sein Vater den Weg des Glaubens einschlägt und als Kleriker des Corellon ebenfalls dem Orden der vergessen Blume beitritt. Hauptaufgabe des Ordens ist es verlorene elfische Artefakte zu finden und in elfische Hände zurückzuführen und auf diese Weise das kulturelle Erbe zu bewahren.
Berians menschlicher Familienzweig stammt ursprünglich aus Unther und verliert Status und Freiheit als Jemand aus seiner Ahnenlinie bei Gilgeam in Ungnade fällt. Die Familie wird getrennt und in Teilen als Sklaven nach Thay verkauft. Seine Großeltern wachsen als thayanische Sklaven in der Enklave in Niewinter auf, wo sie auf Grund ihrer handwerklichen Befähigungen ein einigermaßen würdevolles Leben führen.
Horat (Thay: Horvath)
Jezzara (Thay: Jezzara)
Dort kommt auch Berians Mutter zur Welt. Seldare (Thay: Levana) wird auf Grund der Gesetzeslage in Niewinter als freie Bürgerin geboren. Kinder von Sklaven verlieren dort automatisch ihren Sklavenstatus. Ein Zugeständnis der Thayaner and die hiesige Obrigkeit. Diese Freiheit besteht allerdings nur auf dem Papier und Seldare wächst nach dem selben strickten Regelwerk auf nach dem ihre Eltern leben. Eine Qual für das neugierige, wissensdurstige und lebenslustige Mädchen. Sie ist vierzehn Jahre als sie die Monotonie nicht mehr erträgt und aus der Enklave flieht um im Haus des Wissens Zuflucht zu suchen. Dort entdeckt sie ihre Leidenschaft für elfische Geschichte und Kultur und macht sich einen Namen als Forscherin auf diesem Gebiet.
Über diese gemeinsame Leidenschaft lernt sie den Artefaktsucher Mirasaldor kennen. Sie unternehmen gemeinsame Exkurse und aus einer Freundschaft zwischen zwei ähnlichen Geistern entwickelt sich mehr und beide gehen den Ehebund miteinander ein. Tragischerweise infiziert sich Mirasaldor mit der Zauberpest die er an seine schwangere Frau weitergibt. Berian wird bereits infiziert geboren.
Die junge Familie fügt sich als die infizierte Bewohner von Niewinter nach Helmhold in Quarantäne umgesiedelt werden. Fatalerweise schließt sich Seldare dort den Erben von Azure an.
Sowohl sie als auch Mirasaldor werden während der Belagerung von Helmhold getötet, während ihr Sohn durch einen Fingerzeig von Mystra in die Obhut der Harfner gelangt.