24. April 1957

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Alexandra erwartete den ihr zugeteilten Dolmetscher in ihrem Büro. An den Wänden fanden sich neben zahlreichen Planzeichnungen auch ein Leninbild und zwei Ansichtskarten, von denen die eine ein Panorama von Odessa zeigte, die andere das Rathaus von Omsk. Genau gegenüber der Türe stand der schlichte Schreibtisch, auf dem fein säuberlich verschiedene Kartonmappen gestapelt lagen. Gegenüber den zwei Fenstern auf der rechten Seite stand ein Architektenpult mit einem eingespannten Plan. Die grüne Pflanze, die an der Fensterseite auf einem kleinen Aktenschrank aufgestellt war, war das einzig Natürliche in diesem Raum.

Alexandra las vertieft in einem Bericht und machte sich Notizen auf einen kleinen Block, als es klopfte. Nach einem kurzen Zucken richtete sie sich auf, strich ihren Rock glatt und forderte den Klopfenden bestimmt auf, einzutreten.

Herein trat zu ihrer Überraschung nicht der von ihr erwartete Dolmetscher, mit dem sie schon einige Male zu tun hatte, wenn es Gespräche mit den Genossen aus der Thüringen oder den deutschsprachigen Teilen Polens oder Tschechiens gab. „Genossin Pjatnizkaja, Leonid Schachlikow meldet sich als Dolmetscher.“, ratterte der blonde Junge, den Alexandra auf kaum achtzehn Jahre schätzte, herunter und blieb dann in strammer Haltung vor der hinter ihm geschlossenen Türe stehen.

Sie musterte ihn eingehend, bevor sie sich zu einer Antwort durchringen konnte, die ihren Ärger nicht allzu stark zum Ausdruck brachte, schließlich hatte ihr die Korrektheit seines Auftrittes doch gefallen: „Wer hat Sie zu mir geschickt? Ich zweifle nicht an Ihren Fähigkeiten, Genosse, aber ich habe einen erfahrenen Kollegen erwartet. Sie wissen sicher, dass es sich bei unserem Besucher nicht um einen Genossen handelt und deshalb besondere Sorgfalt an den Tag zu legen ist.“

Dabei gingen ihr gleich mehrere Probleme durch den Kopf: Einerseits nie zu viel an Information preiszugeben, andererseits das Maximum an Informationen aus dem Gegenüber herauszuholen, jede Geste und jede Änderung im Tonfall zu registrieren, und das bei einer Art von Unterhaltung, bei der niemand so recht den Hintergrund des anderen einschätzen konnte. Alexandra zweifelte daran, ob dieser Knabe auch nur annähernd für so etwas geeignet war. Sie konnte sich in einer so zugleich nach außen belanglosen, wie nach innen heiklen Angelegenheit nicht leisten, auch noch für einen Dolmetscher mitdenken zu müssen.

Als hätte er ihre Gedanken gelesen, begann Leonid nach einem kurzen Räuspern: „Genossin, es ist mir eine Ehre, ihnen bei diesem Besuch behilflich sein zu dürfen. Genosse Jakin, den Sie erwartet haben, liegt mit einem gebrochenen Bein im Krankenhaus. Er ist in der Dolmetschabteilung des Außenministeriums mein unmittelbarer Vorgesetzter.“

Alexandra war erstaunt, fand aber schnell die Fassung wieder: „Danke für diese Erklärung, Genosse, aber sie ist überflüssig. Ich zweifle die Kompetenz ihrer vorgesetzten Dienststelle nicht an. Wenn die Sie für geeignet hält und Sie mir für diesen Auftrag zuteilt, dann genügt das für mich als Begründung. Ich vertraue darauf, dass Ihre Deutschkenntnisse geprüft sind. Ihre Loyalität steht nicht in Frage, sonst wären Sie nicht hier. Bei den Gesprächen mit dem ausländischen Gast wird es vor allem auch wichtig sein, dass Sie jede Gefühlsregung oder die in der Wortwahl mitschwingende subtile Akzentuierung in Ihrer Übersetzung wiedergeben, gegebenenfalls, indem sie mich ausdrücklich auf eine solche Nebenbedeutung hinweisen. Sie werden nur sprechen, wenn ich ihnen ein Zeichen gebe, und was immer sie hören, werden sie niemand anderem mitteilen.“

Als Leonid merkte, dass sie kurz Luft holte, nützte er die entstandene Pause, um sich selbst wieder zu Wort zu melden: „Das ist bei all meinen Aufträgen so, Genossin.“

Alexandra konnte nicht einschätzen, ob diese Aussage das Pflichtbewusstsein ihres neuen Mitarbeiters zum Ausdruck bringen sollte, oder eine Beleidigung war, weil sie an ihm gezweifelt hätte. Das angedeutete Lächeln in seinem sonst konzentriert auf sie gerichteten Gesicht ließ sie zugunsten Leonids entscheiden. Zugleich beschloss sie, noch etwas mehr über diesen Burschen herauszufinden. Als handelte es sich um ihre inneren Überlegungen, schloss sie die vor sich liegende Mappe und stand auf: „Melden sie sich bei Genossin Relaya, die Ihnen Ihren Platz im Büro während der nächsten drei Wochen zeigen wird. Ich erwarte, dass Sie während der gesamten Zeit des Aufenthalts unseres Gastes rund um die Uhr zur Verfügung stehen. In den Zeiten, wo nichts zu übersetzen ist, werden Sie sich sinnvoll beschäftigen. Für die Dauer des Besuches werden Sie im Hotel Moskwa ein Zimmer unmittelbar neben unserem Gast beziehen und ihm jederzeit als Dolmetscher zur Verfügung stehen. Natürlich werden Sie mir Bericht erstatten, sollte er außerhalb unserer gemeinsamen Aktivitäten das Zimmer verlassen. Ihre Kleidung wird stets korrekt sein.“

Um dem Gesagten irgendwie die Schärfe zu nehmen, die ihr im Nachhinein leidtat, fügte sie hinzu: „So wie sie es heute ist. Genosse Schachlikow, ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit.“ Leonids Hand zuckte, als wollte er salutieren, bevor er sich besann, dass dies für Zivilisten nicht vorgesehen war.

Ah, das ist gut, dachte Alexandra, er hat die militärischen Umgangsformen nicht verlernt. Leonid deutete eine Verneigung des Kopfes an und verabschiedete sich: „Danke, Genossin, für das Vertrauen, das Sie in mich setzen.“ Nachdem Alexandra das Nicken wortlos erwidert hatte, verließ Leonid das Büro.

Aleksandra setzte sich und begann nachzudenken. Bei diesem Auftrag, von der ihr selbst immer noch nicht klar war, was eigentlich der tiefere Sinn einer Zusammenarbeit mit dieser den Imperialismus stets neu rechtfertigenden Ideologie aus Rom sein sollte, war ihr nicht wohl zumute. Und die Andeutung ihres Mentors Schelepin, dass es möglicherweise gemeinsame Interessen gegen den Klassenfeind gäbe, hatten sie bei weitem nicht überzeugen können. Dennoch war für sie selbstverständlich, dass sie all ihr Geschick in diese Aufgabe legen würde. Wie bei ihren früheren Aufträgen wusste sie, dass die Mischung aus völliger Hingabe an den Staat, radikaler Friedfertigkeit und fachlicher Qualifikation als Architektin ihre Vorgesetzten zur Wahl ihrer Person geführt hatte.

Doch dieses Projekt unterschied sich von den früheren Aufträgen, wo es immer unter dem Deckmantel der Entwicklungszusammenarbeit, der als Nebeneffekt wirklich Brücken, Staudämme oder Schienennetze hinterließ, um die Sondierung der Lage in Staaten oder Regionen gegangen war, von denen die Regierung hoffte, sie zum Ausbau oder auch erst zur Annahme des Sozialismus zu bewegen. Und wenn Aleksandra durch ihr bescheidenes und doppelt wirksames Handeln diesem Ziel, dem Sieg des Sozialismus, dienen konnte, dann würde sie das unter fast allen Umständen tun. So wie mein Bruder Wladimir, dachte sie mit Blick auf die Karte, die Odessa zeigte.

Als sie sich wieder gesetzt hatte, griff Aleksandra zum Telefon und verabredete sich für den Abend mit ihrer Freundin Olga. Sie lud sie zu einem gemeinsamen Essen in ihrer Wohnung ein. „Mir ist es immer am liebsten“, dachte sie nach der sofortigen Zusage Olgas, „wenn wir uns in der sicheren Atmosphäre meiner Wohnung treffen.“

Nachdem die Abschlussprüfung vor der fünfköpfigen Professorenkommission in zusätzlicher Anwesenheit Prälat dell’Acqas und Oberstleutnant Bruschecks ruhig und erfolgreich verlaufen war, blieb Johann kaum Zeit, seine Habseligkeiten zu packen. Während der ganzen Zeit überlegte er, ob er nicht doch seinen Eltern oder seinen Schwestern einen kurzen Hinweis über seine Reise zukommen lassen sollte. Aber was sollte er schreiben: Dass er nach Moskau führe, um dort einen Dialog von Kirche und Kommunistischer Partei zu beginnen? Das wäre zu dick aufgetragen. Gleichzeitig war ihm auch die Alternativgeschichte, der Besuch im bürgerkriegsgeschüttelten Nordafrika, nicht viel angenehmer. Auf jeden Fall würde seine Familie sich Sorgen machen. Aber alles, was er ihnen schreiben könnte, würde diese Sorgen nur noch vergrößern.

Zuletzt legte Johann die wenigen Bücher, die er privat mitgenommen hatte, in seine Reisetasche. Dabei musste er an den Roman denken, den James ihm gestern gezeigt hatte: Diese Spionagegeschichte mit dem witzigen Titel „Liebesgrüße aus Moskau“. Die wenigen Stunden, die seither vergangen waren, hatten sein Leben vor eine völlig neue Situation gestellt. Statt der Rückkehr nach Österreich, der Übernahme einer Pfarre und der Anbahnung einer Karriere an der Universität würde er nun in den Osten geschickt. Zumindest die Prüfung war zu Johanns Zufriedenheit hervorragend ausgefallen. Wann immer er nun nach dem Moskau-Abenteuer nach Österreich zurückkehren würde, zumindest dieses Erfordernis für seine Zukunft hatte er erworben.

Der Abschied vom Rektor erfolgte sehr förmlich. Der ältere Herr, der wohl nicht über die genauen Umstände der plötzlichen Abreise informiert war, fühlte sich zugleich hintergangen und doch gehalten, seinen Schützling nicht durch direkte Fragen zu seinem schnellen Aufbruch in Bedrängnis zu bringen.

Zumindest, dachte er, kann es nichts besonders Skandalöses gewesen sein, wenn man ihn zuvor noch die Prüfung vorgezogen ablegen ließ. Ob dringend ein wichtiges Amt in Österreich zu besetzen war? Aber wozu dann der Offizier? Der Rektor beschloss, sich darüber nicht weiter den Kopf zu zerbrechen und überlegte schon, an wen das frei gewordene Zimmer gehen könnte: „Sie haben sich hier sehr gut benommen. Ich werde das so auch in mein Führungszeugnis schreiben, das ich Ihrem Bischof zukommen lassen werde.“ Nach dieser kühlen Aussage schüttelte er Johann die Hand, ging wieder hinter seinen Schreibtisch und machte, nachdem Johann unschlüssig stehen geblieben war, eine Geste zum Hinausgehen.

„Danke für die korrekte Betreuung und die mitbrüderliche Herzlichkeit, mit der ich hier aufgenommen und begleitet wurde.“, spulte Johann tonlos herunter, um sich zumindest in Emotionslosigkeit mit seinem bisherigen Vorgesetzten zu messen.

„Ich würde an seiner Stelle auch nicht anders gehandelt haben, wenn plötzlich eine andere Behörde kommt und in meinen Verantwortungsbereich hineinregiert. Aber möglicherweise würde ich es die einmischende Stelle und nicht denjenigen spüren lassen, der ohne eigenes Zutun für einen so kuriosen Auftrag ausgewählt wurde.“, dachte Johann als er die Stiegen des Kollegs mit seiner Reisetasche in der Hand hinunterstieg. Auch die letzte Hoffnung, noch auf jemanden zu treffen, der nach der Tasche fragte und dem er einen kleinen Hinweis geben könnte, zerstob. Hatte man den anderen unter einem Vorwand den Aufenthalt auf den Gängen verboten? Wurde Johann langsam paranoid?

Als die Tür hinter Johann ins Schloss fiel, schien es ihm, als wäre damit auch seine Zeit in Rom ein für alle Mal hinter im geblieben. Und während er sich auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt bei der österreichischen Botschaft im Palazzo Venezia machte, versuchte er, jeden noch so kleinen Eindruck dieser lauten und lebensfrohen Stadt einzusaugen. Und dann blieb er plötzlich wie erstarrt stehen, doch ein Ausweichen war nicht mehr möglich: James hatte ihn schon gesehen und hüpfte fröhlich auf ihn zu: „Hallo, Freund, wohin bist du denn unterwegs? Hast Du wieder einmal etwas mehr Bücher aus der Bibliothek ausgeborgt, als erlaubt?“

Johanns Gedanken rasten: Er hatte noch nie gelogen, und war sehr stolz darauf. Aber wie sollte er jetzt handeln: Die Geschichte mit Nordafrika war für seine Verwandten in Österreich vorbereitet, die nicht wissen konnten, was er in Rom tat; für seine römischen Kommilitonen war die Version eines dringenden Besuchs in der Heimat vorgesehen. Doch die Heimat würde Johann nur für einen kurzen Augenblick sehen, bevor es in das große, unbekannte Land weiterging. James war der vertrauenswürdigste und herzlichste Studienkollege. Und er war neben Grigori der beste Freund Johanns. Er würde zwar wahrscheinlich nichts von der Lüge bemerken, und trotzdem kam es Johann bei diesem Gegenüber besonders schäbig vor: „James, was machst du denn um diese Zeit in dieser Gegend? Hat ein neuer Buchladen geöffnet, bei dem du noch mehr Spionageromane kaufen kannst?“

Johann wartete gespannt, ob sein Versuch gelang. Und er hatte sich in James nicht getäuscht: „Gib zu, dass dir Liebesgrüße aus Moskau gefallen hat? Ich wusste doch, dass du davon fasziniert sein würdest! Nein, ich bin einfach nur so auf dem Weg durch die Stadt, schauen, was sich ergibt. Hast du Lust, mich zu begleiten? Wir könnten in einer kleinen Trattoria ein Glas Rotwein trinken; und, damit es dir nicht als Müßiggang erscheint, über die Folgen des Siebenjährigen Krieges für die Organisation der katholischen Diözesen in Europa diskutieren. Denn obwohl ich meine Dissertation darüber fast fertig habe, kann ich von dir immer noch viel lernen über die osteuropäische Perspektive.“

Johann musste schmunzeln; für James war Österreich natürlich immer Osteuropa, obwohl er selbst gemäß der Bundeshymne davon überzeugt war, dass seine Heimat Zentrum und Herz Europas war. Dieser kurze Moment der Erleichterung wich gleich wieder von Johann: „Gerne ein andermal. Ich habe noch etwas zu tun. Und ich bin sicher, dass deine Dissertation hervorragend wird; und möglicherweise, bei deiner Leidenschaft für Verschwörungen, wird sie sogar spannend und deckt geheime Machenschaften auf, von denen auch deine Professoren bisher nichts wussten.“

James grinste: „Diesmal noch nicht, aber wenn mein Stipendium verlängert wird, werde ich mich über die Aktivitäten sowjetischer Spione im Vatikan zwischen 1917 und 1957 habilitieren. Dann werde ich wahre Geheimnisse aufdecken; oder vom KGB entführt werden.“

Johann lachte angestrengt auf. James hatte wirklich ein Talent, die Dinge ganz klar auszusprechen, auch wenn er selbst es manchmal gar nicht mitbekam. Johann reichte ihm zum Abschied die Hand; und, einem plötzlichen Impuls folgend, umarmte ihn. James war etwas verwirrt, erwiderte aber die Umarmung: „Keine Sorge, ich habe noch nicht damit begonnen; und du brauchst nicht zu fürchten, dass ich heute Nacht noch aus Rom verschleppt werde.“

Johann löste die Umarmung und lächelte: „Stimmt, ich bin mir sicher, dass du auch morgen noch hier in Rom bist!“ Was er nicht dazu sagte, war, dass er den nächsten Morgen schon in Österreich erleben würde.

 

 

Vor dem eisenbeschlagenen Tor der österreichischen Botschaft stand ein dunkelblauer Wagen. Der Chauffeur half Johann, seine Reisetasche einzuladen, dann hielt er ihm die linke hintere Türe auf. Im Fahrzeug saß bereits Oberstleutnant Bruscheck und vorne ein zweiter Soldat, dessen Rang Johann nicht zuordnen konnte, der aber aufgrund der silbernen Dekorationen dem Oberstleutnant untergeordnet zu sein schien. „Guten Abend, Herr Doktor.“, grüßte dieser höflich und reichte Johann die Hand zum Gruß, „Das ist Stabswachtmeister Winter, mein beigeordneter Unteroffizier. Er wird uns nach Moskau begleiten.“ Johann streckte sich nach vorne, um auch den Unteroffizier mit Handschlag zu grüßen, was dieser erst nach einiger Verwunderung wahrnahm und freundlich beantwortete.

Dann trat kurz eine peinliche Stille ein. Bruscheck unterbrach sie, indem er trocken aufzuzählen begann: „Wir werden mit dem Nachtzug nach Wien reisen, wo wir morgen nachmittags ankommen. Für Sie ist wie für mich ein Schlafwagenabteil reserviert, die Kosten sind übernommen. Ich schlage vor, dass wir um einundzwanzig Uhr gemeinsam im Speisewagen essen. Da es sich um einen österreichischen Zug handelt, wird uns die Küche sicher bekommen. Morgen werden wir in Wien übernachten, für sie wurde ein Zimmer im Priesterseminar vorbereitet. Um siebzehn Uhr dreißig  übermorgen werden wir den Zug nach Lemberg besteigen, in dem wir einmal übernachten. Bis dahin wird die Reise ohne Probleme erfolgen, wir werden jeweils im Speisewagen zu Mittag und zu Abend essen, das Frühstück wird in das Abteil serviert. In Lemberg werden wir eine weitere Nacht schlafen, weil ich dort mit dem Militärkommandanten von Galizien etwas zu besprechen habe. Sie können in der Zwischenzeit die Stadt besichtigen. Stabswachtmeister Winter wird ein Programm für Sie zusammenstellen und die Begleitung organisieren. Am darauffolgenden Tag werden wir im sowjetischen Konsulat mit dem Konsul und einem Vertreter des sowjetischen Verteidigungsministeriums zusammentreffen, die uns zuerst gemeinsam und dann getrennt einer Befragung unterziehen werden. Dann werden wir in den Zug nach Moskau einsteigen und unter guter Bewachung“, er zwinkerte bemüht witzig, „über Kiew nach Moskau weiterfahren, wo wir beide den Beginn unserer...“ er zögerte kurz „Missionen vorbereiten.“

Johann räusperte sich und setzte dann zu einer Frage an: „Werde ich noch nähere Informationen zu dem Zweck der Reise bekommen? Bekomme ich einen neuen Pass?“

Der Offizier lächelte: „Sie lesen zu viele Spionageromane. Da Sie weder im vatikanischen noch im österreichischen diplomatischen Dienst sind oder Auftrag reisen, benötigen Sie auch keinen neuen Pass. Ihr Visum für die Sowjetunion, das Ihnen einen Aufenthalt von vier Monaten ermöglicht zu Forschungszwecken in Moskau und gegebenenfalls Leningrad, werden Sie in Wien erhalten. Dass wir gemeinsam reisen, ist rein zufällig und einer Gefälligkeit des österreichischen Staates gegenüber der katholischen Kirche zu verdanken. Sollten im Verlauf der Reise irgendwelche zusätzlichen Informationen nötig werden, bekommen Sie diese immer direkt von mir; und zwar zu der Zeit, die ich für geeignet erachte.“

Johann staunte, und dieses Staunen verdrängte seinen leichten Ärger über den befehlenden Unterton in der Stimme seines Sitznachbarn. Er hatte die detaillierten Reisepläne und alle möglichen Vorkehrungen im Kopf und konnte sie mit einer Präzision wiedergeben, als würde er sie von einem Blatt ablesen. Ob das nun Routine war oder einfach nur seine eigene akribische Art, sich auf den auch für ihn neuen Einsatz vorzubereiten, konnte Johann zu diesem Zeitpunkt nicht entscheiden.

Da an diesem Mittwoch für römische Verhältnisse relativ wenig Verkehr herrschte, kam der Wagen um zwanzig Uhr am Vorplatz des Bahnhofs Termini an. In dem eigenen Haltestreifen für Fahrzeuge des diplomatischen Corps und der Regierung blieb das Auto stehen. Als Johann ausstieg, streifte sein Blick noch einmal über den zart begrünten Vorplatz, auf die Reste der Diokletians-Thermen im Hintergrund, in die Michelangelo so genial die Kirche Santa Maria degli Angeli e dei Martiri eingebaut hatte, auf die Piazza Esedra, wo der laue Abendwind die um den zentralen Brunnen aufgestellten italienischen Fahnen sanft schaukelte, bis zu den Resten der severianischen Stadtmauern, die dem Eingang des Bahnhofs unmittelbar gegenüberlagen.

Der Eingang des Bahnhofs wirkte durch seine betongraue Farbe und seinen blockhaften Aufbau wenig gemütlich. Nach dem Ausladen des Gepäcks übernahm Johann seine Tasche selbst, der Stabswachtmeister hob seinen und den Koffer des Oberstleutnants auf einen Gepäckwagen. Der Chauffeur salutierte wortlos vor dem Offizier, der den Gruß ebenso wortlos erwiderte. Dann stieg der Chauffeur in den Wagen und fuhr ab. „Stabswachtmeister Winter wird auch Ihr Gepäck schieben.“

Johann winkte auf das Angebot Bruschecks freundlich ab: „Es schadet nichts, wenn jeder sein eigenes Kreuz trägt, wie man bei uns sagen würde.“

Der Offizier runzelte kurz die Stirn, als ob in dem angedeuteten Bibelzitat eine leise Kritik an seinem Auftreten und dem Verhältnis zu seinem Untergebenen gelegen hätte, meinte dann aber: „Wie Sie meinen, Hochwürden.“

Am Bahnsteig salutierte der Schaffner in der Uniform der ÖBB vor dem Oberstleutnant und führte ihn in den Schlafwagen der ersten Klasse, wo das erste Abteil für ihn, das zweite für Johann reserviert war. Der Unteroffizier, der ungefähr so alt war wie Johann, stellte den Koffer in das Abteil. Danach folgte er dem Hinweis des Schaffners Richtung Zweiter Klasse.

Johann bewunderte die feine Ausstattung des Wagens, die eleganten Vorhänge, die fein gemusterten Tapeten, die bequeme Bank, den hinter einer Holztür verborgenen Waschtisch, den der Schaffner untertänig vorzeigte. Während für Bruscheck das Reisen in der Ersten Klasse anscheinend selbstverständlich war, war Johann bisher immer nur sitzend im Großraumwagen der Dritten Klasse gefahren. Er hatte sich jedes Mal gefragt, wie es wohl sei, in den privilegierten Abteilen zu schlafen; und sich jedes Mal diesen Gedanken verboten, weil ihm jede Art von Protz und Abhebung von den einfachen Menschen unkirchlich vorkam.

„Wann immer Sie etwas brauchen“, sagte der Schaffner unter einer letzten Verneigung, „Herr Oberstleutnant, betätigen Sie bitte einfach die Ruftaste und ich werde sofort kommen, um Ihren Wunsch zu erfüllen.“ Dem Blick des Offiziers Richtung Johann folgend, fügte der Schaffner – nun ohne Verneigung – hinzu: „Natürlich auch den aller anderen Gäste der Ersten Klasse. Die Österreichische Bundesbahn wünscht Ihnen eine angenehme Reise. Während des Abendessens werde ich kommen und Ihre Betten für die Nacht vorbereiten. Um sieben Uhr werde ich das Frühstück servieren. Ich darf sie noch um Ihre Reisepässe bitten, damit sie am Grenzübergang in Occhiobello nicht geweckt werden müssen.“ Der Oberstleutnant und Johann gaben dem Schaffner die Pässe, der sie sorgfältig aufschlug, begutachtete und dann in seine lederne Tasche steckte.

Als der Schaffner nach einem letzten Gruß gegangen war, wandte sich Bruscheck noch am Gang zu Johann: „Wie gesagt, erwarte ich sie fünf Minuten vor einundzwanzig Uhr abmarschbereit, damit wir pünktlich das Abendessen im Speisewagen einnehmen können.“ Danach verschloss er die Türe hinter sich.

Johann ging nun ebenfalls in sein Abteil und schloss die Türe. Durch das Fenster konnte er das geschäftige Treiben auf dem Bahnsteig verfolgen: italienische und österreichische Bahnbeamte, sich verabschiedende Liebende, Geschäftsleute, die eilig mit starrem Blick nach vorn liefen. Familien mit Kindern, bei denen die Frauen Mühe hatten, mit den Kindern an der Hand dem Schritt des vorausgehenden Mannes zu folgen. Da es langsam dunkel wurde, tastete Johann nach dem Schalter, um die zwei Elektrolampen des Abteils einzuschalten. Das sanfte, gelbe Licht erhellte den Raum. Johann öffnete den Koffer, nahm sein Waschzeug heraus und stellte es auf die Ablage über dem Waschtisch, dessen Holztür er danach verschloss. Den Mantel, seinen zweiten Talar und die restliche Wäsche hängte er in den schmalen Kasten, in den er zuletzt auch den Koffer senkrecht hineinstellte. Zuletzt nahm er sein Brevier und setzte sich auf die Bank, die noch bequemer war, als sie aussah. Das Gebet, dachte er, als er die entsprechende Seite aufschlug, wird dort das gleiche sein wie hier oder zuhause. Wovor sollte ich mich also fürchten? Dann begann er in gewohnter Weise, die Vesper zu beten.

 

Um zwanzig Uhr fünfzig stand Johann auf dem Gang und schloss die Abteiltüre hinter sich ab. Er überlegte kurz, ob er an der Tür Bruschecks klopfen sollte, doch dann hielt er inne. Der Zug war pünktlich abgefahren und bewegte sich geräuschvoll durch die Vororte Roms und schließlich in die freie Landschaft Latiums. Um zwanzig Uhr fünfundfünfzig trat Oberstleutnant Bruscheck auf den Gang und verschloss ebenfalls die Türe hinter sich. „Ach, Sie sind schon da. Das lobe ich mir. Pünktlichkeit ist eine soldatische Haupttugend!“

Johann lächelt freundlich: „Ich denke, das Pünktlichkeit eine Eigenschaft und keine Tugend ist, aber ich bin auch kein Soldat und daher mit Ihrem zum Teil etwas abweichenden Sprachgebrauch nicht vertraut. Vielleicht heißt Tugend ja im militärischen etwas anderes als im geisteswissenschaftlichen Sprechen.“

Bruscheck lachte nun zum ersten Mal laut auf: „Wir sollten diese philosophische Frage beim Essen und einem guten Glas österreichischem Wein weiterführen. Ich denke, wir werden uns gut verstehen. Ich mag akademische Spaßvögel wie Sie.“

Johann folgte schweigend dem vorausgehenden Offizier und fragte sich, ob das nun der Beginn einer interessanten Reisefreundschaft oder eine bodenlose Beleidigung gewesen sein sollte.

Oberstleutnant Bruscheck bestellte als Vorspeise eine mit Mayonaisesalat gefüllte Schinkenrolle, dann ein Wiener Schnitzel mit Petersilerdäpfeln und grünem Salat und als Nachspeise einen Apfelstrudel. Johann verzichtete auf die Vorspeise, nahm als Hauptgericht eine Käseplatte, zu der österreichisches Schwarzbrot gereicht wurde, und auf Drängen seines Gegenübers als Dessert ein Stück Germgugelhupf. Während der Offizier zum Essen Grünen Veltliner aus dem Traisental trank, nahm Johann nur Wasser, das zu trinken er schon lange zur Gewohnheit gemacht hatte.

„Ich trinke Wein nur zum Gottesdienst“, hatte er dem nachfragenden Oberstleutnant erklärt, „ansonsten ist mir Wasser das liebste Getränk. Es lebt sich leichter, wenn man die Dinge nicht nur tagsüber sondern auch abends nüchtern betrachtet. Und die tägliche Lesung im kirchlichen Nachtgebet aus dem ersten Petrusbrief lädt außerdem dazu ein ‚seid nüchtern und wachsam‘“ Gerade noch rechtzeitig unterbrach Johann das Zitat, um nicht weiterführen zu müssen „denn der Teufel geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann.“, denn das hätte sein Gegenüber wohl auf jeden Fall als Drohung wahrnehmen müssen. „Ich stamme aber aus einer sehr guten Weingegend, wie Sie durch Ihre Wahl bestätigt haben. Mein Großvater kelterte selbst etwas Wein für den eigenen Bedarf mit ein paar Weinstöcken in seinem Garten im Traisental.“

Der letzte Satz schien die kurze Unterbrechung des Schnitzelgenusses Bruschecks zu beenden, denn dieser hob nun wie zur Bestätigung sein Glas und prostete Johann zu. „Warum sind sie Priester geworden?“, fragte dieser nun ganz direkt.

Johann überlegte hin und her, wie er wohl am besten antworten sollte, als der Frager fortsetzte: „Entschuldigen Sie, das war wohl zu offen gefragt. Ich habe selten mit Personen Ihres Schlages zu tun. Ja, ich bin braver Katholik, wie die meisten Österreicher, aber das heißt nicht, dass ich über den sonntäglichen Messbesuch hinaus besonders viel Zeit hätte, mich mit theologischen Fragen zu beschäftigen. Es ist in Wahrheit das erste Mal, dass ich die Gelegenheit habe, privat mit einem Priester zu sprechen. Sie müssen aber nicht antworten.“

Johann hatte sich inzwischen gefasst und versuchte, ruhig zu antworten: „Ich werde Ihnen gerne antworten, soweit ich das tun kann. Mir ist aber schon jetzt klar, dass ich mit einer Erklärung im wissenschaftlichen Sinn nicht aufwarten kann. Es ist eine schwierige Mischung aus sozialem Umfeld, persönlichem Interesse, Ruf der Kirche und einem letzten unerklärbaren Rest, den die Theologen gerne Gnade oder göttliche Berufung nennen, der aber in keinster Weise rechtlich oder philosophisch überprüfbar ist. Für den Außenstehenden, den Atheisten, ist mein Weg deshalb vielleicht sogar einfacher zu verstehen. Meine Familie stammt aus einfachen Verhältnissen, Arbeiterschaft, im Österreich der Zwischenkriegszeit war das nicht gerade dazu angetan, mit der Kirche auf bestem Fuß zu stehen. Mein Vater war im Krieg Funker bei einer Spezialeinheit, und – bevor sie etwas sagen wollen – er ist ein redlicher Mensch, der viel über sein Handeln nachdachte und nachdenkt. Er handelte nach bestem Wissen und Gewissen und war davon überzeugt, dass die antireligiösen Auswüchse des Nationalsozialismus nur den Hirngespinsten einiger Verrückter entsprangen, die pseudogermanische Kulte einführen wollten. Kurz gesagt, er meldete mich für die Napola in Melk an, um aus mir einen guten Staatsbürger zu machen und zugleich durch die klösterliche Umgebung des enteigneten Stiftes die religiöse Dimension zumindest durch den Ort auf mich wirken zu lassen, den noch so viele Fahnen und Symbole nicht überdecken konnten. Ich habe nach dem Ende des Krieges, nach einem Jahr dieser Art von Erziehung, im Bischöflichen Knabenseminar und Gymnasium in Melk weitergelernt und, wie damals üblich, schnell maturiert. Die Erlaubnis zum Studium und das parallele Studieren von Geschichte und Theologie in Wien sind wohl dieser doppelten Vergangenheit geschuldet. Parallel zum Studium besuchte ich das St. Pöltner Priesterseminar, weil ich aus dieser Diözese stamme, wohnte allerdings unter der Woche in Wien, um unmittelbaren Zugang zur Universität zu haben. Die St. Pöltener Hochschule bietet nämlich nur Theologie, nicht aber auch Geschichte an. Im Vorjahr wurde ich zum Priester geweiht, mit Dispens aufgrund meines Alters. Sicherlich haben meine Familie und meine Heimat mir viel für diesen Weg mitgegeben, meine Erziehung, mein Interesse für Geschichte und meine Abscheu vor allen nationalistischen Engführungen und Ausgrenzungen hin zu jener umfassenden Katholizität, für die für mich die Kirche steht, in die jeder unabhängig von seiner Herkunft aufgenommen wird. Doch zuletzt und technisch gesehen war es das Zeugnis meiner Ausbildner und der Ruf meines Bischofs, die mich zu dem gemacht haben, als der ich Ihnen nun gegenübersitze. Und wenngleich auf den ersten Blick alles davon als historische Zufälligkeit jeder tieferen Bedeutung entbehrt, so würde ich doch als Theologe sagen, dass in jedem Mosaikstein dieser Biographie Gott immer genau das richtige Steinchen in das Muster eingefügt hat, auf seine ganz unspektakuläre, aber sehr bestimmte Weise. So wird mir alles zum Ruf, zur Berufung, was mir begegnete.“

Der Oberstleutnant hatte während der ganzen Erzählung interessiert gelauscht und genüsslich seinen Apfelstrudel gegessen, bei der Definition von „Katholizität“ hatte er kurz aufgehorcht, um schließlich danach das letzte Stück der schmackhaften Süßspeise aufzuspießen und zum Mund zu führen. Er nickte anerkennend: „Ich habe die Hälfte von dem, was Sie gesagt haben, nicht verstanden. Und ich finde es sehr mutig, dass Sie in einem Speisewagen so über ihre Vergangenheit sprechen, das ist in Österreich in dieser Zeit nicht oft anzutreffen, denn schließlich war ja angeblich jeder im Widerstand.“ Der Oberstleutnant blickte routiniert herum, aber die übrigen Gäste schienen aufgrund des Zuglärms das Gespräch entweder nicht mitgehört zu haben, oder sie versuchten krampfhaft, sich nicht verdächtig zu benehmen, weil ein Offizier im Wagen saß. „Ihr Kirchenbild ist für mich überraschend neu, so habe ich die Kirche noch nie gesehen. Das klingt fast ein bisschen sozialistisch. So wie ‚klassenlose Gesellschaft‘“.

Johann verschluckte sich fast an seinem Gugelhupf: „Mit Verlaub, aber ich bin alles andere als ein Sozialist. Der geistlose Materialismus, der den Menschen auf einen Haufen Atome reduziert, und die unmenschliche Gewaltpolitik, die so viele Menschen – darunter auch viele meiner geistlichen Brüder – ins Gefängnis oder den Tod führt, sind mir völlig fremd!“

Der Oberstleutnant lächelte, „Ich bin nicht Ihr Bischof, mir müssen Sie Ihre Argumente gegen den Sozialismus nicht aufzählen. Ich dachte auch nicht, dass Sie zu dieser der politischen Realität geschuldeten realen Sozialistengruppe gehören, sondern zu jenen naiven intellektuellen Sozialisten und Utopisten, die von einer besseren Welt träumen; und die im Westen wie im Osten verdächtigt oder für verrückt erklärt werden.“

Nun merkte Johanns Gegenüber, dass doch manche etwas zu auffällig nicht zu ihnen hinsahen und zuhörten. Deshalb meinte er zu Johann: „Es ist spät geworden, und morgen wird ein anstrengender Tag. Ich freue mich schon darauf, diesen interessanten Disput beim morgigen Mittagessen fortzusetzen.“ Abrupt trank er seinen Wein aus und stand auf.

Hastig schob Johann, dem der Kuchen ausgezeichnet schmeckte, das letzte Stück in seinen Mund und erhob sich ebenfalls. Der Kellner nickte wissend, als ihm der Oberstleutnant das Zeichen gab, die verzehrten Speisen und Getränke auf eine Rechnung zu setzen. Anscheinend war er mit dem Prozedere bei militärischen Dienstreisenden vertraut, die in den von der Österreichischen Bundesbahn geführten Zügen stets zuvorkommend und diskret behandelt wurden.

„Vielleicht können Sie morgen erzählen“, meinte Johann, als beide ihre Türen aufschlossen, „warum Sie Soldat geworden sind?“

Bruscheck schaute ihn überrascht an und antwortet dann trocken: „Vielleicht, aber sicher nicht im Speisewagen. Gute Nacht, Hochwürden.“ Ohne die Erwiderung des Grußes abzuwarten, ging er in sein Abteil und schloss es hinter sich ab.

Johann blickte ihm einen Augenblick nach und überlegte, ob er im Gespräch irgendeinen Fehler begangen hatte, ob der Offizier übervorsichtig oder er zu naiv war, und beschloss dann, einfach so freundlich als möglich weiterzureisen, weil er sein Gegenüber nicht einschätzen konnte: war er Zyniker oder Freund, Verbündeter oder zur Kooperation Genötigter.

In seinem Abteil war Johann überrascht, dass die gemütliche Bank zu einem komfortablen Bett mit hellblauer Bettwäsche umgebaut war. Ein Handtuch lag zusammengefaltet über dem Kopfpolster und die Decke war zur Hälfte schräg aufgeschlagen. Die Vorhänge waren geschlossen. So, dachte er, hat noch nie jemand ein Bett für mich vorbereitet.

Nachdem er auch noch die Komplet und die Matutin des folgenden Tages gebetet hatte, zog Johann seinen Talar aus und hängte ihn in den Schrank. Er öffnete den steifen Kragen und legte den gestärkten Leinenring ebenfalls in den Kasten. Nur noch mit weißem Hemd, schwarzer Hose und den obligatorischen schwarzen Schuhen bekleidet, trat er nochmals auf den Gang, um zur Toilette zu gehen, die sich am Ende des Wagons befand. Als er zurückkam, sah er Stabswachtmeister Winter an Bruschecks und seiner Türe vorbeigehen. „Benötigen Sie etwas?“, fragte er ihn und versuchte damit sein Befremden über diese seltsame Beschattung zu verdrängen.

„Der Herr Oberstleutnant hat mich beauftragt, während der Fahrt regelmäßig Ihre Kabinen zu patrouillieren. Natürlich besteht keine Gefahr, aber es ist üblich, dass Personen von gewisser Wichtigkeit auch in besonderer Weise betreut werden.“

Johann überlegte kurz, dann siegte seine Neugierde: „Haben Sie noch etwas Zeit zu plaudern. Ich habe einige Fragen, von denen ich vermute, dass Sie sie eher beantworten werden als Ihr Vorgesetzter. Ich habe noch etwas Schokolade übrig, zu der ich Sie gerne einlade.“

Der Unteroffizier zögerte kurz, als überlegte er, ob diese Einladung angemessen wäre und ob er seine Pflichten durch ein vertrauliches Gespräch verletzen würde. Schließlich willigte er ein und trat in das Abteil. Er setzt sich auf den Sitz auf der anderen Seite der zum Bett umgebauten Bank. Johann holte aus einem Seitenfach seines Koffers das letzte Viertel einer Schokoladentafel: „Es ist Bitterschokolade, nicht so schmackhaft, aber gut haltbar, reich an Nährstoffen und Kakao. Sie hilft mir, mich beim Lesen zu konzentrieren.“

Winter schmunzelte: „Ich hätte auch nicht vermutet, dass Sie die Schokolade essen, weil sie Ihnen schmeckt.“

Johann musterte den Unteroffizier mit fragendem Blick, worauf er sofort zu schmunzeln aufhörte, „Entschuldigung, ich wollte Sie nicht beleidigen.“

Johann setzte sich ihm gegenüber und reichte ihm die Schokolade, von der er dann auch ein Stück nahm. „Keine Sorge, ich bin es gewohnt, dass man meine umständlichen Erklärungen demontiert, ich habe vier Schwestern und einen Zwillingsbruder, die ich durch meinen Beruf nicht so beeindrucke, dass sie schweigend alles hinnehmen, was ich erzähle. Außerdem versuche ich, mir den militärischen Humor verständlicher zu machen.“ Nun lächelte er auch, und sein Gegenüber entspannte sich. „Ja, ich esse die Schokolade vor allem, weil sie mir schmeckt. Und wahrscheinlich würde ich davon auch nicht ablassen, wenn sie völlig ungesund wäre, und ich nicht den geringsten Nutzen davon hätte.“ „Würden sie“, fragte nun Winter, „keine Schokolade mehr essen, wenn es von der Kirche verboten würde?“

Johann dachte nicht lange nach: „Ich würde dann keine Schokolade mehr essen, wenngleich ich mir nicht vorstellen kann, wieso die Kirche das Essen von Schokolade verbieten sollte. Aber Sie werden gerade als Soldat wohl am besten verstehen, dass man in Gemeinschaften Regeln einhalten muss, zum einen aus Treue gegenüber seinem Versprechen, zum anderen zumindest, um den anderen ein gutes Vorbild zu sein. Wenn man selbst auch noch den Sinn des Gebots verstanden hätte, wäre man sogar noch weiter.“

Winter nickte und nahm noch ein Stück von der Schokolade. „Sie wollten mir Fragen stellen. Ich muss aber gleich darauf hinweisen, dass ich bei weitem nicht über das Wissen und die Erfahrung verfüge, die der Herr Oberstleutnant hat. Zugleich wird es auch Antworten geben, die ich Ihnen nicht geben kann.“

Johann nahm das letzte Schokoladestück, faltete dann das goldene Papier sorgfältig zusammen, bevor er es in den Papierkorb unter dem Tisch steckte. „Was ist Ihr Vorgesetzter für ein Mensch? Verstehen Sie mich richtig: Ich kann ihn überhaupt nicht einschätzen; vielleicht, weil ich bisher mit dem Militär noch nie zu tun hatte. Wofür hält er mich? Wie offen kann man mit ihm reden?“

Johann beobachtete, wie die Antwort auf seine Frage langsam abgewogen wurde. Schließlich begann der Unteroffizier: „Es steht mir grundsätzlich nicht zu, meine Vorgesetzten zu beurteilen, aber ich kenne Oberstleutnant Bruscheck schon seit einigen Jahren. Mein Vater diente im Krieg gemeinsam mit ihm. Er war auch Unteroffizier wie ich. Seiner Vermittlung verdanke ich auch meine Auswahl für diese spannende Mission. Nach den Erzählungen meines Vaters, der allerdings nur sehr spärlich vom Krieg berichtete, waren beide auf dem Balkan und in Griechenland eingesetzt. Der Oberstleutnant war ein sehr korrekter Offizier, der seine Leute gut behandelt und seine Entscheidungen mit Weitblick gefällt hat. Er ist in jedem Fall vertrauenswürdig. Für diese Mission wurde er unter anderem deshalb ausgewählt, weil er passabel Russisch versteht und spricht. Er hat beim Aufbau des Bundesheeres von Anfang an eine klare Linie der Neutralität vertreten und deshalb eingemahnt, dass die Kontakte zum Osten ebenso intensiv gepflegt werden müssen wie zum Westen, schließlich war es ja vor allem die Sowjetunion, die Österreich in seiner heutigen Form ermöglicht hat. Über seine Einstellung zur Kirche kann ich nichts sagen. Was mir aber auffällt, ist, wie interessiert er Ihnen zuhört. In gewisser Hinsicht ist er es im System des Militärs sonst eher gewohnt, nur zu sprechen.“

„Zu befehlen“, unterbrach Johann, „meinten Sie eher. Ich habe manchmal den Eindruck, dass er alle Personen, mit denen er zusammenarbeitet als Schachfiguren in einer von ihm geführten Partie versteht. Er schiebt sie von A nach B beziehungsweise erwartet, dass sie automatisch die von ihm gewünschte Position einnehmen. Grundsätzlich kenne ich das aus meiner eigenen Institution, aber das macht es für mich umso befremdlicher, dass nun jemand anderer so mit mir spricht. Jemand, über dessen Absichten ich mir bei weitem nicht so im Klaren bin wie über die Ziele der Kirche, die ich ja voll und ganz anstrebe.“

Winter begann wieder spitzbübisch zu grinsen: „Und Sie sind sicher der Meinung, dass die sogenannten Ziele der Kirche voll in den Interessen Ihrer Vorgesetzten aufgehen? Da gibt es keine privaten Anliegen? Intrigen? Ehrgeiz?“

Johann zuckte zusammen. Die Vorwürfe waren nicht neu, er hatte sie wieder und wieder von seinen Geschwistern, von Mitschülern und von Kritikern gehört. Es war ihm so zur Gewohnheit geworden, das alles als antikirchliche Propaganda abzutun, dass es ihn im ersten Anflug einfach nur langweilte. Fragte dann noch jemand nach, wurde das Zugeständnis gemacht, dass es wohl den einen oder anderen gab, der noch nicht alle Laster abgelegt hätte, die seine Amtsführung beeinträchtigten. Außer seinen Geschwistern gab es niemanden, der dann noch weiter bohrte, denn in Wirklichkeit war die ganze Entrüstung vor allem eine Ausrede dafür, dass er natürlich selbst genau wusste, wie sehr ihn manche Formen des Ehrgeizes umtrieben. Er hatte, wenn schon nicht immer ganz zielstrebig, so doch sehr bereitwillig jede Chance angenommen, seine Startbedingungen in der Kirche zu verbessern. Sicher, er hatte nie andere denunziert, um selbst ihren Platz einzunehmen, aber er hatte geschickt und unauffällig im Hintergrund abgewartet, wenn andere sich exponiert hatten. Und er war manchen – was ihn bis heute schmerzte – auch dort nicht zu Hilfe gekommen, wo sie augenscheinlich ungerecht behandelt wurden. Er hatte das vor seinem Gewissen stets damit begründet, dass ein solcher Einsatz wohl mehr zur Eskalation der Lage als zur Hilfe für den ungerecht Behandelten genützt hätte. Aber die naive Frage nach den vorgeblichen und den wahren Motiven des Handelns, die der scheinbar unbedarfte Unteroffizier ihm gestellt hatte, rührten an seine verletzlichste Seite, die er gern unter einem Schwall von Gelehrsamkeit verschwinden ließ. Doch leider war das in theologischen Kreisen ein einfaches Spiel, weil alle genau wussten, wonach nicht gefragt werden durfte. Und selbst in der kirchlichen Praxis kam es selten so weit, dass sich Gläubige trauten, einen Priester dermaßen in Frage zu stellen. Und die politisch motivierte Kritik richtete sich meist gegen anonyme Größen, die Kirche als Großgrundbesitzerin, als Schulaufsichtsorgan, als politische Funktionärin auf Seiten der Mächtigen, so gut wie nie gegen einzelne Personen und bisher überhaupt noch nie gegen ihn persönlich.

„Stimmte etwas mit meiner Frage nicht?“, hakte Winter nach, das Grübeln Johanns unterbrechend.

Dieser antwortete schnell: „Es gibt wohl keine Garantie, dass alle ihrem Auftrag gemäß denken, reden und handeln. Aber die Kirche hat, vom einfachen Priester bis zum Papst täglich dreimal das Schuldbekenntnis vorgesehen, damit niemand von uns sich in Selbstsicherheit wiegen könnte. Ich vertraue also darauf, dass meine Vorgesetzten mindestens so ehrlich und bemüht ihre Gedanken erforschen wie ich selbst.“

Das Gespräch war durch diese kühle Antwort seltsam abgebrochen. „Es ist spät geworden, und morgen wird sicher auch noch ein anstrengender Tag. Ich hoffe, ich konnte die volle Vertrauenswürdigkeit des Herrn Oberstleutnants ausreichend darstellen. Danke auch für die Schokolade.“, meinte Winter, während er schon aufstand, „Ich wünsche noch eine geruhsame Nacht.“

Johann stand ebenfalls auf und erwiderte höflich: „Danke für Ihre Offenheit. Ich würde mich freuen, wenn wir unser Gespräch zu gegebener Zeit fortsetzen könnten. Gute Nacht.“

Olga tänzelte wie ein kleiner Frühlingssturm in Aleksandras Wohnung. Auf dem Tisch waren zwei Teller hergerichtet, in einem Korb etwas Brot und zwei Gläser nebst einer Flasche Wasser. „Wie konnte ich nur annehmen, dass du mich und Ilja zu einem Essen auswärts begleiten würdest? Du hast doch nicht schon wieder nur Plinis gemacht?“ Bevor Aleksandra antworten konnte, holte Olga schon zwei Päckchen aus ihrer Tasche und legte sie auf den Tisch. „Schinken. Und etwas Käse!“

„Herzlich willkommen!“, erwiderte Aleksandra, um damit zugleich Olgas Umarmung zu provozieren: „Entschuldige, ich freue mich trotzdem, dich zu sehen! Auch wenn du irgendwann einmal eine größere Wohnung beantragen solltest!“

Aleksandra ging nun zum Herd und holte das Essen, während Olga sich setzte und beiden Wasser einschenkte. Nachdem sie auch noch den Schinken und den Käse ausgepackt hatten, begann das Gespräch: „Olga, ich habe eine Frage an dich.“

Olga nickte mit vollem Mund: „Ja, deine Plinis sind vorzüglich, und sie würden auch ohne Schinken und Käse eine vollwertige Mahlzeit abgeben. Aber das war wohl nicht deine Frage. Normalerweise rufst du mitten in der Woche nur an, wenn es etwas zu feiern oder zu beweinen gibt. Ich hoffe, es ist etwas zu feiern.“

Als Aleksandra schwieg, ergriff Olga mit zittriger Hand Aleksandras Hand, die noch die Gabel festhielt: „Oh nein, sag nicht, dass etwas passiert ist? Bist du krank? Ist Igor oder Wladi krank? Oder gab es einen Unfall?“

Aleksandra schüttelte den Kopf: „Wenn du mich ausreden ließest, könnte ich dir gleich sagen, warum ich dich heute eingeladen habe. Es gibt da jemand aus deiner Abteilung, den ich kennengelernt habe, und…“

Olga ließ vor Schreck ihr Besteck fallen: „Aleksandra, du hast dich verliebt? Wer ist es? Wart ihr schon zusammen?“

Aleksandra schüttelte entrüstet den Kopf: „Wie kommst du nur immer auf so etwas? Ich arbeite mit jemandem zusammen, den ich heute erst kennengelernt habe. Im Rahmen eines Auftrags werde ich einen deutschsprachigen Gast betreuen müssen. Dafür hat mir eure Abteilung einen Dolmetscher zugeteilt. Bisher hatte ich immer nur mit Genossen Jakin zu tun, wenn es um solche Kontakte ging. Doch heute stellte sich mir ein Bürschchen, naja, ein sehr junger Genosse vor, über den ich dich ausfragen wollte.“

Olga schnurrte kurz und blickte die verwirrte Aleksandra an. Schließlich antwortete sie genüsslich: „Wenn es sich dabei – und jemand anderer kommt mir nicht in den Sinn – um Genossen Schachlikow handelt, dann fallen mir auf der Stelle zehn Genossinnen ein, die sofort mit dir Arbeitsplatz tauschen würden. Er ist der Schwarm aller jüngeren, und auch einiger älterer Genossinnen. Und wenn ich nicht mit Ilja zusammen wäre, dann könnte ich durchaus…“

Aleksandra unterbrach sie harsch: „Olga, du weißt, dass mich Abteilungsklatsch nicht interessiert. Es ist mir auch völlig egal, ob der Dolmetscher gut aussieht oder nur ein Bein hat und einen Rasputinbart trägt. Was mich interessiert, ist seine Verlässlichkeit und seine Qualifikation.“

Olga schob ein weiteres Stück des köstlichen Schinkens in ihren Mund und kaute daran herum. Als sie damit fertig war, antwortete sie langsam: „Nun, du hörst dich ja schon fast an wie unsere Sicherheitsüberprüfer.“

Aleksandra wiegelte mit einer leichten Handbewegung ab: „Du weißt doch, dass ich mir bei internationalen Projekten immer besonders sicher sein möchte und mir keine Blöße erlaube, die dem Ansehen der Sowjetunion schaden könnte.“

Ihre Freundin schluckte die glaubwürdig vorgetragene Ablenkung und setzte fort: „Leonid Schachlikow ist keineswegs so jung, wie er aussieht, er ist genauso wie wir 1934 geboren. 1941 wurde seine Mutter von den Deutschen gefangengenommen und nach Polen verschleppt, wo sie zum Hausmädchen irgendsoeines Schlächters gemacht wurde. Leonid wuchs auf in einer Familie, deren Vater Tag für Tag Tausende in den Tod schickte, während zuhause seine Frau stickte und seine Kinder spielten. Leonid musste seine Mutter begleiten und lernte Deutsch mit den Kindern dieser Familie. Wahrscheinlich haben ihm seine blonden Haare dort das Leben gerettet, denn am Ende des Krieges erschoss der SS-Offizier nicht nur Leonids Mutter und einen zweiten Zwangsarbeiter in einem Schuppen hinter dem Haus, er beging danach Selbstmord in seinem Zimmer. Seine Ehefrau drehte durch und vergiftete sich, ohne an die Kinder zu denken. Als am nächsten Tag irgendwelche anderen Deutschen in das Haus kamen, um den vermissten Offizier zu suchen, fanden sie drei Kinder und vier erwachsene Leichen; Leonid mit dem Sohn und der Tochter des Deutschen gleich apathisch neben der Leiche der Frau sitzend. Die anderen nahmen die drei Kinder mit auf ihrer Flucht. Nach einer Unterbringung in einem thüringischen Waisenhaus kam Leonid erst nach vier weiteren Jahren zurück nach Russland, wo er dann bei einer entfernten Verwandten wohnte. Nach dem Militärdienst studierte er in Moskau und Weimar Germanistik und begann, für unsere Abteilung zu arbeiten. An seiner Gesinnung brauchst du nicht zu zweifeln, denn bei dieser Geschichte ist völlig klar, dass er alles Westliche zutiefst verabscheut. Und so sehr er auch unter Deutschen gelitten hat, so hat er doch in kindlicher Naivität ihre Sprache gut erlernt; wie manche behaupten, sogar besser als Genosse Jakin.“

Aleksandra blickte betroffen auf den vor ihr stehenden Teller: „Ich hätte nicht gedacht, dass er eine so dramatische Vorgeschichte hat.“

Olga nickte: „Das wissen nur sehr wenige. In der Arbeit ist er stets fröhlich und von bester Laune, wahrscheinlich auch, um nicht ständig an diesen Hintergrund erinnert zu werden. Er war bisher hauptsächlich in der Übersetzung schriftlicher Dokumente eingesetzt, aber ich bin überzeugt, dass er dir ein guter Mitarbeiter sein wird. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich ja mehr.“

Nun schmunzelte Aleksandra wieder: „Du kannst es nicht lassen!“

Olga wiegte sanft den Kopf: „Allerdings ist er zurzeit noch in einer Phase der Erprobung.“

Aleksandra horchte auf: „Wie meinst du das? Gibt es Grund, seine Gesinnung zu bezweifeln?“

Olga seufzte: „Du bist wirklich die unromantischste Frau, die ich kenne. Mit ‚Erprobung‘ meinte ich eher, dass er zwar nicht in einer festen Beziehung lebt, aber durchaus häufigere ‚Begegnungen‘ mit verschiedenen Frauen hat.“

Aleksandra runzelte die Stirn: „Möglicherweise ist das kein Nachteil; wer viele Freundinnen hat, ist nicht durch die Bindung an eine Frau erpressbar.“

Olga zuckte zusammen: „Also wenn du erst deinen Mann gefunden hast, werde ich dich an diese Aussage erinnern. Jedenfalls bist du mit dieser Einstellung zumindest nicht verletzt, wenn er seinen Charme nicht nur auf dich anwendet.“

Aleksandra lachte: „Ich bin nur an seinen Deutschkenntnissen interessiert, an nichts sonst. Aber da du seine Vergangenheit so gut zu kennen scheinst: Weißt du, bei welcher Waffengattung er gedient hat?“

Olga nahm sich noch ein Stück Käse: „Das wird dir gefallen: Er war bei der Marine. So wie Wladi!“

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