Konzept: Virtuelles Attribut
Was ist eine virtuelles Attribut?
Ein virtuelles Attribut ist ein Attribut, in dessen Attributswert die Modifikatoren mehrerer der Standardattribute ST, GE, KO, IN, WE und CH einfließen können. Es wird wie ein Standardattribut behandelt und besitzt einen Attributswert und einen Attributsmodifikator, aber in der Regel keine eigene Bezeichnung.Berechnung eines virtuellen Attributs
Ein virtuelles Attribut berechnet sich aus der Basis, auf die einer odere mehrere der Standardattributsmodifikatoren addiert werden. Das Ergebnis ist der virtuelle Attributswert (VA), der dann den virtuellen Attributsmodifikator (vMod) ergibt. Beispiel: Das virtuelle Attribut zur Verwendung eines Speers könnte so aussehen: VA = 13 + GE + ST Kyor der Kämpfer (ST 16 (+3), GE 15 (+2)) verwendet also ein VA von 13 + 2 + 3 = 18, was einen vMod von +4 ergibt. Als Kämpfer ist Kyor geübt mit dem Speer und addiert seinen Übungsbonus (+2) auf den Angriffswurf, ebenso wie den vMod; letzterer wird auch auf den Schaden addiert. Kyor hat also einen Angriffsbonus von +6 und verursacht 1w6+4 Punkte Schaden mit dem Speer.Hohe virtuelle Attributswerte
Ein VA kann nicht über 20 steigen. Sind in das VA einfließenden Standardattribute größer als 20, kann das VA stattdessen bis maximal auf den höchsten einfließenden Standardattributswert steigen.Für Interessierte
Der nachfolgende Abschnitt ist nicht zum Verständnis des Regelkonzepts des virtuellen Attributs notwendig.Bedeutung des Aufbaus eines virtuellen Attributs
- hohe Basis, geringe Anzahl an Attributen: fast jeder ist zumindest einigermaßen effektiv in dieser Disziplin, spezielles Training ist vorteilhaft, aber nicht notwendig
- hohe Basis, hohe Anzahl an Attributen: die Disziplin ist leicht zu meistern, jedoch bleiben diejenigen, die gewissen Voraussetzungen nicht mitbringen, ineffektive Anwender
- niedrige Basis, geringe Anzahl an Attributen: die Disziplin ist schwer oder nicht zu meistern, es handelt sich um eine objektiv unterlegene Form dieser Disziplin oder ein schadhaftes Werkzeug
- niedrige Basis, hohe Anzahl an Attributen: nur sehr gut trainierte Kreaturen mit hohen Attributswerten sind effektiv in dieser Diziplin; untrainierte sind hochgradig ineffizient
- nur ein Standardattribut fließt ein: diese Disziplin kann meisterhaft von jemandem beherrscht werden, der sich voll und ganz auf eines seiner Attribute konzentriert und die übrigen vernachlässigt
- mehrere/viele Standardattribute fließen ein: diese Disziplin erfordert ein breites Spektrum überdurchschnittlicher Fähigkeiten
Wozu virtuelle Attribute?
Immersion
Virtuelle Attribute können die Welt glaubhafter machen, indem sie Unterschiede zwischen Zauberschulen oder Waffen deutlich machen. In D&D kann ein mächtiger Barbar (ST 20) genauso gut mit dem Rapier fechten wie ein geschickter Schurke (GE 20), und ein Bannwirker kann Bannmagie in keiner Weise besser wirken als ein Illusionist. Weiterhin ist es keine Schwierigkeit, einen äußerst effektiven Kämpfer zu kreieren, der ein Geschick von 3 hat; dies macht selbstverständlich keinen Sinn in Bezug auf die Koordinationsfähigkeiten, die für den bewaffneten Kampf Voraussetzung sind und reißt ein großes Loch in die Glaubhaftigkeit des Regelwerks, nach dem die Welt funktionieren soll und auf dessen Basis Spieler*innen daher auch ihre Entscheidungen treffen müssen. Im Allgemeinen sind so genannte 'dump stats' ein Hindernis für Immersion, da sie die Performance eines optimierten Charakters kaum beeinflussen: Ein Mönch kämpft mit ST 3 genauso effektiv wie mit ST 18, wenn sein GE hoch genug ist. Eine Kämpferin mit ST 3 kann einen Langbogen mehrmals in einem Zeitraum von 6 Sekunden abfeuern. Allein das Vorhandensein dieser Unstimmigkeiten kann die Immersion stören. Virtuelle Attribute können hier ein wertvolles Steuerelement für sinnhaftere Charaktere darstellen.Abwärtskompatibilität und vielseitige Anwendbarkeit
Da ein VA wie ein Standardattribut funktioniert, können alle von D&D bekannten Mechaniken auch mit VA verwendet werden. Jede Waffe kann so ihr eigenes VA besitzen, mit dem sie geführt wird und sich so wirklich von anderen Waffen unterscheiden; deine Effektivität mit einer Waffe könnte also, je nach Art der Waffe, unterschiedlich stark von deiner Stärke oder deinem Geschick abhängen. Es könnte in deinem Spiel auch magische Waffen oder Technologien geben, die zusätzlichen Schaden verursachen, wenn du besonders intelligent bist oder eine starke Persönlichkeit hast.Mehr MAD und mehr bedeutsame Entscheidungen
Da die flächige Verwendung von virtuellen Attributen auch die Abhängigkeit von mehreren Attributen (auch: MAD = multi-attribute dependency) stärkt, kann sie die oft unverhältnismäßige Nützlichkeit von Magiewirkern dämpfen (indem verschiedene Schulen ihren Zauberangriffsbonus und Schwierigkeitsgrad für Rettungswürfe auf verschiedene virtuelle Zauberattribute beziehen und so eine Spezialisierung erfordern), kann aber auch die Waffenauswahl und den Spielstil einer kämpfenden Klasse beeinflussen sowie das Wachstum über die Stufen hinweg gradueller gestalten. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig und beschränken sich nicht nur auf Waffen und Zauberschulen, während die mechanische Komplexität und die Notwendigkeit zur Anpassung anderer Regeln gering ist; daher bieten virtuelle Attribute ein effektives Werkzeug für SL, ihre Welt individueller zu gestalten und sind eine Basis für weitere Regelmodifikationen.Remove these ads. Join the Worldbuilders Guild




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