Düsterberge

Dies ist ein Gastbeitrag von Nina
„Sie sind ein ganz besonderes Völkchen dort in den Düsterbergen. Und willst du wissen, warum? Komm, ich sag’s dir. Viele gehen in diese Berge, irgendwann. Sie stehen so verlockend am Horizont, ja? Ja, ich seh’s an deinem Blick, du hast auch schon darüber nachgedacht, stimmt’s? Aber ich sage dir, die meisten, die gehen, kommen zurück. Oder sie kommen nicht zurück, wenn du verstehst. Nur die wenigsten bleiben. Sie gehen in die Berge und finden Entbehrungen. Da kehren die ersten um. Der Rest geht weiter und findet den Tod. Da kehren viele um. Und ein paar gehen weiter, und, irgendwo im Dunkeln, finden sie sich selbst. Da kehren die Letzten um. Und was dann noch übrigbleibt, das ist ein besonderes Völkchen. Ein ganz besonderes Völkchen...“
— Geschichte von Großvater Fabu

Die Düsterberge, die Rumenja im Norden von Nablumyet trennen, haben ihren Namen (Sumbramunje in der Sprache von Rumenja) von den dunklen Nadelwäldern, die ihre Hänge bewachsen. Die Bewohner der Bergwelt gelten als eigenbrötlerisch und ein wenig verschroben. Immerhin, wer würde einen kargen und harschen Landstrich verlassen, um unter noch kargeren und harscheren Bedingungen zu leben? Wen zieht es in diese Einsamkeit, in der die Winter lang sind und die Winde kalt, und in deren dunklen Nächten sich die merkwürdigsten Kreaturen herumtreiben? Da kann man wohl kaum ganz richtig im Kopf sein – oder man etwas zu verbergen.

Die Bergbewohner selbst zucken ob solcher Zuschreibungen nur mit den Schultern. Für sie sind die Berge Heimat, eine Heimat mit einer eigenen, rauen Schönheit, und die „verschrobenen Eigenbrötler“ sind ihre Nachbarn, Freunde und Familie. Viele Gründe können einen in diese Abgeschiedenheit ziehen: Handwerker auf der Suche nach Arbeit, Künstler auf der Suche nach Inspiration, Glücksritter auf der Suche nach Ruhm. Sicher, es mag vorkommen, dass nicht alle Neuankömmlinge eine büttenreine Weste haben. Doch in den Bergen stellt man keine Fragen. Wer verlässlich ist und hart arbeiten kann, für den wird sich schon ein Plätzchen finden. Es mag seine Zeit dauern, doch wer erst einmal „einer von uns“ ist, für den wird gelogen und geschwiegen, und es ist schon der ein oder andere Büttel an der Sturheit der Bergbewohner verzweifelt. Vielleicht hat in diesen Bergen das Sprichwort „Bergluft macht frei“ seinen Ursprung.
Eine beschriftete und farbige Karte von Kjeru.

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