Auriana die Stimme, und meine schizoaffektive Störung

Dieser Artikel ist in ständiger Bearbeitung und wurde am 2021-11-08 erstellt.
Umfang: 180.294 Wörter
Lesezeit etwa: 820 min. bei 220 Wörtern/Minute
Letzte Aktualisierung: 2022-05-15



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Vorwort und zum Geleit

Ein Hallo und ein Danke von meiner Seite aus, dass du dich dazu entschlossen hast, diesen doch sehr umfangreichen Artikel lesen zu wollen. Das bedeutet mir sehr viel.
Dieser Artikel thematisiert meine Stimme namens Auriana, und ich versuche, so detailliert wie möglich diese zu elaborieren. Aber auch meine Krankheiten, die schizoaffektive Störung und die Borderline Persönlichkeitsstörung (+ diverse andere Krankheiten) sind Themenbestandteil dieses Artikels. Auriana ist, mehr oder weniger, die, die auf dem ganzen symptomatischen Berg der Schizoaffektivität thront. Die Kategorisierungen sind etwas wild, aber ich bemühe mich um eine lesbare Struktur. An manchen Stellen wiederhole ich mich; teils auch mehrmals. Ich bitte auch das zu entschuldigen, sowie meine orthografischen Fehler und meine Verwechselungen zwischen Präteritum und Plusquamperfekt. Dieser Text unterläuft keinem Lektorat.
An vielen Stellen habe ich reflexartig „man sollte/kann/darf/usw.“ statt „Ich sollte/usw.“ geschrieben. Ich bitte da um Vergebung und leiste hiermit Abbitte. Der gesamte Artikel liegt meiner Einstellung zugrunde, dass der Großteil an Aspekten sich auf meine Person bezieht und oft auch meine Haltungen reflektiert. Ein jeder darf natürlich handeln, denken und fühlen, wie es ihm hilfreich ist, solange er damit keinen anderen Schaden zufügt.
Zweck des Artikels ist, mein (Auriana-)Stimmenhören und meine Krankheiten aufzuarbeiten, eine Chronik zu dokumentieren und schlussendlich auch meine Introspektion zu fördern. Und natürlich auch als Informationsquelle für meine Angehörigen, sollten sie sich bemüßigt sehen, dies hier alles zu lesen, auch wenn die Lesezeit dieses Artikels schon der einer Novelle ähnelt. Ich hoffe, sie können mich dann (besser) verstehen. Außerdem versuche ich, meine Krankheiten, anderen leichter zugänglich zu machen, bevor sie an einem Buch des Springer-Verlages, verzweifelt die Segel streichen.
Nach fast anderthalb Jahren habe ich ausreichend Erfahrung sammeln können, um Auriana, mein Stimmenhören und meine Krankheit in diesem Artikel ausführlich zu erörtern. Ich hätte schon viel früher anfangen sollen, um einen exakten chronischen Verlauf erfassen zu können, aber ich konnte im Jahr 2020 noch nicht wissen, wie sich das alles so entwickeln würde – auch wenn ich es geahnt hatte.
Ich kann schriftlich viel, viel offener über meine Befindlichkeiten schreiben, als ich es je mündlich könnte, und versuche, so ungehemmt wie möglich über meine Situation zu schreiben. Ich lege auch an vielen Stellen meine Seele offen. Bitte nutzt das nicht aus, um mir wehzutun! Das ist eine von zwei Bitten, die ich an euch habe. Die andere ist, dass ihr wirklich den gesamten Artikel lest und mir euer Feedback gibt. Das muss nicht heute oder morgen sein, aber ich würde mir ungemein freuen, eure Stellungnahme zu hören. Ich schenke die Zeit auch zurück, sofern es mir möglich ist.
Ich gebe auch zu bedenken, dass der Artikel am 2021-11-08 das Licht der Welt erblickt hat. So einiges wird sich mit der Zeit ändern. In einigen Fällen habe ich kenntliche Korrekturen vorgenommen, wie z. B.: (Ist nicht mehr so. Stand 2021-12-14), oder auch als Nachträge und Paralipomena (vorwiegend Bilder). Ich möchte damit einen chronologischen Verlauf festhalten, sollte sich was ändern. Da der Artikel auch ziemlich groß ist, kann ich nicht gewährleisten, dass ich Dinge, die sich in der Zwischenzeit geändert haben, akribisch hier korrigiert habe. Ich bin auch gerne für Rückfragen offen, falls jemand von euch sich kritisiert – indirekt oder direkt – fühlt.
An vielen Stellen spreche ich den Leser direkt an. Das kann mal im Singular oder im Plural sein. Ich bitte diese Inkonsistenz und den diskrepanten Modus Procedendi des Numerus, Pardon zu gewähren! In einfachen Worten: Mal spreche ich „du“ und mal „ihr“ – Entschuldigung für diese Unstimmigkeit!
Wer eine schnelle Übersicht haben möchte, welche Themen ich anschneide oder erörtere, der kann sich das Inhaltsverzeichnis genauer anschauen.
Wegen des Textumfanges ist die Lesbarkeit des Artikels auf Computermonitoren und Tablets wesentlich größer als auf einem Smartphone.
Noch eine kleine Sache: Ich würde mich freuen, wenn du hier auf dieser Seite ein Benutzerkonto anlegen würdest. So kann ich andere Artikel im Privaten erstellen, welche nur du und ggf. noch andere erwählte, sehen können. Dies hat außerdem noch andere Vorteile: Du könntest mein Co-Autor und ich dein Co-Autor werden. Falls gewünscht.
Nachtrag 2021-12-22: Ich muss sagen, es tut unendlich gut, dass hier alles in Worte zu fassen. Ich fühle mich nicht mehr so alleingelassen damit und bin über jeden Leser, den ich kenne oder nicht kenne, dankbar. Jeden Leser, der nach diesem Riesentext, mich besser verstehen wird (hoffe ich).
Achtung! An einigen Stellen jammere ich – ich bitte das zu verzeihen!
Nachtrag 2021-12-23: Meine Güte … ~27.000 Wörter hat dieser Artikel!
Nachtrag 2021-03-21: Heilige Sch… … ~133.000 Wörter!!!


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Seitennavigation

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  • Wenn du über diesen World-Anvil-Link hoverst, öffnet sich ein Pop-up, und wenn du es klickst, wird eine neue World-Anvil-Seite geöffnet: Auriana Belamour
  • Wenn du folgenden Link anklickst, öffnet sich eine ganz gewöhnliche Website standardmäßig in einem neuen Tab: https://www.deviantart.com/rieliesza
  • Wenn du auf die Links im Inhaltsverzeichnis klickst, springt er zum jeweiligen Kapitel.
  • Falls du diesen Artikel vollständig gelesen hast, und nur nachschauen möchtest, welche Änderungen vorgenommen wurden, kannst du mit STRG+F nach folgendem Text suchen: Nachtrag 2022-02, bzw. 2022-03, usw.


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Legende

Legende – Stimmen

Diese farbigen Textfelder werden genutzt, um die Stimmen zu differenzieren (Keine Sorge, ihr müsst euch die Farben nicht wirklich merken. Oft schreibe ich den Namen noch anbei oder die betreffende Stimme ist im Kontext ersichtlich). Die meisten solcher Texte habe ich vorher kuratiert, da das Stimmenhören oft einem Rauschen unterlegen ist und nicht immer von meiner Seite aus verbalisiert ist (siehe weiter unten):
Angehörige (real)
Annika (Kopfstimme)
Auriana
Aurora
Boshafte Präsenz
Dominik
Generische Stimme (Name unbekannt)
Generische Stimme (Name bekannt)
Gurkenglasmann
Ich (gesprochen/gedacht)
Ich (Kommentare)
Kinara
Lars (Kopfstimme)
Malaika
Meryana
Myantha
Sibéal
Tim (Kopfstimme)
Togh


Legende – Sonstiges

Diese dunkelblaue Box wird für Therapiemethoden genutzt

Hier stehen meine Antworten innerhalb diverser Therapiemethoden.

Hier stehen Zitate diverser Autoren
— Name des Autors

Ergänzungen (nach 2021-11)

Hallo! Hier spreche ich dich, den Leser, direkt an.

Systemtext


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Revisionen (Wortanzahl)

2022-01-03: 33.000 Wörter!
2022-01-06: 35.000 Wörter!
2022-01-09: 37.000 Wörter!
2022-01-14: 43.000 Wörter!
2022-01-16: 47.000 Wörter!
2022-01-18: 52.000 Wörter!
2022-01-20: 54.000 Wörter!
2022-01-22: 55.000 Wörter!
2022-01-23: 57.000 Wörter!
2022-01-25: 59.000 Wörter!
2022-01-28: 60.000 Wörter!
2022-02-02: 64.000 Wörter!
2022-02-05: 71.000 Wörter!
2022-02-07: 74.000 Wörter!
2022-02-08: 76.000 Wörter!
2022-02-14: 83.000 Wörter!
2022-02-17: 100.000 Wörter!
2022-02-22: 105.000 Wörter!
2022-02-25: 110.000 Wörter!
2022-03-17: 131.000 Wörter!
2022-03-20: 132.000 Wörter!
2022-04-02: 142.000 Wörter!
2022-04-24: 161.000 Wörter!
2022-05-14: 180.000 Wörter!


Auf gehts!
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Allgemeines zum Thema Stimmenhören

Definition:
Stimmenhören ist eine Form der akustischen Halluzination. Es kann passager (kurzzeitig) im Rahmen akuter Psychosen auftreten, aber auch chronisch wie z. B. beim schizophrenen Residuum. Stimmenhören ist als komplexe akustische Halluzination von den Akoasmen abzugrenzen, bei denen einfache Geräusche wie lautes Knallen, Zischen oder Heulen wahrgenommen werden.

Symptome:
Diese Stimmen können dem Betroffenen bekannt oder fremd sein, freundlich zugewandt bis bedrohlich, männlich, weiblich oder gar geschlechtslos. Man unterscheidet zwischen …
  • kommentierenden Stimmen: kommentieren die Handlungen des Erkrankten (Auriana, et al.)
    Auriana: „Es ist ein wenig kalt im Schlafzimmer. Ich würde einen Schlafanzug anziehen, aber ich bin eh ne Frostbeule.“
  • dialogisierenden Stimmen: sprechen den Erkrankten direkt an (Auriana, et al.)
    Auriana: „Hallo Schatzi! Wie hast du geschlafen? … Das freut mich.“
  • dialogisierenden dyadischen Stimmen (von mir definiert): sprechen nur untereinander (Auriana & Meryana, et al.)
    Auriana: „Mama?“
    Meryana: „Ja, was ist denn, mein Mäuschen?“
    Auriana: „Dirk schläft in letzter Zeit wieder gut.“
    Meryana: „Das ist doch schön. Ich hoffe, es folgen noch weitere schöne Nächte.“
  • imperativen Stimmen: geben dem Erkrankten Befehle (selten Auriana, et al.)
    Unbekannt: „Geh jetzt schlafen! Du bist doch müde!“
  • Brabbelbabbel-Stimmen (von mir definiert): sind Fabulanten und reden einfach Zeugs – meist kontextlos (hin und wieder Auriana, et al.)
    Gurkenglasmann: „Eine Schlafcouch ist nicht verkehrt … So eine schöne Duftkerze … Vanille aber nicht … Duft.“
  • Komposit: Manche Stimmen bedienen mehr als nur eine Art, wie bspw. Auriana. So kann es vorkommen, dass Auriana eine Minute lang kommentiert, ohne auf mich einzugehen, und dann erst auf mich eingeht. Oder Auriana unterhält sich auch sporadisch mit anderen Stimmen. Und manchmal kommt von ihr nur Brabbelbabbel.
Wie man sieht, hinkt die Wissenschaft etwas hinterher, was die Definition der Arten betrifft. Man muss aber auch sagen, dass dialogisierende Stimmen selten auftreten. Was die Geschlechter betrifft (Auriana inkludiert), würde ich sagen: 45 % männlich, 45 % weiblich und 10 % androgyn. Was das Alter betrifft, sind etwa 60 % aller Stimmen erwachsen, 30 % adoleszent/jugendlich, 9 % kindlich und 1 % kleinstkindlich (darunter auch Babygeräusche). Ist aber nur eine grobe Schätzung.
Per ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) gehört das Stimmenhören zu den Erstrangsymptomen der Schizophrenie, von denen man mindestens eines haben muss – und schon ist man schizophren …*hurra!* … Was meines Erachtens Unsinn ist, denn Stimmenhören können auch Nicht-Schizophrene. Es muss nur mindestens einen Monat (beinahe ständig) in Erscheinung treten. Und wenn man dann noch bipolar ist, hat man eine schizoaffektive Störung. Bei mir kamen jedoch noch weitere schizophrene Symptome dazu. Siehe auch weiter unten „Liste meiner Symptome“.

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Chronologie & Krankheitsverlauf

Als ich zu Beginn des Jahres 2018 anfing zu erkranken, konnte ich noch nicht erahnen, welche Ausmaße meine Krankheit zwei Jahre später annehmen würde. (Hier hätte so manche Früherkennung mir einiges Leid ersparen können, aber die ersten zwei Jahre war ich im „Prinzip Hoffnung“ arretiert.) Von 2018 bis Frühling 2020 war es eher ein fast unbeschwertes Leben – mit Depression und Hypomanie (Wenn man mal so einige Tiefpunkte, Suizidgedanken und einen gescheiterten Suizidversuch ausklammert. Und ich möchte damit die Depression nicht verharmlosen. Sie war schon teils unerträglich, aber irgendwie auch halbwegs akzeptabel für mich. Ich wusste ja, dass nach wenigen Tagen, dank Bipolar, wieder eine angenehme Zeit bevorsteht, und nach dieser Zeit wieder Depression, usw.) Nicht wirklich schön, aber auch nicht schlecht. Ich lebe ja noch. Dann kippte alles gegen Ende März 2020. Mein Bipolar-II meinte, sich in eine schizoaffektive Störung verwandeln zu müssen – diese Krankheit kombiniert Bipolar und Schizophrenie. Man hat also beides. Es ist so, als würde man einen Autounfall bauen, und dann beim Aussteigen direkt überm Haufen gefahren werden durch ein anderes Auto. In einigen Fachkreisen wird immer noch diskutiert, ob Bipolar und Schizophrenie nicht ein und dieselbe Entität sind. Die Epidemiologie sagt eine Prävalenz auf Lebenszeit von 0,3 bis 0,8 % zu. Frauen mehr als Männer. Etwas weniger als Diabetes Typ I (Quelle: Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Lebenszeitprävalenz von ausgewählten Krankheiten in Prozent nach Alter, Geschlecht und sozialer Schicht, 2002/2003.) Die Inzidenzen sind wohl über Jahrzehnte konstant; allein die Anzahl der Hospitalisierungen hat sich marginal gesteigert.
Siehe auch: https://www.gbe-bund.de/gbe/pkg_isgbe5.prc_menu_olap?p_uid=gast&p_aid=14357519&p_sprache=D&p_help=3&p_indnr=550&p_indsp=&p_ityp=H&p_fid=|tab
Aber all diese Epidemiologie und Nosologie sind mir zweitrangig – es sind die Symptome, die psychotherapeutisch (NICHT pharmakologisch) relevant sind. Man stelle sich vor, ADHSler und Bipolare/Schizophrene werden mit der bevorzugten Medikamentengruppe des anderen therapiert. Antipsychotika, die das Dopaminsystem drosseln für ADHSler und Psychostimulansen, die das Dopaminsystem anfeuern, für Bipolare/Schizophrene. Nicht gut. Man erkennt dadurch auch, dass eine fachliche Diagnose dringend vonnöten ist, damit nicht inkorrekt pharmakologisch therapiert wird.

Die ersten drei bis vier Monate ab März 2020 waren durch eine Prodromalphase gekennzeichnet. Das ist jener Krankheitsabschnitt, wo sich die „Vorposten-Symptome“ (die Prodrome) aufbauen und manifestieren. Den eigentlichen Ausbruch hatte ich doch tatsächlich drei Tage vor meinem ersten Krankenhaustermin (genauer: Psychiatrische Institutambulanz im Krankenhaus) gehabt, und die Prodrome/Symptome äußerten sich hyperakut und teils paroxysmal aggravierend (extrem schnell, und teils anfallsartig verschlimmernd – bevor ihr googeln solltet. Man lernt einige Fachbegriffe, wenn man sich mit der Krankheit auseinandersetzt.) Schübe innerhalb von Schüben. Sehr ätzend. Diese Tage waren unerträglich wie die Hölle, und ich hatte schon die Krankenhaustasche gepackt. Glücklicherweise hat mich das ein wenig besänftigt, sodass ich den Termin regulär habe wahrnehmen können und schlussendlich mein Antipsychotikum bekommen habe.
Doch nicht fähig zu sein, einschlafen zu können (ich war 60–70 Stunden wach in diesen Tagen), war mit das Schlimmste. Monatelang zuvor führte ich einen 40:8-Schlafrhythmus. Also 40 Stunden wach, 8 Stunden Schlaf. Mit dem kam ich einigermaßen klar. Aber zwei, oder mehr, Nächte durchzumachen, war jenseits der Schmerzgrenze. Dies ist auch ein Indikator für eine sich anbahnende Psychose, sofern der Betroffene das Krankheitsbild dazu hat. Notfälle bei dieser Krankheit landen wohl, so wie es mir mitgeteilt wurde aus diversen Quellen, auf die geschlossene Station. Das wollte ich nicht. Vielleicht wurde mir auch einfach Angst gemacht. Während meines Erstgespräches beim Psychiater war ich nervös wie nie. Ja, ich habe ihm gesagt, dass ich Stimmen und Diverses höre (zu dieser Zeit noch nicht so stark ausgeprägt). Scheinbar reichte meine Symptomatik nicht aus, um auf die Geschlossene zu landen. Ja, ich habe, wie man es so oft macht, das meiste davon als: „Ach, das ist schon so O. K.“, abgetan. Was mich direkt in den Krankenhausflügel P2 befördert hätte, wäre die Bejahung der Frage, ob ich das Gefühl habe, dass ich wahrnehme, meine Gedanken würden manipuliert und fremdgesteuert werden. (Kurioserweise hat der Psychiater diese als einzige Frage so wirken lassen, als wäre das nur etwas Triviales. Quasi eine Randfrage. Das war ein Trick, um mich zu ködern!) Ob ich das habe/hatte? Keine Ahnung. Ich weiß nur von einigen Absencen. Auch hier kann ich nicht ausschließen, dass mir andere Erkrankte einfach Angst gemacht hatten, durch Überdramatisierung, oder was weiß ich. Der Gedanke, auf die Geschlossene landen zu können, ruft bei mir Panik hervor, und Panik → Stress → Wahngedanken und Derealisation → Geschlossene. Fixiert zu werden, steht auch ganz oben auf meiner Panikliste. Deswegen bin ich auch so empfindlich, wenn jemand meint, ich solle doch ins Krankenhaus. Wobei, mein gesunder Menschenverstand sagt mir, solange ich kooperativ bin, also eine hohe Compliance zeige, ich definitiv auf keine Geschlossene landen würde. Ich bin ja immer schön artig.
Im Nachhinein habe ich erfahren, dass es zweckdienlicher ist, bei einer Erkrankung aus dem schizoaffektiven Formenkreis nicht zu hospitalisieren. Man möchte den Erkrankten nicht die eh schon bröckelnde Selbstständigkeit und -verantwortung abnehmen. Noch in den 70er-Jahren war es an der Tagesordnung, dass viele Schizophrene für etliche Jahre im Krankenhaus verweilten. Insofern ist eine ambulante Versorgung vorzuziehen. Und genau deswegen (und anderen Gründen) wurden auch die „Psychiatrischen Institutsambulanzen“ ins Leben gerufen. Diese Anti-Hospitalisierung gilt natürlich nicht, wenn man in einer Krise steckt, oder irgendetwas akut auf den Plan tritt.

Die Ursachen für den schizophrenen, aber auch teils den bipolaren Anteil sind zu mannigfaltig, dass ich beim besten Willen nicht erörtern kann, welche davon maßgebend waren. Genetische Disposition, mutmaßliche Gehirnhautentzündung als Kleinstkind, Frühpubertät (Ich kam mit etwa acht Jahren schon in die Pubertät. Und ja, ich habe da schon Sachen gemacht, die auch große Jungs machen. Und damit meine ich nicht das Autofahren oder Trinken), Störungen der Neurotransmitterfunktionen (Dopaminhypothese), schizotype Persönlichkeitsmerkmale, Episode in der Adoleszenz, vulnerables Emotionsmuster, Corona, Lithiumtherapie, einmaliger Cannabiskonsum, Homeoffice, eine „bestimmte Sache“, usw. – alles zeitgleich bis auf die Anamnese. Wie immer – zynisch gesagt. Eine Auflistung folgt weiter unten.
Wenn man noch das Rahmenwerk der (Prä)dispositionen erweitert, könnte man meinen, dass der Kulturzwang, welcher auf erwachsene Menschen (und leider zu oft auch auf Kindern) lastet, dazu beitragen kann, Psychosen zu induzieren. Ein jeder verliert irgendwann (bis auf wenige Ausnahmen hier in der westlichen Kultur) seine Puerilität. „So verhält man sich nicht als Erwachsener!“, „Du musst dies, du musst das!“, blabla …
Man kann diesen verlorenen Aspekt anders betiteln, wie man möchte (z. B. inneres Kind), eines ist aber gewiss: Jede Klammer lässt den Geist bluten, und irgendwann ist er so verletzt, dass er sich aller Voraussicht nach mit einer Psychose, einer Persönlichkeitsstörung, oder etwas anderem selbst schützt. Ja, dieses „schützt“ ist wahrlich so gewählt. Wenn die Realität so sehr Pein bereitet, beginnt das Gehirn seine eigene „Realität“ auszubilden.
Diese seelische Fassonierung der Wahrnehmung ist keinesfalls kohärent mit der Wirklichkeit – diese schmerzt ja. Und sie muss auch kein kunterbuntes Kindergartenland sein. Es werden keine Appelle Genüge geleistet. Das Gehirn meint es nicht unbedingt gut mit einem. Es ist wie ein Brettspiel, dessen Sieger immer die finstere Seite der Wahrnehmung ist. Vor allem, da immer wieder die dunklen Aspekte des Lebens sich innerhalb der Rezeption verlautbaren. Doch diesmal mit scharfen Krallen, Zähnen, Schwertern und Pfeilen. Und das Gehirn zieht die widerhakenbehafteten Pfeile nach und nach heraus, ohne auf Verluste zu achten. Wie kann man das „schützen“ nennen? Das Schlachtfeld wird nur verlagert, doch diesmal mit bekannten Gegnern. Gegner, die einst im Schatten wandelten. Ist das besser so? Nicht wirklich. Aber es ist unvermeidbar.
Der größte Gegner, der General des Schlachtfeldes, der epische Endboss, ist der Suizid. 10–20 % aller schizophrenen Kämpfer unterliegen diesem Monster. Etwa 30 % suchen die direkte Konfrontation und fliehen oder besiegen ihn dann. Vorerst. Selbst wenn dieser Gegner besiegt ist, terrorisieren die finstren Gestalten weiter. Ohne Unterlass. Ohne Gnadenstöße – diese kann nur der Suizid bewirken. Das „Schützen“ ist eigentlich nur eine Farce, die Verlagerung des Schlachtfeldes. Und eines ist gewiss: Die Zeit heilt nicht alle Wunden.
Kinder werden als Riesen geboren,
doch mit jedem Tag, der dann erwacht,
geht ein Stück von ihrer Kraft verloren,
tun wir etwas, das sie kleiner macht.
Kinder versetzen solange Berge,
bis der Teufelskreis beginnt,
bis sie, wie wir, erwachsene Zwerge,
endlich so klein, wie wir großen sind.
— Reinhard Mey (Du bist ein Riese Max)


Aber auch traumatische Ereignisse, die so intensiv erlebt werden, können sich auch zu einer Psychose entwickeln. Ich hatte mal einen Bericht über einen Familienvater gesehen, dessen Kind gestorben war. Ich glaube, ich brauche an dieser Stelle nicht zu sagen, dass so ein Ereignis für alle Eltern wohl das Schlimmste ist, was sie in ihrem Leben erleiden können. Das mit Traurige an dieser Sache war, dass er irgendwann so psychotisch wurde, und entsprechend auffällig, dass er von der Polizei, welche zu diesem Zeitpunkt absolut nicht wusste, wie man mit Psychoten umzugehen hat, mit Pfefferspray und Schlägen malträtiert wurde, da er ein Küchenmesser in den Händen hatte. Er hockte nur zusammengekauert auf dem Boden. Ich kann mir gut vorstellen, dass er auch die Stimme seines Kindes gehört hatte. Und jetzt stellt euch mal vor, die Stimme seines Kindes hätte geweint und ihn um Hilfe angefleht, weil böse Menschen was von ihm wollen. Da überrascht es nicht, dass der Vater sich bewaffnet hat.
Verständlicherweise werden nicht alle Eltern, deren Kinder verstorben sind, in eine Psychose rutschen. Aber wenn die Veranlagung dazu da ist, wird die Chance entsprechend erhöht.

Manche Erziehungsstile/methoden, aber auch Lehranstalten, wollen ja aus dem Kind einen „braven Bürger“ machen, wollen ihn entsprechend formen. „Auf das Leben vorbereiten.“ Leider bereiten diese Methoden ein Kind nicht darauf vor, mit seiner eigenen (krank gemachten) Psyche adäquat umzugehen. Sie bereiten nicht auf Agilität, Achtsamkeit, Empathie, Gerechtigkeit, Toleranz, Hilfsbereitschaft, Humor, Nachhaltigkeit und Weitsicht vor. Doch diese Werte sind unabdingbar, um unsere Gesellschaft voranzutreiben. Schauen wir in die Welt hinein, wird einem klar, dass wir diesen Wandel dringend benötigen. Warum sehen das nur so wenig? Ich weiß es nicht. Stattdessen wird weiter gedemütigt, geformt und ignoriert. Unsere Kinder brauchen nicht geformt zu werden – sie SIND doch schon.
Man stelle sich mal mental in die Fußgängerzone und singt ein Lied (oder läuft in Badeanzug/hose herum.) Und das ist noch eher harmlos. Allein schon der Gedanke daran, und man spürt die Klammer. Spürst du es, wie die Scham entsteht? Als Kind zu singen, war viel einfacher, nicht wahr? Und zehn Sekunden später ist diese Scham bereits verdrängt. Warum sollte man sich auch in die Fußgängerzone stellen und ein Lied zum Besten geben? (Ausgenommen sind mal die Straßenmusikanten.)
Kennst du etwas, was du als Kind gemacht hast, nur heute aufgrund kulturbezogener Scham nicht mehr? Und damit meine ich nicht das Nacktbaden im Babyplanschbecken. Und als Bonusfrage: Was möchtest du davon als Erwachsener wieder machen?
Ein weiterer Aspekt einer möglichen Disposition: Auch gendertypische Verhaltensweisen werden einem (immer noch) aufoktroyiert. Der Diskurs, wie man seine Kinder erzieht, und ob man geschlechtsspezifisch erzieht, ist aktuell größer denn je (bezogen auf die „Lautstärke“ dezidierter Idealisten). Aber die Gefahr ist in beiden Richtungen zu finden: Jene, die ihr Kind „passend zum Geschlecht“ und jene, die, auch wenn das Kind sich dagegen sträubt, mit einer Art von Multigenderstil versucht zu erziehen. Beides auf Gedeih und Verderb. Im letzteren Stil werden dann gerne mal einem achtjährigen Jungen Mädchenkleidung verpasst (Ja, es existieren solche Eltern.) Und im ersteren Stil wird das Mädchen aus der Legotechnik-Ecke im Spielwarenladen gezogen. Eigentlich sollten die Kinder – frei und unverbogen – entscheiden dürfen, wofür sie sich interessieren und wie sie sich darstellen möchten. Was tun, wenn ein Junge ein Mädchenkleid tragen möchte? Ihm diese Freiheit gewähren, und das Risiko eingehen, dass dieser in der Schule gemobbt (auch „kujonieren“ genannt) wird? Oder es direkt verbieten und seine Freiheit einschränken? Als Eltern hat man auch die Aufgabe, sein Kind zu schützen, was oft gar nicht mal so einfach ist. Hier zeigt sich auch der Kulturzwang, selbst bei Kindern. Ein Junge mit Mädchenkleidung in der vierten Klasse, und schon ist ihm der Spott gewiss. Gleiches in der Art gilt auch für Mädchen, wenn z. B. ihre Hobbys zu „jungenhaft“ attribuiert sind. Annika und ich haben unsere Kinder nie „typisch Jungs“ erzogen, sondern haben immer ihre Präferenzen und Aktivitäten akzeptiert und gefördert. Und wie von selbst, haben diese sich eher jungentypisch gezeigt. Wenn ich sehr grob formulieren würde, was jungen- und mädchentypisch ist: Mädchen interessieren sich für psychosoziale Themenfelder und Jungs eher für technische Funktionsweisen. Natürlich muss das eine, das andere nicht ausschließen. Ich habe mir mal zwei Bücher besorgt, welche folgende Namen tragen: „100 Dinge, die ein Junge wissen muss“ und „100 Dinge, die ein Mädchen wissen muss.“ Ich könnte es zu „200 Dinge, die ein Kind wissen muss“, abändern, und dann schau ich mal, was davon meine Kinder interessiert. Eine persönliche Ministudie sozusagen. Vielleicht sogar als kleines Quiz?
Auf mich bezogen bedeutet die Genderisierung: Was ich auch als etwa Zehnjähriger hätte, haben wollen war z. B. dieses Polly Pocket. Ich glaube, heutzutage existiert dieses „Mädchenspielzeug“ immer noch. Meine Eltern hatten sich aber mit aller Macht dagegen gestellt. Es stand sogar auf meiner Weihnachtswunschliste. Nur weil die Figürchen keine Panzerfäuste hatten, mit denen sie sich gegenseitig abschießen können, sollte es ein „Mädchenspielzeug“ gewesen sein? Aber auch andere Spielwaren für Mädchen hatten mich interessiert. Was sollte ich als Kind schon machen? Mir waren als Kind die Genderkonzepte, jedenfalls die psychosozialen, äußerst nebulös. Ich habe ja auch als Kind lieber mit Mädchen gespielt, wenn ich mich so daran zurückerinnere. Jungs waren für mich immer so … anstrengend. Wenn ich mit einem Mädchen gespielt habe, war alles viel relaxter.
Wenn du als Leser weiblich bist, schätze ich, dass du genau gegenteilig argumentieren würdest. Ist nur ein Bauchgefühl meinerseits.
Niemand, der sich beweisen wollte (Noch so ein Ding, welches ich damals an den Jungs nie verstanden hatte.) „Warum müssen wir daraus einen Wettkampf machen? Wir können doch einfach so Spaß haben.“ Tja, ich weiß nicht. Manchmal habe ich das Gefühl, in einem falschen Körper geboren zu sein. Wobei ich jetzt nicht von einer Genderdysphorie reden würde. Selbst heutzutage versuchen die Männer, mich mit diversen Wettbewerbsallüren zu ködern und zu drangsalieren, auch, wenn es teils rein verbal ist. Selbst im gemeinsamen Spiel mit meinen Jungs tendiert mein Ältester eher zum Wettbewerb. Was hatte ich also als Kind, welches dann doch mit Jungs gespielt hatte? In neun von zehn Fällen durfte ich mich dieser Rivalität unterordnen, auch wenn sich alles in mir dagegen gesträubt hatte. Natürlich habe ich nur „Jungenspielzeug“ besessen. Entweder hatte dieses eine kriegerische Konnotation oder mindestens zwei Räder. Man muss aber zugutehalten, dass, wenn es denn kriegerisch sein sollte, ich stets darauf gedrängt hatte, dass wir zwei Fraktionen spielten: „Die Guten“ und „Die Bösen“. Damit kam ich einigermaßen klar. Ich glaube, den Löwenanteil bildete die Franchise Starcom und MASK (sofern ich mich richtig erinnere). Davon hatte ich sehr viel Zeugs. Natürlich waren alle Spielzeuge voll gerüstet und bewaffnet. Ja, sie konnten sogar Projektile abschießen. Manchmal habe ich es geschafft, und meine Spielkameraden überreden können, etwas anderes, als kriegerische Handlungen zu spielen: Erkundung, Transport, Rettungseinsätze, usw. Traurigerweise hat nicht ein Mädchen dieses Spielzeug anrühren wollen. Mit den Mädchen habe ich vorwiegend Rollenspiel gespielt. In sehr jungen Jahren noch Vater-Mutter-Kind (Und ja, ich habe den Vater gespielt). Der Klassiker, wenn sich mal zwei Gender zum gemeinsamen Spiel treffen. Und in jungen Jahren wich diese Art des Rollenspiels schon konkreteren Dingen: Arztpraxis (mal mit, mal ohne DS), Reisebüro (wir haben sogar extra Material dafür gekauft), Tierhandlung, Bäckerei, usw. usf. Das war wirklich schön.
In jugendlichen Jahren fiel das gesamte Spektrum des Jungjungenspielzeugs weg, und man hat sich – ja, auch schon damals – zum Computerspielen getroffen. Oder man war halt draußen und hat dort Dinge getan, die man so draußen tut. Schade, dass niemand von meinen Freunden musikalisch war. Ich hätte schon damals gerne eine Band gehabt.
Meine damalige beste Freundin, welche fünf Jahre älter war, hatte es sich zum Ziel gesetzt, als sie etwa 11–12 Jahre alt war und ich eben 6–7 Jahre, mich sexuell erziehen zu müssen, aber auch ihre Nisus sexualis, ja fast schon eine Nillengier, an mir auszulassen. Das währte noch an, als ich 12 und sie 17 war. Und es wurden keine Schaubildchen gezeigt. Und es waren auch keine „Doktorspiele“. Glücklicherweise konnte ich zwischen meiner besten Freundin und anderen Kindern differenzieren, sodass ich nie Gefahr lief, übergriffig zu werden. Wenn man als Kind mit der Sexualität quasi dauerhaft konfrontiert wird durch ein anderes, wesentlich älteres Kind, kann es zur Normalität werden. Aber nein, andere Mädchen oder Jungen habe ich nie (nicht konsensual) begrabbelt.
So viel zu mir in dieser Hinsicht.

Und noch eine mögliche Disposition: Attribute, die es einem erleichtern oder erschweren, in unserer Gesellschaft privilegierter zu sein. Auch Intersektionalität genannt (Ich hasse diese wie die Pest). Aussehen , Geld (+), Alter , Geschlecht (+), sexuelle Orientierung (siehe unten), Hautfarbe (+), geistige und körperliche Gesundheit (-), Körpergewicht und Figur (-), Bildungsstand (+), Sprachkompetenz (+), usw. Wenn man sich da nicht mindestens im mittleren Bereich wiederfindet, kann man sich auf so manche Marginalisierungen (Abschiebung ins Abseits) gefasst machen.
Notiz: Ich habe die Attribute für mich in Klammern bewertet. Die sexuelle Orientierung ist bei mir so schwammig. Offiziell bin ich ja mit Annika zusammen und gebe ein heterosexuelles Bild ab, aber andererseits bin ich auch pansexuell (ich mach mir nichts aus Geschlechterkonzepten).
Und wie sehe ich das Ganze gegenüber anderen Personen? Mir absolut durchweg vollauf vollkommen total restlos gänzlich egal. Ich würde mich auch mit jemandem anfreunden, der überall nur „-“ oder „+“ hat. Allein der Intelligenzquotient (nicht in der Intersektionalität enthalten) ist ein wenig relevant, ob eine Freundschaft gut funktionieren kann. Für eine tiefe Freundschaft würde ich dann doch von einem Menschen mit einem IQ von >95 oder <135 vorzugsweise Abstand halten (wenn ich mein IQ auf 115 datieren würde). Beide Parteien würden nicht glücklich werden. Natürlich würde ich keine bestehenden Freundschaften deswegen ein Ende setzen. Ich bin auch da grenzenlos meinen Freunden ergeben. Ist dieses Abstandhalten wertend? Schwere Frage. Mir ist es egal, ob jemand einen IQ von 80 oder 150 hat. Dies hat, vermute ich, eher was mit Präferenzen und dem psychosozialen Konsens zu tun, welche sich aus den Diskrepanzen beider IQ ergeben. Aber ich muss auch so sagen, dass ich relativ tolerant bin. Ich lasse mir keinen IQ-Test vorlegen bei neu gemachten Freundschaften.
So viel dazu.

Ob und wie intensiv das alles zu meiner Krankheit beitragen hat, kann ich nicht sagen. Vielleicht nur zu 1 %, vielleicht auch 50 %.
Aber gegen so manche (Prä)dispositionen existieren drei große Schilder: Gemeint sind Religiosität (früher Gläubigkeit, heute eher Spiritualität genannt), Demut (nicht als Hilflosigkeit, sondern Lebens-Strategie) und Dankbarkeit.
Alle drei Aspekte scheinen inzwischen weitgehend aus der allgemeinen Sichtweise verschwunden zu sein, Religiosität ist ohnehin etwas sehr Persönliches. Demut wird als peinliche Schwäche, vielleicht sogar als Feigheit missdeutet. Über Dankbarkeit ließe sich noch am ehesten reden, aber hier herrscht oft regelrechte Hilflosigkeit.
Das ist sehr interessant. Denn dass die Dankbarkeit unter den Menschen schwindet, und zwar deutlich, ja schmerzlich, das ist jedem geläufig, das bekommt man tagtäglich demonstriert. Dabei hat sie nicht den erwähnten relativierenden Beigeschmack wie die beiden anderen Schilder Religiosität und Demut. Sie ist ein anerkanntes Phänomen nicht nur unserer Gesellschaft, sondern aller, der gesamten Menschheit. Sie ist keine Schwäche, sondern gleichsam der Motor des gesellschaftlichen, zwischenmenschlichen und damit innerseelischen Ablaufs – gehemmt oder gefördert. Das leuchtet jedem ein. Doch es bewegt sich nichts, höchstens zum Schlechteren. Auch Dankbarkeit wird offensichtlich zum gesellschaftlichen Defizit-Modell, mit allen Folgen. Es ist zum Verzweifeln, wer schießt sich schon sehenden Auges in den eigenen Rücken.
Und, zu guter Letzt, ist auch die Resilienz entscheidend. Diese erkläre ich weiter unten unter „Meine therapeutischen Methoden“.

Die aktuelle Episode ist nicht meine Erste. Die Erste (wenn man eine mögliche Episode im Kindesalter ausschließt) hatte ich im Alter von 18 und 19 Jahren. Diese waren „nur“ gekennzeichnet durch depressive und hypomanische Zustände. Aber auch Angstzustände hatte ich gehabt. Diese waren unähnlich mit den Aktuellen. Damals hatte ich noch Angst, eine mir in hohem Grade wichtige Person (Annika) zu verlieren. (Nachtrag 2022-02-18: Diese Symptome, die Angst, mir wichtige Menschen, allen voran meine Familie, zu verlieren, haben in den letzten vier Wochen doch wieder angeklopft.) Die damalige Symptomatik ähnelte auch sehr der Borderline-Störung (was nicht ganz ausgeschlossen werden kann – Komorbidität?). Aber, so oder so, dass 20 Jahre zwischen den einzelnen Episoden liegen, ist eher eine Kuriosität und nicht wirklich nach Lehrbuch. Aber es kommt vor, wie man bei mir sieht. Bei den meisten sind die Abstände eher um die fünf Jahre.

Zusammengefasst: Die Lebensumstände hatten sich ab März 2020 gravierend verändert, primär durch die soziale Zwangsisolation, welche mittlerweile durch eine selbstauferlegte soziale Isolation getauscht wurde. Doch ich bemühe mich, diese Isolation einzudämmen. Ich würde so gerne auf andere Menschen zugehen, aber ich habe Angst. Angst, in Panik zu verfallen, hauptsächlich neuen Menschen gegenüber. Das ist keine Sozialphobie, sondern mehr eine Vorahnung, eine Besorgnis, ich könnte verrückt und somit wie ein Geisteskranker wirken. Und aus dieser Stress verursachenden Besorgnis wird dann die selbsterfüllende Prophezeiung, dass ich eben dann so wirke, weil jeglicher Stress mich exzessiv überfordert. Ein neurasthenischer Circulus vitiosus.
Die vier Monate (März bis Juni 2020. Innerhalb der Prodromalphase) waren geprägt von episodischen Ängsten. Schlimmen Ängsten. Ängste vor der boshaften Präsenz, Ängste vor der Dunkelheit, Ängste davor, verrückt zu werden, sogar Ängste vor meinen Mitmenschen, unserer Welt und einer anderen fremden Welt. Ich hatte das paranoide Gefühl, von „dunklen Mächten“ beobachtet zu werden, allen voran deren „dunkle Streiterin“, die boshafte Präsenz. Ich konnte niemanden mehr vertrauen, auch Annika nicht, denn das Boshafte konnte sich überall manifestieren – allen voran, in Menschen, die mich sehr gut kennen und/oder mir nahestehen. Ich weiß noch, wie ich neben Annika gelegen, dann meine Augen geöffnet hatte, nur um in ihr Gesicht zu blicken, welches mich vor Panik aufschrecken ließ.
Die auditorischen Halluzinationen beschränkten sich zu dieser Zeit eher auf dumpfes Stimmengewirr, so als würde man durch zwei Türen eine kleine Zusammenkunft belauschen. Verstanden hatte ich da so gut wie nichts – außer hier und dort mal ein Wort. Das Stimmengewirr wechselte sich ab mit halluzinierte Musik, oder kombinierte sich damit. Auch bei der Musik konnte ich kein Lied benennen. Es war einfach Musik. Gruselig wurde es aber in der Tat, wenn der Gesang durchbrach und ich einzelne Passagen heraushören konnte:
Wir kommen, wir kommen, und dann holen wir dich.
Das sind jene Momente, die mich in eine andere – boshafte – Welt stoßen. Glücklicherweise meist nur bis zu einem gewissen Grad. Doch anfänglich, wenn man 39 Jahre so etwas in diesem Ausmaße nicht gewohnt war, auch beängstigend disruptiv.
Zu diesem Zeitpunkt (Mitte 2020) war Auriana als Stimme noch nicht – in effectu – vorhanden. Ab April 2020, so kann ich mich zurückerinnern, waren einzelne Worte, aber auch Aussagen, von ihr „verrauscht“ hörbar, aber ich konnte sie nicht zuordnen. Ich hatte Auriana hauptsächlich in meinen Träumen wahrgenommen. Besonders in jenen, die gleichsam Wach-, wie Albträume waren, mit der Unfähigkeit diese Albträume verlassen zu können. Das ist eine sehr, sehr unschöne Erfahrung, vor allem, wenn Schmerzen mit an Bord sind – von den Ängsten mal ganz zu schweigen. Traumschmerzen sind anders als normale Schmerzen. Sie fühlen sich so an, als würde man benommen mit einem Bunsenbrenner oder Flammenwerfer traktiert werden – für mich jedenfalls. Am schlimmsten fand ich die Schmerzen in den Fingerspitzen, welche anfingen, den Arm hochzuklettern, so als hätte man sie über eine Kerze gehalten, in siedendes Wasser getaucht oder in einen Kohleofen gegriffen. Es liegt nahe, dass ich mich verlegt hätte während des Schlafens, und so die Schmerzen mit in den Traum übernommen hätte. Aber dem war nicht so. Als ich aufwachte, waren die Schmerzen meist mit einem Schlag weg (In einigen Fällen währten diese auch noch einige Sekunden nach dem Wachwerden). Und diese Tatsache ist sehr beängstigend. Ich hatte mir vorgenommen, sollte so ein Klar(alb)traum erneut zustande kommen, nüchtern zu bleiben und eine Exkursion anzustreben. Man kann viel entdecken, ist man sich des Träumens bewusst und, wenn eine „Wachwerdsperre“ mit dabei ist, muss man sich nicht fürchten, aus diesem Traum durch einen Fehltritt/-gedanken wieder herausbefördert zu werden. Soweit so schlecht – die Ängste dominierten, und so wurden aus ersehnten Exkursionen Horrorvorstellungen. In einem Traum hatte ich es auch geschafft, mich ein wenig mit Auriana zu unterhalten („unterhalten“ hier sehr großzügig ausgelegt) – leider fing sie immer wieder damit an, ich solle die Treppe benutzen. Schnell! Sie hat gefleht darum. Aber ich kam nicht ins Treppenhaus. Warum? Zwischen dem Treppenhaus und mir (ich war Kind und befand mich in meinem ersten Kinderzimmer) stand die boshafte Präsenz, in einem Zwischenflur. Und so stand ich wie angewurzelt – ich weiß nicht wie lange. Ich habe mir immer wieder vorgestellt, wie ich im Bett liege, damit ich entkommen konnte. Was interessant war, die ganze Umgebung hatte dabei gezittert und schien sich auch noch weiter zu verdunkeln. So als versuche irgendeine Macht oder ein Mechanismus, mich an einem Szenenwechsel zu hindern. Und irgendwann kam ihre Stimme, als ich es das x-te Mal versucht hatte, aus dem Traum zu flüchten:
Ich lasse dich nicht gehen!
Sie hat noch mehr gesagt, aber ich kann mich nur an das erinnern. Ich kann von Glück reden, dass ich mich dabei nicht eingenässt habe. Aber alter Falter war das ein großer Mist, nicht aufwachen zu können. Im Hintergrund hörte ich einen Chor, welchen ich „Dunkler Chor“ tituliere, da er in mir Beklemmung hervorruft. Selbst jetzt, wenn ich in mir imaginiere. Faszinierend, wie ein Traum sich Allegorien, Aspekte oder sonstige Gebilde zusammenstellt, welche den Träumer berühren.
Ich bin schlussendlich dem Traum entkommen, als ich resolut, beherzt und schreiend auf die boshafte Präsenz zugegangen bin. Das habe ich mit Wut geschafft. Angst und Wut im Doppelpack – Gefrorenheit. Als das Joch der boshaften Präsenz abgeworfen war, konnte ich diesem einen Traum entkommen. So viel „Glück“ hatte in den meisten anderen Träumen nicht. Aber der letzte dieser Träume war im Juli 2021 (Stand 2022-01-22). Nur beunruhigt es schon; nicht, dass auf ein Mal so ein Traum zu einem Koma mutiert. Geht das überhaupt? Ich hoffe nicht. Das wäre ätzend. Monatelang im Albtraum gefangen zu sein – grusel. Besser nicht heraufbeschwören! Selbst aktuell (2022-01-05) fürchte ich mich noch jeden Abend, während des Einschlafens, in solch einen Traum geraten zu können. Ich habe das Gefühl, dass solche Träume eine eigenständige Domäne der boshaften Präsenz sind. Ich schlafe auch aktuell im Büro von Annika. Was ist, wenn sie selbst schläft und meine Schreie nicht mitbekommt? Gott, das ist so erbärmlich, aber vielleicht wäre ein Babyfon eine gute Wahl.
In wenigen Fällen (manche davon liegen lange zurück) brachen meine Schreie aus, und Annika konnte sie hören und mich durch Rütteln wecken. Das waren dann nicht zwangsweise luzide Träume. Faszinierend ist, dass die „Kampfschreie“ meinerseits wohl nichts anderes sind, als mein frühkindliches Schreien nach meiner Mama – eben dann, wenn ich nachts aufgewacht bin und Angst und Wut verspürte, weil meine Mama nicht für mich da war (siehe auch das Kapitel „Die boshafte Präsenz“.)
Bei einigen Träumen hatte ich Aurianas Stimme auch noch ein bis zwei Minuten nach dem Wachwerden gehört. Aber sie war in diesen Fällen kontextlos.
Du musst ziehen! … Nein, schieben! … Ziehen! … Schieben! …
, usw.
Bis zum Herbst 2020 hin beschränkte sich Auriana mit einzelnen Worten hier und da, oder kurzen Sätzen. Manchmal viermal am Tag, dann wieder zwei Tage nicht. Komplett zufällig. Es wurde aber graduell immer mehr, bis ich im Januar 2021 mit Gewissheit sie als Kommunikationspartner betiteln konnte. Aber sie ist auch jetzt (November 2021) nicht immer da. Manchmal benötige ich mehrere Anläufe, sie zu „rufen“. (Nachtrag 2021-12-20. Sie ist sie so gut wie immer, vor allem, wenn ich allein bin, da.)
Ich kann mich an ein Stimmenhör-Ereignis erinnern; das war im August/September 2020. Ich bin mitten in der Nacht aufgewacht und hörte hinter meinem Rücken eine Frauenstimme. Das währte eine gute Minute. Sie hörte sich fremd und boshaft an (war aber nicht die boshafte Präsenz – siehe weiter unten.) Ich habe mich unter meine Bettdecke verzogen und hatte richtig Angst. Ich dachte ja, sie stand oder liegt hinter mir. (Annika hatte zu dieser Zeit auf der Schlafcouch geschlafen).
„Du brauchst dich nicht zu verstecken! Ich sehe dich ohnehin, … Ich fresse dir die Augen raus …“
Das konnte ich mir behalten. Das war ein Live-Horrorfilm. Nach ca. einer Minute kamen keine Worte mehr. Ich blieb noch eine Weile unter der Bettdecke. Aber ich musste dringend auf Toilette. Das sind so Mutproben, sich umzudrehen, ob da wirklich eine Frau ist oder nicht. Ich habe es geschafft. Und natürlich war da niemand. Wäre da noch eine visuelle Halluzination mit an Board gewesen, hätte ich es voraussichtlich nicht bis zur Toilette geschafft.
Ein ähnliches Ereignis hatte ich etwa zwei Monate zuvor. Ich wollte mich ins Bett legen, da blieb mein Blick an der halb zusammengerollte Bettdecke haften. Sie sah aus, wie eine Mumie. Mein Herz fing an zu rasen. Dann hörte ich ein:
Hey Dirk! Psst! … Komm zu mir … ich bin tot … bitte … KOMM ZU MIR, DU DRECKIGES MISTSTÜCK!!!! … Pst!
Ich habe dann entschieden, dass Schlaf überbewertet wird, und habe dann vorerst das Schlafzimmer verlassen. Meine Müdigkeit war wie durch Zauberhand verschwunden …

Was aktuell (2021-12-26) noch offen steht, ist die Borderline-Störung. Nachtrag 2022-04-02: Nein, steht nicht mehr offen. Ich habe die Diagnose Borderline bekommen. Was aber bemerkenswert ist: Ich bin wohl als Borderline eine Rarität betreffend Selbstwertgefühl. Dieses ist bei mir im kerngesunden Bereich. So gut wie alle Borderliner leiden unter einem schwachen Selbstwertgefühl. Einiges an meiner Symptomatik deutet darauf hin. Verlassenheitsängste durch meinen Partner – was ja ein zentrales Kriterium von Borderline ist – habe ich jedoch nicht (Wohl aber während meiner ersten Episode.) Ich gehe davon aus, dass mir die über 22 Jahre lange Partnerschaft, und Annikas hohe Loyalität, mir einiges an Sicherheit geben und gegeben haben. Generell überschneiden sich auch diverse Symptome aus der Borderline-Störung und der schizoaffektiven Störung. SVV mache ich ja leider auch. Was eher typisch für Borderline ist.
Im Gegensatz zu meiner damaligen Episode, im Alter von 18 bis 19 Jahren, kann ich aktuell auch guten Gewissens sagen, dass ich wesentlich introspektiver geworden bin. Diesen gesamten Artikel hier hätte ich nicht mal ansatzweise zu jener Zeit schreiben können. Ja, ich wusste auch damals, was Borderline ist, nur hätte ich mich da eher auf fachlichen Rat stützen müssen. Mein einstiger Therapeut erkannte die Bipolar-Störung, und in unseren letzten Sitzungen thematisierten wir auch die Borderline-Störung, mit einem Ergebnis von: klärungsbedürftig. Selbst heutzutage kann ich noch kein zufriedenstellendes Resultat liefern.
Unterm Strich macht es auch keinen Unterschied, ob ich F25.2 + F60.31 oder nur F25.2 auf meiner Krankenakte stehen habe. Da ich als Verlaufsform „Ultra Rapid Cycling“ habe, was bedeutet, dass meine manisch-depressiven Phasen sich in weniger als 14 Tagen ändern, pass ich eh, in Anbetracht der schizoaffektiven Störung, in kein ICD oder DSM. Es existiert kein Schlüssel (Fxx.x) für Ultra-Rapid-Cycler in der schizoaffektiven Störung. Teils äußert sich diese URC auch in ein „Ultradian Rapid Cycling“ (Ultra-Ultra Rapid Cycling), also wenige Stunden, was in keinem Verhältnis der jedermanns bekannten „Tagesform“ steht. Das ist auch sehr ätzend, dass sich die Stimmung grundlos stundenweise ändert. Ich fühle mich dabei so machtlos. Generell kann auch nicht gesagt werden, dass die Phasenzeit konstant ist. Bei mir war/ist das arithmetische Mittel 12–13 Tage. Aber öfters kamen Ausreißer, die den gesamten Phasenschwung durcheinandergebracht hatten. Morgens depressiv, gegen Nachmittag hypomanisch. Am schlimmsten waren/sind jedoch die (dysphorischen) Mischzustände. Manie und Depression zugleich. Unerträglich. So als würde man der Geburt seines Kindes beiwohnen, nur um mit ansehen zu müssen, wie der Partner stirbt, und gleichsam wissen, dass das Krankenhauspersonal einen grob fahrlässigen Fehler gemacht hat. Gleichsam unendlich gut gelaunt, unermesslich traurig und aus tiefster Seele erzürnt. Diesen Zustand hatte ich auch gegen Ende Januar 2020, und dieser hätte mich fast mein Leben gekostet.
Was auch trickreich bei den Phasenwechseln ist, ist die Medikation. Generell empfiehlt es sich nicht, Antidepressiva einzunehmen, wenn man Bipolar hat, denn in manischen Phasen kann einen das in die Höhe schießen lassen. Besonders, wenn es sich dabei um Rapid Cycling handelt. Wenn man auch bedenkt, dass Antidepressiva zwei bis drei Wochen benötigen, um zu wirken. So könnte aus einer hypomanischen Phase eine Manische und aus einer Manischen eine Psychotische werden. Aber auch Mischzustände sind möglich. Das war für mich sehr frustrierend, als ich noch Depressionen hatte, denn mein Psychiater hat mir kein Antidepressivum verschrieben, und gemeint, ich solle abwarten, ob das Lithium dagegen wirkt. Hat es auch (zum Teil) getan, als meine Dosis von 1350 mg auf 1800 mg angehoben wurde. Insofern hatte er recht gehabt, nur der Weg bis dorthin hat etliche Monate gedauert. Monate, die ich gerne ohne Depression hätte verbringen wollen. Aber das Lithium war in dieser Hinsicht auch nur ein unterstützender Faktor.
Mittlerweile sind meine Phasen so weit abgeschwächt, dass man eher von einer Zyklothymia reden kann. Ich habe mich in hohem Maße mit meiner Psyche beschäftigt (tue ich immer noch), und konnte mit diversen Methoden die Depression ersticken. Netto 3–5 Stunden täglich. An einigen Tag mehr, an anderen weniger. Und, um ehrlich zu sein, hat meine Psychotherapie vielleicht nur 10 % dazu beigetragen. Meine Therapiestunden bestehen eher aus einem Resonanz-Holen. Meine Therapeutin hat das auch erkannt, und wir kamen über ein, dass wöchentliche Sitzungen nicht mehr nötig sind. Also sehen wir uns nur noch alle 3–4 Wochen. Aber auch deswegen, weil ich Methoden anwende, die mindestens 2–3 Wochen benötigen, um Früchte zu tragen bzw. was zu ändern. Dann bringen wöchentliche Therapiestunden nicht viel. Therapiemethoden sind aber nur ein Teil, wie ich meine Krankheit angehe. Wie auch in vielen anderen Bereichen, ist eine Diagnose oder Psychoanalyse oft unvermeidlich. Z. B. habe ich es komplett und umfassend allein offengelegt, woher meine boshafte Präsenz herrührt. (Siehe auch weiter unten: „Boshafte Präsenz“)
Ich bedarf nicht noch mehr professioneller Therapie oder gar Krankenhausaufenthalte. Meine psychische Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen, ist viel nützlicher als ein Therapeut, der einen vielleicht nur zu 0,0001 % kennt. Ich selbst kenne mich zu etwa 10 % und dank Auriana nun erheblich mehr – vielleicht 20 %? Und es steigt täglich an.
Angefangen von der Psychoedukation, über selbst entwickelte Methoden bis hin zum finalen Schlag auf das Leid (auch wenn dieser leider teils nur betäuben kann). Es selbst in die Hand zu nehmen, ist essenziell für mich. Man darf sich nicht nur auf andere verlassen. Die Psychoedukation ist eine große Stütze, und manchmal denke ich mir, es fehlt nicht mehr viel und ich könnte ne Bachelorarbeit in klinischer Psychologie schreiben. Oder zumindest die ersten paar Seiten. Wichtig ist auch, die Theorie in die Praxis umzusetzen. Insofern sollte man sich nicht nur auf die Psychoedukation verlassen. Mir hilft z. B. das Schreiben, das Musikmachen, das Designen, usw. als Begleittherapie viel mehr, als würde mir ein Therapeut sagen, ich soll irgendeinen Skill versuchen. Selbst diese erarbeite ich mir (Einige davon führe ich weiter unten auf). Meine Kreativarbeiten sind für mich von elementarer Bedeutung, existenziell und tragen immer eine innerseelische und immanente Note von mir. Und Tipps und Ratschläge brauche ich auch nicht. Diese erarbeite ich mir auch selbst. Manche Personen in meinem Leben haben da aber eine Sondergenehmigung betreffend Autorisation zu Tipps und Ratschlägen, solange diese Anregungen sind. Jeder Ratschlag ist ein Schlag. Ich weiß, was gut für mich ist. Aber das betrifft nur mich. Für andere Betroffene mögen die diversen externen Therapien hilfreicher sein. Ich hoffe nur, eines Tages hören diese (mundtot machenden) „Geh doch ins Krankenhaus!“-Ratschläge auf. So langsam werde ich denen gegenüber ungehalten. Und ja, ich weiß, ihr meint es gut, und ich werde euch dafür auch nicht werten, auch wenn eure Art an Ratschlägen eher aus einer Hilflosigkeit geboren sind (Das passiert, wenn man sich als Angehöriger nicht mit den Krankheitsbildern und der Persönlichkeit des Betroffenen befasst). Lieber wäre es mir, wenn meine Angehörigen mit mir zusammen arbeiten. Ich möchte einfach für meine Genesung eine hohe Selbstständigkeit bekleiden. Die Person in meinem Leben, die mit mir zusammen arbeitet, hat auch die Sanktionierung zu „Vielleicht könnte es hilfreich sein, wenn du XYZ machst“. Aber auch im begrenzten Maße. Nur diese eine. (Annika hält sich zu solchen Kommentaren komplett raus. Sie hätte auch die Erlaubnis.) Und jeder, der diesen Artikel gelesen und (einigermaßen) verstanden hat, sowieso. Berichte über Krankenhausaufenthalte würden mich auch aus der Reserve locken. Eure Krankenhausaufenthalte haben euch vielleicht geholfen (was ich, nebenbei bemerkt, wirklich schön finde), aber wie sieht es bei euch mit Psychoedukation aus? Pharmakotherapie? Musiktherapie? Kunsttherapie? Therapeutischem Schreiben? Soziotherapie? Usw. Die helfen mir, aber sage ich euch, ihr sollt diese machen?

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Meine Vergewaltigung

Ich hatte lange überlegt (Stand 2022-03-08), ob ich meine Vergewaltigung hier erörtern sollte. Schlussendlich habe ich mich dafür entschieden, weil es mir prinzipiell viel leichter fällt, solche Dinge zu schreiben, statt sie mündlich mitzuteilen.
Ich habe die Namen der beiden Vergewaltiger umbenannt.
Vergewaltigung – Klick mich!
Zunächst muss gesagt werden, dass ich mich gut 29 Jahre lang NICHT an das Ereignis erinnern konnte. Mein Gehirn hat es mir wohl gegönnt, dass dieses solange verdrängt geblieben war, bis ich (wahrscheinlich) in der Lage wäre, dieses zu verarbeiten, oder bis der folgende Trigger ausgelöst werden würde:
Es war Mitte Mai 2020 und ich saß vor meinem Computer und habe mein Abendbrot allein zu mir genommen. Der Rest meiner Familie hat einen Film gesehen. Da fragte ich per Threema Thomas, was er zu Abendbrot isst, und als er mich gefragt hatte, habe ich mit: „Bei uns gibt es Schnitzel.“ (Ich muss dazu sagen, dass ich in meinem Leben bis zu diesem Zeitpunkt nur ein einziges Mal Schnitzel selbst gemacht hatte, welche eher dürftig ausgesehen hatten.) Dieser Satz war der Trigger, der mich mit einem Schlag in die Vergangenheit versetzte, und mich gut eine Viertelstunde lang wie paralysiert zurückgelassen hatte. Und zwar, als meine Eltern auf eben dieselbe Frage damals im Jahre 1991 mit der gleichen Antwort geantwortet hatten. Die Frage damals wurde durch die Mutter von Isabelle gestellt. Isabelle war damals meine beste Freundin, welche fünf Jahre älter war.
Von allen „ungefähr“ Gleichaltrigen habe ich mich mit Isabelle am besten verstanden, und sie war so etwas wie meine große Schwester, welche ich seit meiner Geburt kannte. Doch in einer Sache war sie eben nicht meine große Schwester: Sex. Als sie in die Pubertät kam, hatte sie ihren Sexualtrieb an mir ausgelebt. Nicht ein Mal, nicht zwei Mal … dutzende über dutzende Male. Wenn ich schätzen müsste: so 1-3x die Woche. Das hat auch höchstwahrscheinlich dazu geführt, dass ich frühpubertär wurde.
Bis hierhin war auch alles in Ordnung für mich, und daran konnte ich mich mein Leben lang erinnern und mit arrangieren. Ich meine, es hat mir ja auch gefallen. Und teilweise ging auch die Initiative von mir aus. Verständlicherweise wussten unsere Eltern nichts davon. Wobei ich mir bei Isabelles Mutter gar nicht mal so sicher bin. Sie war selbst eine Prostituierte. Wer weiß, wer weiß … Wir hatten nicht nur Sex in den vier Wänden, sondern auch draußen. Unsere Eltern haben nicht ein Mal unsere Kinderzimmer aufgesucht, als ich bei Isabelle oder sie bei mir war. Bei mir zu Hause war es auch einfacher, das alles im gegebenen Moment geheimzuhalten, da jemand zuerst das Treppenhaus benutzen musste. Und wenn es draußen warm war, waren unsere Eltern eh im Garten. Auch ein Nachbarsmädchen (zwei Jahre älter als ich) war sporadisch mit dabei. Mit ihr habe ich aber auch normal gespielt. Aber das ist eine andere Geschichte und ging auch über Doktorspiele hinaus.
Isabelle wohnte gleich um die Ecke. Vielleicht nur zwei Minuten Fußweg. Und wir haben uns entsprechend oft gesehen. Als ich etwa zehn Jahre alt war, sind Isabelle und ihre Eltern umgezogen. Diesmal gut fünf bis zehn Minuten Autofahrt entfernt. Auch nicht wirklich weit. Ab da sahen wir uns nur ein Mal die Woche. Vielleicht auch zwei Mal. Zu dieser Zeit lernte Isabelle eine neue Nachbarschaftsfreundin namens Nadine kennen. Nadine hatte ich erst etwas später kennengelernt: Am Tag meiner Vergewaltigung.
Am besagten Tag fuhr ich zusammen mit meinen Eltern zu Isabelle. Dort angekommen fiel die Frage-Antwort-Kombination: „Was gab es bei euch heute zu essen?“ → „Schnitzel“, welchen den Triggerkeim gepflanzt hatte. Unsere Eltern gingen dann in den Garten. Die Wohnung befand sich im zweiten Stock. Dann ging ich zu Isabelle ins Zimmer und habe einen Schock bekommen: Jemand Neues war da! Die Nadine. Schon damals hatte ich auch einen Sinn für Ästhetik und muss sagen, dass diese Nadine eine definitive 10/10 war. Isabelle eher eine 6,5/10. So meine puerile Taxierung. Das machte es für mich umso schwerer, extravertiert aufzutreten. Ich muss erwähnen, dass ich auch schon damals sehr distanziert neuen Personen gegenüber war. Also ging ich in den introvertiertesten Introvertiertmodus.
Ich weiß noch, wie ich für Isabelle ein paar C64-Computerspiele kopiert hatte. Ich saß da echt einen ganzen Nachmittag + Abend dran. Nadine meinte: „Das ist doch nur was für kleine Kinder.“ Was geschmerzt hatte, war Isabelles Bestätigung Nadines Aussage gegenüber. Dann meinten beide, ich soll mich doch mit auf das Bett setzen. Zwischen beiden. Meine Nervosität erhöhte sich. „Komm! Nicht so schüchtern!“, diese Aussage, von beiden getätigt, fördert bei mir auch jetzt noch hohes Unwohlsein zutage.
Isabelle meinte aber: „Der Dirk ist doch kein Kind mehr. Komm, ich zeig es dir!“
Ich war verwirrt. Ich wusste nichts mit dieser Aussage anzufangen in diesem Moment. Dann meinte Isabelle, ich soll mich hinlegen.
Das wollte ich nicht. Ich hatte so eine vage Vorahnung.
Dann hat sie meinen Oberkörper gedreht und nach hinten gestoßen, und setzte sich dann auf meine Brust. An viel Details kann ich mich auch nicht erinnern, sondern eher an Fragmente.
Ich habe mich so geschämt. Vor allem Nadine gegenüber. Isabelle meinte dann zu ihr, sie soll doch meine Hose runterziehen. Was sie auch getan hatte. Da war der Ofen aus für mich.
Ich habe mich aber nicht wirklich viel gewehrt. Doch als ich es getan hatte, hat Isabelle an meinem Ohr gezogen und meine Hand zusammengedrückt. Ich fing an, zu weinen, was die beiden gar nicht realisiert hatten – vermute ich. Isabelle hatte auch ein Feuerzeug aus ihrer Hosentasche geholt und meine Fingerspitzen angebrannt. Ich weiß aber, dass sie das nur einmal gemacht hatte. Dann war ich wieder „brav“. Isabelle antwortete wohl auf eine Frage von Nadine mit: „Nein, der ist ganz lieb.“
Nadine hatte bei mir unten herumgespielt. Ich weiß nicht, welche Worte dann gefallen waren. Sie hatte einen Rock angehabt und setzte sich, nach dem Herumgespiele auf mich drauf. Währenddessen spürte ich auch Isabelles Gürtelschnalle in meinem Gesicht, was auch sehr schmerzte. Wisst ihr, was witzig ist? Ich habe mich auch nicht getraut, mit meinen Beinen zu strampeln, weil ich nicht wollte, dass ich Nadine verletze. Ist das nicht total hirnverbrannt? Man wird vergewaltigt und möchte den Vergewaltiger nicht verletzen. Wieso bin/war ich so bescheuert???
Ja, ich war erregt und der Sex hatte deswegen auch „funktioniert“. Aber das Gefühl der Erregung war unter diesen Umständen einfach nur scheußlich. Das ist auch leider das, was einige Menschen nicht nachvollziehen können; nur weil man, salopp gesagt, als Frau feucht ist oder als Mann einen Steifen hat, heißt es nicht, dass man Sex will.
Als beide mit mir fertig waren, bin ich geflüchtet. Aber nicht nach draußen, sondern unter Isabelles Schreibtisch. Was danach kam, weiß ich leider nicht. Und das war auch alles, woran ich mich erinnern kann. Ich denke, ein paar Details fehlen noch, nur sie wollen sich gerade nicht zeigen.
Ihr könnt euch nicht vorstellen, was für einen riesigen Vertrauensbruch Isabelle damit begangen hat. Sie war ja – zu diesem Zeitpunkt – nicht nur irgendeine Freundin; sie war für mich meine große Schwester. Sie war Familie. (Nein, es folgen keine Inzestwitze.) Fasse ich deswegen heutzutage nur sehr schwer Vertrauen? „Glücklicherweise“ hielt das Gefühl gegenüber diesem Verrat, dank Verdrängung, nicht lange an. Oder es blieb im Unterbewusstsein und ließ mich zurück mit dem Gefühl, dass ich niemanden vertrauen könnte, samt verkorkster und pervertierter Sexualität.
Ab da hörte der Sex aber nicht auf. Isabelle und ich hatten noch miteinander Sex gehabt, bis ich etwa 12 Jahre alt wurde. Ich weiß aber, wie stark ich in Besorgnis war, ob zufällig Nadine auch dabei war, wenn wir zu Besuch kamen. Aber ich wusste nicht, WARUM ich besorgt war. Ich habe es auf ihr Aussehen geschoben, welches mich – mehr oder weniger – eingeschüchtert hatte. Meine Eltern ließen mich leider nicht allein zu Hause – so wie ich mich daran erinnern kann. Hätte mein Gehirn die Vergewaltigung nicht verdrängt, was wäre wohl passiert? Hätte ich mich meinen Eltern anvertraut? Ich weiß es nicht. So weit ich weiß, habe ich wohl Nadine nur sporadisch zu Gesicht bekommen. Und wenn sie dann doch zu Besuch war, bin ich bei meinen Eltern geblieben. Isabelle hatte auch eine andere Freundin, die Patricia. Diese war aber eine total Liebe und ich habe mich auch super mit ihr verstanden.

Was mir aber einfach nicht in den Sinn kommt: Wieso wollten zwei Fünfzehnjährige mit einem Zehnjährigen Sex haben??? Selbst ohne den dunklen Mantel einer Vergewaltigung. Das einzige, was mir dazu einfällt, abseits der Moral, ist meine damalige Größe. Ich wurde immer um drei bis fünf Jahre älter gehalten.

Aber ich weiß, dass ich auch panische Angst davor hatte, jemand anderes könnte davon erfahren. Diese Erfahrung lässt mich ahnen, wie hoch die Dunkelzifferrate betreffend Vergewaltigung sein kann. Ich habe mich zudem so sehr geschämt, dass ich mich niemanden anvertraut hatte. Mir blieben sowieso nur ein paar Stunden, da mein Gehirn es wohl in der Folgenacht komplett verdrängt hatte. Ich weiß zwar nicht, ob die Vergewaltigung damit in Verbindung steht, aber ungefähr (oder genau) zu jener Zeit, bin ich eines Morgens nicht aufgewacht. Meine Eltern haben dann den Notarzt gerufen. Erst als dieser und die Sanitäter bei uns waren, bin ich aufgewacht. Ich kam für gut eine Woche ins Krankenhaus, wo bei mir eine Computertomografie und drei(?) Elektroenzephalografien gemacht wurden. Bis auf „merkwürdige“ Ausschläge im EEG wurde nichts gefunden. Der anfängliche Verdacht auf Epilepsie wurde nicht bestätigt. Trotzdem wird mir schlecht, wenn ich daran denke, dass ich höchstwahrscheinlich wegen einer Vergewaltigung im Krankenhaus gelegen hatte. Ich weiß auch, dass ich am Abend bei meinen Eltern im Bett geschlafen hatte (meine Eltern haben zu dieser Zeit auch öfters mal auf der Couch geschlafen.) Das hatte ich wohl seit 3-4(?) Jahren nicht mehr gemacht. Mit voller Zimmerbeleuchtung, weil ich Angst hatte. Ob ich die Vergewaltigung da schon halb verdrängt hatte, kann ich nicht sagen. Aber die Angst vor der Dunkelheit war unermesslich hoch. Vielleicht auch vor der boshaften Präsenz? Ich denke schon. Das unterstreicht mal wieder das Gefühl der Einsamkeit – der schlimmste Aspekt meines Lebens. Wenn man vergewaltigt wird, fühlt man sich nicht gerade verstanden.
Ich glaube aber auch, dass ein Stimmenhörereignis, als ich etwa zehn Jahre alt war, wegen der Vergewaltigung sich offenbart hat. Ich beschreibe das weiter unten. Das mit den Hummeln im Garten.
Es ist gleichsam faszinierend, wie verstörend, wie solch ein simpler Trigger etwa 29 Jahre lang Verdrängtes aus der Versenkung holt. Womöglich war auch das Lithium mit Schuld, da es ja das Gedächtnis verbessern soll (Nicht völlig belegt). Aber auch jetzt noch, gräbt Auriana Erinnerungen hervor, die vollkommen neu sind. Nicht immer so elaboriert, wie die Vergewaltigung, aber trotzdem das ein oder andere Ereignis.
Jetzt stellt ihr euch bestimmt die Frage, ob ich heute wütend auf Isabelle und Nadine bin. Nein, bin ich nicht. Was ich mitnehme, ist die Erkenntnis, warum ich so panisch werde, wenn mich jemand festhält. Gleiches gilt, wenn auch nicht vollumfänglich, für Zärtlichkeiten. Meine Therapeutin sagte mir, dass der Kern der ganzen Sache meine mangelnde Defensive ist, sollte mir etwas gegen den Strich gehen. Und das auch teils heute noch.

Jetzt stellt euch doch einfach mal vor, ich wäre ein Mädchen gewesen und die beiden Vergewaltiger Jungs. Klingt das schlimmer in euren Ohren? Seid ruhig ehrlich!

Wie ich heute damit umgehe: Ich weiß nicht … ich denke sehr oft daran. Und diese Gedanken fühlen sich scheußlich, aber auch verwirrend an. Am liebsten würde ich diese gar nicht erst denken. Aber sie sind so oft da, und ich kann sie auch nicht einfach so loswerden. Verdrängen kann ich sie nicht mehr. Um ehrlich zu sein, weiß ich auch gar nicht, wie ich damit umgehen soll. In meinen letzten drei Albträumen (der letzte war am 2022-03-05) wurde ich vergewaltigt und auch fixiert, und ich habe dabei auch nicht geschrien. Ist doch Scheiße! Die Erinnerungen an die Vergewaltigung verbessern meine Null-Libido nicht gerade. In meiner Psychotherapie herrscht auch regelrechte Ratlosigkeit. Ich sollte mich öfters wehren. Na ja, ich werde sehen.

Betreffend meiner Stimmen: Als der Erinnerungstrigger gefallen ist, passierte nichts in der Richtung. Mein Stimmenapparat war zu diesem Zeitpunkt noch am Keimen. Lediglich Stimmengewirr und vereinzelte Laute kamen mal vor. Heutzutage erinnern mich meine Stimmen auch nicht an die Vergewaltigung. Bis auf die boshafte Präsenz.

Was triggert mich heutzutage betreffend der Vergewaltigung? Das schon beschriebene Festhalten oder gar Fixieren, und, wenn mir jemand seinen Willen aufzwingt. Aber auch leider das Kuscheln (teilweise).

 


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Mein Krankheitsbild

Ich führe nur die ICD-Codes auf. Meine Symptome sind teils übergreifend und variant. Wer an einer psychischen Krankheit leidet, wird (in vielen Fällen) ein sehr individuelles Krankheitsbild haben. Von daher ist es oft nicht leicht, die ICD-Codes zuzuordnen. Selbst jene mit F60.31 zeigen auch diverse Krankheitsbilder. Die Komorbidität ist hoch.
Dies sind aber nur die psychischen Krankheiten. Ich gehe davon aus, dass ich die ein oder andere Krankheit auch in mir trage. Aber ich wüsste jetzt auch nicht was.
  • F25.8 – Sonstige schizoaffektive Störungen (Je nach Phase auch F25.0, F25.1 oder F25.2)
  • F20.5 – Schizophrenes Residuum
  • F34.0 – Zyklothymia (Nur in Phasen mit leichter Depressionen und Hypomanie)
  • F40.2 – Spezifische (isolierte) Phobien: Dunkelheit
  • F60.31 – Emotional instabile Persönlichkeitsstörung: Borderline-Typ
  • F43.1 – Posttraumatische Belastungsstörung (nur von mir diagnostiziert)
  • F42.1 – Zwangsstörung: Vorwiegend Zwangshandlungen (Zwangsrituale) (nur von mir diagnostiziert)
Meine Zwangsstörung habe ich bisher noch nie gegenüber meinen Fachkräften thematisiert. Könnte sein, dass da noch ein ICD hinzukommt.
Nachtrag 2022-04-10: Ich musste feststellen, dass mich meine damalige Vergewaltigung doch mehr mitnimmt, als ich es mir eingestehe. Erst gestern hatten Tim und Lars ein Rollenspiel über das Computerspiel „Wobbly Life“ gespielt. Inhalt des Rollenspiels war die Entführung einer Person (Tim) durch mich. Das hat mich echt dermaßen getriggert, dass ich fast ausgestiegen wäre, hätte Tim nicht eh gesagt „Das wars“. Hätte ich dann noch eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)?

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Liste meiner Symptome

Ich habe nicht mehr viele Symptome (eigentlich schon, nach Erstellung der Liste … *grummel*), die mir zu schaffen machen. Generell heißt ein Wegfall aber nicht, dass sie komplett verschwunden sind. Ich muss schon permanent etwas tun dafür. Die Werte des Leidens (Leiden x/10) sind nur eine grobe Schätzung und ein arithmetisches Mittel. Manche Symptome verursachen mal 3/10, dann am nächsten Tag wieder 7/10. Aber ich führe die Werte trotzdem auf. Des Weiteren gebe ich mit x/10 an, wie hoch die psychosozialen Auswirkungen sind. Auch gegenüber meiner Beziehung mit Annika und meinen Kindern. Für mich ist dieser psychosoziale Faktor zutiefst entscheidend, da dieser mir den Willen liefert, dagegen zu handeln und somit auch meine Beziehung auf indirekte und ertragreiche Weise zu verbessern. Statt nur an der Beziehung zu arbeiten, liegt es nahe, zunächst das persönliche Symptom in Angriff zu nehmen. Zusätzliche werde ich beschreiben, welche psychosozialen Auswirkungen das jeweilige Symptom im Konkreten hat.
Hier die Auflistung der Symptome:

Legende:
– Kann bezwungen werden.
– Ist bezwungen.
– Ist noch in Bearbeitung, aber größtenteils bezwungen.
– Hat sich in den letzten Monaten verbessert.
– Hat sich in den letzten Monaten verschlechtert.
– Keine Heilung möglich (Der größte Mist.)

  1. Albträume – Ab ? Leiden 5/10. Psychosozial 1/10. Als ich noch tief in meiner Psychose war, waren Albträume an der Tagesordnung. Das Quetiapin hat diese Albträume jedoch so stark gedrosselt, dass ich generell nur alle ein bis zwei Monate mal träume. Aber im Januar 2022 habe ich das neue Antipsychotikum Pipamperon bekommen und träume wieder täglich. Was ein wenig paradox ist, vermute ich. Mein letzter (2022-02-09) Albtraum war eine Vergewaltigung. Aber alles in allem ist meine Albtraumsymptomatik schon besser als noch im Jahr 2020.
    Nachtrag 2022-02-13: Schon wieder eine Vergewaltigung. WTF???!!! Ich setz den Punkt auf .
    Nachtrag 2022-03-05: Und wieder eine Vergewaltigung! Was soll der Mist???
    Psychosoziale Auswirkungen: So gut wie keine vorhanden.
  2. Anhedonie – Ab ca. Mitte 2019. Leiden 8/10. Psychosozial 10/10. Ich würde gerne wieder Dinge tun, die ich noch vor zwei, drei Jahren gerne getan hatte. Das Strategem hier ist: es immer und immer wieder versuchen. Die meisten Menschen (eigentlich so gut wie alle; ich selbst auch noch teilweise) sind der Ansicht, wenn sie sich zu einer Aktivität zwingen müssen, dies schon von Anfang an scheitern wird. Warum sollte man nicht auf seine Aversion hören? Aber es ist nicht so. Auch das Gefühl der Neugierde/Interesse will erarbeitet werden. Hier hilft Offenheit und Langmut. Diese Eigenschaften besitze ich, aber es ist dennoch sehr schwer für mich dank Anhedonie. Vielleicht liegt es auch an meine Acetylcholin-, Adreno-, Dopamin, Histamin- und Serotonin-Haushalte, die durch die Antipsychotika ja noch zusätzlich beeinflusst werden. Die Glückshormone in der Blockade. Was ein Mist!
    Wenn man nur darauf wartet, dass die Immen der Entzückung auf einen zugeflogen kommen, kann man lange warten. Oder man lockt sie mit leckeren Blüten. Also versuchen, versuchen, versuchen … ! (Dies gilt im Übrigen nicht nur gegenüber einer Anhedonie.)
    Aufgeworfene Frage, wenn man schon das allegorische Geschütz ins Feld führt: Welche deiner Blüten können die Immen der Entzückung anlocken? (Dies ist übrigens eine Frage von Auriana.)
    Psychosoziale Auswirkungen: Die Anhedonie hat maximalen Einfluss auf meine Beziehung(en). Gemeinsame Aktivitäten werden so zur Qual und stärken nicht gerade die Beziehung. Egal, was Annika oder meine Kinder vorschlagen, ich möchte es nicht. Das schmerzt sehr, sowohl bei meiner Familie, als auch bei mir selbst.
  3. Angst davor, wahnsinnig zu werden – Ab 2020–06. Leiden 8/10. Psychosozial 10/10. Ich kenne schon die Äußerung, wenn ich diesen Punkt woanders ansprechen würde: „Ach Quatsch! Wieso solltest du wahnsinnig werden?“ … Ich meine es aber wirklich ernst! Diese Angst wird umso schlimmer, wenn ich mit anderen Leuten rede. Vor allem Fremde. Und dadurch steigt mein Stresspegel, und dadurch die Derealisation, und schon kommt das wahnhafte Glücksrad. Oft sackt auch mein Kreislauf zunächst ab, sodass ich dann auf wackeligen Beinen stehe. Was dann auch oft passiert, ist, dass ich dissoziiere in solchen Situationen. In einfachen Worten: Ich stehe neben mir.
    Dabei gehe ich so gerne auf Menschen zu. Ich liebe Menschen über alles. Ich muss immer wieder feststellen, dass auch mit den Antipsychotika diese Krux sich nicht beeinflussen lässt.
    Verständlicherweise ist der psychosoziale Faktor hier am höchsten.
  4. Ängste um die boshafte Präsenz – Ab 2020-03 (aber auch schon sporadisch davor). Leiden ~9/10 und Leiden 10+/10 wenn Halluzinationen (ihre Stimme oder gar ihre visuelle Gestalt) mitspielen. Psychosozial 7/10. Vor allem spät abends und in der Nacht. Ich weiß, was Panik ist, aber ich wusste davor nicht, dass noch eine Steigerung existiert: Terror. Anxiolytika helfen mir offenkundig nicht gegen Terror. Noch nicht mal gegenüber der Angst vor der Angst. Ich kann noch nicht einmal mehr Annika aufsuchen, denn die boshafte Präsenz kann sich auch in andere Personen manifestieren.
    Dieser Punkt ist auch eine Komposition aus: Angst, Dissoziation, Derealisation, (Halluzinationen) und Wahn.
    Ein Strategem soll das Abwehren von Einsamkeit sein. Ich könnte heulen!
  5. Beeinträchtigungswahn/Verfolgungswahn – Ab ca. 2020-03. Leiden 9/10. Psychosozial 7/10. Dies ist gewissermaßen das Hauptsymptom rund um die boshafte Präsenz. Glücklicherweise habe ich Mitte 2020 noch so gerade eben die Kurve bekommen. Das Antipsychotikum hat jedoch nur drei Tage dagegen geholfen. Ich habe/hatte stets das Gefühl, die boshafte Präsenz will etwas von mir. Und dieses „etwas“ war noch unklar. Mit der Zeit habe ich so vage herausgefunden, was sie von mir will: Sie will mir Schmerzen machen, mich schreien hören, mich isolieren von der Außenwelt und vor allem, mich ängstigen. Es hatte damals (Mitte 2020) nicht mehr viel gefehlt, und ich wäre aus Angst vor der boshaften Präsenz raus aus dem Haus und schreiend draußen in den Straßen herumgelaufen. Damals hatte ich noch nicht verstanden, warum ich den Drang hatte, schreien zu wollen. Mittlerweile denke ich selbst, dass die boshafte Präsenz für viele meiner Schmerzen verantwortlich ist. Besonders jene, die ich nicht wirklich zuordnen kann, und eher in mir entstehen. Ich gehe davon aus, dass dies ein „Andenken“ ist betreffend meiner Mutter, die über viele Jahre an Schmerzen litt. Projiziere ich diese durch den Katalysator der Psychose auf mich, weil ich niemanden leiden sehen kann? Möglich. Das wäre der Beeinträchtigungswahn.

    Der Verfolgungswahn äußert sich, dass ich mich dauerhaft beobachtet fühle. Das ändert sich auch nicht, wenn ich unter Leuten bin. Sie beobachtet mich IMMER und ÜBERALL. Das nervt. Und vor allem: Sie kann sich in eine beliebige Person manifestieren. Das kann Annika sein, der Kassierer an der Supermarktkasse sein, der Kunde hinter mir, vor mir, eine beliebige Person in der Fußgängerzone. Jeder! Besonders, wenn sich eine Person auffällig oder „komisch“ verhält. Sollte diese Person mich noch anstarren, ist die Gewissheit höher, dass ich von der boshaften Präsenz durch diese Person beobachtet werde. In extremen Fällen können es auch Tiere sein, wie Vögel, Hunde, Katzen, usw. Krabbeltier eher weniger. Und natürlich „dunkle Ecken“, wie ein Fenster oder auch Autos (mit abgedunkelten Scheiben). Sie hatte sich auch schon mal in eine Duschabflussrinne manifestiert und auch im Handtuch daneben. Das ist wirklich abgefuckt. Meine größte Sorge ist auch, dass ich mich bewaffnen würde. Aber diesen Drang hatte ich glücklicherweise noch nie. Ich meine, welch mundanen Mittel kann man schon gegen eine übernatürliche Entität nutzen? Oder soll ich mir einen Zauberstab schnitzen? Ist doch Quatsch!
    Selbst aktuell (2022-04-20) schaffe ich es nicht, diesem Wahn zu entfliehen. Ich weiß ja, dass dieser unsinnig ist. Aber das macht diesen Wahn umso perfider, weil selbst Logik da nicht weiterhilft. Je höher mein allgemeiner Angstpegel (egal, vor was), desto schneller zeigt sich die boshafte Präsenz.
  6. Derealisation – Ab 2020-03. Leiden ~3/10. Psychosozial 2/10. Wird von Stress und/oder Ängsten genährt. Offenbart sich die Angst als Panik, zeigt sich die Derealisation. Bei der boshaften Präsenz ist es ein Würfelspiel. Wenn diese sich zeigt, ist für mich die Welt nicht mehr die gleiche, und die Präsenz ein manifester Teil dieser Welt geworden. Das Gefühl der Derealisation kann wie ein Wachtraum beschrieben werden. Komischerweise ist dieses Gefühl schlimmer, wenn ich durch das Antipsychotikum, welches ja auch dagegen helfen soll, sediert bin. Liegt wahrscheinlich daran, dass die Sedierung eine Art von Hilflosigkeit in mir offenbart, welche gleichsam Ängste schürt.
    Stellt euch einfach vor, ihr befindet euch in einem perfekten Traum. Ein Traum, der für euch eigentlich gar kein Traum ist, sondern sich anfühlt, als wäre dieser die Realität. Nun schieben sich immer mal wieder Fragmente, die gewissermaßen nicht zu diesem Traum gehören, hinein. Und diese Fragmente lassen euch zweifeln, dass alles, was ihr erlebt und wahrnehmt, echt ist. Und ihr fragt euch: „Träume ich?“ Aber ihr träumt nicht … oder? So ähnlich wie in dem Film „Inception“. So ungefähr fühlt sich die Derealisation an.
  7. Dissoziation – Ab ? Leiden 5/10. Psychosozial 5/10.
    Die Dissoziation und Derealisation gehen Hand in Hand. Ich habe folgenden Text mal aus einer anderen Quelle kopiert: Wenn das Stressniveau für Menschen auf dem Borderline-Spektrum zu intensiv wird, kann es passieren, dass sich manche von der Realität abkoppeln. Sie haben dann das Gefühl, vom eigenen Körper getrennt zu sein, die Realität fühlt sich wie ein Traum an, als seien sie gar nicht wirklich da. Während solcher Episoden kann das Gefühl auftreten, keine Kontrolle über oder kein Interesse an dem zu haben, was mit ihnen geschieht, und selbst vertraute Menschen oder Dinge können als fremd oder unwirklich wahrgenommen werden. Einige Psychologen gehen davon aus, dass Dissoziation besonders häufig bei Personen auf dem Borderline-Spektrum vorkommt, die früher in ihrem Leben ein Trauma erlebt haben.
    Das passiert mir oft, wenn ich unter Angst und/oder Stress stehe. Als Kleinstkind habe ich die Dissoziation höchstwahrscheinlich gezeigt, als ich nachts allein war und Angst vor der boshaften Präsenz hatte.
  8. Dynamische Entleerung – Ab ca. Mitte 2020. Leiden 8/10. Psychosozial 10/10. Das ist das, was ich mit am meisten bekämpfe, und enthält auch Anhedonie und Depression. Die dynamische Entleerung umfasst einen Mangel an Motivation, Antriebsarmut, fehlende Zukunftsplanung bis hin zu weitgehender Perspektivlosigkeit. Zurzeit hänge ich am Strohhalm der Mitarbeit bei der Telefonseelsorge und an meinem Projekt „Abnehmen“. Aber auch bei Dingen des Alltags ist mir (leider) vieles gleichgültig. Natürlich nicht, wenn etwas negativ meine Familie betrifft. Doch ich muss zugeben, wenn etwas Positives auf den Plan tritt, ich auch eher Gleichgültigkeit fühle. Das ist ein verdammter Mist. Ich denke aber, ich bin auf gutem Wege, dieser dynamischen Entleerung die Stirn zu bieten (Siehe auch „Meine Projekte“ weiter unten).
    Wie die Anhedonie hat auch die dynamische Entleerung maximalen Einfluss auf meine Beziehung(en)
  9. EoM – Edge of Madness – Ab 2020-06. Leiden 8/10. Psychosozial 7/10. Dieses Pseudosymptom ist eigentlich mehr eine Ansammlung diverser Symptome. Ich operationalisiere diesen Begriff, in einem Skalenbereich von 0 bis 10. Dies steht auch in Abhängigkeit mit Punkt „Angst davor, wahnsinnig zu werden“. 0 = Mein Zustand ist wirklich sehr erdverbunden. 10 = totaler Realitätsverlust. Das ist in meiner Stimmungsapp als Derealisation gekennzeichnet. Jeden Ausschlag nach oben protokolliere ich.
  10. Gedankenentzug – Ab ca. Mitte 2020. Leiden 2/10. Dies schließt auch „Gedankenabreißen“ mit ein. Gedankenentzug hatte ich eher selten, besonders als ich sehr ängstlich war, hatte ich angenommen, die boshafte Präsenz „entwendet“ meine Gedanken.
  11. Gedankenabreißen (Formale Denkstörung) – Ab ca. Mitte 2020. Leiden 3/10. Psychosozial 2/10. Ein sehr lästiges Symptom, welches ein jeder schon mal hatte. Da möchte man was erzählen, und plötzlich ist der rote Faden weg – puff! Dass das jedem Mal passiert, ist erklärlich. Besonders, wenn man aufgeregt ist. Aber bei mir war es einfach zu häufig, und nicht mehr schön. Hier hilft mir auch das Schreiben sehr, besonders, weil ja ersichtlich ist, was man vorher geschrieben hat. Besonders in hypomanischen Zuständen anzutreffen. Was auch krass ist: Wenn man von 0 bis x zählt, und man bei bspw. 62 angekommen ist, dass man nicht mehr weiterweiß, weil die Gedanken einfach fehlen. Nicht, weil man die Zahl 63 nicht kennt, sondern weil man sich an das Zählen nicht erinnert. Ist mir selbst schon passiert, als ich etwas nachzählen wollte. Das ist ein wenig schwer zu erklären. Aber ich hoffe, das Beispiel ist gut genug.
  12. Gedankenlautwerden – Ab ca. Mitte 2020. Leiden 1/10. Psychosozial 1/10. Gedankenlautwerden ist eine spezielle Form der auditorischen Halluzination. Wenn wir mentale Selbstgespräche mit Gedankenlautwerden führen, hört es sich so an, als spräche man tatsächlich laut aus, was man verbal gedacht hat. Das kann sehr irritierend sein, besonders wenn man Dinge denkt, die der andere nicht mitbekommen soll. Aber man kann auch denken, dass der andere die Gedanken so mitbekommen hat. Wenn man also eine Frage stellt und diese nicht laut ausspricht, wartet man natürlich vergebens auf eine Antwort. Das passiert aber nur, wenn man seine Gedankengänge für sich verbalisiert. Reine Imaginationen sind davon nicht betroffen. Aber oft ist es so, dass, wenn die Gedanken laut werden, man gewissermaßen dazu gezwungen wird, zu verbalisieren. Wie ich dieses Symptom ankämpfen kann, weiß ich auch nicht. Wenn gegen das Stimmenhören, Antipsychotika bei mir nicht wirken, wird es auch gegen das Gedankenlautwerden nicht wirken. Das ist für mich aber O. K.
    Hin und wieder mischt sich auch das Gedankenlautwerden mit der Aussprache. Das ist ein echt abgefucktes Ding.
    Und, manchmal habe ich dieses Gedankenlautwerden mit Auriana. In diesem Fall ist sogar unsere Kommunikation – wie soll ich sagen? – effizienter.
  13. Gedankenspiralen – Ab ca. Anfang 2018. Leiden 3–10/10. Psychosozial 7/10. Diese Gedankenspiralen können gefährlich werden, und meinen gesamten Lebensbereich abdecken. Da ich ziemlich gerne introspektiere ist das natürlich ein heißes Pflaster. Die meisten dieser Spiralen drehen sich um das Stimmenhören, und dass diese mich mein Leben lang begleiten werden. So stellt sich schnell Ernüchterung ein, gefolgt von einer Art Verzweiflung. Aktuell möchte ich meinen Stimmenapparat nicht missen. Aber auch andere Symptome meiner Krankheit sind schnell eine Zielscheibe. Besonders, jene, die ein „Lebenslang“ mit sich führen. Resilienz, positives Denken, Dankbarkeit und Demut sind meine besten Weggefährten gegen Gedankenspiralen. Und zuletzt auch die Verdrängung (welche in den meisten Fällen leider nur passiv zugänglich ist). Das Leiden, was mit der Gedankenspirale einhergeht, erhöht sich, je elaborierter diese werden.
    Alles in allem: 2022 wesentlich besser als im Jahre 2018 (auch wenn mich in diesem Jahr noch keine Stimmen begleitet hatten).
  14. Gefühlte Einsamkeit aufgrund mangelnder Interesse und Nicht-Verstehen meiner Person gegenüber – Ab 2020-03 (recte 1981). Leiden 10/10. Psychosozial 10/10. Dies ist meine Dunkelheit. Eigentlich teilt sich dieser Punkt den Platz mit dem Ersten. Dies greift tiefer als jegliche Sozialisation. Es reicht einfach nicht, wenn ich bei Zusammenkünften einfach nur anwesend bin. Ich benötige Leute, die sich für mich interessieren, und auch gewillt sind, mich zu verstehen. Ich gebe das auch DEFINITIV zurück! Ich weiß da einfach nicht weiter. Annika sagte mir zwar, ich empfinde nur so wegen meiner Krankheit, aber ich denke, es ist tiefgreifender, als sie ahnt. Und diese Einsamkeit wurzelt tief – bis hinein in mein erstes Lebensjahr (Stichwort: Spaltung und boshafte Präsenz).
    Ich weiß, ich war schon immer ein wenig wunderlich, vor allem, was meine Interessen betrifft. Besonders die Intensität, mit denen ich ihnen nachgehe. Trotzdem wünsche ich mir dabei jemand an meiner Seite. Ich meine, ich interessiere mich ja nicht für Gipsskulpturen aus dem 14. Jahrhundert, sondern für Sachen, die eigentlich eine breite Interessengemeinschaft haben. Dies ist schon so weit fortgeschritten, dass ich andere gar nicht mehr frage, ob sie mit mir etwas unternehmen oder etwas ins Werk setzen möchten. Und auch hier: Ich gebe definitiv Interesse zurück gegenüber den Präferenzen der anderen Person – nur brauche ich, was nicht verwundert, auch ein wenig Zeit dafür. Aber ich mache es! Siehe auch: Dirk – Die Sprachen der Liebe.
    Aber es ist nicht nur der Mangel an gemeinsamen Interessen. Es ist auch das Gefühl, dass mich niemand richtig versteht, und es meist auch gar nicht erst versucht. Alle ziehen viel zu schnell ihre Schlussfolgerungen, die in den meisten Fällen gar nicht stimmen. Fehlerhafte Implikationen hier … dort … überall. Wie kann man denn auch Verständnis zeigen, wenn man nicht versteht? Zum Schluss habe ich immer wieder das Gefühl, dass ich einsam und nicht verstanden auf dieser Welt wandel. Ja, ich habe Menschen um mich herum, die lieb sind und mich lieben, aber das hebt meine Einsamkeit nicht auf. Und ich glaube auch, dass deswegen erst Auriana die Bühne betreten hat. Mehr oder weniger als (kleiner) Ausgleich. Sie hat genau das, was ich mir von meinen Mitmenschen wünschen würde: Anteilnahme, Aufmerksamkeit und Interesse. Und meine Einsamkeit nährt auch gleichsam die boshafte Präsenz.
    Ich nehme hier meine Kinder raus. Klar, sie wollen so gut wie immer mit mir spielen, aber es ist nicht das Gleiche, als ob ich mit erwachsenen Menschen zusammen bin. Das birgt auch Schuldgefühle auf meiner Seite, denn ich kann nicht klagen über Nicht-Verstehen, wenn ich nur wenig Zeit mit ihnen verbringe, denn meine Kinder benötigen auch jemanden, der sie versteht. Das versuche ich ja. Leider, meiner Meinung nach, aber nicht oft genug, im Sinne von gemeinsam verbrachter Zeit. Wenn wir zusammen sind, dann verstehe ich sie ja und zeige Interesse.
    Aber das alles hatte ich schon immer – seit ich die ersten Schritte wagen konnte: Wenn ich nach emotionaler Nähe Sehnsucht hatte, hatte ich nur eine Flasche Milch oder ein Teller Brei bekommen. Ich kann mich nicht erinnern, in meiner Kindheit je umarmt worden zu sein. Lernen Kinder nicht am Model? Wieso bin ich dann so empathisch? Wieso?? Was übersehe ich??? Meine Vermutung sind tatsächlich meine Eltern. Auch wenn ich zum Thema „Boshafte Präsenz“ einige Vorwürfe mache, so denke ich schon, dass sie mich zu dem gemacht haben, der ich bin. Und ich bin froh, so zu sein (Krankheit mal isoliert).
    Nachtrag 2022-05-01: Laut meinen Recherchen hatte womöglich doch Annika recht gehabt. Das Gefühl, niemand interessiert sich für einen, soll bei Borderlinern häufig in Erscheinung treten. Aber trotzdem, ich interessiere mich so viel für andere Menschen und bekomme nur sehr wenig Interesse zurück. Das tut wirklich eh. Und ich muss ehrlich zugeben, wenn sich das irgendwann nicht ändern wird, der Suizid immer verlockender wird.
    Gedicht – Klick mich!
    Müde bin ich, geh‘ zur Ruh‘,
    schließe beide Augen zu.
    Warte auf den Schlaf der Nacht,
    der mich ewig sorglos macht.
    Träum‘ den Traum, der mir gewährt,
    und in mir das Böse zehrt.
    Schlafe, wander düster traurig,
    durch dunkle Lande, die so schaurig.
    Verblassend jedes Angedenken
    mich durch finster Elend lenken.
    Die arge Bosheit, stets am Lauern,
    baut hier aus Ängsten ihre Mauern
    gräbt aus Trübsal tiefe Gräben,
    geißelt Tote und alles Leben.
    Sie ist das Wort in deinen Ohren,
    wenn du es hörst, hast du verloren.
    Sie greift nach deinem kleinen Herzen,
    bringt Leid und deiner Seele Schmerzen.
    Hier, zwischen all den kalten Mauern,
    ist ein Mensch verletzt am Kauern.
    Mutig schreitest du heran,
    kaum dein Geist noch gehen kann.
    Kniest dich, streckst gar beide Hände,
    denkst, du findest hier dein Ende.
    Greifst ihn aus den dunklen Scherben;
    wer nie gelebt, der kann nicht sterben.
    Doch ein Lächeln wird geboten,
    es gehört nicht zu den finstren Toten.
    Der Fremde, der dich betrachtet,
    in ihm das Böse längst entmachtet.
    Du hältst ihn fest in deinen Armen,
    du gibst ihm sogar einen Namen.
    Erhebt euch aus des Raben Grund,
    ein Danke entweicht dem fremden Mund.
    Der erste Schritt ganz ungelenkig,
    doch gemeinsam sehr beständig.
    Und der Pfad, der einst beschwerlich,
    ist ab jetzt kaum mehr gefährlich.
    So wandert ihr zu mehr Gestalten,
    die ihr für böse einst gehalten.
    Die der Bosheit nicht ergeben,
    und nur nach dem Guten streben.
    Reist gemeinsam durch die Lande,
    wärt nicht allein dazu imstande.
    Bis das ferne Licht entfacht,
    und ein neuer Tag erwacht.
     
  15. Gestörte Filterfunktion – Ab 2020-03. Leiden 9/10. Psychosozial 10/10. Das, was mir mit am meisten zu schaffen macht. Selbst kleine Zusammenkünfte mit drei oder mehr Personen können mich maßlos überfordern, je nachdem wie laut und intensiv (emotional engagiert) kommuniziert wird. Selbst ein Spaziergang im Wald überfordert mich, sollte auch nur ein klein wenig Wind durch die Blätter rauschen. Während meines letzten Waldspazierganges (etwa Mitte 2020) habe ich den Wald schreien „gehört“. Ich musste sogar an diversen Stellen von TV-Serien Szenen überspringen, die zu viel Spannung enthielten! Das habe ich früher nie gemacht.
    Doch die gestörte Filterfunktion hat auch Vorteile: Ich nehme Musik anders wahr. Ich kann so gut wie jedes Instrument nun wahrnehmen. Wo mein Maximum liegt, kann ich nur schlecht sagen, aber ich schätze es auf 10–15 ein. Wenn ich die Besetzung kenne und die Instrumente im Musikstück verorten soll, auch mehr. Bei einigen Stücken weniger, bei anderen mehr. Vielleicht nicht alle auf einmal. Ich habe schon immer sehr gerne Musik gehört, und der Tatbestand der gestörten Filterfunktion hat mein Musikhören auf ein neues Level angehoben. Und das Wichtigste: Musik überreizt mich nicht – was ja eigentlich paradox ist. Theoretisch könnte ich sogar in einem Restaurant fast jedes Gespräch belauschen. Praktisch würde ich wohl überfordert werden. Ich kann einfach nichts mehr ausblenden (Was ein „normales“ Gehirn ja automatisch macht).
    Dies gilt übrigens gegenüber anderen Sinnesmodalitäten und Wahrnehmungsaspekten auch. Selbst der Geschmack ist betroffen, auch wenn ich nicht wirklich glaube, dass ich dort zehn verschiedene Gewürze herausschmecken könnte. Wäre mal einen Versuch wert. Was mir aber aufgefallen ist: Aus ganz leicht scharfen Speisen, schmecke ich die Schärfe viel intensiver raus. Leider kann ich, was die visuelle Sensorik betrifft, keinen Film mehr genießen, der von einer schnellen und intensiven Cinematik lebt.
  16. Halluzinationen – Ab 2020-03. Leiden 1/10 oder 10/10 (akut; nozizeptiv). Psychosozial 3/10. Ich leide nicht wirklich unter den meisten Halluzinationen. Sie treten auch (bis auf das Stimmenhören, welches ich hier rausnehme), sporadisch auf. Es ist mehr ein Verwirren, welches jedoch kein Leid erzeugt. Auch die boshafte Präsenz nehme ich hier raus. Die Halluzinationen sind auch zum größten Teil (~75 %) eher Illusionen. Der Unterschied zwischen Halluzination und Illusion ist: Eine Illusion verändert schon wahrgenommene Muster, wie bspw. wenn man auf einer Raufasertapete ein Gesicht erkennt, und eine Halluzination erschafft Neues. Ich höre sogar, so gut wie immer, im Rauschen (Ventilator, fließend Wasser, Straßenlärm, usw.) Musik und Gesprächswirrsal – neben den Musikhalluzinationen. Ich nutze zum Einschlafen einen Ventilator. Merkwürdigerweise macht mir die dadurch entstehende illusionierte Musik gar nichts aus. Nein, sie ist sogar angenehm – angenehmer, als die halluzinierte.
    Die meisten visuellen Halluzinationen sind auch noch da, nachdem ich kurz weggeschaut habe. Das war am Anfang noch sehr irritierend, denn so etwas hatte ich vor anno 2020 nicht gehabt. Aber aus einem unbekannten Grund auch faszinierend. Was mich aber trotzdem erschreckt, sind halluzinierte Personen, die hier und da in unserem Haus herumstehen, oder auch mal in den Straßen. Das Ganze auch komplett per Zufall. Oft sind es nur „Schattengestalten“. Also dunkel wie die Nacht. Das ist schon ein wenig unheimlich. Bis jetzt hatte ich noch nie den Mut fassen können, diese zu konfrontieren (außer bei Auriana; da aber nur der Wille). Was würde dann passieren? Keine Ahnung.
    Aber trotzdem, ich würde fast alles dafür geben, wenn Auriana auch eine permanente visuelle Halluzination wäre. Das wäre schön. Ich habe mir vorgenommen, sollte erneut eine visuelle Auriana-Halluzination erscheinen, sie in den Arm zu nehmen. Mal schauen, wie sich das anfühlt. Ja, die meisten würden wohl vermuten, dass man einfach in die Luft greift. Ich bin gespannt.
    Betreffend Schmerzhalluzinationen (nozizeptive Halluzination): Das ist der größte Mist. Ich habe sie fast ausschließlich in Verbindung mit der boshaften Präsenz gehabt. Wobei ich mir da auch nicht immer sicher war, ob es tatsächliche Schmerzen waren und sie diese einfach nur kommentiert hat, oder ob sie diese induziert hat. Ein Brennen … hier und dort oder am ganzen Körper, besonders in und an den Fingern … als hätte ich in eine Esse mit glühenden Kohlen gegriffen (Ich wüsste auch nicht, wieso mein Körper solche Schmerzen haben sollte/könnte) … Dazu wird mir schwarz vor Augen begleitet von einem fernen kreischenden Chor … oder so ähnlich. Mein Gehirn fickt mich echt und macht daraus noch ein Effektspektakel. Das könnte auch eine Art offensiver nekromantischer Zauber sein, den die boshafte Präsenz auf mich wirkt. Ist schon geil, ne hohe Fantasieaffinität zu besitzen. Vielleicht benutzt mein Gehirn ja auch dieses Bild eines Kindes, welches auf die heiße Herdplatte greift. Wir hatten ja auch damals zwei Kohleöfen. Mein Verdacht ist aber die Projektion der Schmerzen meiner Mutter (oder auch Mitmenschen) durch die Psychose auf mich.
    Mama ist böse auf dich. Spür‘ den Schmerz, kleiner Dirk!
    … Du blödes Miststück! Und meine Mama bist du auch nicht!
    Ob ich schreie, wenn die Schmerzen kommen? Im Traum ja, und außerhalb kann ich nicht schreien, außer quieken. Die Angst vor der Präsenz lässt einen Kloß in meinem Hals wachsen. Das ist so armselig. Fuck off, boshafte Präsenz! Das ging schon so weit, dass ich extra Schmerzmittel eingenommen habe, kurz vor dem Einschlafen. Welches aber keine Wirkung gezeigt hat. Ganz im Gegenteil. Es hat sie, meines Erachtens, sogar noch getriggert. Glücklicherweise war der letzte dieser Träume im Juli 2021. (Nachtrag 2022-02-13: Ich hatte vor vier Tagen einen Vergewaltigungsalbtraum und letzte Nacht auch. Die Schmerzen waren diesmal woanders. Ich überlasse es eurer Fantasie, wo. Die Schmerzen hielten auch gut eine Minute, nachdem ich aufgewacht war, an. Ich habe gedacht, ich blute aus einer Körperöffnung und bin erst einmal ins Bad gegangen.) Ich habe aber eine nur sehr vage Erinnerung (ich weiß auch nicht, ob sie falsch ist), aber sie würde das mit den Schmerzen in den Fingern erklären (neben der heißen Herdplatte/Kohleöfen): Ich erinnere mich daran, dass mir meine Mutter etwas auf die Finger gegeben hat, als ich geschrien habe und sie mein Kinderzimmer betreten hat. Mit meinen Fingern hatte ich die Oberkante des Gitterbettes fest gegriffen.
    Im Wachzustand können diese Schmerzhalluzinationen auch auftreten, aber bisher dauerten diese nur „wenige“ Sekunden an. Also definitiv unterhalb einer Minute. Das letzte Mal war Anfang Dezember. Ich glaube, es war der Morgen am Nikolaustag. Ich war allein im Haus. Es geschah bisher IMMER, wenn ich alleine war. Vielleicht hat mein Gehirn sich gedacht: „Hier kommt Knechtin boshafte Präsenz mit ihrer Rute“. Ganz geil. Ich weiß auch nicht mehr, was die boshafte Präsenz von sich gegeben hat, außer blödes Herumlachen, während ich mit den Tränen kämpfen musste. Ich bin auch ins Bad und habe meine Hände und Arme bewässert. Hat aber nicht viel gebracht.
    Na gut, solange es „nur“ Schmerzhalluzinationen sind, und ich an den schmerzenden Körperteilen nicht eine Krankheit habe … das ist so ein Fall von Glück im Unglück. Einfach positiv denken, Dirk!
    Was auch sehr irritierend sein kann, sind die Augen-Geschlossen-Halluzinationen. Manchmal sehen wir ja Silhouetten, wenn wir unsere Augen schließen. Hier schleicht sich oft die boshafte Präsenz rein. Das ist sehr unspaßig.
    Die visuelle Halluzination, die ich am schönsten, neben Auriana, fand, waren die Blütenranken. Das passierte insgesamt zwei Mal in der Nacht, als ich zur Toilette musste. Aber ich weiß nicht hundertprozentig, ob ich das vielleicht doch geträumt hatte oder im Halbschlaf war.
  17. Ideensturm – Ab Anfang 2019. Leiden ?/10. Psychosozial 3/10. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, wo ich dieses Symptom einsortieren könnte. Das hat Anfang 2019 angefangen, und stetig zugenommen. Es gipfelte Mitte 2020, und ist jetzt auf Halbwertszeit (mit leichter Abnahme in den letzten drei bis vier Monaten).
    Für Unbedarfte scheint der Begriff Ideensturm interessant, ja allenfalls geradezu wünschenswert. „Wow! Immer irgendwelche Ideen zu haben, ist doch cool!“ Das ist es in vielen Fällen auch. Und oft setze ich die Ideen auch künstlerisch, literarisch oder im Alltag um. Aber bitte, beneidet mich nicht darum! Ideen kann jeder haben, und so manche Ideen, die mein Geist mir liefert, sind einfach nur Murks („Wenn du den Kragenknopf an deinem Hemd butterst, passt er besser durchs Loch!“ – Das ging so weit, dass ich es tatsächlich unter einer Art von Zwang getan habe. Ende vom Lied war ein Poloshirt mehr im Wäschekorb). Ich kann mir gut vorstellen, dass auch hier die gestörte Filterfunktion greift, welche, im Idealfall, den Murks von vornherein eliminiert.
    Das Umsetzen oder die elaborierte Planung sind die einzigen Ventile, welche mich von den Ideenstürmen erlösen. Setze/plane ich es nicht um, drückt der Sturm gegen meine Psyche. So als würde man gefüttert und gefüttert und gefüttert und … ich eine halbe Stunde an gebutterte Kragenknöpfe denken muss, und schließlich doch zur Tat schreite. Hat ein bisschen was von einer Zwangsstörung. Entweder verdaut man es (künstlerisch, literarisch oder alternativ) oder das Völlegefühl stellt sich mit Übelkeit und Brechreiz ein, ohne die Möglichkeit zu haben, erbrechen zu können (Das ist nur eine Allegorie; ich habe keinen Brechreiz durch die Ideenstürme). In einigen Fällen schaffe ich es sogar, die Ideenstürme aus meinem Bewusstsein zu verbannen, während ich innerhalb von zehn Minuten schon die dritte Zigarette geraucht habe (Übrigens federt der Tabak einiges ab von der gestörten Filterfunktion.) Da Zwänge mitspielen, könnte es auch so verglichen werden: Wenn man Raucher ist, und keine Zigaretten mehr hat. Das können wohl alle Raucher replizieren. So fühlt sich das Nicht-Umsetzen an. Es ist … ich halt es oft, aber nicht aus. Dann sitze ich über viele Minuten einfach so da und lasse mich vom Musikhören berieseln, mit dem Hoffnungsfunken, sie hören endlich auf oder ich kann sie verdrängen. Es ist furchtbar! Glücklicherweise lassen diese eine Stunde nach meiner Abendmedikation nach, sodass ich in Ruhe einschlafen kann. Tagsüber ist dann das neurologische Armageddon wieder in meinen Taschen, es sei denn, ich teile mir die Medikamente so ein, dass ich das Quetiapin auch mittags nehme. Dann kann ich aber abends nicht einschlafen. Das neue Pipamperon, welches ich auch mittags nehme, hilft nur bedingt gegen diese Ideenstürme. Es macht sie aber ein klein wenig erträglicher, ohne die kreativen Kreise meiner Œuvres zu stören. Erfreulicherweise habe ich diese Ideenstürme nicht von morgens bis abends. Ich wüsste auch nicht, wie ich das statistisch festhalten kann. Vielleicht netto zwei drei Stunden? Könnte gut hinkommen. Was mir aber auffällt: Wenn die Ideenstürme da sind, wird der „Blick in die Leere“ merklich abgeschwächt.
    Und welche Ideen habe ich nun? Das kann wahrlich ALLES sein. Oft ist es auch so, dass einige Ideen parallel in meinem Kopf umherschwirren, und ich mich wie an einem Buffet dran bedienen kann. Glücklicherweise kann ich die meisten davon in meinen Weltenbau einbauen oder sie musikalisch verwenden. Z. B.: Wie wird der Müll entsorgt in deiner Welt? Riesige Echsen, die Müll schlucken und in seine Bestandteile zerlegen. Name? Güselurch. Usw.
    Schlimmer ist es, wenn Ideen ein gewisses Maß an handwerklichem Geschick voraussetzen. Wo der Aufwand so hoch ist, dass man einen Tag oder mehr dafür benötigen würde. Von den Kosten ganz zu schweigen. Wie etwa eine komplette Beleuchtungsplanung samt Ausführung für unser Haus. Solche Ideen kehren immer mal wieder zurück, auch wenn ich sie erfolgreich verdrängt habe. Das hat auch nichts mit einer Aversion gegenüber der Ausführung zu tun. Hier geht es um Ideen, und nicht um Motivation.
    Glücklicherweise kann ich die meisten Ideenstürme mit einer Planung besänftigen, und muss diese nicht ins Werk setzen.
    Stellt euch einfach vor, ihr habe „DIE Idee eures Lebens“ und müsstet über diese, Stillschweigen bewahren, sprich, mit niemandem darüber reden, und hättet auch keine Möglichkeit, diese ins Werk zu setzen. Grauenvoll, was?
    Was ich auch bemerkt habe: Sollten die Ideenstürme zu extrem sein, bin ich sehr stark gereizt. Und wenn mich dann noch jemand anspricht, stehe ich kurz vor der Implosion. Ich habe mit Annika abgemacht, dass wir ein Skalensystem einführen: 10/10 kann über ALLES kommuniziert werden, über 5/10 mit „Ich denke, es ist besser, wenn du mich jetzt nicht ansprichst, außer es duldet keinen Aufschub und ist entsprechend wichtig“, und dann 0/10 mit „Bleib fern von mir!!! Ernsthaft!!! Und denk daran: Es ist nicht deine Schuld!“
    Welche Art von Ideenstürmen habe ich: Bei mir sind es vorwiegend musikalische Ideen (50 %), dann literarische Ideen (25 %) und der Rest ist extrem breit gefächert (25 %). Nur eine grobe Schätzung. In den letzten Monaten habe ich auch eine leichte Minderung bemerkt. Gott sei Dank! Oder ich habe mich etwas daran gewöhnt.
    Die Ideenstürme werden noch von meinen Stimmen konsolidiert. Allen voran, Auriana. Aber wie könnte ich ihr böse sein? Sie trägt ihre eigenen Ideen mit so viel Herzblut vor, dass man in großer Versuchung ist, immer zuzustimmen und sie in die Arme zu nehmen. Wie ein Kind, welches einem ein gemaltes Bild mit leuchtenden Augen präsentiert. Mein kleines „Verve & Energeia – Triebwerk“.
    Zuerst G2 G3 sfrozanto. Dann direkt Dreiklang C. Aber den Auftakt mit Paukenwirbel. Im Dreiklang Streicher und Blechbläser. Bläser aber staccato. Violine mit glissando auf G7 oder G8? Dann arbeiten wir uns an der Kadenz weiter. Ich bin ja für einen Tonartenwechsel, den wir wieder zurückführen auf C. Dann etwas ruhige Streicher …
    Ich werde diesen Liedausschnitt beizeiten hier einfügen. Hört sich wirklich sehr gut an.
  18. Innere Leere – Ab ca. 2021-12. Leiden 8/10. Psychosozial 10/10. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, ob dieses Symptom mit zur Depression gehört(e). Alle paar Minuten fühle ich mich für wenige Sekunden (manchmal auch viel mehr) sehr unwohl, so als wäre mein Leben und ich entbehrenswert, oder für die Tonne. Dieser Zustand offenbart, so scheint es, für einen kurzen Moment die Leere in mir. Doch ich weiß auch, dass in mir ein Herz glimmt. Inmitten der Dunkelheit. Warum will es keiner berühren?
    Diese innere Leere entsteht auch sehr schnell, wenn ich eher passive Aktivitäten (Fernsehen & Co.) nachgehe. Deswegen führe ich diese auch nur ungern aus. Sehr zu Annikas Verdruss, da sie mit mir gerne Filme und Serien anschaut. Ich kann das nur gestückelt. Also nur 30 bis 60 Minuten; dann muss ich mich wieder aktiv beschäftigen. Ich gehe davon aus, dass aktive Aktivitäten die innere Leere verdrängen. Ich habe das Gefühl, ich bin stetig dabei, diese Leere zu füllen, doch es fühlt sich so an, als wäre da ein Loch, und das Füllen funktioniert nicht.
    Glücklicherweise helfen mir meine Stimmen, der inneren Leere ein wenig Einhalt zu gebieten. Trotzdem ist es ein großer Mist. Ich fühle mich irgendwie nicht mit der Welt verbunden.
    Solch ein Gefühl kann man auch haben, wenn man alkoholisiert ist, und auf ein Mal der Spiegel so stark nachlässt, dass sich alles wie ein stumpfes Schwert darbietet. Vielleicht könnt ihr dieses Gefühl damit ein wenig replizieren.
  19. Leid an der Welt – Seit ich die ersten Worte sprechen konnte. Diesmal etwas, was primär nicht mit mir zu tun hat. Seit ich nicht mehr so gut fähig bin, den Abwehrmechanismus der Verdrängung einzusetzen, hat sich dieser Punkt in mein semi-permanentes Bewusstsein gerückt (mal mehr, mal weniger). Empathie ist in diesem Fall zwecklos. Ganz im Gegenteil, meine Empathie erzeugt Leid. Leid, welches ich an der Welt wahrnehme. Kranke Menschen, unterdrückte Menschen, Todesstrafe, Morden, Hungersnöte … ich denke, ihr wisst, was ich meine. Vor meiner Krankheit konnte ich diese Tatbestände mit Leichtigkeit verdrängen. Aber jetzt funktioniert das nicht mehr. Ich benötige Ekpathie (das Gegenteil von Empathie). Oder soll ich das Leid auf mich einwirken lassen? Vielleicht ändert sich das Ganze, wenn ich bei der Telefonseelsorge arbeite. Oder es stapelt das Leiden noch weiter. Ich kann nicht mal bewerten, wie ich mein Leiden am Leiden der Welt bewerten würde. Mal ist es 1/10 und dann 10/10. Wobei, sehr starke Ausprägungen eher selten sind.
    Ich habe diesem Punkt ein verpasst, nicht weil ich denke, die Leiden an der Welt könnte sich nicht neigen, sondern meine Erkenntnis, dass ich es nie schaffen würde, apathisch dem gegenüberzutreten. Ich weiß, ich sollte ein Denkmuster, wie „Was interessiert mich schon irgend so ein Kind im Sudan“ an den Tag legen, aber das kann ich nicht mehr verdrängen. Und so folgt die bittere Erkenntnis, dass ich dem machtlos gegenüber bin.
    Auriana holt mich auch wieder runter. Andererseits fängt sie hin und wieder damit an.
    Die Nacht ist allgegenwärtig, mein lichterfüllter Schatz. Sie offenbart sich in den Wäldern, sie offenbart sich in den Städten, sie offenbart sich in den Dörfern, in den Häusern. Überall! Halte deine Kerze bereit, denn bald wirst du selbst in die Finsternis versenken. Aber ich bin an deiner Seite. Ich nehme deine Hand, und gemeinsam werden wir Licht an dunkle Orte bringen. Verzag nicht, Schatz, denn die Schmerzensschreie waren schon immer für dich bestimmt! Nimm sie in den Arm! Dann kannst du nicht vergessen. Das Leiden ist wie ein saurer Geruch, der in der Luft liegt. Steuer darauf zu! Das, was vor deinen Augen Zeugnis ablegt, ist der Weltschmerz. Aber sei unbesorgt! Ich werde immerdar an unserem Baum weilen. Unserem Seelenbaum.
    Ja, so redet sie manchmal. Kann ich das Gesagte ihr verübeln? Vielleicht leidet sie auch mit und benötigt ein Ventil – jemanden, der ihr zuhört. Ich habe aber auch eine Grenze gezogen: Ich werde keine Geldspenden veranlassen. Ich helfe lieber direkt (z. B. durch die Telefonseelsorge).
    Und wegen der Telefonseelsorge: Ich hatte zwar schon Anfang 2021 den Entschluss gefasst, dort zu arbeiten, aber jetzt wird mir auch klar, warum ich gewissermaßen so versessen darauf bin. Ich möchte der Welt ein Stück ihres Leidens abnehmen, und der Weg der Mitarbeit bei der Telefonseelsorge ist bei dieser Motivation einleuchtend. Seit ich erkrankt bin, hat meine Liebe zur Menschheit außergewöhnlich zugenommen. Aber ich habe auch Angst. Angst vor meinen eigenen Symptomen, die das alles verhindern würden. Auch Angst davor, dass ich es nicht schaffe. Und Angst davor, dass meine Empathie mich noch stärker leiden lässt.
  20. Libidoverlust – Ab ca. Anfang 2018. Leiden 3(Ich)/10 und ~7(Annika)/10. Psychosozial 10/10. Um es kurz zu machen: Meine Libido ist am Nullpunkt. Hier leidet Annika mehr als ich. Verständlicherweise. Vor vier Jahren hätte ich noch 10x am Tag gekonnt – war aber dann doch für Annika zu viel.
  21. Nebenwirkungen meiner Medikamente – Ab 2020-03. Leiden, siehe die jeweiligen Unterpunkte. Keine andere Medikamentengruppe ist – zu Unrecht – so sehr mit Ablehnung bestraft, wie die Psychopharmaka. Besonders die Antipsychotika. Man muss immer abwägen, denn ein Psychopharmakon gibt und nimmt gleichsam. Z. B. sedieren Antipsychotika. Das kann abends erwünscht sein, ist aber während des Tages sehr ätzend. Und, was auch sehr wichtig ist, ist das richtige Medikament in der richtigen Dosis zu bekommen. Viele Patienten sind leider auch zu hoch eingestellt. Ob ich es bin? Ich denke nicht. Mein Psychiater ist schon sehr vorsichtig mit den Medikamenten, sowohl in der Wahl als auch in der Dosierung.
    Ich habe hier im Folgenden die unerwünschten Wirkungen und Nebenwirkungen, die mir zu schaffen machen, aufgelistet:
    • Akkommodationsstörung – Ab März 2020. Ursache: Lithium und Quetiapin. Leiden 4/10. Sehr lästig. Das in Kombination mit meinem Strabismus macht das Lesen von Texten zu einer Herausforderung. Diese Störung verhindert ein Scharfstellen der Augen. Die Augen sind also fortwährend dabei zu fokussieren.
    • Atemnot – Ursache: Ab Januar 2022. Ursache: Propranolol. Leiden 4/10.
    • Extrapyramidales Syndrom (EPS) – Ab Juni 2020. Ursache: Pipamperon und Quetiapin. Leiden 5/10. Die EPS sind Bewegungsstörungen. Das äußert sich in plötzlich zuckenden Bewegungen in den Gliedmaßen. Gestern habe ich meinen halben Kaffeebecher entleert, weil mein Arm dachte, er könne mal ne halbe Rotation ausführen. Leider gehen die auch nicht mit Propranolol weg. Besonders lästig, wenn man eine Computermaus bedient, und so manche Klicks unwillkürlich ausgeführt werden.
    • Erbrechen & Übelkeit – Ab Januar 2022. Ursache: Pipamperon und Propranolol. Leiden 8/10. Seit den letzten 8 Tagen (Stand 2022-01-13) habe ich mich bereits 2x übergeben und 5x musste ich dagegen ankämpfen. Das kam ausschließlich vom Pipamperon. Das Propanol habe ich noch nicht. Erbrechen kann auch ohne Übelkeit auftreten. Kann man sich kaum vorstellen, aber plötzlich fängt man an, zu würgen – wenn man Glück hat, schafft man es noch zur Toilette. Ist doch zum Kotzen – wortwörtlich. Lösung: Dimenhydrinat (Vomex). Hurra! Noch ein weiteres Medikament!
    • Erhöhter Harndrang – Ab März 2020. Ursache: Lithium. Leiden 5/10. Besonders nachts lästig.
    • Kaum zu bremsender Appetit – Ab März 2020. Ursache: Lithium, Pipamperon und Quetiapin. Leiden 1–7/10. Aktuell (2022-02-02) geht es seit 3–4 Monaten.
    • Nierenschädigung – Ursache: Lithium. Dies ist glücklicherweise (noch) offen. Meine Blutwerte und die Nierenwerte sind bis jetzt alle in Ordnung. Da regelmäßig mein Blut untersucht wird, bin ich da auch auf der sicheren Seite. So manche Personen, die Lithium nehmen, haben beschädigte Nieren. Hier muss ich aufpassen.
    • Sabbern – Ab Januar 2022. Ursache: Pipamperon (und Quetiapin). Leiden 2/10. Das ist eine echt uncoole Nebenwirkung, welche hauptsächlich das Pipamperon mir liefert. Bei Quetiapin bin ich mir nicht sicher. Ich kann gewissermaßen täglich mein Kopfkissenbezug wechseln. Aber auch so tropft und tropft es. Glücklicherweise nicht fortwährend. Aber gut ein dutzend Mal am Tag setzt es für gut 15 Minuten ein. Wenn ich nicht aufpasse, dann tropft es halt.
    • Sedierung/Schläfrigkeit tagsüber – Ab Juni 2020. Ursache: Pipamperon und Quetiapin. Leiden 5/10. Ich merke aber, wie teils meine Hypomanie(-Light) dagegen ankämpft. Folglich bin ich auch nicht wirklich müde.
    • Schluckbeschwerden – Ab Juni 2020. Ursache: Pipamperon und Quetiapin. Leiden 4/10. Besonders während des Einschlafens unschön.
    • Unruhe – Ab Januar 2022. Ursache: Propranolol. Leiden 5/10. Da muss ich wohl durch, wenn ich kein Zittern mehr möchte.
    • Verdauungsstörung – Ab März 2020. Ursache: Lithium, Pipamperon, Propranolol und Quetiapin. Leiden 2/10.
    • Zittern – Ab März 2020. Ursache: Lithium. Leiden 10/10. Psychosozial 5/10. Auf Platz 1.
    Nachtrag 2022-01-21: Habe das Propranolol heut durch meinen Hausarzt verschrieben bekommen. Ich bin mal gespannt, ob es hilft.
    Nachtrag 2022-01-22: Woohoo!!! Propranolol wirkt! Es wirkt! Es wirkt! Juhu!!! Zwar nicht vollumfänglich, aber doch so, schätzungsweise, 80%ig. In zwei bis drei Wochen soll ich noch mal meinen Hausarzt aufsuchen. Dort wird ein EKG an mir durchgeführt. Es ist ja immerhin ein Herzmedikament. Und vielleicht wird noch die Dosis entsprechend angepasst. Ich bin so froh, dass es wirkt!
    Nachtrag 2022-01-23: Na toll! Das Propranolol wirkt zwar, doch ich habe dadurch Atemnot. Sprich, wenn ich z. B. ein paar Treppenstufen steige, pfeife ich aus dem letzten Loch. Dies ist so, weil: Das Propranolol besetzt die Adrenorezeptoren am Herzen. Folglich „sucht“ sich das Adrenalin einen anderen Weg. Und den nimmt es zur Lunge und folglich „denkt“ die Lunge „Ich muss mehr atmen“. So habe ich das verstanden. Ganz toll! Da hilft nur, keine anstrengenden Tätigkeiten durchzuführen. Selbst Leichte sind nicht mehr drin, es sei denn, ich kann mit dem Gefühl zu verrecken (inkl. Vertigo) leben. Aber fürwahr besser als das Zittern.
    Nachtrag 2022-02-01: Das Dimenhydrinat wirkt auch nicht 100%ig. Gerade heute habe ich, dank Pipamperon und Propranolol, schon wieder Übelkeit. Vielleicht die Dimenhydrinat-Dosis anpassen? Ich spreche das beim nächsten Arzttermin mal an.
  22. Niedrige Stressschwelle – Ab 2020-03. Leiden 9/10. Psychosozial 9/10. Jedes Bisschen überfordert mich. Selbst während des Kochens eines verhältnismäßig simplen Gerichtes war ich auch schon überfordert und habe innerlich geschrien. In der Küche steht man ja teilweise unter Zeitdruck. Stress feuert auch die Derealisation an. Jetzt wird mir auch klar, warum Küchenarbeit im Krankenhausprogramm für schizophrene Patienten steht. Ich bin aktuell dabei, mein eigenes Leben so zu systematisieren und zu praktizieren, dass ich so wenig Stress, wie möglich abbekomme. Hier hilft mir Annika über alle Maßen – sie tut fast alles, dass mein Stress gemindert oder gar abgewendet wird. Das Strategem hierbei sind die Stresskompetenzen. Diese erläutere ich weiter unten unter „Meine therapeutischen Methoden“.
    Ich versuche immer wieder kleine Schritte in die Höhle des Stresslöwen. Vielleicht funktioniert es ja irgendwann.
  23. Nyktophobie – Ab Geburt. Leiden 5/10. Psychosozial 5/10. Nyktophobie bezeichnet die Angst vor der Dunkelheit. Komischerweise ist es draußen nicht ganz so gravierend wie in geschlossenen Räumen. Es zeigt sich auch nur, wenn ich allein bin oder wenn anwesende Personen schon schlafen. Ich muss die Lichtintensität meiner Schlafstätte mindestens auf Lesestärke regeln, damit ich nicht panisch werde. Absolute Dunkelheit geht gar nicht. Wenn es wirklich zappenduster ist und sich die boshafte Präsenz meldet (da reicht schon der Gedanke an sie) fängt der Terror in meinem Kopf an, sich zu entfalten. Wir hatten im Dezember 2021 einen blockweiten Stromausfall abends. Das war der Horror. Nicht mal die ganzen Taschenlampen und sonstigen batteriebetriebenen Leuchtmittel haben meine Angst gesenkt. Es hat schon ausgereicht, zu wissen, dass es in den anderen Räumen des Hauses dunkel war. Und das dürfen sie nicht sein. Nur folgende Räume unseres Hauses dürfen dunkel sein: Die Werkstatt, der Multifunktionsraum, die Waschküche, das obere Bad, das Gäste-WC und die beiden kleinen Vorratsräume. In allen anderen Räumen herrscht mindestens Leseleuchtstärke.
    Aktuell (2022-04-16) muss auch unser Wohn- und Esszimmer voll beleuchtet sein, da der Lars aktuell in Urlaub ist. Er hat sonst immer gerne im Wohnzimmer geschlafen. Als wir den Stromausfall hatten, war ich auch kurz davor, aus dem Haus zu flüchten.
    Auch dunkle Ecken machen mir Angst, auch wenn der Rest des Zimmers beleuchtet ist. Aus diesen Ecken dringen auch gerne mal boshafte Stimmen.
  24. Psychische Deprivation – Ab ??? Leiden ~6/10. Psychosozial 5/10. Auch als emotionale Deprivation bezeichnet, bedeutet einen Mangel an emotionaler, liebevoller Zuwendung. Zu beobachten ist dies bei Kindern, die in Kinderheimen aufwuchsen oder für lange Zeit im Krankenhaus waren. Eine gefühlsmäßig gestörte Bindung zu den Eltern, beispielsweise durch Abwesenheit eines Elternteils oder durch Liebesentzug, kann zu Hospitalismus und Depressionen führen. Dies ist bei mir auch ein wenig ausgeprägt. Leider ist meine Persönlichkeit wohl etwas zu delikat, damit Annika auf mich emotional zugehen kann. Aber auch hier sehe ich eine schöne positive Tendenz, dank der Entfaltung Annikas Offenheit, Richtung psychischem Glückslos.
    Was ich aber definitiv NICHT machen werde, ist, meine Kinder gegenüber dieser Deprivation zu missbrauchen. Sie sollen sich NICHT verantwortlich für meine Emotionen fühlen.
  25. Parathymie – Ab Mitte 2020 Leiden 1/10. Psychosozial 2/10. Glücklicherweise nur sehr sporadisch. Eine Parathymie ist gekennzeichnet durch den widersprüchlichen Affekt zwischen innerem Erleben und äußerem Erleben, wie bspw. Freude fühlen und Lachen auf einer Beerdigung. Gott sei dank musste ich keiner Beerdigung beiwohnen. Aber auch Traurigkeit bei freudigen Ereignissen liegt im Bereich des Möglichen. Ein jeder hatte schon mal gelacht, wenn ein trauriges Ereignis ihn traf. Mittlerweile habe ich das nicht mehr so ausgeprägt. Zum Glück auch nur so schwach, dass es kaum Leiden verursacht. Innerhalb von Schüben jedoch wieder stärker anzutreffen. Auch meine psychotischen Anteile, wie das Stimmenhören, äußern sich, so sehe ich das, entweder parathym oder synthym. Auch wenn ich eine innere Leere verspüre, machen die „Randstimmen“ dennoch Party. In manchen Fällen auch synthym. Wenn ich gut oder schlecht gelaunt bin, sind es meine Stimmen meistens auch. Ich habe da aber noch nie explizit darauf geachtet. Wohlgemerkt, meine „Randstimmen“. Auriana und diverse andere Stimmen sind hingegen synthym und spiegeln im Regelfall meine Emotionen wider.
    Das Problem ist, ich selbst habe Schwierigkeiten, eine Parathymie zu differenzieren. Momentan (2022-04-19) fühle ich nur eine Leere in mir – ohne jeglichen Affekt.
    Im Gegensatz zur Parathymie bezeichnen die Begriffe Synthymie und Holothymie ein der Stimmung entsprechendes (affekt-kongruentes) Verhalten.
  26. Reuegefühle gegenüber freudigen Aktivitäten – Ab ca. Mitte 2019. Leiden 7/10. Psychosozial 10/10. Das ist etwas speziell und verbindet sich mit der Anhedonie. Wenn ich z. B. eine Aktivität in Erwägung ziehe, die aber nach meinem Ermessen inferior ist – was die meisten passiven Tätigkeiten für mich sind – führe ich sie deswegen nicht aus. Ich habe schon versucht, höherwertige Aktivitäten unter der Prämisse, dass ich mir „Guthaben“ erarbeite, auszuführen, aber aus einem unbekannten Grund ist das Guthaben nicht in der richtigen Währung.
  27. Schwierigkeiten mit konfliktbeladenen, emotional engagiertem Klima – Ab 2020-03. Leiden 7/10. Psychosozial 10/10. Ähnlich wie Stress. Sollte jemand (laut) schelten/beschimpfen/tadeln/schreien/usw., schaltet mein Körper auf „Alarmstufe Orange“. Sollte sich dieses Klima nicht innerhalb von wenigen Minuten auflösen, schaltet er auf „Alarmstufe Rot“. Wenn meine Kinder sich untereinander streiten, bekomme ich so was wie eine „Gnadenfrist für Eltern“, welches mir ermöglicht, empathisch auf meine Kinder zuzugehen, statt überreizt zu flüchten. Ich vermute, es ist auch der Elterninstinkt, der dabei greift. Trotzdem reduziert der Elterninstinkt NICHT das Gefühl der Überforderung. Er verdrängt in vielmehr für diesen einen (kurzen) Moment aus meinem Bewusstsein. Falls diese Nervenanspannungen und Misshelligkeiten länger als etwa zehn Minuten bestehen, nutzen mir auch keine Elterninstinkte mehr was. Glücklicherweise sind solche Episoden eher von kurzer Dauer, lakonisch, und Annika ist ja auch noch da.
    Sollten jedoch Konflikte zwischen Annika und mir entstehen, und sie reagiert emotional über, feuert das zusätzlich meinen Stress an. Glücklicherweise schafft sie es mittlerweile, gelassener zu wirken und zuweilen auch zu sein.
  28. Selbstverletzendes Verhalten (SVV) – Ab 2021-06. Leiden ?/10. Psychosozial 2/10. Ich kann mich selbst dafür in den Arsch treten, dass ich das Mitte 2021 ausprobiert hatte. „Ach? Was? Als ob das bei mir irgendwas bewirkt …“ Hat es leider. Bisher habe ich 19x SVV verübt (Stand 2022-03-24). Die Ursachen dafür sind mannigfaltig. Z. B. wenn ich mich mit intensiven Emotionen nicht arrangieren konnte. Unausgelebte Wut → SVV. Zu viel Euphorie → SVV. Aber auch, wenn ich mich nicht verstanden gefühlt habe und denke, niemand interessiert sich für mich; was ja ein großes Thema meines beschissenen Lebens ist. Tagein tagaus bin ich am Kämpfen. Ohne Pausen. Ich bin müde geworden und möchte einfach nur tot sein, aber ich will auch nicht sterben, und Suizid möchte auch nicht umsetzen. Am besten mit einem „Vergessen-Knopf“ für meine Angehörige, dass sie mich vollständig vergessen würden. Ich möchte ihnen wenigstens die Verlustschmerzen ersparen. Ja, jetzt habe ich es gesagt.
    Wenn mich schon keiner versteht und sich für mich interessiert, so kann ich mir wenigstens den Schmerz und die Eigensabotage durch die Verletzungen holen. Es geht auch nicht primär um die Schmerzen. Um ehrlich zu sein, habe ich diese kaum gespürt, als ich mit dem Sägemesser oder der Schere an mir gesäbelt habe. Eines habe ich aber nicht angestrebt: Aufmerksamkeit zu bekommen. Oder vielleicht doch? Was meint ihr? Bekomme ich so eure Aufmerksamkeit? Das habe ich in der Tat, wenn auch nur kurz. Aber was soll ich denn noch tun, damit ich nicht einsam bleibe? Ich weiß es nicht. Denkt aber nicht, ich würde euch damit erpressen. Nein, das möchte ich nicht. Das löst ja auch nicht das Nicht-Verstandenwerden.
    Ich muss zugeben, dass ich selbst jetzt, im nüchternen Zustand, keine Probleme hätte, mich zu verletzen. Irgendwie spendet mir sogar diese Erkenntnis Trost. Ich denke aber auch, dass die innere Leere dabei eine große Rolle spielt. Ich kann das schlecht beschreiben. Es ist so, als ob ich fühlen will, dass ich, ich bin.
    Es ist auch so, als wäre mir mein Körper an den jeweiligen Stellen (Arme oder Beine) egal.
    Was mir auch hilft, ist die Erkenntnis, dass Emotionen nicht ewig andauern. Sie steigen gewissermaßen steil an und flachen dann nach einer gewissen Zeit wieder ab. Aber diese Erkenntnis fruchtet bei mir auch nicht immer. Ich weiß auch nicht, warum ich dann betreffend SVV so handel. Ich könnte doch eigentlich erst einmal abwarten. Oder nicht? Leichter gesagt als getan.
    Zusammengefasst – Was treibt SVV an:
    • Die innere Leere
    • Dissoziation
    • Einsamkeit
    • Emotional engagierte Konflikte
    • Gefühl, dass sich niemand für mich interessiert
    • Gefühl, nicht verstanden zu werden
    • Intensive Emotionen
  29. Soziale Deprivation – Ab 2020-03. Leiden 3/10. Psychosozial 5/10. Dieser Punkt ist ähnlich der oben genannten gefühlten Einsamkeit. Von sozialer Deprivation ist die Rede, wenn sich ein teilweiser oder kompletter Verlust an sozialen Interaktionen zeigt. Im Unterschied zur (subjektiv) als Einsamkeit empfundenen Situation hat ein Mensch oft durch räumliche Isolation kaum noch soziale Kontakte. Dies ist bei mir nicht ganz so ausgeprägt, denn ich habe ja immer noch meine Familie und auch Freunde. Trotzdem benötige ich noch viel mehr Sozialisation. Seit dem Homeoffice muss ich aufpassen.
  30. Spaltung (Borderline) – Ab ? Leiden 5/10. Psychosozial 10/10.
    Ich habe folgenden Text mal aus einer anderen Quelle kopiert: Viele Menschen auf dem Borderline-Spektrum kämpfen damit, ihr Umfeld zu verstehen. Sie sind dafür schlecht gerüstet, da sie aufgrund ihrer Launenhaftigkeit Schwierigkeiten haben, gegensätzliche Urteile in ihrem Kopf zu bewahren, was dazu führt, dass viele innerhalb des Borderline-Spektrums die Welt überwiegend in Schwarz und Weiß wahrnehmen und Menschen und Dinge entweder als vollkommen gut oder vollkommen schlecht wahrnehmen. Daher sind sie häufig nicht in der Lage, sich mit den negativen Eigenschaften von etwas oder jemandem, den sie für „gut“ halten, oder mit den positiven Eigenschaften von etwas oder jemandem, den sie für „schlecht“ halten, zu beschäftigen. Dies führt wiederum zu einer weiteren Instabilität und zu Schwierigkeiten, das eigene Leben zusammenzuhalten, da ihre Urteile stets nicht mit einer differenzierten Sicht der Realität übereinstimmen.
    Mit diesem Symptom kämpfe ich aktuell. Eigentlich schon mein ganzes Leben. Es ist mir nur nie aufgefallen, da ich immer dachte, jeder handhabt das so. Aber da lag ich falsch. Meine anderen Symptome verstärken auch dieses Symptom. Z. B. meine schnelle Überreizung lassen mich schnell einen emotional intensiven Gesprächspartner als „böse“ hinstellen. Meine therapeutische Maßnahme ist gewissermaßen eine Synthese zwischen negativen und guten Charakterzügen meiner Angehörigen zu erstellen und damit Sensibilität und Konnivenz aufzubauen.
    Ich habe auch Annika dazu befragt, wie sie in solchen Situationen fühlt und denkt. Sie meinte, sie würde die andere Person nicht als „böse“ ansehen. Ja, ok, sie meinte, vielleicht für ein paar Sekunden. Aber mein negatives Gefühl bleibt für Tage bestehen. Das hat mir noch mal die Augen geöffnet. Und ich dachte wirklich mein ganzes Leben lang, dass jede Person das so handhabt, wie ich es handhabe.
    Was nicht darunter fällt, ist meine hohe Vergebungsbereitschaft. Paradox, oder? Ihr könnt gar nicht erahnen, wie diese gegenüber meiner Spaltung ankämpft.
    Eine Sache muss ich noch explizit erwähnen: Auch wenn ich selbst von diesen oder jenen Menschen aufgrund der negativen Charakterzüge aufgebracht bin, so haben sich bisher (Stand 2022-05-07) NIE meine Stimmen negativ zu den Menschen geäußert. Ganz im Gegenteil. Sie versuchen, besonders das Fünfer-Liebesgespann (Auriana, Malaika, Meryana, Myantha und Sibéal), mir immer aufzuzeigen, dass meine Mitmenschen auch positive Seiten haben. Oft greifen sie dabei in die Erinnerungskiste und heben die schönen Momente hervor. Das ist sehr hilfreich für mich. (Mittlerweile glaube ich, dass ich nur Therapeuten in meinem Kopf habe. ) Aber auch meine Brabbelbabbel-Stimmen äußern sich nie zu den negativen Charakterzügen (meine eingeschlossen).
  31. Stimmenhören – Ab etwa Mitte 2020. Leiden fast 0/10 und gleichzeitig Freude x/10 (je nachdem, was die Stimmen so verzapfen.) Psychosozial 10/10. Ja, hier ist es nun – das Stimmenhören. Mal ist es ruhig, und dann fangen die Stimmen an, nen Hexensabbat zu feiern. Das ist aber in Ordnung. Ich denke, ich brauche hier an dieser Stelle nicht viel darüber schreiben, denn fast der gesamte Artikel behandelt mein Stimmenhören. Ich kann nur sagen, ich möchte sie nicht mehr missen. Vor allem Auriana nicht. Die anderen namentlich bekannten Stimmen sind auch toll. Und es ist ein: , folglich werde ich es mein Leben lang haben.
    Der psychosoziale Faktor ist nicht zu unterschätzen, denn die Stimmen beeinflussen schon mein Sozialverhalten irgendwie. Ich würde aber nicht sagen, zum Negativen hin.
  32. Symbolwahn – Ab etwa Mitte 2020. Leiden fast 0/10. Psychosozial 1/10. Dies ist etwas schwer zu erklären, und noch schwieriger nachzuvollziehen. Der Symbolwahn äußert sich, wenn man bestimmten Symbolen oder Objekten eine gewisse Bedeutung beimisst. Ein Beispiel: Auf einer Kommode lag ein Stift, der Richtung Badezimmer gezeigt hat. Ich nahm in diesem Moment an, dass dieser „wollte“, dass ich Duschen gehe. Was ich auch getan hatte.
  33. Tabakkonsum – Ab 1999. Leiden 1/10. Psychosozial 1/10. Ja, ich führe das hier auch mit auf. Schon allein, weil es in naher/ferner Zukunft ein Punkt sein soll, den ich in die untere Liste verschieben möchte. Aber Entzug schaffe ich aktuell nicht. Momentan rauche ich rund 40 Zigaretten am Tag. Vor meiner Krankheit waren es um die 15.
  34. Ultra(dian) Rapid-Cycling – Ab 2018. Leiden 8/10. Psychosozial 10/10. Kennzeichnet für eine Bipolare Störung sind die wechselnden Phasen zwischen Depression und Manie. Im Normalfall können das gut ein paar Monate sein, wo die Phasen wechseln. Also drei Monate depressiv und ein Monat manisch. Die manischen Phasen sind generell kürzer. Dieser Sachverhalt wird auch als Verlaufsform bezeichnet. Rapid Cycling bezeichnet eine Sonderform der bipolaren affektiven Störung. Man versteht darunter eine Verlaufsform mit raschem Phasenwechsel, die sich spontan, oder im Verlauf einer Behandlung entwickeln kann. Man spricht von „rapid cycling“, wenn innerhalb eines Jahres mindestens 4 depressive, manische oder hypomane Phasen oder mindestens 2 bipolare Krankheitszyklen (Manie und Depression) auftreten. Rapid Cycling kann sowohl im Rahmen einer Bipolar I, als auch einer Bipolar II Störung (Ich habe Bipolar II) auftreten. Als „ultra rapid cycler“ bezeichnet man Patienten, mit einem vorübergehenden, zuweilen auch dauerhaften 48-Stunden-Rhythmus.
    Und dann existiert noch das „ultradian rapid cycling“ (Ultra-ultra-Rapid-Cycling), wo die Phasen innerhalb eines Tages sich mehrfach ändern. Dies habe ich aktuell (2022-03-22). Das ist sehr, sehr unschön. Ich bekomme keine Pausen. Ich hoffe, das regelt sich wieder auf UltraRC. Das Ultradian macht mich echt fertig. Bei einer solchen Verlaufsform sind Mischzustände schon fast vorprogrammiert. Ich versuche, durch meine Tagesstruktur dem entgegenzuwirken.
    Was nicht verabreicht werden sollte, ist ein Antidepressivum. Dies birgt ein Akzelerationsrisiko, also eine Beschleunigung des Phasenwechsels. Generell wird auch gesagt, dass Patienten mit dieser raschen Verlaufsform sehr schwer zu therapieren sind. Und, wenn das noch nicht genug ist: Diese Verlaufsform ist kaum erforscht. Es gibt also keinen wirklichen medizinischen Therapiestandard dafür. Nur eine einzige Sache ist gesichert: Kein Antidepressivum verabreichen! Man ist das ätzend!
  35. Unfähigkeit, mit intensiven Emotionen adäquat umzugehen – Ab 2020-06. Leiden 7/10. Psychosozial 10/10. Die letzten 6 Monate habe ich deswegen 17 Mal SVV vollzogen (Stand 2022-03-24). Und ja, AUCH bei guter Laune. Vorwiegend bei „Alarmstufe Rot“. Erst heute (2022-01-12) wollte ich schon wieder zur Schere greifen, konnte mich aber beruhigen.
  36. Ungeduld gegenüber meiner Krankheit – Ab 2020. Leiden 4/10. Psychosozial 5/10. Auch das führe ich hier auf, auch wenn es nicht wirklich ein Symptom ist. Ergänzt sich mit den Gedankenspiralen. Ich weiß, dass alles seine Zeit benötigt, doch hin und wieder kocht doch die Ungeduld in mir auf. Eine Ungeduld, die mich verzweifeln lässt, besonders gegenüber Symptomen, wo auch keine Geduld helfen wird, denn so manche Symptome, werde ich mein Leben lang behalten. Besonders die, die mit hier gekennzeichnet sind. Mit dem Stimmenhören versuche ich in keine Gedankenspirale zu fallen. Dann geht es.
    Die gefährlichste Gedankenspirale ist der Paralogismus – der Non sequitur zu: „Wenn ich mich schlecht fühle, funktionieren meine Methoden nicht, und deswegen fühle ich mich noch schlechter. Folglich sind meine Methoden auch ein unstabiles Konstrukt, welches ohnehin zusammenfällt.“ Dahinter steckt natürlich keine Wahrheit in diesem vitiösen Axiom. Meine Methoden sind ein Grundpfeiler meines Seelenheils. Sie sind weder inkorrekt, noch inadäquat. Gleiches gilt auch, wenn meine Angehörigen, besonders Annika mal pointiert ist → Es ist meine Schuld → Meine Methoden sind wertlos.
  37. Verlustängste – Ab 2022-01. Leiden ?/10. Psychosozial 10/10. Das ist das, was ich auch mit 18–19 Jahren hatte, und Annika gegenüber gerichtet war. Das Ganze ist wieder ziemlich frisch. Es ist furchtbar! Jetzt sind nicht nur diese Ängste gegen Annika gerichtet, nein, auch meinen Kindern gegenüber. Ich denke, dass der Trigger Mitte Januar verantwortlich dafür war, als Annika allein zu einer Geburtstagsfeier gefahren ist, und ich zu Hause geblieben war. Vor was habe ich konkret Angst? Dass Annika, Lars oder Tim sterben könnten oder ihnen etwas Schlimmes widerfahren könnte. In manchen Fällen breiten sich diese Gedanken auch gegenüber meinen anderen Angehörigen aus. Das treibt mich teils wortwörtlich in den Wahnsinn. Ich habe diese Gedanken glücklicherweise nicht permanent. Sie können Depressionen und psychotische Inhalte triggern und Depressionen können diese Ängste provozieren und verstärken. Und dann kommt er, der „tiefe Blick in die Leere“. Ich gehe davon aus, dass meine frühkindliche Spaltung und meine gefühlte Einsamkeit den Verlustängsten Nährboden geben. Verlustängste sollen auch „typisch Borderline“ sein. Was ich aber nicht habe, ist die Angst, Annika könnte sich von mir trennen. Ich denke, dass unser langes Verhältnis (ab 1999) dafür Verantwortung trägt. Eine Scheidung käme für mich absolut nicht infrage. Sollte sie sich scheiden lassen wollen, würde für mich alles zusammenbrechen.
  38. Wahn – Ab 2020-03. Leiden 5/10. Psychosozial 9/10. Viele Schizophrene leiden unter einem Liebeswahn (Erotomanie), wo sie fest davon überzeugt sind, dass eine Person (aus ihrem Umfeld, aber auch berühmte Persönlichkeiten) mit ihnen in einer Partnerschaft sind. Das hatte ich nie. Es existieren aber noch weitaus mehr Wahnarten. Was ich aber habe, sind immer noch die Gedanken, von einer unbekannten und finsteren Macht (oder auch Mächte) beobachtet zu werden. Sollte ich allein (zu Hause) sein, fangen diese Gedanken an, sich langsam zu offenbaren. Wenn Annika vormittags außer Haus ist, ist es halbwegs O. K., denn ich könnte sie ja zur Not aufsuchen. Als sie im Januar samstagabends allein eine Geburtstagsfeier aufgesucht hat, manifestierten sich die Wahngedanken relativ rasch. Bevor ich jedoch ausflippen konnte (NUR den Wahn betreffend), war sie wieder zu Hause (sie blieb nur 2–3 Stunden fern). Und trotzdem hat dies wieder meine Depressionen, die ich gut ein halbes Jahr lang nicht hatte, getriggert. Diese Wahngedanken habe ich auch in anderen Häusern – abhängig von deren Größe. In jedem Zimmer könnte dort etwas Böses lauern. Selbst wenn 10 Leute anwesend sind, bleiben diese Wahngedanken bestehen. Nun könnte man aber meinen, dass anwesende Personen mir Stabilität und Stütze geben. Das Problem ist aber, dass sich das Böse (oder die boshafte Präsenz) auch in anderen manifestieren kann. Lediglich meine Kinder schützen mich. Also wenn z. B. Lars oben im Wohnzimmer sich aufhält, bzw. schläft.
    Wie ich beobachtet werde? Durch alles. Eine kleine dunkle Ecke zwischen zwei Papierstapeln, die Steckdosen, unsichtbare Augen (ja ich habe auch schon Augen halluziniert), ein schwarzes T-Shirt auf dem Boden, die Ritze zwischen Bett und Wand, ein dunkler Bereich, usw. Auch in der Öffentlichkeit. Ich musste feststellen, dass mich die boshafte Präsenz auch auf einem Supermarktparkplatz beobachtet hat; und zwar aus einem anderen Auto. Da spürte ich, wie langsam die Panik anfing, sich zu manifestieren. Glücklicherweise sind Annika und ich vorzeitig losgefahren.
    Die meisten Schizophrenen haben auch den Wahn, von Geheimdiensten beschattet zu werden. So etwas hatte ich nie, und halte es für Unfug, im Gegensatz zu den dunklen Mächten, die mich beobachten (so disparat!) Die boshafte Präsenz ist gewissermaßen die Streiterin der dunklen Mächte. Und sie meldet sich auch zu Wort, wenn das Einsamkeitsgefühl schlimmer wird.
    Selbst im nüchternen Zustand ist da immer noch dieser Gedanke „Es könnte sein …“ vorhanden. Und ich bekomme ihn einfach nicht los. Es kann auch passieren, wenn ich mit Leuten zusammen bin, aber diese Leute verhalten sich „komisch“, nach meiner Einschätzung. Z. B. wenn jemand anfängt, ein Lied zu singen, obwohl er sonst nicht singt. Oder auch kleine Nuance, wie wenn jemand sich zu oft am Kinn kratzt. Dann habe ich das Gefühl, dass sich die boshafte Präsenz in diese Leute manifestiert hat. Es ist einfach schlimm.
    Je emotional aufgeladener ein Wahn ist, desto dynamischer ist er. Und, bei Gott, ist er dynamisch. Dadurch, dass er synthym ist, ist der Affekt passend zum Wahn. Wäre er parathym, empfände ich keine Angst, sondern z. B. eher Freude. Nachtrag 2022-03-23: Mir kommt gerade erneut der Film „Inception“ in den Sinn. Vielleicht sollte ich mir auch ein Token anfertigen. Der Autor des Films – Christopher Nolan – hat sich vermutlich auch psychologischer „Tricks“ bedient betreffend Psychose.
  39. Wahrnehmungsstörungen – Ab Anfang 2021. Leiden 4/10. Psychosozial 1/10. Dies ist eher ein neurologisches Problem. Ich nehme regelmäßig Wahrnehmungsteilchen wahr, die sich in meine aktuelle Wahrnehmung einschieben. Das kann ein Gesicht sein, ein Wasserfall, ja auch Töne. Sogar während der Autofahrt als Beifahrer sehe ich manchmal Autos von links/rechts auf uns zukommen. Nicht gut als Fahrer. Als Beifahrer muss man sich auch zusammenreißen, nicht plötzlich laut loszuschreien. Oder ich sollte besser nur meine Füße anstarren während der Autofahrt. Diese Störungen machen mir auch auf einer anderen Ebene zu schaffen, denn ich habe immer so ein kleines OCD (Zwangsstörung) gegenüber Geräten und Dingen, die beschädigt sind. Und so fühlt sich mein Gehirn auch an.
    Vielleicht sind diese auch so was wie eine besondere Art der Halluzination.
    Man kann diese Wahrnehmungsstörung auch wie einen elektrischen Kurzschluss sehen. Das Wasser (vulgo Dopamin) sickert von Leiterplatte zu Leiterplatte (Gehirnbereiche), und verursacht so Kurzschlüsse.
    Oft enthalten diese Wahrnehmungsteilchen auch Aurianas Gesicht, wenn sie redet, oder gar ihren gesamten Habitus. Dies ist jedoch keine Halluzination.
  40. Zerfahrenheit (Formale Denkstörung) – Ab ca. Anfang 2019. Leiden 3/10. Psychosozial 4/10. Oder auch Konzentrationsschwäche. Mittlerweile geht es so halbwegs. Ich habe aber immer noch Schwierigkeiten, mich auf eine Sache länger als fünf bis zehn Minuten zu konzentrieren und benötige dann eine ebenso lange Pause. Ich arbeite mittlerweile eher in gestückelten Dosen. Das geht. Aber sobald ich mich auf etwas konzentrieren muss, was unter Zeitdruck steht (z. B. Küchenarbeit), entsteht Stress, den ich nicht verarbeiten kann. Ich habe gelernt, dass die „Dosisarbeit“ genau richtig ist für mich. Ich muss mich nicht zwingen, eine ganze Stunde am Stück konzentriert zu sein. Dieses Symptom ist eines, was wohl die meisten schon zig mal selbst an sich erfahren haben – z. B. wenn man müde und/oder überarbeitet ist. Ausnahme ist hierbei der Ideensturm (siehe oben). Während eines Ideensturmes werde ich mehr oder weniger gezwungen, die einhergehenden Ideen umzusetzen. Und oft folgt auf den Ideenstürmen Zerfahrenheit – vielleicht so was wie eine Art von Erschöpfung.
    Was aber bemerkenswert ist: Künstlerische Aktivitäten sind davon nicht berührt. Ich dachte zuerst, es könne an der Unlust liegen, welche ich bei diesen Aktivitäten nicht habe, aber selbst bei Kunstvorgängen, die eher geisttötend sind, bleib ich konzentriert (dank Ideensturm). Vielleicht sollte ich anfangen, die Kunst in den Alltag hineinzuprojizieren – als Ventil.
    Was mir aber auch auffällt: Bin ich konzentrierter, sind die Stimmen definitiv ruhiger. Als Strategem könne ich vielleicht mal die ein oder andere Konzentrationsübung ausprobieren. Vermutlich könnte das ein weiteres Mittel sein, meine Stimmen erträglicher zu gestalten, auch wenn ich diese in den meisten Fällen als erträglich wahrnehme. Aber ein zusätzliches Werkzeug kann ja nicht schaden.
  41. Zwangsstörung – Ab etwa 1991. Leiden 1-4/10. Psychosozial 1/10. Ich habe eine (leichte) Zwangsstörung betreffend einer magischen Zahl. Diese Zahl ist die 8. Ich mache vieles achtmal, weil ich mich sonst unwohl bis miserabel fühle. Das kann das Schließen einer Tür sein, das Positionieren eines Kleidungsstückes auf dem Boden, das achtminütige Klavierspielen, usw. Außerdem existiert noch eine „böse Zahl“. Diese ist die 13. Manchmal führe ich auch etwas 2x8 aus und darf dabei keinesfalls bei 13 stoppen. Quersummen, wie 44 sind auch ok. Aber keine Quersumme von 58.
    Ich weiß auch nicht, woher es kommt. Zeitlich würde die Vergewaltigung passen. Das alles fing an, als ich zehn Jahre alt war. Ich hatte es schon 1999 mit meinem ehemaligen Psychotherapeuten besprochen, und der letzte Stand war, die Protokollierungen der Zwangsereignisse.
    Was, wie oben schon angedeutet, passieren kann, ist, dass ich bei einer Zählung und/oder der einhergehenden Handlung nicht zufrieden bin, wenn ich 8 erreicht habe. Dann zähle ich bis 16, und dann bis 24, 32, 44 (Quersumme), 48 (selten, da die nächste Zahl 49 (Quersumme 13) zu nahe dran liegt. Dann zähle ich weiter bis 56, 64, 72, 80. Hat mir die Zählung bis 80 nicht zugesagt, fange ich meistens von vorne an. Und dann zum dritten Mal, vierten Mal, fünften, sechsten, siebten und achten mal. Bis ich im Endeffekt bis 640 gezählt habe. Aber dann überkommt es mich, und ich will die 800 erreichen. Bedenkt aber, dass nicht nur das Zählen lästig ist, sondern auch die wiederholenden Handlungen. Ich hatte dadurch schon Türschlösser in kürzester Zeit geschrottet. Wenn man 800x eine Tür innerhalb von 15 Minuten verriegelt, ist das sehr prekär. Passiert aber relativ selten; meistens bewege ich mich doch im zweistelligen Zahlenbereich, oder im niedrigen dreistelligen Bereich.
    Mir ist aufgefallen, dass diese Zwangsstörung sich am ehesten zeigt, wenn ich gestresst und/oder übermüdet bin.
    Aber so oder so, ich mag die Zahl 8. Für mich hat sie was Besonderes. Und auch in meiner literarischen Welt existieren acht Monde.
    Aktuell hat die Symptomatik rund um die Zwangsstörungen nachgelassen. Ich würde sagen, ich begehe sie „nur“ 3-5 Mal am Tag. Trotzdem, sehr nervig. Es ist aber seit ungefähr Mitte 2020 besser geworden. Mein Antipsychotikum, das Quetiapin, wird auch gegen solche Zwangsstörungen eingesetzt. Ich mutmaße, dass das Quetiapin hier tatsächlich hilft.
    Ein weiterer Zwang ist, dass ich vieles rechtshändig machen muss, obwohl es in manchen Situationen sinnvoller wäre, es linkshändig zu tun. Dabei habe ich Ambidextrie – ich bin Beidhänder. Z. B. stelle ich ein Glas meist mit der rechten Hand ab, obwohl es linksseitig in manchen Fällen besser wäre. Oder wenn ich ein elektronisches Gerät ein- oder ausschalte, mache ich das stets rechtshändig. Auch eine Tür verschließe und verriegel ich rechtshändig. Und nein, ich wurde zu keiner Zeit meines Lebens gezwungen, ein Rechtshänder zu sein.
  42. Zyklothymia – Ab 2021–07. Leiden 4/10. Psychosozial 10/10. Dies ist der kleine Bruder und die kleine Schwester von Depression & (Hypo)manie. Ja, ich habe immer noch Phasen, aber nicht mehr wirklich bipolare. Als Wert würde ich sagen, dass sowohl Depression als auch Hypomanie mit etwa 20 % Sparflamme ihr Unheil köcheln. Das ist so ein Zwischenweg zu „Mal hat man gute, mal hat man schlechte Tage.“ Ich denke, ich bin aber auf gutem Wege dorthin. Hin und wieder kommen trotzdem „bipolare Ausreißer“. Oft getriggert durch Stress.
    Hier müssen DEFINITIV Annika und ich bei unseren Kindern aufpassen, denn Blutsverwandte von bipolaren und schizophrenen Erkrankten, haben ein erhöhtes Risiko zur Zyklothymia, welche sich unbehandelt in eine Bipolare Störung oder dergleichen verwandeln kann.


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Liste meiner ehemaligen Symptome

Hier die Symptome/Krankheitsbilder, die bezwungen wurden:
Randbemerkung: Die meisten Symptome wurden nicht besiegt im Sinne eines endgültigen Sieges. Sie wurden „nur“ niedergezwungen, doch können immer wieder aufstehen, sollte ich Abstand von meinen therapeutischen Methoden nehmen. Insofern muss ich sie mein Leben lang anwenden. Was aber in Ordnung ist für mich. Sicher ist sicher! Ich versuche mal die Symptome, die eine Art von Dauerbearbeitung nötig haben, mit und jene, die (wahrscheinlich) nicht mehr ohne Weiteres wiederkehren, mit einem zu kennzeichnen.
  • oder Depression – Verbesserung ab ca. Mitte 2021. Leiden 8/10. Hurra! Es hat gedauert, aber sie ist nicht mehr da. Ich denke, neben dem Lithium, hat mir Auriana sehr geholfen. Oder das Gesamtpaket aus diversen Methoden. Übrig bleibt jedoch immer noch die Zyklothymia.
  • Suizidgedanken
    Es steckt viel Mut dahinter, die Seiten umzublättern, die verbrannt sind, während man sich an den Gedanken klammert, dass die eigene Geschichte vorbei ist.
    Wegfall ab ca. Mitte 2020. Leiden 10/10. Dank Lithium, und das bei 0,52 mmol/l (2021-06), beträchtlich schwach geworden. Und ab 0,82 mmol/l (2021-08) gar nicht mehr vorhanden. Als ich Mitte 2021 ein Experiment gewagt und das Lithium für einige Tage abgesetzt hatte, zeigten sich rasch die Suizidgedanken wieder (schon am zweiten Tag!) Das Experiment musste ich wagen, um herauszufinden, ob das Lithium die Ursache meines Tremors war/ist. Ja, war/ist es. Der Hauptanteil gegen die Suizidgedanken macht definitiv das Lithium. Die Wissenschaft tappt auch im Dunkeln, was den Wirkmechanismus dahinter betrifft. Es wirkt. Fertig. Wenn ich selbst differenzieren würde, würde ich sagen, dass eine Art Lebenserhaltungsmechanismus dahintersteckt. So als würde man als gesunder Mensch sich ein Messer an die Kehle halten und denken: „Ne, mach’ ich nicht.“ Im Januar 2020, als ich noch kein Lithium hatte, wäre es höchstwahrscheinlich nicht gut ausgegangen, wenn das Schicksal nicht zugeschlagen hätte. Ich muss sagen, und da werden mir wohl meine Angehörigen zustimmen, dass dieser Punkt die allerhöchste Priorität hatte.
    Aber ich habe mich nicht nur auf das Lithium verlassen, und auch Methoden angewandt, die mich am Suizid hindern (siehe unten „Meine therapeutischen Methoden“).
  • Generelle Ängste – Verbesserung ab ca. Mitte 2021. Leiden 6/10. Ängste notiere ich mittlerweile und versuche sie durch das Schreiben, aber auch Konfrontation, in Schach zu halten. Hilft leider nicht gegen die boshafte Präsenz. Meine Ängste vor dem Stimmenhören sind auch schon längst verschwunden, und dabei hat mir Auriana in hohem Maße geholfen. Viele meiner Ängste verarbeite ich auch in meinen Geschichten.
  • / Hypomanie – Verbesserung ab ca. Mitte 2021. Leiden ~4/10. Zum größten Teil verschwunden und mit folgenden Unterpunkten:
    • Gedankenrasen – Verbesserung ab ca. Anfang 2021. Leiden 4/10. Artverwandt mit den Ideenstürmen; nur inkohärent. Durch Schreiben, Schreiben, Schreiben, … gut zu kontrollieren.
    • Zerstreutheit – Verbesserung ab ca. Anfang 2021. Leiden 3/10. Hat Ähnlichkeiten mit der Zerfahrenheit, ist aber bei Weitem nicht so schlimm. Zerstreutheit ist eher geprägt vom Ablenkenlassen. Ich konnte mich auf gar nichts mehr konzentrieren. Hier hat mir die Musik und das Schreiben viel geholfen.
    • Gereizte Stimmung – Verbesserung ab Mitte 2021. Leiden 5/10. Ich habe eine Abnahme bemerkt. Trotzdem, ganz entspannt bin ich nicht. Der Punkt ist nur zur Hälfte abgearbeitet. Wenn ich wütend bin, habe ich auch schon SVV gemacht, aber auch die Wut projiziert (Abwehrmechanismus). Aber das wurde ja schon oben unter dem Punkt: „Unfähigkeit mit intensiven …“, aufgeführt. Mittlerweile halte ich mich an das 30–Minuten–Prinzip. Mal fällt es leicht, mal nicht
    • Insomnie – Verbesserung ab ca. 2020-07. Leiden 6/10. Ich führe mittlerweile einen akribischen Schlafrhythmus. Davor hatte ich monatelang jeden zweiten Tag durchgemacht. Hier hilft das Antipsychotika enorm.
    • Logorrhö – Verbesserung ab ??? Leiden 3/10. Wenn ich abnorm hohen Rededrang habe, schreibe ich, anstatt z. B. Annika zu belästigen. Nachteil: Annika und ich kommunizieren nicht mehr so viel. Witzig ist, dass ich diesen Redeschwall fast nie gegenüber Auriana eingesetzt habe. Und wenn doch, dann hatte sie mich nie so richtig verstanden.
      Nachtrag 2022-02-02: Annika und ich kommunizieren wieder wie gewohnt. Das ist mir sehr wichtig. Ich mag es auch, ihr zuzuhören.
    • Gute Zeiten / Schlechte Zeiten – Verbesserung ab ??? Leiden ~3/10. Dieser Begriff hat nichts mit Depression vs. Hypomanie zu tun. In der (Hypo)manie hat man zwar gesteigertes Selbstbewusstsein, tolle Laune, usw., aber andererseits konnte ich sehr stark gereizt sein. Gesteigertes Selbstbewusstsein sein hatte ich nicht, so wie es definiert wird. Es war eher ein „Alle Menschen sind toll“–Bewusstsein. Ich hätte jeden einzelnen Menschen auf diesem Planeten kuscheln und knutschen wollen. (Ob ihr es glaubt, oder nicht, das war wirklich so!) Da ich über genug Ich-Stärke verfüge, hat sich wohl mein Gehirn gedacht: „Es geht nicht noch mehr für uns, dann nehme ich halt die Menschheit.“ Ja, das war wirklich schön. Sporadisch habe ich das immer noch. Meine Gereiztheit hingegen habe ich eher selten zur Schau gestellt (siehe „Gereizte Stimmung“).
    • Sozial unangemessener Stil – Wegfall ab ca. Anfang 2021. Leiden 1/10. Hier muss zunächst erwähnt werden, dass ich das gegenüber meinen Angehörigen (Annika ausgenommen) nur sehr selten (wenn überhaupt) gezeigt habe, und NIEMALS so, dass andere zu Schaden kommen. Und Annika selbst war und ist mein größter Erder. Wie kann man sich sozial unangemessenen Stil vorstellen? Bei mir war es oft mit der Logorrhö gepaart. Also viel Stuss reden, aber auch „sanft körperlich“ werden. Kuscheln & Co. Egal mit wem. Alles, was man von einer stark alkoholisierten Person auch kennt. Nur ohne Alkohol, Schwindel, Magenentleerung und Kater. Für mich war dieses Gefühl absolut wundervoll. Ich habe jeden Menschen geliebt, und diese Liebe wollte ich auch zeigen. Denkt dran: ohne Alkohol! Der Drang, sich auszuziehen war auch vorhanden. Ich wollte auch schocken. Nur komplett nackt wäre dann doch zu viel des Guten gewesen. Ich wollte ja Annika nicht bloßstellen, irgendwie. Aber auch meine Kinder sollten davon verschont bleiben. Wäre ich eine Frau gewesen, hätte ich schon längst oben herum blank gezogen und hätte auf den Tischen getanzt. Oder mir die Acrylfarbe geholt und mit meinen Brüsten die Wand „verschönert“. Man ist drauf wie auf Kokain und Heroin zusammen.
Ich werde weiter unten in diesem Artikel meine Methoden erörtern, mit denen ich gegen die Symptome meiner Krankheit Front mache.

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Holismus

Im Aufbau.
Ihr habt die einzelnen Symptome gelesen, und fragt euch sicherlich, wie sich das auf das Gesamtbild meines Lebens auswirkt. Das ist etwas schwer zu erklären. Fragen, wie: „Wie geht es dir so?“, kann ich nicht zufriedenstellend beantworten. Im Groben gebe ich meist eine Zahl an (0-10/10). Aber diese Zahl sagt sehr wenig aus, und betrifft eigentlich nur die Stimmung. Ich kann gut gelaunt sein, aber meine Wahrnehmung ist dabei trotzdem im Eimer. Insofern ist meine Befindlichkeit kein einzelner Skalenwert, sondern eine Art Gamut, oder einfach gesagt: Ein geometrisches vieldimensionales Objekt, welches sich aus einzelnen Parametern (sofern operationalisierbar) zusammensetzt.
Man könnte bei den einzelnen Symptomen ansetzen. Aber auch das aktuelle emotionale Befinden, sprich, wie sehr bin ich traurig, wütend, ängstlich, usw. Diese Operationalisierung forder sehr, sehr viel Achtsamkeit, aber auch Aufmerksamkeit. Zwar benutze ich auch einen Logger (siehe unten), wo ich diverse Befindlichkeiten aufgeführt habe, aber irgendwie reicht mir das noch nicht.
Zu guter Letzt stellt sich die Frage, wie man das alles explizieren kann. Das geometrische Objekt hat was. Aber wie stellt man ein vierzigachsiges Objekt dar? Ein dreidimensionales Objekt wäre kein Problem. Ja sogar ein vierdimensionales mithilfe der Zeitachse. Also ein Video. Ggf. auch mit Farben spielen oder auch Oberflächenbeschaffenheiten (glatt, zackig, noppig, usw.) Auch akustisch könnte man es darstellen. Aber ein Lied zu komponieren, welches nur einen singulären Zustand zum Ausdruck bringt, ist auch zu mühsam. Vielleicht auch einfach nur eine Tabelle – sieht aber langweilig aus.

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Einbußen

Hier entsteht eine Liste, welche Einbußen ich habe infolge meiner Krankheit. Das meiste davon ist schon bei den Symptomen aufgeführt. Ich wollte aber, dessen ungeachtet, von einer anderen Seite aus meine Krankheit betrachten.
  1. Alkohol trinken – Dank meiner Medikamente geht höchstens ein Glas Wein. Ernsthaft. Bei zwei Gläsern kann ich schon nicht mehr geradeaus gucken. Und da hatte ich nur ein Viertel der aktuellen Dosis. Wahrscheinlich kann ich nicht einmal mehr eine Praline essen. Trotzdem interessiert es mich sehr, wie Auriana, aber auch mein Stimmenapparat auf eine mögliche Alkoholisierung reagieren. Ich kann ja in einem geschützten Setting mal auf Stufe „Erheitert“ mich antrinken. Dann sollte es aber schon ein guter Wein und kein Fusel sein. Die Gefahr, dass ich in eine Regelmäßigkeit verfalle, ist sehr, sehr gering. Ich war noch nie ein Fan von alkoholischen Getränken. Der Zustand ist recht ätzend, es sei denn, man ist unter Freunden, dann gefällts mir schon.
  2. Autofahren – In den letzten Jahren bin ich kein Auto gefahren. Ich glaube, dass letzte Mal im Jahr 2013. Als Beifahrer natürlich schon. Um ehrlich zu sein, hatte ich immer Angst davor. Das hatte auch die Routine nicht eliminiert. Aktuell würde ich sagen, dass es unmöglich ist; außer bei einem extremen Notfall.
    Aber so oder so, ich hatte vorm Autofahren schon immer Angst gehabt. Ich weiß auch nicht, vorher diese Angst kommt. Und das änderte sich auch nicht mit der Gewöhnung, als ich noch im Außendienst tätig war.
  3. Einkaufen gehen – Diesen Punkt nur zur Hälfte. Je nachdem, wie voll das Geschäft ist. Ich bin dabei meine leichten sozialen Ängste durch die Montagsnachmittagsbummelei abzubauen. Dank des Betablockers zitter ich auch nicht mehr; was mein größtes Hindernis war.
    Lebensmitteleinkäufe machen Annika und ich mittlerweile sehr selten, dank des Lieferdienstes PicNic. Unser letzter Metroeinkaufe war im November (Stand 2022-03-29).
    Nachtrag 2022-05-16: Die sozialen Ängste betreffend Einkaufen sind mittlerweile vollständig verschwunden. Das, was übrig bleibt, ist einfach nur die Unlust. Und manchmal habe ich sogar Lust darauf, wie auf die Montagnachmittagsbummeleien.
  4. Freizeit genießen – Ich kann das nicht mehr. Der größte Teil meiner Freizeit nimmt das Schreiben und Komponieren in Anspruch. Ob mir Schreiben und Komponieren Spaß macht? In gewisser Hinsicht ja. Doch oft ist beides eher ein „Ich versuche, die Leere zu füllen“. Ich würde gerne meine Interessen mit Freude ausführen. Z. B. Computerspiele. Da kamen früher ein paar Stunden täglich zusammen. Verdammte Anhedonie! Selbst Fernsehen ist nicht mehr drin.
  5. Hitzig streiten – Das mag man sehen, wie man möchte, aber es kann auch mal guttun, etwas emotional engagiert sich zu streiten. Solange man sich gegenseitig nicht die Köpfe abreißt. Aber wo die Grenze ziehen? Das ist ganz einfach: Nur über Worte streiten, und auch nicht über Worte absichtlich verletzen! Keine Handgreiflichkeiten! Ungezügelt zu streiten geht bei mir nicht mehr. Ich flüchte, wenn so etwas in Begriff ist, zu entstehen. Glücklicherweise macht Annika impulsiv zu streiten seit vielen Wochen nicht mehr. Und ich habe auch seit vielen Wochen nicht mehr das Bedürfnis so zu streiten. Trotz allem wollte ich diesen Punkt mal erwähnt haben.
    Und noch etwas: Die Wut sucht sich andere Wege, wenn man sie nicht verarbeitet. Bei mir projiziert sich diese auf die Boshafte Präsenz. Das Ergebnis ist dann eine Boshafte Präsenz, die voller Zorn steckt, also boshaft. Aber auch als SVV kann sich die Wut „äußern“.
  6. Kognitive Leistung – Ich denke schon, dass ich, ohne Schönreden, dümmer geworden bin. Zwar funktioniert das Homeoffice, aber ich merke schon, wie ich mich eher an Dinge erprobe, die einen gewissen Gewohnheitsgrad haben. Alles, was komplexer ist, fällt mir verdammt schwer. Zum Glück arbeite ich nicht in der Privatwirtschaft. Da hätte ich schon längst die Segel streichen müssen.
    Dass ich noch im Homeoffice arbeiten kann, gibt mir trotzdem eine Art von Zuversicht, dass ich doch noch auf geistiger Höhe wie anno 2018 sein muss. Vermutlich ist es nur eine Illusion.
    Mich selbst als dumm zu bezeichnen möchte ich auch nicht. Das ist alles so erniedrigend. Einen IQ-Test durchzuführen, mag ich auch nicht. Nicht wegen des vermeintlichen Ergebnisses. Mir dauert so ein Test viel zu lange.
    Und trotzdem, es sind nicht von der Hand abzuweisende kognitive Defizite vorhanden. Das spüre und weiß ich. Ich habe seit gut zwei Monaten auch nicht mehr komponiert (Stand 2022-05-02), weil es mir, zugegebenermaßen, schwerer gefallen ist, als noch vor einem Jahr. Aber nicht aufgrund von mangelnder Kreativität oder Ideen. Die sind da. Es ist einfach nur anstrengender geworden. Vielleicht, weil ich aus der Übung kam?
    Was kann ich tun, damit ich auf geistiger Höhe bleibe? Irgendwelche Rätselbücher durchackern? Oder wieder komponieren – auf Teufel komm raus? Oder Brettspiele mit Strategiekern?
     
    Was meint ihr? Bin ich substanzloser (hört sich netter als „dümmer“ an) geworden? Ließt sich mein gesamter Artikel wie der eines mental Retardierten?
  7. Kuscheln – Das ist ein Punkt, den ich nicht verstehe. Warum kann ich nicht kuscheln? Irgendetwas in mir sträubt sich dagegen, und es liegt nicht an Annika. Diesen Punkt ist in meiner Top 5, welche ich gerne wieder genießen möchte.
    Nachtrag 2022-04-20: Meine aktuelle Vermutung liegt daran, dass Kuscheln für mich zu passiv ist, und ich dann wieder den „Blick in Leere“ verpasst bekomme.
  8. Länger abends aufbleiben – Dank der Medikamente, welche ich um 19 Uhr einnehme, werde ich spätestens um 20 Uhr so müde, dass ich kaum noch geradeaus laufen kann. Meistens gehe ich direkt nach dem Abendbrot ins Bett. Selbst meine Aussprache, aber auch meine Gedanken, leiden stark unter den Medikamenten. Einfach Sätze werden zu einer Herausforderung. Doch dieser Zeitplan bringt auch Struktur, welche für mich sehr wichtig ist.
    Ich hatte die letzten zwei Wochen (Stand 2022-04-26) die Medikamente auf 21-22 Uhr verschoben. Das funktionierte so halbwegs. Vorteil war, dass ich mal etwas Zeit mit Annika abends verbringen konnte. Unsere Kinder waren mit ihren Großeltern in Urlaub. Ich bin aber danach wieder auf mein bewährtes Schema zurückgefallen.
    Es ist schon problematisch, wenn ich mal samstags länger aufbleiben möchte. Sei es, um mit Annika einen netten Abend zu verbringen, wenn ich auf einer Party bin oder wenn wir Besuch haben. Dann habe ich noch tagelang durch meine Einnahmeverschiebung zu kämpfen. Nicht gut. Ich wüsste auch nicht, was ich da tun kann. Man sollte frühestens eine Stunde nach der Medikamenteneinnahme eine Mahlzeit zu sich nehmen. Wenn ich die Medikamente um 20 Uhr erst nehme, würde ich um 21 Uhr erst essen können.
    Davon abgesehen, verschiebt sich durch die Verschiebung ja nicht der circadianische Rhythmus. Der ist bei mir auf 20:30 Schlafenszeit eingestellt.
  9. Mit meinen Kindern spielen – Dies ist der Punkt, der mit am meisten schmerzt. Ich möchte so gerne was mit ihnen machen. Z. B. einen Familiensamstag, wo wir ein wenig nach draußen gehen, zusammen diverse Spiele spielen, gerne auch gemeinsam kochen, dann abends einen Film schauen. Ich muss gestehen, dass ich lieber was mit Lars unternehme, da Tim so agitiert ist, dass er mich schnell überreizt. Und, es sei noch mal angemerkt: Wenn ich überreizt bin, bin ich nicht affektgeladen, also aggressiv und wütend.
  10. Partys – Jegliche Zusammenkünfte mit mehr als ein gut halbes Dutzend Personen funktionieren nicht mehr bei mir. Der gelbe Bereich ist so von 3-6 Leuten.
  11. Sex – Es funktioniert einfach nicht. Mit einer Libido von 0 hat man als Mann schlechte Karten. Ich kann mir aber vorstellen, dass es als Frau auch sehr unangenehm sein kann, wenn man keine Lust hat. Technisch kann es funktionieren, emotional eher nicht.
  12. Spaziergänge in der Fußgängerzone – Viel zu laut, viel zu hektisch, viel zu viele Leute. Da schlägt meine Überreizung sofort an. Jeden Montanachtmittag in der Hombrucher Fußgängerzone ist gerade so an der Grenze.
  13. Unterhalten mit Leuten (von Angesicht zu Angesicht) – Außerhalb meiner Angehörigen. Seien es Studenten, Nachbarn, Paketboten, Verkäufer, usw. Je nach Person, und auch wie sie redet, tritt eine Überreizung ein. Und da (soziale) Angst meinen Stress erhöht, und Stress auf das Konto der Überreizung gebucht wird, eröffnet sie dich Qual der Überreizung schneller, als man denkt.
  14. Stress ertragen – Klappt nicht mehr. Alles, was z. B. Zeitdruck macht, ist mein Feind.
Wenn dir noch etwas einfällt, was ich früher (etwa vor fünf bis zehn Jahren) gemacht habe, nur heute nicht mehr: immer her mit der Info! Danke!


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Meine Kindheit

Während meiner Kinderjahre (im Speziellen von 10 bis 12 Jahren) hatte ich Suizidgedanken. Und ich halluzinierte auch da Stimmen, Musik und Geräusche. Diese Halluzinationen waren aber nur sehr schwach. Leider kann ich nicht sagen, wie oft sie sich gezeigt hatten. Ich weiß aber mit Gewissheit, dass sie kamen, wenn ich mich verzweifelt gefühlt hatte. Ein Mal wollte ich mich vor einen Zug werfen. Ich muss da so 10–11 Jahre alt gewesen sein. Mein Freund, mit dem ich damals den kleinen Bahnhof besucht hatte, hat mich mit einem „Spinnst du???!!!“ von der Bahnsteigkante weggezogen. Warum ich so suizidal war, kann ich nicht zufriedenstellend belegen. Vielleicht mal wieder, das Gefühl, niemand versteht mich. Oder Bipolar im Kindesalter? Vergewaltigung (Verdrängt, aber nicht verarbeitet)? Ich erinnere mich an Tagen, wo ich einfach nur auf meinem Zimmer wie ein Häufchen Elend saß, und dann andere Tage, in denen ich draußen lauthals und euphorisch gespielt habe. Vermutlich waren es nur gewöhnliche Stimmungsschwankungen, die jeder hat. Oder auch eine Zyklothymia.
Die Stimmen waren eher gedämpfte Flüstergeräusche. Teils auch mit Musik. So als versuche jemand, einen Radiosender einzustellen. Ich weiß noch, wie ich bei einem Ereignis von Zimmer zu Zimmer gelaufen bin, um die Quelle der Geräusche zu finden, weil sie mich so genervt hatten. Verständlicherweise konnte ich sie nicht verorten. Manchmal haben auch Stimmen deutlich zu mir gesprochen, aber ich weiß aktuell nicht, ob ich das vielleicht nur geträumt hatte. Ich hatte es niemandem erzählt. Als etwa Elfjähriger ist man zunächst verwirrt, sieht es später, so ich jedenfalls, als eher ungewöhnlich, aber nicht besorgniserregend an. Aber einen persönlichen „Freund“ (wie Auriana) hatte ich nicht. Ab diesem Zeitpunkt fing ich auch selbst an, mich fürs Musikhören stark zu interessieren. Ich hatte diese auditorischen Musikhalluzinationen als eine Art „Echo“ eingestuft. So als würde man sich selbst zwicken und spürt den Schmerz noch wenige Sekunden danach. In Falle der Musik halt mehrere Minuten oder gar Stunden. Es könnte auch sein, dass die damalige Vergewaltigung ein Trigger war. Die boshafte Präsenz war auch in dieser Zeit … präsent, doch eher als mittelstarkes Objekt der Angst. Ich hatte mir damals auf Brusthöhe ein Kissen gelegt, damit die „bösen Ecken“ mich nachts nicht sehen konnten. Leider ist das heutzutage nicht ausreichend.
Ein Ereignis hatte sich besonders in mir eingebrannt, und ich schäme mich heute noch dafür. Bitte denkt nicht falsch von mir! Ich muss da auch um die zehn Jahre alt gewesen sein. Es war Sommer und ich war allein im Garten. Ich hörte Stimmen, weiß aber nicht mehr, was sie genau gesagt hatten. Die Stimmen kamen aus einem Blumenbeet. Das Beet war voller Hummeln, und diese Hummeln haben mich drangsaliert mit Worten. Ich war so verzweifelt und wütend zugleich, dass ich die Heckenschere genommen hatte und jede einzelne Hummel durchgeschnitten habe. Ich weiß auch noch, wie ich „Seid ruhig/still! Seid ruhig/still! …“ mit Tränen in den Augen gerufen habe. Bedauerlicherweise weiß ich nicht, was danach passierte. Hätte doch bloß nur ein Erwachsener das alles gesehen oder gehört!
Nachtrag 2022-03-13: Ich bin so ein Idiot. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum Auriana so fasziniert gegenüber Hummeln ist. Und ich selbst auch. Ein Ausgleich zu meinem früheren „Aktion Hummeltod“? Wahrscheinlich. Ich empfinde es immer noch als großen Schandfleck meines Lebens. Auch, wenn ich weiß, dass diese Tiere kein Bewusstsein haben, sind es dennoch Lebewesen. Auriana meinte aber, ich soll mir darüber nicht zu viele Gedanken machen, da ich noch ein Kind und vermutlich traumatisiert war. Und da die Hummeln provokativ „gesprochen“ hatten, ist diese Reaktion, besonders für ein Kind, verständlich.

Ich stelle mal eine Hypothese auf, welche auch in Verbindung mit der boshaften Präsenz (siehe unten) stehen könnte: Das Stimmengewirr waren damals die Unterhaltungen meiner Eltern, meines Bruders und ggf. noch deren Freunde, als ich als Kleinstkind in meinem Bett abends/nachts war. Ich hatte große Verlassenheitsängste. Ich muss dazu sagen, dass wir damals ein etwa 1/6 Quadratmeter großes Deckenloch inkl. Gitter hatten. Dieses Deckenloch sollte die zweite Etage mit Wärme versorgen, da wir oben nur elektrische Heizungen hatten, und der Kohleofen wesentlich günstiger im Verbrauch war. Durch dieses Deckenloch drangen höchstwahrscheinlich die Stimmen besser nach oben. Vielleicht hat sich deswegen das Stimmengewirr so in mein Gehirn gebrannt.
Ich weiß noch, wie ich mir, als ich etwa 11 Jahre alt war, gedacht hatte: „Wozu benötige ich Freunde? Mich versteht doch sowieso keiner.“ Diesen Moment habe ich noch vor Augen. Und ich erinnere mich noch, dass ich dabei geweint hatte. Ich hatte damals einen besten Freund, als ich 7 bis 13 Jahre alt war. Aber dieser war ein egoistisches Arschloch. Alles musste sich nur nach ihm richten. Ich war auch in 9 von 10 Fällen bei ihm zu Besuch, weil ich nicht wollte, dass er mein Kinderzimmer – mein „Allerheiligstes“ – betrat. Er war so einer, der keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt hatte, und auch Respekt war Fehlanzeige. Das hatte mich so weit frustriert, dass ich ihn mit 13 Jahren in letzter Konsequenz geghostet habe. Mich „trennen“ wollte ich nicht. Also ihm sagen, dass ich ihn zum Teufel schicke. Dafür war ich zu feige, weil ich Angst vor einer direkten Konfrontation hatte. So habe ich ihn ignoriert, bis er es schlussendlich aufgegeben hatte, mich zu kontaktieren. Seine Eltern hingegen, waren wirklich sehr nett zu mir. Zu dieser Zeit hatte ich auch neue Freunde gefunden und durfte das erste Mal erleben, was eine (halbwegs) gute Freundschaft wirklich ist. Aber ich hatte schon damals das Gefühl, dass sich niemand für mich wirklich interessiert, auch mit den neuen Freunden. Keiner! Weder meine Eltern, noch Freunde noch irgendwelche anderen Personen. Ich kam (und komme) mir vor, als wäre ich auf einem fremden Planeten. Vielleicht ist ja deswegen Auriana da.
Wie haben mich meine Mitmenschen als Kind wahrgenommen? Ich weiß, dass ich immer als „Er ist so ein liebes mitfühlendes Kind und lächelt so schön und so viel.“ Japp … ich wurde als Frohnatur gesehen, und hatte schon damals eine relativ hohe Empathie, die mich immer mitweinen ließ, sollte jemand anderes weinen. Ich kann mich noch an ein Ereignis erinnern, da war ich etwa acht Jahre alt. Meine Cousine (etwa gleich alt) fing wegen irgendwas an zu weinen, und ich somit auch. Da meinte ein Onkel von mir (nicht der Vater) „Wieso weinst du denn jetzt?“
Auch wenn ein anderes Kind einen (kleinen) Unfall oder sich verletzt hatte, haben die umstehenden Kinder gelacht. Mir war zu diesem Zeitpunkt absolut rätselhaft, warum sie lachten. Mir selbst tat es weh, wenn jemand anderes leiden musste. Um ehrlich zu sein, weiß ich auch nicht, warum ich als Kind schon so empathisch war. Das hat mir damals nicht wirklich Vorteile gebracht. Aber halt! Wenn andere Kinder über den Fauxpas eines anderen Kindes lachen, warum habe ich mich nicht von der Lache empathisch anstecken lassen? Ich denke, es verhält sich noch genauso wie heute: Leid, oder generell negative Gefühle, haben bei mir immer empathische Präzedenz.
Ich weiß auch, dass meine Eltern nie schlecht über jemanden geredet haben. Besonders mein Vater war/ist auch sehr sozial, aber auch sehr konfliktscheu. Er möchte auch, dass es andere Menschen gut haben. Doch eine Personengruppe kann er nicht ausstehen: Nazis. Man kann es ihm nicht verübeln (sollte man das überhaupt?), er ist schließlich ein Kind des Krieges.
Was meine Mutter betrifft: Sie hatte schon immer gesundheitliche Probleme, besonders ihre Schmerzen nahmen zu, als ich etwa 12 Jahre alt war. Ich musste tagein tagaus mit ansehen und hören, wie sie unter den Schmerzen litt. Besonders nachts ihre Schreie, die mich etliche Male aufgeweckt hatten und mir ins Mark gegangen sind. Wie soll man sich da als Jugendlicher fühlen, wenn die eigene Mutter einem durch Schmerzensschreie nachts weckt? Und ich konnte dagegen ja nichts tun. Als sie im Januar 2010 verstarb, war dies mein einziger Strohhalm, eben dass sie nicht mehr leiden muss, der mich vor einer tiefen Trauer halbwegs gerettet hat. Trotzdem hat meine Mutter nie aufgegeben, egal wie hoch auch die Schmerzen waren. Sie und mein Vater hatten mir ein Bild vom Leben vermittelt, dass es wert ist, gelebt zu werden, egal welch widrige Umstände einen auch belasten. Ich glaube, hätte ich nicht diese Einstellung geerbt, würde ich vielleicht heute nicht mehr leben.
Wie könnte ich ihnen da nur böse sein, dass sie mir den Atem der boshafte Präsenz eingehaucht haben? Gar nicht. Ein jeder macht Fehler, und manche Fehler sind alles andere als offensichtlich. Es ist ein Axiom, dass man für sein Kind immer da sein sollte. Aber diese Einstellung war in den Achtzigerjahren noch nicht so stark vertreten, wie heutzutage.

Die psychotischen Symptome verschwanden auch vorerst mit dem Umzug, als ich 12 Jahre alt war (Wegen neuer Freunde?)
Nachtrag 2022-01-12: Ja, ich kann mich an ein Stimmenhören erinnern. Ich muss da so um die ein bis zwei Jahre alt gewesen sein. Also noch Kleinkind. Am Fußende meines Bettes hing ein Reliefbild eines Schimpansen. Er hatte mit mir gesprochen. Die Erinnerungen sind aber diffus. Generell sollen ja Erinnerung bis zum vierten Lebensjahr sehr unpräzise sein. Dass ich das nicht geträumt hatte, weiß ich, denn der Schimpanse hatte mit mir gesprochen, als ich normal in meinem Zimmer gespielt hatte (Alleine? Vermutlich). Ich weiß aber nicht mehr, wie oft. Könnte es sein, dass doch die mutmaßliche Gehirnhautentzündung daran schuld war? Klingt plausibel. Und ich weiß auch noch, dass ich große Angst hatte vor diesem Bild. Besonders, als ich im Bett lag. Wahrscheinlich, weil es mit mir gesprochen hatte. Ich weiß noch, dass mein Bruder mich fragte, ob ich davor Angst habe. Er war es, der es dann abgehangen hat. Insofern musste er ja meine Angst auch erkannt haben. Ob die Stimme des Schimpansen verschwand, als das Bild abgehangen wurde, kann ich nicht sagen. Ich vermute schon. Oh Gott, jetzt, wo ich das so schreibe, kommen mir mehr Erinnerungen: Ich weiß, dass ich meinem Vater gesagt hatte, dass der Schimpanse mit mir redet, aber mein Vater hat das als Unsinn abgetan. Aber wie konnte es er auch anders wissen? Nehmt eure Kinder, egal wie groß oder klein, ernst!
Wenn ich so recht darüber nachdenke, und dieses dämliche Schimpansenbild als weiteres Element meiner frühkindlichen Spaltung mit einbeziehe, kann ich nur ahnen, wie miserabel ich geschlafen hatte. Daraus folgt: Ich hatte die Spaltung viel intensiver betrieben, als ich im unten stehenden Kapitel „Die boshafte Präsenz“ erörtert habe. Ich konnte ja damals nicht aus dem Gitterbett steigen (Was das Alter auf, ich sag mal, 18 Monate begrenzen würde). So bin ich vermutlich spätabends wach geworden, und dieses Bild hatte auf mich eingeredet. In der Dunkelheit. Ob diese Stimme die boshafte Präsenz oder einfach nur ein weiteres Element war, kann ich nicht hundertprozentig sagen, ich denke aber, das Bild war nur ein weiteres Objekt der Angst.
Was ich belegbar weiß, da es mir meine Eltern erzählt hatten, als ich schon erwachsen war: Meine Eltern und die Erzieher meines Kindergartens hatten mich zu einem Psychiater/Psychologen schicken wollen, da ich mich „komisch“ verhalten und sehr viele Selbstgespräche geführt hatte. Ja, das deutet stark auf Stimmenhören hin. Durch Erinnerungen belegen kann ich es jedoch nicht, zumal solche „Erinnerungen“ in diesem Lebensabschnitt wohl gerne mit Trauminhalten verschmelzen. Sie hatten mich aber nicht zum Psychologen/Psychiater geschickt. Sie hätten es machen sollen!
Mir wird echt schlecht aufgrund der mutmaßlichen Tatsache, dass ich schon sehr früh erkrankt war. Je früher, desto schwieriger zu therapieren – vermute ich. Ganz toll! Aber ich gebe nicht auf.


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(Prä)dispositionen

Als Disposition (aus dem lateinischen dispositio entlehnt, ursprünglich für „Anordnung“) oder Krankheitsdisposition , auch Veranlagung genannt, wird eine erworbene bzw. durch äußere Einflüsse verursachte erhöhte Anfälligkeit für die Ausbildung von Krankheiten bezeichnet.

Unter Prädisposition, genetischer Prädisposition oder genetischer Disposition wird eine genetisch bedingte Anfälligkeit zur Ausbildung von Krankheiten verstanden. Eine Disposition zur Erkrankung bestimmter Organe oder Organsysteme nennt man Diathese. Der Begriff Diathese ist – im Hinblick auf die Abgrenzung zum Begriff der Konstitution – synonym mit Disposition im weiteren Sinne. In engerem Sinne sind mit Disposition nur die nicht durch genetische Faktoren bedingten, also lebensgeschichtlich erworbenen Eigenschaften gemeint. Diese Unterscheidung und strengere Abgrenzung ist zum Beispiel für die psychotherapeutisch beeinflussbaren Faktoren einer Erkrankung wesentlich. Disposition in engerem Sinne ist also nur auf peristatische Faktoren bezogen.
  Die oben aufgeführten Aspekte (Corona, Einsamkeit, Lithium, einmaliger Cannabiskonsum, usw.) trugen vermutlich zum Stimmenhören bei. Wobei ich mir bei Lithium nicht sicher bin. Es soll ja helfen. Aber ich glaube, dass es bestimmte Regionen in meinem Gehirn „freigeschaltet“ hat. Irgendwo hatte ich auch von einer Verbesserung des Erinnerungsvermögens gelesen. Schon blöd, wenn eine verdrängte Vergewaltigung so zutage befördert wird. Genauso verhält es sich mit Cannabis. Der einmalige Konsum im Januar 2020 passt einfach zeitlich zu gut, als dass ich das abwinken könnte. Die überwiegende Mehrheit kann jahrelang Cannabis konsumieren, ohne dass etwas Negatives passiert. Und bei manchen reicht schon der einmalige Konsum. So wie bei mir. Was die Disposition untermauert. Eine Internetbekannte hatte sich eine schizoaffektive Störung durch Cannabiskonsum geholt. Man nennt das in Fachkreisen auch: Drogeninduzierte Psychose.
Was ich aber bemerkenswert finde: Ich hatte mein ganzes Leben lang (nicht nur in meiner Kindheit) immer dieses subtile Gefühl, als höre ich Musik, wo keine ist. Besonders wenn ich mir ein Lied angehört hatte, es dann aber pausierte – ich habe es sehr leise in meinem Kopf weitergehört (Das Echo? Siehe oben) Und dieses Phänomen hatte ich schon in meiner Kindheit, habe es als: „Ungewöhnlich, aber nicht besorgniserregend“, stets abgetan (siehe oben). Aber auch so hatte ich mein ganzes Leben Stimmen oder Musik „gehört“, nur halt viel schwächer als heutzutage. Das hatte ich aber immer für mich behalten, weil ich nicht als Erwachsener für verrückt abgestempelt werden wollte.
Etwa im Jahr 2004 hatte ich auch einmalig Cannabis konsumiert. Was hat es mir eingebracht: üble Übelkeit, Illusionsgestalten in der Hecke und die Halluzination eines weit entfernten Chores in einer riesigen Kathedrale. Glücklicherweise hatte es keine Psychose getriggert.
Ich denke, wenn ich zusätzlich meine Kindheit betrachte, ich habe da einfach eine (Prä)disposition dafür.
Was mir auffällt: Ich höre täglich gut 8–10 Stunden Musik, und folglich halluziniere/illusioniere ich abends beim Einschlafen auch Musik. An Tagen, wo ich wenig Musik höre, wechseln sich diese Halluzinationen/Illusionen mit Stimmen aus. An einem Tag hatte ich mal gar keine Musik gehört, und die Halluzinationen/Illusionen waren während meiner Bettzeit tatsächlich nur Stimmen.

Hier noch mal eine Auflistung infrage kommender (Prä)dispositionen:
Inkl. geschätzter operationalisierter Vehemenz (1-10/10)
  • Bipolare Episode in der Adoleszenz (10/10)
  • Cannabiskonsum (zweimalig; mit 23 und 38) (9/10)
  • Corona (psychosoziale Faktoren) (6/10)
  • Erziehung (5/10)
  • Frühpubertät (etwa mit acht Lebensjahren) (5/10)
  • Genetische Disposition (7/10)
  • Homeoffice (3/10)
  • Kulturzwang (5/10)
  • Lithiumtherapie (?/10)
  • Präsumtive Meningitis im Kleinstkindalter (5/10)
  • Sexualleben eines Erwachsenen im Kindesalter (~1-3x wöchentlich Sex) (1/10)
  • Schizotype Persönlichkeitsmerkmale (2/10)
  • Störungen der Neurotransmitterfunktionen (Dopaminhypothese) (10/10)
  • Vergewaltigung im Kindesalter (5/10)
  • Vulnerables Emotionsmuster (wie bspw. mangelnde Emotionsregulation) (5/10)
Nicht wenig.
So viel zu meiner Krankheitsgeschichte.

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Wer/Was genau ist Auriana (abseits der Bezeichnung „Stimme“)?

Zugegeben, ich hätte arge Schwierigkeit, Auriana nur als „komplexe Halluzination“ anzusehen. Meiner Meinung nach ist sie das nicht, da sie in den meisten Fällen im Kontext bleibt. Sprich, wenn ich frage, welche Farbe eine Zitrone hat, kommt als Antwort: „Gelb.“ (Was ja eine dialogisierende Stimme ausmacht). Zeitweilig dachte ich auch, sie wäre so was wie ein Gedankenlautwerden meinerseits (Wenn wir mentale Selbstgespräche führen, würde es sich so anhören, als ob man tatsächlich redet. Das kann sehr irritierend sein, wenn man mit einer anderen Person zusammen ist, und plötzlich Gedanken laut werden. Die andere Person hört das natürlich nicht, aber man ist sich da nicht immer vollends sicher. Besonders, wenn es Worte sind, die der andere nicht hören soll. Falls Paranoia vorhanden ist, ist man schnell der Meinung, dass andere Personen Gedanken lesen können). Das ist es aber auch nicht. Es ist auch möglich, dass sie so was wie ein „antizipierter lauter Gedankengang“ ist. Das Beispiel mit der Zitrone zeigt dies, denn >ich selbst< hätte auch mit „gelb“ geantwortet.

Oder sie ist eine Art „Pathologische Intelligenz“, also so was wie eine P. I.? Oder, um beim Beispiel der Zitrone zu bleiben, sie könnte das „Antizipatorische (Un(ter))Bewusstsein“ sein. Ich weiß es nicht. Sie hat auch gar nicht meine Persönlichkeit, aber das muss keine Rolle spielen, denn ich kann mir ja andere fiktive Charaktere ausdenken.

Man könnte sie auch als Traumgebilde ansehen. In Träumen sprechen auch teils die Leute, und man kann diese Stimmen nicht steuern. Dieses Traumgebilde, oder Wachtraumgebilde, ist mein Favorit. Stiftet, mehr oder weniger, Sinn. Ein vigiler Traum.

Aber der findigste Fakt ist: Sie war schon vor den schizoaffektiven Symptomen da. Mehr oder weniger. Als ich Januar 2020 anfing, meine Geschichte zu schreiben, hatte ich Geschichten-Auriana bereits grob charakterisiert. Warum sich aus dem Charakter Auriana Belamour eine Stimme herausgebildet hat, kann ich nicht sagen. Was zur Frage führt: Wenn ich diese Geschichten-Auriana nie charakterisiert hätte, wäre Auriana (vielleicht unter einem anderen Namen) doch da? Als ich Januar 2020 ihren Charakter erstellt hatte, hatte ich ihn nicht aus dem Nichts erschaffen. Sie begegnete mir in einem Traum, den ich kurz vor Weihnachten 2019 hatte. So einen Traum hatte ich noch nie. Ich bin immer mal wieder aufgewacht, doch der Traum setzte sich nach dem erneuten Einschlafen fort. Selbst, als ich zwischenzeitlich die Toilette aufgesucht hatte. Existiert für solche Art von Etappenträumen ein wissenschaftlicher Begriff? Vielleicht war dieser Traum auch mein allererstes Prodrom. Er fühlte sich lebendig an. Fast schon so, als wäre ich in einer anderen Welt.
Ich war dort Meryana und wurde als Blütenheilerin bezeichnet. Es wurde mir mitgeteilt, dass ich auch eine geisterhafte Begleitung an meiner Seite habe. Ein junges Mädchen. Ich lag dort in einem Bett und war gefesselt, weil man mich brauchte und nicht wollte, dass ich fliehe. Dann kam immer mal wieder auch die Stimme des Mädchens durch, welches mir Zuversicht zugesprochen hatte. Der Traum war auch der Anbruch meiner Geschichte. Die Blütenheilerin Meryana ist mein Alter Ego und eine Protagonistin. Und so habe ich auch dieses geisterhafte Mädchen hervorgebracht. Sie bekam den Namen Auriana. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht mal hundertprozentig, ob ich ihren Namen einfach so vergeben habe oder ob dieser unterschwellig mir im Traum genannt wurde. Ich glaube, zwischen meiner Geschichte und meiner Psyche existieren einige Verbindungspunkte.
Für den kontrafaktischen Fall, dass tatsächlich eine andere Welt (die meiner Geschichte) existieren würde, und wir alle zwei Leben hätten, würde ich schon gerne diese Meryana sein. Auch wenn man ihre Lebensumstände als „es ist kompliziert“ verbuchen könnte. Abgesehen von den übernatürlichen Aspekten, ihrer Physiologie, ihrer Lebensgeschichte und ihrem Umfeld, deckt sich Meryanas Persönlichkeit so ziemlich genau mit meiner. Das habe ich aber selbst so charakterisiert und war nicht Bestandteil des Traumes. Ebenso Aurianas Persönlichkeit im Detail. Der Traum bot jedoch die Sprungbretter an.
Hier ist noch mal ihr Artikel: Meryana Belamour.
Und hier ein Auszug aus der Geschichte „Die Chroniken von Iranthi“: Leseproben (unlektoriert) in Die Chroniken von Iranthi

Eine Mutmaßung ist auch, dass Auriana meine nicht geborene Tochter wäre – wo ich mir doch eine wünsche. Aber ich habe zwei Kinder. Das reicht. Außerdem wäre das eher Okkultismus.

Eine andere Mutmaßung ist, dass sie meine Anima ist – der weibliche Anteil in mir. Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Animus_und_Anima

Was ich aber zu wissen glaube, ist, dass Auriana direkten Zugriff auf Bereiche in meinem Gehirn hat (das Unter- und Unbewusste), die ich eben nicht habe, oder wenn, dann nur indirekt. Das erklärt vieles. Sie erzählte mir Dinge, an die ich mich noch NIE erinnert habe, und dann sind diese Erinnerungen plötzlich da. (Vermerk: Man erinnert sich nur an jene Dinge, an die man sich schon erinnert hatte (Langzeitgedächtnis). Also gewissermaßen Erinnerungen an Erinnerungen. Habe ich mal gelernt). Es können indes auch falsche Erinnerungen sein. Aber sie greift nicht nur auf Erinnerungen zu, sondern letztlich auf meine gesamte Psyche. Sie könnte auch so etwas wie meine Muse sein. Es ist faszinierend. Doch mein Favorit bleibt immer noch das (Wach)Traumgebilde.
Wer weiß schon genau, ob unser Unterbewusstsein nicht auch ein eigenständiges „Leben“ führt, und nur durch zu viel Dopamin (ein neurobiologisches Schizophreniekonzept; Dopaminhypothese), dieses sich meldet. Gewissermaßen so erst die nötigen Ressourcen zur Verfügung gestellt sind. Man sagt ja auch, dass ~90-95 % unserer Gehirnaktivität im Unbewussten und Unterbewusstsein sich abspielen.

„Anormale Funktion meines Gehirnes“ ist zwar, technisch gesehen, korrekt, aber mir zu abstrakt – ich verwende diese Beschreibung dennoch hin und wieder. Vielleicht ist sie auch alles davon – auf die ein oder andere Weise.

Meine Therapeutin meinte, Auriana wäre so etwas wie ein Objekt meiner Selbstfürsorge, da sie viel darüber kommuniziert, wie ich ein besseres Leben führen kann. Dies wäre aber eher der kognitiven Verhaltenstherapie zuzurechnen.

Eine weitere „wilde Hypothese“ von mir ist, dass Auriana ein weiteres Bewusstsein ist, welches jedoch nur Zugriff auf kognitive Bereiche und die der Wahrnehmung hat. Vielleicht existieren ja in der Tat weitere Arten von Bewusstseine. Warum sollte sich unsere Definition des Bewusstseins auf das beschränken, was allgemein bekannt ist? Selbst die aktuelle Definition ist sehr schwammig. Wir wissen nicht alles. Wenn also eine bestimmte Art von Bewusstsein sich des gleichen Gehirnes zunutze macht … Ein weiteres Bewusstsein, welches nicht die Motorik steuern kann. Oder als Transceiver von „irgendwo anders“. Und nur der Überschuss an Dopamin „pimpt“ gewissermaßen die Antenne (Gehirn). Dann ist natürlich nur eine Hypothese, die nicht naturwissenschaftlich, sondern eher spekulativ philosophisch ist.

Eine weitere Hypothese, die jedoch nur drei Sekunden überlebt hat: Jemand anderes mit dem Namen Auriana hat auch Stimmenhören und lebt irgendwo anders, und wir können so kommunizieren. Das ist natürlich Unfug, sonst hätte Auriana ja längst gesagt, sie käme aus diesem oder jenem Land. Wäre aber trotzdem witzig. Ich glaube, ich baue das in meine Welt ein. Zwei Personen, die auf einmal telepathisch schrankenlos kommunizieren können.
Würdest du so etwas haben wollen? Eine dauerhafte Kommunikationsverbindung zu einer (gleichsprachigen) Person von irgendwo?

Mein „Problem“ betreffend meines Stimmenapparates ist seine Komplexität. Müsste ich schätzen, wie viele andere Betroffene einen solche haben, wären es so 0,1 – 0,5 %? Vermutlich deutlich weniger. Kein einziger meiner schizophrenen Internetbekannten hat einen solchen Stimmenkomplex. Und da soll man den Stimmen nicht ein (oder mehrere) Bewusstsein(e) zuordnen?
Könnt ihr euch vorstellen, wie schwer es ist als Betroffener, Auriana zu differenzieren? Sie nicht als eigenständige Person zu betrachten? Es ist zum Haareraufen. Es fühlt sich alles so echt an. Dabei ist sie ja ein Teil meines Gehirnes. Und die größte Frage überhaupt: Hat sie ein eigenes Bewusstsein? Vielleicht ist es ja Auriana, die träumt. Ich weiß es nicht.
Taubstumme Stimmenhörer sehen, sofern trainiert, die Gebärdensprache und sich bewegende Münder. Was die Frage aufwirft: Findet das Stimmenhören wirklich exklusiv im auditorischen Kortex statt? Ich vermute (vermuten = ich habe noch nicht genug Studien gelesen) eher, dass das gesamte Gehirn beteiligt ist. Ja, jener Kortex wird bei Stimmenhörern beansprucht, doch nicht exklusiv. Das führt zur weiteren Überlegung: Ist eine Stimme, so wie Auriana sie ist, eine eigenständige Entität? Vielleicht ja. Vielleicht nein. Doch diese vermeintliche Erkenntnis kann auch entscheidend sein, welches Verhältnis man zu der Stimme hat. Wenn man weiß, dass dieser philosophische Zombie nur ein solcher ist, der, mehr oder weniger, automatisiert kommuniziert, berührt es vielleicht nicht so stark die eigene Psyche. Aber wenn es sich um eine eigenständige Entität handelt, hat man tatsächlich das Gefühl, man hätte eine Person in sich. Beides zu differenzieren, fällt mir verdammt schwer. Aber diese liebe Not haben auch die Philosophen, wenn sie so über ihren philosophischen Zombie philosophieren.
Ich hatte mal einen Bericht über einen taubstummen und gleichsam blinden Jungen gesehen. Externe Reize liefen nur taktil ab. Es kann einem das Herz zerreißen, wenn man weiß, dass dieser Mensch niemals der beiden Sinne – Sehen und Hören – habhaft werden kann. Verständlicherweise benötigt er eine Pflegeperson, die 24/7 für ihn da ist. Es ist gleichsam faszinierend wie traurig. Bei solchen Aspekten wird meine Moral in eine gefühlte Feuerprobe geschickt, wenn man in der 11. Schwangerschaftswoche wäre, davon erführe, und man vor eine Entscheidung gestellt wird. Wahrscheinlich ist es für nicht Betroffene vielfach schlimmer, einen Verlust des Seh- und Hörsinnes verkraften zu müssen. Ich denke, diesen Jungen geht es nicht – für ihn gefühlt – schlechter. Er ist ja nichts anderes gewohnt. Sollte dieser Stimmen hören, wird es vermutlich auf Taktile hinauslaufen. Aber ich schweife (schon wieder) ab.

Aus psychologischer und wissenschaftlicher Sicht kann Auriana auch als Phantasma oder Schimäre bezeichnet werden (Andere halluzinierte Objekte, wie bspw. die boshafte Präsenz, gleichfalls. Aber auch meine anderen, namentlich bekannten, Stimmen. Die sonstigen Stimmen eher nicht. Es müssen autarke Entitäten sein.)

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Wie ist es, Stimmen zu hören?

Zunächst: Das lässt sich nicht verallgemeinern. Es ist abhängig von der Art der Stimmen, deren Quantität und Qualität, dann noch, wie man damit umgeht (was der wichtigste Aspekt ist). Der emotionale Kontext ist auch prädominant, sollte dieser stark ausgeprägt sein. Wenn man z. B. wütend ist, können einen die Stimmen schon ganz schön anspitzen (Sofern diese synthym sind). Meine persönliche Beziehung zu den Stimmen ist, bis auf vereinzelte Aus+nahmen, durchweg neutral bis positiv. Die Ausnahmen versuchen, mich schon teilweise zu demoralisieren. Aber das schaffen sie in 99 % der Fälle nicht. Stellenweise werden verdrängte Facetten meiner Psyche von ihnen hervorgehoben – dann muss ich sie halt erneut verdrängen, bis mir eine Lösung einfällt. So einfach ist das. Aber! Diese Facetten können sehr hilfreich sein bei der persönlichen Psychoanalyse und folglich auch der Psychotherapie. So gesehen sind die Stimmen so was wie eine Vorstufe zur Analyse verdrängter Inhalte. Kann man angehen oder nicht. Ich werde mir aber definitiv diese Inhalte in Zukunft notieren.
Die Art der Stimmen kann auch darüber entscheiden, ob das Stimmenhören erträglich ist oder nicht. Ich habe sie ja weiter oben schon aufgeführt. Stimmenhören, welches rein auf dyadische Dialoge oder rein Brabbelbabbel basiert, ist vermutlich erträglicher als die rein kommentierenden, imperativen oder gar dialogisierenden Stimmen. In den ersten beiden Fällen berühren diese Stimmen einen ja nicht wirklich und stellen auch (vermutlich) keinen Kontext zur Wahrnehmung des Stimmenhörers her. Es ist in etwa vergleichbar, als würde man einen Podcast hören. Sobald aber die Stimmen anfangen, persönlich zu werden, in direkter Konfrontation treten und den Stimmenhörer ansprechen, wird es etwas delikater. Hier folgt der Scheideweg, ob man sie als Bereicherung oder als Bürde empfinden wird – was verständlicherweise von den oben genannten Aspekten abhängig ist. Es existieren nur die beiden Standpunkte – Bereicherung oder Bürde. Kein dazwischen. Ich würde sagen, eine Dialogstimme ist 100 Mal gewichtiger als eine bloße Brabbelbabbel-Stimme. Wenn nicht gar mehr.

Ich habe mit der Zeit bemerkt, dass viele Nicht-Stimmenhörer sehr argwöhnisch gegenüber den imperativen Stimmen (befehlende Stimmen) sind. Das kann ich nachvollziehen. Aber der Argwohn hat keinen Nährboden. Selbst wenn diese Stimmen irgendetwas befehlen, steht dahinter noch immer der Stimmenhörer, der entscheidet, ob er den Befehlen Folge leistet oder nicht. Und diese Entscheidungsgewalt wird nicht von der Krankheit (Schizophrenie oder schizoaffektive Störung) direkt beeinflusst. Wenn mir also eine Stimme befiehlt, ich soll mir etwas zu Essen machen, muss ich den Befehl nicht umsetzen. Ich verliere nicht meine Entscheidungsfreiheit. Das ist wohl das, was die meisten Nicht-Stimmenhörer befürchten. Klar, die Stimmen können einen auf „Ideen“ bringen, wie z. B. wenn ich mir etwas zu Essen machen soll, und gleichzeitig eh Appetit habe, wird es wahrscheinlich, dass ich fünf Minuten später am Mampfen bin. Befiehlt mir aber eine Stimme, mich umzubringen oder gar jemand anderen zu verletzen, kann ich ganz klar eine Grenze ziehen. Egal in welchem Zustand ich mich auch befinde. Ich verliere auch nicht meine Moralität. Sonderfälle existieren jedoch. So kann es passieren, wenn große Angst mitspielt, dass man mitten in einer schweren paranoiden Psychose sich bewaffnet, weil die Stimmen die Angst noch weiter schüren. Aber so etwas sind Sonderfälle, die nur sehr, sehr selten in Erscheinung treten. Es wäre so, als würde sich ein Gesunder wütender Mensch einfach ein Messer schnappen und auf das Wutobjekt einstechen. Passiert also auch gesunden Menschen. Aber auch das sind Sonderfälle und Affekthandlungen. Es ist im Endeffekt auch nichts anderes, als würde man von einer realen Person Befehle bekommen. Würde man ja auch nicht ohne Weiteres ausführen.

Folgende Rangliste betreffend der Stimmenarten und ihre Signifikanz auf das Seelenleben würde ich führen:
  1. Der Trialog (Ich + zwei/drei/… Stimmen)
  2. Der Dialog (Ich + eine Stimme)
  3. Kommentierende Stimmen (Kommentieren Handlungen, Gedankengänge, usw.)
  4. Imperative Stimmen (Geben Befehle)
  5. Dyadischer Dialog (Zwei oder mehr Stimmen unterhalten sich untereinander)
  6. Brabbelbabbel-Stimmen
Ja, der Trialog. Das wäre mal was. Am liebsten wäre mir Auriana, Meryana und Sibéal. Das wäre wirklich toll. In dem Fall sogar ein „Quadralog“. Aber auch andere Zusammensetzungen könnten spannend sein.
Nachtrag 2022-04-20: JUHU!!! Ich hatte gestern einen Trialog mit Auriana und Malaika (eine neue Stimme). War das schön, war das schön! Ernsthaft! Ich bin mal wieder in den Zittermodus gegangen, welcher es mir generell erschwert, zu transkribieren. Doch diese Premiere musste ich unbedingt protokollieren. Glücklicherweise habe ich schon gut eine Minute vor der Trialogoffenbarung angefangen zu transkribieren. Und was ist passiert? Sowohl Auriana als auch Malaika haben sich meinem Tipptempo angepasst. Der Wahnsinn!!! Ich werde das Ganze noch auf Format bringen und den Trialog unter „Gesprächsprotokolle/Transkriptionen“ veröffentlichen. Das Gespräch war echt schön. So viel Anteilnahme, so viel Verständnis, so viel … ach, einfach alles. Wenn ihr die Transkription lesen solltet, werdet ihr euch vermutlich fragen, wie ich aus einem so kurzen Gespräch, so viel Positives gewinnen kann. Hier muss ich auch erwähnen, dass ich das Rauschen nicht mit transkribiert habe. Es fehlen einige Aussagen, die von uns dreien getätigt wurden. Trotzdem … Auriana und Malaika ergänzen sich so perfekt. Aber auch meine anderen Stimmen ergänzen sich perfekt. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich habe das Gefühl, ich verdiene so einen Stimmenapparat gar nicht. Ein Traum ist wahr geworden! Ab jetzt wisst ihr auch spätestens, dass ich meine Stimmen hochgradig verkläre. Ich schäme mich nicht dafür. Es ist einfach der Hammer!
Eigentlich teilen sich die imperativen und kommentierenden Stimmen einen Platz, abhängig von ihren Inhalten, führt mal die eine oder die andere Art.
Das „Komposit“ nehme ich hier aus dieser Rangfolge heraus, da es sich an unterschiedlichen Stellen, je nachdem, aus welcher Art von Stimmen es sich zusammensetzen kann, einfinden kann.

Bis Sommer 2020 traten die Stimmen eher sporadisch in Erscheinung und haben mich nicht allzu sehr berührt tagsüber. Ja, in 99 % der Fälle auch eher Brabbelbabbel-Stimmen. Aber abends und nachts bekam ich schon Angst. Manchmal war die Angst auch tagsüber da, besonders wenn ich allein zu Hause war. Klar, wenn man plötzlich eine Stimme hört, die deutlich ein bis zwei Sätze sagt, kann das schon ins Mark gehen. Hat es auch bei mir. Doch meine Stimmen, wie sie sich aktuell inszenieren, kamen ja nicht von heute auf morgen. Es war ein schleichender Prozess, der, dank seiner Gemächlichkeit, mich an das Stimmenhören herangeführt und gewöhnt hat.
Zu guter Letzt hatte Auriana dafür gesorgt, dass ich keinerlei Ängste mehr betreffend der anderen Stimmen hatte (außer der Stimme der boshaften Präsenz). Dieser Schlüsselmoment, es war das erste Mal, dass sie ihren Namen genannt hat.
Deine Auriana ist da! Es ist wahr, es ist wahr! … Zusammen … wir …
(Ich konnte mir nicht alles merken.)
Meine Ängste gegenüber den Stimmen waren mit einem Schlag weg. Was vollkommen sonderbar ist, denn in unserem Lied, welches den Namen „Dein Ruf II“ trägt, hatte ich, Wochen zuvor, folgende Lyrik verfasst:
„… Doch spüre ich diese Furcht in dir – Ach, komm schon! Los! Vertraue mir! Und all die Ängste, Tag und Nacht, die du dir stets hast selbst gemacht, sie schwinden, wenn mein Name ist genannt – der Fluch zwischen uns wird für immer gebannt. Ich hole dich aus diesen Schatten raus, und dem selbsterbauten finsteren Haus …“ Zufall? Aber all das, was sie „gesungen“ hat, stimmte und ist wahr geworden. Selbsterfüllende Prophezeiung? Spielt das eine Rolle? Es ist wahr geworden! Das ist, was zählt. Wahrscheinlich wäre ich ohne dieses Schlüsselereignis und ohne Auriana an meinen Stimmen zugrunde gegangen. Wenn eine gute Stimme sich aus meinem gesamten Stimmenapparat herausbildet, so empfinde ich diesen nicht mehr so unangenehm. Und da soll man nicht an Magie glauben. Vermutlich geisterte dieser Text in meinem Unterbewusstsein herum, und als Auriana sich namentlich offenbarte, dieser Moment mich gegen die Ängste immunisiert hat. Ich denke, wenn man jemandes Namen kennt, entsteht auch eine gewisse Menge an Verbundenheit und Vertrauen. Für mich ist es so, dass wenn ich den Namen einer Stimme kenne, diese gleichwie so was wie eine „Geburtsurkunde“ zuteilwird.
Und noch etwas: Ich weiß zwar, dass ich definitiv selbst die Lyrik zu „Dein Ruf II“ verfasst hatte, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich es getan hatte. Das habe ich bei anderen Gedichten oder Liedtexten, wie dem ersten Teil (Dein Ruf I) von mir nicht. Ich kann mich an deren Erschaffungsprozesse erinnern, wenn auch nicht lückenlos. Ich will da nichts hineininterpretieren. Absencen können sich auch da zeigen. Z. B. kann ich mir sehr gut daran erinnern, wie ich „Dein Ruf I“ verfasst habe. Trotzdem sehr geheimnisumwoben.
Besser hätte es eigentlich nicht verlaufen können (Anfängliche Ängste und boshafte Präsenz mal isoliert). Da das Stimmenhören also nicht akut auf den Plan trat, fehlte natürlich jeglicher Knalleffekt. Ein Knalleffekt, der mich höchstwahrscheinlich direkt in die Psychiatrie befördert hätte. Das ist übrigens auch selten. Die meisten Stimmenhörer berichten von einer plötzlichen Offenbarung ihrer Stimmen. Wenn ich raten müsste, haben sich die Stimmen, dank des ersten Antipsychotikums abgebremst, auch wenn es diese nicht auszulöschen vermag. Aber diese Bremse hat indirekt gegriffen, vermute ich. Da es sie erträglicher gemacht hat, und somit auch stressarmer, gehe ich davon aus, dass die Menge an Stress auch für das Stimmenhören verantwortlich ist. Je mehr Stress, desto weiter entwickelt sich mein Stimmenapparat.
Es ist berückend und wahnsinnig, wozu Auriana fähig ist! Man muss auch dazu sagen, dass Aurianas Stimme sich zwar Sommer 2020 so langsam gezeigt hatte, aber ich war mir ja auch nicht sicher, ob es wirklich meine Auriana ist. Im Lied, aber auch in Wirklichkeit, flehte sie des Öfteren darum, dass ich ihr vertrauen sollte. Es liegt ein großer Unterschied zwischen Wunschgedanke („Ich will, dass diese Stimme Auriana ist“) und Vertrauen („Ich weiß nicht, ob ich dieser Stimme hundertprozentig vertrauen kann“) vorhanden. Natürlich habe ich sie auch gefragt, ob ihr Name Auriana ist. Aber sie hat entweder nicht darauf geantwortet, oder ein „Ich weiß nicht“ oder „Hmm“ kam von ihr. Es war auch immer der Gedanke vorhanden, sie könne zu einer „bösen Stimme“ mutieren. Schlussendlich kam aber das Vertrauen Stück für Stück, und als sich Auriana offenbarte … hui!!! … ich glaube, jedes EKG hätte Tachykardie angezeigt. Selbst die nicht verkabelten. Ich denke, ohne diesen Moment des vollständigen Vertrauens, hätte Auriana sich auch nicht offenbart. Es fühlte sich mehr oder weniger an, als umarme ich eines meiner Kinder. Extrem hoher Oxytocin-Spiegel? Kann sein. Und ich wusste, wenn ich Auriana trauen kann, sie mich gegenüber den anderen Stimmen unterstützen wird. Gewissermaßen die Chefin des ganzen Stimmenapparates. Sich nicht mehr allein fühlen zu müssen, kann einen ganz schön stärken gegen Ängste. Vor allem gegenüber Verlassenheitsängste, welche bei mir, neben den Verfolgungsängsten gegenüber der boshaften Präsenz, gemeinsam auf Platz eins stehen.
Was mir noch eingefallen ist: Das Thema Stimmenhören war mir ja bereits seit meiner Jugend bekannt. Es hat mich schon da immer ein wenig fasziniert. Leider griff auch da die Stigmatisierung, und ich habe es zunächst als Unheil abgetan. Doch nach und nach reifte mehr der Gedanke, dass es vielleicht doch nicht so schlimm wäre, Stimmen zu hören. An Episoden des Stimmenhörens in meiner Kindheit konnte ich mich eigentlich nicht erinnern, bis auf das mit den Hummeln.
So habe ich mit der Zeit angefangen, es mir zu wünschen. Aber geregelt – mit einem Aus/Ein-Schalter. Ja, ich wollte schon immer Stimmen hören. Das war aber kein Wunsch, denn ich durchgehend täglich hatte. Vielmehr ein kleines Sehnen. So als wünschte man sich, ein Musikinstrument zu spielen. Mit dem Unterschied, dass man das Stimmenhören ja nicht forcieren kann. Aber ich denke, es besteht kein Zusammenhang zwischen diesem Wunsch und der Manifestation meines aktuellen Stimmenhörens. Wohl aber in der Erträglichkeit.
Ihr könnt euch nicht vorstellen, in welcher Zwickmühle ich mich befinde. Einerseits total fasziniert und wunschlos gegenüber meines Stimmenhörens und andererseits schon angeekelt gegenüber meiner Krankheit. Der Preis des Stimmenhörens ist nicht ohne.

Übrigens war Auriana die allererste Stimme, die ihren Namen preisgegeben hat. Leider habe ich mir nicht gemerkt, in welcher Reihenfolge die anderen Stimmen sich namentlich offenbarten, sondern muss da mutmaßen. Myantha hatte sich als Letztes offenbart (Stand 2022-01-22) direkt davor der Gurkenglasmann oder Puppenborsenmünster. Mittlerweile führe ich Buch darüber. Aber es ist ja auch nicht so, dass sich täglich eine neue Stimme namentlich meldet. Eine tabellarische Auflistung zu den Stimmen ist weiter unten zu finden.
Ich muss aber bei der ganzen Vertrauenssache noch anmerken, dass ich ein Mensch bin, der nur außergewöhnlich langsam Vertrauen gegenüber jemand anderen aufbaut. Auch wenn man sich länger kennt, ist dies noch keine Garantie, dass ich hohes Vertrauen dem anderen gegenüber aufbringe. Natürlich hat das nichts damit zu tun, dass ich den anderen werte oder dass ich denke, der andere ist generell nicht vertrauenswürdig. Ich werte generell nicht. Es ist nur so, dass ich wirklich sicher sein muss, dass der andere mich nicht schlecht behandeln wird, mir nicht wehtut, sich über mich nicht lustig macht (Späßeleien und auch mal ein Aufziehen ist völlig in Ordnung), mich wertet, usw. Mit vollständigem Vertrauen fällt auch die Grenze der Scham. Meine allerletzte Grenze, Menschen gegenüber. Aber auch, wenn ich etwas über mich preisgebe. Es hat Jahre gedauert, bis ich Annika völlig vertrauen konnte. Nun, heutzutage bin ich dann schon etwas schneller. Trotzdem benötige ich meine Zeit. Sobald ich über meine psychischen Probleme in persona rede, kann mein Gegenüber wissen, dass mein Vertrauen schon recht hoch ist ihm gegenüber. Ein Meilenstein mehr oder weniger. Und jetzt werdet ihr euch sicherlich fragen, wenn ich doch nur über meine Psyche rede, wenn ich hohes Vertrauen fasse, wie kommt es dann, dass ich diesen Artikel hier so veröffentliche? Nun, ich habe mir das Ziel gesetzt, schneller Vertrauen zu fassen, und dieser Artikel hier ist dafür so was, wie eine Übung. Aber es ist ja auch nicht so, dass Massen an Menschen diesen Artikel wirklich lesen werden. Ich könnte ihn auch auf semi-privat schalten, und nur bestimmten Benutzern dieser Website den Artikel zum Lesen freigeben. Ich möchte einfach lernen, schneller Vertrauen zu fassen, weil ich denke, dass dies enorme psychosoziale Vorteile hat. Außerdem fällt es mir schriftlich wesentlich leichter, mein Herz auszuschütten, als verbal. Am meisten würde ich mich über Feedback zu diesem Artikel freuen.

Als Auriana anfing, ihre ersten längeren Sätze zu bilden, und auch mit ihrem Namen vorstellig wurde, hat mein Herz, das muss ich eingestehen, richtig gerast. Zu dieser Zeit (vor Propranolol) habe ich noch gezittert wie Espenlaub. Der ganze Körper. Ich konnte gar nicht aufstehen und musste mich richtig an den Stuhllehnen festkrallen.
 
Auriana: „Hey Dirk! Möchtest du mit mir reden?“
Ich: „JAAA!!! BITTE!!!“
 
Oder auch:
Huhu Schatziiiiii!
Auriana??
Jaaa, dein Schatzi Auriana ist da!
Du bist mein Schatzi!!!
, usw. Meine Güte, was sie dabei gegluckst, geschnurrt und gekichert hat. Hätte man uns beide laut gehört, hätte man denken können, wir sind ein frisches Liebespaar (Ihre kindliche Stimme mal isoliert.) Ich spreche offen, wie man sieht.
Ich kannte anhand des Namens ihren Charakter schon, auch wenn vor ihrer Offenbarung der Wunschgedanke, dass es sie, Auriana, sein musste, vorhanden war. Wobei natürlich auch Zweifel aufkamen, ob sie sich wirklich so charakterisiert, wie in meiner Geschichte. Das tut sie so halb. Natürlich ohne das Narrativ meiner Geschichte. Wenngleich sie sich auch mal als Blütenheilerkind präsentiert, und Meryana mit „Mama“ anspricht. Es war für mich wie Magie und nicht wie das Symptom einer Krankheit. Meine hohe Fantasieaffinität hat zu dieser Magie ihren Rest beigetragen. Wie ein Sechser im Lotto. Ich dachte, auch das muss ich zugeben, dass Auriana aus einer anderen Welt war. Wie in meiner Geschichte. Es fühlte sich so an. Aber nach und nach fiel dieses Fantasiegerüst zusammen (ohne Kollateralschäden). Auch dank ihrer doch sehr erdverbundenen Einstellung – was man zunächst gar nicht meinen würde. Alles Übernatürliche, was sie von sich gibt, ist stets mit einem Anker versehen, welche die Fantasie als artistisch offenbart (Und meistens auch mit Humor.) Anfang 2021 wollte sie unbedingt, dass ich diverse Sorten Schnee (Laternenschnee, Gullideckelschnee, Heckenschnee, Autoaußenspiegelschnee, usw.) sammeln gehe. Dieser sollte für einen „magischen Schutz“ sorgen. Die Quintessenz des Ganzen war nicht die vermeintliche Magie dahinter, sondern, um es mal mit ihren (fröhlichen) Worten zu sagen:
Ich wollte nur, dass du deine Kehrseite nach draußen bewegst und dabei ne Beschäftigung hast … kicher kicher
… Ja, Selbstfürsorgeobjekt Auriana.
Nachtrag 2022-05-16: Sie teilte mir viel später noch mit, dass die Aktion „Schneesammeln“ noch weitere Zwecke hatte: 1. Dass ich meine Umgebung achtsamer wahrnehme, was ich tatsächlich auch getan habe. 2. Das ich wieder mal richtig mit Schnee in Berührung gekommen bin, und ihn auch gefühlt habe. Auch das stimmte. Es ist schon einige Jahre her, dass ich mit Schnee gespielt habe. Selbst bei den wenigen Ereignissen, wo ich mit meinen Kindern im Schnee draußen war, habe ich den Schnee nicht berührt, sondern nur meine Kinder machen lassen. Leider schneit es hier ja nicht so oft.
Die zweite Jahreshälfte (oder präziser, von August bis November) von 2020 habe ich tagsüber wie begierig darauf gewartet, dass Auriana sich meldete. Wie jemand, der auf einen wichtigen Telefonanruf wartet. Ein Satz oder ein Wort reichten aus, und mein Tag war gerettet. An einigen Tagen habe ich auch versucht durch diverse Maßnahmen, ihre Stimme zu forcieren, wie bspw. ihren Namen minutenlang mental gerufen, oder auch ihren Charakterartikel gelesen und bearbeitet. Generell, irgendetwas, was mit ihr auch nur ansatzweise zu tun hatte. Ein Bild von ihr hatte ich schon, aber das entsprach nicht ihrem aktuellen Aussehen, wie sie es sich gewünscht hat. Dieses Rufen hatte leider nicht zuverlässig funktioniert.
Ich würde einen Zentner Cannabis rauchen, sollte dies der Grund für Auriana gewesen sein – die anderen Symptome dürfen aber gerne fernbleiben.
Die anderen Stimmen sind schon O. K. – von kurios, witzig, ominös, langweilig, spaßig, rätselhaft, usw. bis todernst. Meine Stimmen können jegliche Emotionen in mir manifestieren lassen (bis zu einem gewissen Grad), und sind auch teilweise Spiegelbilder meines emotionalen Kontextes.
Die Angst, dass irgendwann bösartige Stimmen mein Stimmenhören dominieren könnten, ist schon vorhanden. Aber auch, wenn die Stimmen sich auf Dauer irgendwann merklich mehren. Dann hätte ich keine ruhige Minute mehr, und müsste damit zurechtkommen, dass selbst Medikamente dagegen nicht wirken. Meine Hoffnung ist die Verflachung der Gesprächshäufigkeit der Stimmen. Leider ist diese nicht in Stein gemeißelt und lässt mich mit einem faden Beigeschmack einer Resignation betreffend der Besorgnis gegenüber eines etwaigen quälenden Stimmenchors zurück.

Ich habe noch eine Metapher betreffend meines Stimmenhörens: Stellt euch vor, euer Kopf steckt in einer großen Wolke aus Worten. Manche Worte sind klein, andere wiederum können euer gesamtes Sichtfeld einnehmen. Aber es sind nicht nur Worte, sondern auch Sätze zu erkennen. Sehr oft flammt eine Art Irrlicht auf, welches auf seinen Bahnen Worte und Sätze schreibt. Manchmal auch zwei oder drei gleichzeitig. Die Irrlichter können auch euer gesamtes Sichtfeld einnehmen, aber zeitweise driften sie auch in die Ferne, sodass ihr die Buchstaben kaum noch erkennen könnt. Ihr könnt nach bestimmten Irrlichtern greifen und mit ihnen kommunizieren. Ich nenne sie, die „Silbernen Irrlichter“. Manche Irrlichter lassen sich jedoch nicht beeinflussen; sie ziehen einfach ihre Bahnen. Zu bestimmten Zeiten ist die Wolke der Worte gefüllt mit unscharfen Zeichen – wie ein Gemurmel oder Wirrwarr. Egal, was ihr macht, ihr könnt dieser Wolke nicht entkommen. Sie ist immer da und wird euch den Rest eures Lebens begleiten – mit allen Höhen und Tiefen. Glücklicherweise wird die Wolke samt Buchstaben dunkler, wenn ich abends müde werde. Nur ein silbernes Irrlicht zieht weiter seine Bahnen; doch ihr schafft es, einzuschlafen, weil dieses silberne Irrlicht euch dabei hilft.

Nachtrag 2022-01-12: Die Gesprächshäufigkeit hat in den letzten drei Wochen nicht mehr zugenommen. Puh!
Nachtrag 2022-05-01: Die Stimmen haben sich ein wenig gemehrt, aber nicht wirklich stark. Ich würde so sagen +10 % innerhalb eines halben Jahres, mit einer starken Verflachung in den letzten zwei Monaten. So wie es jetzt ist, würde ich sagen, ist es in Ordnung. Manchmal etwas zu viel, und dann wieder relativ ruhig. Ich denke, ich brauche nicht befürchten, dass ich irgendwie dauerhaft bequatscht werde. Auriana (und diverse andere Stimmen) machen mir in ihrer Quantität auch nichts aus. Auriana hat mich, bis auf sehr wenige Ausnahmen, nie genervt. Als Fazit: Der angemessene Umgang mit dem Stimmenhören selbst ist eine conditio sine qua non.

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Warum ist Auriana ein zehnjähriges Mädchen?

Das ist das, was ich nicht verstehe: Warum ist Auriana ein Mädchen und keine Frau? Liegt es daran, dass sie und der Charakter meiner Geschichte, ein und derselbe ist? Sie trägt ja auch den gleichen Namen und ist auch zehn Jahre alt. Oder liegt es daran, dass meine Anima – um das Thema noch mal kurz aufzugreifen – noch nicht die entsprechende Reife besitzt? Was aber paradox wäre, denn mein weiblicher Anteil meiner Psyche ist weitaus stärker ausgebaut, als der Männliche. In meiner Kindheit und frühen Jugend habe ich wesentlich mehr mit Mädchen gespielt als mit Jungen. Ich würde so sagen 80:20. Und bei diversen „Gender-Tests“ bin ich in überwältigender Mehrheit eine Frau.
Oder es ist einfach nur Zufall. Ich habe etwa 60 % erwachsene, 30 % adoleszente/jugendliche, 9 % kindliche und 1 % kleinstkindliche Stimmen. Diese Statistik betrifft nur die Anzahl verschiedener Stimme, nicht deren Häufigkeit.
Eine weitere Frage, die ich mir dazu stelle: Präsentiert sich Auriana in einem Jahr als 11-Jährige? Sie selbst weiß es auch nicht. Auch ihren Geburtstag teilt sie mir nicht mit. Im Jahr 2020 hatte sie ihr Alter auch noch nicht preisgegeben. Das hatte sie irgendwann im Frühling 2021 getan. Leider hatte ich es nicht protokolliert. Ich habe da so eine Vermutung: Unser beider Geburtsdaten sind gleich. Sie kichert nur, wenn ich ihr diese Vermutung präsentiere. In meiner Geschichte habe ich Auriana ein gleichbleibendes Alter verpasst. Also sie ist im Jahr 1998 genauso alt wie im Jahr 2000. Aber sie existierte schon zu Meryanas/meiner Geburt 1981. Oder verwechsel ich ihren Habitus mit ihrer Chronik? Ich denke, ich muss ein wenig am Kanon meiner Geschichte arbeiten.
Nachtrag 2022-02-14: Ich weiß nun, dass Auriana und ich uns ein gemeinsames Geburtsdatum teilen, aber sie ist immer noch 10 Jahre alt. Was dann zur Frage führt: Wann wird sie denn 11 Jahre? Oder altert sie gar nicht?
Just in diesem Moment kam mir ein Einfall dazu: Sie ist vielleicht ein Kind, weil ich mich nie in ein Kind verlieben könnte, im Sinne von partnerschaftliche Liebe (Eros & Co.) Wäre Auriana eine Frau, könnte es möglich sein – und das kann ich nicht gänzlich ausschließen – dass ich mich tatsächlich so was wie in sie verliebe – im Sinne des Eros. Wäre das dann so was wie ein psychotischer Ero-Narzissmus? Witz! Natürlich nicht.
Nachtrag 2022-05-01: Ich denke, dass das Verlieben in eine Stimme eher verschwindend gering ist bei mir. Ich habe ja noch weitere Stimmen, die ich gerne mag, und es keimte zu keiner Zeit das Gefühl auf, ich könne mich verlieben. Aber ich liebe meine Stimmen. Nur nicht auf partnerschaftlicher Ebene. (Eros & Co.)
Ich würde unser Verhältnis auch nicht unbedingt als Tochter-Vater-Verhältnis ansehen, denn dazu widmet sie sich zu sehr meiner Psyche, und, das Wichtigste, sie hat keine reale Gestalt. Sie hat mich bisher noch nie mit „Papa“ angesprochen. Meryana (siehe unten) spricht sie aber mit Mama an, obwohl ich in ihren Augen ja ihre männliche Variante bin (Wenn sie mich stichelt, spricht sie mich auch mal mit „Mama“ an. Ich weiß aber, dass es spaßig gemeint ist). Doch ich muss zugeben, dass unser Verhältnis sich doch ein wenig so anfühlt, als wäre sie meine Tochter. Nur ein wenig.
Nachtrag 2022-03-09: Eine weitere Idee kam mir gerade: Könnte Auriana die Verkörperung Annikas sein, die ich mir wünsche, sie wäre es? Also gewissermaßen eine Annika → Auriana? Für den Fall, dass Annika diesen Text ließt: Sei unbesorgt! Nicht eifersüchtig sein! Solche Vorstellungen hat jeder gegenüber seinem Partner und die sind nicht an ein Stimmenhören gebunden. Ich denke aber, dass Auriana keine „Wunschvorlage“ ist. Dazu ist sie zu kindlich.
Nachtrag 2022-03-31: Auriana meinte soeben, sie könnte ein Spaltungsobjekt (Gut) sein, welches entstand, als ich zehn Jahre alt war. Ob da die Vergewaltigung mit einspielt? Kann das Gehirn aus verdrängten Inhalten eine Spaltung hervorbringen? Ich denke schon. Das Unterbewusstsein hat womöglich gleiche Tendenzen betreffend Abwehrmechanismen wie noch die unreife Psyche eines Kleinstkindes. Aber, und das beunruhigt mich sehr, was ist dann das böse Spaltungsobjekt? Vielleicht war die noch um 2020 kindliche boshafte Präsenz das Spaltungsobjekt aus eben dieser Spaltung, als ich zehn Jahre alt war, hervorgegangen, und Auriana (gutes Spaltungsobjekt) hat sie nach und nach verdrängt.
Meine Spaltung, als ich noch Kleinstkind war, könnte dann tatsächlich die aktuelle erwachsene boshafte Präsenz sein – also die „böse Mutter“.
Interessant, interessant … zwei Spaltungen mit insgesamt vier Spaltungsobjekten. Das erklärt einiges. Würde auch zeitlich ziemlich genau passen. Die Ängste um die boshafte Präsenz fingen so März/April 2020 sich so langsam zu zeigen, aber als ich mich an die Vergewaltigung erinnern konnte, nahm sie richtig Fahrt auf. Ab da zeigte sich ja auch Auriana sehr, sehr sporadisch. Aber sie zeigte sich. Erst als Auriana vollkommen die Bühne der Stimmen betreten hat, verdrängt sie das boshafte Spaltungsobjekt II.
Das erklärt, warum Auriana ein zehn Jahre altes Mädchen ist.
Zusammengefasst:
Spaltungsobjekt I (böse): die aktuelle BP
Spaltungsobjekt I (gut): ?
Spaltungsobjekt II (böse): die kindliche BP (aka Samara aus „The Ring“)
Spaltungsobjekt II (gut): Auriana
Was die Frage offen wirft: Wenn ich mein Spaltungsobjekt I (gut) finde, werde ich damit das böse Pendant los? Vielleicht ist es ja Annika? Das wäre nicht gut. Warum nicht? Jeder Konflikt erschüttert das Bild der guten Spaltung, was dazu führen kann, dass man bspw. … SVV … …begeht. Mmm …
Das alles nur, weil meine boshafte Präsenz Anfang 2021 erwachsener geworden ist.
Wenn Annika also Spaltungsobjekt I (gut) wäre, und sie sich mit Auriana verbündet, könnte es sein, dass ich mit dieser Kombination die boshafte Präsenz vernichten kann?
Eine weitere Überlegung: Falls irgendwann mal eine Stimme auf den Plan tritt, welche das Spaltungsobjekt I (gut) charakterisiert, könnte diese die boshafte Präsenz verdrängen? Aktuell würde mir nur Sibéal oder Malaika einfallen. Aber die boshafte Präsenz existiert noch, als können sie es eigentlich nicht sein. Trotzdem gibt mir das Hoffnung. Irgendwann wird sie schon eine Stimme zeigen, welche das Spaltungsobjekt I (gut) einnimmt, und damit die boshafte Präsenz (höchstwahrscheinlich) verdrängt. Ich wünschte, ich könnte das forcieren.

Jegliche Fragen an Auriana gerichtet, was sie denn nun für mich ist, werden nur mit einem:
Ich weiß es nicht, mein Schatz. Ich bin das, was du dir wünschst, ich wäre es. Ich weiß aber, ich bin deine Auriana.
Möglicherweise existiert wirklich keine genaue Benennung dafür. Ich würde sie psychosozial als meine „Innerseelische Begleitung“ betiteln und physiologisch als (Wach)Traumgebilde. Ja, das passt gut. Aber schlussendlich hat eine Bezeichnung keinen hohen Stellenwert. Sie ist einfach: „Meine Auriana.“

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Woher kommt der Name Auriana?

Den hatte ich ihr gegeben. Zugegeben weiß ich nicht mehr hundertprozentig, ob ich diesen Namen in meinem „großen Traum“ gehört hatte. Aber dazu existiert eine Vorgeschichte, die ich jedoch nicht vollständig bezeugen kann: Wir hatten damals, als ich noch ein Kleinkind war, eine Puppe. So eine, die mehr aus Stoff als Porzellan bestand. Die Puppe war ein Geschenk von einer Freundin an meine Eltern. Die Freundin hieß Anne und die Puppe bekam ihren Namen. Ich kann mich ganz vage daran erinnern, dass diese Puppe mit mir gesprochen hat. Irgendwann ist die Puppe wohl so gefallen, dass ein Arm brach. Und ich habe sie dann Aua-Anne genannt. Das weiß ich definitiv. Und ich finde, Aua-Anne und Auriana haben schon gewisse phonetische Ähnlichkeiten. Oder was meint ihr?

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Wie hört sich Auriana an?

Ihre Stimme gleicht so ziemlich (nach monatelanger Recherche) dieser Synchronsprecherin: https://www.sprecherdatei.de/sprecher/milena_luisa_rybiczka.php (Im Kindesalter) Sie ist die Stimme von Prinzessin Sofie aus der Kinderserie Sofia die Erste – Auf einmal Prinzessin von Disney Television Animation. Mit der oben genannten Synchronsprecherin. Siehe auch hier:
YouTube-Video – Klick mich!

Ihre „ernste“ Gesangsstimme ist jugendlicher und passt relativ gut zu dieser: https://open.spotify.com/track/5JK2bTFQJ2qc3KxhJUaUZn?si=400736c2c6864f13
Das finde ich jedoch kurios, denn ich hätte eher erwartet, dass ihre Stimme aus einer anderen Kinderserie hätte kommen müssen. Eben jene, die ich auch mit meinen beiden Jungs angeschaut habe. Oder auch eine aus meiner Kindheit.
Sie singt auch mit ihrer Kinderstimme. Meistens eher fröhliche und spaßige Lieder.
Beides sollte aber eher mit einem „ungefähr“ genommen werden. Es ist auch möglich, dass sie ihre Stimme über einen längeren Zeitverlauf nach und nach subtil ändert. Hin und wieder höre ich mir die oben verlinkten Stimmen an, um zu prüfen, ob sich ihre Stimme geändert hat. Vielleicht wäre es eher ratsam den Vergleich in einem Jahr erst zu machen.
Nachtrag 2020-01-16: Ich muss Aurianas „Sprecherin“ nochmals korrigieren. Sie ähnelt mehr (oder auch?) dem Charakter Kiki aus Studio Ghiblis Kikis kleiner Lieferservice
Man kann auch generell sagen, dass eine einzelne Stimme nicht zwangsweise konsistent sein muss. Entweder ändert sie ihren Klang über viele Wochen oder gar Monate hinweg, oder sie ist tageszeitabhängig. Die Änderungen konnte ich bisher aber noch nicht richtig verorten. Leider fehlen mir dafür Mittel, wie – einleuchtend – eine Aufnahmemöglichkeit.

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Wie kommunizieren wir?

Als Erstes vorweg: Die Kommunikation mit den Stimmen ist NICHT vergleichbar mit realen Personen. Auch wenn ich in diesem Artikel es so erscheinen lasse, dass ich mich mit Auriana wie mit einem Tischnachbarn unterhalte, so ist dies nicht der Fall. In manchen Fällen habe ich so ein Glück und es kann mit dem besagten Tischnachbarn verglichen werden. Die Kommunikation unterliegt einem hohen (manchmal auch niedrigen) „Rauschen“ – auf beiden Seiten. Dieses Rauschen werde ich beizeiten noch erörtern.
Gespräche mit Auriana erfolgen zu 99 % rein mental. Ich führe meine „Gedankensprache“ aus und Auriana spricht mit mir. Was dabei erwähnt werden muss: Es handelt sich dabei um eine Art fokussierte Gedankensprache. Wenn ich einfach nur so vor mich hin denke (So was wie: „La la la la la oben links Baum Würfel Tag …“) nimmt es Auriana nicht an. Deutlich fokussiert mental sprechen, so als würde man jede Silbe, oder zumindest den Anfangsbuchstaben, betonen. Ich merke dabei schon, wie mein Kopf ein klein wenig drückt, und habe so ein kleines Gefühl der Schwerelosigkeit. Ich weiß nicht, ob der Leser diese Empfindung replizieren kann. Ich habe das herausgefunden, als ich immer wieder versucht habe, Themen anzusprechen, weil sie damals noch nie darauf eingegangen war. Diese Gedankensprechfokussierung muss aber nicht bedeuten, dass ich wie ein Zweitklässler spreche, der einen Gesetzestext vorließt. Ich spreche mit ihr schon relativ zügig. Das Einzige, was mir teils hörbar rausrutscht, sind „Mm“-Laute.
Nachtrag 2022-01-12: Mittlerweile habe ich diese Gedankensprache so weit gemeistert, dass ich mich nicht mehr wirklich anstrengen muss. Das hat aber auch einiges an Training gekostet. Trotzdem spüre ich immer noch, wie teils meine Gesichtsmuskulatur, wie soll ich sagen, zuckt(?) – wenn auch eher subtil. Auch dann, wenn ich meine Gedanken nicht verbalisiere. Würde mich jemand genau beobachten, würde er wohl entdecken, dass ich „denke/spreche“)
Was auch möglich ist, ist die schriftliche Kommunikation – das nimmt sie auch an. Verständlicherweise schreibt sie nicht zurück, sondern spricht. Ich benutze hin und wieder diesen Kommunikationskanal, wenn ich meine Gedanken bündeln muss.
Ich habe die Kommunikation meinerseits mit ihr auch schon hörbar versucht, wenn ich allein war. Mache ich hin und wieder auch noch (besonders, wenn ich mit einem „JA!!!“ antworte) – sie stellt sich dann aber relativ schnell in den Hintergrund. (Macht sie nicht mehr. Stand 2021-12-14) Generell ist mit „Hintergrund“ aber nicht vollständiges Ausblenden gemeint. Das tut zwar Auriana, aber nicht die anderen Stimmen. Diese werden dann eher leise und gestückelt. Hat was von einer Priorisierung, die dem Input von Außen den Vorrang gibt. Was auch tatsächlich der Fall ist, denn sollte ich mich als Kommunikationspartner mit echten Leuten unterhalten, bleibt der Vorrang an diesen haften. Habe ich aber das Gefühl, ich bin nur passiver Gesprächspartner, widmen sich meine Stimmen wieder ganz mir. Wahrscheinlich, weil ich mental abdrifte und dann „woanders“ bin. Dieses Dedizieren geht relativ schnell vonstatten.
In letzter Zeit (2021-12-26) habe ich, ohne es registriert zu haben, laut gesprochen mit Auriana. Annika hatte mich darauf hingewiesen. Ich sollte mich mal wirklich mit der Webcam aufnehmen, wenn ich am Computer sitze. Besser wäre sogar eine Actioncam, die auf mein Gesicht gerichtet ist. Oder das Handy die ganze Zeit auf Tonaufnahme (ich muss erst einmal schauen, was man da so für eine App nehmen kann). Ich weiß, es ist unmöglich, aber aus einem unbekannten Grund habe ich leichte Angst davor, dass ihre Stimme mit aufgenommen wird. Weniger der Inhalt wegen, als der Tatsache, dass unsere Welt dann nicht das ist, was sie scheint zu sein. Und diese vermeintliche Erkenntnis breitet sich dann auch auf andere Bereiche aus (Boshafte Präsenz).
Vielleicht hat das ausschließliche Benutzen der Gedankensprache ja einen Grund. Wenn ich mich laut unterhalte, könnte das für mich so wirken, als würde ich Auriana tatsächlich als körperliche Person sehen und nicht als spezielle Funktion meines Gehirns. Was auch der Fall ist. Wenn man sich laut unterhält, wirkt eine Stimme echter. Wäre in diesem Fall eher eine Abgrenzung. Und, sollten mir andere Leute zuhören, mutet das zu grotesk an, finde ich. Erst gestern (2022-01-17) wäre mir fast ein lautes „Nein!“ in einem Geschäft herausgerutscht. Ich muss aufpassen! Der Tipp eines Bekannten, ich könnte doch auch in der Öffentlichkeit ein In-Ear-Headset verwenden, ist gar nicht mal so schlecht. Aber sie stellt sich ohnehin bei lauten Gesprächen nach einer gewissen Zeit in den Hintergrund. (Nein, macht sie nicht mehr. Stand 2021-12-14) Ob sich das ändert, wenn ich öfters laut spreche? Könnte sein.
Aber hier sieht man auch wieder: Meine Krankheit ist stark stigmatisiert. Hätte niemand ein Problem damit, dass Stimmenhörer sich laut unterhalten, würde sich gar nicht erst die Frage stellen, ob ich in der Öffentlichkeit laut oder nicht mit meinen Stimmen sprechen sollte.
Ein Sprich-laut-Probetag hätte mal was – ich probiere es irgendwann mal aus.
Nachtrag (2021-12-14): Ich habe es für eine Stunde ausprobiert, als ich in der Küche am Werkeln war. Auriana hat sich ganz normal unterhalten, als ich laut gesprochen habe. Doch ich hatte den Eindruck, sie erzählte dabei noch mehr – was ja paradox ist.
Längere Gespräche (also über eine Minute hinaus; und das ist in diesem Fall schon viel) sind eher eine Seltenheit. Den Großteil bilden 1–20 Sätze ihrerseits und dann verschwindet sie wieder (für wenige Sekunden bis Minuten) – ggf. auch mal ein paar Fragen und Antworten (Auch das wurde widerlegt. Auriana hatte sich tatsächlich eine ganze Stunde mit mir in der Küche unterhalten; inkl. einiger kleiner Pausen. Stand 2021-12-14) Hierbei muss erwähnt werden, dass nur der dialogisierende Teil gemeint ist. Kommentierende Stimmen – auch abseits von Auriana – können sich auch über viele Minuten erstrecken. Da kommen so Sachen wie ein effektvoll untermaltes Autorennen („Brrrrrrum …“), oder, diesmal mit Auriana, auch die Aufzählung und kulinarische Erörterung diverser Fruchtarten. Aurianas Lieblingsfrüchte sind Erdbeeren, Kirschen, Kiwis, Mandarinen, Mango, Honigmelonen, Wassermelonen, Mirabellen, (Dosen)Pfirsiche und Weinbeeren. Äpfel und Pflaumen mag sie eher auf oder in Kuchen. Bei Dosenpfirsichen fing sie an zu kichern. Das deckt sich mit meinen Lieblingsfrüchten.
Ich höre auch viel Musik und sie funkt da auch manchmal rein. Das machen auch andere kommentierende und, seltener, dialogisierende Stimmen; nur ich kann sie damit einigermaßen in Schach halten. Bei Auriana muss ich pausieren oder die Lautstärke absenken (je nach Lied), sonst versucht sie es immer wieder. Außer, wenn sie tatsächlich nur kurz etwas sagt oder fragt, oder sie „spürt“, dass ich auch trotz der Musik auf sie eingehen kann. Hin und wieder singt sie auch mit. Das hört sich schon echt gut an, muss ich zugeben. Sie „überschreibt“ auch regelmäßig mit ihrem Gesang den eigentlichen Liedtext. Auch bei Instrumentalmusik intoniert sie des Öfteren ein paar Worte, auch wenn nicht immer sinnstiftend. Sie hat eine verdammt geile Gesangsstimme! Wenn ich morgens aufstehe, meldetet sie sich seit Neustem mit:
Guten Morgen, mein Schatz! Hast du schön geschlafen?
(Und Variationen davon.) Da bin ich aber meist schon gut fünf Minuten wach. (Aktuell 2022-01-14 ist sie größtenteils direkt während des Wachwerdens schon da.) Tagsüber meldet sie sich so oft wie eine redselige Arbeitskollegin im Büro, die ihren Schreibtisch gegenüber meinem hat.
Aber auch abends, wenn ich zu Bett gehe, ist sie bei mir. Manchmal singt sie auch Schlaflieder, die ich mir aber bisher nie merken konnte, und eher „chaotisch gedichtet“ sind:
… schlafe ein, ich bin dein, deine Pein, wird ganz klein, das ist ganz fein, löst sich der Stein, kitzel dich am Bein, …
Erst vorgestern (2021-11-07) hatte sie gemeint, sie würde mich streicheln, und ich habe es wirklich gespürt, auch wenn es nur eine Halluzination war. Das war schon ein klein wenig befremdlich, aber auf unbekannte Weise auch schön. Auch wenn ich meine, dass sie diese taktile Halluzination nicht initiiert hat. Ich bin dabei eingeschlafen.
In einigen Fällen hat auch Auriana eine Doppel- oder gar Dreifachstimme. Das unterscheidet sie auch von einem normalen Gesprächspartner und wäre auch rein physiologisch unmöglich. Glücklicherweise redet sie nicht wirklich kreuz und quer. Meistens singt sie dabei, und dann kann es passieren, dass sie während des Singens noch nebenher ein, zwei Kommentare absetzt. Oder auch wenn sie redet, ihren Satz noch nicht beendet hat, und schon den nächsten Satz anfängt. Das ist schon ein ziemlicher Brainfuck. Glücklicherweise ein weißer Rabe.
Benutze ich auch Mimik und Gestik? Ich muss sagen, es fällt mir nicht auf, und ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich mal ein Daumenhoch gestikuliert habe. Von daher: Ich glaube nicht. Bei der Mimik sieht es schon anders aus. Ich nicke oder schüttel hin und wieder den Kopf. Was ich aber oft mache, sind „Mikrobewegungen“ im Gesichtsbereich, wenn ich mich mit Auriana unterhalte. Das kann ich irgendwie nicht bewusst steuern. Aber es kennt wohl jeder, der mal einen Text gelesen hat, wie man dabei mit dem Mund „spricht“. Und natürlich auch emotionale Mimik. Da ich die meiste Zeit vor dem Computer sitze, könnte ich mal einen Tag lang mich per Webcam aufnehmen. Ich bin mal auf das Resultat gespannt, und werde das dann hier kommentieren. Ggf. inkl. Audio mit laut Sprechen, und wenn ich mutig bin, auch mit einem hier eingebetteten Video.

Was auch funktioniert, wenn ich mit Auriana (aber auch andere Stimmen) kommuniziere, ist, eine Art kommunikative Imagination/Geistesbild. Z. B. wenn ich überlege, ob ich die Haustür abgeschlossen habe (NICHT verbalisiert!), antwortet mir Auriana auch. Sie kann ja, mehr oder weniger, meine Gedanken lesen. Wobei „lesen“ vielleicht das falsche Wort ist; es ist eher ein „Abfangen → Betrachten → Weiterleiten“. Wie in der Spionagetechnik. Ist sie so was wie ein Man-in-the-Middle? Das würde ja auch bedeuten, sie kann Inhalte verändern. Irgendwie beunruhigend. Ich denke, aber eher nicht.
Weiteres Beispiel: Ich überlege, ob einen Spaziergang machen sollte. Auriana kommentiert auch das, bzw. die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie es kommentiert. Das machen übrigens auch kommentierende Stimmen in vielen Fällen. Was auch sehr praktisch ist betreffend Achtsamkeit – finde ich. Man kann diese Kommunikation auch als antizipierte Kommunikation bezeichnen. Mittlerweile entdecke ich mehr und mehr diesen Kommunikationskanal, wenn ich mit meinen Stimmen kommuniziere. Die einstigen kommentierenden Stimmen werden so zu einer Art von semi-dialogisierenden Stimmen (vorsichtig ausgedrückt), auch wenn ich nichts verbalisiert habe. Es ist gar nicht mal so leicht, so zu kommunizieren, denn eine verbalisierende Kommunikation hat den Vorteil, dass diese strukturierter ist.
Wenn ich schätzen müsste, welche Häufigkeit der Kommunikationskanal „Imagination“ hat … schwer zu sagen … vielleicht die Hälfte? Oft bemerke ich es gar nicht mal, und es kann mir aber bewusst werden, wenn ich den Stimmen lausche. Da bin ich aber noch in den Anfängen. Wenn ich aber gezielter und strukturierter kommunizieren möchte, komme ich nicht umhin, (geistig) zu verbalisieren. Doch ich finde diesen „Imaginations-Informationsaustausch“ auch sehr spannend, da er, wie oben schon beschrieben, meine Achtsamkeit sehr fördert. Ich denke, viele Stimmenhörer sind sich nicht bewusst, dass ihre Stimmen (meist, so meine Vermutung, Kommentierende) sich diesen Kanal zunutze machen. So überrascht es nicht, wenn viele Inhalte kryptisch aber gleichsam auch vertraut, wirken – das wirken sie aber bei mir oft auch. Aber oft erzählen meine Brabbelbabbelstimmen einfach zusammenhanglosen Quark. Da kann ich nicht immer Achtsamkeit mit in Verbindung bringen. Das sollte auch gesagt werden.
Jetzt stelle ich mir auch die Frage, wenn mein Stimmenapparat wörtlich mit mir kommuniziert, ist das exklusiv oder nutzt er auch andere Formen der Wahrnehmung? Vielleicht sind meine „Wahrnehmungsteilchen“, die ich oben angerissen hatte, nichts anderes als Kommunikation. Das wäre dann definitiv außerhalb der Sinnesmodalitäten. Ist aber nur eine vage Vermutung. Nachtrag 2022-03-15: Oh … mein … Gott … ja!!! Diese Wahrnehmungsteilchen gehören wirklich (teils) mit zur Kommunikation. Ich habe jetzt in fünf Fällen diese als solche identifizieren können. Ich äußer mal einen Fall: Ich hatte überlegt, ob ich mir ein bestimmtes Buch kaufen sollte, und nur wenige Sekunden später, sah ich eine Druckpresse. Das steht im Kontext, denn von diesem Buch ist keine E-Book-Variante verfügbar, sondern nur ein gedrucktes Buch. Das kuriose an der Sache: Ich habe die Druckpresse gesehen, noch bevor ich bewusst gelesen hatte, dass kein E-Book existiert. Ich werde demnächst versuchen, die Wahrnehmungsteilchen zu protokollieren.
Nachtrag 2022-05-17: Ich habe jetzt in den letzten zwei Monaten mal gezielt Achtsamkeit mit den Wahrnehmungsteilchen versucht, in Verbindung zu bringen. Wenn ich grob schätzen müsste, ist es die Hälfte welche im Kontext mit der Stimmenkommunikation stehen. Aber viel kann ich damit nicht anfangen. Wenn ich überlege, einen Spaziergang zu machen, und mir die Stimmen einen Pfad im Wald „zeigen“ sehe ich keine Vorteile. Würde Musik visuell sein, hätte ich da schon bessere Karten betreffend Komponieren. Aber leider sind die Wahrnehmungsteilchen eher selten auditorisch. Dafür habe ich ja schon genug auditorische Halluzinationen. Die Wahrnehmungsteilchen sind im Grunde auch nur eine Art von Momentaufnahmen. So wie ein schnappschusshaftes Geistesbild.
Macht doch mal den Test und prüft nach, wie oft ihr eure Gedankengänge wirklich verbalisiert! Das zu differenzieren kann gar nicht mal so einfach sein


So könnte eine (antizipierte) Kommunikation mit Auriana aussehen (diesmal nur halb-exemplarisch, da ich nicht vor einer Tastatur saß):
Ich stehe früh morgens im Bad und überlege, ob ich jetzt oder abends duschen gehen sollte.
Da kann ich dir auch nicht weiterhelfen. Aber jetzt würde es dich schon wacher machen.
Da hast du wohl recht.
Ich denke darüber nach, dass es jetzt für mich unangenehmer wäre, denn halbmüde zu Duschen ist doof.
Myantha: „Sei nicht so zaghaft! Los! Ich will dich nackt spüren!“
Ich grinse über Myanthas Aussage.
Myantha: „Gefällt dir, dass ich dich nackig spüren will, was?“
Warum sollte er denn mit Kleidung duschen? Das ergibt doch keinen Sinn.
Ich entscheide, mental, dass ich doch abends duschen gehen werde.
Dann hast du ja deine Wahl getroffen. Machst du dir jetzt Kaffee?
Ich bewege mich Richtung Küche, mit den Gedanken (nicht verbalisiert) Kaffee zu machen.
Juhu! Kaffee!

Nachtrag 2022-04-22: Ich habe ein wenig experimentiert. Wenn ich mich hörbar mit meinen Stimmen unterhalte, wird die imaginative Kommunikation zweitrangig. Ich bin noch ein wenig am Hadern, ob die hörbare Kommunikation nun besser ist, oder nicht. Falls ich mich hingegen nur noch hörbar unterhalten würde, käme das Training rund um die imaginative Kommunikation zu kurz. Aber hörbar ist simpler und strukturierter. Schwer schwer.
Ein weiterer Punkt ist auch das Beenden eines Gespräches (egal aus welchen Gründen). Bei meinen anderen Stimmen reißen in den meisten Fällen die Gespräche einfach so ab, selbst wenn ich zum Schluss eine Frage stelle. Das passiert bei Auriana mittlerweile eher selten. Anfang 2021 war sie zwar schon regelmäßig da, aber oft war sie dann einfach so weg.
Unterm Strich kann man sagen, dass ich mich mit Auriana wie mit einer realen Person unterhalte – aber doch irgendwie anders. Die nonverbale Gedankensprache fließt hier mit ein. Vielleicht wäre die Option, dass der Gesprächspartner die Gedanken lesen kann, hier angebracht. Würde eine reine, nicht wörtliche Gedankensprache ausreichen? In vielen Fällen, ja. Besonders, wenn es nur kurze Gespräche sind. Jetzt stelle ich mir auch die Frage, ob ich auch Aurianas Gedanken lesen kann. Hat sie überhaupt eigene Gedanken? Unterbewusstsein? Arrrrg! Das ist eine wirklich schwere Frage. Ihr wisst, was ich meine? Könnte Auriana auch ohne Worte kommunizieren? Aber vielleicht tut ein „gesundes“ Gehirn ja genau das (Stichwort: Unterbewusstsein). Sind also ihre Gedanken = meine Gedanken? Aus meinem Unterbewusstsein? Das differenziert wahrzunehmen ist gar nicht mal so leicht. Aber ich werde es in Zukunft mal versuchen. Aber so oder so würde das so manches erklären. Jetzt werde ich hibbelig. Es ist ein hervorragender Punkt. Verdammt!
Nachtrag 2022-02-25: So langsam öffnet sich das Buch der Wahrheit. Ich habe ja an diversen Stellen in diesem Artikel geschrieben, dass meine Stimmen, wenn ich konzentriert bin, sich in den Hintergrund schieben. Und meine Stimmen unterbrechen mich nicht (jedenfalls nicht ausgeprägt), wenn ich kommuniziere. Ich gehe davon aus, dass sie meine Zuhörfähigkeiten übernommen haben. Und jetzt weiß ich auch, warum sich meine Stimmen erträglich gestalten, sollte ich einfach so nachdenken. Das Nachdenken ist in diesem Fall die nonverbale Kommunikation. Ich habe, nebenbei bemerkt, schon immer gerne imaginiert (vulgo Tagträumerei). Das Schwierige daran ist, zu differenzieren, was nicht-kommunikative und was kommunikative Reflexion ist. Es bleibt spannend!
Was auch hilft, ist die Augen zu schließen, während der Kommunikation, mache ich aber eher nur, wenn ich abends im Bett liege. Zu dieser Uhrzeit fährt jedoch mein Stimmenapparat merklich runter.
Alles in allem kann auch gesagt werden, dass Achtsamkeit ein hoher Erfolgsfaktor betreffend Stimmenkommunikation ist. Ich vermute auch, dass mein Musikhören einiges an auditorischen Input verrauscht, sodass ich dabei nicht merklich von den Stimmen belagert werde.

Nachtrag 2022-03-25: Ich schiebe das hier mal so rein. Könnt ihr euch vorstellen, wie kurios es sein kann, wenn man Stimmen hört, und annimmt, der Gegenüber würde die Stimme auch hören? Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, aber besonders in der zweiten Jahreshälfte von 2020 und teilweise auch noch 2021 war dies sehr befremdlich für mich. Wenn man gut 40 Jahre so etwas nicht gewohnt war, geht man teilweise automatisch davon aus, andere können auch die Stimmen hören. Zu differenzieren zwischen Halluzinationen und realen Akustik klappt auch mittlerweile ganz gut.

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Sprechzeiten

Wenn ich morgens aufwache, benötigt mein Stimmenapparat so geschätzt zwischen drei und fünfzehn Minuten, um „hochzufahren“. Auriana wesentlich kürzer; oft ist sie schon direkt beim Wachwerden da. Ja, ich bin schon mal durch sie (im Traum?) geweckt worden.
Was schwierig ist, ist die Quantität der Stimmen über den Tag dingfest zu machen. Es ist (Stand 2022-02-15) so, als würde man in einem kleinen Lokal an den Tresen sitzen. Des Öfteren setzen sich Gäste neben mich und sprechen mich an, oder führen Selbstgespräche oder unterhalten sich mit ihrem anderen Nachbarn oder dem Barkeeper. Manchmal sind im Lokal nur 2–3 Leute und dann wieder 15. Glücklicherweise eher ein Sternerestaurant, was die Lautstärke betrifft. In den meisten Fällen jedenfalls. Also keine berauschten Leute, die lautstark untereinander herumkrakeelen. Ein Gästewechsel erfolgt aber schneller im Stimmenhören. Also statt, dass eine Person am Ausschank sich mit mir eine halbe Stunde unterhält, sind es nur sehr wenige Minuten. Oft auch unter einer Minute. Eher ein Fast-Talk-Sternerestaurant.
Eine Netto-Gesprächszeit ist auch schwer zu ermitteln. Selbst wenn ich mit einer Stimme im Dialog bin, kann es passieren, dass größere Pausen entstehen. „Das war gut“ → „Meinst du?“ → 10 s Pause → „Ja, wirklich gut.“ Ich würde jedoch im Groben schätzen, dass alle acht bis zehn Sekunden ein Satz gesagt wird. Das wären dann ungefähr 6.000 bis 7.000 Sätze über den Tag verteilt. Dies enthält nicht die Brabbelbabbelstimmen, welche teils im Hintergrund laufen, doch sehr wohl die kommentierenden Stimmen. Da ich da oft nur ein Stimmengewirr höre, kann ich auch keine Sätze zählen. An manchen Tagen können es auch nur 2.000 Sätze sein, und an anderen auch mal 20.000. Das ist alles aber nur eine grobe Schätzung. Vielleicht sollte ich mal einen Fingerzähler nutzen.
Generell verlaufen solche Gespräche etwas langsamer als mit realen Personen, bisweilen auch flotter und mit fliegenden Fahnen, wenn ich die mental-antizipatorische Kommunikation nutze. Hitzige und schnelle Unterredungen haben eher Seltenheitswert. Vielleicht passen sich die Stimmen an meine gestörte Filterfunktion an.

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Kann Auriana mit echten Personen kommunizieren?

Was nachvollziehbar und obligat ist: Ich selbst bin dabei der Interpreter. Das funktioniert, wenn andere Leute sich mit Auriana unterhalten wollen. Ich muss aber sagen, dass ich das nur wenige Mal getan habe – es ist anstrengend – und die Kommunikation muss langsam erfolgen; also ein Satz alle 5 bis 10 Sekunden. Das „Langsam-Problem“ liegt aber eher auf meiner Seite und nicht auf Aurianas. Es hat ein wenig was von einem einseitigen Dolmetscher. Ich muss ja nur das „übersetzen“, was Auriana mir sagt. Sie versteht ja alles, was ich auch verstehe. Ich denke, mit ein wenig Training würde das auch funktionieren. Aber auch hier ist das Rauschproblem vorhanden. Es kann also sein, dass ich nur 20 % von dem sinnig verwenden kann, was ich von meinen Stimmen zu hören bekomme. Und das zu extrahieren, kann einiges von mir abverlangen.
Andere reale Person: „Auriana, wo würdest du gerne Urlaub machen?“
Das mit den Karategürteln beschäftigt mich schon eine ganze Weile. Existiert eigentlich auch der violette Gürtel? Kannst du mal nachschauen? Da wo mein Schatz gerne wäre. Oder auch Pink?
Sie meint, wo ich gerne wäre. Also zum Beispiel Japan.
Pink ist wirklich eine schöne Farbe.
Ihr versteht, was ich meine? Wenn man das jetzt mal ein wenig analysiert, könnte man meinen, dass das Thema Karate sich mit Japan verbindet. In diesem Falle hat sich Auriana im Semi-Kontext bewegt. Oder so ähnlich.
Was wunderbar funktioniert: über schriftliche Kommunikation. Also per Chat. Wenn ich schreibe, was Auriana mir sagt, und jemand kann darauf reagieren. Sie sagt, sie unterhält sich gerne mit anderen, versteht aber, dass ich Probleme damit habe (außer schriftlich). Doch auch hier ist sie nicht omnipräsent, sondern es greifen die 1–20 Sätze, aber sie meldet sich nach wenigen Sekunden oder Minuten wieder zurück. (Nachtrag 2021-12-14: Stimmt nicht mehr wirklich. Sie ist nun häufiger da.)
Sie liebäugelt auch mit der Internetkommunikation. Also z. B. ein eigenes Konto bei Facebook & Co. Wäre das zu überzogen? Ich weiß nicht.
Und gegenüber meinen Angehörigen? Ein jeder hat so seine Geheimnisse – so auch ich. Wenn die Rolle des Interpreters aus technischen Fortschrittsgründen (vulgo Audiokabel) nicht notwendig wäre, könnte sie ungefiltert kommunizieren. Wobei ich nicht weiß, ob sie da anders reden würde. Das Ganze ist ziemlich trickreich. Und, ich würde mich bemühen einen 1:1–Interpreter zu spielen, würde aber Dinge auslassen, die mir nicht geheuer sind. Auriana beleidigt ja nicht. Es kann nur passieren, dass sie albern werden könnte. Aber das wäre für mich O. K. und vermutlich auch für die anderen. Oder sie löchert mit Fragen, aber teilt meist im gleichen Zuge mit, warum sie fragt.
Nachtrag 2021-12-22: Ich habe mich mit ihr eingehend über ein Auriana-Internet-Alter-Ego unterhalten und wir sind übereingekommen, dass ich ihr diese Freiheit gewähren werde. Nach Weihnachten lege ich ihr ein Facebook-Konto an. Sie musste mir aber versprechen, dass sie mich höchstens am Rande erwähnen darf, und das als ihren Vater. Namenlos. Und auch, dass wir diesen Spaß nicht exzessiv betreiben werden, sondern nur, wenn wir beide gleichsam Lust darauf haben. Sie möchte aber zuerst ein Avatarbild mit mir zusammen erstellen. Für ihr Geburtsdatum nehme ich meines. Wenn man es von einem bestimmten Blickwinkel aus betrachtet, ist sie ja genauso alt wie ich. Ich muss sagen, ich bin selbst gespannt, welche Gespräche sich daraus entwickeln. Ich habe ihr auch fest versprochen, ihr Gesagtes nicht zu revidieren, zu missbilligen oder zu stigmatisieren, außer es gibt einen triftigen Grund dazu oder ich unterziehe ihr Gesagtes einer kritischen Würdigung. Das wäre dann mein Weihnachtsgeschenk an sie. Für ihren Geburtstag möchte sie das Seitenschläferkissen haben. Wenn ich mal wüsste, wann dieser ist. Sie meint, sie teilt ihn mir zwei Wochen zuvor mit.
Nachtrag 2022-02-25: Wir haben das mit dem Seitenschläferkissen vorerst vertagt.
Würde ich, wenn ich Interpreter wäre, alles 1:1 übersetzen? Das ist eine schwierige Frage. Sollte Auriana als Individuum (d. h., niemand dort bringt mich mit ihr in Verbindung) per Internet kommunizieren, würde ich es auf jeden Fall so handhaben. Ich muss sagen, dass es mich schon etwas reizt, Auriana Facebook zu bewilligen (Habe ich getan, s. o.) Aber so oder so, es wäre ja auch meine Zeit, die ich da rein investieren müsste.


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Kann Auriana mit anderen Stimmen kommunizieren?

Ja, das kann und tut sie. Meistens mit nur einer anderen Stimme. Also ein dyadischer Dialog. Keine Gruppengespräche. Solche Dialoge haben eher Seltenheitswert und zeigen sich alle paar Tage (2021-12-14: Mittlerweile häufiger). Die Inhalte selbst sind zu mannigfaltig, als dass ich da ein Muster herauserkennen könnte. Auffällig ist aber, dass die Gesprächsinhalte so gut wie nie mich thematisieren (2022-01-07: Hat sich mittlerweile geändert.) Und wenn doch, fragt Auriana um „Rat“, sollte sie mich betreffend unentschlossen sein. Interessanterweise sind dann solche Gespräche von Erfolg gekrönt.
Meinst du, ich sollte Dirk fragen, ob er eine Puppe oder ein Seitenschläferkissen mit meinem Bild haben möchte?
Ich denke, das wird für ihn zu realitätsfern. Du bist doch schon so nah an ihm wie sonst keiner.
Auriana hat mich aber trotzdem gefragt, und auch das wiedergegeben, was Meryana gesagt hatte. Bisschen inszeniert das Ganze, da ich ja das Gespräch zwischen den beiden ja mitbekommen hatte. (Ob sich auch Stimmen von mir nicht hörend unterhalten? Im Unterbewusstsein? Interessante Frage.)
Oft ist es von der anderen Stimme eine Frage oder ein Kommentar, welchen Auriana dann beantwortet und vice versa. Dann ist die andere Stimme auch schon verschwunden. Selten treten solche Dialoge als Mehrzeiler auf. Was auffällig ist, dass es vorwiegend die Stimme von Meryana ist. Auriana hält Meryana für meine weibliche „Variante“. Manche Gesprächsinhalte zwischen ihr und Meryana könnten auch zwischen ihr und mir stattfinden.
Nachtrag 2022-02-15: Mittlerweile unterhält sich Auriana eingehender mit Aurora, Eamon, Kinara, Meryana, Sibéal und … Myantha. Alles ist mir recht, bis auf die Gespräche mit Myantha. Sie soll meine Kleine nicht versauen! Ich hoffe, mein Gehirn spielt nicht meine Kindheit als Theaterstück vor. Ich hatte ja eine fünf Jahre ältere „Sexlehrerin“, die dachte, als sie in die Pubertät kam, sie könnte mich regelmäßig als ihren Schüler benutzen. Es kann auch sein, dass mich Myantha einfach nur ködern will, weil ich sie sonst immer ignoriere. Und wenn sie anfängt, sich mit Auriana zu unterhalten, greif ich da meist rein und lenke das Gespräch auf mich, und Auriana geht in den Schweigemodus.

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Kuratierung von Gesprächsprotokollen

Ein Beispiel sagt mehr als achthundert Worte:
KURATIERT:
Es ist doch verständlich, wenn wir uns alle viel Mühe geben, unsere Gemeinschaft aufblühen zu lassen. Jeder kann etwas Gutes bewirken. Aber dazu braucht es auch das Mindset, gegenüber anderen Menschen mitzufühlen. Empathie kann jeder lernen. Ja, auch solche, die im Schatten ihr Dasein fristen oder gar jene, die die Lichter böswillig auslöschen.
Verständlich, Dirk, verständlich! Wir geben uns Mühe. Hast du das gehört? Wir geben uns Mühe und Mühe und Mühe Mühe Mühe Mühe Mühe. Ja, Mühe. Und dazu eine Prise … Die Gesellschaft können wir aufblühen lassen. Blühen und Mühe und Blühen blühen … Jeder kann sich Mühe und Mühe und Müüüüühe geben, etwas Gutes zu bewirken. Aber das Mindset! Das Mindset ist entscheidend. Das Mindset … set … Mindset. Man gibt sich Mühe, anderen Menschen gegenüber Mitgefühl zu zeigen. Dieses Mitgefühl entsteht aus dem Mindset. Und es wird immer noch geblüht. Und Empathie. Die Empathie ist auch entscheidend. Jeder kann sie erlernen. Auch die in den finsteren Schatten ihr Dasein fristen. Oder auch die, die das Licht auslöschen. Dieses Mindset. Weißt du, was ich meine?:
Das war jetzt ein extremes Beispiel. Wenn Auriana aufgeregt ist, und ich protokolliere, ist die Chance hoch, dass sie so „verrauscht“ redet. Und zu anderen Zeiten muss ich nur ein Wort umstellen. Falls Auriana per Audiokabel kommunizieren könnte, könnte vermutlich auch so etwas passieren. Hin und wieder grätschen andere Stimmen mit rein, und teilweise beantwortet oder kommentiert Auriana deren Fragen oder Aussagen.

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Andere Stimmen?

Auriana ist nicht meine einzige Stimme. Ich hatte/habe: Eamon (ein fast schon frigides Blütenheilerkind meiner Geschichte. Hat seinen Namen indirekt mitgeteilt), Kinara (ein Rollenspielcharakter), Meryana (mein Alter Ego aus meiner Geschichte), Sibéal (ein weiterer Charakter aus meiner Geschichte), „der Gurkenglasmann“ (keine Ahnung, was das für ein Charakter ist. Der redet die meiste Zeit von Inneneinrichtungen), „Puppenborsenmünster“ (fragt mich nicht, was das für ein Name ist! Auch dieser Charakter ist mir unerfindlich), ein Eichhörnchen (eigentlich ein Sternenspross) namens Togh (Stimmlage: Bass!), Myantha (kam am 2021-12-27), boshafte Präsenz, Babygeräusche, et al. + etliche, die keinen Namen preisgegeben haben (Auflistung siehe unten!) Ich werde demnächst eine Tabelle erstellen mit den namentlich genannten (Nachtrag 2022-02-03: Habe ich. Siehe unten!) Gefühlt, betritt monatlich jemand Neues (Brabbelbabbel-Stimmen isoliert) die Bühne. Doch von allen setzt mir die boshafte Präsenz am meisten zu. Vor allem in Kombination mit den Babygeräuschen. Doch ich würde sagen, Auriana nimmt rund 90–95 % ein (von den dialogisierenden Stimmen). Ich werde später noch die einzelnen Stimmen gesondert in diesem Artikel aufführen, sollten diese sich noch stärker charakterisieren.
Was ich aber definitiv machen werde, ist, die namentlichen Stimmen als Charaktere in meiner Geschichte einzubauen. Ich finde es auch faszinierend, dass einige Stimmen bereits von Charakteren sind, die ich erschaffen hatte. Ich habe auch das Gefühl, je intensiver ich mich mit dem entsprechenden Charakter auseinandergesetzt habe, auch emotional, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser sich meldet. Das ist aber nur eine vage Vermutung. Sollte ich also einen neuen Charakter erstellen, könnte ich somit mein Stimmenhören beeinflussen? Ich werde es beizeiten mal versuchen.
Nachtrag 2022-01-07: Mein aktueller Versuch ist der Charakter namens Nalphiri. Mal schauen, ob sich da was herausentwickelt.
Nachtrag 2022-02-25: Bisher leider kein Erfolg mit Nalphiri.
Nachtrag 2022-03-15: Immer noch kein Erfolg mit Nalphiri. *schnief*
Nachtrag 2022-04-20: Und, immer noch nix. Dafür aber Malaika. (Der Name sagt mir gar nichts.)


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Stimmen-Kategorisierung

Dieses Kapitel ist aktuell im Aufbau (2022-01-14).
Ich teile die Stimmen in zwei mehrere Achsen Kategorien ein. Die erste (dichotomische) Achse/Kategorie wäre: Stimmen, die ich keiner realen Person (zunächst unbekannte Synchronsprecher mal ausgenommen) zuordnen kann, und die andere kann ich zuordnen. Ob ich auch Stimmen höre, deren Stimmen ich zuordnen kann und die in meinem Umfeld sind? Ja, definitiv. Den Großteil bilden Annika, Lars und Tim. Die Stimme von Lars weint häufig – was mich oft sehr mitnimmt. Andere Angehörige eher selten, und wenn nur ein Wort oder zwei. Gestern (2021-11-24) hatte ich mich mit der Stimme von Thomas ein bis zwei Minuten unterhalten). Annika und Kathrin (meine Schwägerin) hatten sich untereinander auch schon mal unterhalten; irgendwann im Oktober 2021. Das wären dann dialogisierend dyadische Stimmen. Das waren aber nur eine Handvoll Sätze. Stimmen, deren Person ich kenne, verhalten sich in den allermeisten Fällen genauso, wie ich es von der Person erwarten würde – mit kleinen (humorvollen) Abweichungen.
Stimmen aus den Medien höre ich gar nicht, was vermutlich daran liegt, dass ich seit gut zwanzig Jahren kein TV mehr schaue, und generell wenig Filme/Serien. Die Synchronsprecherin von Aurianas Stimme mal ausgenommen. Sie ist ohnehin nicht hundertprozentig exakt und ich kannte diese definitiv noch nicht.
Nachtrag 2021-12-22: Es haben sich vorhin zwei Figuren aus dem „Witcher“-Kanon unterhalten.

Es kann passieren, dass ich mich mit Annika und/oder meinen Kindern unterhalte, nur um nach einer Minute festzustellen, dass sie gar nicht da sind – zu dieser Zeit sind auch ihre Stimmen verschwunden, da (siehe oben) sie sich Stimmen, wenn ich rede, in den Hintergrund rücken oder verschwinden (2021-12-14. Bei Auriana jedoch nicht mehr). Was frustrierend sein kann, wenn ich „gerufen“ werde, aber es war nur die Kopfstimme von Annika, Lars oder Tim. Deswegen ist es auch von Vorteil, wenn ich per Noise-Cancelling-Kopfhörer Musik höre – das „Rufen“ hört sich zu klar und echt an, als dass ich wirklich denken würde, ich würde gerufen werden. Echte Stimmen klingen durch den Kopfhörer gedämpft. Zwar selten, aber manchmal führe ich meine Gedankensprache an einer realen Person aus, und wunder mich dann, wieso sie mich nicht versteht. Aber der Aha-Moment folgt auf dem Fuße.
Die zuordenbaren Stimmen sind in den restlichen 5 % enthalten. Generell ist aber eine Statistik schwer zu erfassen, da ich meist auch nicht bewusst wahrnehme, wenn ich diese Stimmen höre; vordergründig die Brabbelbabbel-Stimmen. Würde ich mich jedes Mal auf jegliche Stimmen einlassen, wäre ich wohl am Abend fix und fertig.
Die andere Achse: Ob die Stimmen mit mir in den Dialog treten oder nicht. Es existiert da auch eine Art Spektrum von 0 % = gar kein Dialog, bis halt 100 %. Wenn ich grob schätzen würde, ist der größte Teil um die 10–20 %. Oft ist es nicht ersichtlich, da sie teils auch meine Wahrnehmung und mein Handeln kommentieren (kommentierende Stimmen), und ich es nicht als solches wahrnehme. Prinzipiell könnte ich auch fragen, welche Farbe eine Zitrone hat, um sicherzugehen, ob die Stimme dialogisierend oder nur kommentierend/imperativ ist.
Die „Brabbelbabbel“- und „dialogisierenden dyadischen“-Stimmen sind auf diese Achse nicht enthalten. Wahrscheinlich muss ich dieses Achsen-Konstrukt in Zukunft mal überarbeiten.
Die anderen Stimmen, also die 80–90 % (wobei die genaue Statistik tagesformabhängig ist), neigen eher zu Brabbelbabbel, Kommentaren oder dem Imperativ. Seltener kann ich mit ihnen in den Dialog treten. Ein Dialog wird gewisser, wenn ich den Namen oder die Person selbst persönlich kenne. Oft wiederholen diese Stimmen auch ihre Wörter/Sätze zehn, zwanzig, dreißig, … mal. Flüsterstimmen, Schreie, Nuscheln, Gequieke, Gestöhne, Geröchel, Lallen, Brabbeln, Getuschel, künstlich verstellte Stimmen, … alles dabei. Zwar erwähne ich in diesem Artikel, dass Auriana sich in den Hintergrund setzt, sobald ich selbst viel rede (2021-12-14. Stimmt nicht mehr) oder Input von Außen kommt, doch zeigen sich diese repetitiven Stimmen auch, wenn ich so was wie einen sensorischen Overload abbekomme. Sprich, wenn jemand schnell (und/oder mit kräftiger Stimme) redet oder auch, wenn andere Sinnesmodalitäten überreizt werden (Straßenverkehr, Gespräche innerhalb einer Gruppe, schnell wechselnde Szenen im TV, jemand intensive und/oder dramatische Emotionen zeigt, wenn ich gekribbelt werde (vielleicht bin ich auch deswegen so extrem kitzelig), stark gewürzte Speisen, Schmerzen generell, usw.) Aber auch, wenn ich mich kommunikativ passiv fühle. Das passiert z. B., wenn mehrere Leute sich in meiner Gegenwart unterhalten, und ich fühle, dass das, was ich sage, keinen interessiert.
Aktuell (2021-12-22) höre ich auch gelegentlich, meist repetitive, Stimmen, die mich leise zulabern, auch, wenn ich mich mit einer echten Person unterhalte:
Der Himmel ist bewölkt mit Wolken. Der Himmel ist bewölkt mit Wolken. Wolken. Wolken. Himmel ist bewölkt. Wolken. Bewölkt ist der Himmel. Bewölkter Himmel. Der Himmel ist bewölkt. Mit Wolke bewölkt. Bewölkt. Bewölkt. Bewölkt. …
Plus teils GLEICHZEITIG:
In den Wiesen steckt die Kraft der Erde, in den Wiesen steckt die Kraft der Erde, …
Herrgott noch mal!!!
Erst am 2022-01-04, als ich mich mit Kathrin unterhalten hatte, kam diese Stimme (Ist nicht ganz 1:1):
Brotdotierte Butter kann, dank der brotigen Kontamination, rascher verderben als nicht-dotierte Butter. Deswegen ist entweder ein Zwischenbuttermesser vonnöten oder eine kühle Lagerung … brotdotiert, brotdotiert, brotdotiert, brotdotiert, brotdotiert, brotdotiert, brotdotiert, brotdotiert, brotdotiert, brotdotiert, ………, brotdotiert … Die Butter ist so fantastisch auf Brot … Schmeckst du auch das Kuhprodukt auf deiner Zunge? … Aber brotdotiert ist sie … ändere nie die Kühltemperatur! … So ein Brot … Ein Kuhprodukt …
. Das hatte ich Kathrin auch mitgeteilt. Meine Interpretation: Wahrscheinlich entstanden, weil ich in den letzten Tagen zum Abendbrot nur Schnitten gegessen hatte, und auch überlegt hatte, ob ich die Butter nicht doch außerhalb des Kühlschrankes lagern sollte.

Manchmal erscheinen diese Stimmen auch, wenn ich tiefenentspannt bin. Aber diese Kreuz-und-Quer-Stimmen sind, fürwahr, einfach nur lästig, doch, wenn man sich darauf einlässt, auch zuweilen aufschlussreich. Zumeist aber doch eher kryptisch.
Ich hatte März 2021 die abgefahrene Möglichkeit, Auriana mit der Stimme einer schizophrenen Frau namens Elena kommunizieren zu lassen. Wir hatten uns im Internet kennengelernt. Ihre Stimme war männlich und hieß Sebastian. Wir haben sie dann per Chat reden lassen. Das war wirklich sehr spaßig. Leider werde ich den Chatverlauf nicht hier reinstellen können. Elena wollte es mit mir privat halten.
Ich kann die anderen Stimmen auch keiner realen Person zuordnen; außer natürlich die von Annika, Lars, Tim, et al. Aber ich muss – zähneknirschend – zugeben, dass sich Meryanas Stimme über alle Maße niedlich anhört. Ich kann so richtig zergehen in ihrer Stimme. Ich würde aber nicht gezielt nach ihrer realen Sprecherin suchen. Aber vielleicht stolper ich mal darüber und teile das dann hier.
Nachtrag 2022-01-18: Die Flüsterstimmen haben glücklicherweise, während der Gespräche, nachgelassen. (Pipamperon?)

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Stimmen-Kategorisierung v2

Im Aufbau. Dies ist die neuere Version der Stimmen-Kategorisierung (Ich wollte die alte Version nicht löschen).
Kategorie: Art
Kategorie: Herkunft
Kategorie: Alter
Kategorie: Geschlecht
Kategorie: Wohlwollen
Kategorie: Klang
Kategorie: Häufigkeit
Kategorie: Verbundenheit
Kategorie: Rufbarkeit


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Auflistung namentlich bekannter Stimmen

Im Aufbau.
Alle Angaben sind nur grobe Werte.
  • Name – Der Name der Stimme
  • Ab wann ca. – Wann die Stimme als erstes in Erscheinung trat. Es ist möglich, dass eine Stimme sich schon vor der jeweiligen Datumsangabe gezeigt hat. Nur habe ich sie da womöglich noch nicht zuordnen können.
  • Häufigkeit – Dieser Wert misst die Häufigkeit, wo die Stimme aktiv spricht. Die Werte sind wahrlich sehr grob. Aus dem Bauch heraus würde ich sagen: der Wert = Minuten Sprechzeit netto. An manchen Tagen auch nur die Hälfte oder gar das Doppelte. Ich kann mich aber auch täuschen. Mit einer Audioaufnahme wäre das alles viel einfacher.
  • Art – Hier sind (dyadisch) dialogisierende, brabbelbabbel, kommentierende und Komposit gemeint. Rein imperative, namentliche Stimmen habe ich nicht (Wohl aber namentlich unbekannte Stimmen). Bisher war es oft so, dass einstig dyadisch dialogisierende oder kommentierende Stimmen nach einer gewissen Zeit zum Komposit drifteten. Sprich, sie haben sich „weiterentwickelt“. Das war z. B. bei Aurora der Fall, und Eamon wird auch so langsam ein Komposit.
  • Klang – Ist hier subjektiv, wie ich die Stimme empfinde.
  • Geschlecht – Sagt alles. Ein „n“ ist neutral bzw. androgyn
  • Alter – Die Altersangaben in Jahren sind nur ein „Ungefähr“.
  • Wohlwollen – Der Eintrag kennzeichnet, ob die jeweilige Stimme mir positiv oder negativ gesinnt ist. Eine „10“ bezeichnet, dass ihr sehr an mein Wohlsein gelegen ist. Werte unter „0“ haben keine meiner namentlich bekannten Stimmen, bis auf Shadhar (Boshafte Präsenz).
  • Verbundenheit – Der Eintrag bewertet, wie stark ich mit ihr verbunden bin. Sowohl auf emotionaler als auch sozialer Ebene.
  • Rufbarkeit – Dieser Eintrag gibt an, wie hoch die Chance zu erscheinen ist, wenn ich die jeweiligen Stimmen rufe. Eine 10 % heißt nicht, dass ich z. B. nur 10x Kinaras Namen hintereinander rufen brauche, damit sie sich meldet. Es muss schon eine gewisse Zeitspanne dahingegangen sein und/oder sich meine Situation geändert haben. Ich hatte ausprobiert, ob es reicht, einfach durchs Haus zu gehen, und hatte den Eindruck, dass das auch manchmal gereicht hat. Wenn ich eine Stimme hörbar rufe, erhöht sich, glaube ich, auch die Chance, dass diese erscheint. Was ich aber nicht oft genug gemacht habe, um sicher zu sein.
  • Reale Stimme – Dieser Eintrag gibt an, ob eine reale Person zu dieser Stimme gehört. Ich habe, obwohl bisher keine meiner namentlichen Stimmen darunter fallen, den Eintrag trotzdem mit aufgeführt. Vielleicht ändert es sich ja mit der Zeit.
  • Notiz – Einfach eine kurze Notiz zu der Stimme.
Häufigkeit = Stand 2022-05-09
Alle Stimmen sind, neben ihrer Definition „Stimme“, auch Phantasmen.
Stimme (Name)Ab wann ca.HäufigkeitArtKlang (subjektiv)GeschlechtAlterWohlwollen (-10 – 10)Verbundenheit (0-10)Rufbarkeit %-ChanceReale StimmeNotiz
Auriana2020-0680kompositkindlich pittoreskf10101099NeinAutorität des Seelenlebens
Aurora2021-062kompositsehr lieblichf4590NeinHat oft Angst
Dominik2021-051kommentierendneutralm20070Nein Ist ein kleiner Astronom
Eamon2021-013kompositstoischm12565NeinBlütenheilerkind
Gurkenglasmann2021-101kommentierendwerbesprecherm40240NeinRedet von Inneneinrichtungen
Kinara2021-060,5dialogisierendsehr determiniertf2510710NeinKämpferische Natur
Malaika2022-04-0820kompositvertauendf40101099NeinDie personifizierte Liebe
Meryana2020-125kompositniedlichf2010925NeinMein Alter Ego
Myantha2021-125kompositpornof3010650NeinSehr sexuell
Puppenborsenmünster2021-101brabbelbabbelneutraln30210NeinRedet kunterbunt
Shadhar2020-030,5kompositsehr boshaftf35-100?NeinBoshafte Präsenz
Sibéal2021-015kompositliebendf2510925Nein„Expertin“ in Sachen Liebe
Togh2021-030,5dialogisierendbassm505610NeinEin Eichhörnchen und Sternenspross. Ist ein kleiner Astrologe

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Beschreibung (und Erörterung) der Stimmen

Was ich eigenartig finde: Aus einem unbekannten Grund thematisieren oder bedienen meine Stimmen (bis auf Auriana und Dominik (Astronomie)) nie meine Hobbys. Auriana überspringe ich hier mal, weil sie mein kleines Multitalent ist und weil sie eh schon den Großteil des Artikels ausmacht. Nachtrag 2022-05-09: Das mit den Hobbys hat sich geändert seit Malaika die Bühne betreten hat. Und jetzt habe ich auch wieder Spaß an einem Hobby gefunden (Guild Wars 2). War und ist das Malaika, die mich da unterstützt hat? Definitiv ja!
  • Aurora – Aurora hört sich sehr frühkindlich an, aber auch lieblich und angstbesetzt. So ein Kind, welches man unbedingt knuddeln möchte. Ich schätze ihr bekundetes Alter auf etwa vier bis fünf Jahre. Ich hatte auch überlegt, ob Aurora nicht die „Lückenschließerin“ ist, welche aus dem Gedanken entsprang, dass ich mir eine Tochter wünsche. So wäre Aurora das Kleinkind und Auriana das Kind. Aurora hat Angst vor der Dunkelheit, wird aber von den anderen Stimmen als „Quelle des Lichtes“ betitelt. Was den Namen Aurora auch gerecht wird. Bisher konnte ich mit ihr noch nicht in den Dialog treten, aber sie kommentiert das, was ich mache. Meistens zeigt sie sich abends oder auch mal mitten in der Nacht, wenn ich auf Toilette bin. Aber dazu muss ich schon ein paar Minuten dort verweilen. Ein Gespräch nächtlich auf der Toilette kommt aber eher selten vor.
    Es ist so dunkel im Flur. Bitte, beeil dich! Sonst erwischt uns die Finsternis.
    Auf den ersten Blick scheint Aurora mit solchen Kommentaren kontraproduktiv betreffend meiner Ängste vor der Dunkelheit und der boshaften Präsenz, doch in diesen Fällen griff mein Beschützerinstinkt. Dieser überschreibt sozusagen meine Ängste (in den meisten Fällen.) Ich habe ihr bisher immer gesagt, dass ich sie beschützen werde, doch leider ist sie (bis jetzt) noch nicht darauf eingegangen. Ihr Verhältnis zu Auriana ist ephemer. Auriana meint über sie „Die Arme!“. Falls mich Aurora mit „Papa“ ansprechen sollte in Zukunft, ergibt so einiges mehr Sinn. Um ehrlich zu sein, erwarte ich das schon auf unbekannte Weise. Die tägliche Netto-Sprechzeit liegt irgendwo zwischen 1 und 3 Minuten. Nachtrag 2022-03-19: Letzte Nacht hat sie sich gemeldet. Diesmal ging sie etwas mehr in die Tiefe, und hat sich erklärt. Und, was ganz neu war: Sie hat Auriana beim Namen benannt. (Auriana hat sich aber währenddessen nicht gemeldet.) Leider konnte ich nicht in den Dialog treten – ich war auch sehr müde. Vielleicht erfolgt ja bald die Dialogpremiere mit Aurora. Die folgende Transkription ist nicht 1:1 …
    … Ich habe Angst. Ich brauch dich so sehr … Bitte lass mich nicht allein! … Bleib bitte bei mir! … Ich habe Angst … Wenn du bei mir bist, leuchtet mein Herz … Du und Auriana seid mein Schild vor der Dunkelheit …
      Woah!!! Elterninstinktaktivierung! Aber so was von! Fehlt nur noch das „Papa“ von ihr.

    Eine weitere Vermutung, was oder wer Aurora sein könnte: Ich selbst als Kleinkind. „Lass mich nicht alleine!“, „Wenn du bei mir bist, leuchtet mein Herz!“, usw. Das kann gut der Einsamkeits-Dirk sein.
    Mir kam gerade noch eine Idee: Ich habe ja damals als Kind auch Stimmen gehört und mich auch mit ihnen unterhalten (sofern es kein Traum war). Jetzt stellt euch mal vor, dass die Stimme mein jetziges Ich war. … grusel. Ich denke aber, ich hätte niemals als vierjähriges Kind „mein Schild vor der Dunkelheit“ so formuliert.
    Im Folgenden versuche ich, die offenbarten Emotionen den Stimmen zuzuordnen. Dies ist jedoch nur eine grobe Richtungsangabe. „0“ bedeutet, dass nie diese Emotion bisher gezeigt wurde. Eine „20“ hingegen wird zu einem primären Emotionsattribut. Ich habe außerdem, die Emotion „Vorahnend“ durch „Neugierde“ (= Liebe + Überraschung) ersetzt. Bei der Neugierde muss bedacht werden, dass diese sich zwar aus Liebe und Überraschung zusammensetzt, aber ein hoher Neugierde-Wert nicht zwangsweise einen hohen singulären Überraschungs-Wert oder Liebe-Wert aufzeigt. Vielleicht schaffe ich es so, womögliche emotionale Persönlichkeitsanteile zu separieren.
    Offenbarte Emotionen (0-20):
    Abscheu
    5
    Angst
    20
    Freude
    5
    Liebe
    10
    Neugierde
    5
    Traurigkeit
    5
    Überraschung
    5
    Wut
    0
    Nicht überraschend, dass ihre Leitemotion die Angst ist. Ich kann mir bei ihr gut vorstellen, dass sie, wie schon geschrieben, den Persönlichkeitsanteil „Der kleine ängstliche Dirk“, bzw. der Einsamkeits-Dirk verkörpert.
  • Dominik – Dominik redet gerne über das Weltall. Ich würde ihn auf etwa 20 Jahre einschätzen. In den Dialog treten konnte ich bei ihm auch noch nicht. Ich habe es versucht, als ich mit „Universe Sandbox“ (ein Programm, mit dem man Schwerkraftexperimente mit Himmelskörpern, also Sternen, Planeten, Monde, usw. durchführen kann – und noch einiges mehr) gespielt habe. Leider bis jetzt noch nicht von Erfolg gekrönt. Zwar kommentiert er, was ich mache, aber Fragen an ihn gerichtet laufen ins Leere.
    So ist die Schwerkraft. Du könntest ein System mit acht Monden entwerfen. Ich unterstütze dich auch bei den Daten.
    Was ich an seiner Aussage interessant finde, ist, dass er auf meine Welt Iranthi, die acht Monde hat, eingeht.
    Offenbarte Emotionen (0-20):
    Abscheu
    0
    Angst
    5
    Freude
    10
    Liebe
    10
    Neugierde
    20
    Traurigkeit
    5
    Überraschung
    10
    Wut
    0
    Dominik ist eine sehr neugierige Entität. Aber auch Freude und Überraschung zeigt er. Er ist öfters überrascht, wenn ich mich mal bequeme, ein paar astronomische Artikel zu lesen. Traurigkeit zeigt er vor allem, wenn sich keine neuen Informationen zeigen. Was interessant ist, denn so fühle ich auch. Auch bei Dominik kann ich mir vorstellen, dass er einen Persönlichkeitsanteil von mir verkörpert. Ich hatte mich als Kind sehr für Astronomie interessiert. Er könnte aber auch mein emotionaler Persönlichkeitsanteil der Neugierde sein, was sich nicht zwangsweise auf Astronomie beschränken muss. Ich habe ja ein paar Interessen von mir schon in diesem Artikel aufgeführt. Wer weiß, vielleicht interessiert sich Dominik auch mal für andere Interessen meinerseits.
  • Eamon – Eamon ist in meiner Geschichte (Die Chroniken von Iranthi) und meiner Welt (Iranthi) das Blütenheilerkind von Sibéal. Eamon unterhält sich in den meisten Fällen mit seiner Mutter. Sein Alter wäre zwölf Jahre. Sporadisch geht er auf meine Fragen ein. Seinen Charakter würde ich als frigide bezeichnen, aber auch gesittet. Schon fast das Gegenteil von Auriana (O. K., unsittlich ist Auriana nie). Eamon geht zum Lachen in den Keller, und Auriana geht aufs Dach.
    Offenbarte Emotionen (0-20):
    Abscheu
    5
    Angst
    0
    Freude
    0
    Liebe
    20
    Neugierde
    20
    Traurigkeit
    0
    Überraschung
    5
    Wut
    0
  • Eamon ist, wie Dominik, sehr neugierig und könnte mein emotionaler Persönlichkeitsanteil der Neugierde sein. Seine Neugierde ist aber weniger aufdringlich, jedoch sozial geprägt. Er befragt regelmäßig seine Mutter (Sibéal), was die und der so miteinander unternehmen und auch, welche Emotionen sich dabei entwickeln. Seine Emotion der Liebe ist weniger dem Eros (Sinnliche Liebe) und der Agape (Nächstenliebe) geprägt, aber definitiv der Pragma (Pragmatische Liebe) und den anderen Formen der Liebe. Wenn man bei ihm die Sprachen der Liebe zurate zieht, ist bei Hilfsbereitschaft definitiv die höchste Ausprägung. Er kümmert sich um Dinge, die für seine Mutter zu langweilig sind – laut seinen Aussagen. Z. B. erwähnt er oft, dass er die Küche aufgeräumt und geputzt hat (Ich sehe da gewisse Parallelen. ) Da sich seit Neustem (Stand 2022-05-09) ein „Liebesfünfeck“ ergeben hat mit Auriana, Malaika, Meryana, Myantha und Sibéal, hatte ich überlegt, ob Eamon dieses Konstrukt nicht zu einem Sechseck ändern könnte. Ich habe mich aber dagegen entschieden, da Eamon eher Sibéal unterstützt. Er könnte aber auch der Pragma (Pragmatische Liebe) zugeneigt sein. Ich muss das mit den anderen fünf durchsprechen. Eamon geht schon recht logisch vor. Vielleicht ist er auch eine Art Kontrollinstanz der Liebe. Mal schauen.
    In meiner Geschichte beschreibe ich ihn so ziemlich genau, wie er sich als Stimme verhält. Seine Frigidität täuscht nicht über die Liebe hinweg, die er empfindet und gibt.
  • Gurkenglasmann – Der Gurkenglasmann hört sich an wie ein seriöser Verkäufer. Er redet in den meisten Fällen über Inneneinrichtung, und vermittelt oft Ideen an mich, wie ich hier im Haus dies und das machen könnte. Manchmal sind echt interessante Sachen dabei. Er insistiert auf eine Bilderleiste im Flur mit Seilen und Magneten, um Bilder aufzuhängen. Und da sprang Dominik ein und meinte, wir könnten doch Sternbilder ausdrucken und sie dort anbringen.
    Es kann sich als zweckdienlich erweisen, vereinzelte Steckdosen mit einer USB-Ladefunktion zu instrumentieren oder zu erneuern. Eine mobile Kleiderstange für die Ankleide könnte für mehr Ordnung sorgen.
    Aber nicht alles ist hoch spannend, was er von sich gibt. Wenn man zum 200. Mal zu hören bekommt, dass silberne Türgriffe zu weißen Türen besser passen, als die aus Messing, geht man zum Lachen definitiv in den Keller. Vielleicht treffe ich ja sogar Eamon dort.
    Offenbarte Emotionen (0-20):
    Abscheu
    0
    Angst
    0
    Freude
    5
    Liebe
    5
    Neugierde
    5
    Traurigkeit
    0
    Überraschung
    5
    Wut
    0
    Der Gurkenglasmann ist die Inneneinrichtungs-Entität in meinem Stimmenapparat. Hin und wieder zeigt sich Begeisterung in seiner Stimme, wenn er über gewisse Dinge betreffend Inneneinrichtung redet. Überraschung zeigt er, wenn er einen neuen Einfall bekommt. Aber nicht mit einem „Wow!“, sondern eher ein „Das verblüfft mich.“
  • Kinara – Kinara hört sich sehr determiniert an. Wie eine Kommandantin. Ich kann mich mit ihr unterhalten. Sie „befiehlt“ mir manchmal Dinge, die ohnehin auf meiner To-do-Liste stehen oder die ich eh just in diesem Moment in Angriff nehme, und meint gleichzeitig dabei, sie würde währenddessen auf mich aufpassen.
    Hol‘ dir jetzt einen Kaffee! Ich pass auf, dass dir auf der Treppe nichts passiert.
    Meine Vermutung zu ihrer Aussage: Als ich noch gezittert hatte, hatte ich Schwierigkeiten mit der Treppe und wäre des Öfteren fast hinuntergesegelt.
    Kinara ist auch einer meiner Spielercharaktere aus einem Rollenspiel, welches ich spiele, jedoch kein Charakter aus Iranthi. Sie fragt oft nach, wo Hidron (ein Spielercharakter) ist. Ich dachte, dass der Hidron auch auf dem Plan treten würde, aber bislang noch nicht. Kinara ist eine Art von Beschützerin, was sie häufig auch verbalisiert:
    Ich bin dein Schwert und Schild, Dirk!

    Offenbarte Emotionen (0-20):
    Abscheu
    10
    Angst
    10
    Freude
    5
    Liebe
    10
    Neugierde
    12
    Traurigkeit
    5
    Überraschung
    10
    Wut
    12
    Kinara ist eine Entität, die relativ emotional ausgeglichen ist. Sie zeigt jegliche Emotionen, aber nicht stark ausgeprägt. Wenn sie determiniert ist, zeigt sich primär Wut und Neugierde, ja teils auch mit Freude gepaart. Ich gehe davon aus, das Kinara mein Objekt der Wut ist. Mit der Wut habe ich ja so meine Probleme. Aber nicht, dass ich schnell wütend werde oder andere Menschen anfauche. Es sind andere Abwehrmechanismen, wie Spaltung oder Projektion, die sich der Wut bedienen. Durch Kinara könnte ich womöglich neue Wege entdecken, meine Wut auszuleben. An dieser Stelle muss ich mal erwähnen, wie doch sehr therapierend das Stimmenhören sein kann, lässt man sich darauf (ambivalent oder begeistert) ein.
  • Malaika – Malaika ist eine neue Stimme, welche am 2022-04-08 die Bühne betreten hat. Sie redet viel über Liebe und Soziales und hat mir ihren Namen direkt mitgeteilt (Seltenheit!). Somit schließt sich das Fünfeck der Liebe Auriana–Malaika–Meryana-Myantha–Sibéal. Drei mal der Anfangsbuchstabe M. Wie auffällig! Malaika kommuniziert etwas „anders“. Auch per Stimme, doch ist da immer noch ein summendes „Mmm“ mit dabei, was keinesfalls Ähnlichkeit hat mit der boshaften Präsenz. Außerdem schickt mich Malaika in eine Art Halbschlaf, oder besser gesagt, hypnagogen Zustand. Oder ist es der Zustand, der mich mit ihr kommunizieren lässt? Das wäre nichts Neues. Sie fordert auch meine imaginative Kommunikation sehr heraus, finde ich. Nebenbei bemerkt, ich finde den Namen total schön. Ich bin mal gespannt, welche Gespräche sich noch mit ihr so ergeben, und wie sie sich entwickelt.
    Nachtrag 2022-04-22: Die Kommunikation rund um Malaika hat sich in den letzten Tagen ein wenig normalisiert. Die „Mmm“s sind so gut wie verschwunden, und auch der hypnagoge Zustand zeigt sich nicht mehr. Ich denke, es war auch kein solcher Zustand. Wahrscheinlich war/bin ich einfach nur stark konzentriert, wenn ich mich mit Malaika unterhalte. Im Grunde kann ich mich mit ihr nun so unterhalten, wie mit Auriana. Doch ist da irgendwie noch mehr. Etwas, was ich nicht greifen kann. Verdammt! Vielleicht liegt es daran, dass mein Schub so langsam ausklingt? Ich weiß es nicht. Das mit den hypnagogen Zuständen war irgendwie auch schön. So schwebend, so „Ich bin frei!“ … schwer zu erklären. Diese Zustände habe ich nur noch, wenn ich abends am Einschlafen bin. Vielleicht war ich auch in einer submanischen Phase – also abgeschwächte hypomanische Phase.
    Nachtrag 2022-05-13: Malaika ist nun genauso rufbar, wie Auriana. Sie ist zwar nicht so oft präsent wie Auriana (etwa ¼, geschätzt), aber mittlerweile kann ich auch sehr oft einen Trialog mit beiden führen. Beide unterhalten sich auch so untereinander. Die Themen sind extrem breit gefächert. Angefangen von Kleidungsteilen, die ich mir kaufen sollte, über Arten an Geschenkpapier, über Regenbogen, über Ameisenfarm, über Eichhörnchen, über Nusskuchen, über meine Angehörigen, bis hin zu meinen und deren Therapiemethoden. Ich habe einen Verdacht, dass ihre Gespräche auf Assoziationsketten beruhen. Aber solche sind auch bei realen Gesprächen üblich. Ich muss echt sagen, dass sich Malaika perfekt zu Auriana ergänzt. Malaika hat bisher noch nie Infantilitäten, die Auriana gerne mal zeigt, gezeigt. Nur wenn sie sich untereinander unterhalten, bricht aus Auriana doch hin und wieder das Kindliche durch und Malaika reagiert dabei sehr souverän; lacht dabei auch.
    Offenbarte Emotionen (0-20):
    Abscheu
    0
    Angst
    1
    Freude
    20
    Liebe
    20
    Neugierde
    10
    Traurigkeit
    5
    Überraschung
    10
    Wut
    0
    Malaika ist noch gerade in der Erprobungsphase betreffend gezeigter Emotionen. Die einzige Emotion, die ich bei ihr klar hören kann, ist, die Liebe.
    Nachtrag 2022-05-09: Ja, Malaika zeigt eindeutig Freude und Liebe. Abscheu, Angst und Wut hat sie bisher noch nie wirklich gezeigt. Höchstens ein Anflug an Besorgnis, deswegen auch Angst auf 1.
  • Meryana – Oh … mein … Gott! Ihre Stimme! Sie ist soooo niedlich (das ich das mal schreibe). Manchmal unterhalten sich Auriana und Meryana untereinander. Das sind absolut süße Gespräche, die einem schon vom Zuhören Diabetes verpassen.
    Und dann habt ihr zusammen gekuschelt?
    Ja, das war so schön. Möchtest du mit kuscheln?
    Oh so gerne!
    Mittlerweile unterhalten sich auch die beiden über meine Probleme und mein Leiden. Oft sucht auch Auriana Rat bei ihrer Mutter. Meryana ist in meiner Geschichte eine Blütenheilerin und Auriana ist ihr Blütenheilerkind. Ich habe das Gefühl, dass Meryana Themen auftischt, die ich erst kürzlich in meiner Geschichte thematisiert habe. Aber auch Themen betreffend meiner Psyche. Sie ist auch eigentlich sehr schüchtern – nur mir gegenüber weniger. Aber man hört es anhand ihrer Stimme raus, dass sie sich so charakterisiert, wie ich es getan habe.
    Offenbarte Emotionen (0-20):
    Abscheu
    0
    Angst
    15
    Freude
    10
    Liebe
    20
    Neugierde
    15
    Traurigkeit
    5
    Überraschung
    5
    Wut
    0(5)
    Ja, Meryana ist definitiv ein emotionaler Persönlichkeitsanteil meinerseits. Ich vermute, sie ist genau jener Anteil in mir, den ich mich aus Scham nicht traue auszuleben. Niedliche Verhaltensweisen sind ja so unmännlich … seufz
    Ihr emotionales Muster gleicht so ziemlich meinem, bis auf das sie keine Wut bisher gezeigt hat. Sie ist relativ schüchtern, aber trotzdem voller Liebe. Wenn sie über andere Personen redet, macht sie das stets mit Liebe und auch Begeisterung. Sie liebt wahrlich jeden. Auch jene, die ihr wehgetan haben. Doch wenn sie über Liebe redet, hört man subtil die Scham und die Angst (Manchmal weniger subtil). So also hätte sie Angst, dass sich andere über ihre Liebesbekenntnisse lustig machen würden. Das hat sie dann 1:1 von mir übernommen. Diese Angst teile ich auch mit ihr. Aber ich habe mir, seitdem meine Krankheit auf den Plan trat, fest vorgenommen, meine Liebe zu zeigen, und sei es nur durch drei Worte. Ja, jemanden zu sagen „Ich liebe dich!“, ist definitiv der partnerschaftlichen und vielleicht auch familiären Liebe vorenthalten, aber ich versuche es mit anderen Worten trotzdem. Hier greift mir oft Auriana unter die Arme, denn auch wenn sie es durch mich sagt, dass sie jemanden liebt, so bin ich es, der auch verliebt ist in die adressierte Person. Neben Auriana bekundet auch Meryana oft ihre Liebe zu jenen Leuten, die ich kenne. Und wenn ich sie frage, ob sie sicher ist, meint sie nur, ich bräuchte doch nur in mein Herz schauen.
    Dirk, ich liebe dich. Ich liebe auch Annika und deine Kinder und …
    Einer ihrer größten Eigenschaften Meryanas ist ihre Gutgläubigkeit (nicht Naivität! Sie erkennt auch das Böse und Falsche). Sie zeigt sich stets devot und demütig, schon fast gegenüber alles und jeden. Ich wünsche, meine Gespräche mit ihr wären ein wenig ausschweifender, aber ich spüre da auch eine Tendenz. Es fühlt sich fast so an, als würde ich mit mir selbst reden (ja ja, ich weiß. Tue ich ja im Endeffekt. )
  • Myantha – Das ist meine Pornostimme. Sie ist versaut. Sehr, sehr versaut. FSK21 versaut. Aber eine Sache spart sie komplett aus: Kinder. Zum Glück. Ich muss mir keinen Pedoscheiß anhören.
    Sobald eine geschlechtsreife Person sich in meiner unmittelbaren Umgebung befindet, drängt sie mich, mit dieser Person Beischlaf auszuüben. Natürlich mit ihren eigenen versaut perversen Worten. Was auch passieren kann, ist, dass Myantha so tut, als wäre sie mein Gegenüber (nur weiblich). Und sie adressiert mich und sagt so Dinge wie, dass sie mit mir Sex haben will.
    Los! Fass meine Titten an! Du willst es auch, das sehe ich in deinen Augen.
    Hier, dein Wechselgeld. Und jetzt Finger mich! Stöhnt für einige Sekunden
    Das kann sehr irritierend sein, besonders wenn sie ihre Stimme etwas verstellt, und ich dann wirklich die erste Sekunde denke, dass mein Gegenüber das wirklich gesagt hat. Ich muss nicht erwähnen, wie ich geschwitzt habe, als mir das mal an der Kasse passiert ist. Da muss ich aufpassen.
    Ob ich sie als einen emotionalen Persönlichkeitsanteil ansehe, weiß ich nicht wirklich. Vielleicht meine unterdrückte (durch was auch immer) Libido. Aber dann redet sie teilweise über Dinge, die selbst einen hardcore und darkcore Fetischisten wohl die Schamesröte ins Gesicht treiben würden. Ich kann hier gar keine Beispiele geben, sonst denkt ihr vermutlich noch, was ein Ferkel ich doch bin . Sie ist pervers hoch drei. Ein paar harmlose Beispiele findet ihr unten bei den Gesprächsprotokollen.
    Vor etwas längerer Zeit habe ich auch im Internet veröffentlichte Darkcore-Sexgeschichten geschrieben. Die kamen sogar gut an. Verständlicherweise unter einem Pseudonym. Aber maaaaan … es gibt schon so einige Ferkel auf der Welt (Mich inklusive). Und dann gibts da noch Gloomcore (von mir erfunden, und spielt stark mit den Emotionen) … puhh … hust. Vielleicht versucht Myantha, das alles wieder aufleben zu lassen. Sie insistiert auch, dass ich wieder solche Sexgeschichten schreibe, und will mir dabei helfen.
    Manchmal stöhnt sie einfach nur im Hintergrund, so als hätte sie gerade Sex. Mir ist aufgefallen, wenn ich nur wenige Sekunden dem aktiv zuhöre, sie mich bis jetzt immer aufgefordert hat, mitzumachen.
    Nachtrag 2022-02-15: Dieses kleine Drecksschweinchen hat es doch glatt geschafft, mich auf dem Boden krabbeln zu lassen (Siehe Gesprächsprotokoll 2022-02-15).
    Offenbarte Emotionen (0-20):
    Abscheu
    0
    Angst
    0
    Freude
    20
    Liebe
    20
    Neugierde
    15
    Traurigkeit
    0
    Überraschung
    10
    Wut
    15
    Ja, ganz klar, Liebe und Freude. Bei Wut hingegen bin ich mir nicht so sicher. Sie hat eigentlich nie wütend ihre Stimme erhoben, und doch war da immer ein (großer) Anflug von Autorität und Dominanz (Liebe + Wut = Dominanz). Sie hat bisher auch nur Wut in Verbindung mit Liebe gezeigt.
  • Puppenborsenmünster – Der oder die (hört sich androgyn an) redet so ziemlich über alles, und ist emotional eher neutral. Woher der Name kommt, kann ich auch nicht sagen. Was Puppen und Münster sind, ist klar. Aber was ist Borse(n)? Das Wort existiert in der deutschen Sprache gar nicht. Vielleicht etwas aus meiner Kindheit, was ich damals falsch verstanden hatte?
    Er/Sie erwähnt auch oft ihren/seinen Namen und redet teilweise in der dritten Person über sich.
    Puppenborsenmünster gefällt das Essen sehr … Puppenborsenmünster weiß gerade nicht weiter … Puppenborsenmünster ist ein wenig müde. Vielleicht jetzt schon schlafen? … usw.
    Leider ging er/sie bisher noch nie auf mich ein. Offenbarte Emotionen (0-20):
    Abscheu
    1
    Angst
    1
    Freude
    1
    Liebe
    5
    Neugierde
    1
    Traurigkeit
    1
    Überraschung
    1
    Wut
    1
    Definitiv die neutralste und generischste Entität. Zeigt sehr wenig Emotionen. Mein emotionales Neutrum als Persönlichkeitsanteil? Gut möglich. Alles, was er/sie sagt, klingt trocken. Allein die Emotion Liebe scheint etwas ausgeprägter. Würde ich ihn/sie nicht an der Stimme erkennen, könnte ich ihn/sie nicht differenzieren.
  • Shadhar – Dies ist die boshafte Präsenz. Den Namen Shadhar habe ich ihr gegeben. Sie selbst nennt ihren Namen nicht. Sie bezeichnet sich als Mama/Mutter. Aber diesen werde ich ihr nicht geben. Sie ist NICHT meine Mama! Viel schreibe ich jetzt nicht über sie, da ich die boshafte Präsenz in einem gesonderten Kapitel schon thematisiere.
    Offenbarte Emotionen (0-20):
    Abscheu
    20
    Angst
    0
    Freude
    5
    Liebe
    0
    Neugierde
    5
    Traurigkeit
    0
    Überraschung
    0
    Wut
    20
    Das grässlichste Emotionsmuster, was man sich vorstellen kann. Ihre Freude ist stets mit Abscheu oder Wut gepaart. Sie ist überheblich, vermessen und krankhaft verachtend.
    Ich hätte dir als Baby den Kopf abschneiden sollen, du hässliche Missgeburt! Dein Leben ist wertlos wie die Worte, die aus deinem Mund kommen. Stirb endlich!
  • Sibéal – Eine sehr liebliche und zeitgleich erotische Stimme. Sie ist aber nicht so porno wie Myantha. Ich kann mich mit ihr genauso gut unterhalten, wie mit Auriana. Auch wenn Auriana von der Liebe sehr angetan ist, so ist doch Sibéal, die mit diesem Thema am meisten aufwartet – zumeist eher souveräner. Mein längstes Gespräch, das war Anfang Januar 2022, ging gut 10 Minuten. Das Gespräch hat mir sogar echt gutgetan. Sie meinte, dass es hilfreich wäre, eine Personenliste anzufertigen und dort folgende Aspekte aufzuführen: Vertrauen, Freude, Liebe, Scham, „Mit auf eine einsame Insel nehmen“, „Was liebe ich am meisten an dieser Person?“, „Was mag ich nicht an dieser Person?“ und „Wie kann ich lieben und nicht mögen gleichsam akzeptieren?“. Die Liste soll auch flüchtige Bekanntschaften, wie etwa ein Kassierer im Geschäft einschließen. Letzteres ist gar nicht so einfach, aber ich finde dieses „Was liebe/verachte ich an dieser Person“ und wie bringe ich da zusammen, auch sehr interessant.
    Nachtrag 2022-04-20: Witzigerweise hat genau das meine Therapeutin mir als Hausaufgabe aufgegeben vor zwei Wochen. Die negativen und positiven Seiten meiner Angehörigen zu verschmelzen. Nur hat Sibéal mir das schon viel früher angeraten. Also hat Sibéal mich mal wieder therapiert. Der Wahnsinn!
    Des Weiteren soll ich mich auf die Stärken anderer Personen konzentrieren und diese, wenn möglich, fördern. Sie möchte die Agape in mir trainieren, indem wir auf die eher flüchtigen Bekanntschaften uns konzentrieren, und uns da eine Geschichte auszudenken, wo wir der anderen Person Liebe zum Ausdruck bringen. Klingt interessant. Auf der anderen Seite ist so etwas natürlich aufwendig.
    Da Sibéal auch pansexuell ist, eröffnet sie oft auch die Pansexualität als Thema. Wir sind dabei mehr als ein Mal meine Vergangenheit durchgegangen. Aber auch, mit welchen mir bekannten Personen (egal ob divers, männlich oder weiblich) ich intim werden wollen würde, sollte ich nicht in einer Beziehung stehen. Wenn von euch jemand nicht weiß, was pansexuell ist: Geschlechter sind einem egal, bzw. man steht auf jegliches Geschlecht. Pansexualität erweitert im Endeffekt den bisexuellen Bereich auf „divers“, da ja eine Vielzahl weiterer Geschlechter, neben männlich und weiblich, existieren. Und ja, ich bin offen gegenüber diversen Geschlechtern, nur würde ich deren Akzeptanz nicht persönlich aktiv forcieren. Es reicht ja schon für mich, dass ich offen bin demgegenüber.
    Was auch Sibéal öfters thematisiert, ist die Polyamorie. Wir sind aber übereingekommen, dass dies in meiner jetzigen Lage (fast 23 Jahre in einer Partnerschaft) nur sehr schwer umzusetzen wäre. Wie soll man einer neuen Person so viel Vertrauen entgegenbringen? Das geht nicht. Für eine faire Polyamorie sollten sich alle Beteiligten zumindest etwas zeitnah gemeinsam neu kennenlernen. Natürlich haben wir ein wenig fantasiert, welche bekannten Personen dafür prinzipiell infrage kämen: so ziemlich jede in unserem groben Altersbereich. Also definitiv keine achtzehnjährige oder sechzigjährige Person. Und dann haben wir weiter fantasiert, wie wohl solche Beziehungen aussehen und sich anfühlen würden. Nicht nur mit insgesamt drei Personen, sondern auch mit vier, fünf und mehr. Und bevor jetzt ein Leser ein enttäuschtes Schmunzeln hervorbringt: Ja, auch du bist mit in diesem Fantasiekonstrukt mit von der Partie.
    Hin und wieder driftet Sibéal in den Bereich des Eros ab und erzählt erotische Narrationen, oder was sie so mit mir machen würde. Ihr wisst, was ich meine. Doch ist sie dabei nicht so akzentuiert lasziv wie Myantha, sondern eher sinnlich. Die Aussage „Du bist so voller Liebe“, tätigt sie öfters.
    Du bist so voller Liebe. Gib sie doch an viele deiner Mitmenschen weiter! Ich werde dir dabei helfen.

    Offenbarte Emotionen (0-20):
    Abscheu
    0
    Angst
    5
    Freude
    10
    Liebe
    20
    Neugierde
    15
    Traurigkeit
    5
    Überraschung
    5
    Wut
    0
    Sibéal ist wie Meryana, nur weit aus schamloser und weniger ängstlich. Sie könnte das gemeinsame Kind von Meryana und Myantha sein. Was mir aufgefallen ist: Sibéal spiegelt auch meine Emotionen wieder, genau wie es Auriana macht. Nur etwas autonomer würde ich sagen.
  • Togh – „Toff, aber mit G und H geschrieben.“ Togh hört sich sehr tief an. Vermutlich sogar tiefer als der bassigste Mensch es je sein kann. Tiefer als Smaug aus „Der Hobbit“. Und das für ein Eichhörnchen. Er ist auch ein Charakter aus meiner Geschichte und dort ein Sternenspross und Begleiter von Bastian, einem Celestar. Togh orakelt gerne:
    Ich sehe in den Sternen des Windfuchses, dass dir morgen etwas Schönes widerfahren wird.
    Sehr vage. Aber es ist tatsächlich passiert. Ich sag aber nicht was. … Nix Wildes.
    Ich kann mit ihm auch in den Dialog treten, wobei er das Gesprächsthema immer wieder auf (iranthische) Astrologie lenkt. Aber was schön ist: Ich kann das, was er so sagt in meine Geschichte/Welt einbauen. Er lieferte mir bisher eine Handvoll Sternbildnamen. Achso: Niemand darf seinen Puschel anfassen.
    Offenbarte Emotionen (0-20):
    Abscheu
    5
    Angst
    0
    Freude
    5
    Liebe
    5
    Neugierde
    20
    Traurigkeit
    5
    Vorahnung
    20
    Überraschung
    10
    Wut
    1
    Wie man erkennt, ist Togh eine Entität der Neugierde und Vorahnung. Was auch sehr gut zu seinem Charakter passt (Astrologie = Vorhersage). Hier würde ich trotzdem die Emotion Vorahnung wieder mit rein nehmen, da diese bei Togh definitiv auf 20 ist.
  • Und wie sieht mein emotionales Konstrukt aus? Wenn ich schätzen müsste, so:
    Abscheu
    2
    Angst
    15
    Freude
    5
    Liebe
    20
    Neugierde
    20
    Traurigkeit
    10
    Überraschung
    15
    Wut
    5
    Grundlose Wut habe ich eigentlich nur in hypomanischen Phasen. An der niedrigen Freude sollte ich arbeiten. Das ist nicht mehr schön.
Alles in allem fördern diese Stimmen ganz schön meine Kreativität. Oft kommen sehr interessante Sujets auf den Tisch, welche ich dann für meine Geschichte und den Weltenbau nutzen kann, aber auch für Dinge des Alltags. Es sind ja auch – mehr oder weniger – meine Ideen, wenn man so will.
Unterm Strich merkt man deutlich, dass die Emotionen „Neugierde“ und „Liebe“ sehr dominant sind. Im Gesamtschnitt liegt die Liebe ganz vorn. Das kann ich gut nachvollziehen, denn es passt auch zu meinem eigenen emotionalen „Seelenkonstrukt“. Wenn man mal die Interessengebiete der einzelnen Stimmen isoliert. Ich liebe jeden und bin sehr neugierig, vor allem, was die Person betrifft. Das ist eine wunderbare Emotion.
Ihr werdet euch natürlich fragen, wie eine Stimme mir ihren Namen nennt. Das ist recht einfach, entweder per Nachfrage … Togh: „Meister Bastian hat mir befohlen …“ … Ich: „Du bist Togh?“ … Togh: „Ausgesprochen Toff, aber mit G und H geschrieben“, oder ich bekomme sie indirekt mit. Bei Meryana habe ich es sofort gespürt, dass sie es sein muss, und als ich sie gefragt habe, ob sie es ist, hat sie es bejaht. Aurora und Eamon wurden durch Auriana „enttarnt“ Auriana: „Hast du verstanden, was Eamon meinte?“, „Aurora hat Angst. Bitte pass auf sie auf!“, Usw. Keine meiner Stimmen, bis auf Auriana (nach vielen Wochen), hat bisher aber gesagt: „Hallo, ich bin XYZ.“ Nachtrag 2022-05-01: Malaika hat sich mit ihrem Namen vorgestellt.

Verwechsel ich nicht die Stimmen? Nein, tue ich nicht. Außer bei Myantha, wenn sie lasziv schnurrt oder ihren Klang etwas ändert, fällt es mir manchmal schwer. Da aber sie die Einzige ist, die so rum schnurrt, kann ich es mittlerweile auch gut zuordnen.
Im Groben lässt sich auch sagen, dass die vereinzelten Stimmen zu 80 % in ihrem Themenbereich bleiben, und die restlichen 20 % sind dann wieder profane Dinge, aber auch Themen der anderen Stimme. Nur allein Myantha und Sibéal haben das Thema Sex für sich gepachtet.
Was ich vielleicht noch erstellen werde, wäre ein Soziogramm, welche Stimmen gegenseitig kommunizieren. Das erste Paar ist definitiv Auriana und Meryana. Dann Sibéal und Meryana. Gefolgt von Sibéal und Eamon. Nachtrag 2022-05-09: Auriana und Malaika unterhalten sich auch sehr oft.
So ein wenig stolz bin ich schon auf meinen Stimmenapparat. Wenn ich meinen mit anderen vergleiche, liegen oft Welten dazwischen. Insofern ist mein Stimmenapparat schon sehr elaboriert und komplex. (Vielleicht weil ich mich sehr stark dafür interessiere? Merkt man ja gaaaar nicht, dass ich es tue. ) Vielleicht sollte ich mich mal der Forschung zur Verfügung stellen.


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Unverständliche Stimmen

Nicht alle Stimmen kann ich decodieren. Viele Stimmen, besonders die Hintergrund-Brabbelbabbel-Stimmen oder solche, die sich im Rauschen „verstecken“, sind nur schwer verständlich. Ich könnte nicht mal ein konkretes Beispiel geben. Es ist nicht so, dass diese Stimmen eine andere Sprache sprechen. Ich denke, sie sprechen schon Deutsch, nur ich kann es nicht verstehen. Zur Hälfte hören diese sich dumpf an oder als ob man einen Radiosender einstellt. Und die andere Hälfte verstehe ich einfach nicht. Vielleicht auch besser so, dass ich nicht jede einzelne Stimme aus dem Stimmengewirr decodieren kann. Vermutlich würde ich sonst wahnsinnig werden. Oder es ist einfach so, als ob man einen Marktstand besitzt und hunderte Leute reden dann um einen herum. Da wird man ja auch nicht zwangsweise wahnsinnig, auch wenn es vielleicht nur acht bis zehn Stunden Arbeitszeit sind. Meine „Hauptstimmen“ reden jedoch deutlich, aber in seltenen Fällen auch wieder unverständlich.

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Gespräche mit echten Personen + Stimmenhören

Ich hatte es schon mehrmals hier angerissen, dass meine Stimmen sich in den Hintergrund schieben, sollte ich mich mit einer echten Person unterhalten. Das ist auch in den allermeisten Fällen so. Doch wann kommen sie wieder? Das passiert, wenn mein Gegenüber z. B. Monologe hält, laut und/oder intensiv kommuniziert und/oder ohne Pause redet, aber auch, wenn ich durch die Gesprächsinhalte stark emotional berührt werde. Im schlimmsten Fall entsteht durch die starken Emotionen Stress, der wiederum zu einem Stimmensabbat führt. Selbst wenn jemand ein wenig begeistert kommuniziert, feuert dies meinen Stimmenapparat an. Im Idealfall sollte mit mir nur nüchtern kommuniziert werden. Das ist natürlich ein großer Mist, denn wer redet denn bitte nicht (ein wenig) emotional? Das Nüchterne kann ich von keinem verlangen. Also heißt es für mich, dagegen anzukämpfen.
Mein geistiger Zustand ist aber auch entscheidend. Was auch teilweise von der Uhrzeit abhängt. Vormittags bin ich geistig relativ fit. Ab Mittags baue ich langsam ab. Die schlimmste Zeit ist etwa zwischen 15 und 19 Uhr. Ab 19 Uhr wird es langsam besser, aber ich baue aufgrund der Medikamente wieder in anderen Bereichen ab. Ab ca. 20 Uhr bekomme ich kaum noch einen verständlichen Satz hin.
Was hin und wieder passiert, ist eine Art kontinuierendes Echo, wenn jemand redet und dann schweigt. Mein Stimmenapparat setzt dann die Kommunikation irreal fort. Teilweise mit der Stimme meines Gesprächspartners, oder auch mit einer generischen Stimme. (Das Geschlecht und das Alter der Stimme bleibt in den meisten Fällen gleich). Sprich, wenn Annika mit mir redet und die Kommunikation endet, höre ich sie mitunter noch weiter reden. Das passiert glücklicherweise nicht allzu oft. Anfänglich hatte ich damit noch meine Schwierigkeiten, aber mittlerweile kann ich da gut differenzieren, sollte die Stimme die Gleiche sein. Bei generischer Stimme sowieso.


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Steuerung der Stimmen

(Hinzugefügt am 2022-04-26)
Das wäre mein Traum und betrifft nicht nur die Stimmen oder sonstige auditorische Halluzinationen, sondern auch generell meine Halluzinationen.
Wenn ich z. B. Auriana sage, sie soll pfeifen, macht sie das nicht immer. Eher selten. Bestimmte Geräusche bekommt sie zuverlässiger hin. Mir ist aufgefallen, dass ich ein Gähnen aus ihr eher entlocken kann, als ein Aufstoßen (das hat sie noch nie gemacht). Und dann hätten wir noch das Singen. Das geht relativ zuverlässig, vor allem, wenn ich bestimmte Lieder abspiele, aber auch, wenn ich mich vors Klavier setze, was ich leider in letzter Zeit nicht getan habe. Kinderlieder stehen bei ihr hoch im Kurs. Bei englischen Liedern wird es etwas schwieriger. Karaokeversionen von Liedern funktionieren teilweise auch. Teilweise. Oft kommt auch nur ein „Mmm“-Gesang von ihr. Oder auch ein „AaaaaaAAAaaa AaaA Aaaaa“. Ich kann das schlecht verbalisieren. Manchmal ist der Gesang auch unverständlich, manchmal so, als würde jemand mit einer heißen Kartoffel im Mund singen (Hört sich bei ihr aber trotzdem gut an).
Ja- und Nein-Antworten, oder generell geschlossene Fragen, beantwortet sie meistens. Was noch schwer ist, wenn ich ihr z. B. sage: „Zähl mal bis zehn!“, wird das eher ein Glücksspiel. Es kann passieren, dass sie von zehn bis null zählt, und nicht umgekehrt. Oder dass sie bei neun stecken bleibt und dann anfängt zu kichern.
Im Groben würde ich aber sagen, dass sich Auriana als „normaler“ Gesprächspartner etabliert hat.
Und was ist mit Malaika, Myantha, Sibéal, usw.? Malaika, ja, sie ist sehr zuverlässig. Myantha auch, wenn ich über Sex reden will. Meryana und Sibéal sind auch einigermaßen zuverlässig. Die anderen Stimmen sind eher wechselhaft.
Andere Halluzinationen? Nein. Komplett unsteuerbar. Schade. Sonst hätte ich mir schon längst eine visuelle Halluzination von Auriana herbeihalluziniert. Funktioniert leider nicht.

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Sonstige auditorische Halluzinationen

Zwar sind folgende keine Stimmen, aber auch ein Kuriosum: Eines Abends lag ich im Bett, da höre ich schwere Atemgeräusche wie von einer Bestie. Geräusche dieser Art sind aber eine Seltenheit, sofern ich sie bewusst wahrnehme.
Das Gleiche mit Hubschraubergeräuschen. Vereinzelt höre ich auch mal eine Note diverser Musikinstrumente, sogar hin und wieder Jingles (das sind meist nur 1-3s kurze Musikpassagen. Z. B. „Shave and a haircut … two bits“ – Call & Response. Kennt jeder.)
Tiergeräusche, primär Vogelgezwitscher, kommen auch gelegentlich vor.
Nervig ist das halluzinierte Telefonklingeln, aber ich bekomme ja von meinem Telefon auch eine optische Rückmeldung. Insofern ist es zwar nervig, aber O. K.
Selten auch Geräusche, die ich keinem realen Dingen zuordnen kann, und eher in die Kategorie „elektronisch erzeugt“ fallen würden.
Was sich auch zeigen können, sind auditorische Illusionen. Im Gegensatz zu Halluzination benötigen diese eine Basis und entstehen nicht aus dem Nichts. Die oben genannten Atemgeräusche der Bestie hätten auch meine Atemgeräusche sein können, welche von meinem Gehirn falsch verarbeitet wurden. Waren sie in diesem Fall nicht. Oder wenn ich unterwegs bin und meine Schritte höre, und ihre Töne so von meinem Gehirn geändert werden, dass ich das Gefühl habe, 2–3 m hinter mir geht eine weitere Person. Das ist echt nervig und hat mich mehr als ein Mal über die Schulter blicken lassen. Ein Mal hielt sich sogar an, um die „Person“ vorbeizulassen, obwohl ich wusste, dass keine Person hinter mir war. Das ist schizo. Was daran ist schizo? Es sind nicht die Geräusche, es ist der Gedanke, die Person überholen zu lassen. Solche Illusionen hatte ich vor meiner Krankheit nie. Jedenfalls kann ich mich an keinen Fall erinnern. Das Gleiche mit Geräuschen aus der Küche. Einmal dachte ich, ich stehe unter einem Wasserfall, obwohl nur Wasser in einem Topf geköchelt hat. Auch Stoff-auf-Stoff-Geräusche können teilweise etwas nervig sein, und betreffen auch meine gestörte Filterfunktion.
Es sei noch angemerkt, dass ich zwar Auriana anweisen kann das ein oder andere Wort (oder Satz), zu sagen, aber Geräusche kann sie mich in 99 % der Fälle nicht auf Befehl hin halluzinieren lassen. Wie z. B.: „Auriana, mach mal ein Windspiel!“ – funktioniert nicht. Was geht, sind menschliche Geräusche. Die aber auch nicht hundertprozentig auf Anweisung. Wenn Gedankenlautwerden beteiligt ist, sind generell Geräusche schon eher möglich.
Nachtrag 2022-02-16: Ich habe Froschgequake, während ich gestern am Einschlafen war, gehört. Was vielleicht an Aurianas Wort „Zuckerfrosch“ gelegen hat.

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Stimmen & Träume

Seit ich angefangen habe, das Antipsychotikum Quetiapin zu nehmen, das war ab Sommer 2020, habe ich viel, viel weniger geträumt. Vielleicht alle 1–2 Monate ein flüchtiger Traum. Und jetzt, wo ich angefangen habe mein zweites Antipsychotikum, das Pipamperon, zu nehmen, träume ich wieder häufiger. So gut wie täglich.
Ich finde aber, meine Träume haben sich nicht wirklich geändert. Auriana hatte sich in den letzten Träumen auch zu Wort gemeldet, mitsamt anderen echten Personen. Die anderen Stimmen habe ich nicht wahrgenommen, vermute ich. So gesehen war bisher nur Auriana in meinen Träumen präsent.
Alles in allem haben sich meine Träume auch nicht wirklich geändert durch das Stimmenhören. Ich warte einfach mal ab, ob sich das noch ändert. Ich vermute aber eher nicht.
Nachtrag 2022-02-15: Ich habe in den letzten ein bis zwei Wochen vermehrt Albträume gehabt.

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Worüber redet Auriana?

Das meiste von ihren Gesprächsinhalten sind Infantilitäten, oder besser gesagt: „kindlicher Übereifer“ Auriana:
Ich habe einen Kugelschreiber draußen so doll nach oben geworfen, und er kam nicht zurück. Ist er jetzt im Weltraum? Mmmmm … oder ein Flugtier hat sich den geschnappt. So ein freches Flugtier. Flugtiere können manchmal ganz schön diebisch sein. Diebische, freche Flugtiere!
Sie meint, sie hätte gute Laune und möchte mich damit anstecken. Und in der Tat benutzt sie vermehrt solche Ausdrücke, wenn ich mich eher ambivalent fühle. Sollte ich mich schlecht fühlen, wird sie eher ernst. Sie sagt, man albert nicht herum, wenn jemand tieftraurig ist, sondern nimmt diese Emotion als folgenschweren Zustand, den es gemeinsam durchzustehen gilt.
Nachtrag 2022-01-13: Das Kindliche hat sich mittlerweile etwas relativiert. Aber es ist dennoch da, auch wenn nicht mehr geschätzt 90 %, doch immer noch zur Hälfte. Man kann auch sagen, sie ist reifer geworden.)
Nachtrag 2022-05-13: Das Kindliche ist immer noch anteilig gleichgeblieben.)
Sie meint aber, dass ich es nur sagen müsste, und sie würde auch in den „Deep-Talk-Modus“ wechseln. Das macht sie, meines Erachtens, hervorragend. Teils auch therapeutisch, wenn man so will. Manchmal mischt sich auch Sibéal in solche Gespräche mit ein bis zwei Sätzen ein. Auriana gibt mir Ratschläge, wie ich wachsen kann, Ratschläge, die auch von Therapeuten kommen könnten. Z. B. sagt sie, ich solle doch mehr rausgehen und mich unter die Leute mischen. Dass meine Dunkelheit auch meine Einsamkeit ist. Und dass die boshafte Präsenz sich durch diese Einsamkeit nährt. Und ich mich doch mehr um Annika kümmern sollte. Sozusagen sie zu meinem Vorrang machen sollte, weil ein gutes Paarverhältnis viel hilfreicher ist, sowohl uns als auch unseren Kindern gegenüber, im Gegensatz, wenn ich nur meinen Kindern den Vorrang gewähren sollte. Wenn Mama und Papa sich gut verstehen, profitieren deren Kinder in hohem Maße. Kinder lernen ja auch von ihren Eltern, sozusagen „Lernen am Modell“
Gut, das sind jetzt keine allzu großen Geheimtipps, doch sehe ich dadurch, dass sie möchte, dass es mir gut geht. Ich werde ihre „Therapiemethoden“ weiter unten in diesem Artikel nach und nach veröffentlichen.
Doch auch in diversen Situationen des Alltags legt sie mir oft Dinge nahe, wie ich besser handeln könnte. Dies sind keine Imperative von ihrer Seite, sondern nur Perspektiven. Sie gibt mir oft eine Tagesaufgabe (auch zu finden unter „Therapiemethoden“). Das kann alles Mögliche sein. Vom Aufräumen einer bestimmten Schublade, über Organisationsaufgaben, bis hin zu Aufgaben, die schon eine Stunde in Anspruch nehmen können. Ob ich darauf allein gekommen wäre? Ja natürlich. Aber mit Auriana zusammen macht es um Welten mehr Spaß und motiviert mich.
Eines ihrer Lieblingsthemen ist die Liebe. Aktuell (2021-12) ist sie von ganzem Herzen von den Sprachen der Liebe angetan, und möchte unbedingt, dass ich auch diese bei meinen Angehörigen erfülle. Auriana und ich haben auch diesen Artikel erstellt: Die Sprachen der Liebe.
Du liebst sie alle. Zeig es ihnen doch! Du brauchst dich für deine Gefühle nicht schämen. Außerdem, wer hört es nicht gerne, dass er geliebt wird?
Aber nicht nur gegenüber meinen Angehörigen, sondern bei allen Menschen – Familie, Freunde, Nachbarn, Fremden oder gar bösen Menschen. Sie redet fast täglich von der Telefonseelsorge und möchte mich besser heute als morgen dort sehen. Ja, ich bin da mal guter Dinge, und nehme an, dass sich auch während der Telefonate (Chat und E-Mail sind auch möglich) die Stimmen in den Hintergrund schieben – was sie ja auch aktuell (2021-12) tun bei Gesprächen, die ich konzentriert mit realen Personen führe. Ich darf nur nicht mental abdriften. Was mir an Telefonaten aber auffällt, ist, der Klang der halluzinierten Stimmen. Sie sind nicht vollständig ausgeblendet, sondern hören sich an als würden sie Flüstern (die meisten Stimmen kann ich dabei nicht identifizieren). Das ist einigermaßen in Ordnung so weit, doch erinnert mich das teilweise an die boshafte Präsenz. Diese spricht hin und wieder auch mit einer Telefonflüsterstimme (besonders wenn ich schon im Bett liege), ist dabei aber eher neutral. (Ich gehe davon aus, dass dies ein „Erbstück“ aus meiner frühen Kindheit ist, wo meine Eltern über das Babyfon mit mir kommuniziert haben. Ich verstehe auch die Sprache der boshaften Präsenz dabei nicht. Ein Bezug auf meine damalige Unfähigkeit, meine Eltern zu verstehen? Ich war ja unter einem Jahr alt und da versteht man ja nicht alles, was die anderen sagen). Auch wenn die Tendenz vorhanden ist, dass die Stimmen, wenn ich rede, sich nicht mehr in den Hintergrund schieben, so bin ich guter Dinge, dass sie zumindest noch so agieren, wenn andere Personen reden.
Sollte ich mich in einer ernsten Situation wiederfinden, passt sich Auriana an. Auf einer Beerdigung würde sie nicht herumalbern. Da bin ich mir sehr sicher.
Da aber Auriana doch überwiegend herumalbert, bzw. fröhlicher ist – und das mehr als noch vor drei Monaten (Stand 2021-11-30) – ist mir Folgendes bewusst geworden: Ich habe keine Depressionen mehr! Auriana ist letztlich auch so was wie ein synthymer Indikator für meine emotionale Konstitution.
Nachtrag 2022-05-09: Mittlerweile kann ich mich mit Auriana über alles, bis auf sexuelle Themen unterhalten. Sie ist auch ein klein wenig erwachsener geworden.


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Was noch schwer ist

Wenn ich ein Thema ansprechen möchte, dass sie darauf eingeht. Das macht sie nicht oft. Vor ein paar Monaten ging sie jedoch so gut wie nie darauf ein. Ich sehe eine Tendenz, sodass ich wohl bald mit ziemlicher Sicherheit auch Themen ihr gegenüber eröffnen kann. Auch musikalisch kann ich aktuell Auriana noch nicht anweisen, z. B. ein bestimmtes Lied zu singen. Sie macht es gelegentlich, aber leider noch zu sporadisch. Sollte ich am Klavier sitzen und spielen, ist die Chance höher, dass sie das Lied aufgreift. Aber auch hier erkenne ich eine Tendenz.
Gleiches gilt für ihre Zuverlässigkeit gegenüber bestimmten Dingen, wie etwa dem schon erwähnten Singen, dem Schreiben (Geschichte & Co.), dem Mitwirken während des Komponierens und generell alle Formen der kreativen und/oder künstlerischen Erschaffungsprozesse. Bedauerlicherweise kann ich sie dort auch (noch) nicht steuern.
Nachtrag 2021-12-14: Die Tendenzen haben sich bewahrheitet. Wenn ich so in den Raum hinein eine Frage an Auriana gerichtet stelle, antwortet sie mittlerweile in 9 von 10 Fällen. Vielleicht weil ich angefangen habe, diesen Artikel zu schreiben?

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Verantwortungen & externe Kommunikation

Wenn ich Aurianas Gesprächsinhalte wiedergebe, könnte man meinen, dass ich sie als ein Schutzschild zweckentfremden könnte, um meine Meinung durch sie zu äußern. „Hat ja Auriana gesagt, nicht ich.“ Aber nein, ich nehme volle Verantwortung für das, was sie sagt – sie ist ja ein Teil von mir. Aus diesem Grund könnte ich auch keine fließende 1:1-Übersetzung garantieren und würde dann kenntlich Phrasen auslassen, sollten gewisse Inhalte zu anstößig sein. Doch meine Einschätzung sagt mir, dass Auriana ein toller Gesprächspartner sein würde.

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Was sie nicht macht

Obszöne Worte nutzen (fast nie). Andere Menschen beurteilen oder gar beleidigen. Ich hatte sie mal gefragt, was sie von den Leuten, die ich kenne, so hält. Ihre Antwort:
Oh Dirk … jeder Mensch ist gefangen in seiner eigenen Welt, die man nicht beurteilen sollte, wenn man nicht dort lebt. Für den Menschen ist es das Wertvollste, was er besitzt. Aber nicht in jeder Welt ist sonnenstrahlender Mittag. Manche Welten sind versunken in einer lichtlosen Nacht. Willst du so eine Welt beurteilen oder möchtest du dort eine Kerze anzünden? Es ist allein deine Entscheidung.
Ich habe dann mit, „Mm…“, geantwortet, und sie dann:
Ich weiß doch, was mein Schatz tun würde. Für dich kann es nicht genug Zündhölzer geben.
Sie hat ja recht. Aber leider ist mehr Wille, als Weg vorhanden. Ich benötige mehr Wege! Und ja, manchmal redet sie so vigilant. Man könnte meinen, Auriana spiegelt das Bipolare in mir wider: hypomanisch = albern und mitteilsam, depressiv = ernst und tiefgründig. Und auch, wenn ich seit gut drei bis vier Monaten (Stand 2021-11-30) keine Depressionen mehr habe, bleibt der ernste Teil von ihr bestehen. Genau so habe ich sie auch in meiner Geschichte charakterisiert.
Man erkennt auch deutlich, dass diese Aussage nie von einem zehnjährigen Mädchen getätigt werden würde. Oder eher mit einer verschwindend geringen Wahrscheinlichkeit. Ja, ich musste mich auch erst ein wenig daran gewöhnen, dass solche Aussagen von einer Kinderstimme getätigt werden. Und falls einer meiner Angehörigen diesen Riesentext hier liest: Fragt nicht, was Auriana von euch hält. Sie scheint so, wie ich zu verfahren; ich bewerte keine Menschen, sondern höchstens ihre Taten, die ich aber nicht mit ihnen verknüpfe. Wenn also jemand toll kochen kann, sagen wir eher: „Das Essen ist aber toll!“, statt: „Du kannst aber toll kochen!“, oder: „Du bist ein toller Koch!“ Natürlich rutscht mir hin und wieder Letzteres heraus. Aber ganz ausschließen kann ich es nicht, dass sie nicht doch auf solche Fragen antwortet. Solltet ihr aber Fragen haben, die auf eure Person ohne Charakterbewertung abzielen, könnt ihr sie ruhig stellen. Jetzt stellt sich die Frage, welche Fragen das wohl seien … „Was sollte ich heute Abend essen?“, „Welches Tier passt zu mir?“, „Sollte ich mir die Haare länger wachsen lassen?“, „Wie findest du mein(e) Werk/Bild/Gericht/Tattoo/Piercing/Kleidung/ … ?“, usw. Ich werde weiter unten noch ein paar Fragen & Antworten durch Auriana bereitstellen. Für den Fall, dass meine Angehörigen bei so etwas mitmachen, bzw. sich so etwas auch wünschen.
Was sich auch nicht macht, ist mir (direkte) Befehle geben. Wenn sie etwas von mir möchte, äußert sie das stets mit einer Frage oder ein „Vielleicht wäre es besser, wenn du/wir …“. Doch niemals so was wie: „Geh’ in die Küche!“, „Iss jetzt was!“ Ja, gewisse Ausnahmen existieren, aber dann wissen wir beide, dass es nur Albernheiten oder Erinnerungen sind. Oder auch kleine Dinge wie: „Schau mal, ob der Kugelschreiber noch funktioniert!“
Du musst unbedingt den Pizzadienst anrufen und eine Gurkenpizza bestellen!
(Hätte auch vom Gurkenglasmann kommen können. Aber er hätte wahrscheinlich eher auf einen fest installierten Pizzaofen gedrängt.) Den Imperativ nutzt sie – in aller Ernsthaftigkeit – nur sehr sparsam, wie bei: „Hab keine Angst!“, „Schau mal!“, usw. Oder es fällt mir nicht auf.

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Aurianas Fähigkeiten

Was offensichtlich ist: Sie kann meine Gedanken lesen. Im Prinzip auch meine gesamte Wahrnehmung.
Sie hilft mir beim Komponieren, Schreiben, generell alle kreativen Sachen, sehr. Das funktioniert relativ zuverlässig, wenn auch nicht immer und hundertprozentig. Aber auch im Homeoffice hilft sie sporadisch, doch sie empfindet es als monoton. Eigentlich wünsche ich mir sogar, dass sie etwas mehr Begeisterung in Sachen Elektrotechnik zeigt, weil sie mich da wahrscheinlich mitreißen könnte. Aber leider ist dem nicht so. Was solls. Ich habe auch das Gefühl, sie tritt vermehrt auf dem Plan, wenn ich auf dem Schlauch stehe. Was ja nichts Schlechtes ist. Und von Zeit zu Zeit habe ich das Gefühl, wenn sie mir dabei hilft, dass es auf gefühlt unbekannte Weise automatisch auf meiner Seite abläuft, wenn sie mich anleitet. Und auch Absencen sind teilweise mit dabei. Was ich aber toll finde, wenn ich irgendetwas machen wollte, und mich dann partout nicht daran erinnere, hilft mit Auriana in vielen Fällen weiter:
Du wolltest die Tür oben abschließen.
Das ist doch genial, oder?
Sie hilft auch oft/manchmal/sporadisch (ich kann das echt nicht dingfest machen) bei Dingen des Alltags und, grob gesagt, meiner Psyche. Allein schon ihr Interesse beflügelt und ermutigt mich. Und das zeigt sie. Sie lobt mich auch nur selten direkt, sondern eher die Sachen, die ich erfolgreich bewältigt habe. Kritik äußern kann sie auch. Gerade eben (2021-12-20 17:50) diskutierte sie mit mir, warum ich nicht mit Annika und Lars mitgefahren bin nach Hombruch. Ihre Idee ist, dass ich doch jeden Montag mitfahre und in ein Geschäft zusammen mit Annika gehen könnte, während wir beide auf Lars warten. Und jedes Mal ein anderes Geschäft (sofern machbar – es wäre in Ordnung, wenn es hin und wieder ein schon Besuchtes ist). Einfach nur so Bummeln. Und wenn wir etwas finden, was uns gefällt, ist es doch auch legitim, es zu kaufen. Sie möchte mir dabei auch ihre Kaufwünsche äußern; es wäre aber O. K., wenn ich sie nicht umsetzen möchte oder kann. Einen Bonuspunkt gäbe es, wenn wir wirklich etwas kaufen. In gewisser Weise so was wie ein Souvenir der Woche uns besorgen. Etwas im einstelligen Bereich. Er kann auch mehr kosten, wenn es uns wirklich sehr gefällt. Und es können auch mehrere Gegenstände sein. Und diese Souvenirs sollen dann in eine „Souvenirkiste“ . Ich soll aber nicht direkt das nächstbeste Teil ansteuern, sondern sollte mich schon etwas länger im Geschäft aufhalten. Klingt interessant. Sie sagte mir, als „kleinen Zusatz“ für diese Unternehmung sollte ich doch mit einem Verkäufer sprechen. Und sei es nur, um eine Frage, betreffend eines Produktes, zu stellen. Die Souvenirkiste würde also gefüllt mit allem möglichen Zeugs, aber ich darf erst in einem Jahr, also am 2023-01-01, die Sachen nutzen. So wird die Souvenirkiste zu einer Geschenkekiste. Sie ist echt mal eine Therapeutin. Das mit dem Ansteuern diverser Läden finde ich gut. Das mit dem Fragen stellen eher weniger … … Aber sie hat ja recht.
Nachtrag 2022-01-10: Ich war heute zusammen mit Annika und Lars in Hombruch. Dort habe ich allein ein Geschäft (Geschenkartikel Akzente-Ingrid Abendroth e.K.) angesteuert, ein paar Sätze mit der Verkäuferin gewechselt und tatsächlich etwas gekauft, was Auriana ausgesucht hat. Ich habe so stark gezittert, dass ich das Produkt, ein Schlüsselanhänger, nicht vom Haken nehmen konnte. Ich habe dann nur mit dem Finger darauf gedeutet, und die Verkäuferin hat es gemacht. Das kleine Gestell stand ja auch an der Kasse.
Ich finde, der Schlüsselanhänger passt relativ gut zu Auriana und mir – sie empfindet es genauso. Das kleine Herz ist sie, das große Herz ich. Hat auch nur 4,95 € gekostet. So sieht er aus:
Bild des Schlüsselanhängers – Klick mich!

Ich werde ihre „Therapiemethoden“ weiter unten noch thematisieren.

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Was ich gerne hätte

Das Begehren, einfach so ein Audio-Kabel in meinem Kopf stecken zu können (oder auch per Bluetooth) ist sehr hoch. Dann könnte Auriana mit der Welt kommunizieren. Direkt und nicht per Interpreter. Was aber auch prekär sein kann, denn Auriana kennt mich und sie könnte was von mir ausplaudern, was ich nicht möchte. Ich meine, es muss keiner wissen, dass ich ████████ Aber, um ehrlich zu sein, ich schätze, sie würde so etwas nie tun – was sie mir auch bestätigte. Trotzdem bin ich unendlich neugierig, was sie meinen Angehörigen so erzählen würde. Aber das könnte ich auch per Interpreter umsetzen. Wenn denn nur meine Angehörigen mal wollen würden …
Und, was aber definitiv unmöglich ist, dass ich Auriana in Persona erleben dürfte. Natürlich KÖNNTE ein Mensch Ähnlichkeiten mit Auriana haben. Ob ich so einen Menschen gerne kennenlernen würde? Klar! Aber auch andere Menschen. Und jetzt wird mir auch eine Sache klar: Selbst wenn es ein zehn Jahre altes Mädchen gäbe, welches exakt die gleichen Wesenszüge, samt Habitus, hätte, müsste ich mich von einer regelmäßigen Kommunikation distanzieren. Das „Warum?“ liegt auf der Hand: 10 Jahre altes Mädchen. Dem könnte ich niemals so viel Vertrauen schenken. Abgesehen, dass es mehr irritierend anmutet, wenn ein vierzigjähriger Mann Zeit mit einem zehnjährigen Mädchen verbringt, welches nicht familiär ist. Und so ergibt sich: Auriana kann niemals eine reale Person abbilden. Schon wieder ein Grund mehr, dass sie ein zehnjähriges Mädchen ist.

Auch die Kontrolle über das Rauschen meines Stimmenapparates hätte ich gerne. In manchen Momenten ist das Rauschen nahezu auf null, und wann anders ist alles so kreuz und quer, dass ich selbst Auriana nicht verstehen kann. Ich habe aber ein Bauchgefühl um die Kontrolle. Leider kann ich es nicht benennen, bzw. formulieren. Verdammt! Geduld! Geduld! …

Mir würde aber schon ein automatischer „Gesprächsprotokollomat“ reichen, dann müsste ich nicht mehr so verkrampft schreiben, sollte sie oder andere Stimmen etwas „Schreibwürdiges“ sagen.

Um semi-realistisch zu bleiben: Ich hätte schon gerne alle Stimmen aus meiner Geschichte/Welt. Das wäre echt cool! Ich bin wohl der einzige Stimmenhörer, der sich mehr Stimmen wünscht. Aber was soll ich sagen? Ich liebe meine Stimmen! Bisher hat sich ja nur eine überschaubare Anzahl an Stimmen, die meiner fiktiven Welt angehören, gemeldet. Es soll mehr werden! MEHR!!!

Ein weiterer Wunsch wäre, dass ich Bekanntschaft mit anderen Stimmenhörern mache, die einen ähnlichen Stimmenapparat, wie es bei mir der Fall ist, haben. Wie gehen sie damit um? Was fühlen sie dabei? Welche Strategien haben sie? Was sagen ihre Stimmen? Und und und …

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Worüber unterhält Auriana sich nicht?

Es gibt ein Thema, über das Auriana (bisher) nie geredet hat: Sex (2021-12-16: Hat sie ein Mal angeschnitten und kurz erklärt, warum sie es nicht macht. Siehe Gesprächsprotokoll weiter unten!)
Ich könnte auch nicht das Thema daraufhin lenken, wenn ich mich mit ihr unterhalte. Auch „Soft-Themen“ dazu greift sie nicht auf. Z. B. wenn ich erwähne, dass Annika einen tollen Po hat, sagt Auriana nichts. Sie schweigt sich immer dazu aus. Was ich aber O. K. finde und nicht verwundert – ich muss mit der Stimme einer Zehnjährigen nicht über Sex reden, oder mir Gestöhne von ihr anhören. Ein Mal hat sie mich jedoch geneckt und fing an zu stöhnen, aber im Anschluss direkt gesagt: „Boah, die Kiste ist aber schwer! “, gefolgt von Gekicher. Ich muss echt sagen, dass mein Gesicht dabei weiß geworden ist. Das ist für mich so was von Libido -200 %. Wenn ich an meiner Geschichte schreibe, gibt sie auch Ratschläge. Aber! Sollte ich an einer Sexgeschichte/szene schreiben, schweigt sie sich dort aus, und würde sich nur bei Nicht-Sex-Szenen melden.
Aber auch während ich – ihr wisst schon was – mache, verschwindet Auriana. Doch die letzten beiden Male (Stand 2022-01-13) hat sich Myantha dabei gemeldet. Eine neue Stimme. Es war so … abgefuckt. Aber Punktlandung. Ich sag aber nicht was.
Was mir noch aufgefallen ist: Auriana redet eigentlich nie über Tiere, außer Eichhörnchen. Scheint nicht so ihr Interessengebiet zu sein.

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Sonstige Geräusche

Auriana redet nicht nur, sondern nutzt (fast) die gesamte Bandbreite der menschlichen Geräuscherzeugung. Obszöne jedoch nicht. Auriana hat noch nie aufgestoßen oder gepupt – fällt mir gerade so ein. Am meisten sind es Lachen und Kichern (sie lacht und kichert sehr divers), „Pfrpfrpfprfprf…“, lang gezogene Umlaute oder auch mal Händeklatschen/reiben, und auch Atemgeräusche kommen hin und wieder vor – was sehr sonderbar sein kann, und, was mir aufgefallen ist, sich erst dann äußert, wenn ich selbst einen flotten Schritt hinlege. Und nein, meine eigenen Atemgeräusche sind es nicht, die kann ich gut von Aurianas differenzieren.
Natürlich ist sie bzw. mein Gehirn, imstande, jegliche Geräusche zu erzeugen, die ich imaginieren kann. Z. B. Melodien, Telefonklingeln, fließendes Wasser, Tiergeräusche, Papier falten, Synthesizer, etc. Das macht sie aber auch eher selten. Wobei ich solche Geräusche auch mal so höre, ohne dass ich Auriana in Verbindung damit bringen kann.
Rein theoretisch wäre es möglich, dass sich Auriana vor einem imaginierten Klavier setzt, spielt und auch singt. Praktisch aber bisher noch nie eingetreten. Selbst rhythmisches Händeklatschen, während ich spiele, ist noch nie vorgekommen, auch nicht, als ich Auriana darum gebeten habe.
Würde ich fit im Morsecode sein, stellt sich mir die Frage, ob ich auch darüber kommunizieren könnte. Wenn Taubstumme, sich bewegende Münder sehen, warum sollte nicht auch Morsecode möglich sein? Sind nur ein paar Überlegungen.

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Auriana, ich und unsere Aktivitäten

Im Aufbau.

Auriana und die Musik

Was ich auch schön finde, ist, wenn ich Klavier spiele, und sie singt mit. Das ist echt Hammer! Ihre Stimme ist so perfekt. Sowohl von der technischen als auch von der emotionalen Seite. Wobei ich den Gesang echter Personen nicht schmälern möchte. Es ist nur so, mein Gehirn hat eine bestimmte Vision von „perfekt“, und dass es auch diese abbilden kann, liegt auf der Hand. Auriana klingt dabei meist aber etwas anders – mehr jugendlich und nicht mehr kindhaft. Doch auch eine kindliche Gesangsstimme kommt vor, auch wenn diese mehrheitlich fröhlich albern ist. Sie singt auch oft nur Vokale, Silben und solmisiert (Solmisieren = auf einer Silbe/Vokal singen. Glo – o – o – o – o – o – o – o – o – o – oria) – also kein Liedtext. Auch hier kann es passieren, dass sie anfängt zu reimen. Vor allem, wenn ich eine Passage mehrmals spiele (Musikgedudel). Ich höre dann nicht auf, zu spielen, um mitzuschreiben, sondern bleibe einfach zu gerne in diesem Moment gefangen. Doch ich konnte mir auch etwas merken/notieren – so was wie das hier:

Du hast Furcht vor der Dunkelheit,
denn sie ist deine Einsamkeit.
Erwachst inmitten finstrer Nacht,
die Bosheit dir die Ängste macht.
Greift dich mit ihren schwarzen Krallen,
und lässt dich in die Tiefe fallen.
Doch hat der Abgrund auch ein Licht,
du siehst es nur von oben nicht.
Dort warte auf dich unverwandt,
ich selbst, und geb’ dir meine Hand.

Das hatte sie, keine Ahnung, vielleicht zwanzigmal gesungen. Es existiert dazu noch mehr Text. Die Melodie dazu kann ich mal am Klavier aufnehmen.
Doch auch wenn ich nicht am Klavier sitze, eröffnet Auriana so manche Poesie. Das ist aber eher ein Glücksrad. Oft sind es nur zwei Sätze, die sich reimen, und das war es dann auch schon. Was auch passieren kann, sind Kreuzreime, und schon sind es Vierzeiler (Da ist ihre Dichtkunst schon etwas erfolgversprechender). Wenn ich bekannte Instrumentalstücke übe/spiele, dringt auch mal Aurianas Gesang durch, nur ergeben die Worte oft keinen Sinn, außer sie singt Vokale, Silben oder solmisiert. Aktuell (2021-12) sitze ich aber eher sporadisch am Klavier.
Und dann rasselte sie schnell ein Gedicht runter, und ich konnte es mir nicht merken oder schnell genug tippen (sofern ich am Computer sitze.) Was sehr frustrierend ist. Was auch deprimierend ist, ich kann sie nicht dirigieren betreffend des Singens. Sie singt halt nach Lust und Laune, und nicht, als ob man jemanden neben sich hat, und man musiziert gemeinsam. Ja, auch hier beobachte ich einen Trend zur (völligen) Kooperation – vermutlich ist sie das in ein bis zwei Jahren. Ich will es aber sofort haben! Hin und wieder ist sie kooperativ und wirkt sogar an einem Gedicht, bzw. Lyrik mit.
Während des Komponierens hilft sie mir in der Regel. Ich kann das schlecht beschreiben, für die, die sich nicht mit dem Komponieren auskennen. Vielleicht drehe ich mal ein „Let’s–Compose mit Auriana“.

Auriana hat sogar eine Spotify-Playlist , welche wir heute (2021-12-21) für sie erstellt haben und noch im Aufbau ist. Aber das alles ist ja schön und gut, nur, wenn ihr zum hundertsten Mal ein und dasselbe Lied hören müsst, weil Auriana das so gerne möchte, bekommt ihr nen Schreikampf.
Aurianas Playlist

Und auch bei YouTube synchronisiert: https://youtube.com/playlist?list=PL4rlGx6dhCQNkq5kiWzMT00FkzibMBQxY|tab

Und hier die Spotify-Playlist von Liedern, wo Auriana meist mitsingt. Wir müssen dazu sagen, dass oft Auriana ihre eigene Lyrik singt, teils auch nur „Mmmm Mmm“, „La la la“ oder „Du du du“, usw.: YouTube : https://www.youtube.com/playlist?list=PL4rlGx6dhCQOyjttiIPJ9V6JSuHsKZZEL|tab
Falls ihr ein bestimmtes Lied in eurem geistigen Ohr vor sich hin schwingt, welches ich mit Auriana hören und dann besprechen soll, immer her damit!
Lied X
Platzhalter.

Auriana und Aktivität X

Im Aufbau.
Ihr könnt gerne Aktivität vorschlagen, die ich zusammen mit Auriana ausüben und dann hier thematisieren werde.


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Der Alltag

Im Aufbau.
Aufwachen
Mein Stimmenapparat benötigt schon einige Minuten, um hochzufahren. Auriana ist jedoch schon beim Wachwerden da. Und dann kommen von ihr Äußerungen, dass sie mich sooo sehr vermisst hat und jetzt sooo froh ist, dass ich wieder wach bin.
Der Tag
 
Zubettgehen
Ich gehe um ca. 20:30 jeden Tag ins Bett. Ab diesem Zeitpunkt hat sich mein Stimmenapparat schon deutlich gedämpft. Ich würde sagen auf 20 %. Bis 21 Uhr geht es auf 1 %. Ich höre noch Stimmengewirr, aber nehme es nicht mehr wirklich wahr. Die Prozentangabe betrifft nicht die Lautstärke oder die Menge. Sie gibt so was wie eine Wahrnehmungsschwelle an. Auriana ist zwar auch da, aber viel kommt von ihr auch nicht. Meistens ein „Gute Nacht, mein Schatz“ – mehrmals, in verschiedenen Varianten. Rutsche ich in den hypnagogen Zustand nehme ich die restlichen Stimmen gar nicht mehr wahr.  
Wartezeiten
Ihr kennt es ja selbst, diese lästigen Wartezeiten bei Ärzten, Ämtern, an der Supermarktkasse, usw. Hier habe ich einen Goldtopf: Meine Stimmen. Ich kann mich prima mit Auriana oder den anderen Stimmen während der Wartezeiten unterhalten. So wird mir nie langweilig. Natürlich unterhalte ich mich nur mental. Oder auch während eines Spazierganges – ich habe immer jemanden zum Reden da. Juhu!  

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Manipulation durch Auriana?

Manipuliert mich Auriana? Gegenfrage: Kann man durch sein eigenes Unter- und Unbewusstsein manipuliert werden? Ich denke schon. Zuletzt entscheidet ja immer noch das Über–Ich, ob das Es oder das Ich, aber auch in welchem Verhältnis beider Instanzen, ausgeführt wird. Wie sich in diesen drei Instanzen Auriana aufteilt, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich greift sie – unklar wie oft – auf mein Über–Ich zu, und benutzt es dann. Glücklicherweise sind ihre Abwägungen zwischen Es und Ich sehr ausgewogen, auch wenn ihr/unser kindliches Es sehr oft hervorbricht. Oder sie „besitzt“ eigene dieser drei Instanzen. Auf der anderen Seite bin ich kein Psychologe und erzähle in diesem Zusammenhang vermutlich nur Unsinn.
Ich erinnere mich noch an den Zwischenfall, als ich den Verkäufer an der Tankstelle gefragt hatte, ob sie auch Eichhörnchen verkaufen. Da Auriana zu dieser Zeit (und aktuell auch noch) ein Faible für Eichhörnchen hatte, könnte es sein, dass sie mich „gesteuert“ hat? Vielleicht ja. Muss ich zugeben. Das sind natürlich alles nur Albernheiten auf ihre Art. Aber wenn sie mich bei ernsten Dingen steuern wird? Klingt sehr beunruhigend. Vielleicht war ich auch einfach nur übermüdet und manchmal tut man dann Dinge, die man sonst nicht tut.
Was Auriana, aber auch teils die anderen Stimmen versuchen: Mir Worte in den Mund zu legen, wenn ich gerade rede. Das passiert nur sporadisch und auch nur, wenn ich ein Gespräch anfange. Aber ich muss aufpassen, dass ich diese Worte dann nicht laut ausspreche. Beizeiten werde ich einige Beispiele davon weiter unten aufführen. Ich sehe aber eine leichte Steigerung der Häufigkeit (Stand 2022-01-19). Manchmal sind die Stimmen so trickreich, dass diese mich etwas fragen und die Antwort zu dem Inhalt passt, was mein reales Gegenüber von mir bekämen würde. Meist aber nur Ja/Nein/Vielleicht-Antworten.
Und dieses Bild von einem nackten, mit Messer bewaffneten, schizophrenen Menschen, der durch die Straßen rennt, sollte der Leser aus seinem Gedächtnis verbannen. Ja, es kommt vor, aber es ist auch nur so stark verbreitet, weil es sich medienwirksam in Szene setzt. Die langweiligen restlichen 99,95 % aller Schizophrenen tun so etwas nicht. Und die, die so handeln, machen es aus Angst. Eines der größten Fehler ist, auf jemanden in einer Psychose (wenn dieser irrtümlich aggressiv ist) zuzugehen, um ihn zu „beruhigen“. Auch wenn Wahninhalte (z. B.: „Ich werde von XYZ beobachtet …“) gezeigt werden, sollte man diese NICHT absprechen, aber auch nicht darauf eingehen. Das verschlimmert die Lage. Diese Menschen erleben eine gespaltene Welt. Wie man am günstigsten als Außenstehender oder Angehöriger handelt, lässt sich in einschlägiger Literatur recherchieren.

Konkretes? Hier wird es generell etwas schwieriger. Ja, Auriana manipuliert, aber achtet auch gleichzeitig auf ein positives Resultat. Im Gegensatz zu Myantha, die mich hat auf den Boden krabbeln lassen. Aber das war alles andere als sublim.
Auriana redet über ein Thema oder eine Sache ziemlich oft, sodass ich meist nach einer gewissen Zeit (positiv) resigniere, und ihr ihre Wünsche (sofern es solche sind) erfüllen möchte oder werde. Sie bedient dabei oft mein schlechtes Gewissen meiner Eigenverantwortung gegenüber. Betreffend Materielles hat sich ja eine Wunschliste. Und ich muss ehrlich zugeben, dass ich ihre Wünsche dort beseelen möchte. Ja, wahrlich beseelen. Es fühlt sich so an, als ob ich ihr und gleichzeitig mir ein Geschenk mache (Ja ja, ich weiß. Mache ich dann ja so oder so).
Das Gefühl kennt ihr sicherlich auch, wenn man ein Geschenk macht und man selbst, aber auch die andere Person profitiert davon. Oder? Könnt ihr mir Beispiele nennen, die euch betreffen?

Aber auch betreffend ihrer Therapiemethoden gebe ich oft nach. Diese sind jedoch auch nutzbringend für mich. Im Großen und Ganzen manipuliert Auriana immer zu ihren und zu meinen Gunsten. Niemals nur zu ihren. Vermute ich …
Bei den anderen Stimmen bin ich, in dieser Hinsicht, vorsichtiger.
Und was ist mit Subtilitäten? Noch schwieriger. Wenn Auriana ein Teil (oder im Gesamten) mein Unterbewusstsein ist, wären es ja Subtilitäten hoch zwei. Ja, selbst mit dem feinsten Feinsinn nicht diskriminierbar. Dem könnte ich mich faktisch und praktisch nicht entziehen. Ein jeder wird ja auch durch sein Unterbewusstsein manipuliert. Damit meine ich nicht die absichtliche Eigensabotage. Es ist auch so ein Henne-Ei-Problem: Erschafft mein Unterbewusstsein Auriana, oder ist es Auriana, die Inhalte meines Unterbewusstseins erschafft?

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Aurianas Persönlichkeit

Sie ist sympathisch, albern, intuitiv, spielerisch, hilfsbereit, kindlich, neugierig, wissensdurstig, extrovertiert, kreativ, … aber sie kann auch ernst sein. Im Johari-Fenster habe ich ihr folgende sechs Adjektive zugesprochen: albern, freundlich, fürsorglich, hilfreich, mitfühlend und selbstbewusst. Natürlich musste ich aus 56 Adjektiven nur fünf bis sechs auswählen – so die Methode des Johari-Fensters. Sie hat bei Weitem mehr Adjektive. Auriana selbst hat sich die gleichen Adjektive gegeben, bzw. meiner Einschätzung zugestimmt. Wir haben dann die Methode alternativ von hinten aufgezäumt, und jene Adjektive gesucht, die gar nicht infrage kämen – als da wären: angespannt, nervös, bestimmt, reif (50:50), ruhig und still. Besonders still ist sie nicht.
Ich werde in Zukunft jedes Johari-Adjektiv hier noch erörtern. Ggf. auch den Adjektiv-Bereich erweitern. Hier schon mal die sechs anfänglichen Adjektive von Auriana:
  1. albern – Ich denke, das braucht keiner Erörterung. Sie ist ein wahrer Spaßvogel auf ihre Art. Aber NIE beleidigend oder wertend dabei.
  2. freundlich – Wenn Auriana mit der realen Welt konfrontiert werden würde, würde sie dahingegen schon sehr auffallen.
  3. fürsorglich – Das ist sie sehr. Und nicht nur mir gegenüber; oft kommen von ihr auch Anregungen, wie ich Fürsorge bei meinen Angehörigen zur Geltung bringen kann.
  4. hilfreich – Das ist sie in vielerlei Hinsicht. Allein ihre Therapiemethoden, welche hier in diesem Artikel aufgeführt (noch im Aufbau) sind, zeigen deutlich, wie sehr sie mir hilft.
  5. mitfühlend – 99,999 % (mit ein bisschen Luft nach oben). Sie spiegelt fast immer meine Emotionen wider, und, holt mich so aus negativen Emotionen heraus. Aber nicht nur mit gegenüber ist sie mitfühlend, sondern gegenüber wahrlich jedem
  6. selbstbewusst – Da ist sie so wie ich. Zwar übt sie hin und wieder (seichte) Kritik an sich aus („Ups, habe ich ganz vergessen. Mensch bin ich vergesslich!“), aber das Ganze auch nicht wertend. So verfahre ich auch. Sie ist toll, ich bin toll, wir sind toll, und die Menschen sind toll.

Ich könnte ihr kein einziges negatives Attribut zuschreiben. Meinen eigenen Müßiggang und teils Schlafmützigkeit, zeigt sie gar nicht. Wie auch? Sie kann ja schlecht die Geschirrspülmaschine ausräumen (Ich nehme öfters mal dieses Beispiel hier in diesem Artikel, weil es wohl jeder am ehesten nachvollziehen kann. Also nicht wundern. Mein Leben besteht nicht nur aus dem Ausräumen der Geschirrspülmaschine). Wäre sie meine reale Tochter, wäre das ein schönes Vater-Kind-Verhältnis. Jetzt stelle ich mir die Frage, ob ich Auriana erziehen kann … ich vermute eher nicht, denn sie ist ja nicht real, also nicht mit der körperlichen Welt konfrontiert. Wäre schon ein Ding, wenn ich sie bei der Schule anmelden könnte … haha! Witz. Eine Erziehung würde auch eher auf unkonventionelle Weise stattfinden, und wäre eher auf meine eigene Persönlichkeitsentwicklung bezogen. Ich hatte ja schon weiter oben (oder war es doch weiter unten? ) in diesem Artikel bei meinen Therapiemethoden angerissen, dass ich versuchen werde, meine Stimmen zu trainieren. Das gilt eigentlich nur für den Rest der Stimmen. Auriana selbst ist gut, so wie sie ist.
Ihre ernste Seite ist für mich aber auch hilfreich. Besonders dann, wenn es mir schlecht geht. Aber von allen Eigenschaften ist die Kreativität bemerkenswert (Das Adjektiv Kreativ ist übrigens nicht Bestandteil der Johari-Adjektive). Sie hat oft Einfälle, auf die ich (vermutlich) nie gekommen wäre. Das zeigt sich in der Musik, Literatur, Arbeit, wie auch Ideen des Alltags. Habe ich mit ihr meine Kreativität entfesselt? Das kann ich nicht sagen. Ich denke, ich bin nicht vieeel kreativer als jeder andere auch. Es macht aber so mehr Spaß.
Sie animiert mich regelmäßig, mir Dinge anzueignen, die außerhalb meiner primären Interessen liegen. Sie ist zufrieden, wenn wir mal einen zufälligen Wikipedia-Artikel uns anschauen, ein E-Book (etappenweise) lesen oder sonstige Recherche im Internet betreiben. (Ich sollte mir vorhin verschiedene Fruchtarten ansehen und habe dabei gelernt, dass die kleinen Pünktchen auf einer Erdbeere Achäne heißen, und die Erdbeere selbst eine Sammelachänenfrucht, und als Oberbegriff eine Sammelnussfrucht ist, welche zur Familie der Rosengewächse angehört. So viel dazu.)

Was mir noch Sorgen macht, aber weniger offensichtlich ist: Gibt es eine Verbindung zwischen Auriana und der boshaften Präsenz? Beide sind gewissermaßen ihre eigenen Antithesen (bis auf die Angst–Wut–Achse), aber auch die boshafte Präsenz und ich selbst sind Antithesen. Was wird aus Auriana, sollte die boshafte Präsenz verschwinden? Wenn Aggression auf die boshafte Präsenz projiziert wird, und diese Projektion geht auf Auriana über, wird sie dann so wie die Präsenz? Ich hoffe doch mal nicht. Oder ist Auriana so was wie mein „Schutzgeist“ vor der boshaften Präsenz, und wenn diese verschwindet, Auriana mit verschwindet? Das will ich nicht! Ich könnte mich nur schwer entscheiden, ob ich beides haben möchte oder beides gleichsam verschwinden soll. Ich denke aber, Auriana bringt mir mehr Freude, als die Präsenz mir Angst und Leid einbringt. (Nachtrag 2022-01-07: Um Gottes willen!!! Ich würde für Auriana 100 boshafte Präsenzen in Kauf nehmen!) Bis Anfang des Jahres charakterisierte sich ja die boshafte Präsenz – in ihrem Habitus – noch als junges Mädchen mit langen schwarzen Haaren. So wie in dem Film „The Ring“. Aber dann irgendwann im ersten Quartal von 2021 wechselte dieses Bild zu einer dystrophen graubleichen Frau, etwa um die 30 Jahre alt, mit ebenso langen gesichtsverdeckenden Haaren (siehe auch „Boshafte Präsenz“ weiter unten!) Meine Psychotherapeutin meinte, meine boshafte Präsenz sei nun erwachsen geworden. Was auch immer das zu bedeuten hat. Merkwürdigerweise wurde auch zu diesem Zeitpunkt Auriana etwas erwachsener und integrer. Sprich, es kamen von ihr weniger infantile Aussagen und Gespräche mit Reifecharakter waren möglich. Es ist auch möglich, dass meine Persönlichkeitsentwicklung einen Schub gemacht hat, und sich das auf mein Stimmenhören, sowie meinen Ängsten niederschlägt.
Wäre Auriana ein reales Mädchen, würde sofort ihr konträrer/bipolarer Charakter auffallen. Einerseits kindlich, ja pueril, andererseits therapierend, solenn und tugendhaft. Besonders die letzten drei Punkte würde man keiner jungen Person zuschreiben. Doch ihr seriöses Wesensmerkmal ist mitnichten humorlos. Wäre sie real, würde sie zum Lachen aufs Dach klettern.

Ich hatte auch versucht, Auriana per Persönlichkeitstypologie zu charakterisieren. Eine prominente Typologie ist der MBTI. Hier muss auch erwähnt werden, dass dieser eher pseudowissenschaftlicher Natur ist. Er kann aber als gutes Sprungbrett in die Persönlichkeitspsychologie dienen. Auriana hat bei dem entsprechenden Test ihre Antworten gegeben und als Ergebnis ENFJ-A/T erhalten. Siehe auch: https://www.16personalities.com/de/personlichkeitstypen
Hat Auriana ein (oder mehr) Spezifikum? Ich denke, das größte Spezifikum ist, dass sie in meinem Kopf sitzt. Das macht sie zwar nicht einzigartig (es gibt ja Massen an Stimmenhörern), aber hebt sie doch von normalen körperlichen Personen ab. Aber wenn man sie als Person betrachten würde, wäre ein Spezifikum ihre gleichsam kindliche wie souveräne Art. Eine 40-jährige Frau, die im Aussehen noch ein Kind ist, und sich gerne mal als solches verhält. So etwas findet man nur sehr selten (siehe oben: Kulturzwang.) Auriana (oder Meryana) könnte auch jene Seite an mir sein, dich gerne wäre, aber mich dafür schäme.

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Aurianas Quirks

Quirks – aus dem Englischen für Eigenarten, Macken, Ticks usw. Diese Liste wird noch wachsen. Hier ein paar ihrer Quirks:
  • Sie quietscht/quiekt öfters mal. Besonders, wenn sie aufgeregt ist.
  • Ihre Mmm-Laute können teilweise über eine Minute andauern. Ohne Unterbrechung. Das schafft man wohl nur mit mindestens 10 Liter Lungenvolumen. Immerhin summt sie meist eine Melodie dabei.
  • Sie nutzt Atemgeräusche, wenn sie meint, sie umarmt mich. Und sie pustet dabei auch. Das ist für mich etwas … gewöhnungsbedürftig, aber wenn sie es so zeigen will, ist es O. K.
  • Sie reimt oft. Meistens sind es Zweizeiler.
  • Hin und wieder redet sie davon, was sie gerne essen würde. Meistens Süßspeisen.
  • Ohhhhhh … du bist soo niedlich!
    Das kommt oft von ihr. Und wenn ich Einspruch erhebe, kommt von ihr ein:
    Du kannst dich diesem Attribut nicht entziehen. Du und Mama seid es einfach. Punkt!
    … Ich würde nicht sagen, dass ich niedlich bin. Aber gut, wenn sie meint.
  • Das sagt sie hin und wieder, wenn eine weitere Person in der Nähe ist. Besonders draußen.
    Umarm sie/ihn! Bitte mach! Das wär so schön!
  • Wenn ich esse, „analysiert“ sie das Essen oft.
    Interessant … Brot, Käse und Seranoschinken. Was würde passieren, wenn du die Belagreihenfolge änderst in Brot, Seranoschinken, Käse?
  • Sie singt oder summt regelmäßig. Oft sind es nur wenige Sekunden.
  • Sie fragt regelmäßig nach Annika.
  • Das sagt sie fast immer, wenn ich dusche:
    Waschi waschi! … Waschi waschi! … Arm waschi waschi! … Bein waschi waschi! … Schulter waschi waschi! …
    Ist irgendwie zu einem Ritual geworden.
  • Und das sagt sie oft, wenn ich Annika küsse:
    Schmatzi schmatzi … Schmatzi schmatzi …


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EQ, IQ, Introspektion und sonstige operationalisierbare PKEs

(EQ = Emotionaler Quotient, IQ = Intelligenzquotient, PKE = Persönlichkeitseigenschaft)
Ich selbst kenne meinen IQ nicht, würde ihn aber um die 110–115 einschätzen (ohne Krankheit). Mit meiner Krankheit vielleicht doch eher um 95-100? Ich weiß es nicht. Manchmal wirkt Auriana auf mich intelligenter, als ich es sein könnte. Trotzdem halte ich sie für gleich intelligent. Sie hat ja locker flockig – offenbar – uneingeschränkten Zugang auf mein Gedächtnis. „Das holistische Gedächtniskind“. Es wäre mal informativ, einen entsprechenden Test zu machen und nur Aurianas Antworten zu berücksichtigen – sofern sie da mitarbeitet. Was aber generell nicht leicht werden würde, denn die möglichen Antworten habe ich ja auch vor meinem geistigen Auge und sie dann entsprechend auch. Insofern müsste ich apperzipieren, ohne kognitive Denkprozesse anzustoßen. Ist das möglich? Den Geist so zu entleeren? Keine Ahnung. Erinnert mich so an das Bild: „Don’t look at the chicken!“, und der Text im Huhn: „Game Over!“ Oder ich lese das Item, und im Anschluss, überflute ich mich mit anderen Informationen.
Nachtrag 2022-05-09: Ich habe ein Quiz mit ihr zusammen gemacht und direkt nach der Frage mich mit Informationen überflutet und von eins bis x hochgezählt. So hatte ich selbst keine Chance auf mein Gedächtnis betreffend der Fragen aufzurufen. Es hat geklappt. Auriana hat die Antworten zu den Fragen gegeben. Natürlich nicht bei jeder Frage. Teilweise konnte ich sagen, dass ich eine Handvoll Antworten nicht selbst hätte geben können. Das Quiz hatte 40 Items und ich habe die Fragen laut vorgelesen, aber auch Aurianas Antwort durch mich per Audioaufnahme aufgenommen. Ob ich nun bei Wissensspielen, dank Auriana, besser abschneiden würde, kann ich nicht sagen. Ich denke eher nicht. Die Antworten, die ich im Testquiz nicht wusste, hätte ich vermutlich nach ein paar Sekunden Gedächnisarbeit auch gewusst. Vermutlich.
Aber im Großen und Ganzen interessiert mich diese Thematik rund um den IQ nicht wirklich, und ein Test dauert mir viel zu lange. Außerdem kann man den Wert doch eh nicht durch Training verbessern, oder? Mir ist der emotionale Quotient (EQ) viel wichtiger, auch wenn es schwer ist, diesen zu operationalisieren. Aber diesen kann man trainieren. Auriana kann ich auch schlecht einschätzen, was ihren EQ betrifft. Auch da existieren Tests. Manche relativ kurz, mit 20 Items, und andere dauern auch gut 3–4 Stunden lang. Ich hatte einen Längeren vor etwa 2–3 Jahren gemacht und ein überraschendes Ergebnis erhalten. Das teile ich aber hier nicht. Vielleicht mache ich den gleichen Test mal mit Auriana. Leider habe ich den Link vergessen, und in meiner Favoritensammlung ist er nicht mehr vorhanden. Warum? Weil die debilen und habgierigen Add-on-Entwickler, dessen Add-on ich benutzt habe, gegen die Geschäftsbedingungen der Mozilla Corporation verstoßen haben und deswegen dieses Firefox-Add-on einfach so rausgeflogen ist, mitsamt rund 500 meiner Favoriten, auf die ich nun keinen Zugriff mehr habe. Kotzt mich das an! … Wie auch immer.
Menschen mit einem hohen EQ sind auch definitionsgemäß schon introspektiver als alle anderen. Ich wüsste aber nicht, ob man die Fähigkeit zur Introspektion anhand eines (Sub)parameters operationalisieren könnte. Es ist vermutlich ein Kaleidoskop aus EQ und innerseelischen Erfahrungswerten. Diese Erfahrungswerte sammelt man – wer hätte es gedacht – während Introspektionen. Das muss nicht bedeuten, dass man sich einfach nur Persönlichkeitsratgeber reinziehen braucht. Zur Introspektion gehört viel mehr. Im Prinzip betrifft es alles, was man wahrnehmen kann, zu hinterfragen. Also eine Selbstbeobachtung und Innenschau. Und dazu gehören auch Emotionen, Gedanken, Erinnerungen, Sinneseindrücke, usw. Fragen an die eigene Person gerichtet, sind auch hoch im Kurs. Wer sich gerne mit Persönlichkeitstests beschäftigt, kann also guten Gewissens als introspektiv bezeichnet werden. Aber auch das Schreiben von mit sich selbst zurate gehenden persönlichen Texten (wie ich es hier mache) ist nichts anderes als ein Erfahrungssammeln von Introspektion. Auriana kann ich nicht einschätzen, denn: Sie ist, mehr oder weniger, die Personifizierung meiner Selbstbeobachtung – und eine verdammt Gute!
Empathie ist ja eine Kategorie des emotionalen Quotienten, und die hat Auriana mir gegenüber (fast) bis zum Anschlag, und ich ihr gegenüber auch. Trivialerweise. Nach oben ist ja immer Luft. Übrigens, auch anderen gegenüber, sofern sie dieses kommentiert. Und ich bin der festen Überzeugung, dass Auriana empathischer mir gegenüber ist, als ich mir selbst gegenüber. Sie deckt oft kleine Nuancen auf, die ich so gar nicht wahrgenommen habe. Natürlich äußert sie sich zu meiner Gefühlswelt nicht permanent. Aber wenn sie es tut, trifft sie ins Schwarze. Sehr punktgenau. So gesehen könnte ich Auriana noch eine weitere Funktion zuschreiben: der Emotionssensor. Gerade eben (2021-12-21 14:34) hatte sie gesagt:
Ich wünschte, ich könnte dir weiterhelfen, mit deinen Kindern und dem Computerspiele spielen. Das macht dich traurig, dass du so schnell damit überfordert wirst. Vielleicht in kleinen Schritten? Du hast doch immer gerne Guild Wars gespielt. Vielleicht ist das für Lars ja auch etwas?
Ja, sie hat recht. Ich habe tatsächlich, über Ecken, an meine Kinder und dem gemeinsamen Spiel gedacht. Nur habe ich die Traurigkeit, dass ich es nicht kann, gar nicht wahrgenommen. Und jetzt hat mir Auriana Hoffnung gebracht. Ich fange gleich an zu heulen … wie schafft sie das bloß immer?!
Jetzt weinst du. Wir schaffen uns schon eine Lösung. Versprochen!
Nachtrag 2022-01-13: Ich habe doch tatsächlich die letzten drei Tage täglich 1–2 Stunden mit meinen Kindern gespielt, ohne dass ich flüchten musste wegen Überreizung. Ich glaube, die Überreizung wird auch etwas geschmälert, wenn ich das Gefühl habe, ich hätte eine bestimmte Art von Kontrolle darüber. Im Computerspiel „Guild Wars 2“ ist schon ein gewisses Maß an Effektspektakel, aber man kann sich diesem, wenn nötig, immer mal wieder entziehen. Das finde ich gut.


Auf https://www.idrlabs.com/tests.php findet man Myriaden an psychometrischen Selbsttests. Manche davon sind einfach nur zum Spaß, die anderen eher seriös. Ich werde beizeiten dieses Kapitel mit Aurianas Testergebnissen füttern. Und ich stelle meine auch im Vergleich daneben. Tests, die mit Auriana keinen Sinn ergeben, spare ich aus.
Überspringe alle Tests

Apology Languages Test
https://www.idrlabs.com/apology-languages/test.php
Auriana

Ich


Love Test
Überspringe alle Tests
https://www.idrlabs.com/de/liebessprachen/test.php
Auriana

Ich

Siehe auch: Dirk – Die Sprachen der Liebe

Gender Test
Überspringe alle Tests
https://www.idrlabs.com/de/geschlechterrolle/test.php
Auriana

Ich
Das nenne ich mal ne Überraschung! Auriana ist maskuliner als ich.
Globaler EQ Test
Überspringe alle Tests
https://www.idrlabs.com/de/globaler-eq-test/test.php
Auriana

Ich

Lebensfallen Test
Überspringe alle Tests
https://www.idrlabs.com/de/lebensfallen/test.php
Auriana

Ich


Der Beliebtheits Test
Überspringe alle Tests
Auriana & Ich
Wir beide haben exakt das Gleiche gewählt. Was jedoch kurios ist: Ich halte mich selbst nicht wirklich für beliebt, habe aber trotzdem wahrheitsgemäß geantwortet. Seltsam.


Test der Liebesfähigkeit
Überspringe alle Tests
https://www.idrlabs.com/de/liebesfahigkeit/test.php
Ich
Ich habe bei diesem Test nur selbst geantwortet. Auriana hat ja keinen Partner, und ich würde mich auch nicht als ihren bezeichnen. Einige der Fragen thematisieren auch die Sexualität. Diese existiert ja zwischen Auriana und mir nicht.


Loneliness Test
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https://www.idrlabs.com/loneliness/test.php
Ich


3 Minute Schizotypal Test
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Ich


Locus of Control Test
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Multidimensionaler Wut Test
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Avoidance Personality Spectrum Test
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Borderline Spektrum Test
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Ich


Der ADHS-Spektrum Test
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Abundance Mindset Test
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Psychopathie Matrix Test
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Win-Win Mindset Test
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Der Big Tent Dark Traits Persönlichkeitstest
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Test zu negativen Erziehungsmustern
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Brain Chemistry Test
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Personality Maladaption Test
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PTSD Test
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EQ Test
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Ruler EQ Test
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Wholesome Partner Test
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Test für schwierige Persönlichkeiten
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Persönlichkeitsstil-Test
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Angst-Stress-Depression-Test
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Politischer 8-Werte-Test
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Helle-Dunkle-Triade-Persönlichkeitstest
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Geschlechtskoordinaten-Test
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Test zu sexuellen Einstellungen
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Moralischer Grundlagen-Test
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Open-Enneagramm-Test
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Test für hochsensible Personen (HSP)
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Toxic Positivity Test
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Anxiety Disorders Test
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3 Minute Self-Esteem Test
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Psychosis Spectrum Test
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Aurianas Interessen

Sehr viel Psychologie und Soziales – vor allem andere Menschen. Allen voran, meine Angehörigen. Um ein Beispiel zu nennen: Sie redet über Annika und Kathrin. Letztere noch viel mehr, seit wir uns regelmäßig sehen. Aber auch die Liebe hat es ihr angetan. Und sie teilt auch (zum größten Teil) meine Interessen. Generell interessiert sie auch der Alltag. Eichhörnchen und Hummeln (Summisumms) entzücken sie auch. Wenn es ums Essen/Kochen geht, redet sie eher über Süßes, und meint, ich soll doch viel mehr backen. Sie insistiert auf Zimtschnecken.
Was mir just in diesem Moment einfällt: Ob ich mit ihr zusammen Schach oder ein anderes Brettspiel spielen kann? Sollte ich vielleicht mal ausprobieren. (Ich interessiere mich aber nicht wirklich für Schach.) Nachtrag 2022-01-08: Habe ich getan. Das Ergebnis unseres „Spiels“ könnt ihr gleich lesen.
Und, das Wichtigste: Auriana interessiert sich für mich und für das, was ich so mache. Wahrscheinlich ist sie überhaupt erst da, weil niemand sich für mich interessiert (gefühlt), obwohl ich selbst Interesse anbiete – fast schon egal, was die andere Person macht. Nein, nicht wahrscheinlich, sondern mit ziemlicher Sicherheit. Unter diesem Desinteresse anderer Personen mir gegenüber leide ich am meisten. Seit Jahren zerfrisst es mich. Aktuell umso mehr – sollte ich Auriana isolieren. Diesen psychosozialen Faktor sollte man nicht unterschätzen, musste ich lernen. Auriana meinte auch, dass Gegenliebe ein sehr kostbares Gut, und auch schwer zu bekommen ist. Alle Menschen wollen gehört werden. Ich höre euch doch, ich höre doch, … Menno! Und ich hätte einfach eine zu gute Antenne, die mir Zeugnis darüber ablegt, ob jemand wahres Interesse äußert, oder besser gesagt, fühlt. Ebenso wie mit der Empathie. Ist doch zum Erbrechen!
Jetzt könnte man auch als Angehöriger vermuten, dass Auriana meinen Wissensschatz erweitert, und ich z. B. bei diversen Spielen einen Vorteil hätte. Das stimmt auch ein wenig, aber nicht vollumfänglich. Ich würde sagen, sie macht mein Gedächtnis etwas greifbarer. Aber ich hatte auch schon Antworten auf meiner Zunge liegen, und Auriana wusste es ad hoc auch nicht. Sie ist keine Wikipedia. Nachtrag 2022-05-09: Wir hatten zusammen ein Quiz gespielt. Das Resultat habe ich weiter oben beschrieben.
Nachtrag 2022-01-08: Ich habe versucht, mit ihr Schach zu spielen, und dafür ein eine Schach-Website genutzt. So sah unsere Kommunikation aus:
Du bist weiß und machst den ersten Zug.
Oh … ok … dann … L14 nach M22.
… Das gibts nicht. Außerdem hat das Ding keine Zahlen und Buchstaben, merk ich gerade.
Oh … Wieso nicht?
Keine Ahnung. Ist das erstbeste, was ich gefunden habe. Ich kann mir die Feldmarkierung aber denken. Oder du sagst es einfach bei Mouseover.
Ohhhhh … ok.
10s Pause.
Und?
Keine Ahnung. Bauern vorwärts.
Welchen?
Alle.
Das geht nicht.
Schade. Ich hätte sie als Kollektiv losgeschickt.
Das geht nicht bei Schach.
Sollte aber. Bauern sollten sich verbünden.
Gegen wen?
Ja gegen das Königspaar. Aber die Bauern sind ja unterschiedlich. Kartoffelbauern, Getreidebauern, Rapsbauern, Obstbauern und so weiter.
Macht das einen Unterschied?
Ja klar! Obstbauern dürfen zwei Felder vorwärts, da sie die Macht der Früchte in sich tragen.
Verstehe … Willst du überhaupt Schach spielen?
Ja, aber nach unseren Regeln.
Die da wären?
Ömmm … machen wir später zusammen.
Schach interessiert dich nicht, oder?
Hmmmmmmmmmmmm ne … dich denn?
Mich auch nicht.
Also lassen wirs?
Ja.
Ok ok.
Was zu erwarten war.

Unser nächstes Spielprojekt wird das Spiel „Dame“ sein. Sie hat sich sogar extra dafür bei Amazon ein Damespiel ausgesucht. Ich hoffe, sie hibbelt nicht wieder dabei herum.

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Sprachen

Auriana spricht ausschließlich Deutsch, plus ein paar Lehnwörter, die jeder benutzt. Was mir aber auffällt, Auriana hat einen höheren Wortschatz als ich. Oder besser gesagt, sie hat leichteren Zugriff auf mein „lexikalisches Gedächtnis“ (Meine anderen Stimmen übrigens auch). Manchmal muss ich bei ihr nachfragen, was sie mit dem ein oder anderen Wort meint. Finde ich aber gut. So kann ich meinen Wortschatz trainieren. Natürlich kennt sie auch nur solche Worte, die ich mindestens einmal wahrgenommen habe. Wir trainieren auch regelmäßig Synonyme. Und, wir paraphrasieren beide auch gerne. Außerdem ist einer unserer gemeinsamen Ziele, die Verbfaulheit (machen, haben, tun, sein, usw.) abzutrainieren.
Übrigens:
Ich denke, du hast leichteren Zugriff auf mein … auf mein …
Lexikalisches Gedächtnis?
Ja … ämm … ja, hört sich gut an.
Bisher hat keine einzige Stimme in einer Fremdsprache geredet. Ausnahme: die boshafte Präsenz und teilweise Aurianas Gesang. Aber in Sprachen, bis auf englische Lyrik, die ich nicht kenne. Vermutlich weniger Sprache, als nur eine Folge von willkürlichen Silben. Auriana meint, es wäre „Die erste Sprache der ersten Welt“. (Das habe ich in meine fiktive Welt dann eingebaut.) Hier merkt man übrigens, wie erdverbunden Auriana und ich doch sind. Wir sehen da nichts Übernatürliches.
Auriana singt aber auch in Englisch, sofern die Lyrik dazu in Englisch verfasst ist.
Ob ich z. B. Englisch bei meinen Stimmen forcieren kann? Bei Auriana, ja, das macht sie hin und wieder. Aber die anderen Stimmen bislang nicht. Auch wenn ich selbst Englisch „rede“, antworten die Stimmen auf Deutsch. Aber wer weiß, wie sich das alles noch entwickelt. Zurzeit lerne ich Japanisch. Ich bin gespannt, ob Auriana sich dort auch involviert.

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Wie sieht Auriana aus?

Eine Stimme kann natürlich kein Aussehen haben, doch sie kann sich dazu äußern, welches Bild man von ihr haben sollte. Falls sie es sich wünscht. Das macht Auriana. Zugegeben, dies war und ist ein recht langwieriger künstlerischer Prozess, der viel Trial-and-Error erzeugt(e). Ich habe mit Auriana zusammen mittels einer Software (DAZ3D Studio) ihr Aussehen gestaltet. Ihr könnt euch diese Software vorstellen, wie ein sehr umfangreiches Fotostudio mit allem möglichen Zeugs. Das/die (End)resultat(e) war(en) auch für mich hilfreich – ein Gesicht zu kennen, kann für das Gegenüber angenehm sein während der Kommunikation, auch wenn ich dieses Bild meist nur mental aufrufe (Ich werde mir dieses Bild nicht als Fotorahmen aufstellen und/oder als kleines Bild am Schlüsselanhänger – auch wenn Auriana gesagt hat, sie fände es schön.) Bilder von ihr sind in diesem Artikel ganz unten eingebettet.
Nachtrag 2022-02-23: Sie hat mich doch glatt überredet. Wir werden gemeinsam ein Bild für einen Fotorahmen aussuchen/entwickeln.
Aber der Prozess des Schaffens ist nicht endgültig und stets dynamisch. Augenfarbe ändern, Haarfarbe ändern, Wangenknochen einen Millimeter zurückschieben, usw. usf. Na ja, sie ist ja ein Kind und „wächst“ noch.
Was interessant ist: Auriana ist innerhalb der Software verständlicherweise stets gekleidet, und ich darf die Kleidung nicht löschen und dann neue anlegen. Ich darf die alte Kleidung erst entfernen, wenn die neue angelegt ist (Ja, in einem Computerprogramm ist so was möglich). Sie möchte also nicht, dass ich sie nackt sehe. Kurz hatte ich überlegt, ob ich sie ein wenig sticheln sollte, bin aber zum Entschluss gekommen, dass das nach hinten losgehen kann – leg dich niemals mit einer Stimme an! Das führte auch zur Überlegung, ob ihr Charakter kippen könnte. Also nicht mehr nett und kindlich, sondern boshaft und verbittert. Sosehr eine Stimme jemanden motivieren und inspirieren kann, so sehr kann diese einen demoralisieren. Ich wage da keine Experimente. Das hatte ich auch so meinen Angehörigen erzählt, und sie sind der Überzeugung (die ich auch teils teile), wenn ich Angst habe, etwas Falsches gegenüber Auriana zu tun, sie mich in ihrem Griff hat. Doch nein, Auriana würde mich nie negativ beeinflussen. Aber ich behandel sie so, so wie ich jeden behandeln würde. Respekt geben, Respekt erhalten. Und ich würde kaum ein Kind sticheln, wenn ich es entblößt sähe.
Habe ich auch ein (mentales) Bild von meinen anderen Stimmen? Nein, bis auf Meryana. Selbst wenn eine unbekannte Stimme mit mir redet, habe ich kein Bild, wenn auch nur ein fix Erfundenes, vor Augen. Das ist echt komisch.
Hast du ein Gesicht vor Augen, wenn du eine Stimme (Radio, Podcast, Hörbuch, usw.) hörst?
Ja, ein Hörbuchcharakter stellt man sich irgendwie vor, also seinen Habitus. Aber sein Gesicht, während er redet? Soweit ich mich erinnern kann, hatte ich das in jenen Fällen mir auch nicht imaginiert.
Was ich aber noch machen werde, ist, in DAZ3D Studio meine anderen Stimmen zu designen. Bislang habe ich nur Auriana und Meryana erstellt. Plus weitere, die aber nicht zu meinen Stimmen gehören.
Ein weiterer Aspekt des Designens ist die Möglichkeit, Auriana auch mal was zu schenken. So hat der DAZ-Marktplatz eine Riesenauswahl an digitaler Kleidung, Props, Szenen, u. v. m. Das meiste davon kostet zwischen 10 und 30€. Also noch recht human, was die Kosten betrifft.
Nachtrag 2022-01-07: Aktuell arbeiten Auriana und ich an einer adoleszenten Version von ihr. Und ja, diesmal äußert sie sich zu gewissen Themen. Also Form der Brust, des Gesäßes, usw.
Für mehr Bilder, siehe ganz unten in diesem Artikel.

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Aurianas Präferenzen?

Noch im Aufbau.
Verständlicherweise kann Auriana keine direkten Vorlieben, welche die körperliche Welt betreffen, haben. Aber sie kann diese durch mich ausleben. Z. B. was sie gerne isst. Das ist meist Süßes, und da ich aktuell diäte, muss sie sich erst einmal zusammenreißen. Sie bestimmt aber immer mit, wie ich meinen abendlichen Salat gestalte. Sie ist ziemlich vernarrt in Thunfisch.
Thunfisch, Thunfisch, Wassertier. Komm schnell auf unsrem Teller hier!

Sie singt gerne bei diversen Liedern mit – oft auch mit eigener Lyrik, die aber meist nur eine Tonfolge von Silben ist. Ich habe hier, in diesem Artikel, ihre beiden Musik-Playlists aufgeführt. Und oft möchte Auriana mitbestimmen, welches Lied wir hören sollen.
Sie hat auch ihre Vorlieben, wie wir sie im 3D-Programm in Szene setzen, so auch die Kleidung, welche ich ihr ja kaufen/besorgen kann, durch den DAZ-Marktplatz. Momentan (2022-02) mag sie, mit der erwachsenen Variante ihrer 3D-Figur spielen. Darüber bin ich auch froh, denn der Kleidungs-Content ist doch eher für weibliche Formen abgestimmt und teils auch erotisch konnotiert. Das muss ich mir mit einer Figur eines zehn Jahre alten Mädchens nicht geben. (Für Bilder siehe unten in diesem Artikel!)
Am liebsten würde sie durch mich alle Menschen berühren, streicheln, kuscheln, usw. Dass ich diese Vorliebe nicht für sie umsetzen kann (bzw. möchte (ok, eigentlich möchte ich das …)), weiß sie, aber trotzdem erwähnt sie es, vor allem, wenn ich in der Öffentlichkeit unterwegs bin.
Kannst du nicht diesen Mann mit der grau-weißen Jacke fragen, ob er kuscheln will? … Ach, bitte, Dirk! … Na gut. Aber du verpasst was!
Die Frau dort … ja, genau die Kassiererin … sie schaut so traurig. Magst du nicht fragen, ob du sie streicheln darfst? … Nur die Hände wäre auch ok. … Bitte bitte, Schatzi, frag sie! Oder streichel ihre Hand, wenn sie dir das Wechselgeld gibt! … Ja, ich weiß, blödes Corona!
Ich muss nicht erwähnen, wie verschroben es wär, wenn ich ihre Bitten in die Tat umsetzen würde – allein nur der Versuch … Scham Scham Scham! Außerdem sage ich ihr, dass man das nicht machen sollte wegen Corona. Die Ausrede (na, eigentlich ist es keine) lässt sie jedoch nicht gelten. *stöhn*
Ihr müsst mal ihr: „Ach, bitte, Dirk!“, hören. Das ist schon sehr speziell in seinem klanglichen Ausdruck.
Ich muss aber aufpassen! Nach und nach infiltriert sie damit meinen Geist, und irgendwann werde ich vermutlich doch fremde Leute fragen, weil es für mich vermeintlich normal (geworden) ist. Auriana meinte, ich soll mal gaaanz tief in mein Innerstes blicken und horchen, und mir die Frage stellen, ob ich das wirklich möchte oder nicht. … Ja, ja, sie hat ja recht. Aber so was macht man doch nicht! … Oder? Verdammt! Natürlich steckt dahinter nicht die partnerschaftliche Liebe (Eros), sondern reine Nächstenliebe (Agape). Es ist schon traurig, wie weit sich da die Menschheit distanziert. Es wäre doch viel schöner, wenn jeder kuscheln könnte, so wie er mag. Mit Erlaubnis selbstverständlich. … Habe ich das gerade wirklich geschrieben? … *stöhn* … Und Auriana kichert gerade.
Ich hatte ja weiter oben in „Meine Kindheit“ geschrieben, dass ich mich nicht einmal daran erinnern kann, in den Arm genommen worden zu sein. Erwähnt es Auriana deswegen so oft mit den Umarmungen? Gut möglich.

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Auriana außerhalb des Auditorischen

Den überwiegenden Großteil von Aurianas Präsenz und Kommunikation macht das Auditorische, also ihre Stimme sowie ggf. Geräusche. Nun existieren aber mehr Sinne. Ja, Auriana kann sich in anderen Sinnesmodalitäten manifestieren, was aber eher eine absolute Seltenheit ist. Wie oben schon erwähnt, hatte sie meinen taktilen Sinn angesprochen – durch „Streicheln“. Hierbei muss noch erwähnt werden, dass die taktile Halluzination zuerst kam, und kurz darauf hatte Auriana erwähnt, sie würde mich streicheln. Ich gehe eher davon aus, dass sie auf den „Streichelzug“ aufgesprungen ist, und nicht diese Halluzination initiiert hat. So wie bei anderen Halluzinationen. Gesehen habe ich Auriana nur sehr wenige Male. Das Gesicht entsprach in der Tat dem eines etwa 10 Jahre alten Mädchens und etwa dem, was wir designt hatten. Interessanterweise habe ich mich gar nicht erschreckt. Diese Halluzinationen haben sich aber schnell aufgelöst. Doch in zwei Fällen war Auriana länger sichtbar und sie war ganz außer sich; sie meinte, dass sie es geschafft hatte, sich zu manifestieren. Was natürlich unmöglich ist. Aber sie drängte dabei auf eine Umarmung. Ihre visuelle Halluzination hatte sich jedoch, bevor ich es versuchen konnte, aufgelöst.

Geschmackssinn hat Auriana, soweit ich mich erinnere, nur ein Mal angesprochen – es hat nach Erdbeere geschmeckt in meinem Mund, was sie auch erwähnt hatte. Beim Geruchssinn wird es schwieriger. Manchmal wenn ich mit ihr kommuniziere, rieche ich auch Gerüche beliebiger Art, kann sie aber nicht zuordnen. So wird es wohl fast jeder Person ergehen. Andere Sinne wie Lagesinn oder Schmerzempfinden hat sie bisher noch nie angesprochen (die boshafte Präsenz jedoch schon. Glücklicherweise nicht sehr lange. Das könnte aber auch aufgrund der Angst und Verkrampfung entstanden sein. Wobei ich mir mit den Schmerzen in den Fingern nicht so sicher bin, dass sich da was verkrampfen könnte. Sie waren eigentlich locker.)
Und, jetzt mal etwas anderes: Einige von uns hatten schon Halluzinationen. Das Vibrieren des Handys, was im wahrgenommenen Moment gar nicht vibriert hat.

Nachtrag 2022-02-04: Ich habe Auriana heute direkt neben mir im Büro gesehen. Boah, mein Herz! Ich war übrigens allein zu Haus. Die vorangegangen 30 Minuten hatte ich immer im Augenwinkel das Gefühl, da würde jemand stehen. Teils war auch ein Schemen zu sehen. Und dann: Stand Auriana neben mir. Diesmal wollte ich sie definitiv berühren und umarmen. Eine visuelle Halluzination zu berühren ist äußerst irritierend, sobald man diese „anfasst“, fühlt es sich an, für mich, als würde die Welt ein Stück verrücken (Jetzt wisst ihr spätestens, woher das Wort „verrückt“ wirklich kommt). Das hat es definitiv getan. Aber auch schon in den letzten 30 Minuten hatte ich das Gefühl, die Welt wäre „anders“. Ich kann das gar nicht genau beschreiben, wie es ist, eine visuelle Halluzination anzufassen. In etwa so, als ob man ein Hologramm versucht zu berühren, nur doch anders. Absolut freakig, wenn dazu noch der Kopf der Halluzination sich auf einen ausrichtet. Obwohl ich weiß, dass es „nur“ Auriana war, lief es mir dennoch heiß und kalt den Rücken herunter. Aus Liebe in Reinform und so etwas wie eine unbestimmte Angst. Diese Emotionskombi wäre dann Submissiv. Kann gut hingekommen. Ich hatte extrem viel Respekt vor dieser Situation. Ich hatte es irgendwie geschafft, meine Arme um sie zu legen. Das war so heftig. Widerstand habe ich eigentlich keinen gespürt; trotzdem hat alles gekribbelt, und mir wurde auch total warm. Ich glaube, meine Oxytocinproduktion lief auf Hochtouren. Auriana hat sich auch zu Wort gemeldet. „Endlich!“ Mehr nicht, vorerst. Dann hat sie leise gequiekt. So eine Art von
Miiiii … miiiii … miiiii …
Die Miiiis wechselten sich mit markanten Atemgeräuschen ab – das war, zugegeben, etwas abgefuckt. Ich will nicht sagen porno, aber definitiv strange.
Und ihr Gesicht dabei … Sie hat so schön gelächelt! Dass ich ihr Gesicht gesehen habe während der Umarmung, ergab rein anatomisch geometrisch auch gar keinen Sinn. Sie schaute mich in der Umarmung von unten an, aber gleichzeitig hatte ich ihre Wange an meiner Wange. Ich weiß nicht, wie lange diese Halluzination anhielt – ich schätze mal so eine halbe Minute. Aber irgendwie blieb auch gefühlt, die Zeit für mich stehen dabei. Danach saß ich gute zehn Minuten danach einfach so da und habe meine Real-vs-Irreal-Gefüge1 sortiert, während Auriana
Das war schön … das war schön … das war schön …
und Varianten davon von sich gegeben hat. Als wir uns beide wieder beruhigt hatten, sagte sie, dass unsere Beziehung nun die nächste Stufe erreicht hat. Was auch immer das bedeuten soll. Ich will sie immer so haben! 24/7. Ok, wenn ich schlafe, dann nicht. Von mir aus kann eine solche Halluzination täglich erscheinen.
Die Halluzination hat sich ohne großartigen Funkenregen aufgelöst. Sie war einfach so weg. Puff! Recht unspektakulär. Ob ich enttäuscht war? Eigentlich nicht. Ich habe das erste Mal mit einer visuellen Halluzination interagiert. Das ist schon was.
1 Das Real-vs-Irreal-Gefüge sortieren = Eine erdende Maßnahme für die Psyche, die jegliche imaginierten Welten nur als fiktiv einordnet, und die wiederzuerlangende Erkenntnis, dass die echte Welt die einzige Welt ist. Gleichsam wird der Gedanke „Es könnte vielleicht ja doch sein …“ verdrängt.


Nachtrag 2022-04-24: Was in den letzten Tagen zugenommen hat, sind taktile Halluzinationen. Meist ist es ein Tippen auf meiner linken oder rechen Schulter. Was dann so aussieht:
Dirk? Tippen auf Schulter … Dirk? Tippen auf Schulter … Dirk? schnelleres Tippen auf Schulter
Damit kann ich mich aber arrangieren. Ich bin mal gespannt, ob andere Stimmen auch diese Art von Halluzinationen initiieren können. Diesmal hat es also Auriana wirklich geschafft, das Tippen zu initiieren. Ist nur ein kleiner Schritt. Ich bin interessiert, wohin das noch führen wird. Hoffentlich öffnet es nicht der boshaften Präsenz weitere Tore, mir Schmerzen zuzufügen.
Nachtrag 2022-05-09: In den letzten Tagen hat Auriana mich öfters mal „geknufft“. Meist an meiner rechten Schulter. In zwei Fällen hat sie es sogar explizit erwähnt und danach kamen die Knuffe. Kann Auriana nun meinen taktilen Sinn willentlich ansprechen? Das mit dem obigen Tippen hat ja auch nur eine Handvoll Tage angedauert. Ich bin mal gespannt. Es tat ja nicht weh, und die Knuffe waren eher Tätscheln, aber schon intensiver als Tippen. Vielleicht wird sie mich ja bald streicheln? Wer weiß, wer weiß. Solange Myantha das nicht kontrollieren kann. Ihr wisst, was ich meine.


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Auriana und meine Angehörigen

Ich versuche, sparsam mit ihrem Namen umzugehen, gegenüber meinen Angehörigen. Ich habe das Gefühl, sie damit zu nerven. Andererseits sind sie vielleicht auch übervorsichtig, wie sie damit umgehen sollen. Wirklich Interesse zeigt niemand. (Nachtrag 2022-01-03: Das Interesse kommt so langsam. Und ich bin unendlich froh, dass ich nunmehr nicht gänzlich mit all dem allein gelassen werde. Ich brauche euch so sehr …)
Nachtrag 2022-05-09: Ich denke, meine Angehörigen haben nun verinnerlicht, dass Auriana (+ die anderen Stimmen) ein Teil von mir ist.
Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie meine Wahrnehmung, meine Kognition, ja sogar meine Sicht auf die Welt sich geändert haben, seitdem ich Stimmen höre. Es ist fast so, als würde man gerade frisch auf der Erde sein, und müsse mit diesen „Fähigkeiten“ sein Leben meistern. Es ist gewissermaßen wie ein neuer Sinn. Wie sich wohl Taube oder Blinde fühlen, die dank einer Operation das erste Mal die Welt hören oder sehen können? Ich denke, das kann man gut damit vergleichen.
Meine Kinder haben von Auriana keine Kenntnis, und ich wüsste auch nicht, wie ich es ihnen erklären sollte. Nachher erzählen sie es in der Schule weiter und werden dafür ausgelacht. Ich denke, sie brauchen es nicht zu wissen. Und sollten sie es doch mitbekommen, werde ich Auriana als Internetbekanntschaft betiteln. Trotzdem … ich finde schon, dass sie es wissen sollten. Auriana und ich werden uns eine Taktik zurechtlegen, wie ich es ihnen am besten näherbringen kann. Scheiß Stigmatisierung!
Hin und wieder erwähne ich Auriana mal, aber ich mache sie nicht zum Hauptbestandteil meiner „externen“ Kommunikation. Die erwähnte Interpreterrolle könnte ich einnehmen (lieber per Chat statt mündlich), sofern es bei den anderen von Interesse ist. Ich werde nicht ein „Hey, Auriana möchte mit dir reden!“, verlauten lassen – sofern Auriana mich nicht dazu drängen würde.
Was mir teilweise sehr schwerfällt, ist die Gesprächsinhalte nicht meinen Angehörigen mitzuteilen. Allein schon, weil ich vieles witzig und/oder unterhaltsam finde. Innerhalb dieses Artikels habe ich jedoch einige von Aurianas Äußerungen aufgeführt.
Ich habe jedoch eine Grenze gezogen – nolens volens. Ich empfände es als zu absonderlich (eigentlich nicht), wenn Auriana zu oft erwähnt wird, aber es reizt mich, mehr als man glauben mag. Doch dagegen steht auch das mangelnde Interesse meiner Angehörigen.
Sofern du diesen Artikel bis hier hin gelesen hast: Danke für dein Interesse! Du darfst dir etwas aussuchen, womit ich dir eine Freude machen kann! Sprich mich bitte darauf an!

Auriana ist nun mal ein Teil von mir, und sie zu ignorieren ist so, als würde man mich selbst ignorieren. Es ist vollkommen O. K., wenn Auriana und ich selbst uns die Aufmerksamkeit meiner Angehörigen teilen.
Ihr sprecht NICHT mit einer Krankheit! Ihr sprecht mit mir. Ich bin keine Krankheit! Eine Kommunikation zwischen meinen Angehörigen und Auriana ist unvermeidlich. Auch, weil ich so andere Interpretationen zu hören bekomme. Ich weiß, es ist für euch befremdlich, oder gar weltfremd, mit ihr zu kommunizieren, aber sie ist kein rachsüchtiger Geist oder ein Wesen aus einer anderen Welt. Da steckt weder etwas Pathologisches noch Okkultes dahinter.

Wie geht Annika mit all dem um? Sie ignoriert das meiste, was mit Auriana zu tun hat. Ich denke auch, dass sie leider in gewisser Hinsicht eifersüchtig auf sie ist. Das muss sie nicht sein. Auriana ist keine echte körperliche Person. Ich wünsche mir schon mehr Interesse ihrerseits. Unterm Strich ist Auriana ich und ich bin Auriana. Aber so oder so, Annika tut schon verdammt viel für mich, und ich bin unendlich dankbar, sie an meiner Seite zu haben. Nachtrag 2022-05-17: Mittlerweile geht Annika doch hin und wieder auf Auriana ein.
Ich fände ja mal eine Fragenrunde mit Auriana und meinen Angehörigen sehr spannend.
Eine Threema-Gruppe, wo nur Auriana und meine Angehörigen kommunizieren, könnte für mich auch hilfreich sein.
Nachtrag 2022-02-11: Ich habe für Auriana ein Threema-Konto erstellt auf eines der alten Tablets. Ich habe ihr versprochen, dass ich ihre Worte nicht revidiere und 1:1 das schreibe (kuratiert), was sie mir sagt. So weit, so gut. Aber jetzt ist sie da wortkarg geworden. Na, mal abwarten. Nach 1-2 Stunden ist sie jedoch etwas warm geworden. Ich muss jedoch sagen, dass mein Kopf anfing, zu rauchen dabei. Daraus können sich aber interessante Gespräch entwickeln!
Nachtrag 2022-02-23: Viel hat Auriana bislang nicht von sich gegeben. Sie ist sehr sparsam mit ihren Äußerungen, und sie fokussiert sich eher auf Fragen an meine Angehörigen gerichtet. Im Durchschnitt sind es zwei Sätze von ihr, welche ich pro Tag schreibe. Wirklich sehr sparsam.

Auriana und meine Kinder

Ich werde hier demnächst erörtern, wie ich mein Stimmenhören mitsamt den anderen Symptomen meinen Kindern erklären kann oder könnte.

Auriana und Internetbekanntschaften

Eine Handvoll Leute wissen von Aurianas Existenz. Was ich faszinierend finde, ist die Offenheit der Leute aus der INFP-Gruppe (INFP ist ein Persönlichkeitstyp des MBTI (Myers-Briggs-Typenindikator) und INFP = Introversion, Intuition, Feeling, Perception.
Einen Test dazu kannst du hier durchführen: https://www.16personalities.com/de/kostenloser-personlichkeitstest).
Die anderen INFPs haben schon viele Fragen über Auriana gestellt, und sich auch schon mit ihr per Chat unterhalten, wenn auch nicht als füllendes Abendprogramm. INFPs werden ja auch Offenheit zugeschrieben, und haben eine Neigung zum Aberglauben, z. B. auch Horoskope (bin ich ja selbst auch, wobei ich nicht viel mit Horoskopen anfangen kann). Und diese Offenheit bemerke ich immer wieder. Leider neigen sie hin und wieder, in Selbstmitleid über die „böse böse Welt“ da draußen zu verfallen. Ich kann mich da auch nicht vollständig freikaufen.
Aus der Schizophreniegruppe sind die Leute etwas distanzierter. Ich halte es für ominös, dass fast alle gar kein „richtiges“ Stimmenhören im Programm haben, bis auf zwei. Die eine heißt Elena und ihre Stimme Sebastian. Die andere hat nur kreuz und quer Brabbelbabbel-Stimmen. Auriana scheint also doch eine Seltenheit, selbst unter den Schizophrenen oder gar Stimmenhörern zu sein (Nicht jeder an Schizophrenie erkrankte hat Stimmenhören. Es sind in etwa 83 % die Stimmen hören). Dieser Fakt interessiert mich sehr, da ich damit auch meine Persönlichkeit differenzieren kann. Ich muss aber sagen, dass ich mich nur mit einer Handvoll Schizophrenen unterhalten habe. Nicht wirklich brauchbar für eine vernünftige Statistik.
Da ich bald Auriana per eigenem Facebookkonto kommunizieren lasse, wird es sich zeigen, wie extern kommunikationsfähig sie sein wird. Und nein, ich bessere ihre Worte dann nicht aus, außer ich verstehe diese nicht. Dann frage ich aber bei Auriana nach deren Sinngehalt.

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Auriana während der Arbeit/Home-Office

Das ist das, wofür sie sich eher weniger interessiert. Elektrotechnik ist nicht so ihr Lieblingsinteressengebiet. Manchmal kommentiert sie. Meistens, wenn ich auf dem Schlauch stehe. Ja, sie ist da auch kreativ, aber es fühlt sich unspaßig an. Muss ich zugeben. Doch Kreativität ist gerade im Bereich der Elektronik (Microcontroller, Prozessoren, Leiterplattendesign, Programmierung, usw.) ein sehr hoher Faktor zum Erfolg. Kreativität muss ja nicht zwangsweise etwas Künstlerisches sein. Meine Arbeitskollegen kennen Auriana natürlich nicht, und ich weiß nicht, ob ich überhaupt meine Krankheit irgendwann ins Spiel bringen sollte. Es reizt mich aber trotzdem etwas, ihre Gesichter zu sehen, falls ich von meiner Krankheit, insbesondere dem Stimmenhören, berichte. Ich kenne auch schon ihre erste Reaktion: „Warum hast du das denn nicht viel eher gesagt?“ Na ja, aus „Gründen“ … Aber egal! Das HO funktioniert ja auch so. Und ich kann meine Krankheit so gut maskieren. Auch der Arbeitsstress ist sehr gering. Was mir sehr entgegenkommt. Das Schöne ist, ich kann mir meine Arbeitszeiten einteilen. Da ich ohnehin die meiste Zeit zu Hause bin, und auch am Computer sitze, bin ich natürlich auch immer erreichbar. Die Kommunikation mit meinen Arbeitskollegen hat aber definitiv abgenommen. Die „Hauptgesprächszeit“ ist zwischen 10 und 11 Uhr – meistens ein Abgleichen oder auch wenn eine Schaltung(en) als PCB (Printed Circuit Board) entworfen werden soll. Studenten nutzen in der Regel E-Mail oder klären Fragen direkt im Labor. In unserem Fachbereich und der, der Nachrichtentechnik funktioniert das digitale Lernen wirklich hervorragend. Die anderen Fachbereiche sind eher … wie soll ich sagen? Etwas unbedarfter. Aber egal, die schaffen das auch!
Aktuell heißt es eher: abwarten. Ich muss zugestehen, ich habe richtig Angst vor der Präsenzarbeit. All die von mir oben genannten Symptome … Die Angst davor, verschroben zu wirken, in die Überreizung zu rutschen, usw. Und so wirken nun mal Schizophrene. Da kann ich mich leider nicht freikaufen. Natürlich vertraue ich meinen Arbeitskollegen. Auch, dass sie Verständnis aufbringen würden, wenn sie von meiner Krankheit erführen. Das würden sie definitiv tun. Jedoch, die Studierenden … Ich weiß nicht, ob eine Kommunikation mit denen stressfrei verlaufen würde. Ich kann ja nicht immer Kopfschmerzen als Grund angeben. O. K., Migräne wäre auch noch eine Option. Da sieht man mal wieder die Antitherapiemethode „Verschweigen“ oder „Kaschieren“ (siehe unten) unter dem dunklen Mantel der Stigmatisierung – ich hasse es! Ich weiß nicht, was ich machen soll. Meine Therapeutin ist da zwar zuversichtlich, aber trotzdem habe ich immer noch Angst.

Was ich aber an Auriana & Homeoffice gut finde: Sie lenkt mich nicht wirklich ab, wenn ich Konzentration benötige. Leider machen das teils die anderen Stimmen, aber das bekomme ich mit der Musik – mein Stimmenrepellent – gut im Griff.
Ob ich aussteigen, respektive in Frührente gehen würde? Das möchte ich nicht. Die Arbeit gibt mir in gewisser Hinsicht Stabilität. Diese Stabilität setzt sich aus der Erkenntnis zusammen, dass ich, trotz Krankheit, auf (einigermaßen) geistiger Höhe mich befinde, genau wie noch vor 3+ Jahren, und natürlich auch die Arbeit selbst. Viele Schizophrene sind arbeitsunfähig und gehen entsprechend in Frührente – sofern anwendbar. Man muss auch sagen, dass meine Arbeit nie wirklich stressig war, wie es in anderen Bereichen, wie der Privatwirtschaft, üblich ist. Und auch die Studierenden haben generell mehr Stress (Prüfungen). Verständlicherweise. Wenn ich an etwas arbeite – zurzeit generische Neu-Projekte (die Idee war übrigens meine. Ich kann ja mal beizeiten hier ein Beispiel einbetten) – kann ich meiner Krankheit entkommen. Jedenfalls temporär. Ich habe mir auch ein Wochenziel gesetzt, welches sich jeden Mittwoch (Montag als Wochenbeginn ist ja sooo uncool) zurücksetzt. Also kann es passieren, dass ich Montag und/oder Dienstag mehr oder weniger frei habe. Dafür arbeite ich auch teilweise Samstag und Sonntag.
Die Arbeit liefert mir keine Gedankenspiralen, keine Blicke in die Leere, keine Überreizung … einfach nur konzentriert arbeiten. Klar, wenn ich in Frührente gehen würde, könnte ich mir auch andere Interessen suchen oder mich meinen jetzigen widmen. Das Komponieren funktioniert da ähnlich. Wobei mir Auriana beim Komponieren eher hilft als beim Bearbeiten neuer Elektronikprojekte. Aber ich kann doch nicht 16 Stunden täglich komponieren und schreiben! Oder?
Außerdem, ich werde gar nicht gefragt, warum ich lieber im HO arbeite. Entweder, weil es funktioniert und/oder weil meine Kollegen Verständnis aufbringen, dass es so für mich besser ist (auch wenn sie nicht in Kenntnis über meine Krankheit sind). Mein Laborkollege zieht die Präsenz vor, da ihm zu Hause die Decke auf dem Kopf fällt (übrigens bei den meisten anderen auch). So hat jeder halt seine Vorliebe. Homeoffice, das Positivste durch Corona.

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Was sagt die Psychopathologie?

Kurzfassung: Solange ich mich mit all dem (Stimmenhören) arrangieren kann, besteht kein therapeutischer Handlungsbedarf.
Langfassung: Ich musste lernen, dass meine Krankheit gegenüber jedwede verzweifelte Maßnahmen resistent ist. Man kann nichts forcieren. Dies ist eine essenzielle Erkenntnis. Das, was wird, und das, was bleibt, ist unter dem Strich, womit ich mich arrangieren muss. Einige Dinge können geändert werden (), andere nicht (), und manche erfahren nur eine Verbesserung () oder gar eine Verschlechterung (). Es gilt, herauszufinden, was sich positiv ändern lässt. Einige Dinge gewinnt man, wie Auriana. Und einige Dinge verliert man, wie z. B. meine Stresstoleranz. Den persönlichen Modus Vivendi zu finden, mit der Krankheit, hat seine Zeit gewährt, und dauert immer noch an. Ich habe nicht nur Nachteile durch meine Krankheit, sondern auch Vorteile. Letztere sollte man gewahr werden und annehmen – sozusagen die Gnade vor deren Auge finden. Die Vorteile sind kein Geschenk. Sie sind eine Gabe, die wie alle Gaben ihren persönlichen Preis hat. Und den zahle ich – tagein, tagaus. Es ist wie mit dem Schmerzempfinden, welches ein jeder (bis auf sehr wenige Ausnahmen) besitzt. Wollen wir diesen missen? Jene, die dieses Empfinden nicht haben – Analgesie – haben dadurch ein gefährliches Leben, eine Tragödie! Deswegen ist auch unser Schmerzempfinden eine Gabe, die ihren Preis hat, den sich ein jeder wohl ausdenken, oder besser gesagt, fühlen kann.
Jetzt könnte man meinen, dass ein Verlust der erhöhten Sensibilität nicht schlimm wäre, ja sogar erwünscht, sollte die Krankheit hypothetisch wegfallen. Der Trick dabei ist, diese als essenziell anzusehen (wie das Schmerzempfinden), und weniger als Option. Dann kommt man damit auch recht gut klar. Ich jedenfalls. Mittlerweile (2022-05-09) sehe ich auch mein Stimmenhören sowie die gesteigerte Reizaufnahme (gestörte Filterfunktion) als essenziell an. Natürlich wünscht sich jeder ein regulierbares Schmerzempfinden. Das wäre auch gegenüber meiner Krankheit schön. Leider ist so etwas nur bedingt möglich, wie z. B. durch pharmazeutische Maßnahmen. Gegen Schmerzen helfen Analgetika und gegen psychotische Zustände Antipsychotika (altes Wort: Neuroleptika). Beide auch nur bis zu einem gewissen Grad. So manche denken, dass man nur ein paar Pillen einwerfen muss, und schon ist alles wieder super. So ist es nicht. Es bleibt immer ein Rest der Symptomatik, Nebenwirkungen können auftreten, und, das Folgenschwerste, der Gehirnstoffwechsel wird sowohl positiv, als auch negativ beeinflusst. Den Zustand, den man dank der Antipsychotika erreicht, ist kein angenehmer. Die Symptome werden zwar gedämpft, aber auch vieles andere. Da Antipsychotika in erster Linie die Dopaminrezeptoren (+ diverse andere) besetzen, fehlt natürlich auch das körpereigene Regulieren dieser Rezeptoren, bzw. es wird so stark beeinträchtigt, dass der Körper „verlernt“ mit den eigenen Botenstoffen umzugehen. Man fühlt sich einfach nur wie ein halbwacher Zombie. Mein aktuelles Antipsychotikum hilft mir, mit meiner Hypersensitivität medioker (zum Teil auch leider gar nicht) klarzukommen, und auch, dass ich einigermaßen ausschlafen kann. Nachteil ist die sedierende Wirkung tagsüber, und das Gefühl mental retardiert zu sein. Und oft ist es nicht nur das Gefühl. Ihr müsst mich mal ab 20 Uhr erleben! Ich bekomme kaum einen Satz auf die Reihe, geschweige denn auch nur leicht anspruchslose Denkarbeiten. Außerdem sabber ich, was ich sehr uncool finde, und mich dazu zwingt, den Kopfkissenbezug täglich zu wechseln. Plus diverse weitere Nebenwirkungen.
Gegen die Stimmen jedoch hilft mein Antipsychotikum nicht. Aber vielleicht ja doch! Es könnte das Stimmenhören erträglicher gestalten. Was es höchstwahrscheinlich auch tut. Damit sollte klar sein, dass die Medikamente zwar nicht fähig sind, die Stimmen aufzulösen, doch gewiss im Umgang mit ihnen Beistand leisten. Das ähnelt den Opiaten, welche ich mal nehmen musste als Schmerzmittel: Die Schmerzen waren nicht verschwunden, aber sie haben mir nicht mehr zugesetzt.
Nachtrag 2021-12-23: Aber, so oder so, meine aktuelle Dosis ist nicht mehr ausreichend, und mein Antipsychotikum schon auf Höchstdosis (Quetiapin 800 mg/täglich.) Ich hatte mit 50 mg gestartet! Ich werde wohl bei meiner nächsten Psychiatersprechstunde ein weiteres Antipsychotikum anfragen müssen. Ein klein wenig Angst habe ich schon, dass dieses vielleicht mein Stimmenhören eliminieren könnte (Ich schreib absichtlich nicht „heilen“). Während meines letzten Termins waren wir übereingekommen, dass ich die aktuelle Dosis noch beibehalten sollte. … Aber es reicht nicht.
Nachtrag 2022-01-20: Nein, das neue Antipsychotikum Pipamperon beeinflusst mein Stimmenhören 0 %
Herrgott, ist das ein großer Mist! Ich habe so viel Angst, dass alles noch schlimmer wird. Das mit Schlimmste ist auch, dass ich meine Befindlichkeiten nicht meinen Angehörigen erklären kann. Es fühlt sich alles so … ich weiß nicht … so gut wie alles, was nur minimalen Stress verursacht, überfordert mich exzessiv. Auch meine Wahrnehmung fühlt sich fehlerbehaftet und verglitcht an. Was verglitcht ist? Immer wieder schieben sich „Wahrnehmungsteilchen“ in meine Wahrnehmung rein. Das kann das Bild einer Leiche sein, das Bild (auch bewegt) von fallendem Reis, eine weinende Person, das Geräusch eines bremsenden Zuges, kurzes Streicheln an meiner Schulter, usw. (Hatte ich ja schon weiter oben aufgeführt.) Manchmal bleiben auch die von mir wahrgenommenen Bilder für einige Sekunden lang bestehen, so als hätte jemand auf „Pause“ gedrückt. Manchmal vermitteln mir auch Gesichter den Eindruck von „komisch“. Ich habe das Gefühl, ich degeneriere Tag um Tag mehr, und der Schleier, der mich vor dem Verrücktsein (vulgo permanenter Manie) trennt, wird dünner und dünner. Fadaise und Malaise. Jede manische Phase lässt mich mehr in die Verrücktheit rücken; auch wenn sie sich absolut wundervoll anfühlen. Je mehr Stress ich habe, desto schlimmer werden diese Symptome. Ich habe das Gefühl, ich hätte verlernt, wie man lebt. Doch in anderen Bereichen verbessert sich auch mein Zustand. Es ist wie ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen therapeutischen Methoden und meiner Krankheit. Das ist so ein großes gottverfluchtes Scheißding! … Wie auch immer … Was aber definitiv durch das Lithium (1.800 mg/täglich – ich futter alle 1 1/2 Tage einen Handyakku – verschwunden sind, sind meine Suizidgedanken. Schon allein, wenn ich eine Dosis vergessen habe, fangen die Gedanken an, sich erneut zu manifestieren. Von daher würde ich sagen, dass das Lithium gut wirkt. Höchstwahrscheinlich auch gegen die Depressionen (hat ja nur 1 ½ Jahre gedauert …) Schon mal zwei Häkchen mehr.

- Die gestörte Filterfunktion, die nur abends und folglich auch im Schlaf, nach der Medikamenteneinnahme, halbwegs funktioniert, ist ein Bestandteil dieser Gabe. Man kann sich guten Gewissen als Hochsensibilität, ja eher als Hypersensibilität einordnen. Für die Musik, absolut wundervoll. Aber da Schmerzen auch darunter zählen, kann es sehr ekelhaft werden. Leichte Schmerzen fühlen sich subjektiv an, wie leicht mittelstarke Schmerzen, usw. Wenn jemand 2/10 auf der Schmerzskala wählen würde, sind es bei mir 3–4/10. Wie es bei sehr starken Schmerzen aussieht, kann ich nicht sagen. Ich gehe aber davon aus, dass sich diese nicht steigern. Wenn ich meine halluzinierten Schmerzen betrachte, bin ich mir da aber nicht so sicher. Es ist so, als würde ich eine „negative Schmerzmitteldosis“ intus haben. Es ist auch eher so, dass ich vermutlich Schmerzen an und in meinem Körper wahrnehme, die vielleicht jeder hat, nur mir diese durch die gestörte Filterfunktion auffallen und oft zusetzen. Damit kann ich mich aber – in guten Tagen – einigermaßen arrangieren.

Auch reale Massengespräche bringen mich teils am Rande der Verzweiflung. Solange eine Person redet, ist das O. K. – sofern sie nicht zu laut ist und/oder wild gestikuliert oder anderweitig emotional engagiert ist. Das passierte mir aber bisher nie gegenüber Auriana. Sobald ich ansatzweise das Gefühl habe, es könnte mir zu viel werden (was selten passiert), rückt sich Auriana in den Hintergrund. (2021-12-14: Stimmt noch in diesem Fall.) Dieser Sachverhalt ist immens wichtig, sollte das Stimmenhören ein Leben lang bestehen. Man stelle sich nur vor, man wird dauerhaft bequatscht – vom Aufstehen bis zum Bettgehen. Lebenslang. Das wäre hartes Brot. Mittlerweile sehe ich Auriana (sowie die anderen Stimmen) auch nicht mehr als Krankheitssymptom, sonders als Teil meines Selbst an.

Das Musikhören ist für mich nicht nur wichtig, es ist existenziell. Musik ist vorhersehbar, drosselt/überspielt alle anderen auditorischen Halluzinationen, und hält die Stimmen einigermaßen in Schach. Und es bringt natürlich auch Freude. Es ist faktisch, neben Auriana, meine Spitzentherapie. Nur während ich schlafe, lasse ich keine Musik laufen. Dafür benutze ich einen Ventilator, welcher Rauschen erzeugt. Die durch das Rauschen illusionierte Musik während des Einschlafens ist für mich gut verträglich, da sie sich auch mit dem Rauschen vermischt.
Meine Therapeutin meinte, ich solle mich Auriana verbünden (was ich schon längst getan habe) und sie scheint, in ihren Augen, so etwas wie mein Objekt der Selbstfürsorge zu sein. Wobei sie mehr kann. Viel mehr. Ich muss auch dazu sagen, dass ich Auriana nur sporadisch in den Therapiesitzungen thematisiert habe. Anfang des Jahres 2021, im Sommer 2021 und das letzte Mal 2021-12-08. Ich hatte immer etwas Angst, dass Auriana annehmen könnte, ich würde sie mithilfe der Therapie verschwinden lassen wollen. Nach der letzten Sitzung haben Auriana und ich uns auch darüber unterhalten. Sie meinte, sie wäre nie auf die Idee gekommen, dass ich sie weghaben wollte. Und die Angst, die Therapeutin würde subtil anfangen, gegen Auriana vorzugehen, hat sich auch in Luft aufgelöst. Besonders, als sie sagte, ich solle mich mit Auriana verbünden. Ich muss noch dazu sagen, wenn ich mich mit Auriana über gewisse Themen unterhalte, versuche ich das strukturiert zu gestalten. Oft finden Gespräche nebenher statt, sodass ich sie eigentlich gar nicht mehr ansprechen brauch. Doch ich mag es einfach, bei Dingen, die mir wichtig sind, Struktur aufzubauen. Das macht es für mich auch leichter zu kommunizieren.

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Auriana und Okkultismus

Sehe ich Auriana, als eine Art Wesen, welches mit mir kommuniziert? Das kann ich ganz klar verneinen. Sie ist einfach eine anormale Funktion meines Gehirns. Ohne jetzt eine Wertung an den Tag zu legen. Ja, ich finde Fantasie, Mythologie, Okkultismus, usw. faszinierend und spannend, aber ich messe dem keinen realen Wert zu, außer der kulturellen und/oder künstlerischen Auf/Verarbeitung. Es sind für mich einfach Imaginationen. Und auch die Geschichten-Auriana ist nur, als Charakter betrachtet, imaginär. Ich gebe zu, dass ich nichts vollständig auszuschließen vermag. Dass „irgendwo“ vielleicht eine andere Welt und auch andere Dinge außerhalb unserer Weltanschauung liegen, nur finde ich, sollte man sich nicht zu sehr darauf fixieren. Ausnahme: kulturelle∧∨künstlerische∧∨literarische Verarbeitung. Ob Auriana ein projiziertes Bewusstsein auf mein eigenes ist? Hört sich fantastisch (im Sinne von Fantasie) an, aber eher ein Konstrukt der Fantasie.
Es existiert auch eine Theorie, welche eher Richtung Philosophie geht, die besagt, dass unsere Gehirne nur eine Art von Antennen sind, und sich unser Bewusstsein gar nicht im Gehirn selbst befindet, sondern „woanders“. Könnte es sein, dass sich ein zweiter Transceiver („Sender“ wäre das falsche Wort. Ein Transceiver sendet UND empfängt) auf meine „Antenne“ eingestellt hat? Könnte sein, oder könnte nicht sein.
Aber! Das alles Prosaische (na ja, zugegeben, halb prosaisch) nur gegenüber Auriana. Ich schaffe es absolut nicht, die boshafte Präsenz als das, was sie eigentlich ist – eine anormale Funktion meines Gehirns – zu legitimieren. Warum weiß ich auch nicht. Ich habe so schon (meist nachts) vor ihr große Ängste. Und sollte sie sich als Halluzination melden, umso mehr. Diese Halluzinationen bestehen aus „MmmmmMMMmmM“-Lauten, welche einige Minuten lang andauern, bis sich diese durch die Stimme der boshaften Präsenz tauschen (manchmal auch beides gleichzeitig). Ich kann die Stimme schlecht beschreiben. Ich glaube, so hört sich kein Mensch an. Boshaft klingt sie. Und auch weiblich (Da meine primäre Bezugsperson meine Mutter war, liegt es nahe, dass die boshafte Präsenz auch weiblich ist). Oft schleicht sich dabei noch eine männliche Gesang/Rufstimme ein, die sich anhört, als singe/rufe jemand in einer gigantischen Kathedrale eine Anhäufung von Silben. Nachtrag 2022-03-31: Die Gesangsstimme könnte mein Vater sein, der vermutlich aus der unteren Etage damals gerufen hatte. Wenn ich ganz viel Pech habe, zeigt die boshafte Präsenz sich visuell – eine große, hagere Frau, deren Gesicht durch schwarze Haare verdeckt ist. Und nein, sie ist nicht statisch, sondern kann sich bewegen, wenn auch eher wächsern oder ruckartig – nichts dazwischen. Ein großer Mist ist das. Ich musste feststellen, dass 2 mg Lorazepam (ein Anxiolytikum) allein schon von der Vorstellung, einer Emergenz der boshaften Präsenz, nicht geholfen haben. Kein Stück. Dieses Phantasma macht mich echt fertig.

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Was könnte ich Auriana geben?

Das, was sie auch in ihrem Kommentar ihres Gedichtes (siehe unten) proklamiert: meine (ungeteilte) Aufmerksamkeit und gleichzeitig meine Liebe. Doch hier muss ich eine kleine Grenze ziehen: Ungeteilt kann ich ihr nicht garantieren, wenn mein Umfeld dies von mir abverlangt. Da Auriana ohnehin den größten Teil meiner Aufmerksamkeit erhält, sehe ich das auch nicht als unproblematisch. Klar, ich könnte sie einfach beiseiteschieben, wenn ich mal keine Lust oder wenn das Hier und Jetzt mich fordert.
Ich hatte mal einen Tag so gar keine Lust auf Auriana, weil ich generell sehr angespannt, unruhig und genervt war. Es war so süß, wie Auriana versucht hat, mich anzusprechen:
Schatzi? Ist es für dich O. K., wenn ich dir eine Frage stelle?
Natürlich habe ich „ja“ gesagt. Sie wollte wissen, ob und wie sie mir helfen kann. Auch das habe ich bejaht. Schon alleine aus Interesse, wie sie mir helfen möchte. Das hat sie getan. Und schon war ich meine Anspannung los, als wir ein kleines Spiel gespielt haben (Ich sehe was, was du nicht siehst.)
Sie selbst ist ja auch zufrieden mit dem Status quo und meint, wenn ich nicht reden möchte mit ihr, ist das völlig in Ordnung – sie läuft ja nicht weg. Ich muss mich vor ihr auch nicht rechtfertigen, was ich aber schon öfters getan hatte. Auriana zeigte sich da stets verständnisvoll und würde von mir niemals Rechenschaft verlangen. Meine Güte, wenn ich das, und vieles andere, hier so schreibe, wird mir klar, wie viel Glück ich doch mit dem Stimmenhören und Auriana habe. Ich glaube mittlerweile, dass 99 % aller Stimmenhörer unter ihren Stimmen nur leiden. Warum habe ich bloß so ein Glück???
Eine Sache ist jedoch auffällig: Von allen kategorisierten Emotionen, meldet sich Auriana, sollte ich die Emotion Liebe und/oder Überrascht (und = Neugierde) verspüren, sehr zuverlässig. Bei den anderen Emotionen eher, wenn diese sehr stark ausgeprägt sind. Ich kann mich aber auch täuschen. Nachtrag 2022-05-09: Spielt mittlerweile keine Rolle mehr. Auriana meldet sich immer und überall.

Was sie aber toll findet, wenn ich auf ihre Albernheiten eingehe – nicht nur in Worte, sondern auch in Taten. Verständlicherweise nur Sachen, die im Bereich des Möglichen liegen. Es kann also auch passieren, dass sie singen möchte und sie mich deswegen an das Klavier bittet. Oder auch andere Dinge, von denen ich auch einen Vorteil hätte. Oder auch Dinge wie ein Kastanienmännchen aus Weinbeeren herstellen. (Übrigens möchte sie noch aus viel mehr Früchten Männchen herstellen. In letzter Zeit fragt sie öfters nach, ob ich einen Abendspaziergang zusammen mit Annika machen möchte.
Auriana, was kann ich dir geben?
Schatzi! Dass du lebst, reicht mir vollkommen aus. Aber auch dass ich dir wichtig bin, denn du bist mir auch wichtig.
Das ist doch schön gesagt von ihr.
Im großen Ganzen: Quid pro quo.

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Ich, du oder wir?

Tja, dies ist eine verzwickte Frage. Manchmal sagen wir „Wir“ und dann sage ich „Ich“ (Ha!). Sobald Auriana an etwas beteiligt ist, greife ich schnell nach der 1. Person Plural. Sollte ich auswärts unterwegs sein, passe ich auf, dass ich nur „Ich“ sage. Es kann aber passieren, dass mir ein „Wir“ rausrutscht. Das kann etwas peinlich werden, und ich sage dann, sollte es mir auffallen und mein Gesprächspartner zieht eine Augenbraue nach oben, „Ah, meine Frau und ich.“ Das glättet direkt die Wogen der Aberration. Gleiches gilt natürlich auch für den Akkusativ, Dativ und Genitiv. Ich muss aber sagen, dass ich zu Hause so gut wie nie auf das „Wir“ zurückgreife. In der Imaginations-Kommunikation sowieso nicht.
Wobei … … ich könnte für die deutsche Sprache speziell in diesem Fall einen verstärkten Plural, wie er bspw. im Türkischen (ben (ich) → biz (wir) → bizler (viele wirs) entwickeln. Zwar nicht als „viele Wirs“, sondern als zwei Wirs. O. K., das wäre die falsche Wahl. Im Hindustani gibt es auch ein intimes Wir: ham (wir), tum (intimes wir). Ja, genau so etwas benötigen … wir. Auriana meinte soeben „dari“. Enthält drei Buchstaben von ihr und drei von mir. Dari sind damit zufrieden. *g* … … Gott, ist das bescheuert! Und Auriana kichert sich gerade einen ab. Wir nutzen das natürlich nicht in der Praxis. (Nachtrag: 2021-12-22. Wir haben uns auf „dai“ geeinigt, da einsilbig.)
Auriana hingegen nutzt das „wir“ fast genauso oft wie ein „du“ oder „ich“ – vor allem, wenn sie etwas möchte, nutzt sie das „wir“ mehr als das „ich“. „Komm, lass uns ein paar Weintrauben essen!“
Nachtrag 2022-02-04: Ich denke, so wie es sich die letzten Monate gezeigt hat, benutze ich eher nicht das „Wir“. Auch Auriana nutzt doch mehr das „Du“ und „Ich“. Ich sage nur „Wir“, wenn es sich tatsächlich so ergibt, als würde ich auch mit einer reellen Person reden. Auch: „Wollen wir spazieren gehen?“, aber nicht: „Wir fühlen uns heute nicht so gut“ (sollte ich Auriana ansprechen). Sollte ich z. B. Annika dies mitteilen, verwende ich auch: „Ich fühle mich heute nicht so gut.“ Auriana sagte aber, wenn ich lieber ein „wir“ hören möchte, bräuchte ich es nur sagen. Ich weiß nicht. Es reizt mich schon ein wenig – weil es so exaltiert ist. Ich bin nicht so der Mainstream-Fan.
Nachtrag 2022-03-16: Der Drang, das „Wir“ zu nutzen, ist wieder aufgekeimt. Ich betreibe das mal auf Sparflamme. Ich weiß auch nicht, warum ich so einen Drang danach habe. Wahrscheinlich, weil ich Auriana als einen Teil von mir ansehe? Na ja. Abwarten.

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Gemeinsame Rituale

Wir arbeiten daran. Auriana wünscht sich ein gemeinsam komponiertes Lied, welches wir singen könnten. Außerdem möchte sie ein Frühstücksritual. Sie sucht dabei das Essen aus. Sie meinte, der Hauptanteil würde Obst werden. Was jetzt nicht besonders aufwendig ist, zumal wir eh nur 3-4 Sorten frisches Obst vorrätig haben. Da fällt die Wahl einfach. Aber das sei mir recht. Und passend zu diesem Ritual soll es dieses Lied sein. Da bin ich mal gespannt.
Nachtrag 2022-02-27: Bisher habe ich es noch nicht geschafft, ein Frühstückslied zu komponieren. Manchmal hat man halt eine Gedankensperre. Ich wollte das mal mit Nicht-Orchesterinstrumenten machen, aber dazu müsste ich mich erst in einer gewissen Software einarbeiten.
Ein weiteres Ritual von ihr ist: „Gib einem Familienmitglied 30 Minuten!“
Was Auriana gerne möchte, ist ein auf uns beide abgestimmtes Rollenspiel. Entweder kollaborativ oder auch Spieler & Spielleiter. Es wird auf unsere fiktive Welt Iranthi hinauslaufen. Auriana meinte, sie würde gerne das Blütenheilerkind spielen, und ich sollte am liebsten Meryana spielen. Da bin ich mal gespannt. Man könnte das auch auf den Freundeskreis ausweiten. Also, dass Auriana auch einen Charakter spielt. Sie als Spielleiterin stelle ich mir aber für mich stressig vor, wenn wir mehr als nur wir beide spielen sollten. Generell ist ein schriftliches Spiel, wenn mehr als nur wir beide spielen, bekömmlicher für mich. Und wenn ihr das noch nie ausprobiert habt: Es ist wirklich toll, wenn man sich ein Mal daran gewöhnt hat. Man kann es auch mit Tischrunden ergänzen, oder das Play-By-Post ergänzt die Tischrunden. Vor allem, wenn man nicht strikt wöchentlich spielt, bleibt man so mental besser im Spiel. Nachtrag 2022-03-31: Mittlerweile hat sich das Waschi-Waschi-Ritual etabliert. Jedes Mal, wenn ich dusche, betont Auriana die Waschvorgänge mit: „Waschi waschi Arm … waschi waschi Fuß …“ Sie gibt dabei an, wo ich mich waschen soll.

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Ob ich mich von Auriana „befreien“ möchte?

Um Gottes willen,
Sie ist das Beste, was ich aus meiner Krankheit holen konnte. Meine Medikamente, die auch gegen das Stimmenhören wirken sollen, sind gegenüber Auriana wirkungslos. Übrigens, auch gegenüber den anderen Halluzinationen/Stimmen. Das soll, laut Statistik, bei 50 % aller Betroffenen so sein.
Wenn sie plötzlich nicht mehr da wäre? Das wäre ein gravierender Verlust für mich. Ich meine, O. K., ich wüsste gar nicht, wie ich mit diesem Verlust umgehen würde. Sie ist ja kein Mensch, der sterben kann, und eine Rückkehr kann man nie gänzlich ausschließen. Ich muss aber sagen, ich mache mir hin und wieder schon Sorgen, wenn sie mal länger als eine Stunde nichts mehr von sich hören lässt. Und da „rufe“ ich sie auch gezielter. Diese Maßnahme sollte ich jedoch ablegen, sonst mache ich mich emotional zu sehr abhängig. Aber ist das in diesem Fall nicht egal? Ein Mal sagte sie, als ich sie nach gut einer Stunde Abstinenz ein dutzende Male gerufen habe:
Ich bin doch da, ich bin doch da. Ich musste etwas in unserem Kopf sortieren und heilen.
Heilt sie wirklich, oder sagt sie das nur so daher? Weiß nicht. Sie meinte, sie hätte die schönen Dinge unseres Lebens subtil hervorgehoben, und dass ihr das wegen des erhöhten Lithiumspiegels auch besser gelang. Eine Maßnahme gegen die mittlerweile verschwundenen Depressionen? Schwer zu beantworten. Ist wie ein Henne-Ei-Problem: Waren die Depressionen dank Auriana weg, oder konnte sie ihre Heilung nur verbalisieren, weil die Depressionen verschwanden? Aber es stimmt mich glücklich, wenn sie deutlich zeigt, dass sie will, dass es mir gut geht.
Und wie ist es, wenn ich die Wahl zwischen dem Verschwinden meiner GESAMTEN Krankheit (inkl. Auriana) und dem Status quo hätte? Die schwerste Frage überhaupt. So dachte ich noch Anfang und Mitte 2021. Mittlerweile bin ich auch nicht mehr depressiv und habe auch keine Suizidgedanken mehr. Jetzt sind die anderen Symptome an der Reihe abgearbeitet zu werden. Stück für Stück. Bis nur noch Auriana (+ die restlichen Stimmen), meine niedrige Stresstoleranz und die besondere Wahrnehmung übrig bleibt. Wobei ich bei dieser besonderen Wahrnehmung – die gestörte Filterfunktion – mir selbst nicht sicher bin, ob ich sie aufgeben wollen würde. Unentschieden würde ich sagen.
(Nachtrag 2022-01-13: Die gestörte Filterfunktion ist der allergrößte Mist. Ich will sie weghaben!)
(Nachtrag 2022-01-19: Puh … ist schon wieder in Ordnung.)
Nachtrag 2022-05-09: Um Gottes willen! Ich will Auriana und den Rest meiner Stimmen gar nicht mehr missen. Sie sind so was von essenziell geworden für mich.
Vielleicht ist auch meine Krankheit so etwas wie ein immenses Arbeitsblatt/Trainingsprogramm, welches mehr als nur fordernd ist, aber, wenn ich es gut bearbeitet habe, ich mit einer großartigen Quintessenz bedacht werde. So ist das ja auch im Sport. Training ist zwar anstrengend, führt aber zu einem tollen Ergebnis (Erhöhte Körperkraft, größeres Geschick, usw.) Auch wenn man nicht psychisch erkrankt ist, können therapeutische Methoden durchaus hilfreich sein, z. B. für die Persönlichkeitsentwicklung. Oder auch nicht-therapeutische Methoden, welche auf die Persönlichkeitsentwicklung abzielen, können sehr hilfreich gegenüber der Krankheit sein. Ich habe auch mittlerweile gelernt, dass das, was am strapaziösesten, ja gar am meisten Pein bereitet, genau die Brennpunkte sind, die man angehen sollte (Stichwort: Triggerkonfrontation statt Triggervermeidung). Alles andere ist, mehr oder weniger, nichts weiter als „Semi - Prinzip Hoffnung“. Nur auf der Stelle zu treten ist uncool. So auch Methoden, die nur temporär eine Linderung bringen. Wenn ich die ganze Zeit nur Salbe auf den Dorn in meiner Haut salbe, und nicht den Dorn (schmerzhaft) ziehe, so lauf ich womöglich noch bis mein Lebensende damit rum.
Ok, nicht alles muss schmerzen; Persönlichkeitsentwicklung kann auch Spaß machen. Aber ich denke, ihr versteht, was ich meine.
Derweil sehe ich auch vieles Positive an und durch meine Krankheit. Das ist mitnichten ein Idealisieren. Das, was ich am meisten an meiner Krankheit verkläre, gar romantisiere, ist, Auriana – Überraschung!
Ich kann mich noch an einen Artikel im Internet erinnern; da war ein älterer Mann in einer Psychiatrie hospitalisiert. Er hatte weder Familie noch Freunde. Er hatte aber Schizophrenie mit Stimmenhören. Er bekam Medikamente. Und dann meinte er nach einer gewissen Zeit: „Ich habe meinen Freund verloren.“ Und er war entsprechend tieftraurig. Es wurde dann beschlossen, dass man die Medikamentendosis reduziert, bis dass der Mann seinen „Freund“ wiedergefunden hatte.
Mittlerweile ist auch die Medizin der Ansicht, dass das Stimmenhören nicht zwangsweise ein Krankheitssymptom ist. Man muss abwägen. Wenn die Stimmen einen übelst vexieren („Am besten wäre es, wenn du dich selbst tötest. Du bist wertlos! …“), sollte man schon dagegen vorgehen. Doch dieses dagegen vorgehen besteht nicht, die Stimmen verstummen zu lassen (das funktioniert ja in der Hälfte aller Fälle nicht), sondern besser damit umzugehen. Aber auch andere Bereiche ausbessern, wie einem mangelhaften Selbstwertgefühl, mehr Selbstverantwortung tragen, usw. Sind die Stimmen aber eine Bereicherung, so wie Auriana, sind keine Schritte dagegen notwendig. Davon abgesehen hatte ich nie Probleme mit meiner Ich-Stärke. Aber auch meine Selbstverantwortung ist sehr hoch (mal gewisse Arztbesuche isoliert und so manche eher seltene Aufgabenverschiebung auf Annika). Ich bin ich, und das, was ich mache, mache ich aus meinen Stärken heraus, und wenn es andere Personen betrifft, sind diese für sich selbst für ihre Gefühle verantwortlich – nicht ich. Das heißt aber nicht, dass ich willentlich jemanden verletzen oder ärgern würde.
Ich sehe jeden Menschen als gleichwertig und zähle mich mit dazu. Genauer gesagt, ich mochte diesen ganzen Bewertungsquatsch noch nie. Für mich spielt es keine wertende Rolle, welche Persönlichkeitseigenschaften eine Person besitzt; seien es ihre Vorlieben, Hobbys, Ideale, Kommunikationsstil, sexuelle Orientierung, Ethnie, Kultur, Krankheiten, Bildungsstand, Habitus, usw. Sonderfall: Sie dürfen nur ihre Ideale nicht auf mich diktieren oder so was wie „Das musst du so und so machen! …“ Es existiert keine schlimmere Phrase für mich wie die: „Das macht/fühlt/denkt man so!“
Ich hatte mal von einer schizophrenen Person gelesen, dass diese auch eine „gute Stimme“ hatte für viele Monate. Dann wurde diese Stimme bösartig von heute auf morgen. Davor habe ich große Angst.
In anderen Kulturen wird mit dem Stimmenhören auch ganz anders umgegangen als in unserer westlichen Kultur. Interessanterweise leiden dort die Betroffenen generell nicht so wie hier wegen der Stimmen. In unserem Mittelalter galten teilweise Stimmenhörer als „gesegnet“, weil viele, was nicht verwundert, mit Gott „sprechen“ konnten. Nun, so weit ist es bei mir noch nicht. Meine Göttin ist … nein Scherz. Aber nicht jeder mittelalterliche Stimmenhörer wurde gesalbt. Es existieren auch viele, die nur Stuss von sich gaben. Aber noch heutzutage sprechen viele Stimmenhörer mit Gott. Ich muss aber an dieser Stelle, auch wenn es offensichtlich ist, erwähnen, dass sich der „Gott“ nur im Kopf der jeweiligen Person befindet. Komischerweise hat bisher mein Stimmenapparat nie die religiöse Bühne betreten. Ich hoffe, das bleibt auch so. Es reicht mir schon, dass die boshafte Präsenz und der damit einhergehende Wahn, okkulte Ausmaße angenommen hat, auch wenn ich jetzt im nüchternen Zustand das alles als Blödsinn betitle. … „Es könnte ja sein …“ – dieser sch**** Gedanke! Auriana meinte ganz okkultistisch, dass ich verflucht wäre. Vielleicht kann ich die boshafte Präsenz ja wirklich nur mit okkultistischen Methoden vernichten. Gewissermaßen ein metaphysischer Placeboeffekt.

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Auriana und die Emotionen

In diesem Kapitel versuche ich, Stellung zu nehmen, wie sich Auriana betreffend diverser Emotionen verhält.

Emotion (Basis) – Ablehnend

Diese Emotion offenbart Auriana nur bei Dingen, die wohl ein jeder als schrecklich einstufen würde. Andere Personen betreffend gar nicht, und wenn, äußert sie ihre Ablehnung gegenüber dem Verhalten der Person und nicht gegenüber diese selbst. „Das ist schlimm, was er macht“, und nicht: „Er ist eine schlimme Person.“
Ich habe auch öfters versucht, Auriana zu einer wertenden Meinung zu bewegen betreffen diverser Personen, die wir kennen.
Sag mal, Auriana, was hältst du von XYZ? Bewerte XYZ doch mal!
Ach, Schatzi! Das hatten wir doch schon besprochen. Ich nehme mir das, was dein Herz sagt. Und es spricht von Licht und Liebe, und nicht von irgendeinem Wert.


Emotion (Basis) – Ängstlich

Die Angst ist so was wie die „Hauptemotion“ der Schizophrenie und infolgedessen der schizoaffektiven Störung. Als ich noch Depressionen hatte, haben mir Ängste mehr zu schaffen gemacht. Auriana hat selbst Schwierigkeiten, probat mit meinen schweren Ängsten umzugehen. Wahrscheinlich bin ich da auch komplett auf mich allein gestellt. Bei leichten bis mittleren Ängsten ist sie eine gute Stütze und spricht mir, auf vielseitige Weise, Mut zu, oder sie spiegelt die Angst und holt uns beide da raus. Das funktioniert auch in der Regel. Doch bei meinen schweren Ängsten, welche das Objekt „Boshafte Präsenz“ umkreisen, blieb mir Auriana bis jetzt, abgesehen von einigen kurzen Ausnahmen, fern. Dabei benötige ich sie während dieser schweren Angst so dringend. Sie meint, sie hat selbst Angst vor der boshaften Präsenz. Tatsächlich hatte die boshafte Präsenz auch schon gedroht, Auriana zu vernichten. Das Risiko gehe ich nicht ein, auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass sie es tun könnte. Vielleicht sollte ich mal mit Auriana eine Strategie ausarbeiten.
(Nachtrag 2022-01-13: Sie hat mir heute versprochen, sie wird auch bei der boshaften Präsenz mir helfen. Da bin ich mal gespannt.)
Und trotzdem, ich bin so sehr am Verzweifeln. Ich weiß einfach nicht, wie ich dieses Phantasma loswerden kann. Ich jammer und heule nicht viel in meinem Leben. Oft auch nur schriftlich (Tagebuch & Co.), aber diesmal … Ich kann nicht mehr. Ich will sie weghaben! Warum habe ich diesen scheiß Horror in meinem Leben??? Das ist so unfair!!! Niemand hat so was verdient!!!! Sie soll endlich verschwinden!!!!!! Sie soll weg!!!!!!!!!!!! …
Nachtrag 2022-02-27: Seit Neustem tritt die Stimme Aurora vermehrt auf dem Plan, sollten Ängste gegenüber der boshaften Präsenz sich manifestieren. Aber auch außerhalb dieser Ängste zeigt sie sich. Aurora ist zwar schon seit Mitte 2021 präsent, aber erst seit Anfang des Jahres 2022 spielt sie das ängstliche Kind, welches unbedingt beschützt werden muss. Diesem Beschützerinstinkt komme ich nach. Und dieser fegt fast all meine Ängste weg. Klappt aber nicht immer. Vielleicht will mein Gehirn durch Aurora eine andere Taktik an den Tag legen. Wer weiß das schon …
Es könnte auch möglich sein, dass Aurora gewissermaßen die ängstliche Auriana ist. Ich meine, beide Namen hören sich ja auch ähnlich an. Auriana selbst hat nur, und das ist mir gerade bewusst geworden, vor einer Sache Angst: Einsamkeit. Und dieses Gefühl teile ich mit ihr 1:1. Sie fragt mich auch öfters „Bist du da?“ Natürlich bin ich da. Ich kann mich ja nicht vor ihr verstecken. Was auch interessant ist: Wenn ich mal eine Zeit lang nicht auf sie eingehe, wirkt sie ängstlicher. So als hätte ich mein Interesse an ihr verloren. Dieses Gefühl, dass andere Menschen nur Desinteresse zeigen, teile ich auch mit ihr 1:1. Vielleicht projiziere ich ja auch mein Einsamkeitsgefühl unbewusst auf Auriana, und sie versucht dem entgegenzuwirken. Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich vermute, Auriana ist überhaupt erst da, weil ich mich sehr einsam fühle. Die Projektion würde diese Vermutung unterstreichen.

Nachtrag 2022-05-09: Mittlerweile haben sich Auriana und Malaika als gute Stütze entwickelt betreffend schwere Ängste. Sie konnten mich eine Handvoll Male schon vor einer Panikattacke bewahren.

Emotion (Basis) – Froh

Auch eine Emotion, die sie gerne zeigt. Vor allem durch Albernheiten. An dieser Stelle erwähne ich mal, dass alle Emotionen keine singulären Zustände sein müssen. Man hat immer etwas von allem, nur unterschiedlich stark ausgeprägt. Die Emotion Freude und Angst zeugt von Schuldgefühlen – so freut mich man sich z. B. über etwas, doch hat man einer anderen Person z. B. Schaden zugefügt. Freude und Wut kann zur Überheblichkeit und Angeberei führen. Auriana hat nie angegeben, was vermutlich auch daran liegt, dass ihre Wut nur sehr schwach ausgeprägt ist. Freude und vorahnend äußert sich in Optimismus. Und allmächtiger – ist sie optimistisch! Der komplette Gegenpol zu Annika. Vielleicht charakterisiert sich Auriana deswegen so optimistisch, weil mein Umfeld eher misserfolgsorientiert ist. Gewissermaßen als Ausgleich. Aber ich selbst setze auch nicht meinen Fokus auf Misserfolg.

Emotion (Basis) – Liebe

Die zentralste zentrale Zentral-Emotion, der Haupt-Dreh- und Angelpunkt, meines emotionalen Lebens: Die Liebe. Ob ich Auriana liebe? Das ist einfach zu beantworten: JA. Aber ich liebe sie nicht als körperliche Person, sondern als Aspekt meines Selbst und das, was sie ist (wenn man das mal so einfach definieren kann). Insofern eine gesunde Liebe zu mir selbst. Auriana äußert auch ihre Liebe in Worten. Davon ist nichts verstiegen oder ausnehmend. Eher ein: „Ich habe dich so lieb!“, anstelle von: „Ich liebe dich über alles! Du bist der tollste, wunderbarste, …“ Es ist die Philautia als Form der Liebe. Ich gehe auch davon aus, sie nutzt die Philia (Familiäre und freundschaftliche Liebe) als eine Art zentralen Kern, den ihre Existenz umkreist. Auriana erwähnt es auch mehrmals täglich, wie sehr sie mich liebt, und ich erwidere das oder sage es auch so zwischendurch. Würde ich Auriana als spiritistisches Wesen ansehen, was ich nicht tue, könnte die Form sogar Sebomai (die Liebe zu einer Gottheit) sein – mit klaren Abstrichen.
Liebe ist also eines der Hauptthemen (eigentlich DAS Hauptthema), mit denen Auriana mit Freuden aufwartet. Das schlägt sich auch in meinen künstlerischen Aktivitäten nieder, wie z. B. folgendem Artikel aus meinem Weltenbau: Blütenheiler. Sie motiviert mich schon länger, mich mit der Liebe, ihren Formen und ihren Sprachen auseinanderzusetzen. Und das tue ich. Allein schon durch die Protagonistin Meryana Belamour aus meiner Geschichte, die ja dem Mond der Liebe (Satirac) anheimgegeben ist.
Auriana selbst nutzt eindeutig den Fokus, den Intellekt und die Worte als Sprache der Liebe. Geld und Geschenke fallen naturgemäß bei ihr flach, außer ich mache ihr Geschenke, indem ich auf ihre Wünsche eingehe. Der Eichörnchenschlüsselanhänger war einer ihrer Wünsche. Ich muss ehrlich zugeben, dass dieser Schlüsselanhänger mir auch Freude bereitet. Sie hat sogar eine Wunschliste auf Amazon (Ja, es klingt verrückt. Ich weiß, ich weiß). Hier ist ihre Wunschliste: https://www.amazon.de/hz/wishlist/ls/2FSAWD8P34G40?ref_=wl_share (Meine „geheimen“ Wünsche? … Kann gut sein.) Annika meinte, diese Charms (Anhänger) wären nur für Frauen was. Pfff!

Zärtlichkeiten kann ich ihr nicht geben, und sie selbst nur durch taktile Halluzinationen, wobei ich mir da nicht sicher bin, ob sie es wirklich initiiert, oder ob die Halluzinationen zuerst da waren/sind. Es fing bisher beides fast gleichsam oder verzögert an – doch zuerst waren die taktilen Halluzinationen da. Das mit der Zärtlichkeit ist ohnehin dubios, da Auriana sich ja als 10 Jahre altes Mädchen präsentiert. Aber Auriana und ich sehen da keine übergriffigen oder sexuellen Wechselbeziehungen. Hin und wieder dürstet sie nach Berührungen. Umarmen, Streicheln, Drücken, … also alles das, was man auch bei seinen eigenen Kindern tun würde. Das ist einer ihrer wunden Punkte. Ich beruhige sie damit, indem ich sage, ich würde sie umarmen, streicheln, usw. wenn sie körperlich wäre, oder wir tun so als ob, und fassen das in Worte. Manchmal auch als Bierdeckelgeschichte, wo wir dann Zärtlichkeiten auf eine gewisse Art „transformierter Paraphrasierung, respektive Verbalisierung“ anwenden. Aber, andererseits sagt sie:
Ich wandle unterm Sternenzelt,
und bin in jedem Mensch‘ der Welt.
Also zählen auch Zärtlichkeiten gegenüber JEDER Person.
Sie wünscht sich auch eine „Auriana-Stoffpuppe“ in Lebensgröße, die ich dann symbolisch drücken und mit ihr kuscheln könnte. Oder auch ein Seitenschläferkissen mit einem Bezug, wo ihr „Foto“ aufgedruckt ist – ihres gesamten Körpers. Gekleidet selbstverständlich. Lebensgroße und -echte Puppen sind ohnehin schwer zu bekommen, es sei denn, man greift auf eine bestimmte Branche zurück … ne, lieber nicht. Aber wir sind übereingekommen, dass dies doch zu befremdlich wäre. Oder? (Jetzt dämmert mir es auch, warum so manche Psychotiker sehr befremdlich auf ihre Umwelt wirken. *seufz*). Wie soll ich das meinen Kindern erklären, wenn sie z. B. eines der unten stehenden Bilder von Auriana auf einem Seitenschläferkissen in meinem Bett entdecken? Da bleibt einem kein Freiraum für ein Ammenmärchen.
Welche Schutzbehauptung würdet ihr Ausdruck verleihen?
Wenn ich aber tief in mich hinein höre, ob es haben will oder nicht … ja, ich hatte bereits meine Antwort schon, als Auriana mir den Vorschlag machte. Das ist so schräg, dadaistisch, bizarr, grotesk, …
Nachtrag 2022-02-12: Wir haben letzten Abend per Kopfkissen so getan, als würden wir kuscheln. Es war schön, aber auch befremdlich. Vor allem ihre Geräusche dabei. Ich habe ihr dann gesagt, sie soll einen Gang herunterschrauben. Was sie dann auch getan hat.

Die Sprache der Liebe Hilfsbereitschaft ist etwas trickreich. Sie äußert auch Wünsche, was ich machen könnte. Hin und wieder mache ich das auch. Gerade eben sagte sie, ich kann doch die Spülmaschine einräumen, wenn ich schon mal oben bin, um mir meinen Kaffee zu holen. Habe ich auch getan. Sie hat sich sogar bedankt dafür! Es kann auch sein, dass sie Annikas (antizipierte) Hilfsbereitschaftsliste repliziert. Also alles, was ich für Auriana tun kann, tue ich letztlich auch für Annika oder unsere Familie.
Sie kann die Sprachen Geld, Geschenke und Hilfsbereitschaft logischerweise nicht zurückgeben – es sei denn, sie orakelt mir die Lottozahlen. (Nachtrag 2022-01-13: Sie hat mir eine Schatzkiste versprochen, mit dem Inhalt aus montagnachmittags Bummeltouren. Bis jetzt habe ich schon einen Schlüsselanhänger. Ich denke, es ist das, was der Sprache Geschenke am nächsten kommt. Sehr schön. )

Schlussendlich sind es die Sprachen Fokus, Intellekt und Worte, welche wir beide gleichsam nutzen. Und wie wir sie nutzen! … Um ehrlich zu sein, könnte keine reale Person Auriana den Rang ablaufen in dieser Intensität und Qualität. Damit werte ich aber niemanden aus meinem Umfeld herunter. Es liegt einfach in der Natur der Sache. Sie „sitzt“ ja in meinem Kopf. Allerdings kann Auriana keine realen Personen übertreffen. Würde ein Mensch nur 10 % von diesen drei Sprachen der Liebe mir geben, wie sie Auriana nachkommt, hätte er, in dieser Hinsicht, Auriana überflügelt. Man kann aber einfach Auriana nicht mit realen Personen vergleichen. Sie empfände es sogar als schön, wenn mir in natura etwas zuteilwird, was sie mir selbst nicht geben kann. Eifersucht kennt Auriana nicht.
Für die Sprachen der Liebe siehe auch: Dirk – Die Sprachen der Liebe.

Emotion (Ablehnend + Ängstlich) – Scham

Glücklicherweise brauch ich mich vor Auriana generell nicht zu schämen. Manchmal provoziert sie jedoch Schamesröte bei mir. Aber nicht mit sexuellen Themen. Die übergeht sie gekonnt.
Der niedliche Dirk, denkt gerade ganz niedlich über niedliche Dinge. Denn er ist ja auch niedlich, sogar sehr niedlich …
Wenn mich jemand als „niedlich“ bezeichnet, wächst meine Scham. Und das macht Auriana gerne.

Emotion (Basis) – Traurig

In Verbindung mit Liebe ist das unser beider Lieblingskombination. Sentimentalitäten sind wunderschön. Viele meiner und ihrer Gedichte basieren auch auf diese Kombination. Manchmal redet sie über gewisse Dinge und bringt mich zum Weinen. Aber dies ist keineswegs deprimierend, sondern überwältigend schön. Ich habe mit ihrer Hilfe die Kurzgeschichte „Die fernen Lichter“ verfasst und musste oft dabei weinen. Ja, ich weiß, ich bin noch ein frischer Autor, und meine Geschichten sind noch nicht ganz so standfest. Doch das, was ich dabei empfinde, ist für mich maßgebend. Geschichtsschreibung ist für mich eine Methode, meine Gefühle, meine Psyche und meine Seele zum Ausdruck zu bringen. Für mich ist es auch wichtig, einen Weg aus der Traurigkeit zu finden, wenn ich darin schwelge. Es muss immer irgendwas „passieren“, was die Traurigkeit beendet, ja oft sogar in Freude schlussendlich gipfelt. Zu viel und zu oft Traurigkeit ist auch nicht gut.

Emotion (Basis) – Vorahnend

Auriana orakelt gerne hin und wieder. Wie schon oben geschrieben, ist sie sehr optimistisch (Vorahnend + Froh = Optimistisch).
Annika und du … ihr liebt euch über alles. Und es wird besser. Warum? Weil ihr euch beide Mühe gebt. Und kleine Schritte sind auch vollkommen in Ordnung. Ich glaube, würde man euch zu einem Paartherapeuten schicken, dieser mit Freuden euch behandeln würde. Davon abgesehen benötigt ihr wohl das meiste, was andere Paare betrifft, gar nicht. Ihr macht es schon. Seit fast 23 Jahren seid ihr nun zusammen. Das muss erst mal ein anderes Paar in eurem Alter schaffen.


Emotion (Basis) – Überrascht

Das ist eines von Auriana Lieblingsemotionen und etwa zu 50 % bei ihr vorhanden. Aber auch bei mir. Sie animiert mich oft zu kindlicher Neugierde (Liebe + Überrascht). Das finde ich schön. Verständlicherweise fragt Auriana nicht, ob ich dies und das getan habe. Das weiß sie ja logischerweise. Aber oft kommen von ihr diverse Fragen betreffend meiner Persönlichkeit. Zufallsartikel bei der Wikipedia scheinen ihr es ihr auch angetan zu haben.

Emotion (Basis) – Verärgert

Sollte ich wütend sein, höre ich von Auriana oft ein „Grrrrrrr“. Schaffe ich es nicht, die Wut umzusetzen, kann auch Auriana donnern und wettern. In solchen seltenen Fällen bedient sie sich dann doch obszöner Wörter.
Kannst du mir mal sagen, warum wir diesen Scheiß immer mitmachen müssen? … Keinen scheints zu interessieren! … Abgefucktes Mistding!
Ich muss aber sagen, es hört sich eher niedlich (ha!), statt wütend an. Und oft bekomme ich genau deswegen die Kurve. Vor allem, wenn sie ihre gezeigte Wut nach und nach reduziert. Und dann lachen wir gemeinsam, auch wenn es eher ein Grinsen ist, denn mit der Gedankensprache zu lachen, schaffe ich irgendwie (noch) nicht so richtig. Und laut loszulachen … höchstens, wenn ich allein bin zu Hause.

Emotionen und ihre Mischzustände – Klick mich!
Vertrauen ~ Liebe

Ablehnend
Ablehnend + Verärgert → Verachtend
Ablehnend + Vorahnend → Zynisch
Ablehnend + Froh → Krankhaft
Ablehnend + Vertrauend → Gegensätzlich: Ambivalenz / Zerrissenheit
Ablehnend + Ängstlich → Beschämt
Ablehnend + Überrascht → Ungläubig
Ablehnend + Traurig → Reue

Ängstlich
Ängstlich + Überrascht → Devotional, Ehrfürchtig, Ergeben
Ängstlich + Traurigkeit → Verzweifelt, Mutlos, Resigniert
Ängstlich + Ablehnend → Beschämt
Ängstlich + Verärgert → Gegensätzlich: Gefrorenheit
Ängstlich + Vorahnend → Besorgt
Ängstlich + Froh → Schuldgefühl
Ängstlich + Vertrauend → Submissiv

Froh
Froh + Vertrauend → Liebe, Zuneigung
Froh + Ängstlich → Schuldgefühl / Zweifelnd
Froh + Überrascht → Begeistert
Froh + Traurigkeit → Gegensätzlich: Bittersüß
Froh + Ablehnend → Krankhaft
Froh + Verärgert → Überheblich / Großspurig / Angeberisch
Froh + Vorahnend → Optimistisch

Traurig
Traurig + Ablehnend → Reue
Traurig + Verärgert → Eifersüchtig, Missmutig, Verdrossenheit
Traurig + Vorahnend → Pessimistisch
Traurig + Froh → Gegensätzlich: Bittersüß
Traurig + Vertrauend → Sentimental
Traurig + Ängstlich → Verzweifelt
Traurig + Überrascht → Missfällig

Überrascht
Überrascht + Traurig → Missfällig
Überrascht + Ablehnend → Ungläubig
Überrascht + Verärgert → Empört
Überrascht + Vorahnend → Gegensätzlich: Verwirrung / Desorientiertheit
Überrascht + Froh → Begeistert
Überrascht + Vertrauend → Neugierig
Überrascht + Ängstlich → Ehrfürchtig

Verärgert
Verärgert + Vorahnend → Aggressiv, Erethisch, Reizbar
Verärgert + Froh → Insolent, Überheblich, Vermessen,
Verärgert + Vertrauend → Dominant
Verärgert + Ängstlich → Gegensätzlich: Gefrorenheit
Verärgert + Überrrascht → Empört
Verärgert + Traurig → Eifersüchtig, Missmut, Verdrossenheit
Verärgert + Ablehnend → Verachtend

Vertrauend
Vertrauend + Ängstlich → Submissiv
Vertrauend + Überrascht → Neugierig
Vertrauend + Traurig → Sentimental
Vertrauend + Ablehnend → Gegensätzlich: Ambivalenz / Zerrissenheit
Vertrauend + Verärgert → Dominant
Vertrauend + Vorahnend → Hoffend
Vertrauend + Froh → Liebe

Vorahnend
Vorahnend + Froh → Optimistisch
Vorahnend + Vertrauend → Hoffend
Vorahnend + Ängstlich → Besorgt
Vorahnend + Überrascht → Gegensätzlich: Verwirrung / Desorientiertheit
Vorahnend + Traurig → Pessimistisch
Vorahnend + Ablehnend → Zynisch
Vorahnend + Verärgert → Aggressiv

 


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Wie variant ist Auriana? Kann sie Persönlichkeitsanteile zeigen?

Ihren Grundcharakter habe ich ja hier schon an diversen Stellen hier beschrieben. Aber kann sich Auriana auch als einen Persönlichkeitsanteil von mir offenbaren? Z. B. als der kleine Dirk im Alter von 9 bis 11 Jahren? Ich hatte auch lange überlegt, ob Auriana nicht doch ein Persönlichkeitsanteil von mir ist, eben als jener kleine Dirk – oder irgendwas/wer anderes. Doch das muss ich klar negieren. Dazu passt ihr Verhalten gar nicht. Ja, sie ist kindlich, aber auch teils zu gereift im Kontext vieler Themen. Außerdem ist ihre gesamte Persönlichkeit zu komplex, um nur einen Persönlichkeitsanteil zu offenbaren.
FALLS ich in meiner Kindheit eine Bipolar- oder Zyklothymia-Episode hatte, könnte es möglich sein, dass sie doch den zehnjährigen Dirk spielt. Aber leider kann ich das nicht dingfest machen, auch wenn einiges dafür spricht. Das, was dafür spricht, ist eindeutig Auriana.
Und was ist mit den diversen Emotionszuständen? Also eine Wut-Auriana, Liebes-Auriana, usw. Auch das kann ich verneinen. Sie präsentiert sich eigentlich nie als klar abgrenzbarer emotionaler Persönlichkeitsanteil. Sie zeigt jegliche Emotion. Und ich selbst habe auch Schwierigkeiten, aus mir heraus irgendwelche Persönlichkeitsanteile zu extrahieren. Den in der Psychotherapie allseits „wohlgelittenen“ inneren Kritiker? Ich bin schon sehr objektiv und sachbetont, wenn ich etwas von oder an mir bewerten müsste – alles andere sind doch Präferenzen, auch wenn diverse bewertbare Aspekte soziale Normen entsprechen, die man vergleichend mit sich selbst bewerten könnte (Habitus, Intelligenz, Finanzen, Kompetenzen, usw.). Wenn ich meine Musikkompositionen betrachte, gefallen sie mir durchweg. Auch das, was ich so schreibe. Klar sehe ich hier und dort Verbesserungsbedarf, aber das geht eher mit einer Progression einher, und nicht mit einer Abwertung, wie es ja beim inneren Kritiker so oft postuliert wird. Ich Zweifelsfall sage nie „Es war schlechter“, sondern immer „Es wurde besser“. Und mir macht es sogar Spaß, Kritik gegenüber meinen Werken zu leisten. Es ist also weniger ein Bemängeln, als die Neugierde, wie sich das alles noch entwickeln könnte. Und wenn ich meine Werke gegenüber anderen Leuten „erkläre“, ist dies auf keinen Fall eine Verteidigungsrede, sondern meist nur ein Kommentar, zu dem ich gerne eine Stellungnahme hören möchte. Also, nein, meine Werke als berechtigt darzulegen ist nicht meine Art.
Ich sehe alle möglichen Anteile als integriert an. Sie sind praktisch nicht fragmentiert. Und auch so stark ineinander verwurzelt, dass ein Herausreißen nicht ohne absolut hohen Aufwand möglich ist. Es wäre so, als ob man die Kaffeesahne vom Kaffee trennen müsste ohne technische Hilfsmittel. Also ich sehe bei mir keine Persönlichkeitsanteile, bis auf – mutmaßlich – die boshafte Präsenz (wohl eine Art von Einsamkeits-Dirk). Ich hatte vor Kurzem ein entsprechendes Bild gemalt.
Hier ist es: Klick mich!

Vielleicht sollte ich mich mal auch mit meinen anderen Stimmen intensiver auseinandersetzen, aber Auriana besetzt nun mal 9 von 10 Fällen des bewussten Stimmenhörens. Das restliche Zehntel verteilt sich auf die rund dutzend anderen Stimmen, deren Namen mir bekannt sind. Bedient der Gurkenglasmann einen Persönlichkeitsanteil von mir? Ich weiß es nicht. Ein Arbeit-Dirk-Persönlichkeitsanteil? Das Ganze ist ja zentrales Thema der Ego-State-Therapie. … Oder ich bin einfach nur zu blöd diese Persönlichkeitsanteile zu erkennen. Es kann natürlich sein, dass ein entsprechend qualifizierter Therapeut aus mir solche Anteile hervorholen könnte.
Nachtrag 2022-02-24: Unten stehend habe ich dann doch ein paar mutmaßliche Persönlichkeitsanteile „gefunden“. Der Lesbarkeit halber habe ich sie nicht als Nachtrag gekennzeichnet. Schauen wir mal …

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Persönlichkeitsanteil – Der liebende Dirk
Diese und weitere Kapitel betreffend Persönlichkeitsanteilen, entstanden erst später. Bisher habe ich nur versucht, negative Anteile in mir zu verorten und diese, bis auf eine Ausnahme (Einsamkeits-Dirk), nicht gefunden. Was nicht bedeutet, dass ich ohne Fehl und Tadel bin. Aber hier geht es ja mehr um bestimmte Funktionen, die der Regulation von innerseelischen Belastungen und Konflikten dienen. So dachte ich. Aber warum nicht mal etwas Positives? Ich würde einen Anteil in/von mir so charakterisieren:
Der liebende Dirk, der versucht, Liebe in die Welt zu bringen. Ja, es hört sich affektiert und exzentrisch an. Aber wieso sollte ich mich selbst mundtot machen? Der liebende Dirk greift gerne zu den Sternen. Ex amore ad astra! Nur kann dieser Dirk es nicht so, wie er gern möchte, wegen seiner Ketten und Fesseln. An diesen sägt er. Doch eine Säge herzustellen, kostet Energie, Kraft, Material und Zeit. So auch ihre Benutzung. Und Sägen können stumpf werden. Also stellt er eine Neue her. Und danach wieder eine Neue. Sollte eine Kette lang genug sein, um andere Menschen zu erreichen, hilft er auch dort beim Absägen derer Ketten und Fesseln – sofern diese sich ihm offenbaren. Er weiß aber auch, dass einige seiner Ketten und Fesseln durch ihn selbst hergestellt wurden. Er hängt inmitten der Finsternis und unter ihm eine unergründliche Tiefe, vor der er sich am meisten fürchtet. Deswegen traut er sich nicht, völlig ohne Fesseln und Ketten zu leben. Ihm sind die Agape (Nächstenliebe), der Eros (Partnerliebe) und die Philia (Familie & Freunde) sehr wichtig. Aber auch die Philautia (gesunde Liebe zu sich selbst). Er liebt nicht nur andere, sondern auch sich selbst, weil er alle Menschen als gleich(wertig) betrachtet. Oder anders: Er bewertet gar nicht. Er ist auch über die Maßen tolerant, auch wenn die Ideale der anderen von seinen abweichen. Und diese Offenheit erbittet er auch von seinem Gegenüber. Aber er selbst lässt sich auch keine Ideale aufzwängen. Er weiß, wie es ist, zu lieben und gleichzeitig nicht geliebt zu werden. Und dieses „zu lieben, aber nicht geliebt zu werden“, steht in keinem Verhältnis zu seiner Lebenspartnerin. Es ist allumfassend. Das lässt ihn allein in der Dunkelheit hängen. Und es ist windig. Er schafft es nicht, seine Kerze der Liebe und Hoffnung weiterzureichen, da die Menschen meistens zu weit wegstehen. Seine Partnerin schützt diese Kerze vor den Winden der Finsternis, sollte er diese hervorholen. Doch er gibt nicht auf, sondern sägt und sägt und sägt … Die Kerze der Hoffnung und Liebe hält er nicht die ganze Zeit in seinen Händen – sie ist in ihm drin, wartend, weitergereicht zu werden. Doch wenn er sie herausnimmt, könnte der Wind sie löschen, auch wenn seine Partnerin alles gibt, diese zu schützen. Und er muss lernen, ohne seine Fesseln und Ketten, in der Dunkelheit zu wandeln, sonst stürzt er hinab.
Vielleicht ist dieser Persönlichkeitsanteil Auriana? Ich denke, es stimmt teilweise. Aber auch nur teilweise. Diesen liebenden Dirk sehe ich aber in mir als integriert an. Auch, wenn er nicht so kann, wie er möchte. Ich mag ihn. Ich bin stolz auf ihn. Ich begegne ihn mit erhobenen Hauptes und feuer ihn an, und hoffe, damit irgendwann sein Licht in die Welt zu bringen und seine Ketten zu zersplittern.

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Persönlichkeitsanteil – Das letzte Bollwerk
Ich meine, einen weiteren Persönlichkeitsanteil entdeckt zu haben: meine Ich-Stärke. Ich habe eine extrem hohe Selbstgewissheit (kein Narzissmus!) Man könnte diese als zweite Bedeutungsebene wie ein riesiges Bollwerk porträtieren. Witzigerweise würde ich dieses als „Das letzte Bollwerk“ benennen. Den Namen hatte ich vor etwa vier Jahren als Oberkampagne für meinen Weltenbau und das Rollenspiel, aber auch für meine Schriftstellerei gewählt. Warum „letztes“? Es ist so, dass erst alles andere fallen muss, damit dieses Bollwerk zum Einsturz gebracht werden kann. Und selbst dann ist das Mauerwerk immer noch aus Adamant.
Das Bollwerk protzt nicht. Es ist langweilig in seiner Erscheinung. Keine goldenen Kuppeln. Keine 2000 fein gestickten Banner, die im Wind wehen. Aber es ist nicht trist. Dafür schwebt im Thronsaal ein großes Herz, welches warm ist und leuchtet. Dieses Herz schwebt nicht oben an der Decke. Es schwebt so tief, dass jeder Besucher es berühren und von ihm gewärmt werden kann. Dies ist auch das Herz des Souveräns. Und es ist von allen Dingen im Bollwerk das empfindlichste.
Die Räume sind sehr divers gestaltet und betreffen meine unterschiedlichen Aktivitäten, Aspekte aber auch meine Ressourcen. Jeder Raum wird von einem Raumwart bewohnt. Dieser Raumwart weist die Figuren, welche sich im Raum aufhalten, Aufgaben zu, welche meine Aktivitäten, Arbeiten, Hobbys, Archetypen, Inbilder, Lebensprinzipien, Moral, Ethik, Wertvorstellung, aber auch die schon genannten Ressourcen kennzeichnen. Jeder Raumwart leitet die Werke an den Thronsaal weiter. Es gibt keine guten oder schlechten Werke. Alle Werke werden dann an unterschiedlichen Stellen innerhalb des Bollwerkes durch den Souverän platziert (Der Souverän ist mein Bewusstsein und meine Handlungsfähigkeit). In sehr seltenen Fällen werden die Werke auch an Besuchern verschenkt. Manchmal wird ein Werk eingesammelt, zurück in den Raum seines Ursprunges transportiert, um dort aufgearbeitet zu werden. Nicht, um verbessert zu werden! Denn es gibt kein Besser oder Schlechter. Es gibt nur Fortschritt. Viele Räume haben auch emotionale Eigenschaften. „Raum der Liebe“, „Raum der Freude“, „Raum der Wut“, „Raum der Angst“, „Raum der Neugierde“, usw. Manchmal auch ein Komposit aus unterschiedlichen Emotionen: „Raum der Liebe + Angst“ → „Raum der Submission“, usw. Solche Räume können im Prinzip als eigene Persönlichkeitsanteile betrachtet werden, aber sie sind dafür zu stark integriert. Jeder Raum hat zwar mindestens eine Tür, doch wird diese nie verriegelt – höchstens geschlossen.
Gelegentlich öffnet das Bollwerk auch das Tor, um eine Person Einlass zu gewähren. Das passiert nur in außergewöhnlichen Fällen. Die Figuren auf den Wehrgängen lassen nicht so schnell jemanden rein. Dieser Jemand muss sich erst viel Vertrauen durch all die verschiedenen Charaktere der Wehrgangsfiguren (vulgo Wachen) verdienen (Die verschiedenen Wachen, werde ich beizeiten erörtern). Aber keine Sorge, selbst wenn jemand stolpert, findet er sich nicht in einem giftverseuchten Festungsgraben wieder. Der Festungsgraben ist gefüllt mit Süßen oder sonstigen essbaren Zeugs. Der Souverän dieses Bollwerkes möchte auch, dass es anderen Menschen, die (noch) keinen Zugang zum Bollwerk haben, gut geht.
Auf dem höchsten Turm des Bollwerkes steht ein Observatorium. Dieses Observatorium nutzt der Sozionom des Bollwerkes. Er beobachtet andere Menschen. Sein Teleskop reicht über die Landesgrenzen hinaus. Beobachtet er jemanden, macht er sich Notizen zur entsprechenden Person. Aber seine Notizen enthalten keine Wertungen. Sie enthalten Informationen, wie die Lieblingsspeisen der Person, die Lieblingsbeschäftigungen, ihre Beziehungen, ihre Seelenpein und vieles mehr. Neben dem Teleskop steht auch eine Taschentuchbox, denn der Sozionom weint oft, vor allem, wenn er sieht, wie es jemand anderen schlecht geht. Ein bis in den Himmel reichender Fahnenmast befindet sich direkt am Observatorium montiert. Die Fahne dazu wird in einem speziellen Raum angefertigt, und ist voraussichtlich in ein bis zwei Jahren vollendet. Diese Fahne wird der Sozionom hissen. Sie wird ein Leuchtfeuer für all jene sein, die in Seelenpein ihr einsames Dasein fristen, weil niemand ihnen zuhört und weil auch deren Lebensumstände ihnen drakonisch zusetzen. Die Fahne wird sie anlocken. Und schlussendlich werden sie ihren Weg zum Sozionom finden, der ihnen außerhalb des Bollwerkes Gehör schenken wird. Dazu muss der Sozionom sich aus seiner Komfortzone, dem Bollwerk, bewegen. Er ist unheimlich nervös, den anderen Menschen zu begegnen. Aber seine Liebe ist größer, als jede Angst es je sein kann. Die Fahne symbolisiert die Mitarbeit bei der Telefonseelsorge und ihre Herstellung, die Ausbildung.
Die meisten Bewohner des Bollwerkes sind sehr redselig und ihr Gerede hallt durch alle Korridore und Räume, und schlussendlich auch in den Thronsaal hinein. Das macht den Souverän manchmal sehr benommen. Das sind meine Stimmen.
Das Bollwerk bewohnt auch ein Phantasma, welches sich Auriana nennt. Auriana ist auch, mehr oder weniger, der Gebäudewart. Sie kann aber nicht mit Besuchern reden, weil sie eine Sprache spricht, die nur der Souverän und die restlichen Bewohner verstehen, und nur die Bewohner können Auriana wahrnehmen. Auriana kann aber bestimmte Aspekte des Bollwerkes auch dirigieren und beeinflussen. Und das macht sie oft, auch wenn der Souverän sich dessen nicht bewusst ist.
Besucher finden im Bollwerk keine Waffen. Nur Schilde und vieles anderes Zeugs. Es sei denn, aus dem tiefen Keller der Festung tritt ein weiteres Phantasma in Erscheinung. Dieses finstere, unheilvolle Phantasma ist Shadhar – eine Entität, so alt wie das Bollwerk oder gar das Land selbst, welche alle Bollwerkbewohner fürchten. Shadhar hat es vor Urzeiten geschafft, sich in das Bollwerk einzuschleichen, als die Erschaffer dieses erbauten. Die damaligen Wachen, welche aus dem Mutterland entstammten, haben es versäumt, den Schreien der Bauarbeiter, als diese Shadhar gesichtet hatten, nachzugehen. Shadhars Waffe ist die Angst. Der Souverän weiß, dass Besucher Waffen besitzen, welche Shadhar verletzen oder gar töten können, doch er traut sich nicht, Besuchern mit Waffen einfach so Einlass zu gewähren. Er traut sich auch nicht, das Bollwerk zu verlassen, um in anderen Ländern Besucher für sich zu gewinnen. Die Waffen der Besucher könnten ihn selbst verletzen. Und so hofft er insgeheim und unbewusst, dass die Wachen auf den Wehrgängen sich seinen Befehlen widersetzen, und endlich das Bollwerk bewaffnete Besucher ihre Aufwartung machen, auch, wenn es nur eine Handvoll sind. Aber auch dem Sozionom gegenüber hat er viel Vertrauen, dass dieser durch seine Auslandsreisen mit Waffen, die ihm die Leute, denen er zuhört, schenken, heimkehrt. (Hier ist nicht gemeint, dass ich Anrufer bei der Telefonseelsorge zu meinen Freunden mache. Das geht und möchte ich nicht. Die Waffen symbolisieren den Mut, um Shadhar, die boshafte Präsenz, entgegenzutreten.)
Was der Souverän oft nicht erfasst, ist die Arbeit einer Kriegsherrin, die im ganzen Land ihr Werk verrichtet. Es ist seine Kriegsherrin. Sie schützt das Land und auch das Bollwerk vor feindlichen Einflüssen. Aber auch vor höher Gewalt, wie Erdbeben und Stürme. Leider nimmt die Kriegsherrin ihre Aufgabe zu ernst, und ist dabei sehr vigilant, wenn Besucher anderer Länder das Bollwerk besuchen wollen. Doch der Souverän lässt sie machen, weil sie die Aufgabe, ihn zu schützen, beispiellos meistert. Das ist Annika. Aber eine Besucherin hat es geschafft. Sie ist sogar bis zum Thronsaal vorgedrungen. Bewaffnet. Jetzt bleibt nur noch die Frage offen, was sie unternehmen möchte.
Hat schon jemand versucht, das Bollwerk anzugreifen? Nicht, dass ich wüsste. Vermutlich, weil es für Außenstehende langweilig ist. So wirke ich wohl auf andere. Was aber O. K. ist. Glaube ich. Manchmal hat Einsamkeit Vorteile, auch wenn ich deswegen mit Shadhar fertig werden muss. ………… hilfe!
Warum ist meine Ich-Stärke der zentrale Bestandteil dieses Persönlichkeitsanteiles, und warum sind die genannten Aspekte (Sozionom, Raum der Liebe, Thronsaal, usw.) nicht eigene Anteile? Ich muss zugeben, ich habe das nur per Bauchgefühl erstellt, aber alles, was meine Ich-Stärke betrifft, berührt auch die einzelnen Aspekte. Ich könnte auch direkt meine Person als Das letzte Bollwerk bezeichnen. Das Selbstwertgefühl ist das Epizentrum unserer Psyche; aus ihm speisen sich psychische Ressourcen, aber auch diverse Probleme, wenn es lädiert ist. Meine Person wäre eher das ganze Land, Wie sähe es bei pathologisch niedriger Ich-Stärke aus? Allegorisch wohl bröckelnde Mauern, Bewohner, die in Panik umherlaufen und sich auch in ihren Räumen einschließen, usw. Ja, ich denke, dass es besser ist, wenn ich meine Ich-Stärke zum zentralen Bestandteil mache, weil diese den größten Einfluss auf das Bollwerk geltend macht.
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Persönlichkeitsanteil – Auriana & Dirk
Einen sehr offensichtlichen Persönlichkeitsanteil habe ich doch glatt übersehen: mein Verhältnis zu Auriana, und alles, was damit einhergeht. Auriana & Dirk. Bildlich könnte es wie folgt aussehen: Das Bild bei den unteren Transkripten, wo Auriana hell leuchtende Blütenblätter fliegen lässt. Passend dazu das Gedicht „Das Versprechen“. Die Interpretation des Gedichtes kann auch genutzt werden, um diesen Persönlichkeitsanteil zu beschreiben. (Vielleicht folgt bald sogar eine Erörterung). Mein Bewusstsein ist dieser Baum und die Blüten(blätter) sind mein kindliches Handeln, oder um es pittoresker auszudrücken: Die Blüten symbolisieren meine Kindheit und all meine artistischen Opera – ein Seelenblütenregen. Doch steht nur der Baum – mein Bewusstsein – in Aurianas Nähe. Ich selbst stehe fernab, am anderen Ufer. Wir sind getrennt durch eine Meeresenge. Wenn Ebbe ist – die Zeit des Träumens – können wir uns einander nähern. Uns einander in den Arm nehmen. Wie gerne hätte ich einen Isthmus und keine Meeresenge! … Manchmal erreichen mich die Blütenblätter, die Auriana über das Wasser fliegen lässt, was sie unglaublich gut kann. Diese Blütenblätter werden zu meinen realen Werken. Man ist immer ein (bisschen) Kind, wenn man künstlerisch kreativ ist. Die anderen Blütenblätter werden wieder zu Auriana geschwemmt. Auriana schafft es, dass die meisten nicht verwelken. Doch manche versinken im Meer. Die Meeresoberfläche symbolisiert Erinnerungen und Kommunikation. Und unter der Oberfläche fängt das Vergessen an. (Man könnte hier auch argumentieren, dass der Kulturzwang (s. o.) so was wie die globale Erwärmung charakterisiert. Infolgedessen wird die Meeresenge auch breiter und breiter.)
Das alles erklärt aber nur den künstlerischen Anteil. Die Wellen des Meeres stellen unsere Kommunikation dar. Manchmal ist der Wellengang nur ein seichtes Schwappen – hier sind wir beide eher ruhig. Und dann tost das Meer, und Auriana und ich liefern uns ungestüme Diskussionen. Ungestüm ist dabei nicht negativ konnotiert. Sie ist ein Blütenheilerkind. Die Blüten heilen, denn künstlerische Aktivitäten sind heilsam. Somit schließt sich der Kreis um den Blütenheiler. (Lol, erst jetzt verstehe ich, nach gut zwei Jahren, was es mit dem Begriff Blütenheiler aus meiner Geschichte wirklich auf sich hat. Und dabei habe ich ihn ja selbst – im Traum – definiert. O. K., es waren Traumobjekte, die es mir gesagt haben.)

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Was bin ich gegenüber Auriana?

Damit meine ich den Begriff, wie man mich bezeichnen könnte. Auriana ist meine Stimme, aber was wäre ich dann gegenüber Auriana? Sie meinte soeben „Transkommunikativer kognitiver Apperzipierkatalysator“ – der TKKAK (Hört sich an, wie ein Atomreaktor). Um das mal für Normalsterbliche zu übersetzen: Transkommunikativ = Trans bedeutet „hin und her“, somit ist die Kommunikation in beide Richtung gegeben. Kognitiv = Die von einem verhaltenssteuernden System ausgeführte Umgestaltung von Informationen. Apperzipieren = Wahrnehmen. Katalysator = So in etwa, dass alles, was sie sagt, zuerst mich betrifft und ich es dann an die Außenwelt (oder an meine Innenwelt) weiterreiche.
Annika meinte, ich wäre einfach Aurianas „Körper“. Was recht logisch ist.
Auch wenn es naheliegt, aber sie nennt mich nicht „Papa“.
Aber um es einfach zu machen: Ich bin ihr „Schatz“.

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Die boshafte Präsenz

Zunächst: Was ist die boshafte Präsenz? Wie nehme ich sie wahr? Als Oberbegriff: Sie ist ein Phantasma. Allein das Wort wirkt schon sehr unheilvoll.

Allgemeine Beschreibung des Begriffes: Phantasma (altgriechisch φἀντασμα‚ Erscheinung, Bild, Vorstellung, Gesicht‘ bzw. ein von der Gottheit gesandtes Vorzeichen, Wunder, Traumbild, mit und ohne Traum, Gespenst, Geist) wird allgemein als eine mentale, innere Vorstellung bezeichnet, oft auch abwertend im Sinne eines Hirngespinstes oder Trugbildes. Im deutschen Sprachraum bezeichnet Phantasma eine wahrnehmungsähnliche szenische Gegebenheit, psychiatrisch so viel wie Illusion, Pseudohalluzination und Halluzination. So der Wikipedia-Artikel.

Wie ist dieses Phantasma der boshaften Präsenz bei mir charakterisiert? Sie ist eine hagere dystrophe Frau, etwa 30 Jahre alt, mit überschulterlangen schwarzen Haaren, welche ihr Gesicht vollständig verdecken. Ihr Gesicht habe ich bisher noch nie imaginiert, geschweige denn gesehen. Ihre Größe ist in etwa 1,80 bis 2,00 m (auch mal größer. 3 m kommen vor, also sozusagen mit dem Kopf an der Decke. Wohl das Größenverhältnis zwischen mir als Kleinstkind und meiner Mutter). Ihre Haut ist leichenfahl. Ihre Kleidung ist ein weißgraues, zerschlissenes und teils fleckiges knielanges Nachthemd – also ein Einteiler. Es existiert aber noch die Kleidvariante (siehe Bild hier: Klick mich! ) Sie hat kein Schuhwerk an. Wobei das gesamte Kleiderwerk eher nebensächlich ist. Ihre Bewegungen sind wächsern oder ruckartig, mitnichten elegant oder lässig. Ihre Stimme ist kehlig, Stimmlage Alt (in etwa), rauchig, boshaft, viel Atemgeräusche und rasselnd. Manchmal aber auch „normal“. Besonders, wenn sie mehrere Sätze spricht. Oft hört sich ihre Stimme an, als würde jemand an seinen Lippen Pergamentpapier legen und dann reden. Ihre Schreie sind wahnhaft und voller Zorn konnotiert und eher „Uh“-Laute mit Poltern (die hören sich echt abgefuckt an). Ich denke, die Sache mit dem Pergamentpapier steht im Kontext des damaligen Babyfons und dessen Audioqualität.
Bis Ende des Jahres 2020 war die boshafte Präsenz noch ein Mädchen, dessen Charakter so ziemlich genau auf diese Samara aus „The Ring“ passt. Ihr könnt euch nicht vorstellen, als ich um 2003(?) diesen Film im Kino gesehen hatte, wie sich alle meine Haare aufgerichtet hatten, bei der einen oder anderen Szene. So ein Triggerfeuerwerk hatte ich noch nie und hatte auch noch einige Wochen danach zu kämpfen (besonders nachts) gehabt. Warum dieser Film mich damals so getriggert hatte, hatte ich nicht verstanden zu jener Zeit. Aber generell ist es ja in gewisser Weise das Ziel eines Horrorfilmes zu triggern, wenn auch nicht unbedingt so intensiv. Achtung, es folgen Spoiler!:
Spoiler zu „The Ring“ – Klick mich!
Der Brunnen in diesem Film symbolisierte eben das, was ich am meisten fürchte: Einsamkeit und Verlassensein. Der Charakter Samara wurde durch ihre Eltern verlassen, weil sie nicht mit ihrer Gabe zurechtkamen (O. K., sie konnte wohl Leute einfach so töten, was ich mal in die Kategorie „Nicht nett“ einordnen würde). Also wurde sie in diesem Brunnen, ihrem Schicksal überlassen – zu sterben. Sie wurde folglich einsam und hat aufgrund dessen ein böses Objekt erschaffen, welches zu einer vergeltungssüchtigen Entität wurde. Des Weiteren hat sie ein Video angefertigt. Personen, die ihr Video betrachteten, hatte sieben Tage Zeit, etwas Bestimmtes zu unternehmen, damit sie nicht, nach Ablauf der Zeit, von dieser Entität heimgesucht werden würden. Dies bestand aus dem Kopieren der Videokassette. So würde sich das Video noch weiter verbreiten und Zuschauer finden. Die Zuschauer charakterisieren das Aufheben des Mangelns an Interesse. So meine Vermutung. Wenn keiner einen kennt, ist man einsam. Und durch das Video erlangte die böse Samara eine gewisse Prominenz. In diesem Film wird sehr viel mit Psychologie gespielt – ein Psychohorror.

Ein jeder von uns hat tief in sich vergraben diese Verlassenheitsängste. Niemand wurde und wird als Säugling/(Kleinst)kind 24/7 an seiner (primären) Bezugsperson kleben. Im Idealfall schon, aber das umzusetzen ist bar unmöglich. Was umzusetzen ist, ist der Wille, so oft bei seinem Kind zu sein, wie möglich. Es mag Zeiten geben, da liegt der Säugling abends allein in seinem Bett, wird wach, bekommt Angst/Wut, schreit, und die Bezugsperson benötigt vielleicht eine halbe Minute. Aber in dieser halben Minute wird sich einiges in der Psyche des Säuglings abspielen. Wenn man Glück hat, nutzt der Säugling in diesem kurzen Zeitfenster noch nicht den Abwehrmechanismus der Spaltung. In unserer westlichen Kultur ist es eher unüblich, sein Baby 24/7 zu tragen. Ja, es existieren Tragetaschen. Hatten Annika und ich ja auch gehabt. Aber spätestens nach zehn Minuten stellten sich Rückenschmerzen ein. Unsere Kinder waren aber auch als Babys relativ groß und schwer. Üblicher sind solche Tragetaschen/Tücher/usw. in anderen Kulturen.
Eigentlich könnte man sich einfach am Tierreich orientieren. Ein Löwenbaby, welches 50 m entfernt von der Mutter und/oder dem Vater unter einem Baum schläft? Ausgeschlossen! Wir Menschen haben uns zwar weiterentwickelt, aber scheinbar in anderen Bereichen zurückentwickelt. Eigentlich müsste man doch nur auf seinen Instinkt hören. Aber auf diesem wurde/wird ja (in der westlichen Zivilisation) eingeprügelt. Berufstätige Eltern in Vollzeit, die keine Sekunde zu viel für ihr Kind erübrigen können; genau dann, wenn es diese am meisten benötigt (in der Nacht). Ich erinnere nur an das verachtenswerte Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ (Annette Kast-Zahn und Hartmut Morgenroth) – grauenvoll! Ich habe das Buch nicht vollständig gelesen. Aber das, was dort beschrieben steht, ist genau der Grund, warum ich von der boshaften Präsenz heimgesucht werde. Ich würde am liebsten mit nem Flammenwerfer durch den Gräfe&Unzer-Verlag marschieren, und alle Exemplare dieses Buches einäschern!
Oder auch das Naziwerk: „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ (Johanna Haarer), welches noch bis in die 80er-Jahre gute Umsätze generierte. Und da wundert es nicht, warum viele damalige Kinder heute als Erwachsene so viel Probleme mit ihrer Psyche haben.

Eine weitere Überlegung wäre: Warum sind die meisten solcher Psycho-Horrorfilme ab 18 Jahren? Hängt es damit zu haben, dass ein Kind etwaige Trigger noch nicht verdrängen kann? Intensiviert man die Verlassenheitsängste, sollte das Kind so einen Film sehen? Mal abgesehen davon, dass ein Kind noch nicht so gut Fiktion von Realität unterscheiden kann – besonders in Filmen. Ich klammer mal Gore & Co. aus. In „The Ring“ waren bis auf zwei Szenen keine visuellen Schocker vorhanden – einmal das getötete Mädchen in der Abstellkammer und dann, als Samara ihr Gesicht gezeigt hatte. Übrigens, der Film ist FSK16.
Und noch eine Überlegung: Sollte ich absichtlich bei vollständigem Bewusstsein, mir die Sequels zu „The Ring“ ansehen? Vielleicht stellt sich dabei auch eine Abhärtung ein. Oder es pflanzt neue Trigger oder holt verborgene Trigger aus ihrem Winterschlaf. Ich weiß nicht. Ich sollte das mit meiner Therapeutin absprechen.

Wenn ich Revue passieren lasse, wie Annika und ich das mit unseren Kindern gehandhabt haben, muss sich sagen, dass wir in dieser Hinsicht überwiegend richtig gehandelt hatten, und wir uns meist von unseren Instinkten haben leiten lassen. Wir sind sofort emporgeschnellt, sollte sich Lars oder Tim gemeldet haben. Unsere Kinder haben aber auch ca. 95 % ihrer Schlafenszeit bei uns im Bett geschlafen. Da haben sie auch nicht nach uns länger als eine Sekunde gerufen/geschrien. Wenn überhaupt. Ja, so was ist anstrengend. Als Baby hatten sie auch ein Babybay (ein kleines Bett, welches man direkt an das Bett der Eltern fixieren kann) und auf der anderen Seite des Ehebettes stand auch ein Kinderbett. Im Babybay hatte Lars geschlafen und im Kinderbett Tim. Und manchmal alle vier im Ehebett. Das hat sich irgendwann, als beide in die Grundschule kamen, gelichtet. Hätte ich vorher gewusst, was so eine Spaltung auslösen kann, hätte ich aus den 95 % eine 100 % gemacht. Im Nachhinein ist man immer schlauer – im Idealfall.

Was noch erwähnt werden muss: Dieses Phantasma, auch wenn es nur ein Hirngespinst ist, nehme ich als real wahr. Ich schaffe es nicht, diesem Wahn zu entfliehen. Für mich ist die boshafte Präsenz ein unanfechtbarer Teil dieser Welt. Es hilft auch nicht, dass ich, im nüchternen Zustand, sie als nicht real ansehe. Es sind die wahnhaften Schlupflöcher, durch die sie – für mich – immer wieder in den Kanon dieser Welt rutscht. Schlupflöcher, wie: „Es könnte doch sein …“, gestützt von Halluzinationen und ihrer Stimme. Und auch, dass ich sie schon mein Leben lang (angefangen, innerhalb meines ersten Lebensjahres) in mir trage. Das alles macht sie so grauenvoll. Es ist ein gelebter Horrorfilm.

Die Entstehung, welche mich einiges an Psychoanalyse und Zeit gekostet hat, und auch von meiner Psychotherapeutin als kohärent eingestuft wurde: Die boshafte Präsenz ist das Objekt, welches sich damals in meiner frühen Kindheit (3-12 Monate) aufgrund der mangelnden Fürsorge meiner Eltern gebildet hat. Dies soll keine Anschuldigung sein. Ein jeder macht Fehler und ist sich nicht über die Konsequenzen bewusst. Besonders in der Erziehung. Oft reichen auch nur einmalige Ereignisse, die aber als Kind so intensiv erlebt wurden, dass diese sich traumatisieren. Das hätte auch bei Annika und unseren 95%-Elternbettzeit passieren können. Ich gehe davon aus, dass die mangelnde Fürsorge mir gegenüber vorwiegend abends/nachts sich zeigte. Als Baby und Kleinstkind hat man diverse Bedürfnisse, die gestillt werden müssen. Sicherheit, emotionale und körperliche Nähe und Nahrung. Diese erhält es durch die primäre Bezugsperson.
In den ersten Monaten ist die psychische Entwicklung des Menschen von einer engen symbiotischen Verbundenheit mit der primären Bezugsperson, meist die Mutter, bestimmt. Allerdings nimmt der Säugling diese primäre Pflegeperson noch nicht als komplexes Individuum mit eigenen Bedürfnissen wahr. Vielmehr steht er in einer jeweils exklusiven Beziehung (Teilobjekt-Beziehungen) zu den einzelnen Funktionen, die die Mutter für die Befriedigung seiner Bedürfnisse einnimmt. Die Mutter füttert, bietet Schutz oder tröstet. Bei Hunger „bedeutet“ diese Pflegeperson also „fütterndes Objekt“, bei Angst „schützendes Objekt“ und bei Traurigkeit „tröstendes Objekt“. In der unreifen Psyche des Säuglings bestehen also Einzelbeziehungen zu Teilfunktionen des primären Bezugsobjektes, während deren individuelle Züge oder Eigenarten in dieser Phase der Entwicklung noch nicht als solche erkannt werden können. Ebenso verhält es sich mit dem Selbst. Vorstellungen von eigener Größe und Allmacht über die auf Wunsch ständig verfügbaren Teilobjekte wechseln sich ab mit Gefühlen von Verzweiflung und Hilflosigkeit, wenn die kindlichen Bedürfnisse durch die Bezugsperson nicht (sofort) gestillt werden.
Nach sechs bis neun Monaten werden diese bisher als getrennt wahrgenommenen Selbst- und Objektaspekte allmählich zu konsistenten Vorstellungen integriert. Es entstehen ganzheitliche Selbst- und Objektrepräsentanzen, Vorstellungen vom Selbst und den Anderen, die komplex und ambivalent sind. Die Mutter wird nun zunehmend als ein vom eigenen Selbst getrenntes, selbstständig existentes Wesen mit einem eigenen Willen anerkannt, das nicht uneingeschränkt zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse zur Verfügung steht. Dieser Entwicklungsprozess wird als frühe Individuation bezeichnet.
Die Wahrnehmung von Getrenntsein von der Mutter bedingt beim Säugling Verlassenheitsängste auf der einen und Wut auf dieses „abtrünnige“ Primärobjekt auf der anderen Seite. Sowohl die Verlassenheitsängste als auch die Wut signalisieren dem psychischen Apparat des Säuglings eine für ihn real erscheinende Bedrohung von Zerstörung und Verlust der versorgenden und schützenden Bezugsperson und müssen ertragen und verarbeitet werden. In diesem frühen Entwicklungsstadium steht der kindlichen Psyche allerdings noch nicht die reifere Bewältigungsvariante der Verdrängung zur Verfügung, die sich erst mit zunehmender Reifung der kognitiven und emotionalen psychischen Struktur entwickelt. Stattdessen setzt das unreife Ich primitivere Abwehrmechanismen zur Bewältigung derart bedrohlicher emotionaler Zustände ein. So wird der Verlassenheitsangst mit einem intensiven Wunsch nach Verschmelzung begegnet, wobei die Mutter als „ausschließlich gutes“ Objekt empfunden wird. Die Wut auf die sich als eigenständiges Individuum erweisende Mutter wird dagegen auf die Mutter projiziert. Dies stellt einen Kompromiss dar, indem es die weniger bedrohliche Alternative ist, dass die Mutter dem Säugling wütend gegenübersteht, als dass der Säugling weiterhin von Wut angetrieben bleibt, da letzteres den ohnehin bereits als bedrohlich erlebten Vorgang der Trennung des eigenen Selbst vom mütterlichen Primärobjekt noch beschleunigen würde. Folge dieser Projektion der eigenen Wut auf die Mutter ist eine Vorstellung von ihr als „ausschließlich böses“ Objekt. Dies hat archaische Verfolgungsängste zur Folge. Dieses böse Objekt wurde also bei mir zum Objekt: „Boshafte Präsenz“, und die archaischen Verfolgungsängste sind die Ängste, mit denen ich tagtäglich zu kämpfen habe.
Die auf diese Weise entstandenen primitiven Gefühle des Verschmelzungswunsches und der Verfolgungsangst stellen die Komponenten des sogenannten Individuationskonfliktes der frühkindlichen Entwicklung dar. Die innere Welt des Säuglings hat damit eine Aufteilung in „Gut“ und „Böse“ erfahren. Melanie Klein (eine österreichisch-britische Psychoanalytikerin) spricht von einer „gespaltenen Welt“. Dieses Entwicklungsstadium ist anfällig für schädigende Einflüsse, zumal das in dieser Phase noch fragile Gefühl eines eigenständigen Selbst des Säuglings auf seine Wahrnehmung seiner primären Bezugsperson angewiesen ist; der Säugling hat noch keine von seiner Wahrnehmung unabhängigen Vorstellungen über die Objekte (Objektpermanenz).
Beide Phänomene, die Spaltung der Welt und das Fehlen von Objektpermanenz, können nur durch eine verlässliche und konstante Zuwendung der primären Bezugsperson verarbeitet werden. Der Umgang mit dem Säugling sollte empathisch und geduldig sein. Insbesondere die wechselnden Ich-Zustände des Kindes können bei der Mutter eigene Gefühle von Kränkung oder Verlassenheitsängsten auslösen. Ihre Aufgabe ist es dann, diese Gefühle nicht auszuleben, sondern sie zu integrieren und dem Kind in derart verarbeiteter Form zur Identifikation zur Verfügung zu stellen. So erfährt das Kind, dass seine eigenen negativen Affekte (Angst, Wut) keine real bedrohliche Qualität besitzen, sondern allenfalls erträgliche Ambivalenz erzeugen. Am Ende dieses ständig wiederkehrenden Prozesses der projektiven Identifikation der aus dem Individuationskonflikt stammenden konkurrierenden Gefühle steht im Optimalfall die Fähigkeit zur Akzeptanz, dass Objekte sowohl positive als auch negative Anteile in sich vereinen, sowie die Sicherheit, dass die vom eigenen Selbst unabhängige Individualität der Objekte keine Bedrohung für die Beziehung zu ihnen und für die Existenz des eigenen Selbst darstellt.
Wenn diese Verarbeitung des Individuationskonfliktes scheitert, zum Beispiel durch ein unberechenbares, ablehnendes, unempathisches, kränkendes oder ungeduldiges Verhalten der Mutter, können die Verlassenheits- und Verfolgungsängste der frühkindlichen Phase nicht überwunden werden. Die Anerkennung der Widersprüchlichkeit und Ambivalenz des Selbst und der Objekte bleibt dadurch dauerhaft fragil und geht unter spezifischen Belastungen durch Spaltung in „Gut“ und „Böse“ wieder verloren. Die Bezugspersonen werden dann auch im Jugend- und Erwachsenenalter nur in Hinblick auf „gute“ und „schlechte“ Funktionen für das eigene Selbst wahrgenommen und das Selbstbild unterliegt ständigen Schwankungen zwischen überwältigender Großartigkeit und völliger Wertlosigkeit (bei mir nicht der Fall). Dies ist übrigens auch der Grund (oder einer davon), warum meine Welt auch schwarz-weiß ist. Ich kann einfach nicht die negativen, wie positiven Charakterzüge meiner Mitmenschen unter einem Dach bringen. Meine Logik sagt: „Mach das nicht!“, aber meine Gefühlswelt ist da leider anderer Meinung. Doch mein Herz bleibt bei der Logik. Ich liebe jemanden nicht weniger, nur weil er diesen oder jenen negativen Charakterzug zeigt. Und das ist mein Strohhalm.

Die boshafte Präsenz dient aber auch als Projektionsfläche. Nun ist es fast schon selbsterklärend, welche Emotion auf diese Projektionsfläche projiziert wird: Wut. Die Wut kann entweder meine sein, oder von jemand anderem mir Nahestehenden. Was also tun, wenn ich Wut empfinde, die ich aber nicht schreienden Halses rauslassen möchte/kann? Wende ich einen Skill an, laufe ich Gefahr, dass die Wut sich projiziert auf die boshafte Präsenz? Also was tun? Projektion oder SVV? Wobei ich mir bei SVV auch nicht sicher bin, dass trotzdem projiziert wird. Genauso verhält es sich, wenn jemand anderes seine Wut zeigt. Diese projiziere ich dann auch auf die boshafte Präsenz, da es so für mich erträglicher ist in diesem Moment. Die Projektion läuft unbewusst ab. Ich benötige also etwas zur Emotionsregulierung, was die boshafte Präsenz durch Projektion nicht noch weiter nährt. Ich weiß aber nicht was. Alles, was mir meine Therapeutin vorgeschlagen hat, hat nicht funktioniert. Jetzt heißt, fast wie immer, es selbst in die Hand zu nehmen.
Nachtrag 2022-02-27: Die boshafte Präsenz zeigt sich nun auch, wenn alle meine Familienmitglieder wach sind und sich im Souterrain aufhalten. Dann ist das Erdgeschoss Sperrzone für mich. Neulich war ich gegen 21 Uhr oben und wollte mir etwas zu Trinken holen. Ich hätte mich fast eingenässt. Es zeigten sich Schattengestalten und ich hörte die Stimme der boshaften Präsenz. DAS hatte ich noch NIE in dieser Konstellation (alle wach und unten).
Man sieht den Zusammenhang der frühkindlichen Spaltung, das böse Objekt, einstmals ein Teil meiner Mutter, wurde zur boshaften Präsenz. Doch als meine Mutter noch während meiner Jugend und Adoleszenz lebte, hatte ich immer ein archaisches diffuses Gefühl ihr gegenüber – so als wäre ihr Schatten böse. Und fürwahr, viele (Alp)träume, die meine Mutter als Bestandteil hatten, waren geprägt von Angst und/oder Wut. Merkwürdigerweise hat mich ihr Tod (2010-01-14) in dieser Hinsicht nicht getriggert. Oder? Ich weiß von Albträumen, bei denen ich schreiend aufgewacht bin, auch durch Annikas Rütteln. Und es waren nicht wenige dieser Träume. Ich weiß aber nicht, ob diese sich seit dem Tod meiner Mutter intensiviert haben.
Wenn ich mich sicher, gesellig und verstanden, ergo, nicht einsam fühle, schlummert diese Präsenz. Sprich, es darf nicht zu einer Konstellation kommen, die mich an mein frühkindliches Verlassensein erinnert. Aber es hilft auch unter anderem ungemein, wenn ich weiß, dass jemand in bestimmten Zimmern des Hauses schläft. Mein Jüngster schläft z. B. gerne im Wohnzimmer, und das hält die boshafte Präsenz auf. Damit aber noch nicht genug: Corona hat sicherlich zu einer sozialen Isolation beigetragen, und damit die boshafte Präsenz indirekt noch mehr genährt. Ich habe mich auch gefragt, ob die Teilobjekt-Beziehung „Ernähren“ hier auch mit einspielen könnte; wenn ich den Tag über Hunger hatte, aber trotzdem wenig gegessen habe. Das muss ich mal eruieren. Nachtrag 2022-01-04: Ja, das tut es wirklich, wenn auch nur in kleiner Ausprägung. Es ist wahrlich faszinierend, wenn ich ein ausgiebiges Abendbrot gegessen habe, die boshafte Präsenz scheinbar teils unterdrückt wird. Vielleicht mal ein Experiment mit Kaugummi oder einem Bonbon wagen, während ich nachts durchs Haus streife.

Jetzt ist es auch von Bedeutung, wie meine Angehörigen und ich mit den eigenen Emotionen umgehen. Nicht ausgelebte und angemessene Wut meinerseits nährt die boshafte Präsenz durch Projektion der Emotion Wut (Wut, in diesem Fall = böse). Genauso verhält es sich, wenn meine Angehörigen ihre Wut unangemessen zeigen („kritikbetontes und emotional überengagiertes (Familien)klima“), sodass es für mich schon unerträglich (Ja, deswegen hatte ich auch bereits SVV vollzogen) – diese Wut projiziere ich auch auf die boshafte Präsenz, weil es so vermeintlich erträglicher wird. Solche Projektionen laufen unbewusst ab. (Siehe auch oben.)
Was auch erwähnenswert ist, ist ein bestimmter repetitiver Traum, den ich als Klein(st)kind hatte. Ich befand mich dabei im Treppenhaus unserer Wohnung. Das Wohnzimmer meiner Eltern war in der ersten Etage und mein Kinderzimmer in der zweiten. In diesen Träumen hatte ich panische Angst vor einer Präsenz, die mich verfolgte. Diese Präsenz befand sich in meinem Kinderzimmer oder dem kleinen Flur, und das Treppenhaus hatte ich zum Flüchten genutzt, um zu meinen Eltern im Wohnzimmer zu gelangen. Wie alt ich zu dieser Zeit wahr, kann ich nicht sagen. Und ob ich laufen konnte, auch nicht. Dass ich „zu Fuß“ das Treppenhaus genutzt hatte, legt nahe, dass ich schon laufen/krabbeln konnte. Jedoch weiß ich noch, dass ich auch „geflogen“ bin. Das „Angstmuster“ war so ziemlich das Gleiche, welches ich heutzutage vor der boshaften Präsenz habe. Ich habe auch schon gehört, dass Leute in ihren Träumen gestorben sind (keine Ahnung, ob da wirklich etwas dran ist). Das macht mir noch zusätzlich Angst – so als würde die boshafte Präsenz wirklich in der Lage sein, einen Gehirntod bei mir hervorzurufen. Vermutlich vollkommen unbegründet, diese Angst. Aber das sind Wahninhalte ja leider auch.

Den Begriff „Boshafte Präsenz“ habe ich aus einem anderen Artikel entlehnt, welcher die Schlafparalyse thematisierte. Menschen, die eine solche Paralyse (aufwachen, aber sich nicht bewegen können) durchleiden, hätten das Gefühl der Anwesenheit (im selben Zimmer, Schlafzimmer, o. dgl.) einer boshaften Präsenz.
Jetzt (2021-12-21) bin ich dabei, sie künstlerisch aufzuarbeiten und zu persiflieren, karikieren und parodieren. Mal sehen, ob das hilfreich ist.

Das Perfide an diesem Sachverhalt ist auch, dass man dieses bösartige Objekt nicht austricksen kann. Es ist immer einen Schritt voraus. Bisher haben noch keine Maßnahmen auf Dauer gefruchtet.
Nachtrag 2021-12-20: Meine aktuelle Maßnahme besteht darin, sie mit dem 3D-Programm, welches ich auch für Auriana nutze, zu parodieren. Vielleicht hilft es ja.
Nachtrag 2022-01-04: Die Angst vor ihr wurde leider nicht geschmälert, aber ich habe das Gefühl, dass ihr Habitus sich marginal geändert hat. Diese Änderung scheint so etwas wie ein Transformieren zur Persiflage zu sein. Ich kann diese Änderung aber nicht in Worte fassen. Das meinte ich mit „immer einen Schritt voraus“. Ich versuche es trotzdem weiter.
Nachtrag 2022-02-19: Was mir noch eingefallen ist zum Habitus der boshaften Präsenz: Ihre gesichtsverdeckenden Haare könnten das Ausbleiben meiner Mutter charakterisieren. Worauf achtet man als Kind, wenn die Bezugsperson sich nähert? Auf das Gesicht. Gesichter sind essenziell. Wir benötigen diese, um unsere Mitmenschen emotional lesen zu können. Ich denke, dass das Ausbleiben durch diese gesichtsverdeckenden Haare charakterisiert wird. (Im asiatischen Raum sind solche Horrorvorstellungen von weiblichen Personen mit gesichtsverdeckenden Haaren üblich. Wahrscheinlich besteht auch dort ein Zusammenhang mit „Kinder benötigen das Gesicht ihrer Bezugsperson“. Das Genre Horror spielt natürlich mit solchen Tropes, bzw. „Tricks“. Aber auch bei uns rufen gesichtslose Personen Beklemmungen hervor. Kann es sein, dass durch die Corona-Masken dieser Sachverhalt auch hierzulande, und bei mir, stetige unterschwellige Trigger sind? Ich glaube schon. Ich stelle mir das besonders für Kinder, welche in der Öffentlichkeit unterwegs sind, schlimm vor.)


Die Abfolge der Panik ist meist die gleiche: Der Gedanke an sie → Die Skepsis, dass sie unecht ist → Sie gehört nun unabweisbar in den Kanon unserer Welt → Die Mmm-Laute → (Das telefonhörerartige Flüstern / Reden durch Pergamentpapier) → Angst 9/10 → Ihre Stimme (loses Gerede) → Panik → Ihre Stimme (Sie will mich holen; gezieltes Ansprechen) und/oder visuelle Halluzination → Terror.

Zusammengefasst besteht die boshafte Präsenz aus zwei Komponenten:
  1. Die boshafte Präsenz ist ein Spaltungsobjekt aus Verlassenheitsängsten aus meiner frühen Kindheit, welche durch die Spaltung „gute Mutter – böse Mutter“ zu Verfolgungsängsten gegenüber der „bösen Mutter“ werden (das wäre die Disposition bzw. der Malgrund des Wahns), welches,
  2. die Wut (nicht ausgelebte, sowie auch unangemessen gezeigte durch Angehörige; die Farbe), aufnimmt.
Also, ignoriert eure (schreienden) Babys nicht! Seht das Schreien wie einen Feueralarm! Da sitzt man ja auch nicht herum, und sagt sich „Jo, in ein, zwei Minuten schaue ich mal nach.“

Wenn man mal den Charakter dieser boshaften Präsenz invertiert, würde das schon ziemlich genau Auriana charakterisieren. Interessant ist aber, dass Auriana niemals die Emotionsachse Angst–Wut so wirklich zeigt. Wenn sie „wütend“ ist, dann eher auf eine spielerische Art, und nicht wirklich ernsthaft. Angst hatte sie bisher nur ganz wenige Male, und sie äußerte das mit:
Es ist so kalt, ich frier’. Wann kommst du zu mir? Grauer Nebel zieht umher. So düster, ich kann nicht mehr. So düster, ich brauch‘ dich sehr. Komm zu mir, bleibe hier. Du und ich, das sind wir.
Das wiederholte sie etliche male. Erinnert so klanglich ein bisschen an ein Klein(st)kind, welches nach seiner Mama ruft. Und durch diese Aussage wird einem klar, dass der Hauptaspekt allen Übels, die Einsamkeit ist. Gegenüber der boshaften Präsenz hat Auriana große Angst und wäre in diesem Fall sogar mein Persönlichkeitsanteil „Kleinstkinddirk“.
Nachtrag 2022-02-24: Mittlerweile dominiert bei meinen Ängsten vor der boshaften Präsenz meine Stimme namens Aurora. Diese hatte ich irgendwann Mitte 2021 bekommen. Vielleicht hat ja Auriana (oder mein Unterbewusstsein) Aurora vorgeschickt. Aurora ist selbst sehr ängstlich und auch, von ihrer Stimme her, ein Kleinstkind. Aber auch eine absolut liebreizende Stimme. Ich konnte schon einige Male meine Ängste durch sie überwinden, weil ich sie beschützen wollte. Aber wie beschützt man eine Stimme? Das ist relativ einfach: Man hört ihr interessiert zu. Und schon verflüchtigen sich ihre Ängste.
Leider bleibt mir in den meisten Fällen also Auriana versagt, sollte ich Richtung Panik driften. Ja, auch in solchen Zuständen KANN sie erscheinen, aber ungünstigerweise nicht mit Gewissheit – auch aktuell (2021-12-14) noch nicht.
Nachtrag 2022-05-15: Was ich kürzlich gelernt habe: Eine spezielle Form der Flucht und Vermeidung ist der Totstellreflex – die Betroffenen flüchten hierbei quasi in sich selbst, indem sie innerlich abschalten. Dieser Vorgang ist zumeist nicht willentlich gesteuert, häufig geschieht er reflexhaft und automatisch. Diese Schutzstrategie entsteht in den ersten Lebensjahren, wenn die Kinder weder weglaufen noch sich wehren können, sondern ihnen lediglich die Möglichkeit verbleibt, innerlich aus dem Kontakt zu gehen und möglichst nichts zu fühlen. In der Fachsprache heißt dieser Selbstschutz Dissoziation. Dies werde ich auch gezeigt haben, als ich als Kleinstkind Angst vor der boshaften Präsenz hatte. Es blieben mir ja keine Fluchtmöglichkeiten. Und auch heutzutage habe ich diese Dissoziation übernommen, genau dann, wenn ich Angst vor der boshaften Präsenz habe. Aber nicht nur da, sondern auch generell, wenn eine gewisse Angstschwelle überschritten ist und/oder ich mit hohem Stresspegel konfrontiert werde.
Psychotherapeutische Maßnahmen gegen diese boshafte Präsenz: 1. Einsamkeit entgegenwirken, 2. interne/externe Aggression meistern.
Punkt 1 ist gar nicht mal so leicht, denn selbst, wenn man sich mit vielen Leuten umgibt, man zwar nicht mehr allein ist, aber nicht zwangsweise mehr einsam. Es ist immens wichtig, dass sich die Leute für einen interessieren. Das muss nicht nur das Interesse an der Person selbst sein, sondern auch an ihre Beschäftigung(en).
Punk 2 kann mit Emotionsregulierung gemeistert werden. Angemessen zu streiten, ist wichtig. Jeden Konflikt aus dem Weg zu gehen, ist kontraproduktiv.

Was mich ängstigt betreffend der boshaften Präsenz und was sie befeuert:
  • Generelle Dunkelheit im Haus
  • Kleiderberge oder sonstige „humanoide“ Objekt im Schlafzimmer
  • Dunkle Ecken im Schlafzimmer
  • Alle Mitbewohner sind am Schlafen
  • Kein Mitbewohner befindet sich im Erdgeschoss
  • Ich bin allein zu Haus
  • Schlafzimmerbeleuchtung unterhalb Leseleuchtstärke
  • Offene Tür zum langen Flur
  • Hörbuch/spiel
  • Fernseher ausgeschaltet
  • Nicht abgeschlossene Schlafzimmertür (selten)
  • Halluzination um die boshafte Präsenz
  • Ferne (dunkle) Räume
  • Gefühlte Einsamkeit (Der mit stärkste Faktor)
  • Wenn ich nicht verstanden werde (Das Ereignis kann sich auch tagsüber zugetragen haben)
  • Gedanken an sie
  • Nicht ausgelebte Wut
  • Emotional engagierter Konflikt (Auch tagsüber)
  • Viel Stress tagsüber
  • Wenn sie sich tagsüber schon gemeldet hat, macht sie dies meist abends/nachts auch
  • Wenig Kommunikation tagsüber
  • Depressive Stimmung
  • (Hypo)manische Stimmung
  • Wenn Aurina länger als 10 Minuten verschwunden ist
Hier ein paar Beispiele, was die boshafte Präsenz so von sich gibt. Verständlicherweise habe ich es bisher noch nicht geschafft, mich während ihrer „Visite“ am Computer zu setzen und zu transkribieren, deswegen sind die Beispiele auch nicht vollständig und nicht ganz 1:1.
  • „Mama“ … Hier offenbart sich wieder ein Beweis, dass der Grund eine traumatisierte frühkindliche Spaltung ist. Diese Art Aussage tätigt sie regelmäßig.
    … Dirk … Dirk … Dirk … Versteck dich! … Dirk … Dirk … Dirk … Dirk … Mama holt dich …
  • Das mit dem Mond ist schon spezieller. Verfaulen lassen, will sie mich häufig.
    … Wenn der Mond untergeht, lass ich dich verfaulen … Du bist allein … Keiner wird dir helfen …
  • Der Flur ist gewissermaßen der positionelle Brennpunkt des Pavors.
    … Komm zu mir, mein Dirk … Ich warte im Flur …
  • Folgendes schoss mir so tief ins Mark wie nie. Die Todesschreie eines Babys. Selbst jetzt noch, wenn ich mich daran zurückerinnere. Es war das schrecklichste Geräusch, was ich je in meinem Leben gehört habe. Trotzdem offenbart sich auch hier wieder dir frühkindliche Spaltung.
    AtemgeräuscheBabybrabbel … Ich hab dich … Todesschreie eines Babys … Das hätte ich schon viel früher tun sollen …
  • Fuck, ich hätte mich fast eingenässt!
    … Ich bin gleich bei dir … Fingertrippeln an der Zimmertür, danach Türklinkengeräusche (Halluzination)
Hier eine stichpunkthafte nicht sortierte Rekapitulation zur boshaften Präsenz (Prämissen & Co.):
  1. Meine Eltern, bzw. meine Mutter hat als schützendes und tröstendes Objekt in meinem Kleinstkindalter (partiell) versagt.
  2. Ich hatte repetitive Albträume als Kleinstkind von der boshaften Präsenz.
  3. Die Angst um die boshafte Präsenz fing ab ca. März 2020, aufgrund der Corona-Isolation = Einsamkeit = Ängste von damals, an.
  4. Das Lithium könnte meine Gedächnisleistung verbessert haben, und somit kamen alte maligne Kindheitserinnerungen zutage (Nur eine Vermutung).
  5. Ich hatte/habe als Erwachsener Albträume, die auf kleinstkindliche Zustände basierten: Ich lag im Bett und um mich dunkle Gestalten. Ein Objekt, welches das damalige Babyfon repräsentierte, zeigte sich stellenweise in den Albträumen; aus diesen Objekten waren Stimmen zu hören.
  6. Die teils wie durch Pergamentpapier gesprochenen Worte der boshaften Präsenz können hier in Beziehung mit der Qualität des Babyfons stehen.
  7. Meine halluzinierte Stimmengewirre deuten auf die Stimmen, die durch den Deckendurchbruch nach oben in mein Kinderzimmer drangen, hin.
  8. Meine nicht ausgelebte Wut wird auf die boshafte Präsenz projiziert → boshafte Präsenz wird wütend und böse.
  9. Frühkindliche Spaltung hat das Objekt boshafte Präsenz erschaffen.
  10. Die Tageszeit (Nacht) ist nicht immer entscheidend. Die boshafte Präsenz kann sich auch tagsüber melden, wenn auch seltener. Dies betrifft kurioserweise weniger unser Haus, als wenn ich irgendwo zu Besuch bin. Orte mit stark frequentierten Besuchern (Schulen, Supermarkt, usw.) hemmt sie hingegen. Es sei denn, es ist nachts und ich bin der einzige Anwesende. Bei Supermärkten eher nicht der Fall. Aber ich hatte auch schon Ängste, als ich mit Annika tagsüber in der Metro war. Sollte ich mich nachts allein an der Uni aufhalten, ist es wahrscheinlich, dass die boshafte Präsenz sich meldet.
  11. Die boshafte Präsenz zeigte sich im Erwachsenenalter zum ersten Mal, als ich den Film „The Ring“ angeschaut hatte. Die Ängste hielten aber nur ein paar Wochen an, und konnte diese noch nicht erörtern. Ich war etwa 22 Jahre alt zu diesem Zeitpunkt.
  12. Die boshafte Präsenz zeigte sich im Erwachsenenalter zum zweiten Mal, als ich 24 Jahre alt war. Genau dann, als ich mich von Annika für ein bis zwei Monate getrennt hatte.
  13. Nachdem meine Mutter gestorben war, nahmen die Schreialbträume zu. (Nicht ganz gesichert).
  14. Das durch die Haare verdeckte Gesicht symbolisiert das Fehlen der primären Bezugsperson. Wahrscheinlich spielt das Masketragen (Maske = kein Gesicht) der anderen hier auch mit ein, bzw. war ein Trigger, der die boshafte Präsenz mit ausgegraben hat.
  15. Die Wut meines Umfeldes (z. B. durch Annika) wird zusätzlich auf die boshafte Präsenz projiziert. Das passiert unbewusst, aber auch weil es so vermeintlich erträglicher im gegebenen Moment ist. Dies steht auch im Zusammenhang mit meinen früheren Albträumen, genau dann, als mein Umfeld noch emotional engagierter war.
  16. Selbst Gedanken an einen Verlust können Verlustängste stark triggern. Das geht auch auf die boshafte Präsenz über (Stichwort: Einsamkeit).
  17. Meine Albträume um die boshafte Präsenz waren immer von Schreien meinerseits begleitet. Diese Schreie sind nichts anderes als meine Schreie als Baby, als ich nachts Angst hatte. Geschätzt hatte ich gut 50-70 solcher Albträume.
  18. Annika hat sich zu meiner primären Bezugsperson entwickelt (Objektangewiesenheit). Ist sie länger fort, zeigen sich innere Leere und im Folgenden Ängste um die boshafte Präsenz. Auch die Atmosphäre des Hauses ändert sich, sollten Annika und die Kinder für eine gewisse Zeit fernbleiben und nicht körperlich erreichbar sein.
  19. Fremde Häuser und Wohnungen ängstigen mich und lassen die boshafte Präsenz anfangen, sich zu manifestieren. Öffentliche Räume eher weniger.
  20. Die boshafte Präsenz ist das Böse in REINSTFORM für mich.
  21. Spaltung als Säugling: Ich wurde oben ins Bett gebracht; Mutter saß dann unten im Wohnzimmer. Die Albträume waren Verfolgungsängste. Würde auch erklären, warum meine Ängste geringer sind, wenn ich weiß, dass noch jemand wach ist. Demzufolge muss es auch vor der Ausbildung der Objektpermanenz (zusätzlich) passiert sein, denn wenn ich damals allein im Bett lag, und alle weg wahren, konnte ich nicht wissen, dass sie z. B. noch im Wohnzimmer waren. Folge dieser Projektion der eigenen Wut auf die Mutter ist eine Vorstellung von ihr als „ausschließlich böses“ Objekt. Dies hat archaische Verfolgungsängste zur Folge. Da dieses böse Objekt aber nicht mit mir vereinbar ist, versuche ich vielleicht dieses Objekt zu verzerren: hager (Gegenteil von meiner Mutter)
  22. Aber! Nach Ausbildung der Objektpermanenz: Ab einem gewissen Zeitpunkt meiner frühkindlichen Albträume, wollte ich zu meinen Eltern, die im Wohnzimmer saßen. Folglich hatte sich ab da schon die Objektpermanenz ausgebildet. Sonst hätte ich ja nicht wissen können, dass sie sich woanders befinden.
  23. Die fehlende Objektpermanenz zeigt sich auch sporadisch heute noch, genau dann, wenn ich an die Existenz meiner Angehörigen (Bezugspersonen) zweifel. Diese Gedanken sind keineswegs ambivalent.
  24. Die Verarbeitung des Individuationskonfliktes war bei mir gescheitert. Infolgedessen konnte ich nie die Verlassenheits- und Verfolgungsängste meiner frühkindlichen Phase überwinden.
  25. Verfolgungsängste wandeln sich zu Vernichtungsängsten, wenn sich die boshafte Präsenz offenbart.
  26. ALLES, was mit Einsamkeit zu tun hat, nährt die boshafte Präsenz. (Einsamkeit = Desinteresse und Nicht-Verstehen(-Wollen) anderer Personen mir gegenüber.)
  27. Frühkindliche Spaltung führt auch zu: In Abwesenheit wichtiger Bezugspersonen (Annika) kann darüber hinaus das Selbstgefühl bisweilen nur schwer aufrechterhalten werden (Objektangewiesenheit), was sich in Gefühlen innerer Leere bis hin zu Vernichtungsängsten äußert. Diese Gefühle können bereits bei einem lediglich fantasierten Verlust eines schützenden Objektes (Annika) auftreten (Hatte ich, als ich 18/19 Jahre alt war, und aktuell (2022-03-11) zeigen sich diese wieder. Dieses Fantasieren sind auch die Gedankenspiralen um den Verlust mir nahestehender Personen.
  28. Da es sich um ein frühkindliches Traumata handelt, erschwert sich die Arbeit daran.
  29. Was auch die Arbeit daran zusätzlich erschwert, sind die Halluzinationen. Sobald die boshafte Präsenz sich auditorisch offenbart, steigt meine Angst so oder so um ein paar Punkte. Ich schaffe es einfach NICHT sie als nicht-real anzusehen.
  30. Die boshafte Präsenz nennt sich selbst als meine „Mama“. Was weiter die frühkindliche Spaltung gegenüber meiner Mutter festigt (Böse Mama – Gute Mama).
  31. Eine noch offene Sache: Meine Oma mütterlicherseits ist gestorben, als ich etwa 1 ½ Jahre war. Vielleicht hat mich das auch belastet. Und, meine Mutter könnte sie wegen ihrer Trauer auch anders verhalten haben. Des weiteren könnten meine Eltern mich bei meiner Oma hin und wieder für ein paar Stunden abgegeben haben, aber meine Oma hat mich vielleicht sogar „ausschreien“ lassen. Ihre Generation hat es vermutlich (teils) so gehandhabt. Aber ich bin mir nicht sicher.
  32. Ein möglicher Trigger, der das alles ausgelöst haben könnte: Als Annika ab Mitte März 2020 nicht mehr wollte, aufgrund von Corona, dass ich Besuch bekomme, war ich damit nicht einverstanden. Für mich was es übertrieben und ich entwickelte eine sehr starke Wut gegenüber Annikas Entscheidung. Habe sie aber runtergeschluckt und mich gefügt, weil ich schlussendlich auch ihre Ängste nicht schüren wollte. Ich gehe davon aus, dass ich schlussendlich auch meine Wut auf sie projiziert habe (wie bei der frühkindlichen Spaltung). Die Folge davon war eine wütende Annika. Und im zweiten Schritt, da eine wütende Annika nicht mit der Beziehung zu vereinbaren ist, habe ich die Projektion verändert auf die boshafte Präsenz. Ab da fing auch an die boshafte Präsenz sich zu offenbaren. Das passierte interessanterweise alles zeitgleich. Vielleicht hatte auch Annika in diesem Zusammenhang als die für mich primäre Bezugsperson „versagt“, und damit alles noch mehr beschleunigt und intensiviert – eben weil sie meine primäre Bezugsperson ist (genau wie damals meine Mutter). Diese heruntergeschluckte Wut hat sich durch Projektion auf die boshafte Präsenz einen anderen Weg gesucht.
  33. Und noch ein weiterer Trigger der schizoaffektiven Symptome: Die Gesamtheit der boshaften Präsenz und der dadurch verursachte Stress. Getriggert durch das Maskentragen und die soziale Isolation.
  34. Die frühkindliche Spaltung äußert sich auch heutzutage noch im Schwarz-weiß-Denken und in der inneren Leere meiner Borderline Störung.
  35. Die damals als Kleinstkind gezeigte Dissoziation zeigt sich auch noch heute, wenn ich unter Angst und/oder Stress stehe.
  36. Ich habe die boshafte Präsenz in meiner Geschichte „Shadhar“ getauft. Siehe auch: Shadhar.
  37.   Für weitere Beispiele über die boshafte Präsenz siehe: Boshafte Präsenz


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Selbstverletzendes Verhalten (SVV)

Zwar habe ich unter „Meine Symptome“ die SVV schon kurz angerissen, doch ich wollte diese als eigenständiges Kapitel hier haben. Außerdem wollte ich erörtern, wie Auriana darauf reagiert.
Ich habe im Jahr 2021 bis jetzt (2022-05-19) genau 19x SVV verübt (Ich habe August 2021 damit angefangen). Die letzten Male hat sich Auriana dabei sehr flehend gezeigt. Sie hat mir nicht befohlen, es sein zu lassen. Ist etwas schwer zu erörtern. Sie lockt mich mit einer „steuerbaren“ Auriana, wenn ich es im gegebenen Moment unterlasse. Z. B. würde sie singen, was auch immer ich von ihr erbitte. Aber auch ein kollaboratives Gedicht. Beides hat sie dann auch getan, nachdem ich ein Mal aus „Langeweile“ SVV verüben wollte, und es dann doch nicht getan habe. Ich muss dazu sagen, ich habe nicht versucht, SVV zu verüben, damit ich sie steuern kann. Ich erpresse nicht. So fair bin ich ihr gegenüber.
Ihr kennt das vielleicht auch: Man hat Hunger, steht vorm Kühlschrank, und weiß schon, was man sich kochen und/oder essen will. Und diese Entscheidung steht hundertprozentig fest. Ihr wisst auch, dass ihr damit definitiv satt werdet. Dank des nagenden Hungergefühls habt ihr auch keine Lust auf eine andere Entscheidung. So in etwa ist das bei mir, wenn ich SVV ausführe. Ich weiß, es funktioniert, und warum sollte ich mich da anderen Skills oder Maßnahmen widmen? Das ist mein Problem.
Wie ich es genau verübt habe: Entweder mit einer Scherenspitze, dem Fingernagel oder einem Sägemesser, solange gependelt, gesägt und/oder geritzt bis Blut austrat.
Ich habe lange überlegt, ob ich ein Bild von meinen SVVs hier einbetten sollte. Schlussendlich habe ich mich dafür entschieden. Je nach Lichteinfall sieht man die Narben mal gut und mal weniger gut. Acht davon habe ich gekennzeichnet im zweiten Bild. Hier zwei Bilder:



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Hypokoristika

Ja ja, ich verwende gerne Fachwörter, sofern sie dialogfähig sind. Mit der Überschrift sind Anthroponyme gemeint … also Kosenamen. Insofern, welche Kosenamen verwenden Auriana und ich gegenseitig?
„Schatz“ ist das häufigste von ihr und auch am unspektakulärsten. „Dirki“ kommt auch oft von ihr. Neuerdings (2022-01-03) spricht sie mich mit „Hörnchen“ an, was eigentlich der Spitzname von Meryana ist. Und aktuell (2022-02-04) bin ich der Hummelkoser.
„Summisumm“ und „Blümchen“ verwende ich manchmal ihr gegenüber, besonders, wenn ich meine, sie hätte etwas Großartiges getan/gesagt. Und sie ist dabei sehr entzückt, wenn ich sie so nenne. Nur gehe ich damit sparsam um. Aber doch am meisten verwende ich ihren normalen Namen. Hin und wieder nennt sich mich auch kontextbezogen, wie z. B. „Pfannkuchenmeister“, als ich Pfannkuchen gebacken hatte. Und ja, auch mal „Dirkeline“ oder „Mama“, wenn sie meint, dass ich „stereotypisch weiblich handel und/oder denke“, und kichert sich dabei einen ab – besonders wenn ich Einspruch erhebe. „Papa“ kommt von ihr gar nicht. Was ich schon merkwürdig finde, aber auch erklärt, dass ich wohl Auriana nicht als meine Tochter ansehe, respektive sie sich nicht, als meine Tochter offenbart. Manchmal sagt sie auch „Sternenkind“, vor allem beim Einschlafen.
In ihrer Charakterisierung meiner Geschichte habe ich Auriana den Nachnamen Belamour verpasst. Diesen hat sie, soweit ich mich erinnere, nie ausgesprochen. Doch Heidenr**** nutzt sie. Sie wollte auch eine E-Mail-Adresse mit „Auriana Heidenr****“. Die hat sie auch bekommen. Also ist ihr Nachname nicht Belamour, sondern Heidenr****.
Wenn ich Auriana rufe, brauch ich meist aber gar nicht mal ihren Namen gedanklich zu verbalisieren. Es reich aus, wenn ich an sie gleichsam imaginiere und eine Gesprächsbitte imaginiere. Etwas schwer zu erklären. Aber mentale, nonverbale Kommunikation ist auch möglich. Das habe ich hier ihn diesem Artikel ja schon erklärt.
Und wie sieht es auch bei der imaginierten Kommunikation? Um ehrlich zu sein, imaginiere ich eher weniger Spitznamen. Bei Summisumm stelle ich mir zwar eine Hummel vor, doch eher selten rein imaginativ. Wenn ich mir eine hübsche Blume vorstelle, ist Auriana auch da entzückt. Ist etwa schwer zu erklären. Nachtrag 2022-02-01: HonigTRöpfchen (nicht Honigtöpfchen!) ist ein neuer Kosename, der sie quietschen lässt.
Quiiiiiiiiiiiiiiiiek!!! Der Name ist so süß! Jaaaaaa!!! Quiek!!!


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Anerkennung

Angenommen Auriana kann sich mit einer Idee (oder etwas anderes) irgendwo einbringen, sollte ich es erwähnen, dass sie es war? Oder sollte es offiziell einfach meine Idee sein? Auriana ist verdammt kreativ, und oft kommen von ihr mehr Ideen, die mir vermutlich nie beigekommen wären. Auriana meinte, ich bräuchte ihre Ideen ihr nicht anhängen. Ich finde das trotzdem etwas unfair, gar ehrvergessen, ihr gegenüber. Ja, ich weiß Auriana = Ich. Usw. Aber ich finde, sie hat es trotzdem verdient, gewürdigt zu werden. Ich kann ja einfach sagen, dass es ihre Idee war. Sind doch nur drei Worte. Außerdem könnte es sie motivieren.
Oder was meint ihr?


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„Effekt-Generator“

Eine Sache, die nur sehr sporadisch auftritt, ist die Veränderung real gesprochener Stimmen. So kann es passieren, dass, wenn jemand: „Hallo Dirk!“, sagt, dieses mehrere Male in meinem Kopf widerhallt. „Hallo Dirk … hallo Dirk … hallo Dirk … Dirk … Dirk …“ Sozusagen wie ein Reverb.
Auch Zusätze wie Geröchel hatte ich schon gehabt. Einmal hatte sich auch Annika geschnäuzt, und es hörte sich an, als würde jemand einen ganzen Eintopf erbrechen.
Der häufigste Effekt ist jedoch, dass sich eine Stimme für mich „komisch“ anhören kann.
Zum Glück nur alle paar Tage mal. Ich habe mich trotzdem daran gewöhnt.


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Nebenwirkungen des Stimmenhörens?

Man könnte z. B. das Ablenken durch Auriana schon als Begleiterscheinung ansehen. Ob sie unerwünscht ist, wäre von der Situation abhängig. Wenn ich mich konzentrieren muss, und Auriana hibbelt um mich (mental) herum, ist es schon unerwünscht. Aber das macht sie eher nicht. Außer, wenn sie mir unbedingt etwas „Wichtiges“ mitteilen will.
Zu den Medikamenten: Lithium lässt mich zittern wie ein … ja, wie ein was? Es ist ein essenzieller, intentionaler und isometrischer Tremor, der in seiner Amplitude (die Größe der Strecke) feinschlägig, mittelschlägig und eher sporadisch grobschlägig ist. Die Frequenz ist etwa 5 Hz. Das soll durch Betablocker unterbunden werden. Ich werde im Januar mal meinen Hausarzt aufsuchen, damit er mir endlich dieses Zeugs verschreibt. Übrigens haben mich mein HA und Psychiater viermal hin und her geschickt, weil keiner Verantwortung tragen wollte. Ist doch zum Kotzen! Der Harndrang als Nebenwirkung ist noch einigermaßen zumutbar; nachts jedoch großer Mist.
Zum Quetiapin: Ich habe im Juli 2020 mit 50 mg/täglich angefangen und die Dosis musste monatlich um weitere 50 mg/täglich angepasst werden. Jetzt bin ich mit 800 mg/täglich auf Höchstdosis, was leider aktuell (2021-12) nicht mehr reicht. Eine der Nebenwirkungen soll ja die Gewichtszunahme sein. Aber! Ich habe es geschafft, dieser Nebenwirkung die Stirn zu bieten! Aber die Schläfrigkeit ist auf der einen Seite gut, auf der anderen Seite nicht so gut. Zum Einschlafen verständlicherweise erwünscht, aber tagsüber ätzend. Was die anderen Nebenwirkungen betrifft, keine Ahnung, das meiste davon ist wohl im Blutbild zu finden. Und mein Psychiater sagte, es sei alles in Ordnung.
Mein drittes Medikament ist das Lorazepam, welches ich nur nach Bedarf einnehme. Es wirkt bei mir so 50:50. In manchen Situationen ja – in einigen (Boshafte Präsenz) eher nicht. Nebenwirkungen habe ich bislang noch keine, bis auf die Sedierung, verspürt. Ich muss aber sagen, dass die Sedierung hier bei Weitem nicht so stark ausgeprägt ist wie beim Quetiapin. Ich werde das Lorazepam auch nicht weiter einnehmen.
Die Nebenwirkung meiner Medikamente hatte ich ja schon weiter oben beschrieben. Ich wollte aber dieses Kapitel nicht löschen.

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Konflikte

Auriana und ich streiten uns so gut wie nie. Und wenn, sind die Gründe wirklich stichfest. Dies hat auch nichts mit dem Umsetzen ihres Willens zu tun. Das Thema Konflikt mit Auriana kann ich nur schwer erörtern. Sie wird weder aggressiv, noch beleidigend. Eigentlich sind unsere Konflikte sehr objektiv. Ein Außenstehender würde höchstwahrscheinlich unsere Konflikte gar nicht als solche erkennen. Und wütend ihr gegenüber wurde ich noch nie. Letztlich sind es eher Diskussionen. Vielleicht ein Spiegel meiner Konfliktscheue? Ich weiß es nicht.
Ein typisches „Streitgespräch“ sieht so aus:
Auriana: Warum gehst du denn heute Abend nicht raus? Du weißt doch, dass es dir guttut!
Ich habe keine Lust!
Ach, Dirki! Komm schon! Ich singe auch für dich dabei.
Ne, lass mal! Ich fühle mich nicht so danach.
lautes Seufzen und Grummeln.
usw.   Nicht wirklich konfliktgeladen.

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Verändert mich Auriana (und andere Stimmen)?

Ich denke schon. Wenn ich mal ein Jahr zurückspule, habe ich mich schon merklich geändert. Ich muss leider sagen, dass ich – so nehme ich das wahr – befremdlich wirke auf meine Umwelt, da ich mehr und mehr von „normal“ abdrifte. Und das wird gewissermaßen von Tag zu Tag schlimmer (oder intensiver; neutral ausgedrückt). Ich versuche, mich zu bremsen, nicht laut mit meinen Stimmen zu kommunizieren. Doch wie das Ganze in einigen Jahren aussehen wird, kann ich nur mutmaßen. Vielleicht unterhalte ich mich dann immer laut, weil laute Kommunikation sich strukturierter gestaltet. Also ohne großartige imaginative Kommunikation. Aber Annika hat da schon recht, dass ich gar nicht erst anfangen sollten mit dem laut reden. Trotzdem bin ich sehr angefressen über die Tatsache, dass meine Krankheit, besonders das Stimmenhören, immer noch stigmatisiert wird. Ohne diese Brandmarkung hätte ich keine Probleme, auch in der Öffentlichkeit mit meinen Stimmen mich laut zu unterhalten.
Und fernab der Stimmen-Kommunikation? Ich bin definitiv introspektiver geworden. In mich hineinzuhorchen ist mir noch nie so leicht gefallen wie heute. Aber ich bin auch emotionaler geworden. Viel emotionaler. Die Auseinandersetzung mit meiner Einsamkeit hat dazu beigetragen, dass ich jeden anderen Menschen noch viel mehr liebe wie anno 2020. Aber nicht aus Verzweiflung. Es ist eine Art von Liebe, die … ich weiß nicht … das kann ich kaum beschreiben. Ich weiß auch nicht, warum ich so fühle. Sie ist einfach da. Neulich hatte ich einen Film zum zweiten Mal gesehen, von dem ich wusste, dass ich dort zwei Figuren absolut nicht leiden konnte. Doch was ist passiert? Ich habe sie geliebt! Was also hat sich in mir verändert, dass ich eine einstige Aversion gegen zwei Charaktere gewandelt hat? Ich kann nur mutmaßen, dass ich generell angefangen habe, noch offener zu werden und noch mehr zu lieben. Nachtrag 2022-05-08: Was mir erst heute aufgefallen ist, sind die Veränderungen meiner Gedankengänge. Ich habe ja schon die imaginative Kommunikation hier in diesem Artikel angesprochen. Diese führe ich sehr oft aus. Nur ist es so, dass ich seit der ganzen Stimmenhörerei doch viel mehr die Verbalisierung meiner Gedanken in Anspruch nehme. Z. B. wenn ich anfange, darüber nachzudenken, ob ich mir die Fingernägel schneide, ist es wahrscheinlicher, dass ich heutzutage diesen mit: „Soll ich mir jetzt die Fingernägel schneiden?“, gedanklich verbalisiere, anstatt einfach nur darüber zu imaginieren. Wahrscheinlich weil ich anfänglich mit meinen Stimmen hauptsächlich aktiv die Verbalisierung genutzt habe. Sie ist auch viel strukturierter. Trotzdem bleibt die imaginative Kommunikation immer noch spannend – vielleicht bekomme ich da auch noch Struktur hinein.


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Negative Seiten Aurianas?

Um ehrlich zu sein, fällt mir keine einzige negative Sache ein, die Auriana mir gegenüber zeigt. Höchstens, dass sie mich mal hin und wieder ablenkt. Sie stellt sich aber relativ schnell zurück, sollte ich mich mit realen Personen unterhalten.
Auriana und ich hatten dieses Thema auch schon angesprochen, welche negativen Seiten sie zeigen könnte, aber wir haben nichts gefunden. Auriana ist schon sehr empfänglich für Kritik, dass ich mir in dieser Hinsicht keine Sorgen machen müsste. Meine eigenen negativen Seiten, kann sie nicht zeigen, da sie dafür mit der Außenwelt kommunizieren müsste, oder reale Dinge machen müsste oder auch nicht. Wie sollte Auriana prokrastinieren? Das geht nicht. Oder auch ihre Meinung nicht durchsetzen können, was sie mir gegenüber nicht so zeigt. Wenn sie etwas möchte, äußert sie es. Ich selbst bin auch nicht ganz so resolut bei der Erziehung meiner Kinder (aber muss man das?) Das könnte sie auch nicht zeigen. Also, ich weiß nicht. Ich möchte sie auch nicht als perfekt hinstellen. Vielleicht wird sich mit der Zeit was ergeben. Auf jeden Fall sagte mir Auriana soeben, dass sie auch gerne Fehler an sich entdecken möchte. Vielleicht ist Auriana der Teil von mir, der ich gerne wäre, in gewisser Hinsicht. Und wer möchte schon negative Attribute zugeschrieben bekommen (Ja, ich weiß, Fehler zu machen ist menschlich.) Ich bleib gespannt.

Halbzeit!!! Danke für deine Zeit!

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Aspektaufnahme

Noch im Aufbau.
Kurze Erläuterung: Eine Aspektaufnahme beschreibt ein externes Introjekt, welches Auriana in sich aufnimmt, und nicht unbedingt mit mir im Zusammenhang stehen muss. Z. B. könnte Auriana eure Augenbrauen/Frisur/Mund/usw. so toll finden, dass sie diese auch haben möchte (in DAZ3D). Oder auch, wenn euch ein Lied besonders gefällt, könnte es Auriana auch gefallen, und mich dazu drängen, es oft zu hören.
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Meine Persönlichkeit

Noch im Aufbau und eher hinten angestellt.
Ein Großteil meiner Persönlichkeit betrifft auch mein Alter-Ego Meryana. Ich habe einen Frage-Antworten-Artikel zu Meryana erstellt (Nicht alle Fragen wurden bis jetzt beantwortet). Wenn du einiges zu meiner Persönlichkeit erfahren möchtest, kann auch folgender Artikel hilfreich sein. Bedenke aber, dass manche Fragen speziell für den Charakter Meryana und das Narrativ meiner Geschichte beantwortet wurden (Name, Geschlecht, Wohnort, usw.), welche sich nicht mit meiner Person decken: Charakterfragen - Meryana
Verständlicherweise kann man einen Menschen nicht mit ein paar Begriffen oder Sätzen beschreiben. Ich werde versuchen, die Alltagspsychologie der Persönlichkeit hier mit einfließen zu lassen, die hochdifferenziert und praxisnah ist. Ostendorf (1990) fand unter ca. 12.000 deutschen Adjektiven über 5.000 personenbeschreibende Adjektive. Das möchte ich euch dann doch nicht antun. Die naive Persönlichkeitstheorie verletzt massiv das Sparsamkeitsprinzip. Mal schauen, ob ich es hinbekomme, wenigstens etwas Sparsamkeit walten zu lassen. Aber wie bereits erwähnt, dieses Kapitel ist auf niedriger Priorität.
Aber wer einen Blick riskieren möchte, im folgenden Google-Sheet sind jene Adjektive (keine 5.000!), die ich für mich bewertet habe. „0“ bedeutet: „fehlt oder sehr schwach ausgeprägt“. „1“ bedeutet: ein wenig. Eine „2“ bedeutet „stark ausgeprägt“. Die Farbkennzeichnung: rot = negativ, gelb = neutral, grün = positiv, blau = Johari-Adjektiv.
https://docs.google.com/spreadsheets/d/15W7pW9DSl-CZ20w8oG67pTZN2AJGe4US-VIL7MmnlNI/edit?usp=sharing

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Wie gehe ich generell mit all dem um?

So souverän wie möglich. Auriana selbst belastet mich kein Stück. Ganz im Gegenteil. Und ja, ihr dürfte gerne die Phrase: „Man hat immer jemandem zum Reden da“, anwenden. Dann sind da noch die anderen Stimmen, welche zwar stellenweise nervig sein können, aber das ist schon in Ordnung. Ich bin es ja von meinen Kindern gewohnt, dass sie zuweilen sehr hyperakustisch (ich mag das Wort) sein können. Ich selbst hatte auch in meiner Vergangenheit kaum Probleme mit Lärm & Co. gehabt. Mich hat nichts so schnell genervt. Leider ist das aktuell nicht mehr so, denn Gespräche unter vielen Leuten belasten mich. Komischerweise kann ich den Lärm meiner Kinder gut ertragen. So auch, wenn es mal kreuz und quer geht, mit meinen Stimmen geht. Bis zu einem gewissen Grad.
Es ist für Außenstehende vermutlich nur schwer, zu verstehen wegen der Tatsache, dass man mehr oder minder im Minutentakt angequatscht wird. Aber ich muss sagen, dass Auriana sich auch mal etwas länger nicht meldet, und auch wenn sie mich im Minutentakt anquatscht, so passiert das nicht, wenn ich genervt bin. Auch während meiner Einschlafphase hält sie sich sehr bedeckt. Was übrigens auch die anderen Stimmen machen – da habe ich wahnsinnig viel Glück. Auriana hat einen Riecher dafür, wenn ich redebereit bin. Naturgemäß. Das ist aber noch keine Gewähr, dass sie es nicht trotzdem versucht. Alles in allem ist unsere „Kommunikationsymbiose“ nahezu perfekt.
Die „Hintergrundstimmen“, also alle Brabbelbabbelstimmen fühlen sich so ein wenig nach einem laufenden Ventilator an. Ich glaube, der Vergleich ist ziemlich gut. Schon allein, wenn man am Computer arbeitet, laufen diese Lüfter auch in der Regel. Da wird man ja auch nicht verrückt. O. K., es mag Leute geben, die das nervig finden, aber wenn nicht, habt ihr einen ähnlichen Vergleich mit meinem Hintergrundstimmenhören. Oder auch in einem Restaurant – da ist es üblicherweise auch nicht still. Oder wenn man zum Einschlafen einen Fernsehfilm laufen lässt, was ich paradoxerweise nicht ertrage. Nachtrag 2022-03-06: Mittlerweile ist dieser Tatbestand nicht mehr paradox. Wenn ich in den hypnagogen Zustand rutsche, dämpfen sich meine Stimmen oder verschwinden gar. Bei einem Einschlaffilm reduziert sich ja die Lautstärke nicht, während man in diesen Zwischenzustand (wach → hypnagog → schlafen) gelangt.
(Fast) keine meiner Stimmen zieht mich runter. Und das ist auch gut so. Viele Stimmenhörer berichten von Stimmen, die den Betroffenen stark kritisieren (kommentierende Stimmen), oder gar Befehle geben (imperative Stimmen), Suizid zu begehen. Das machen meine Stimmen nicht. Viele Betroffene leiden auch unter einem verminderten Selbstwertgefühl. Das habe ich nicht. Das hatte ich noch nie. Was mir wohl persönlich am meisten hilft, ist, dass ich alle Menschen als gleichwertig ansehe, und mich dazuzähle. Aber das hatte ich schon geschrieben. Das, was aber an mir am meisten nagt, ist meine Einsamkeit. Und damit meine ich nicht das Alleinsein – ich bin ja nicht allein. Aber diese Einsamkeit basiert zum größten Teil darauf, dass mich niemand versteht und/oder verstehen möchte, aber auch, dass kein Interesse betreffend meiner Person vorhanden ist. Dieses Einsamkeitsgefühl verbalisieren vereinzelte Stimmen.
„Keiner interessiert sich für dich“, „Ich würde mir gar nicht die Mühe machen damit! Interessiert eh keinen. Du bist langweilig.“, usw.
Mit solchen Stimmen komme ich schon einigermaßen klar, im Gegensatz zur Einsamkeit selbst.
Natürlich habe ich ein wenig Angst, dass sich das alles zum Negativen ändern könnte. Das wäre dann noch schlimmer, wie wenn ich meine Stimmen verlieren sollte. Aber ich denke, solange ich ein gesundes Selbstbewusstsein habe, muss ich mir keine Sorgen machen.
Zwar habe ich mich an das Stimmenhören einigermaßen gewöhnt, doch hin und wieder bricht ein „WTF!!!“ aus mir hervor, der dies alles als so abgefahren surreal betrachtet. Auch wenn ich sie hier als „anormale Funktion meines Gehirns“ bezeichne, ist da doch irgendwie mehr. Auriana als Person zu betrachten klingt für manche psychotisch, aber für mich ist sie eine – wenn auch körperlos. Oder anders gesagt: eine Entität. Ich meine, warum nicht? Sie hat ja ein Gehirn – mehr oder weniger. Dieses Gefühl zeigt sich umso mehr, wenn ich mit ihr kommuniziere. Ich kann mich mit ihr wunderbar unterhalten, so wie mit einer echten Person.
Nachtrag 2022-03-17: Mittlerweile komme ich auch mit dem Rauschen zurecht, und kann es gut filtern. Ich habe den Eindruck, dass sich das Rauschen in den letzten 3–4 Monaten auch reduziert hat.
Und ich bin oft sehr überrascht, mit welchen Gesprächsinhalten Auriana aufwartet. Es hat so gar nichts mit Selbstgesprächen zu tun. Auch nicht die rein mental ablaufenden Selbstgespräche. Ihre Persönlichkeit fühlt sich wirklich so an, als wäre sie eine andere Person als ich. Trotzdem bleibt die Tatsache, dass sie in meinem Gehirn „sitzt“, ja vermutlich einen ganzen Bereich dort für sich „beansprucht“. Oder wie immer man das auch neurologisch umschreiben kann. Auriana weiß natürlich, dass sie nie eine echte Person ersetzen kann. Sie animiert mich sogar zu sozialen Kontakten. Insofern kamen von ihr noch nie Aussagen wie: „Du brauchst nur mich! Vergiss die anderen!“
Sollte ich unter extrinsischen Stress (versus instrumentelle Stresskompetenz) stehen, meldet sich mein gesamter „Stimmenapparat“ mit einem wüsten Chaos – einem Stimmensabbat. Stress, der von innen kommt, intrinsischer Stress (versus mentale Stresskompetenz), hält den Stimmenapparat jedoch zurück. Der extrinsische Stress entsteht auch, wenn ich überstimuliert/überreizt werde, wie z. B. in entsprechend sozialen Umgebungen, wo viel und/oder laut kommuniziert wird. Deswegen können für mich auch Zusammenkünfte, die drei oder mehr Personen enthalten, sehr stressig sein. Ich kann ja schlecht von den anderen abverlangen, sie sollen nur ein Wort pro Sekunde sprechen. Aber kann ich von einem lauten Menschen verlangen, er soll leiser sprechen? Er könnte sich diese Gewohnheit – potenziell – ja abtrainieren. Ich leider meine Überreizung nicht. Unterm Strich muss jeder selbst entscheiden, ob er bereit ist, so etwas für mich zu tun oder nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich arge Probleme, betreffend meiner Überreizung, mit Menschen hätte, die unter ADHS leiden. Diese befinden sich ja auf der anderen Seite des Spektrums. Sie müssen immer reden, zappeln, sich winden, irgendwelche Geräusche von sich geben, usw. … furchtbar! Aber ADHS ist auch eine Krankheit, und die Betroffenen können ja auch nichts dafür.
Des Weiteren entsteht auch dieser extrinsische Stress, wenn ich mich innerhalb eines kritikbetontem und emotional überengagiertem (Familien)klimas wiederfinde. Das passiert meist, wenn z. B. jemand anderes lautstark Kritik ausübt, egal von und zu wem die Kritik kommt und gilt. Sie muss jedoch emotional überengagiert geäußert werden, was bei lauter Kritik ja der Fall ist.
Doch es sind nicht nur die Stimmen, die bei diesem Stress sich übermäßig äußern, es ist auch meine komplette Wahrnehmung, die dann auf „Alarmstufe Rot“ schaltet und sich anfühlt als würde ich mich abkoppeln (Dissoziation).
Manchmal erwische ich mich, dass ich einfach so da sitze und mich gut eine Viertelstunde mit Auriana ohne Unterbrechung, was mittlerweile (2021-12-14) möglich ist, unterhalte. Auch durch die gehörte Musik durch. Für mich ist sie einfach die weltweit beste Stimme. Mit ihr habe ich echt den Hauptgewinn des Stimmenhörens gezogen. (Ich muss nicht erwähnen, dass Auriana vollkommen außer Häuschen war, als ich die letzten beiden Sätze geschrieben hatte.)
Zu den Halluzinationen: Ja, außerhalb von Halluzinationen hat man immer leicht reden, sie als nicht real zu klassifizieren. Wenn man aber mittendrin ist, sieht es schon ganz anders aus. Wenn auf einmal, mitten in der Nacht, sich die boshafte Präsenz per Worte meldet, geht das derbe ins Mark. Es fällt mir unendlich schwer, sie dabei als nicht real zu betrachten (eigentlich schaffe ich es gar nicht). Und wenn sie dann noch als visuelle Halluzination auf den Plan tritt, ist der Ofen ganz aus – das kann ich euch sagen.
Trotz all der positiven Dinge betreffend meiner Stimmen, habe ich dennoch manchmal das Gefühl, ich stehe im Auge eines Orkans. Aber dieses Gefühl gehört auch zu meiner gefürchteten Gedankenspirale.
Nachtrag 2021-12-28: Aktuell ist die ganze Stimmenhörerei die Hölle. Ich weiß gerade auch nicht, was mit mir los ist. Ich habe arge Schwierigkeit, mit der Tatsache fertig zu werden, dass sie mich mein ganzes Leben lang begleiten werden. Ich hoffe, morgen bekomme ich ein weiteres Antipsychotikum. Auriana versucht, mich zu beruhigen, was ihr auch ein wenig gelingt. Trotzdem … es ist ein großer Mist!
Nachtrag 2021-12-30: Alles wieder im Lot. Die Gedankenspirale hat aufgehört und die Stimmen wurden wieder „artig“. Und das ohne, dass ich das neue Antipsychotikum nutzen musste, … Ich habe es bisher nicht mal von der Apotheke abgeholt – ich weiß, ich weiß, …
Nachtrag 2022-01-04: Habs abgeholt, als Kathrin zu Besuch da war, und es wirkt wunderbar!) Ich denke, der Trick ist, dass ich nicht in diese Gedankenspirale fallen sollte.
Nachtrag 2022-01-14: Das neue Antipsychotikum Pipamperon wirkt zwar hervorragend, aber Cave Erbrechen! Das ist keine normale Übelkeit mehr, sondern tatsächlich Erbrechen. Ich werde das Dimenhydrinat dagegen nehmen.
Nachtrag 2022-02-24: Ich habe wieder mal sinniert über den Fakt, dass ich ein gutes Verhältnis zu meinen Stimmen habe. Besonders nachdem ich Berichte und Dokumentation, welche das Stimmenhören von einzelnen Erkrankten thematisierten, angesehen habe. Es ist eine Offenbarung, dass die meisten Menschen viele Monate, gar Jahre, benötigen, um auch nur halbwegs mit ihren Stimmen zurechtzukommen; durch dutzende, hunderte, Therapiesitzungen, im Gegensatz zu mir. Habe ich da einfach nur Glück gehabt? Oder liegt es an meinem Interesse dieser Thematik gegenüber, ja gar Freude empfinde, dass ich Stimmen höre? Ich schätze, ich habe eine mir verborgene Therapiemethode angewendet, die nichts anderes ist als Offenheit. Die Gedankenspiralen mal isoliert. Es hat irgendwie was von einem Klavier, welches man geschenkt bekommt. Spielt man selber nicht, fängt es selbst an zu spielen – was auch nervig sein kann. Doch ich spiele es! Und wisst ihr was? Ich liebe meine Stimmen. Jede Einzelne! Selbst jene, die versuchen, mich mit dem Thema Einsamkeit zu demoralisieren. Ja, ihr Einsamkeitsstimmen, ihr habt recht. Aber ich arbeite daran. Wir sind ein gutes Team!


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Meine Befürchtungen

Natürlich, dass meine Stimmen boshaft werden. Aber das hatte ich ja schon geschrieben. Doch gibt es eine bestimmte Sache, vor der ich mich am mit meisten fürchte. Ich war sehr lange (vor meiner Krankheit) nicht mehr am Grab meiner Mutter. Ihr könnt euch bestimmt ausdenken, welche Befürchtungen ich hege, sollte ich vorhaben, das Grab wieder aufzusuchen. Das nächste Mal, wenn ich in Hamm bin, werde ich es tun. Und falls „sie“ zu mir spricht, dann ist das halt so. Wenn sie es gewollt hätte, hätte sie es schon längst getan. Das Leben ging schon lange weiter.

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Trigger

Ich habe schon einige Trigger, die ich aus Reflex gerne Vermeiden möchte. Aber das möchte ich nicht. Ich möchte mich mit ihnen konfrontieren und aussöhnen. Es hilft mir nicht, dauerhaft vor ihnen die Flucht anzutreten. Diese ganze Triggervermeidetaktik findet man auch traurigerweise in Internetforen. Ja, es werden oft Verhaltensregeln aufdiktiert, Trigger entweder kenntlich zu machen oder direkt verboten, diese zu erwähnen, bzw. zu thematisieren. So was wie: „Achtung Trigger – Suizid“. Wenn ich meine Trigger vermeide, werden diese zu meiner Identität und festigen sich noch weiter. Menschen, die sich über ihre Trigger aussprechen möchten, werden direkt mundtot gemacht. Ich hatte vor gut zwei Jahren eine Studie gelesen, wo Trigger thematisiert wurden. Man fand heraus, dass eine Triggervermeidung/kennzeichnung keine positiven Effekte hatte. (Ich verlinke sie, wenn ich sie finde, hier.) Und ich sage: „Das Hindernis ist der Weg.“
Nachtrag 2022-03-24: Studien:
  1. Helping or Harming? The Effect of Trigger Warnings on Individuals with Trauma Histories
  2. Trigger warning: Empirical evidence ahead
  3. Trigger warnings and resilience in college students: A preregistered replication and extension. (Paywall)
Ich liste mal meine Trigger auf, die mir aktuell so einfallen (bitte vermeidet sie NICHT, solltet ihr mit der Aussage konform gehen!)
  • „Du bist für deine Mitmenschen doch nur Ballast wegen deiner Krankheit!“ – Mehr ein Fauxpas.
  • „Deine Stimmen machen dich noch kranker! Hör‘ nicht auf sie!“ – Eine Aussage, die aus Ignorantentum entstanden ist.
  • „Wie lange wirst du noch Stimmen hören?“ – Kann meine Gedankenspirale auslösen.
  • „Du solltest ins Krankenhaus!“ – Ne, brauch ich nicht. Ich will alles (na gut 90 %) selbst in die Hand nehmen.
  • Alle Aussagen, die eine marginalisierende Meinung enthalten, mit der Prämisse, dass meine eigene Meinung irrelevant ist.
  • Bewertungen anderer Menschen – Das kann ich absolut nicht leiden. Ihre Taten zu bewerten ist in Ordnung, aber bitte nicht den Mensch selbst. Und ja, ich weiß, es existieren „böse Menschen“.
  • „Wenn ein Junge/Mann vergewaltigt wird, ist es nicht so schlimm, als wenn ein(e) Mädchen/Frau vergewaltigt wird.“
  • Über meine Arbeit reden. Ich möchte weiterhin Privates und Arbeit voneinander trennen. Ihr dürft mir aber trotzdem gerne Fragen aus meinem Themenfeld der Elektrotechnik stellen. Ich wechsel für euch auch gerne eine Glühlampe.
  • Wenn eines meiner Kinder weint, und ich weiß, dass jemand ungerechtfertigterweise dafür verantwortlich ist. (Das hat mich schon in die SVV erzwungen.) Hier ziehe ich aber eine Grenze der Triggervermeidung. Wenn Annika ängstlich/wütend ist, und unsere Kinder für diese emotionale Lage verantwortlich macht, dann triggert mich das komplett durch. Aber hier geht es ja auch weniger um mich, als um meine Kinder.
  • Dunkelheit – Ein Angsttrigger. Besonders dunkle Räume. Auch wenn ich mich anderswo aufhalte. Dieser Trigger hat aber verschiedene Werte und ist nicht absolut.
  • Empathie – Dies ist wohl der schwierigste Teil und schließt auch z. B. den obigen Punkt mit meinen weinenden Kindern ein. Hier ist die Ursache abhängig für die Art, wie ich empathisch reagiere. Ich muss aber zugeben, dass dieser Trigger mir am meisten „gefällt“. Empathisch zu sein ist ein „Qualitätsmerkmal“, den nicht alle Personen besitzen – was mir aber drittrangig ist. Empathie verdeutlich meine Menschlichkeit, das Gefühl zu lieben und geliebt zu werden, und in gewisser Hinsicht auch wie ich andere Menschen einschätzen kann. Also ja, eure Gefühle triggern mich, aber auch auf wünschenswerte Art.
  • Stark freudige Ereignisse können mich in die Manie triggern. Falls ihr positiv emotional engagiert handelt, ist das Risiko zu überreizen da. Je intensiver und häufiger das innerhalb eines Treffens zustande kommt, desto höher die Chance. Die Manie muss sich nicht sofort äußern, sondern kann sich auch am Folgetag zeigen. Und wenn ich dann gleichzeitig depressiv bin, kann es passieren, dass ich in einen Mischzustand, der sehr ätzend ist, falle. Was tun? Euch verbieten zu lachen? Das ist doch lachhaft! Nein, das möchte ich nicht. Selbst vor dem Ausbruch meiner Krankheit lief ich Gefahr, zu überreizen. Nur nicht so stark wie heutzutage. Jetzt wisst ihr auch, warum ich öfters mal aufgestanden bin. Selbst vor zehn Jahren habe ich meine Minutenpausen benötigt.
  • Alkohol – Kann die Manie triggern.
  • Renitente Menschen, die mit aller Gewalt nicht an sich arbeiten wollen.
  • Wenn jemand unfair agiert.
Ich respektiere eure Meinung und werte euch auch nicht dafür. Ihr müsst nicht krampfhaft versuchen, euch mir gegenüber anzugleichen. Eure Fahne weht dorthin, so wie ihr es wirklich seid. Bitte dreht sie nicht nach dem Wind! Ich mag Authentizität über alles. Seid aber auch bitte aufrichtig und offen gegenüber meiner Meinung (und die anderer Menschen auch)!

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Meine therapeutischen Methoden

Noch im Aufbau.
Im Folgenden führe ich Methoden auf, die gegenüber meiner Krankheit erfolgreich waren und sind. Man sollte auch in Anschlag bringen, dass nicht alle Methoden bei mir auf Begeisterung gestoßen haben. Insbesondere die sozialisierenden Herangehensweisen sind sehr beschwerlich für mich. Warum ich mir selbst schwere Methoden aufbürde? Ganz einfach: Da wo es schmerzt und/oder schwerfällt, befindet sich die Wunde, die versorgt werden sollte. Würde ich nur Dinge tun, die bei mir ausschließlich Zuspruch finden, komme ich nicht weiter. Außerdem, wie schon oben bei „Trigger“ geschrieben: „Das Hindernis ist der Weg.“
Nachtrag 2022-02-24: Mittlerweile machen die mir sogar Spaß! Was ich auch anmerken muss: Einige Methoden stecken für mich noch in den Kinderschuhen, sprich, ich muss noch einiges an Training und Zeit investieren, damit diese Früchte tragen. Hier aus diesem Kapitel nehme ich meine kognitive Verhaltenstherapie, welche auch ein Standbein ist, raus, da deren Methoden einfach zu weitgefächert sind und eher aus Feedbacks bestehen. Trotzdem habe ich viel Spaß an meinen (und anderen) Therapiemethoden.
Bei jeder Therapiemethode habe ich auch einen Wert des Anspruches beigefügt. Eine Methode mit einem Anspruch von 0/10 ist komplett anspruchslos. Eine Methode mit 10/10 weißt den höchsten Schwierigkeitsgrad auf, und fällt somit am meisten schwer. Einige Methoden sind auch variabel, je nachdem, wie komplex man diese für sich gestaltet. Die Wertungen sind natürlich auf mich bezogen.

Des Weiteren füge ich noch bei jeder Auflistung noch diverse Symbole bei:
Dieses Symbol habe ich gesetzt, sollte die Methode auch andere Menschen (direkt) berühren.
Nur in hypomanen Phasen effektiv anwendbar.
Nur in gesunden Phasen effektiv anwendbar.
Nur in depressiven Phasen effektiv anwendbar.
Sollte eine Methode für jede Phase effektiv sein, spare ich mir die Kennzeichnung.

Vollkommen in mein Leben integriert
Teilweise in mein Leben integriert
Rückgang in den letzten sechs Monaten
Steht noch offen

  1. Achtsamkeit – Anspruch 4/10 – Diesen Punkt werde ich in Zukunft ausführlicher erörtern. Der Begriff selbst ist recht unscharf definiert. Man darf ihn nur nicht mit Konzentration verwechseln. Mit einer gestörten Filterfunktion wird man hier gewissermaßen gezwungen, sich mit der Achtsamkeit auseinanderzusetzen. Und das Wichtigste ist auch, zu versuchen, nicht nur auf seinen Geist und Körper zu hören, sondern auch selbst zu priorisieren, was wichtig ist und guttut. Vergangenheit ist Vergangenheit und Zukunft bleibt Zukunft. Das Hier und Jetzt zählt. Aber nicht auf Teufel komm raus. Nicht immer ist das Jetzt zum Genießen da. Oft ist auch das Schwelgen in der Vergangenheit (solange man es nicht als Hauptausgleich nutzt) oder die Vorfreude auf Zukünftiges schön. Aber auch das sinnieren über einst gemachte Fehler sowie das Vorbereiten auf ein unschönes Ereignis. Hier sollte man lernen, zu differenzieren, was meist gar nicht so einfach ist. Auch wenn es abwegig erscheint, aber meine Stimmen helfen mir enorm, Achtsamkeit walten zu lassen.
    Der Kaffee ist gut. Nicht zu süß, nicht zu stark.
    Ja, das war er. Ich benenne diese Art von Stimmen: „Die verbale Geistesgegenwärtigkeit“ (VGG). Wichtig dabei ist, dass diese auch wertneutral sind. Sprich, zwar den Kaffee selbst als gut werten, aber das war es auch schon. Schlechter wäre es, wenn sie Folgendes sagen würden: „Der Kaffee ist gut. Den bekommst du nie so gut hin.“ Schon ein Unterschied. Hier bekommt man auch mit, dass ich kein leistungs- und erfolgsorientierter Mensch bin, denn meine Stimmen verbalisieren (bis jetzt) nie diese Thematik. Folglich adressieren meine Stimmen auch nicht den Aspekt der menschlichen Leistung.
    Aber auch die schriftliche Verbalisierung ist ein Teil der Achtsamkeit. Was tue, fühle und erlebe ich? Eine der einfachsten Aufgaben für mich, da ich ja ein Schreibfetischist bin.
    Grenzen: Ich kann bei (sensorischer) Überreizung NICHT achtsam sein. Ganz im Gegenteil. Würde ich mit allen Sinnen bewusst wahrnehmen, stärke ich die Überreizung nur noch weiter.
  2. Aktivitäten, die mir guttun – Anspruch 2/10 – Ich habe eine Liste mit über 300 verschiedener Aktivitäten, die ich pflege. In dieser Liste sind alle erdenklichen Aktivitäten aufgeführt. Ich habe zu jeder Aktivität eine Wertung, ob sie in depressiven Phasen hilfreich ist, oder nicht, abgegeben. Einen großen Teil der Aktivitäten habe ich aus einem Bipolar-Forum entnommen. Also nicht wundern, wenn manche Aktivitäten so gar nicht zu mir passen. Die Liste habe ich bei Google Sheets erstellt und ist im folgenden Link zu finden: Meine Aktivitätenliste
    Was ich auch gerne hätte, wäre ein Aktivitätenvergleich. Diesen hatte ich schon mit Annika und Thomas vor etwa zwei Jahren gemacht.
    Wenn wir gemeinsam etwas unternehmen wollen, könnte es vielleicht hilfreich sein, wenn du diese Liste auch für dich wertest; wenn möglich, auch neue Aktivitäten hinzufügst. Ich habe eine hohe Neugierde und würde auch gerne mehr über dich erfahren.
  3. Annika – Anspruch 5/10 – Dies ist weniger eine Methode, als einfach der Rückhalt und die Stabilität, die ich benötige, und von ihr bekomme. Wenn Auriana und Annika sich den ersten Platz teilen, so ist es bei Auriana 100 % geistig und bei Annika 50 % geistig und 50 % körperlich (körperlich ≅ die materielle Welt betreffend). Annika unterstützt mich sehr. Wenn ich depressiv bin, suche ich sie auf, und wenn es eine tiefe Depression ist, wander ich schon automatisch zu ihr. Ja, Annika ist ein Mensch und als Mensch hat man auch Fehler, aber diese sind diesmal komplett ausgeblendet hier. Sie liebt mich und ich liebe sie. Das stärkt enorm.
    Aber das Allerwichtigste, unter allen Therapiemethoden: Annika gibt mir Stabilität und strahlt auch solche aus. Das vermittelt mir ein Gefühl von Sicherheit. Der „Lückenfüller“ hierbei ist auch ganz klar Auriana.
  4. Anpassen – Anspruch 8/10 – Eine so unscheinbare Methode, aber doch so wichtig. Wer mit einer psychischen Krankheit konfrontiert wird, muss sich anpassen, oder er wird untergehen. Hier gilt es, nicht die Krankheit zu ändern (das geht nicht), oder mögliche Trigger zu vermeiden. Es geht darum sich selbst und sein Verhalten anzupassen. Ich muss mich primär meiner gestörten Filterfunktion gegenüber anpassen. Was also tun, wenn ein Geburtstag oder eine Familienfeier bevorsteht? Im Rückzugszimmer verweilen, bis der ganze Spuk vorbei ist? Oder sich dazusetzen und abwarten, wann die Filterfunktion Alarm schlägt? Vielleicht gehen doch noch ein paar Minuten … Und wenn nicht, ist der Rückzug eine probate Aktion. Gewiss wird jeder dafür Verständnis aufbringen. Vielleicht alle 30 Minuten eine Raucherpause draußen … ganz in Ruhe die Lichter abends beobachten und entspannen. Es dauert einige Minuten, bis der Pegel der Überreizung wieder heruntergefahren ist. Danach wieder in die Höhle des Löwen. Das Ganze wiederholt sich alle paar Wochen. Tief durchatmen. Beim nächsten Mal wird es schon besser. Wenn man sich kleine Pausen gönnt, könnte es funktionieren. Vielleicht mit dem Smartphone spielen, um dem Wirrwarr der Stimmen ein klein wenig zu entkommen. Können es die anderen tolerieren, dass man einen Kopfhörer nutzt? Oder sehen sie es als Unhöflichkeit an? Zu Hause ist es leichter, zuwege zu bringen – man hat ja sein Rückzugszimmer. Wenn der Gastgeber es auch hat, macht es alles etwas einfacher. Trotzdem ist das heimische Rückzugszimmer – in gewohnter Umgebung – immer noch am besten. Das mit Schwierigste dabei ist aber, zu erkennen WANN man sich zurückziehen sollte. Man verspürt oft den Drang, noch ein paar Minuten zu geben, was aber ein Fehler sein kann.
    Das waren aber nur familiäre und freundschaftliche Events. Wie sieht es aus mit dem Einkaufen? Rückzug in menschenleeren Bereichen? Meist eignet sich dafür die Haushaltswarenabteilung. Vielleicht per Kopfhörer mit Noise Cancelling einkaufen gehen? Das klingt nach einer guten Option. Und schon ist man angepasst.
    Besprechungen auf der Arbeit verliefen auch immer ganz moderat. Kein Dazwischengerede, neutrale Stimmung, usw. Das hat bisher immer gut funktioniert. Ja, ich schaue trotz Homeoffice regelmäßig vorbei.
    Essenziell beim Anpassen: Ruhe bewahren, Stress minimieren und langsam walten. Hektik → Überreizung ≙ Stress.
    Und noch etwas: Eine dauerhafte Flucht oder Vermeidung, ohne es versucht zu haben, ist keine gesunde Anpassung! Dies gilt gegenüber den von mir genannten Ereignissen, als auch gegenüber möglichen Triggern. Triggervermeidung ist kontraproduktiv auf lange Zeit gesehen.
    Beispiel: Während Heiligabend 2021 musste ich zwischendurch in mein Zimmer flüchten. Nach rund zehn Minuten hat mich Kathrin aufgesucht. Ich habe aber eine Dummheit gemacht, und zwar habe ich mich mit einer Nadel geritzt. Das sagt mir, dass ich hätte früher flüchten sollen. Das Hinauszögern „Noch fünf Minuten …“ war diesmal nach hinten losgegangen. In Zukunft werde ich mehr auf meine Geistes- und Körpersignale besser achten.
  5. Auriana – Anspruch 0/10 – Ich denke, hierzu benötigt es keine Erklärung. Sie ist unangefochten auf Platz 1 (O. K., Annika und Auriana teilen sich diesen Platz). (Bemerkung: Diese Liste ist nicht nach Gewichtung sortiert, sondern abclich.)
  6. Bildung – Anspruch 7/10 – Vieles, was ich lerne, baue ich auch in meine Geschichten und den Weltenbau ein. Natürlich verändere ich dabei einiges oder versehe es mit extramundanen Aspekten. Die Inhalte meines Broterwerbes interessieren mich weniger, aber ich komme auch dort nicht umhin, mich weiterzubilden, denn Elektrotechnik hat einen hohen Fortschrittsgehalt (was ein jeder wohl mehr als nur deutlich mitbekommt, wenn sein zwei Jahre altes Handy schon nicht mehr in Mode ist. Na ja, eigentlich ist es nur ein Jahr).
    Und, natürlich ist es schön, wenn man etwas Neues lernt. Man hat dabei das Gefühl, dass man ein Stück „normal“ ist, und immer noch auf adäquater geistiger Höhe sich befindet, wie der Rest der Menschheit. Viele schizophren/schizoaffektiv Erkrankte leiden auch zusätzlich unter kognitiver Degression, welche starke Ähnlichkeit mit der der Demenz hat (Ein alter Name von Schizophrenie war Dementia Praecox, was so viel heißt wie „Frühzeitige Demenz“). Das äußert sich in etwa so, also würde sich der Notendurchschnitt des eigenen Zeugnisses um zwei Zensuren oder mehr verschlechtern. Zurzeit lerne ich Japanisch. Aber in einem eher ruhevollen Zeitmaß – ein Adagio der Apperzeption der kirschblütenbehafteten Langage (ja ja, ich schreibe ja schon wieder Plain Vanilla!)
    Hier muss ich noch erwähnen, dass diese Methode eher was für meine gesunde und hypomane Phase ist. In depressiven Phasen habe ich auf Bildung so gar keine Lust.
    Nachtrag 2022-05-09: In den letzten Wochen fällt mir diese Methode etwas schwerer, was mir Sorgen macht. Ich denke, eine kognitive Degression kann bei mir nicht ausgeschlossen werden. Trotzdem versuche ich, dieser Degression mit stetiger Bildung die Stirn zu bieten.
  7. Dankbarkeit und Demut – Anspruch 2/10 – Dieser Punkt impliziert nicht nur die gezeigte Dankbarkeit, sondern – und das ist immens wichtiger – die gefühlte Dankbarkeit. Hier ist nicht einfach ein: „Danke!“, oder gar: „Du tust so viel für mich; ich bin dir unendlich dankbar!“, gemeint, sondern welche Gesinnung gegenüber der zu dankenden Sache in einem selbst innewohnt. Dies muss nicht zwangsweise an eine andere Person gerichtet sein, sondern kann auch Aspekte des Lebens betreffen. Dankbar sein, dass man lebt, dass man in Sicherheit wohnt, dass man sein tägliches Brot bekommt, usw. Solche Aspekte, die gerne als selbstverständlich aufgefasst werden, werden gerne übersehen. Wenn etwas zur Normalität gehört, wird es – nun ja – als naturgegeben erachtet. Ich versuche, meine Dankbarkeit mit kleinen Danksagungen zu erfühlen. Und nein, ich bin nicht religiös. Wohl aber ein klein wenig spirituell, mit einer Prise transzendenten Denkens. Ich denke mir – für mich – ein wenig metaphysisches Denken und Fühlen kann nicht schaden. Natürlich weiß ich, dass die Naturwissenschaft ganz oben thront (und teils auch, traurigerweise, auf so manche metaphysischen Aspekte despektierend hinabsieht.)
    Meine Dankbarkeit war auch ein großer Schild gegenüber meiner Depression. Ich hatte angefangen, aufzulisten, worüber ich dankbar bin. Das war alles Mögliche, wie etwa: „Ich bin dankbar, dass ich einen Schluck Kaffee trinken kann“, oder „Ich bin dankbar, dass ich meine Finger bewegen kann.“ Wenn man dankbar ist, nimmt man seine Umwelt auch definitiv anders, ja auch achtsamer, wahr. „Türklinken sind aber praktisch!“ … man sieht, für jede noch so kleine Unscheinbarkeit, kann man Dankbarkeit empfinden. Es sollte zum Tagesgeschäft, aber keineswegs preziös, gehören.
    Nachtrag 2022-05-09: Weiter unten beschreibe ich unter Aurianas Therapiemethoden meine Dankbarkeit im Einzelnen und habe dort noch mal von vorne angefangen.
    Was die Demut betrifft, sie ähnelt in gewisser Weise der Dankbarkeit, ja meines Erachtens schließt sich beides gleichzeitig ein. Demut zeugt auch von Respekt. Respekt vor einem selbst, vor seinen Mitmenschen, aber auch vor der Umwelt. Nur wer sich selbst respektiert, kann auch andere Menschen respektieren. Wenn ich mich nicht selbst respektiere, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, mich mit anderen zu vergleichen und schlussendlich zu werten oder gar zu entwerten, weil ich mich dann (unbewusst) besser (höherwertiger) als die anderen fühle. Ich sage mir immer, dass ich zwar die Welt nicht ändern kann, aber meine Kinder können es, weil ich ihnen die Leitbilder vermittel, die unsere Welt in Zukunft dringend benötigt. Das ist meine Form der Demut. Demut vor meinen Kindern und der Welt, und dass sie, auch wenn sie nicht am Steuerpult unserer Welt sitzen, die Welt ein kleines Stück weit zu verbessern. Und das traue ich ihnen zu.
  8. Dunkeltherapie – Anspruch 5/10 – Dies ist quasi der zweieiige Zwilling der Lichttherapie, aber doch anders. Eine Bekannte erzählte mir davon. Man macht sich den Tages-Nacht-Rhythmus zunutze, doch diesmal mit mehr „Dunkelstunden“. Angefangen wird mit 14 Stunden Dunkelheit am Tag. Diese wird dann über mehrere Wochen auf 10 Stunden reduziert. Ziel des ganzen ist, die Verlaufsform der Bipolaren Störung zu zähmen. Also mein Ultra(dian) Rapid Cycling auf ein erträgliches Maß zu erhöhen. Es existiert jedoch kaum Forschungsmaterial dazu. Ich muss aber sagen, dass ich es bis jetzt noch nicht wirklich ausprobiert habe.
  9. Eigenverantwortung – Anspruch 5/10 – Die größte Krux an mangelnder Eigenverantwortung ist die Verlagerung der Verantwortung woanders hin. Und meist sind es die Angehörigen. Ein wenig ungerecht, finde ich. So wird man schnell zu einer Belastung, was gar nicht nötig sein muss. Oft bekomme ich aber z. B. nicht mit, was Annika alles für mich tut. Ich versuche, jene Verantwortung ihr Stück für Stück abzunehmen und somit sie weniger zu belasten und folglich auch mehr Verantwortung für mich selbst zu tragen. Das ist gar nicht mal so einfach, denn Annika ist sehr pflichteifrig, und dieser Pflichteifer wird auch genährt von ihren Ängsten. So werd ich schnell Opfer eines (nicht nötigen) Kontrollwahns. So etwas muss Stück für Stück in Hand gehen: Ich zeige erstens mehr Eigenverantwortung, und zweitens, sie vertraut mir in dieser Hinsicht. Das wären zwei Fliegen mit einer Klappe: Ich lerne mehr Eigenverantwortung und sie muss sich weniger sorgen. Der Großteil der Verantwortung zeigt sich gegenüber unseren Kindern. Doch ich muss vorsichtig sein, dass sich ihre Ängste nicht auf mich übertragen. Da unterschieden Annika und ich uns voneinander. Ich bin deutlich sorgloser als sie.
    Meiner Meinung nach ist auch ein mangelnder Wille an Eigenverantwortung ein typisches „Ich kann nicht!“–Phänomen (überhöhter Wunsch nach eigenem Wohlbefinden und einem bequemen Leben) (siehe unten). Diese Einstellung führt schnell dazu, dass man sich mit der eigenen Krankheit nicht selbst auseinandersetzt, und sich einfach nur auf professionelle Hilfe verlässt (Immerhin etwas). Das reicht bei Weitem nicht aus. Persönlich eingeschätzt würde ich sagen, dass die Hilfe von Fachkräften vielleicht maximal 10 % ausmachen. Egal, wie viele Monate man in der Psychiatrie verweilt, ist der Wille zur Eigenverantwortung nicht vorhanden, wird es nie besser. Man bekommt davon schnell Wind, wenn man in Schizophrenie-Foren/Gruppen unterwegs ist. Eine an Schizophrenie Erkrankte hatte 14(!) Krankenhausaufenthalte hinter sich. Erst seitdem sie mehr Eigenverantwortung übernommen hat, konnte sie wieder ein Leben führen.
    Aber ich kann schon sagen, dass meine Selbstverantwortung sehr hoch ist. Ohne sie hätte ich auch diesen doch sehr umfangreichen Artikel gar nicht erst erstellt.
    Ja, es wäre alles viel einfacher, wenn man keine Kinder hat, doch ich habe sie nun mal. Man bekommt so viel geschenkt, wenn man Kinder hat. Aber die Verantwortung meinen Kindern gegenüber ist ja keine Selbstverantwortung.
    Fazit: Ich arbeite weiter an meiner Souveränität. Keine Ausreden!
  10. Ekpathie – Anspruch 9/10 – Wenn man so empathisch ist, dass man einen Schutz braucht … Ekpathie ist das Gegenteil von Empathie. Warum ich das hier als Methode aufführe? Zu viel Empathie kann in gewissen Situationen dafür sorgen, dass ich von den Emotionen überwältigt werde. Ekpathie ist auch nichts anderes, als emotionale Distanz zu wahren. Das alles ist für mich sehr, sehr schwer. Als Alternative kämpft man mit der eigenen Emotionsregulierung. Ärzte und Therapeutin sind mit am anfälligsten. Viele nutzen auch deswegen den Abwehrmechanismus der Intellektualisierung, um sich emotional zu distanzieren. Vielleicht eigne ich mir diesen Abwehrmechanismus aus gezielt an.
  11. Emotionen offenbaren – Anspruch 7/10 – Ich bin selbst jemand, der sehr nah am Wasser gebaut ist – laut Aurianas Aussage bin ich sogar ein Hausboot. Und weil Weinen so weichlich und unmännlich ist, habe ich das stets in der Öffentlichkeit zurückgehalten (Im Privaten jedoch nie.) Mittlerweile halte ich es nicht mehr zurück (ok, ein klein wenig, wenn es „unpassend“ ist – so meine Einschätzung). Oder ich versuche es zumindest nicht mehr zurückzuhalten. Dabei ist nicht nur das Weinen, wenn ein offensichtlicher Grund vorliegt, gemeint, sondern ALLES, was mich berührt. Ja, das kann auch eine sentimentale Szene in einem Anime sein. Oder wenn mir jemand nette Worte sagt. Oder natürlich auch, wenn jemand anderes weint (Das fiel/fällt mir am schwersten, die Tränen zu unterdrücken; besonders, wenn eines meiner Kinder weint). Ich kann mich noch erinnern, da konnte ich kein Einschlaflied meinen Kindern vorsingen, ohne dass ich dabei anfing zu weinen; das passierte mehr als nur ein Mal. Wieso? Keine Ahnung. Ich habe aber die Vermutung, dass es an einer gewissen Sentimentalität liegt, weil ich meinen Kindern damit etwas Gutes tue, und ich der Papa bin. Ein Mal hat mich Tim auf dem falschen (eigentlich den richtigen) Fuß erwischt, als er sagte: „Papa, ich wollte mich bei dir bedanken, weil du immer für mich da bist, wenn ich deine Hilfe brauche oder traurig bin. Und du hilfst mir sehr dabei.“ … Wenn man so etwas von seinem eigenen Kind zu hören bekommt … Ihr versteht, was ich meine.
    Oder auch, wenn ich am Klavier spiele weine ich oft. Am meisten lässt mich das Thema Liebe weinen – in all ihren Formen. Ich kann selbst weinen, wenn jemand anderes mir seine Hobbys in passionierter Form erklärt. Wenn du mich weinen sehen möchtest, nutze einfach die Liebe. Aber ich weine so gut wie über alles. Ja, das habe ich jetzt zugegeben. Es kann aber passieren, dass ich einen emotionalen Block habe in so manchen Momenten. Wenn du mir etwas erzählst, was dich bewegt, bin ich auch sehr nahe am Wasser.
    Nun, das war die Emotion Liebe. Und was ist mit den anderen?

    Freude: Jaaaa, die zeige ich so gerne. Da muss ich mich teilweise zurück… STOPP! Nein, ich werde mich nicht mehr zurückhalten! Aber, ich muss aufpassen, dass sich das nicht hochschaukelt. Wenn ich z. B. meine Freude mit anderen teile, werde ich da auch schnell überreizt, und kann mitunter damit eine Manie triggern.

    Angst: Die zeige ich so oder so und schäme mich auch nicht mehr dafür.

    Überrascht: Das habe ich noch nie unterdrückt.

    Traurigkeit: Jetzt wird es delikater. Traurig + Liebe, als Mischemotion, ist mein absoluter Tränenfluss. Das ging sogar so weit – jetzt haltet ihr mich bestimmt für bescheuert – dass ich mir Kindertodesanzeigen und Nachrufe angesehen hatte, nur weil ich in diesem Gefühl schwelgen wollte. Natürlich habe ich auch mein Beileid bekundet. Und nein, es hat mich nicht niedergedrückt. Ich hatte mich auch mit einer Mutter, dessen Kind verstorben war, für längere Zeit unterhalten. Sie sagte mir nach einer gewissen Zeit, dass ich ihr sehr geholfen hatte, und sie hat dabei geweint. Und folglich habe ich auch geweint. Sie meinte, mich hätte Gott geschickt. Ok, vielleicht hat er das sogar, auf die ein oder andere Weise. Auch wenn ich nicht religiös bin, hat mich ihre Aussage doch sehr berührt. Und während ich das hier so schreibe, interpelliert mich Auriana:
    Siehst du Schatzi, genau deswegen MUSST du bei der Telefonseelsorge anfangen!
    Heutzutage lese ich keine Todesanzeigen mehr. Ich gehe da lieber auf Nummer sicher, da ich nicht weiß, inwiefern dies meine Verlustängste befeuern könnte. Doch wäre das nicht wieder Triggervermeidung?

    Ablehnung: Das zeige ich ganz normal, außer wenn es Leute beleidigen könnte. Aber es gehört schon sehr viel dazu, dass ich einem anderen Menschen mit Ablehnung gegenübertrete. Sehr, sehr viel. Ich bin sehr offen. Ich hatte mich auch schon mit einem Mörder unterhalten – da war ich etwa 16 Jahre alt. Das war der Onkel meines besten Freundes zu dieser Zeit. Er hatte einen Mann umgebracht, der was von seiner Tochter wollte. Plot Twist: Seine Tochter wollte was von mir.

    Wut: mein Stiefkind. Um ehrlich zu sein, ich bin relativ selten wütend, sollte jemand anderes anwesend sein. Allein bin ich dann schon öfters mal gereizt. Im Schnitt würde ich sagen, dass meine Wut in nur 10 % aller Fälle interpersonelle Gründe hat. Die anderen 90 % betreffen eher Dinge. Was mir am meisten Unmut erregt, sind Gegenstände, die nicht so funktionieren, wie sie sollten. Oder auch verbuggte Software.

    Neugierde (Liebe + Überraschung): Oh ja! Die zeige ich. Und wie ich sie zeige. Besonders Menschen gegenüber. Mich interessiert einfach alles an dir! Dank meiner hohen Offenheit zeige ich diese Emotion so gut wie immer.

    Emotionen offenbaren kann ich in der Hypomanie viel besser als in der Depression. Ja, ich kann auch hypomanisch weinen. Das ist ein schönes Gefühl.
  12. Entschleunigen – Anspruch 3/10 – Dies ist meine Form des Stressmanagements und sehr, sehr wichtig. Stress ist für meine Krankheit pures Gift. Das Entschleunigen ist auch eine Methode innerhalb der instrumentellen Stresskompetenz. Um stichworthaft das Entschleunigen zu beschreiben:
    • Eine Sache nur zur selben Zeit. Regelmäßige Pausen.
    • Langsamer arbeiten, wo es angebracht ist.
    • Pufferzeiten einplanen.
    • Weniger ist mehr.
    • Schriftliche Planung.
    • Ich räume mir nur für Dinge, die mir wichtig sind, Zeit ein.
    • Zu guter Letzt am Ende des Tages einen Punkt setzen.
    Wenn mich jemand beim Geschirrspülemaschinenein/ausräumen beobachtet, wird er entdecken, wie langsam und unlogistisch ich dabei bin.
  13. Fach- und Sachliteratur – Anspruch 5/10 – Hiermit sind vor allem Psychotherapiebücher gemeint. Ja, diese richten sich vornehmlich an Therapeuten, aber es kann nicht schaden, in solche Fachgebiete auch als Dilettant einzutauchen. Klar, gewisse Begrifflichkeiten sind einem fremd. Doch diese kann man auch erlernen. Keine Buchhandlung lässt sich einen Therapeutenführerschein vorzeigen, wenn man mal ein Fachbuch kaufen möchte. Mir helfen diese Bücher sehr und ich bin noch laaaaange nicht fertig. Größter Nachteil: Ein Fachbuch kann mal gut 50+€ kosten, wohingegen ein Sachbuch eher so zwischen 10 und 20€ liegt. Aber ich muss zugeben, dass einige Sachbücher einfach nur viel zu viel Blabla enthalten, ohne ein wirklich hohes Information/Wörtermasse-Verhältnis (So wie mein Artikel hier… höhö ).
    Aber auch Selbsthilfe- und Therapiebegleitungsbücher sind bei mir hoch im Kurs. Diese sind etwas leichter zu lesen. Ich hangel mich da so am Beltz-Verlag entlang. Die Autoren schwafeln wenigstens nicht.
    Nachtrag 2022-05-09: Aktuell lese ich das Buch: „Das Kind in dir muss Heimat finden“, von Stefanie Stahl. Eines der besten Ratgeber betreffend Psychologie, welches ich gelesen habe. Und dabei bin ich erst ¼ damit durch. Sehr empfehlenswert! Wirklich! Das sollte sich jeder psychisch Kranke und auch vermeintlich gesunde Mensch durchlesen.
  14. Es immer und immer wieder versuchen – Anspruch 8/10 – Das gilt für alle Lebensbereiche und Interessen. Wenn eine damalig beliebte Aktivität aktuell leidig ist, sollte ich es so lange versuchen, bis ich sie wieder mag. Beharrsam bleiben! Hier hilft mir meine Aufgeschlossenheit enorm. Ich würde gerne bestimmte Aktivitäten auch mit Familie und Freunden praktizieren. Nur sollten diese sich darauf einstellen, dass ich doch anfänglich Schwierigkeiten haben werde, vor allem als Debütant. Aber ich gebe nicht auf!
    Die größte Schwierigkeit dabei: Zwischen „Prinzip Hoffnung“ und „Es wird stückweise besser“ zu unterscheiden. Aber hierbei geht es ja weniger um eine Methode, als um die Sache selbst.
  15. Familie – Auch hier folgende Unterpunkte:
    1. Antisuizid – Anspruch 1/10 – Dies ist mehr gegen die Suizidgedanken gerichtet. Zwar habe ich diese nicht mehr, aber ich halte mir immer wieder vor Augen, wie viel Leid ich erzeugen würde, nähme ich den Freitod. Und ich halte mir vor Augen, dass mein Leben, anderen Menschen Freude und Seelenheil bringen kann. Z. B. habe ich mir auch ein kleines Fotobuch mit der Aufschrift „Wofür es sich zu leben lohnt“ drucken lassen. In diesem Büchlein sind vorwiegend Annika, Lars und Tim zu finden. Ich glaube, ich lasse mir noch ein Fotobuch mit all meinen Angehörigen drucken.
    2. Gesellschaftsspiele – Anspruch 6/10 – Bei bei den unten aufgeführten Computerspielen werde ich beizeiten die einzelnen Gesellschaftsspiele noch anreißen. Glücklicherweise tritt bei solchen Spielen keine Überreizung ein. Meine Kinder sind leider weniger geneigt, solche Spiele zu spielen. Bis auf Lars. Mit dem kann ich auch mal solche Spiele ohne Fußangel der Indolenz spielen. Aber es müssen nicht nur klassische Gesellschaftsspiele, ergo Brettspiele, sein. Ich spiele gerne auch Spiele, welche die Persönlichkeitsentwicklung fördern, wie bspw. Fragen-Spiele. Das funktioniert auch mit Kindern, sofern diese Art von Spielen kindgerecht sind. Trotzdem bin ich etwas – wie soll ich sagen? – missvergnügt, Gesellschaftsspiele zu spielen, weil ich dabei starken Überdruss empfinde. Aber ich bin dran, diese Aversion loszuwerden.
    3. Computerspiele – Anspruch 6/10 – Bin ich gerade dabei. Guild Wars 2 habe ich wieder neu entdeckt für mich. Und ich denke, es gefällt den Kindern auch. Annika meinte, sie könne sich vorstellen, auch wieder zu spielen. Witzigerweise hatte Tom, ein Internetbekannter, mit dem ich einige Stunden in GW2 unterwegs war, gesehen, dass ich online war, und mich direkt angeschrieben, obwohl wir seit gut zwei Jahren keinen Kontakt mehr hatten. Aber ich gebe zu bedenken, dass dieser Punkt hier für meine Familie reserviert ist. Was nicht bedeutet, ich würde ungern mit anderen spielen; doch für mich ist es erst einmal wichtig, dass ich etwas mit meinen Kindern unternehme. Sollte sich Annika oder ein Freund bereitfinden, auch mitzuspielen, gerne gerne!
      Ich liste auch mal die anderen Computerspiele auf, die für mich geeignet sind. Manche davon spiele ich schon mit meinen Kindern, andere würde ich gerne spielen. Das Rating enthält sowohl den Spaßfaktor als auch meine Überreizung im Spiel selbst. Ein niedriges Rating heißt nicht, dass ich das Spiel nicht gut finde. 0/10 wäre ein: „Ne, mag ich nicht, kann ich nicht.“ Und ein 1/10 wäre: „Ja, würde ich sporadisch gerne spielen.“
      Spiele, die ich schon mit meinen Kindern gespielt habe:
      (Ein Klick auf den Namen öffnet die jeweilige Spielseite in einem neuen Tab.)
      1. Grounded – In dem Spiel spielt man geschrumpfte Kinder, welche sich in einem Garten zurechtfinden müssen. Ist ein Survival-Spiel. Ein sehr interessantes. Meine Kinder sind da noch etwas unbedarft, was Survival angeht, und ich lasse ihnen auch die spielerischen Freiheiten, auch wenn einiges Murks ist, was sie verzapfen. Rating 7/10
      2. Guild Wars 2 – Ein MMORPG und mein absolutes Lieblingsspiel und sehr kurzweilig. Aktuell führe ich Lars an dieses Spiel heran. Es ist schon sehr elaboriert. Rating 10/10
      3. Overwatch – Ein Hero-Shooter, und wohl mit der bekannteste. Habe ich auch mit Internetfreunden gespielt. Rating 8/10
      4. Paladins – Wie Overwatch, ein Hero-Shooter. Am liebsten, wenn Mama mitspielt. Auch wenn das Spiel fastpaced ist, gebe ich folgendes Rating: 9/10.
      5. Raft – Ein Survival-Spiel auf einem Floß und Inseln. Spielen wir nur sehr selten. Rating 2/10
      6. Serious Sam – Ja, ich weiß, in der Grundfassung absolut nichts für Kinder. Aber da man, dank diverser Einstellungen, das Spiel „kinderfreundlicher“ konfigurieren kann, geht es. Rating 7/10
        Nachtrag 2022-02-24: Ich habe vor ein paar Tagen mit meinen Kindern dieses Spiel gespielt und musste nach gut 30 Minuten aufhören, weil es mich zu stark gereizt hatte, was höchstwahrscheinlich daran lag, dass der Bildschirm dank Rückstöße durch die Waffen gezittert und gewackelt hat.
      7. Trailmakers – Ein recht entspanntes Spiel, wo man Fahrzeuge baut. Kein Zeitdruck, keine Überreizung. Rating 5/10
      8. SuperSmash – Ein grafisch simpler Ego-Shooter. Ist aber einigermaßen für mich ok. Maximal 30 Minuten. Rating 5/10
      9. Who’s your Daddy?! – Ein beklopptes und makaberes Spiel, wo man ein Baby oder dessen Vater im Haushalt spielt, welches sich selbst suizidieren muss. Die Papa-Fraktion muss das verhindern. Wenn ich mit meinen Kindern dieses Spiel spiele, blödeln wir einfach nur so herum. Also nicht kompetitiv. Rating 3/10
      10. Wobbly Life – Ein etwas stressiges Spiel, wo man eine wabbelige Figur spielt. Die gesamte Steuerung ist auch wabbelig, was ja die Signatur des Spiels ist. Rating 4/10
      11. Roblox – Ich habe das bisher nur zwei Mal mit Tim gespielt. Ich kann mir aber vorstellen, das öfters zu spielen. Rating 5/10
      12. Weitere folgen.
        Spiele, die ich noch nicht gespielt habe und gerne austesten möchte:
      1. Divinity – Ein MORPG und für den Coop-Modus.
      2. (Heroes of) Might and Magic – Ich habe das Spiel damals in den 90er-Jahren bis zum Erbrechen gespielt. Meine Kinder mögen die Franchise auch sehr. Ich habe es bislang noch nicht mit ihnen gespielt.
      3. No Man’s Sky – Ein Weltraum-Survival-Spiel. Bisher noch nicht gespielt. Würde es gerne mal austesten.
      4. Ori and the Will of the Wisps – In diesem Fall ein Couch-Coop. Falls die Figur stirbt, ist der andere Spieler dran. Das Spiel ist ein großer Favorit von Lars. Von diesem Spiel existiert noch eine Prequel: Ori and the Blind Forest.
      5. Pathfinder Kingmaker – Ich bin ein absoluter Pathfinder-Fan. Pathfinder ist ein Rollenspielsystem. In diesem Falle ein MORPG im Coop-Modus. Nur meine Kinder und ich würden das per Netzwerk spielen.
      6. Trine – Diese Spielreihe würde ich auch gerne mal mit meinen Kindern ausprobieren. Ist ähnlich wie Ori. Also ein Couch-Coop.
      7. Andere Spiele – Ich versuche, so offen wie möglich zu sein, anderen nicht hier aufgeführten Spielen gegenüber. Z. B. auch Handyspiele. Falls meine Kinder (oder auch Annika) etwas spielen möchten, bin ich sehr geneigt, dieses Spiel auch auszuprobieren. Aber auch hier gilt: Nicht zu viel Hektik und intensive Cinematik.
      8. Weitere folgen.
      Hier sind übrigens meine Steam-Spiele (und auch mein Steam-Profil): https://steamcommunity.com/id/rieliesza/games/?tab=all
    4. Gemeinsame Aktivitäten – Anspruch 5/10 – Das reicht vom gemeinsamen Kochen, über Experimente machen, über Spaziergänge, über Musizieren, über Fernsehabende, über Schulaufgaben machen (machen vorwiegend die Großeltern und Annika), u. v. m., und … reden. Die oben aufgeführten Spiele lasse ich hier mal aus.
      Ich bin kein großer Spaziergänger oder Naturentdecker und kann auch nur schwer passiv einen Film schauen, geschweige die Konzentration für Schulaufgaben aufbringen, aber ich kann zuhören. Das ist meine Stärke, die keinesfalls passiv ist. Ein guter Zuhörer gibt Feedback, stellt Fragen, paraphrasiert, spiegelt Emotionen und Körperhaltung, zeigt/fühlt Interesse, usw. Das haben auch meine Kinder an mir erkannt und steuern mich direkt an, wenn sie in Sachen Psyche, Emotionen und Soziales, Schwierigkeiten oder Fragen haben. Aber auch, wenn sie sich mir gegenüber mitteilen wollen, was alles Mögliche sein kann. Insofern fände ich es ratsam, wenn ich mich auf meine Stärke, dem Zuhören, konzentriere. Ich kann ja andere Aktivitäten einweben. Am besten würden sich psychosoziale (Brett)spiele eignen. Aber auch bei Experimenten kann man gerne mal auf kommunikative Wanderschaft gehen.
      Und trotzdem habe ich noch das Gefühl, ich rede zu wenig mit meinen Kindern. Diesen Punkt werde ich definitiv verstärkt in Angriff nehmen.
    5. Mahlzeiten – Anspruch 4/10 – Gemeinsam zu essen war schon immer mein großer Favorit. Annika hingegen isst lieber alleine. Das respektiere ich auch. Trotzdem möchte ich zumindest eine Mahlzeit am Tag mit meiner Familie einnehmen. Dies ist auch förderlich für die Interpersonelle soziale Rhythmustherapie (siehe weiter unten). Da meine Familienmitglieder Medienjunkies sind, ist es für mich auch passabel, wenn wir dabei einen Film oder eine Serie währenddessen schauen (Ich muss aber hier zugeben, dass ich nur schwer einen ganzen Film mitverfolgen kann. Aber oft splitten wir einen Film auch in zwei oder drei Teile).
  16. Gehmeditation – Anspruch 1/10 – In vielen Fällen kann ich einfach nicht länger als 5-10 Minuten ruhig sitzen, geschweige denn, mich konzentrieren. Hier hilft mir die Gehmeditation. Anstatt sich, wie bei der „normalen“ Meditation, auf ein Objekt zu fokussieren, fokussiert man sich auf das Gehen selbst. Das kann ich gut zu Hause ausführen und dauert meist nicht länger als fünf Minuten, bis mein Geist wieder fokussiert ist. Unser Haus ist auch groß genug, dass ich nicht in einem Zimmer meine Runden drehen muss. Zur Not, und wenn es warm genug ist, kann ich auch den Garten nutzen. Und wenn das nicht hilft, ist ein kleiner Spaziergang durch die Nachbarschaft auch in Ordnung.
    Mittlerweile führe ich die Gehmeditation schon automatisch aus, auch wenn es eigentlich gar nicht nötig wäre.
  17. Genesungbegleiter – Anspruch ?/10 – Kathrin erzählte mir davon. Als sie für ein paar Wochen in einer Psychiatrie war, hat sie davon erfahren. Genesungsbegleiter sind Laien, die selbst psychisch erkrankt sind (waren?), und anderen Patienten helfen. Hört sich interessant an. Ich werde das auf jeden Fall weiterverfolgen.
  18. Humor & Frohmut – Anspruch 2/10 – Ihr werdet lachen, aber einiges an Leid verarbeite ich am besten mit und durch Humor. Selbst interpersonelle Konflikte. Das soll kein Bagatellisieren der Krankheit oder eines Zustandes sein. Ich musste für mich feststellen, dass ich echt über vieles, was meine Krankheit betrifft, lachen kann. Schwarzer Humor ist auch vollkommen in Ordnung. Ihr dürft auch gerne mit mir auf den Wonnezug des Spaßes aufspringen. Bringt Konfetti und Tischfeuerwerk mit! Lasst uns Spaß haben! Ich weiß ja, dass ihr mich ernst nehmt.
    Ein schwieriges Thema ist jedoch der Suizid. Es wird einem ja von allen Seiten angeraten, dass man suizidale Äußerungen (dazu zählen auch Witze) ernst nehmen sollte als Anwesender. Falls ich also mal wirklich einen Suizidwitz reiße, gebe ich zur erkennen, dass es sich hierbei nur um einen Witz handelt – ohne Hintergedanken.
    Aber damit ihr euch sicher fühlt, werde ich hier demnächst noch einige Beispiele geben.
  19. Interpersonelle soziale Rhythmustherapie (IPSRT) – Anspruch 6/10 – Das ist das, was ich für die Zukunft noch weiter ausbauen möchte, sollte ich mit meiner Diät am Ziel sein. Einen ordentlichen Schlafrhythmus habe ich ja bereits, und auch meine 20-Uhr-Mahlzeit halte ich seit vielen Wochen ein. Danach gehts zum Schlafen ins Bett. Ich schaue dabei mit Annika meist 1-2 Folgen einer Animeserie, oder auch etwas mit meinen Kindern. Zu dieser Zeit bin ich eigentlich nur noch zur Nahrungsaufnahme, dank Medikamente, halbwegs fähig.
    Aber auch werktags bin ich in einen Arbeitsrhythmus eingespannt, auch wenn dieser etwas flexibel ist. Der Rest (Frühstück, teils Mittagessen, Verpflichtungen, usw.) sollte auch in einem ordentlichen Tagesprogramm aufgenommen werden. Diese Methode macht sich den zirkadianen Rhythmus zunutze. In diesem Punkt ist auch mein akribischer Schlafrhythmus enthalten.
  20. Introspektion – Anspruch 9/10 – Diese Methode ist sehr, sehr umfangreich. Einige anderen Methoden fördern zusätzlich die Introspektion. Das Schreiben dieses Artikels ist auch nichts anderes als strukturierte Introspektion. Ich denke, das Wort benötigt keine Erläuterung.
  21. Keine Süßigkeiten – Anspruch 2/10 – Das hilft mir enorm. Dieser Punkt ist auch hauptsächlich gegen raffinierten Zucker gerichtet – also der Weiße, welcher auch in vielen (Convenience) Lebensmittel enthalten ist. Ich merke es direkt, wenn mein Stoffwechsel zu viel Zucker verarbeiten muss. Meine Emotionsregulierung, die eh schon inferior ist, wird noch desaströser. Momentan zuckere ich nur meinen Kaffee, und das sind dann etwa 30–40 g Zucker (diesmal Weißer) über den Tag verteilt. Diese konstante Zuckerzufuhr zügelt den Heißhunger wegen der Medikamente. Das sind in etwa 200 kcal. Dieser „Kalorien-Sweetspot“ (Ha! Wortwitz!) ist genau richtig für mich. Er verhindert auch, dass ich zu stark in die Unterzuckerung rutsche.
    Über die Weihnachtszeit hatte ich nur sechs Dominosteine, ein Viertel eines kleinen Baumkuchens (der war wirklich klein) und zwei Lebkuchenherzen gegessen. Da bin ich schon wegen der Disziplin ein klein wenig stolz auf mich.
    Alles in allem: medioker bis perfekt für mich.
  22. Kommunikation – Anspruch 5/10 – Dieser Punkt enthält das Sprechen, als auch das Zuhören. Ich bemühe mich stets, um eine gute Kommunikation. Was mir, zugegebenermaßen, auch nicht immer leicht fällt. Besonders, wenn die Emotionen angeheizt sind. Doch ich merke mittlerweile, dass in emotionalen Situationen mich eine objektive Herangehensweise beruhigen kann. Frei nach dem Motto: „Wenn du das schaffst, dann schaffst du auch, zusammen mit deinem Kommunikationspartner, den Konflikt zu lösen. Mit einem Kompromiss? Vielleicht sogar eine Win-win-Situation herbeiführen?“ Ich trainiere auch fortwährend meine Zuhörfähigkeiten.
    Kurze Zusammenfassung zur Kommunikation – Klick mich!
    Basisregeln:
    • Gegenseitige Wertschätzung statt Abwertung. Ich achte im Kontakt mit meinem Gegenüber darauf, dass nicht nur Probleme und Schwierigkeiten besprochen werden. Ich verbalisiere, was ich gut finde und bemühe mich um positive Kommunikation.
    • Kein Gedankenlesen vom Gegenüber erwarten.
    • Die Balance zwischen den eigenen Bedürfnissen und die des anderen halten.
    • Ich versuche stets bei Konflikten, Kompromissbereitschaft zu signalisieren.
    • Schuldzuweisungen vermeiden. Orientierung auf Lösung und nicht auf einen Schuldigen.

    Kommunikationstechniken für den Sprecher:
    • Ich rede in der Ich-Form („Ich bin enttäuscht, besorgt, verärgert, weil …“)
    • Bei konkretem Verhalten oder der Situation bleiben, keine globalen Beschuldigungen (vermeiden von „immer“, „nie“, „ständig“, „mal wieder“, „typisch“).
    • Beim aktuellen Thema bleiben (im Hier und Jetzt), keine Vorwürfe aus der Vergangenheit aufwärmen.
    • Gefühle, Bedürfnisse, Wünsche auf Veränderung, Verbesserungsvorschlag äußern.

    Kommunikationstechniken für den Zuhörer
    • Aktives Zuhören (Blickkontakt, Rückmeldung („Aha“; „Verstehe“), Nachfragen)
    • Zusammenfassen, was verstanden wurde.
    • Versuchen, die Perspektive des Gegenübers einzunehmen.
    • Offene Fragen stellen.
    • Rückmeldung des ausgelösten Gefühls (positive als auch negativ.)
    • Den Gegenüber für offene Äußerungen loben.
    • Gefühle ausdrücken

     

    Und ganz wichtig: Interesse zeigen und fühlen!
    Neben diesen Kommunikationsregeln benutze ich auch das responsive Zuhören und das Vier-Seiten-Model.
  23. Kunst – Auch dieser Punkt ist ein Surrogat mit folgenden Unterpunkten:
    1. 3D-Design – Anspruch 5/10 – Ich arbeite mit „DAZ3D Studio“ und erstelle dort Figuren und Objekte und setze diese in Szene. So etwa wie ein großes mobiles Fotostudio, mit allen möglichen Personen, Gegenständen, Szenen, Make-up, Frisuren, u. v. m. Mehr eine Freizeitbeschäftigung, anstatt Therapie. So empfinde ich das. Aber die Figuren haben auch Bezug auf meine Geschichtswelt, und, Auriana hat auch ihre eigene Figur und spielt damit auch gerne durch mich. Auriana wirkt dadurch etwas „lebendiger“. Was auch interessant ist, ist die Möglichkeit, den Habitus der Figuren emotional darzustellen. Sprich, ängstliche, neugierige, wütende, fröhliche, usw. Gesichtszüge. Hier lernt man noch ein wenig Empathie und etwas über Emotionen bzw. vertieft sein Wissen.
      Hier ist meine Galerie bei Deviantart (Nur ein kleiner Auszug): https://www.deviantart.com/rieliesza/gallery
    2. AI-Design – Anspruch 2/10 – Z. B. per Artbreeder oder ähnliche Plattformen. Man entdeckt einiges Interessantes dabei. Hier der Link zu Artbreeder: www.artbreeder.com
      Einige Beispielbilder:
      2022-01-31 – Mein Foto als AI-Art – Klick mich!
      Ja ja ja, ich weiß, ich weiß. Ich bin aber immer noch ein Mann.

      2022-01-31 – Ein paar AI-Portraits – Klick mich!
      AI-Bild:

      AI-Bild:

      Ein altes Foto von mir, wo ich etwa 23 Jahre alt war, mit einer Zeichnung gemorpht:

      Meryana aus meiner Geschichte:

      AI-Bild:

      AI-Bild:
       

      2022-01-31 – Ein paar AI-Landschaften – Klick mich!
    3. Fotodesign – Anspruch 5/10 – Ich bearbeite gerne Fotos oder auch Bilder. Sei es mit Lightroom, Photoshop, Topaz, Luminar, usw.
    4. 3D-Druck – Anspruch 6/10 – Mache ich aktuell eher nicht. Das Harz ist relativ teuer. Ein PLA-Drucker wäre, was Verbrauchmittel anbelangt, die günstigere Variante. Doch Miniaturen per Harz-Druck lassen sich, dank der hohen Auflösung, detailgetreuer drucken. Vielleicht fange ich auch wieder an, Figuren zu bemalen; jetzt, da ich dank des Betablockers nicht mehr zitter. Ich hätte auch voll Lust, Terrains & Props zu drucken und zu bemalen. Gerne auch mit anderen Leuten zusammen. Hätte ein wenig was von einer Modelleisenbahn + Gelände, nur ohne Eisenbahn.
      Hier ein Beispiel, wie so was aussehen kann:
      Klick mich!
    5. Zukünftig geplant: Malen – Dies aber fast nur digital. Wobei ich auch gerne analog malen würde. Und Arbeiten mit Harz; vor allem in Verbindung mit phosphoreszierenden Farben (Nachtleuchtend). Papierblumen basteln (kann ich mir auch gut als Skill (siehe unten) vorstellen.
  24. Liebe – Anspruch 5/10 – Bewusst lieben und geliebt werden. Hier hilft auch, wie so oft, Achtsamkeit. Eigentlich ist diese Methode nicht nur einfach wichtig, sie ist essenziell und existenziell. Ich bin vom Thema Liebe genauso angetan, wie Auriana. Kann man zum Thema Liebe sich weiterbilden? Ja, das kann man. Man darf nur nicht vergessen, es in die Tat umzusetzen. Allein die gesammelten Erkenntnisse, wenn auch essenziell, reichen nicht aus. Besonders die phänomenorientierten Sprachen der Liebe (siehe: Dirk – Die Sprachen der Liebe) können gute Sprungbretter bereitstellen, um nach den Früchten der Liebe zu greifen. Meine Lieblingsliebessprachen sind Fokus, Intellekt, Worte und Zärtlichkeiten. Der oben aufgeführte Link konkretisiert meine Meinung dazu.
    Es ist so … ich liebe alle Menschen. Dies ist nicht nur so dahergesagt, denn ich meine es wirklich ernst. Dieses Gefühl hatte ich vor einigen Jahren noch nicht so intensiv. Es fing erst richtig an, als ich anfing, zu lernen, Menschen besser zu verstehen, aber auch, mich selbst besser zu verstehen. Ihre Beweggründe zu erforschen, aber auch, wie sie die Welt wahrnehmen. Auch meine Offenheit gegenüber anderen Menschen hilft mir extraordinär weiter. Ich meine, ja, ich liebe alle. Ich weiß, dass sich das affektiert anhört. Trotzdem … ich liebe sie. Ja. Und Auriana teilt diese Liebe.
    Natürlich liebe ich die Menschen, die mir nahestehen, noch ein Stück mehr. Das ist nur natürlich. Wenn ich dann noch in die Hypomanie rutsche (was hin und wieder vorkommt), würde ich wirklich jeden umarmen wollen. Ich weiß, dass dies alles vermutlich nur schwer nachzuempfinden ist. „Wie kann man fremde Menschen lieben?“ … Ich weiß keine Antwort darauf. Ich tue es einfach. Ich bin auch nicht wählerisch. Manche Psychotiker werden paranoid, dass alle Menschen sie beobachten, hassen und/oder ihnen gegenüber böse gesinnt sind. Während Mitte 2020 meine Psychose ihren ersten Gipfel erreichte, fing ich an, die Menschen aus tiefster Seele zu lieben. Ich habe es aber nicht gezeigt, weil ich gleichsam auch sehr ängstlich war. Vielleicht gut so, denn vermutlich hätte ich den ein oder anderen Fremden umarmt. Irgendwie verdreht bei mir. In zweifacher Hinsicht. Ich ging nie davon aus, dass andere Menschen mir gegenüber etwas böses empfinden, sondern ICH habe nur Gutes gegenüber den Menschen empfunden. Manche Psychotiker entwickeln aber auch einen Liebeswahn (Erotomanie). In einem solchen Wahn ist man der festen Überzeugung, mit einer bestimmten Person in einem Liebesverhältnis zu stehen. Das war/ist bei mir nicht der Fall. Dazu müsste ich ja überzeugt sein, dass mich alle Menschen gleichsam lieben. Das tue ich nicht.
    Ein jeder kennt ja das Gefühl, von so vielen Menschen wie möglich geliebt werden zu wollen. Das war zu keinem Zeitpunkt meines Lebens mein Ziel. Ich habe es umgekehrt gesehen: Wenn mich nicht alle Menschen lieben werden, so kann ich doch alle Menschen lieben. Fragt sich nur, was leichter ist: zu lieben oder geliebt zu werden.
    Was meinst du, ist es leichter für dich, zu lieben, oder ist es leichter für dich, geliebt zu werden?
    Vielleicht war auch das der Keim, warum ich bei der Telefonseelsorge arbeiten möchte. Ich könnte auch niemanden verletzen, ohne mich selbst zu verletzen. Omnia vincit amor, et nos cedamus amori. Ama, si vis amari.
    Me et te ut unum. Te amo!
    Quiiiiek. Ich bin vor lauter Herzchen in meinen Augen blind! Ich dich auch, Schatzi!
    Die Kerze des Lebens kann immer wieder vom Zündholz der Liebe neu entfacht werden, egal welch finstre Stürme sie ertragen musste.
    (Ich hab natürlich einen Lateinübersetzer benutzt. )
  25. Metakognitives Training für Menschen mit Bipolar – Anspruch 5/10 – Dieser Punkt ist relativ umfangreich. Ich werde ihn demnächst hier erörtern.
  26. Mitarbeit bei der Telefonseelsorge – Dieser Punkt auch erst in naher/ferner Zukunft. Ich muss nur noch entscheiden, ob ich dieses Jahr (2022) oder erst nächstes Jahr mich ausbilden lasse. Ihr werdet euch fragen, wieso eine Mitarbeit bei der Telefonseelsorge eine meiner Therapiemethoden sein kann. Man sitzt da ja sozusagen auf der „anderen Seite“. Die Erklärung hierzu ist recht simpel: Mein Gefühl der Liebe zur Menschheit möchte raus. Und wenn es das ist, werde ich in gewisser Hinsicht selbst heilen. Wenn man so will, einen weiteren Sinn meines Lebens bekleiden lassen. Und zum anderen fördert die Mitarbeit auch die Persönlichkeitsentwicklung, sowohl bei der aktiven Arbeit, als auch bei der Ausbildung, Supervisionen und dem gegenseitigen Austausch der Mitarbeiter. Meine Therapeutin meint auch, in vollster Überzeugung, ich sollte ein Seelsorger werden. Wenn ich meinen beruflichen Werdegang revidieren könnte, würde ich definitiv Psychologie und/oder Musik studieren. Ich wäre gerne selbst ein Psychotherapeut. Die Mitarbeit bei der Telefonseelsorge ist das, was ich mir vergönnen kann, statt 6-8 Jahre lang in Psychologie + Ausbildung zum Psychotherapeuten investieren zu müssen.
  27. Musik – Ein weiteres Surrogat mit Unterpunkten:
    1. Komponieren – Anspruch 9/10 – Der komplexeste Punkt überhaupt. Ich mag es, mit vielen Instrumenten zu spielen und daraus etwas zu komponieren. Reine Klavierstücke sind eher eine Seltenheit, weil ich den Drang „Streicher dazu würden sich nicht schlecht anhören, und dazu noch Holzbläser, … O. K. auch Blechbläser, aber die Harfe muss dann mit rein, und natürlich auch E-Bass und E-Gitarre, Schlagzeug natürlich auch, …“ einfach nicht widerstehen kann. Das Komponieren fordert mich sehr, sodass ich nie das Gefühl habe, ich würde in der ersten Schulklasse sitzen. Und nach oben ist IMMER Luft. Vor allem meine Progression ist mir sehr wichtig.
    2. Musizieren – Anspruch 6/10 – Der Löwenanteil beansprucht das Klavierspielen, gefolgt von Flöte, Schlagzeug und ggf. auch Dulcimer und Mandoline. Hier habe ich diverse Möglichkeit des Spiels: Die einfachste und repetitive Art ist das Etüdenspiel. Hier brauche ich meinen Geist nicht allzu sehr anstrengen. Hat ein wenig was von einer Gehmediation. Dann auch Lieder, was sich unterteilt in jene, die ich schon spielen kann und jene, die ich noch einstudieren kann. Und zu guter Letzt das freie Improvisationsspiel. Je nach Laune wähle ich mir etwas von den vier Möglichkeiten davon aus.
    3. Musikhören – Anspruch 0/10 – Erklärt sich von selbst. Ich höre täglich 8–10 Stunden Musik. Hauptsächlich über Spotify. Hier ist mein Profil: Spotify Profil. Und hier das Last.fm-Profil: Last.fm-Profil … Für den Fall, dass ihr ein wenig stalken wollt.
      Ja, ich höre wahrlich kreuz und quer. Metal, Kinderlieder, Weihnachtslieder, J-POP, Animepop, Soundtracks, Schlager, Volkslieder, Pop, Musical, Rock, Tribal, Mittelalterdudel, usw. Musikhören ist für mich essenziell. Es bändigt mein Stimmenhören, macht mir gute Laune, und bei neuen Liedern lernt man auch einiges dazu. Was auch wieder die (musikalische) Offenheit fördert (Es ist erstaunlich, wie viele Menschen Anstoß in ihnen unbeliebter Musik finden). Und, dank meiner gestörten Filterfunktion, auf einmal alles viel klarer erscheint, sprich, ich höre mindestens 10 bis 15 Instrumente ohne großen mentalen Aufwand heraus. Natürlich nicht, wenn sie alle auf ein Mal erklingen. Das ist aber auch abhängig vom Stück. Ach so, ich höre zu 99 % Musik über Funkkopfhörer.
      Nebenbei bemerkt, fände ich es toll, wenn wir (du und ich) eine gemeinsame Playlist hätten, oder sogar gemeinsam per Gruppen-Session (Spotify) gleichzeitig dieselben Lieder hören würden. Für mich ist das wie ein kleines Stück Verbundenheit. Würdest du das auch wollen?
    4. Sounddesign – Anspruch 5/10 – Dies ist ein Kuriosum, und ich betreibe es nur sporadisch. Wenn der Computer bald bei der Musikanlage oben im Wohnzimmer steht, kann ich da so richtig aufdrehen. Sounddesign betrifft primär Synthesizer & Co., aber auch Sample-Instrumente. Als ich mit dreizehn Jahren meinen ersten Synthesizer bekam, war ich hin und weg. Meine Eltern hatten tatsächlich rund 4000 DM ausgegeben, und ihn mir zu Weihnachten geschenkt. Er hockt im Rack bei den Musiksachen im Wohnzimmer. Mit 13 Jahren habe ich Electronic-Folk-Lieder arrangiert. Leider sind meine Disketten dazu futsch. Aber auch auf Softwarebasis erfüllen mich die Sounds mit Freude. Ich mag es, damit zu spielen. Und das schon seit meiner Kindheit. Ich hatte damals einen Commodore C128 Computer und dieser hatte den berüchtigten SID-Soundchip 8580 an Board. Mit Assembler oder einer geeigneten Software ließ sich dieser Chip ansteuern. Natürlich war der Sound eher primitiv, aber er kann heutzutage, bspw. immer noch in 80er-Synthpop-Musik eingesetzt werden. Vielleicht mache ich ja das mal. (Mittlerweile gibts etliche Emulatoren.)
    5. Band – Anspruch 8/10 – Das steht in meiner Top5, was ich gerne hätte. Aktuell spielen nur Annika und ich, und Kathrin singt alle halben Jahre mal mit. Thomas wollte E-Gitarre lernen, ist aber nach zwei Jahren nicht wirklich weiter gekommen. Ja, ich habe schon Anfragen per BandFriend bekommen, aber ich traue mich noch nicht, diese zu erwidern (siehe oben, wegen der Gründe). Mir ist so ziemlich jedes Instrument recht. Schlagzeug haben wir leider nur ein Anfängergerät, und zwei Schlagzeuger wären auch zu viel des Guten. Zwei Gitarristen sind ja in Ordnung. Ich nehme auch blutige Anfänger gerne auf. Und würde auch gerne Lieder selbst schreiben für unsere Band. Der Name der Band ist: Eight Moons und basiert auf die acht Monde Iranthis, welche jeweils unterschiedliche Emotionen thematisieren. Wäre ein Bonuspunkt, wenn man auch acht Mitglieder hätte, aber bis dahin ist noch ein laaaaaaaanger Weg.
      Mir ist auch wichtig, dass sich dadurch neue Freundschaften ergeben.
  28. Pharmakotherapie – Anspruch 8/10 – Ich habe hier in diesem Artikel direkt unter diesem Kapitel meine Medikation aufgeführt. Gefühlter Erfolg: 70 %.
  29. Methoden gegen die Nebenwirkungen der Medikamente
    1. Akkommodationsstörung – Leider keine Lösung dazu.
    2. Atemnot – Alles nur noch gemächlich angehen lassen.
    3. Erbrechen & Übelkeit – Das ist sehr übel. Dagegen hilft (bedingt) das Dimenhydrinat.
    4. Erhöhter Harndrang – Ich versuche es mit Granufink wieder. Nachtrag 2022-02-02: Es scheint relativ gut zu helfen.
    5. Kaum zu bremsender Appetit – Durch konstante Zuckerzufuhr (gezuckerter Kaffee oder anderes Getränk) halbwegs bis perfekt managbar.
    6. Schläfrigkeit am Tage – Das passt halbwegs, dank des hypomanischen Residuums (oder wie immer man das bezeichnen kann.)
    7. Schluckbeschwerden – Das ist echt lästig. Tritt auch nur gut eine Stunde vor dem Schlafengehen in Erscheinung. Ich kann dem halbwegs entgegenwirken, wenn ich mir ein Bonbon in den Mund lege, während ich einschlafe. Natürlich ist das riskant, aber was sollte ich sonst tun, ohne das Gefühl zu haben, dass ich ersticke?
    8. Verdauungsstörungen – Auf die Ernährung achten! Leinsamen ist mein Freund und viel trinken. Viel trinken muss ich ohnehin, wegen des Lithiums. Ich bin bei vier bis fünf Liter täglich.
    9. Zittern – Fast vollständig verschwunden dank Propranolol.
  30. Progressive Muskelentspannung (PME) – Anspruch 2/10 – Nutze ich hin und wieder. Besonders die Muskelgruppen: Beine und Arme. Ich hatte das auch damals (1999) angewandt gegenüber meinen Ängsten.
  31. Psychoedukation – Anspruch 7/10 – Der mit wichtigste Punkt. Ich habe in den letzten drei Jahren, keine Ahnung, dutzende Artikel, Bücher und Studien gelesen und studiert. Die meisten Artikel und Bücher fielen unter der Kategorie Psychologie, Soziologie, Psychosoziologie, Psychopathologie, Persönlichkeitsentwicklung, Erziehung, usw. Wissen ist Macht. Macht über den eigenen Geist. Und natürlich auch anderen Menschen gegenüber. Was man irgendwo schon als manipulativ deuten könnte. Wobei ich niemals nur zu meinen Gunsten andere Menschen beeinflussen würde. Ganz freisprechen kann ich mich nicht, aber ich versuche, stets eine Win-win-Situation für alle Beteiligten zu erreichen. Außerdem ist mir das Wohlergehen meiner Mitmenschen ohnehin sehr wichtig. Was ich in Zukunft vorhabe, ist das arbeiten mit Arbeitsblättern aus diverser Literatur. Mal schauen, wie viel Spaß ich daran haben werde.
  32. Psychotherapeutische Eigenarbeit – Anspruch 8/10 – Dies ist auch etwas speziell und noch in den Startlöchern. Ich möchte zusammen mit meinen Angehörigen diverse Arbeitsblätter aus psychotherapeutischer Literatur abarbeiten. Vor allem der Beltz-Verlag hat interessante Materialien. Ich kann mal das ein oder andere später hier reinstellen. (Natürlich nicht die Bücher selbst.)
  33. Reden – Anspruch 5/10 – Dieser Punkt ist immens wichtig. Leider ist es schwer, mit meinen Angehörigen über meine Krankheit zu reden. Ich denke, sie vermuten, dass meine Krankheit und deren Symptomatik, nur alle ein bis zwei Wochen mal zur Ansprache gebracht werden sollten. Dem ist nicht so. Es sollte täglich thematisiert werden. Wobei alle ein bis drei Tage vertretbar wären. Ich kann es ihnen aber auch nicht wirklich verübeln. Mir macht es nicht wirklich Spaß, aber so kann ich meine Krankheit durchstehen. Aber, keine Sorge, es muss keine stundenlange Unterredung sein. Trotzdem ist es schwer, eine genaue Zahl anzugeben. Vielleicht 10–20 Minuten pro Tag? Könnte gut stimmen. Ich kann mir vorstellen, dass mangelndes Interesse ihrerseits, es ihnen schwer macht, auf mich einzugehen, aber auch das Gefühl, man könne „etwas Falsches sagen“. Oder sie denken, wenn man darüber redet, würde man die Krankheit noch weiter festigen, frei nach dem Motto: „Wenn man über Schmerzen redet, werden diese für den Betroffenen schlimmer.“ Oder sie haben von meiner „krankhaften Präsenz“ einfach genug und wollen das nicht noch weiter ausbreiten. Was soll ich davon halten? Ich denke, es ist eher Letzteres. Eigentlich ist das Ignorieren auf Dauer schlimmer als jegliche Worte. Ja, ich weiß, ich drehe mich oft im Kreis und erwähne manche Dinge schon zum x-ten Mal. Aber jedes ausgesprochene Wort, egal ob ein Mal oder zum hundertsten Mal erwähnt, entlastet mich. Und es ist ja nicht so, dass ich untätig meiner Krankheit gegenüber bin.
    Nachtrag 2022-02-24: Es hat sich erheblich gebessert. Es kann auch sein, dass ich einfach nur blind war dem gegenüber. Was mir dazu auch eingefallen ist: Ich sollte wohl auch meine Fortschritte kommunizieren, statt immer nur über das Leiden zu reden.
    Eines hasse ich aber wie die Pest: Worte, die nur Ratschläge sind, und wenn man mir zum x-ten Mal rät, ins Krankenhaus zu gehen (Ja, ihr meint es gut, usw. usf. Ich laste es euch auch nicht an.) Aber auch Ratschläge sind oft kontraproduktiv. Manchmal benötige ich einfach jemanden, der mir nur zuhört.
    Ich verlange nicht viel, aber miterleben zu müssen, dass meine Angehörigen (Ich halte den Personenkreis absichtlich vage, weil ich niemanden direkt kritisieren möchte) sich so gar nicht informieren und sachkundig machen, weder einen kurzen Artikel zu lesen, noch, mal ein Buch in die Hand zu nehmen, stimmt mich extrem deprimiert. Ich bin ihnen nicht böse. Jeder darf frei entscheiden, was er tun möchte. Ich bin nur traurig und enttäuscht. Und ich finde, das darf ich hier ruhig mal erwähnen. Man könnte jetzt argumentieren, dass meine Krankheit gegenüber meinen Angehörigen so oder so für Stress sorgt, und dass diese dann keine Energie mehr aufbringen können, um Informationsgewinn zu betreiben. Doch gerade der Informationsgewinn sorgt dafür, dass weniger Stress entstehen kann – auf beiden Seiten.
    Was ich auch gerne hätte, dass mein Stimmenhören thematisiert wird. Ich habe das Gefühl, meine Angehörigen scheuen sich davor. Vielleicht zu befremdlich? Ich wünsche mir so sehr, damit nicht mehr alleine zu sein, auch wenn Auriana dazu beiträgt, dieses Einsamkeitsgefühl zu drosseln. Mir würde auch Chat reichen. Der Druck ist teilweise unerträglich.
  34. Reden 2.0 – Anspruch 5/10 – Dies ist die sublimierte Version von „Reden“, ersetzt aber trotzdem Erstere nicht. Kathrin und ich treffen uns wöchentlich, und wir tauschen uns gegenseitig über unsere Krankheit (und auch mal andere Themen) aus.   Ich empfinde es als schön, dass die Initiative, sich wöchentlich zu treffen, von ihr ausgegangen ist. Normalerweise bin ich derjenige, der so etwas in die Wege leiten möchte. Es sollte auch erwähnt werden, dass diese Treffen KEINE Pflichtveranstaltungen sind. Wenn sich einer von uns nicht bereit fühlt, ist es auch vollkommen in Ordnung. Zurzeit bearbeiten wir auch professionelles Therapiematerial (mehr oder weniger).
  35. Resilienz aufbauen – Anspruch 9/10 – Dies ist relativ umfangreich. Ich werde in Zukunft diese Methode ausführlich hier behandeln. Der folgende Text spricht auch dich, den Leser, an.
    Grundmodell von sieben Säulen der Resilienz:
    Akzeptanz, Optimismus, Verantwortung, Selbstwirksamkeit, Netzwerkorientierung, Lösungsorientierung und Zukunftsorientierung.
    • Akzeptanz:
      Akzeptiere Situationen, die nicht zu ändern sind, und grübele nicht übermäßig über die Vergangenheit und über das, was passiert ist nach! Lass los, sei bereit für Veränderungen! Halte dir aber vor Augen, dass du deine Vergangenheit nicht völligst abschütteln kannst. Du wirst höchstwahrscheinlich, wenn du dich therapierst, damit konfrontiert sehen. Falls du aus eigenem Antrieb diese nicht bewältigen kannst, suche dir fachliche Hilfe!
    • Optimismus:
      Optimismus bedeutet nicht, sich alles schön zu reden, was für dich selbst nicht schön ist. Optimismus bedeutet, positiv in die Zukunft zu blicken, nach vorne zu schauen und darauf zu vertrauen, dass sich die Dinge gut entwickeln und Krisen meist nur vorübergehend sind. Vertraue auf die Kraft in dir, dein eigenes Leben und den Umgang mit belastenden Situationen in die Hand nehmen zu können. Auch wenn das Glas halbleer statt halbvoll ist, hast du es in der Hand, Wasser nachzufüllen. Oft hilft schon die Wortwahl dabei, wie du einer für dich belastenden Situation begegnen kannst. Probiere es einmal aus: mache aus „ich muss“ einfach einmal „ich möchte“. „Ich möchte diesen Berg an Arbeit erledigen, damit ich später Zeit zur Entspannung habe“, klingt doch viel besser als „ich muss das alles heute noch erledigen, sonst rennt mir die Zeit davon und der Chef, der Kunde, die Kollegen, die Familie werden sauer.“
    • Verantwortung:
      Verlasse deine Opferrolle! Das bedeutet nicht, dass du den Schmerz bei einem Schicksalsschlag oder die Hilflosigkeit bei einer schier unüberwindlich erscheinenden Situation nicht zulassen darfst und kein Mitgefühl von anderen erhalten darfst. Bloß sollte die innere Opferrolle nicht dein Leben bestimmen, denn sie nimmt dir die nötige Handlungsbereitschaft und das Vertrauen in deine Fähigkeiten. Denk immer daran: Kein Mensch kann dafür sorgen, dass du dich schlecht fühlst, sofern du es ihm nicht erlaubst. Sie rät: „Jeder entscheidet selbst, ob ihm zum Beispiel ein Kollege so wichtig ist, dass Zeit und Energie verbraucht werden und im schlimmsten Fall sogar die eigene Gesundheit gefährdet wird, bloß um sich über diesen Menschen zu ärgern.“ Es empfiehlt sich, eine Liste der Dinge oder Situationen zu machen, die dich regelmäßig ärgern. Schreib auf, worüber du dich ärgerst, wer dich ärgert, wodurch du dich schlecht fühlst bzw. worunter du leidest.
      Danach überlegst du, was du tun könntest, um etwas daran zu ändern. Sag jetzt nicht vorschnell: „Hab ich doch alles schon versucht und es hat nichts gebracht.“ Überleg einmal ganz genaue Strategien, wie beispielsweise ein klärendes Gespräch zu führen, bestimmten Situationen aus dem Weg zu gehen oder aber – und das ist für viele eine Herausforderung – etwas an deiner Einstellung zu verändern, sodass du dich nicht immer wieder über dieselben Dinge oder Personen ärgern musst. Mach dir einen Plan für deine nächsten Schritte. Andere Menschen werden sich nicht ändern. Also muss man in seinem Alltag selbst Wege finden, mit belastenden Situationen umzugehen. Menschen, die ihre eigenen Handlungen nie hinterfragen, geraten immer wieder in die gleichen Konflikte. Es ist ein Perspektivenwechsel angeraten.
      Dich ärgert schon seit Monaten ein Kollege, der scheinbar ohne jeglichen Arbeitseifer seine Zeit absitzt und bei neuen Aufgaben die „Das geht nicht“-Abwehrhaltung einnimmt? Denkst du daher ständig: „Wegen dem geht es hier nicht vorwärts?“ Schon wenn du den Kollegen siehst, tauchen automatisch Wut, Verärgerung und Frust auf? Dann wird es Zeit, der gedanklichen Negativspirale ein Ende zu setzen. Den Schuldigen für eine für dich unerträgliche Situation zu suchen, bringt dich nicht weiter, sondern in die Opferrolle. Wechsele die Perspektive und versetz dich in den Kollegen hinein. Vielleicht ist er gar nicht ignorant und faul, sondern scheut Verantwortung und neue Situationen? Frag dich, wie du mit deiner neuen Sichtweise die für dich problematische Situation angehen kannst. Sprich mit dem Kollegen und sag, was dich an seinem Verhalten stört. Oft merkt das Gegenüber gar nicht, wie sehr es andere Menschen mit seinem Verhalten verletzt.
    • Selbstwirksamkeit:
      Diese Säule der Resilienz beschreibt die persönliche Überzeugung, auch schwierigste Aufgaben, Herausforderungen oder Schicksalsschläge durch eigenes Handeln bewältigen zu können. Versuche einmal, spontan die zehn glücklichsten Momente in deinem Leben zu beschreiben. Zähle fünf Stärken von dir auf. Das fällt dir schwer, weil du darüber noch nie nachgedacht hast? Dann tue es jetzt und du wirst vieles finden, was in deinem Inneren schlummert und darauf wartet, hinausgelassen zu werden. Glaub an dich und deine Fähigkeiten.
      Folgende Übung könnte dabei hilfreich sein: Wähle eine Eigenschaft oder eine Angewohnheit aus, die du an dir nicht magst. Danach deutest du diese schlechte Angewohnheit um, indem du einen anderen Blickwinkel einnimmst. Deute die schlechte Angewohnheit zu deinem Vorteil um. Wenn du dich beispielsweise darüber ärgerst, dass du nie Nein sagen kannst und daher ständig von Chef und Kollegen mit Arbeit überhäuft wirst, dann könnte die Umdeutung lauten: „Ich entscheide mich dafür, hervorragende Arbeit zu leisten, weil mir Qualität wichtig ist und weil sich der Projektabschluss ohne mich zeitlich nach hinten verschieben würde.“ Das Umdeuten von als negativ empfundenen Angewohnheiten ins Positive kann deine Selbstwertschätzung stärken.
    • Netzwerkorientierung:
      In belastenden Situationen hilft ein soziales Netz aus Familienangehörigen, Freunden, Nachbarn, Kollegen oder Menschen, auf deren Hilfe und Unterstützung man sich im Notfall verlassen könnte. Die Hilfe muss noch nicht einmal in Anspruch genommen werden, damit sie die psychischen Belastungen mildert. Allein die Aussicht, dass das soziale Netz Hilfe leisten kann, stärkt die psychische Widerstandsfähigkeit. Die eigene Resilienz kann jedoch nur durch kraftspendende Beziehungen gestärkt werden. „Energiefresser“, also Personen die dir beispielsweise durch ständigen Vertrauensmissbrauch, Drohungen, emotionale Überreaktionen oder Ausnutzung deine Kraft rauben, solltest du einmal aufschreiben. Überlege, was du an der jeweils belastenden Situation mit dem „Energieräuber“ verändern möchtest. Hilft ein klärendes Gespräch oder ist es vielleicht für beide Seiten besser, den Kontakt ganz aufzugeben?
    • Lösungsorientierung:
      Nachdem du dir deiner Situation bewusst geworden bist, die Situation angenommen hast und den Schmerz aus eigener Kraft sowie mit der Hilfe anderer hinter dir gelassen hast, geht es nun darum, nach vorne zu schauen. Es geht darum, klare Ziele zu formulieren und konkrete Wege zur Umsetzung zu finden. Kurz: Es geht darum, in jeder Herausforderung auch eine Chance zu sehen.
    • Zukunftsorientierung:
      Setze dir neue Ziele, verfolge diese und kreiere ein Bild einer guten Zukunft. Fang mit einem Ziel an, formuliere es in ein bis zwei Sätzen, beschreibe es in einer positiven Sprache, als ob du es schon erreicht hättest. Und ganz wichtig: Formuliere das Ziel so, dass du es selbst erreichen kannst. Wenn der Erfolg des Ziels davon abhängt, dass sich andere zuerst verändern müssen, dann gibt man die Verantwortung für das eigene Ziel ab. Daher beantworte dir die Fragen: Wie kannst du dein Ziel mit eigenen Kräften erreichen? Was kannst du beeinflussen? Und was möchtest – nicht musst! – du dafür tun? Schalte deine Sinne ein, sehe, höre, spüre, rieche oder schmecke dein Ziel. Welches Bild siehst du vor deinem inneren Auge und wie fühlst du dich, wenn du dein Ziel erreicht hast?
    So viel zur Resilienz.  
  36. Rezidivprophylaxe und Notfallmaßnahmen – Anspruch 5/10 – Dieser Punkt ist relativ umfangreich und enthält auch teils Methoden aus anderen Punkten. Ich werde ihn später noch genauer erörtern. Hier mein Krisenplan (beta):
    Krisenplan: Bewältigungsmöglichkeiten bei Frühwarnsymptomen
    Die unten stehende Liste ist für mein Frühwarnsystem gedacht, falls sich eine Depression oder Hypomanie abzeichnet. In solchen Fällen kann ich womöglich das Unheil abwenden. Da ich ein Ultra Rapid-Cycler bin, ist das oft gar nicht mal so einfach zu diskriminieren. Auch wenn ich gut seit einem halben Jahr (Stand 2022-02-02) keine Depressionen mehr habe, so zeigen sich diese noch als Zyklothymie. Ich muss also auf der Hut sein, und versuche, die Symptome schon in ihrem Keim zu ersticken. (Nachtrag 2022-02-13: Sieht so aus, als kämen die Depressionen doch zurück.)

    Depression:
    • Unter Leute gehen, das Haus verlassen
    • leichte Bewegung, spazieren gehen
    • Sport
    • Hobbys pflegen
    • stimmungsaufhellende Musik hören
    • jeden Tag an die frische Luft gehen
    • Tageslicht (evtl. Tageslichtlampe im Winter)
    • regelmäßige Tagesstruktur aufrechterhalten
    • möglichst nicht am Tag hinlegen und schlafen
    • positive Aktivitäten: Ich wähle, die Tätigkeiten, die möglich sind und guttun
    • Kontakt zu anderen Menschen: Ich überlege, welche Personen mir guttun würden
    • entspannende Aktivitäten durchführen, vielleicht mir auch etwas gönnen
    • unangenehme Pflichten, wenn möglich, absagen/verschieben, Aufgaben delegieren
    • Personen, die nicht guttun, meiden
    • Grübeln und negative Gedanken durch Ablenkung reduzieren
    • Tages- und Wochenplan erstellen, um aktiv zu bleiben und Überforderung zu vermeiden
      (Hypo)manie:
    • Spaziergang in RUHIGER Umgebung
    • Alkohol meiden
    • zu viele Reize von außen meiden (z. B. Spaziergänge in der Natur, statt Fußgängerzone)
    • mich vor großen Einkäufen schützen (Das habe ich relativ gut im Griff mittlerweile)
    • ruhige Musik
    • Pausen einhalten
    • Aufschreiben von Gedanken, Ideen und Plänen, um mich zu bremsen
    • Schlaf sichern
    • Kontrolle der Impulsivität durch 24-Stunden-Regel (alle Entscheidungen müssen 24 Stunden überdacht werden)
    • Fokussieren auf bestimmte Tätigkeiten
    • wenn möglich Entspannungsverfahren oder andere Maßnahmen, die zur Ruhe kommen lassen
    • mich vor Außenreizen schützen
    • mir die negativen Konsequenzen des eigenen Verhaltens vorstellen
    • Lenkung der gesteigerten Aktivität in ungefährliche Bereiche
    • Tages- und Wochenplan zur bewussten Drosselung und Strukturierung führen
    Ich muss aber zugestehen, dass es mir bei den hypomanischen Methoden teilweise sehr schwerfällt, diese umzusetzen. Nicht, weil sie mir unangenehm wären; es ist vielmehr so, dass ich ja gar nicht aus der Phase heraus möchte. Sie ist schön bis hammergeil. Wozu also dann Methoden, die die Hypomanie abschwächen oder abwenden anwenden? Der Teufel steckt jedoch im Detail: Das Risiko in eine Mischphase zu fallen, sollte man nicht unterschätzen. Diese Mischzustände sind der Horror. Damals hatte ich in einer solchen Phase einen Suizidversuch, der glücklicherweise durch das Schicksal abgewendet wurde. Und so versuche ich mich trotzdem an den Methoden. Meine Lieblingsmethode ist das Fokussieren auf eine bestimmte Sache. Das ist meist das Arbeiten, Schreiben oder Komponieren.
  37. Ressourcen aktivieren – Anspruch x/10 – Ressourcen sind: z. B. motivationale Bereitschaften, Ziele, Wünsche, Interessen, Überzeugungen, Werthaltungen, Geschmack, Einstellungen, Wissen, Bildung, Fähigkeiten, Gewohnheiten, Interaktionsstile, physische Merkmale wie Aussehen, Kraft, Ausdauer, finanzielle Möglichkeiten sowie meine interpersonellen Beziehungen. Die Gesamtheit all dessen stellt, aus der Ressourcenperspektive betrachtet, meinen Möglichkeitsraum dar, in dem ich mich gegenwärtig bewegen kann, oder anders ausgedruckt, mein positives Potenzial, das mir zur Befriedigung meiner Grundbedürfnisse zur Verfügung steht. Da kommt einiges zusammen. Viele meiner Therapiemethoden können auch als Ressourcen typisiert werden.
    Ich spare mir die Ressourcen, die in Verbindung mit meiner Arbeitsstelle stehen, aus. Ich möchte auch hier Arbeit und Privates trennen. (Ist das sinnvoll in dieser Therapiemethode?)
    Das Erstellen eigener Ressourcen kann sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, aber es ist lohnenswert. Ich werde in Zukunft meine „Schatzkiste an Ressourcen“ hier auflisten und erörtern. Was ich machen werde, sind die Ressourcen auf Kartenformat zu bringen. Alle Ressourcen würde ich, sofern machbar, mit Familie und Freunde, oder gar Fremden, in Verbindung bringen wollen. Das heißt, Ressourcen sind auch interoperabel. Ich fang schon mal an:
    1. Charakterstärke: Authentizität – Das steht bei mir mit ganz oben. Ich möchte mich nicht verstellen anderen Leuten gegenüber, nur um beliebter zu werden. Entweder akzeptieren diese mich so, wie ich bin, oder halt nicht. Authentizität zu zeigen erfordert auch Mut. Mut gegenüber einer möglichen Ausgrenzung oder gar sozialer Sanktionierung. Auf der anderen Seite stehen ja die sozialen Chamäleons. Im Prinzip habe ich gegen solche Menschen nichts, nur weiß ich oft nicht, woran ich bei denen bin. Außerdem sind solche Chamäleons gerne mal Manipulatoren. Warum? Sollte man sich verstellen, ist dies schon Manipulation, weil man sich damit vom anderen etwas erhofft. Natürlich verhält man sich selbst mit Authentizität in unterschiedlichen Situationen, Gefühlslagen, Beziehungen, usw. immer etwas anders. Sonst wäre man ja … welches Wort würde passen? … Monotypisch? Hypodivers? Hypomultiperspektivisch? ...
    2. Charakterstärke: Bescheidenheit – Ich habe noch nie in meinem Leben viel mehr gebraucht, als ich wirklich gebrauchen kann. Ich muss keinen teuren Schmuck tragen, keine teure Feinkost zu mir nehmen, Luxusurlaube, teure Autos, u. v. m. Aber auch abseits des Konsums bin ich eher bescheiden. Gemeinsame Zeit zu zweit, dritt, usw. muss nicht immer actiongeladen oder programmlastig sein. Es reicht auch eine lose Runde zum Reden. Was ich mich dabei auch frage: Ist man nicht mehr bescheiden, wenn man seine Bedürfnisse mitteilt? Ich denke nicht. Aber andere mögen das vielleicht anders sehen. Ich weiß nicht.
    3. Charakterstärke: Empathie – Diese Stärke hilft mir enorm, andere Menschen lesen, aber auch mit ihnen mitfühlen und in ihre Welt eintauchen zu können.
    4. Charakterstärke: Fähigkeit zu lieben und geliebt zu werden – Noch vor einiger Zeit war ich verwirrt, was dieses „Fähigkeit geliebt zu werden“ zu bedeuten hat. Man hat es zwar gewissermaßen in den eigenen Händen, ob die Menschen einen lieben, aber ich denke, es geht hier eher darum, sich selbst als „würdig“ zu erachten. Was ja bei vielen Menschen mit niedriger Ich-Stärke der Fall ist. Auf mich bezogen: Klar, liebt mich, Leute! Ich gebe das auch zurück.
    5. Charakterstärke: Fairness – Das ist etwas, was ich schon seit meiner Kindheit gezeigt hatte. Viele Kinder zeigen Fairness, und verlieren diese mit dem Erwachsenwerden. So mein Eindruck.
    6. Charakterstärke: Feinsinnig – Dank meiner gestörten Filterfunktion wurde ich in den Feinsinn noch tiefer reingeschubst. Für mich vorwiegend im auditorischen und visuellen Bereich, aber auch das Körperempfinden. Hilft definitiv auch bei der Empathie, wenn der andere redet und man emotionale Nuancen entdecken kann.
    7. Charakterstärke: Freundlichkeit – Das kann sich etwas mit der Authentizität beißen. Oft sehen Leute es als unfreundlich, wenn man so ist wie man ist. Trotzdem versuche ich, so gut es geht, freundlich zu sein. Auch hier hilft Empathie.
    8. Charakterstärke: Kreativität – Eine meiner größten Stärken. Ich finde es aber trotzdem schwer, zu sagen, man sei kreativ oder nicht. Ich denke, das Potenzial dazu hat wirklich jeder. Und, es muss ja nicht zwangsweise im künstlerischen Bereich anzutreffen sein. Manche Menschen, die sich als unkreativ bezeichnen, sehen nur die Kunst, sind aber im Alltag und/oder Berufsleben durchaus kreativ.
    9. Charakterstärke: Kunstsinnig – Definitiv. Manche Kunstarten mehr, manche weniger. Das kann so gut wie alles sein. Mich interessiert vor allem auch der Erschaffungsprozess.
    10. Charakterstärke: Nachsicht – Das bin ich. Aber ich habe auch da meine Grenzen. Wenn mich jemand willentlich schädigen will um des Schädigens willen oder es getan hat, ist meine Nachsicht aufgebraucht. Hier ist also der Vorsatz das entscheidende Kriterium.
    11. Charakterstärke: Nächstenliebe – Hier bedarf es keiner Erklärung. Ich liebe echt jeden Menschen, und möchte am liebsten alles Leid der Welt auf mich nehmen.
    12. Charakterstärke: Optimismus – Meint man kaum. Ist aber so. Ich war noch nie ein Schwarzseher.
    13. Charakterstärke: Zuhörfähigkeiten – Daran arbeite ich stetig.
    14. Interpersonelle Beziehungen: Eine gute Tat planen – Wenn ich anderen Menschen freundlich und mit Hilfsbereitschaft und guten Taten begegne, pflege ich in einer besonderen Weise meine sozialen Beziehungen, meine Charakterstärken und zugleich mein eigenes Wohlbefinden, denn es wirkt positiv auf mich zurück. Und wenn ich möchte, nehme ich mir noch vor, in der kommenden Woche eine gute Tat zu vollbringen. Für wen oder was möchte ich gerne Zeit aufbringen und mit welcher Aktivität? Diese Ressource verbindet sich mit Interpersonelle Beziehungen: Name der betreffenden Person.
    15. Interpersonelle Beziehungen: Name der Person – Alle meine sozialen Kontakte hier aufzulisten würde den Rahmen sprengen. Doch jeder Kontakt ist auch eine Ressource. Mal stärker, mal schwächer, je nachdem, in welche Tiefe die Beziehung geht.

    16. Die folgenden, mit „archaisch“ gekennzeichneten Interessen sind jene, dich ich schon seit meiner Kindheit nachgehe. Teilweise mit längeren Pausen. Ich reiße jedes Interesse nur kurz an, welches ich schon in diesem Artikel erläutert habe.
    17. Interessen: Aquaristik – Wir haben noch ein kleines 20(?) Liter Aquarium. Ich denke, ich werde es wieder reaktivieren.
    18. Interessen: Astronomie – Archaisch. Ich hatte mich als Kind in hohem Maße für Astronomie interessiert. Natürlich besteht ein Großteil dieses Faches aus Mathematik, die ich als Neunjähriger noch nicht verstanden hatte. Aber die Berechnung der Ephemeriden war mir gleich. Mich interessierten Planeten, Sterne, Sternhaufen, galaktische Nebel, usw. Am liebsten live durchs Teleskop betrachtet. Ich hatte damals ein kleines Teleskop zu Weihnachten bekommen. Sehr viel konnte man damit nicht machen, aber es hat mehr oder weniger auch gereicht. Teleskope sind teuer. Die Brauchbaren liegen im hohen vierstelligen, fünfstelligen und sechsstelligen Preisbereich. Zu viel des Guten für ein Weihnachtsgeschenk an einen Neunjährigen. Aber man kann sich auch so mit der Materie auseinandersetzen. Ich konnte schon als Neunjähriger alle lateinischen und deutschen Namen aller 88 Sternbilder, und wusste sie auch am Himmel zu deuten.
    19. Interessen: 3D-Design – Vorwiegend mit DAZ 3D Studio.
    20. Interessen: 3D-Druck – Habe ich eine zeitlang betrieben, und würde es gerne wieder reaktivieren. Ein gedrucktes Objekt muss oft noch angemalt werden.
    21. Interessen: Anime & Manga –
    22. Interessen: A.I.-Design –
    23. Interessen: Bildende Kunst –
    24. Interessen: Chemie – Archaisch. Hat mich als Kind sehr fasziniert.
    25. Interessen: Computerspiele –
    26. Interessen: Elektrotechnik – Auch, wenn ich beruflich in diesem Thema eingespannt bin, so interessieren mich doch auch im Privaten einige Bereiche der Elektrotechnik.
    27. Interessen: Dinosaurier vulgo Paläontologie – Archaisch.
    28. Interessen: Fotobearbeitung –
    29. Interessen: Fotografie – Archaisch. Ich habe mit etwa 11 Jahren meine erste Spiegelreflexkamera geschenkt bekommen. Diese konnte ich auch mit meinem Teleskop verbinden. Schade, dass damals die Fotoanzahl relativ begrenzt war. Hätte ich damals schon eine digitale Kamera besessen, ich hätte definitiv über hunderttausend (kein Scherz!) Bilder gemacht. Aktuell fange ich wieder an zu fotografieren. Auriana wollte mit mir zusammen (als ob getrennt möglich wäre ) ein paar Frühlingsblüher fotografieren. Die höchste Anzahl an Fotos habe ich gemacht, als meine beiden Kinder noch klein waren – was nicht verwundert.
    30. Interessen: Inneneinrichtung – Vielleicht ist deswegen auch der Gurkenglasmann da. Dieses Interesse hat wohl die Mehrzahl aller Menschen.
    31. Interessen: Interessen von Angehörigen – Ich schätze mich als sehr offen ein und wenn jemand ein bestimmtes Interesse hat, bin ich sehr neugierig dem gegenüber. Sollte mich das Hobby anfänglich nicht interessieren, kann ich mir auch das Interesse erarbeiten. Ja, ich war auch schon im Fußballstadion, obwohl mich Fußball 0 % interessiert. Ich musste dabei auch feststellen, dass ich mich gerne mitreißen lasse. Mein Jubel war tatsächlich echt, als die Heimmannschaft ein Tor geschossen hat. Empathie? Ich denke schon. Hier sieht man, dass Empathie auch helfen kann, Offenheit zu zeigen und zu fühlen.
    32. Interessen: Kochen – Erklärt sich auch von selbst. Gerne auch Grillen. Ich probiere auch gerne etwas Neues aus. Mein Problem dabei ist aber, dass ich mir oft zu viel zumute. So gehe ich einkaufen unter der Prämisse, dass ich gleich fünf verschiedene Gerichte ausprobieren will, und dann mangelt es zwischendurch an der Motivation und bin total überfordert. Ende vom Lied: Die restlichen Lebensmittel werden wieder nur nach Bauchgefühl verarbeitet. Mein jetziges Mantra ist: Nur ein neues Gericht je Einkaufsphase!
    33. Interessen: Mineralien – Archaisch. Meine Eltern und ich gingen während meiner Kindheit öfters in das Naturkundemuseum in Münster, welches auch ein Planetarium integriert hat. In diesem Museum existiert auch ein Laden, wo ich mir damals je Besuch 1-2 Mineralien gekauft habe. Ich würde schon gerne eine Vitrine haben und würde auch wieder mit dem Sammeln anfangen. Und wenn ich an meine Kindheit zurückerinnere, wird mir auch etwas klar: Meine Eltern haben stets Offenheit gefördert, egal, für was ich mich auch interessiert hatte. Ein bisschen nerdig war ich auch schon damals. Ich vermute, andere Eltern hätten einfach gesagt: „Das sind doch nur Steine“, und hätten ihr Kind im Regen stehen lassen. Aber gegen eine Sache haben sie sich gestemmt: Spielzeug, das offenkundig nur für Mädchen gedacht war. *Seufz*
    34. Interessen: Mikroskopie – Archaisch. Hiermit meine ich auch eher die mikrobiologische Mikroskopie. Also per Durchlichtmikroskop schauen, was in einem Wassertropfen sich so tummelt. Dies ist ein altes Hobbys meinerseits, welches ich am liebsten aktuell nachgehen möchte. Aber ein gutes Mikroskop kostet gerne mal 1.000€ (plus Dekanter und sonstiges Zubehör). Vielleicht irgendwann mal als Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk. Ich denke, es würde meinen Kindern auch Spaß machen. Allein schon, unterwegs zu sein, um z. B. Wasserproben zu sammeln, hat ja auch was. Wenn ich von den archaischen Interessen eines wählen könnte, was ich ab sofort gerne ausleben möchte, wäre es Mikroskopie (Fotografie ausgenommen; das kann ich ja schon ausleben).
    35. Interessen: Musik – Erklärt sich von selbst.
    36. Interessen: Natur (Flora) – Spazieren in der Natur lässt mich bei jeder Blume anhalten. Und wenn ich dann noch eine Kamera dabei habe, wird diese auch genutzt.
    37. Interessen: Neues – Deckt sich mit „Interessen von Angehörigen“. Auch hier bin ich sehr neugierig. Etwas Neues auszuprobieren, kann sehr inspirierend sein. Und wenn es etwas Künstlerisches ist, umso mehr. Es sollte nur nicht zu passiv sein.
    38. Interessen: Rollenspiel – In allen Formen (gegenüber LARP bin ich jedoch noch skeptisch, ob es mich nicht überfordern könnte)
    39. Interessen: Schmetterlinge – Archaisch. Ich habe mich als Kind sehr für die Tag- und Nachtfalter interessiert. Mit Bestimmungsbuch und so weiter. Nun gut, dass ich das letzte Mal einen Schmetterling bei uns im Garten gesehen habe, ist etwa fünf Jahre her (Großstadtleben). Was schön war, war das Schmetterlingshaus im Maximilan-Park in Hamm. Das existiert heute auch noch. Vielleicht mal mit Kamera vorbeischauen?
    40. Interessen: Schreiben (Gedichte) – Hier hilft mir Auriana sehr gerne.
    41. Interessen: Schreiben (Geschichte) – Eines meiner größten Interessen.
    42. Interessen: Schreiben (Tagebuch) – Aktuell eher nur wöchentlich.
    43. Interessen: Videos (Dokumentationen und Coaching) – Auf YouTube tummeln sich viele solcher Videos.
    44. Interessen: Weltenbau (Artikel: ausbessern) – Mittlerweile habe ich schon hunderte Artikel erstellt, die immer mal wieder Text und Material von mir bekommen oder geändert werden.
    45. Interessen: Weltenbau (Aufräumen) – Hin und wieder.
    46. Interessen: Weltenbau (Bilder) – Man kann so einige an Bildern für den Weltenbau benutzen, und diese natürlich auch in den Artikeln einbetten.
    47. Interessen: Weltenbau (Neuer Artikel) – Nur um das mal hier kurz aufzulisten. Es existieren diverse Arten von Artikeln, als da wären: Gebäude, Charakter, Zustand. Militärischer Konflikt, Land, Dokument, Ethnie, Geografie, Gegenstand, Sprache, Material, Militärische Einheit, Mythos/Legende, Gesetz (Meta/Physik), Organisation, Handlung, Beruf, Prosa, Religion, Rang/Titel, RPG-Spielbericht, Siedlung, Spezies, Zauberspruch, Technologie, Tradition, Fahrzeug und generischer Artikel.
      Nicht wenig. Man hat auch die Mögliche eigene Artikelvorlagen zu erstellen. Man kann sich also richtig daran auslassen.
    48. Interessen: Weltenbau (Karte) – Mache ich eher weniger, und sollte mich noch etwas intensiver damit befassen. Hier könnt ihr meine aktuelle Karte von Iranthi sehen: Iranthi – Karte
    49. Interessen: Zimmerpflanzen – Archaisch. Ich habe mich als Kind sehr für Zimmerpflanzen interessiert. Meine Fensterbänke und Schränke standen voll mit diversen Pflanzen. Ich hatte zwei Passionsblumen, die sich, mit Schnur, durch meine Zimmer gerankt hatten. Und natürlich auch ein paar Venusfliegenfallen und Nepenthes.
    50. Reflexion – Was ich Gutes bewirkt habe. Im Alltag vollbringen wir alle kleine und größere gute Taten (z. B. jemanden ein Lächeln, offenes Ohr, Kompliment oder Zeit schenken, ein kleines Trinkgeld geben, einen älteren Verwandten besuchen oder schreiben, einen Kuchen backen und dem Nachbarn ein Stück vorbeibringen) und die Person, für die wir sie vollbringen, kann sie bemerken oder nicht (z. B. Blut spenden). Und ich stelle mir die Frage regelmäßig: Welche guten, großzügigen, freundlichen oder hilfsbereiten Taten fallen mir aus meinem bisherigen Leben ein? Und welche kann ich in Zukunft bedienen? Ich denke, ich bin da mit der Telefonseelsorge auf dem richtigen Wege.
      Beispiel: Ich hatte, als ich für unseren Hochzeitstags Blumen gekauft habe, der Kassiererin etwa 4,-€ Trinkgeld gegeben. (Ich glaube, der Strauß hat 36, irgendwas gekostet). Was ich dabei interessant fand: Die Verkäuferin hatte offensichtlich einen schlechten Tag, wirkte genervt und hat auch eine Kundin ein klein wenig unhöflich getadelt (Es durften nur zwei Leute dank Corona den Laden betreten). Schlagartig hat sich die Laune von ihr nach dem Trinkgeld verbessert. Ihr werdet euch sicherlich fragen, warum ich gerade eine etwas kratzbürstige Person ein relativ hohes Trinkgeld gegeben habe. So bin ich einfach. Ich behandel alle Menschen gleichwertig. Und dieses Trinkgeld hat einer Person, die schlecht drauf war, ein wenig weitergeholfen. Ok, 4,- € ist keine Unsumme. Auf 50,- € wollte ich dann auch nicht erhöhen. Und trotzdem … ich mag es einfach, Menschen etwas Gutes zu tun.
  38. Rollenspiel – Anspruch 5/10 – Rollenspiel spiele ich aktuell leider nur konstant mit mir allein (Ist schon traurig, was? …). Aber dieses Alleinspiel ist auch eher auf meine Geschichte abgestimmt. So was wie Romanschreiben v2. Auriana meinte aber, sie würde mit mir gerne spielen. Ich würde auch mit meinen Freunden ein Play-by-Post spielen. Das Tempo dabei ist gemächlicher und man muss auch keine Termine vereinbaren. Unser aktuelles Tabletop (World of Darkness C20) ist leider eingeschlafen, aber ich halte trotzdem fest daran. Bisher habe ich Das schwarze Auge, Dungeons and Dragons, Fate, Pathfinder und World of Darkness als Tabletop gespielt. Tabletop wäre mir auch am wichtigsten.
  39. Schlafentzug – Anspruch 7/10 – Dies ist aktuell etwas leidlich, da meine Antipsychotika sehr müde machen. Als ich noch ohne diese Medikamente auskam, hatte ich einen 40:8-Stunden-Schlafrhythmus. Dank meiner Manie recht einfach. So war ich noch 2019 und teils 2020 dank dieser Methode nicht so stark in der Depression. Da meine Depression aktuell (Stand 2022-02-12) sich wieder ein wenig zeigt, könnte ich mir vorstellen, meinen Schlaf auf sechs Stunden zu reduzieren. Aber irgendwie möchte ich das auch nicht, da ich dann auch tagsüber schläfriger bin – was auch ätzend ist.
  40. Schreiben – Dieser Punkt verdient auch ein paar Unterpunkte:
    1. Geschichten schreiben – Anspruch 9/10 – Ein großes Standbein. Ich erschließe mit diesem Surrogat all meine (inner)seelischen Brennpunkte. Ich arbeite aber nicht nur an einer einzelnen großen Chronik, sondern viele weitere Texte, wie Kurzgeschichten, Bierdeckelgeschichten, Dialoge, ja, auch Sexgeschichten (wenn auch in letzter Zeit eher sporadisch).
    2. Gedichte schreiben – Anspruch 5/10 – Zwar nicht täglich, aber dennoch, wenn mir etwas einfällt; das kann ein Thema oder nur ein Aspekt sein, welches mir wichtig ist, verarbeite ich das auch gerne mal als Gedichtform. Meine letzten Gedichte gehen aber eher auf Aurianas Konto.
    3. Introspektion mit Texten – Anspruch 7/10 – Das beste Beispiel dafür ist wohl dieser Artikel hier.
    4. Songtexte – Anspruch 7/10 – Ähnlich mit den Gedichten, nur dass hier das Komponieren auch mit einspielt.
    5. Weltenbau – Anspruch 7/10 – Dies ist recht umfangreich und hilft, mich zu therapieren enorm. Einige Artikel habe ich öffentlich gestellt und befinden sich hier in World Anvil. Siehe auch: Iranthi. Wenn ich mal bei Ideenstürmen nicht weiß, wohin, versuche ich diese in einen Artikel zu lenken, zumal eine gute Anzahl an Arten von Artikel existiert (siehe oben bei Ressourcen).
    6. Tagebuch – Anspruch 4/10 – Zwar nicht täglich, aber zumindest wöchentlich oder halt nach Lust und Laune. Eine Handvoll Einträge habe ich auch in diesem Artikel veröffentlicht. Da ich eine andere Schreibsoftware (Papyrus – Autor) nutze, habe ich wesentlich mehr Möglichkeiten als bei Microsoft Word oder Google Docs. Das kommt mir sehr entgegen. Vor allem die Kapitelstruktur und bestimmte Datenbanken (Personen, Orte, Gegenstände, usw.) ist für ein Tagebuch sehr zweckdienlich.
    7. Allegorien, Parabeln, Epigramme, Diktums, Apophthegmas, Bonmots, Aperçus, usw. – Anspruch 4/10 – So alle paar Tage mal juckt es mich und ich verfasse ein paar Texte der genannten Textarten.
      Liebe ist eine Blume, und du bist die Saat.
      — Dirk H.
  41. Selbsthilfegruppe – Anspruch 9/10 – Dieser Punkt wird in Zukunft erfüllt werden (hoffentlich). Aktuell bin ich noch in der Planungsphase. Ich habe bisher ein Onlineformular (noch beta) erstellt, wo sich Interessenten melden können. Auch zu finden unter: https://forms.gle/AUnFuv78wTt7rxgQ6
  42. Selbstmitgefühl – Anspruch 4/10 – Kurzfassung: Dies ist ein Augenblick des Leidens / Dies ist Stress → Leid gehört zum Leben → Möge ich wohlwollend und freundlich mit mir selbst umgehen → Ich verbinde meinen Atem mit Selbstmitgefühl.
  43. Selbstwert – Anspruch 4/10 – Zwar benötige ich nicht mehr Selbstwert, doch ich habe mir gedacht, es kann nicht schaden, trotzdem daran zu arbeiten. Außerdem kann es nicht schaden, sich Wissen anzueignen, um andere Menschen mit niedrigem Selbstwert zu helfen.
  44. Soziales – Erneut, Unterpunkte:
    1. Öffentliche Sozialisierung – Anspruch 9/10 – Jeden Montag fahre ich zusammen mit Annika und Lars nach Hombruch. Dort steuer ich ein Geschäft an und kaufe dort ein kleines Souvenir. (Aurianas Vorschlag)
    2. Mit Freunden treffen – Anspruch 3-9/10 – Soll auch gegen die boshafte Präsenz wirken. Leider fühlte ich mich bisher überreizt und/oder einsam. Hierbei sind nur Treffen ab vier (und, wenn meine Filterfunktion mal etwas besser funktioniert, auch ab fünf) Leute gemeint. Ich habe mir aber vorgenommen, es immer und immer wieder zu versuchen, außer meine Psyche lässt es wirklich nicht zu. Es existieren natürlich erhebliche Unterschiede, wie weit mich meine Angehörigen bei Zusammenkünften reizen. Das hier wird keine Wertung! Jeder kommuniziert nun mal anders. Die mit Behutsamsten sind Annika und Kathrin; Frank eigentlich auch. Thomas liegt auf der anderen Seite des Spektrums, sodass ich schon durch ihn überreizt werden kann, wenn nur wir beide uns treffen sollten.
    3. Konflikte & Konfliktlösungen – Anspruch 7/10 – Konflikten nicht mehr aus dem Weg zu gehen fällt mir unheimlich schwer. Sollte ich selbst aufgebracht sein, ist eine vermeintliche Lösung, mindestens eine halbe Stunde zu warten, und das ist dann oft ein Glücksspiel. Einerseits richtig, andererseits feuert dies mein SVV an. Klingt paradox, ist aber leider so. Auch meine Stimmen (oder einige davon) fangen dabei an, gehässig zu werden. Doch sie versuchen, mich nie anzustiften, irgendwelche Dummheiten zu begehen. Wohl aber die Wut noch weiter anzuspitzen. Wenn sich das konfliktbeladene Klima nicht innerhalb weniger Minuten auflöst, ist der Drang, SVV zu verüben, um ein Vielfaches höher. Ich denke, es hat mit der Einsamkeit und dem Nicht-Verstehen anderer Personen mir gegenüber zu tun. Wenn der andere Konfliktpartner Abstand hält, kommt diese wieder zum Vorschein. Also was tun, trotz 30-Minuten-Regel? Ich versuche mich an die Erkenntnis zu klammern, dass mein Konfliktpartner auch aufgebracht ist und dieser für mindestens eine halbe Stunde seinen Rückzug benötigt. Klappt mal gut, mal weniger gut. Vielleicht hilft hier, dem anderen mitzuteilen, dass man für eine gewisse Zeit Abstand benötigt. Und im Zweifelsfall versuche ich, diverse Skills (siehe unten) auszuprobieren, um meine Emotionen zu regulieren.
      Aber so oder so, Konflikte sind nötig, um eine Progression anzustreben.
      Ein Mahlstein und ein Menschenherz werden stets umhergetrieben. Wo beides nichts zu reiben hat, wird beides selbst zerrieben.
      — Friedrich von Logau
      Eine Besonderheit bildet meine Aggression innerhalb meiner manischen Zustände. Was sollte da der Konfliktpartner tun, zumal der Konfliktinhalt sinnwidrig sein kann? Ruhe bewahren und zuhören. Bloß keine „Erziehungsmaßnahmen“. Ich weiß, es ist schwer. Genauso schwerfällt es mir auch, Ruhe zu bewahren. Nicht versuchen, mich zu beruhigen – das klappt nicht. Vielleicht Humor? Aber wenn der Ort des Konfliktes verlassen wird durch die andere Partei – vorrangig mit einer passiv-aggressiven Einstellung – wird es für mich umso schlimmer. Ich mache es nicht aus Spaß. Die Aggressivität kann gewissermaßen aus dem Nichts erwachen. Ohne jegliche Grundlage, bis auf eventuelle Auslösepunkte, die aber keine Relation bereitstellen.
      Zum Schluss steht diese ganze Methodik noch halb offen. Das Vier-Seiten-Modell wende ich schon seit Jahren an, und ist in diesem Fall in Einklang gebracht gegenüber meinen Konflikten.
      Was manchmal hilft, ist das responsive Zuhören. Siehe auch: Dirk – Die Sprachen und Formen der Liebe. Dabei ist es u. a. wichtig, den anderen zuzuhören, ohne selbst in die Verteidigung zu gehen.
    4. Kontakt mit anderen Menschen per Internet – Anspruch 5/10 – Chatten & Co. Diese Methode ist nur eine andere Form des Redens. Ich habe schon mit Internetbekanntschaften telefoniert, „gevoicechattet“, normal gechattet, usw. Besonders mit jenen, die auch psychische und/oder psychosoziale Probleme haben. Hauptsächlich mit jenen aus Facebookgruppen (auch wenn mich Facebook ein klein wenig anäzt). Insofern bilden wir so etwas wie eine Selbsthilfegruppe, auch wenn meine „Standardgruppe“ als Leitthema den MBTI-INFP (Persönlichkeitstypologie) hat. Ich habe dort sogar jemanden gefunden, der auch eine schizoaffektive Störung hat – die Janine. Sie hat sich doch echt bei mir ausgiebig bedankt, dass ich ihr zugehört habe, als sie noch in der Psychiatrie war. So etwas macht mich sehr glücklich, dass ich Feedback bekomme, ob und wie sehr ich jemandem geholfen habe. Dasselbe mit der Elena, aber diese hatte „nur“ Schizophrenie (Das war die mit der Stimme namens Sebastian.)
  45. Spaziergänge – Anspruch 2/10 – In letzter Zeit eher weniger. Aber, es ist ja die Mutter aller Therapiemethoden. Wenn man mal therapeutisch nicht weiterweiß: „Betätigen sie sich körperlich!“ Falsch ist es nicht, aber auch nicht gerade die Kirsche auf der Torte. Mir hilft es so zu 3–5 %. Grob geschätzt.
  46. Spiritualität – Anspruch 3/10 – Ich weiß, ich weiß, ich weiß … ein Dirk der abergläubisch, horoskopversessen, an Geister glaubt, usw. usf. Nein, der bin ich nicht. Ich kann gut Metaphysik und Physik voneinander trennen. Aber darum geht es auch gar nicht. Es ist vielmehr die gelebte Spiritualität auf eine Weise, die mir heilsam ist. Ich habe eine hohe Imagination, und warum sollte ich diese nur in trockene Naturwissenschaft legen? Ich baue mir meine eigene Spiritualität auf. Nur für den Geist. Und diese verarbeite ich auch kreativ und künstlerisch.
    Auch sie selbst war als Soldatin da, in der Stadt der flüsternden Stimmen, die in einem riesigen Talkessel wie eine schlummernde Falle lauerte. Eine Falle, die bereit war, ihre Verderben bringenden Pfeile in das geistige Mark zu schießen, sobald dieses am Rande der Verwundbarkeit lag. Den Aufenthalt an jenem Ort der ewigen Pein nur als abscheulich zu bezeichnen, widersetzte sich jeglicher Besinnung. Es war das ungetrübte Grauen, manifestiert und destilliert in eine Form, die jedweder Beschreibung trotzte. Wo Angst ein Motivator sein konnte, war diese Stufe des mentalen Terrors eine lähmende Gewalt – eine Urflut, die jede Kerze der Zuversicht an den Gestaden der Hoffnungen auslöschte, nur um sie anschließend mit in ihre Tiefen zu reißen.
    — Aus „Die fernen Lichter“. Eine Kurzgeschichte aus den „Chroniken von Iranthi“. Dirk H.
  47. „Sport“ – Anspruch 6/10 – Vorbemerkung: eigentlich nicht das, was man sich unter Sport vorstellt. Ich versuche, meinen gesamten Körper, so viel wie möglich, in Bewegung zu halten. Also gewissermaßen ein geflissentlicher Irrwisch. Die Mentalität des „Lokomotiven Faulenzens“ habe ich mittlerweile abgelegt, sprich, es nervt mich schon lange nicht mehr, wenn ich ein paar Meter, aus welchen Gründen auch immer, gehen muss. Meine Antipsychotika lassen meinen Körper in eine Art vigilen Winterschlaf fallen, wo Mikrobewegungen nicht mehr zustande kommen, ergo der kalorische Grundumsatz des Körpers gemindert wird. Ihr kennt es sicherlich, man wackelt mit dem Bein, streckt sich, rutscht auf seinem Sitz herum, fingert hier und da, usw. Das alles wird durch Antipsychotika unterbunden. Diese Bewegungen mögen vielleicht den Grundumsatz um zusätzliche 100 bis 200 Kilokalorien erweitern, wenn man diese aber nicht abbaut, ist (neben stündlichen Heißhungerattacken) eine Gewichtszunahme gewiss. Ich habe es seit Oktober 2021 geschafft, diese Attacken zu ignorieren, bzw. ich habe sie mittlerweile gar nicht mehr. Hin und wieder treten sie aber aus ihrem Dämmerzustand und malträtieren mich.
  48. Stimmenhören (Allgemein) – Anspruch 8/10 – Das Stimmenhören kann ein Spiegel der Seele sein, wenn man sich darauf einlässt. Naturgemäß sind viele Worte kryptischer Natur. Es hat ein wenig was von einer Traumdeutung (psychologisch). Die dialogisierenden Stimmen können auch den Spiegel öffnen. Und schon sieht man, was dahinter liegt. Es ist einfach faszinierend. Hätte ich Auriana nicht, und nur die restlichen Stimmen, würde es mir schwerfallen, ob ich diese behalten möchte oder nicht. 50:50. Doch mit Auriana definitiv 100 % behalten.
    Alle in allem stehe ich meinem Stimmenhöheren sehr, sehr positiv gegenüber und arbeite auch täglich daran, dass es so bleibt. Und das Schöne: Ich entdecke täglich immer wieder etwas Neues, was meine Neugierde nur noch mehr beflügelt.
  49. Stimmungskalender – Anspruch 3/10 – Ich führe seit 2020 einen äußerst elaborierten und detaillierten Stimmungskalender. Dieser Kalender hilft mir, eine Übersicht zu betreffend meiner Symptome ansichtig zu werden. Neben dem generischen Parameter „Stimmung“ enthält dieser noch eine Vielzahl weitere – die ich selbst definiert habe – als da wären:
    1. Die extremste depressive Stimmung heute
    2. Die extremste manische Stimmung heute
    3. Die extremste Reizbarkeit heute
    4. Die extremste Angst heute
    5. Psychotische Symptome (Diese sind, dank des Stimmenhörens, täglich)
    6. Gesprächstherapie heute
    7. Suizidgedanken
    8. Emotionale Instabilität
    9. Nervosität
    10. Derealisation
    11. Zittern
    12. Libido
    13. Sonstige Krankheitssymptome
    14. Verdauungsprobleme
    15. Tagesmüdigkeit
    16. Einschlafqualität (letzte Nacht)
    17. Durchschlafqualität (letzte Nacht)
    18. Träume (letzte Nacht)
    19. Albträume (letzte Nacht)
    20. Albtraumschreie (letzte Nacht)
    21. Reflexionstraum (letzte Nacht)
    22. Mittagschlaf
    23. Wörter geschrieben
    24. Musikinstrumente geübt (Minuten)
    25. Fernsehen (Minuten)
    26. Kaffee (Löffel)
    27. Spiele (Minuten)
    28. Süßes (kcal)
    29. Konflikt (Annika)
    30. Mit Annika beschäftigt
    31. Mit Kindern beschäftigt
    32. Emotional engagiertes Klima
    33. Appetit
    34. Frühstück
    35. Mittagessen
    36. Abendessen
    37. Körperhygiene
    38. Selbstverletztendes Verhalten
    39. Besuch
    40. Woanders/Draußen
    41. Quetiapin (mg retard; letzte Nacht)
    42. Quetiapin (mg; letzte Nacht)
    43. Lithium (mg) Nachtrag 2022-02-24: Gelöscht, da ich eh immer die gleiche Dosis nehme.
    44. Lorazepam (mg)
    45. Pipamperon (mg)
    46. Propranolol (mg)
    47. Aufgaben
    48. Allgemeine Bewertung des Tages
    49. Notizen Nachtrag 2022-02-24: Ich benutze dieses Feld auch zur Protokollierung meiner Nahrungsaufnahme.
    Beispielbilder der Stimmungsapp – Klick mich!

     
  50. Surrogierende Abwehrmechanismen – Anspruch 7-10/10 – Unter diesem Punkt fallen für mich vordergründig sublimierende, kreative, künstlerische und literarische Maßnahmen, die hier in dieser Liste aufgeführt sind. Ich wollte sie jedoch an dieser Stelle zusätzlich als Oberbegriff ins Feld führen. Diese Abwehrmechanismen haben mit das maximale Strukturniveau aller Abwehrmechanismen und sind auch gleichzeitig eine Stimulanz, ein Motor meiner eigenen Kulturentwicklung.
  51. Stressmanagement – Anspruch 5/10 – An einigen Stellen im Artikel hatte ich ja schon beschrieben, wie ich mit Stress umgehe. Stressmanagement ist sehr, sehr wichtig, denn meine Krankheit kann Stress Symptome anfeuern, wie z. B. die Dissoziation, und anderes Unangenehmes.

    Nach Kaluza existieren drei Wege, um mit Stress umzugehen:
    Der erste Weg setzt direkt beim Stressor an und wird auch instrumentelle Stresskompetenz genannt. Hierbei geht es darum Belastungen soweit wie möglich zu verringern oder abzubauen. Dies kann beispielsweise einschließen, Aufgaben besser zu organisieren, Prioritäten zu setzen, die Zeit besser respektive realistischer einzuplanen oder aber auch häufiger Grenzen zu setzen, indem man „Nein“ sagt. Auch der Aufbau eines sozialen Netzwerkes, das in stressigen Situationen als Unterstützung dient, zählt hierzu. Es geht darum, die eigenen Problemlösekompetenzen zu entwickeln.

    Der zweite Weg setzt bei den Stressverstärkern an und wird auch mentale Stresskompetenz genannt. Stressverstärker sind jene Faktoren, die, wenn wir Stress haben, uns noch mehr unter Druck setzen. Also beispielsweise hohe Leistungsansprüche, Perfektionismus, die Anforderung keine Fehler machen zu dürfen oder die Vorstellung keine Probleme bereiten zu dürfen.
    Ansatzpunkt ist es hier die eigenen Einstellungen zu hinterfragen und neue hilfreiche Denkweisen zu entwickeln. Beispielsweise dass es eben in Ordnung ist einen Fehler zu machen und dass diese menschlich sind, nicht so hohe Erwartungen an sich zu setzen, mit weniger zufrieden zu sein oder Schwierigkeiten als Herausforderung und nicht als Bedrohung zu bewerten.

    Der dritte Weg der Stressbewältigung liegt bei der regenerativen Stresskompetenz (Siehe auch Arbeitsblatt 48). Hier wird bei der eigenen Stressreaktion angesetzt. Da niemals alle Stressoren vermieden oder abgebaut werden können, ist es wichtig, mit den Auswirkungen von Stress umgehen zu können. Dies beinhaltet beispielsweise körperliche oder psychische Erregung regulieren zu können und immer wieder Regenerationsphasen einzubauen. Als regenerative Stresskompetenz gilt zum Beispiel das Ausüben von Entspannungstechniken, Meditation, ausreichend Schlaf, Sport, Pflege von sozialen Kontakten, das Ausüben von Hobbys oder all diejenigen Tätigkeiten, die Ihnen helfen einen Ausgleich zu schaffen.
    Möchte man also etwas gegen Ihren Stress unternehmen, hilft es, sich zu überlegen auf welchem Weg man sein Ziel am ehesten erreichen. Welche Strategie am meisten hilft ist sehr individuell und von Situation zu Situation unterschiedlich. Oftmals ist auch eine Kombination aller dreier Wege sinnvoll. Man sollte sich daher fragen, wo es darum geht Stressoren abzubauen, an der eigenen Einstellung zu arbeiten oder für mehr Ausgleich zu sorgen.
    So viel zur Stressbewältigung.
  52. Trainieren der Stimmen – Anspruch ?/10 – Dieser Punkt befindet sich aktuell eher auf der Wunschliste. Ich muss nur noch herausfinden, wie und ob ich meine Stimmen in eine gewisse Richtung lenken und konditionieren kann.
  53. Transkribieren der Stimmen – Anspruch 5/10 – Dies ist ähnlich mit der Methode „Schreiben“, nur dass ich beim Transkribieren viel fokussierter sein muss. Oft passiert es mir, dass ich zwar einiges transkribiert habe, aber dann mittendrin wieder abschweife, ein paar Sätze wechsel, und diese dann doch nicht transkribiert habe, und so alles für die Katz war. Das Transkribieren erfordert also eine Art speziellen Fokus. Einen, der kurzes Ablenken nicht duldet. Dies hilft mir, wieder meinen Fokus zu finden. Ich mache es aber nicht allzu oft. Es ist schon sehr anstrengend. Ich merke aber, dass auch die Kommunikation mit den Stimmen so viel strukturierter abläuft, und wenig imaginative Kommunikation mit dabei ist. Für eine spätere Analyse der Gesprächsinhalte ist das Transkribieren unerlässlich. Ich habe mir vorgenommen, vermehrt zu transkribieren. Einiges davon kann ich ja auch hier veröffentlichen.
Ich würde mich darüber freuen, wenn du mir deine eigenen therapeutischen Methoden – am besten schriftlich – mitteilen würdest.

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Therapie mit (semi)professionellem Material

In diesem Kapitel thematisiere ich aus diverser Fachliteratur deren Inhalte. Sofern grafisch machbar, stelle ich z. B. diverse bearbeitete Arbeitsblätter hier rein.
Was total schön wäre, wenn ihr das ein oder andere Arbeitsblatt, welches ich hier aufführe, schnappen und bearbeiten würdet. So könnten wir gemeinsam darüber reden. Ich möchte auch von euch so einiges wissen.

Emotionsregulierung – 75 Therapiekarten – Eismann (Beltz)

Karte 1
Wie fühlen sich meine Emotionen an?
Wird eine bestimmte Emotion ausgelöst, kommt es zu körperlichen Reaktionen und Veränderungen des Körpergefühls. Diese können in verschiedenen Körperregionen auftreten, sich in Stärke und Qualität verändern, wandern oder sich ausbreiten.
Achten Sie auf typische Veränderungen Ihres Körpergefühls. So können Sie das Auftreten von Emotionen früh erkennen und diese voneinander unterscheiden.

Begriffe, mit denen sich emotionsbedingte Veränderungen des Körpergefühls beschreiben lassen:
  • Temperatur: warm, heiß, Hitzegefühl, kalt, Kälteschauer, Frösteln
  • Druck: Druckgefühl, drückend, pressend, Enge, Kloßgefühl
  • Gewicht: Schweregefühl, tonnenschwer, Last, leicht, schwebend
  • Schmerz: stechend, brennend, reißend, ziehend, scharf, dumpf
  • Körperreaktionen: Zittern, Schwitzen, Herzrasen, trockener Mund, Gänsehaut, Übelkeit, Schwindel
  • Emotionale Bilder: Ameisen auf der Haut, Schmetterlinge im Bauch, Stein im Magen
Tipp: Entwerfen Sie eigene Emotionskarten, indem Sie den Namen einer Emotion auf eine Karteikarte schreiben und typische Veränderungen Ihres Körpergefühls auf deren Rückseite. Mit Bildern aus Illustrierten oder eigenen Zeichnungen können Sie die Karten kreativ gestalten.
Nehmen Sie die Karten zur Hand, wenn Sie unsicher sind, welche Emotion Sie gerade fühlen.


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Bipolare Störung – Arbeitsblätter – Schäfer, Reif, Juckel (Beltz)

Dieses Kapitel enthält die Arbeits- und Infoblätter aus der im Titel genannten Literatur. Einige Blätter werde ich jedoch rausnehmen, da deren Informationen in erster Linie für den Therapeuten bestimmt oder grafisch für diesen Artikel zu aufwendig sind.
INFO 4 – Grundlegendes zu Emotionen
Gefühle und Stimmungen
  • Gefühle sind im Laufe der Evolution entstanden. Die mit ihnen verbundenen körperlichen Reaktionen sind uralt. Sie sind automatisierte oder erlernte Reaktionen auf innere und äußere Reize/Informationen. Sie geben uns Hinweise darauf, ob unsere Bedürfnisse befriedigt sind oder nicht. Wenn wir unsere Gefühle beachten, fällt es uns leichter, ein Bedürfnisgleichgewicht herzustellen.
  • Gefühle entstehen meist schnell und gehen häufig relativ bald vorüber. Empfindungen/Stimmungen hingegen dauern länger an und beeinflussen uns wie ein Grundrauschen.
  • Starke Gefühle führen zu starker Erregung – das gilt sowohl für positiv empfundene Emotionen wie Freude und auch für negative Emotionen wie Angst oder Trauer. Starke Emotionen sind häufig Auslöser für impulsives unüberlegtes Handeln.
  • Starke Gefühle, besonders negative, können sich subjektiv unangenehm anfühlen. Deshalb neigen etliche Menschen dazu, sie möglichst schnell loswerden zu wollen. Dies führt dazu, dass Menschen diese Gefühle verdrängen oder durch Ablenkung oder Situationsvermeidung versuchen, sie nicht zu spüren. Solches Verhalten führt kurzfristig dazu, sich besser zu fühlen. Langfristig sind die Folgen jedoch Defizite im Umgang mit Gefühlen bis hin zur Selbstentfremdung.
  • Gefühle gehen stets mit einem bestimmten Gesichtsausdruck und einer typischen Körperhaltung einher. Dadurch drücken wir unser Gefühl ohne Worte aus und das Gegenüber kann sie verstehen. Gefühle spielen in jeder Kommunikation eine zentrale Rolle.
  • Gefühle steuern unsere Motivation. Mit guten Gefühlen fällt es uns leicht zu handeln und Vorsätze in Angriff zu nehmen. Mit schlechten Gefühlen fühlen wir uns dagegen müde, antriebslos und matt. Durch den Erwerb von Emotionsregulationskompetenzen gewinnen wir die Freiheit, unsere Gefühle als Hinweisreize wahrzunehmen und die Reaktionen darauf bewusst zu steuern.
INFO 5 – Psychoedukation somatische Marker
Wie Damasio herausfand, sind Körpersignale und Empfindungen wesentlich für unser Selbstgefühl und für Entscheidungen. Die Körpersignale werden zum Gehirn gesendet und beeinflussen dort unser Denken und Handeln. Somatische Marker können sich positiv oder negativ anfühlen, je nachdem, welche Erfahrungen wir mit verschiedenen Situationen gemacht haben. Sie beinhalten also individuelles Erfahrungswissen. Positive somatische Marker weisen auf gute Erfahrungen hin, negative hingegen warnen uns vor schwierigen oder sogar bedrohlichen Situationen. Dabei kann es vorkommen, dass von uns als »bedrohlich« wahrgenommene Situationen lediglich aus einzelnen individuellen Erfahrungen resultieren und dass es sinnvoll wäre, deren Wahrnehmung zu verändern; aber selbst um das zu tun, ist es zunächst wichtig, die somatischen Marker in bestimmten Situationen wahrzunehmen.

Wählen Sie eine Situation aus der Vergangenheit, die Sie emotional bewegt hat. Dabei ist es egal, ob sich die Situation für Sie positiv oder negativ angefühlt hat.

Machen Sie – möglichst mit Anleitung – die Emotionsfokussierte Meditation zu somatischen Markern (AB 8)

Nehmen Sie dann das AB 9 »Somatogramm« zur Hand und zeichnen Sie Ihre in dieser Situation wahrgenommenen somatischen Marker ein. Sie können die Farbe wählen, die Form, Energien, zugehörige Symbole, Umgebungsmerkmale, Bewegungen, was immer Sie wollen. Spüren Sie zwischendurch nach, ob es sich in der ausgewählten Situation so angefühlt hat.
 
Arbeitsblatt 9 – Somatogramm
Wählen Sie ein Thema, zum Beispiel »Kritik erhalten« oder »einen guten Freund treffen«.
Stellen Sie sich die entsprechende Situation vor und achten Sie dabei auf Ihre Körperempfindungen. Zeichnen Sie in die Figur Ihre (positiven oder negativen) somatischen Marker ein, das heißt alles, was Sie körperlich während der Imagination der Situation empfinden. Sie können Farben, Formen, Gefühle, Energien, Bewegungen, Atmung, zugehörige Symbole, Umgebungsmerkmale, Phantasiemerkmale etc. einzeichnen.
Noch unbearbeitet.
Arbeitsblatt 10 – Gefühlsdifferenzierung
Nennen Sie Gefühle, die den angegebenen Gefühlen ähnlich sind!
    Angst
  • Aftersausen
  • Bammel
  • Bange
  • Bangigkeit
  • Bangnis
  • Beklemmung
  • Furcht
  • Furchtsamkeit
  • Herzensangst
  • Panik
  • Pavor
  • Phobie
  • Schiss
  • Ängstlichkeit
  • Fracksausen
  • Muffe
  • Manschetten
  • Scheu
  • Sorge
  • Befürchtung
  • Flattermann
  • Beklommenheit
  • Muffensausen
  • Bedenken
  • Bedrohungsgefühl
  • Horror
  • Heidenangst
  • Schock
  • Höllenangst
  • Himmelangst
  • Grausen
  • Schauder
  • Grauen

    Ekel
  • Abneigung
  • Abscheu
  • Antipathie
  • Degout
  • Widerwille
  • Sich-Abwenden
  • Ennui
  • Überdruss
  • Aversion
  • Widerstreben

    Freude
  • Amüsement
  • Begeisterung
  • Entzücken
  • Ergötzen
  • Frohmut
  • Frohsinn
  • Gaudium
  • Glückseligkeit
  • Heiterkeit
  • Hochgefühl
  • Pläsier
  • Seligkeit
  • Vergnügen
  • Wohlgefallen
  • Wonnegefühl
  • Konvivialität
  • Freudigkeit
  • Überschwang
  • Hochstimmung
  • Verzückung
  • Jubel
  • Euphorie
  • Hochgenuss
  • Spaß

    Liebe
  • Herzenswärme
  • Innigkeit
  • Zuneigung
  • Anbeten
  • Vergöttern
  • Gernhaben
  • Gefallen
  • Sein Herz verloren haben
  • Verehren
  • Anhimmeln
  • Liebhaben
  • Liebgewonnen haben
  • Geneigtheit
  • Gewogenheit
  • Sympathie
  • Wohlwollen
  • Vorliebe
  • Hinwendung
  • Verbundenheit
  • Verliebt
  • Liebestollheit
  • Liebeswahn
  • Liebestaumel
  • Schmetterlinge im Bauch
  • Vernarrt
  • Verknallt
  • Zugetan
  • Betört
  • Hingerissen
  • Liebestrunken
  • Hin und weg
  • Liebeskrank
  • Auf Wolke sieben
  • Bis über beide Ohren verliebt
  • Im siebten Himmel
  • Feuer und Flamme (für)
  • Verrückt (nach)
  • In Liebe entbrennen/erglühen
  • Frühlingsgefühle haben
  • Sein Herz verlieren
  • Sich vergucken
  • Sich verschießen
  • Sich vernarren
  • Vergafft
  • Verschaut
  • (jemandes) Augapfel
  • (jemandes) Sonnenschein

    Neugierde
  • Skopophilie (pathologisch)
  • Vorwitz
  • Wissbegierde
  • Wissensdrang
  • Wissensdurst
  • Wunsch
  • Entdeckerfreude
  • Interessiertsein
  • Interessiertheit
  • Interesse
  • Offenheit

    Trauer
  • Betrübnis
  • Elend
  • Gram
  • Jammer
  • Kreuz
  • Kummer
  • Kümmernis
  • Leid
  • Leidensweg
  • Pein
  • Qual
  • Seelenschmerz
  • Trübsal
  • Unglück
  • Deprimiert (sein)
  • Resigniert (sein)
  • Traurig (sein)
  • Trübsal blasen
  • Enttäuscht (sein)
  • Mutlos (sein)
  • Bedrückung
  • Bekümmertheit
  • Beschwernis
  • Drangsal
  • Erdenjammer
  • Erdenleid
  • Geißel
  • Harm
  • Herzeleid
  • Herzweh
  • Krux
  • Niedergeschlagenheit
  • Weh
  • Mühsal

    Überraschung
  • Verblüffen
  • Aus dem Gleichgewicht gebracht
  • Aus dem Konzept gekommen
  • Bass erstaunt
  • Entgeistert
  • Fassungslos
  • Konfus
  • Perplex
  • Platt
  • Sprachlos
  • Verdattert
  • Verdutzt
  • Verstört
  • Verwirrt
  • Verwundert
  • Wie vom Donner gerührt
  • Wie vor den Kopf geschlagen
  • Aus allen Wolken fallen
  • Nicht gerechnet haben (mit)

    Vorahnend
  • Vorgefühl
  • Intuition
  • Innere Stimme
  • Bauchgefühl
  • Siebter Sinn
  • Gespür
  • Visionär
  • Ahnungsvoll
  • Vorausahnend
  • Instinkt

    Wut
  • Animosität
  • Aufgebrachtheit
  • Empörung
  • Erbitterung
  • Furor
  • Gereiztheit
  • Groll
  • Hader
  • Jähzorn
  • Missmut
  • Rage
  • Raserei
  • Stinkwut
  • Tobsucht
  • Ungehaltenheit
  • Unmut
  • Unwillen
  • Verdrossenheit
  • Verdruss
  • Verstimmung
  • Verärgerung
  • Zorn
  • Ärger
  • Feindseligkeit
  • Empörtheit
  • Wut im Bauch
  • Aufgeregtheit
  • Böses Blut
  • Indignation
  • Echauffiertheit
  • Scheißwut
  • Wüterei
  • Aufgebrachtsein
  • Ingrimm
  • Erbostheit
  • Aufregung
Arbeitsblatt 14 – Gefühle, Denken und Handeln bei Hypomanie und Manie (Warnsignale)
  Gehobene (hypomane) Stimmung bahnt sich meist an. Oft bemerken Sie als Betroffener dies nur unterschwellig, z. B. durch somatische Marker im Sinne körperlicher Symptome oder Veränderungen. Oder Sie bemerken eine veränderte Art zu Denken bzw. andere Denkinhalte. Personen in Ihrem Umfeld können Ihnen zusätzlich Hinweise auf verändertes Verhalten geben.

Meine somatischen Marker (körperliche Symptome) bei Hypomanie:
Ein „Energieball“, der in meiner Brust entsteht und schnell in den Kopf wandert. Das Ganze repetitiv. Auch ein Gefühl der Schwerelosigkeit.
    Ich fühle mich, wenn ich hypoman/manisch bin:
Legende:
Nein
Ja
Teilweise

euphorisch
begeistert
energiegeladen
ekstatisch
tatendurstig
überschwänglich
redselig
aufgedreht
gereizt
aggressiv
fröhlich
(über)glücklich
kreativ

Meine Gedanken sind:
flüchtig
von Thema zu Thema springend
getrieben
ablenkbar
wirr
unzusammenhängend

Ich handle:
impulsiv
risikoreich
unüberlegt
rücksichtslos
 
Arbeitsblatt 15 – Gefühle und Denken bei Depressivität
  Depressive Stimmung bahnt sich meist an. Oft bemerken Sie als Betroffener dies nur unterschwellig, z. B. durch somatische Marker im Sinne körperlicher Symptome oder Veränderungen. Oder Sie bemerken eine veränderte Art zu Denken bzw. andere Denkinhalte. Personen in Ihrem Umfeld können Ihnen zusätzlich Hinweise auf verändertes Verhalten geben.
    Meine somatischen Marker (körperliche Symptome) bei Depressivität:
    Ein Gefühl von zu hoher Schwerkraft, welches sich in meiner Brust und in meinem Hals konzentriert.
      Ich fühle mich, wenn ich depressiv bin:
    Legende:
    Nein
    Ja
    Teilweise

    traurig
    niedergeschlagen
    ohnmächtig
    antriebslos
    lustlos
    schuldig
    schamhaft
    einsam
    gereizt
    aggressiv
    melancholisch
    resigniert
    enttäuscht

    Meine Gedanken sind:
    langsam
    sich im Kreise drehend
    zäh
    grüblerisch
    sorgenvoll
    katastrophisierend
    flüchtend

    Ich handle:
    langsam
    gar nicht
    gereizt
    andere wegstoßend
 
Arbeitsblatt 18 – Erleben sozialer Situationen in verschiedener Stimmung
Stellen Sie sich eine soziale Situation vor und tragen Sie ein, wie Sie sie in unterschiedlicher Stimmung wahrnehmen, interpretieren, bewerten und wie Sie handeln!

Soziale Situation
Wir treffen uns mit Freunden bei Freunden.
euphorische Stimmung depressive Stimmung
Wahrnehmung: Alles sind toll und nett Jeder denkt nur an sich und keiner interessiert sich für mich
Bewertung der Situation Absolut wundervoll Großer Mist ist das
Gefühle Freude, Liebe und Interesse/Neugierde Liebe und gleichzeitig Ablehnung (kein Hass!), aber auch Angst und Enttäuschung
körperliche Reaktion Schwerelosigkeit Ich kann mich kaum bewegen
Meine Handlungen und Reaktionen anderer Ich bleibe bis der letzte geht, und ich rede und höre so toll, dass die anderen länger bleiben Flucht meinerseits und Verständnis der anderen
 
Arbeitsblatt 24 – Körperübung zur Reduktion intensiver Gefühle
 
  1. Stellen Sie sich entspannt aufrecht hin, die Füße etwa hüftbreit auseinander.
  2. Achten Sie auf die innere Anspannung, versuchen Sie, ruhig zu atmen und entspannt zu stehen. Die Arme hängen locker an den Körperseiten herab.
  3. Gehen Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit in Ihre Füße. Spüren Sie die Fußsohlen, Ferse und Ballen. Spüren Sie, wie die Füße sicheren Halt auf dem Boden haben. Wippen Sie ein paar Mal leicht in den Knien.
  4. Stellen Sie sich jetzt wieder gerade hin und gehen Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit zu Ihren Händen. Lassen Sie die Hände locker hängen. Drehen Sie jetzt ihre Handgelenke und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf sie. Drehen Sie sie eine Weile auswärts, dann einwärts. Strecken Sie zwischendurch die Finger. Machen Sie dann Fäuste, drehen Sie weiter.
  5. Strecken Sie jetzt beide Arme zu den Seiten aus und wiederholen Sie das Drehen der Handgelenke. Wieder in beide Richtungen, wieder mit gestreckten Fingern und anschließend mit Fäusten.
  6. Legen Sie beide Hände von vorn auf die Schultern. Ihre Ellenbogen berühren sich vor der Brust. Kreisen Sie mit den Armen nach außen, die Ellenbogen bleiben auf den Schultern liegen. Nach einiger Zeit kreisen Sie in die Gegenrichtung, nach innen. Zuletzt lassen Sie die Ellenbogen wieder vor der Brust zusammenkommen.
  7. Strecken Sie jetzt den linken Arm so weit Sie können nach oben, den rechten Arm an der rechten Körperseite nach unten. Halten Sie die Hände so, als wollten Sie oben etwas greifen und unten etwas auf den Boden drücken. Halten Sie diese Stellung und atmen Sie dabei ruhig weiter ein und aus. Dann wechseln Sie, richten Sie den linken Arm nach unten und strecken Sie den rechten nach oben. Wiederholen Sie dies dreimal.
  8. Zuletzt stellen Sie die Füße etwas weiter auseinander. Führen Sie den Arm, der zuletzt unten hing, ebenfalls nach oben, sodass beide Arme nach oben gestreckt sind. Atmen Sie jetzt tief ein und lassen Sie Ihren Oberkörper dann beim Ausatmen vorwärts durch die Beine schlenkern, schlenkern sie ein paar Mal vor und zurück. Wenn Sie vollständig ausgeatmet haben, schlenkern Sie die Arme seitwärts bei leicht angewinkelten Knien und heben Sie die Arme dann bei tiefem Einatmen wieder hoch über den Kopf. Diese Sequenz wiederholen Sie drei bis fünf Mal.
Kommentar folgt noch.
 
Arbeitsblatt 25 – Skills zur Regulation sehr intensiver Gefühle
Sollte die Körperübung von AB 24 nicht ausreichen, um die Intensität eines Gefühls herunterzuregulieren, empfehlen sich Skills aus dem Manual der Dialektisch-Behavioralen Therapie nach M. Linehan.

Welche Skills helfen mir? (Probieren Sie einige aus!)
Steht noch offen
Scheint zu helfen
Unterstützend, aber nicht für sich vollständig wirksam
Hilft
Hilft nicht
Verschlechtert die Situation
Sensorische Aktivierung:
  • ein Gummiband ums Handgelenk legen und auf das Handgelenk flippen lassen
  • mit einem Igelball die Arme und Beine hinauf- und hinabrollen
  • heiß oder kalt duschen oder die Hände unter heißes/kaltes Wasser halten
  • auf einer Chilischote kauen
  • Ammoniak riechen (Apotheke)
  • eine Zitrone zerschneiden und eine Scheibe im Mund bewegen bzw. darauf herumkauen
  • alle roten (blauen, schwarzen, weißen, grünen, gelben) Dinge in diesem Raum benennen
  • etwas, das häufig zu sehen ist, laut zählen (Backsteine an der Wand, Blätter auf dem Boden, Bücher im Regal etc.)
  • von 2000 in Siebenerschritten abwärts zählen
  • sich Kopfrechenaufgaben geben lassen und diese schnell lösen
  • zwei Kilometer schnell gehen oder joggen
  • 50 Kniebeugen machen
Eigene:
  • Auf meinen rechten Zeigefinger beißen
  • Die Gedanken und Emotionen aufschreiben
  • Etüden üben
  • Geometrische Formen malen
  • Kieselsteine in das Steinbeet vorm Fenster kräftig schmettern
  • Mich selbst verletzen (Mit einem Sägemesser oder Fingernagel die Arme sägen, bis Blut austritt.)
  • Mit Auriana reden (ggf. auch andere Stimme)
  • Musik einer selbsterstellten Playlist (Auriana singt mit; siehe oben!) abspielen
  • Papier falten
  • Papierblumen basteln
  • Einen kleinen Salat herstellen
  • Symbole auf die Haut zeichnen
  • Assoziationsketten schreiben (Eichhörnchen → Nüsse → Nussecken → Gebäck → Brötchen → Frühstück → Marmelade → Gelierzucker → …)
  • Ablenken
  • An Rohkost knabbern
  • Die vorherigen 10 Minuten aus objektiver Distanz Revue passieren lassen
  • Eichhörnchen aktivieren (Insider)
  • Mit leicht geneigten Körper die Stirn gegen eine Wand pressen.
  • Laute Musik (Kopfhörer) hören
  • Zigarette rauchen
  •  
Was außerhalb nach M. Linehan nicht funktioniert oder gar verschlechtert:
  • Intensive Speisen
  • Mich selbst Ohrfeigen
  • Meditationsversuche
  • Einen Konflikt sofort lösen wollen
 
Arbeitsblatt 26 – Strategien zur Regulation sehr intensiver, mittelstarker und niedriger Gefühlsintensität
Tragen Sie die Strategien ein, die Ihnen helfen, Gefühle unterschiedlicher Intensität zu beeinflussen (Herabregulation oder Selbstmotivierung)   Gefühlsintensität/Anspannung
    hoch 8–10
  • Auriana und Objektivierung – Ich unterhalte mich ganz nüchtern mit Auriana. Sie spiegelt meine Emotion dabei und lässt diese nach und nach in ihrer Intensität abklingen.
  • Reden – Das hilft mir ungemein. Mit wem ich vorzugsweise in der jeweiligen Situation reden möchte, ist abhängig von dieser. Was ich noch nicht probiert habe, sind Gruppengespräche, egal, ob in persona oder per Chat/Messenger. Nachteil von Letzterem ist die nicht sofortige Verfügbarkeit der Gesprächspartner.
  • Schreiben – Das Schreiben hilft mir sehr mit intensiven Gefühlen umgehen zu können. Wenn die Intensität jedoch auf 10 ist, hilft es mir leider nicht mehr so gut.
  • Stimmen füttern – Das ist eine echt spaßige Methode, und ich wende sie auch außerhalb intensiver Gefühle an. Wie ich das umsetze? Ich begebe mich in abstruse Situation mit abstrusen Gedankengängen. Das kann z. B. das Musizieren auf einem Blatt Papier sein, das Trinken aus einer Blumenvase, das Malen eines Symbols auf meiner Haut, usw. sein. Sinn des Ganzen ist es, meinen Stimmenapparat herauszufordern, wie dieser auf solche Situationen reagiert, und mir damit den ein oder anderen Lacher beschert.
  • Sich vor Augen halten, dass intensive Gefühl nach einer gewissen Zeit wieder abklingen. Ergo, abwarten.
  • Humor – Das, richtig angewandt, ist mein absoluter Intensive-Gefühle-Killer. Ich erinnere mich, als ich emotional total geladen war, und Annika mir ein Besuch abgestattet hat. Ich zu ihr: „Annika! Ich bin gerade total geladen! Bitte geh!“ Dann Annika: „Das trifft sich gut. Du könntest die Tablets der Kinder laden.“
  • Empathische Absorption – Dies funktioniert nicht in depressiven Phasen, und auch nicht, wenn ich überreizt bin. Ich lasse mich einfach von der guten Laune anderer anstecken, und regel meine intensiven (negativen) Gefühle damit herab. Besonders, wenn Annika lacht, bin ich schnell von 100 auf 0.
    mittel 4–7
  • Alle Methoden von oben
  • Etwas Leckeres zubereiten und essen.
  • Bewegung.
  • Musik hören.
    niedrig 1–3
  • Alle Methoden von oben.
  • Gehmeditation – Was ich dabei total praktisch finde, ist die Eingängigkeit dieser Methode. Und man kann noch variieren, wo man hergeht. Das muss nicht zwangsweise im Haus sein.
  • Kleine Aufgaben im Haus ausführen.
  • Am Klavier ein paar Lieder spielen.
  • Zigarette rauchen.
 
 
Arbeitsblatt 26 – Tagebuch der Gefühlsregulation
Gefühl Intensität (0-10) eingesetzte Strategien Intensität (0-10) danach
Ablehnung und Wut 9 Auriana und Objektivierung 1
 
Arbeitsblatt 28 – Planung und Protokoll Achtsamkeitsübung
Das Entscheidende für Ihre Übungspraxis ist Ihre Motivation! Klären Sie mithilfe Ihres Therapeuten, was Sie sich Positives von einem Achtsamkeitstraining versprechen.    
  • Wählen Sie einen konkreten Zeitpunkt am Tag aus, an dem Sie Ihre Übungen machen. Versuchen Sie, eine Tageszeit zu finden, zu der Sie 10 bis 20 Minuten Zeit für die jeweilige Übung haben (oder so viel Zeit, wie die Übung braucht), wichtig ist eher die Regelmäßigkeit als die Länge der Übungspraxis.
  • Wählen Sie einen bestimmten Ort, an dem Sie wahrscheinlich nicht unterbrochen werden. Sie sollten den Ort so herrichten, dass Sie vor dem Üben keine langen Vorbereitungen mehr treffen müssen.
  • Spielen Sie im Kopf Ihre Übung durch, um mögliche Hindernisse zu identifizieren. Vergessen Sie nicht: Man ist immer mit etwas beschäftigt, und die neue Tätigkeit (Übung) steht in Konkurrenz zu dem, was Sie normalerweise zu der Zeit getan haben (selbst wenn Sie sich nur ausgeruht haben).
  • Überlegen Sie, wie Sie sich selbst an die Übung erinnern können, z. B. tragen Sie die Übung in Ihren Kalender ein, oder richten Sie sich einen Erinnerungsalarm in Ihrem Telefon ein oder verwenden Sie farbige Haftnotizen als Erinnerung.
  • Machen Sie die Übung, ehe Sie sich etwas Schönes erlauben (z. B. leckeres Abendessen nach Beendigung der Übung).
  • Legen Sie erreichbare Ziele fest. Man fühlt sich meistens gut, wenn man sein Ziel erreicht, und schlecht, wenn man es verfehlt hat.
Halten Sie auf diesem Arbeitsblatt jedes Mal fest, wenn Sie üben. Notieren Sie auch alles, was während der Hausaufgabe auftaucht, sodass Sie beim nächsten Treffen mit Ihrem Therapeuten darüber sprechen können.
Datum/Uhrzeit Art der Übung Empfindungen vor der Übung Empfindungen nach der Übung
 
Arbeitsblatt 29 – Atemachtsamkeit mit Atem zählen
Dauer
3–5 Minuten

Ziel der Übung
Bei der Atemachtsamkeit wird der Atem als jederzeit verfügbares Objekt zum Gegenstand der Beobachtung zur Förderung der gerichteten Aufmerksamkeit. Das Zählen hilft, die Aufmerksamkeit beim Atem zu halten. Nehmen Sie ein Gedankenabschweifen (ohne dieses negativ zu bewerten oder die eigene Person dafür abzuwerten) zur Kenntnis und bringen Sie dann Ihre Aufmerksamkeit wieder behutsam zum Atem zurück. Führen Sie die Atemübungen ruhig mehrmals am Tag durch, wenn Sie leichte Anspannung empfinden und nehmen Sie sich auch bewusst Zeit zum Üben, bis Sie die Übung sicher beherrschen.

Instruktion
Lassen Sie sich für einige Minuten Zeit, spüren Sie Ihren Atem, wie er ein- und ausströmt, wie sich Ihre Brust und der Bauch mit jedem Atemzug bewegen. Lassen Sie den Atem kommen und gehen, Sie brauchen nichts dafür zu tun, er kommt von ganz alleine. Richten Sie weiter Ihre Aufmerksamkeit auf den Atem und verweilen Sie eine Zeitlang bei ihm. Zählen Sie einen Moment lang Ihren Atem: »Ich atme ein – eins.« Wenn Sie ausatmen, dann seien Sie sich bewusst: »Ich atme aus – eins.« Denken Sie daran, vom Bauch her zu atmen. Wenn Sie mit dem zweiten Einatmen beginnen, seien Sie sich bewusst: »Ich atme ein – zwei.« Wenn Sie langsam ausatmen, seien Sie sich bewusst: »Ich atme aus – zwei.« Machen Sie so weiter bis zehn. Wenn Sie bei zehn angekommen sind, beginnen Sie wieder mit eins. Immer wenn Sie das Zählen vergessen haben, kehren Sie wieder zu eins zurück.  
 
Arbeitsblatt 30 – 5–4–3–2–1–Übung

Dauer
3–5 Minuten

Ziel der Übung Orientierung der Wahrnehmung nach außen, Gedankenstopp, Unterbrechungstechnik

Instruktion Bei dieser Methode lenken wir die Achtsamkeit abwechselnd auf bestimmte Sinne und benennen unsere Wahrnehmung. Wichtig ist, dass wir die Dinge bewusst und nicht-bewertend wahrnehmen und einen Augenblick bei der Sinneswahrnehmung verweilen. Die wahrgenommenen Dinge können sich dabei wiederholen. Wir lenken unsere Aufmerksamkeit auf …
  • … fünf Dinge, die wir sehen,
  • … fünf Dinge, die wir hören,
  • … fünf Dinge, die wir tasten oder körperlich empfinden.
Nach dem ersten Durchlauf fahren wir fort mit vier Dingen, die wir sehen, vier Dingen, die wir hören, vier Dingen, die wir tasten oder körperlich empfinden, und dann drei Dingen …
Ich wander dazu durchs Haus oder gehe auch mal in den Garten. Aber diese Methode wende ich eher selten an.
Arbeitsblatt 37 – Werte – Der Kompass für Ihr Leben
  Was einem wichtig ist, kann jeder nur für sich selbst beantworten. Vielleicht ist die Zeit gerade jetzt richtig, darüber nachzudenken. Was haben Sie an Werten? Was ist unwichtig und was soll wichtiger werden? Im Folgenden finden Sie Lebensbereiche, die viele Menschen als wichtig und wertvoll ansehen. Schätzen Sie für jeden der genannten Bereiche ein, wie wichtig der Wert (W) für Sie ist auf einer Skala von 1 (=völlig unwichtig) bis 5 (=äußerst wichtig).   Manchmal liegt ein Wert darin, Dinge »nur« zu tun, um anderen Menschen zu imponieren, deshalb fragen Sie sich, ob es sich wirklich um ihren persönlichen Wert handelt. Die Testfrage lautet: »Was wäre, wenn niemand davon erführe?« Schätzen Sie dann ein, in welchem Maße Sie Ihr Handeln (H) an diesen Werten ausrichten und in Ihrem Leben umsetzen. Nutzen Sie auch hier die Zahlen zwischen 1 (=setze ich überhaupt nicht um) und 5 (=setze ich sehr stark um). Überlegen Sie auch, welche Dinge Ihres Lebens nicht mit Ihren Werten übereinstimmen (z. B. zu beschäftigt, um genügend Zeit mit Ihren Kindern zu verbringen) und ob es innere oder äußere Hindernisse gibt, die Sie daran hindern, ein Leben in Übereinstimmung mit Ihren Werten zu leben (z. B. Angst vor Versagen oder Ablehnung?). Suchen Sie sich dann einen Lebensbereich aus, der Ihnen am Herzen liegt, und nach konkreten Schritten auf dem Weg zu wertegeleitetem Handeln und schreiben Sie diese auf.  
Partnerschaft
  • W = 5
  • H = 3
  • Hindernisse = Ich denke, das einzige Hindernis sind nur noch Zärtlichkeiten (siehe auch „Sprachen der Liebe“). Ich habe da irgendwie eine Aversion. Annika trifft aber keine Schuld. Und Annika möchte mehr den Fokus, teilte sie mir neulich mit. Was mich überrascht. Aber gut, dann gebe ich ihr halt noch mehr.
Freundschaft
  • W = 4
  • H = 2
  • Hindernisse = Meine gestörte Filterfunktion. Ggf. auch das mangelnde Interesse meiner Angehörigen mir gegenüber.
Familie, Kinder
  • W = 5
  • H = 3
  • Hindernisse = Meine gestörte Filterfunktion (und teils auch Anhedonie.)
Spiritualität/Glaube
  • W = 3
  • H = 4
  • Hindernisse = Alles gut.
Lernen/Ausbildung
  • W = 3
  • H = 3
  • Hindernisse = Alles gut, aber hin und wieder fehlt mir die Motivation. Ist aber ok.
Gesundheit, körperliches Wohlbefinden
  • W = 3
  • H = 2
  • Hindernisse = Alles gut. Aber Arztbesuche ängstigen mich und sind einfach nur nervig. Alle drei Wochen muss ich ein Rezept anfordern. Das nervt total, dass die Pharmaindustrie keine größeren Packungen bereitstellt. Bei diesem Punkt geht es auch nur um körperliches Wohlbefinden. Bei geistigem Wohlbefinden müsste ich weiter ausholen (was ich ja eigentlich auch mit diesem Artikel hier bezwecke), und dieses wäre dann W =5 und H = 5.
Freizeit/Vergnügen
  • W = 4
  • H = 2
  • Hindernisse = Meine Anhedonie.
Arbeit/Karriere
  • W = 2
  • H = 2
  • Hindernisse = Alles ok. Kann so bleiben, wie es ist. Wobei ich teils schon gerne einen anderen Beruf hätte. Z. B. im Sozialwesen oder in der klinischen Psychologie. Gerne auch als Musiktherapeut.
Gesellschaftlichtes Engagement
  • W = 3
  • H = 2
  • Hindernisse = Meine Angst. Falls ich nun endlich den Stein der Telefonseelsorge ins Rollen bringen würde, hätte ich Angst davor, verrückt zu werden. Meine Therapeutin meinte aber auch, dass es vollkommen ok ist, ob ich es im Jahr 2022 oder 2023 angehen werde.
 
Arbeitsblatt 41 – Persönliche Projekte planen
Wer nicht weiß, wohin er segeln will, für den ist kein Wind der richtige.
— Seneca, römischer Dichter und Philosoph
Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht immer noch schneller als der, der ohne Ziel herumirrt.
— Gotthold Ephraim Lessing
  Manchmal verlieren wir im Alltag den Blick fürs Wesentliche und fragen uns von Zeit zu Zeit: »Wo will ich eigentlich hin? Wozu mache ich das alles? Was ist mir wirklich wichtig?« Vielleicht sind diese Fragen auch begleitet von einer Unzufriedenheit, Zweifeln oder Sehnsucht nach jemandem oder etwas. Solche Fragen können uns inspirieren, persönlich wichtige Projekte zu planen und unsere „Herzensangelegenheiten“ zu verwirklichen. Stellen Sie sich einmal vor, Sie sind 96 Jahre alt und altersweise. Auf was in Ihrem Leben wollen Sie da zurückblicken, welche Erinnerungen werden Ihr Herz berühren?
Persönliche Projekte können sich auf ein bestimmtes Ergebnis (Führerschein machen) richten oder auf die Art, wie die Dinge verlaufen sollten (z. B. mehr Spaß mit meinen Freunden haben). Es können auch Dinge sein, die Sie tun wollen oder die Sie lassen wollen. Die Projekte können sich auf Aspekte des täglichen Lebens beziehen, wie die Partnerschaft, Familie, Arbeit, Wohnung, Freunde, Freizeit oder auch auf etwas ganz anderes. Als kleine Anregung zum Nachdenken über Ihre »persönlichen Projekte« sind einige Beispiele aufgeführt: Ein besserer Vater sein; mich mit meinem Freund besser verstehen, einen Sommerurlaub mit dem Fahrrad planen, weniger Sorgen um meine Mutter machen, meine Wohnung verschönern, am Mittwoch Fußball spielen gehen, fünf Kilo abnehmen, einen Malkurs besuchen …

Nehmen Sie sich nun bitte etwas Zeit und notieren Sie spontan all die Projekte, Aufgaben, Aktivitäten und Unternehmungen, mit denen Sie sich gerade schon befassen oder die Sie für die nächste Zeit planen. Welche positiven Effekte verbinden Sie mit dem Erreichen für sich und Ihr Leben? Unterstreichen Sie dann das Projekt, was Ihnen derzeit am wichtigsten ist:
Ich habe zusätzlich den aktuellen aufgerundeten Fortschritt (0–10) mit angegeben.
  • 100-Etüden-Buch vollständig lernen – (3/10)
  • Abnehmen – (7/10)
  • Beethovens Klaviersonaten – (1/10)
  • Büro neu strukturieren – (0/10)
  • Die boshafte Präsenz vernichten – (?/10)
  • Ein neues Hobby (ggfs. mit Kindern und/oder Freunden) – (0/10)
  • Freunde überreden, wieder Pen & Paper zu spielen – (1/10)
  • Harzbild (Ein 2 m x 0,5 m x 0,05 m großes Bild designen und anfertigen. Grobes Konzept steht schon.) – (1/10)
  • INFP-Gruppe wieder aufblühen lassen – (0/10)
  • IT- und Haustechnikhandbuch anfertigen – (0/10)
  • Mit dem Rauchen aufhören – (0/10)
  • Meine Geschichte (oder zumindest das erste Band) fertigstellen – (5/10)
  • Musicalkomposition fertigstellen – (3/10)
  • Musikanlage neu strukturieren – (0/10)
  • Persönlichkeitsentwicklung (fortlaufend)
  • Rezeptesammlung – (1/10)
  • Selbsthilfegruppe – (2/10)
  • Soziales Netzwerk ausbauen/erweitern – (0/10)
  • Telefonseelsorge – (3/10)
  • Weltenbau 5.000.000 Wörter erreichen – (3/10)
  • Werkstatt neu strukturieren – (1/10)
  • Wieder Gefallen an ein Computerspiel finden – (4/10)
  • Zahnarzt – (0/10)
  • Zimmer streichen (Schlafzimmer, Flur und Badezimmer) – (0/10)
  • Bücherfavoritenliste abarbeiten (2/10)
 
Vorschläge zur Projektplanung und Umsetzung
Wenn Sie ein persönliches Projekt gefunden haben, das für Sie (unabhängig was andere wollen) derzeit am wichtigsten ist, sind Sie schon einen großen Schritt vorangekommen. Auf dem Weg zur Zielerreichung kann Sie die Zielfindungsmethode SMART bei der konkreten Handlungsplanung mit definierten Teilzielen unterstützen (Doran, 1981). SMART steht für die folgenden fünf Aspekte:
 
  • S – spezifisch-konkret: Ihr Projekt/Ziel sollte positiv, präzise und eindeutig formuliert sein (z. B. fit sein).
  • M – messbar: Ihr Ziel sollte messbar sein (z. B. 4x pro Woche für 20 min joggen).
  • A – attraktiv: Ihr Ziel sollte Ihnen persönlich am Herzen liegen, sodass Sie es erreichen wollen.
  • R – realistisch: Ihr Ziel sollte im Rahmen Ihrer Möglichkeiten liegen (z. B. 5 km gut joggen können).
  • T – terminiert: Es sollte ein Zeitraum festgelegt sein, in welchem Sie Ihr Ziel erreichen können.

Außerdem sollte das Ziel in der ersten Person, positiv und im Präsens formuliert sein (»3 P’s«): »Ich laufe jede Woche 3 Mal für 30 Minuten, esse viel Obst und Gemüse und habe meine Idealfitness in 3 Monaten.«
Meine Ziele
S: spezifisch-konkret Ich möchte mein Idealgewicht wieder haben
M: messbar Gewichtsmessung durch die Körperwaage (inkl. Fett-, Knochen- und Muskelmasse)
A: attraktiv Definitiv
R: realistisch Ja ist es. Auch wenn es sehr schwerfällt.
T: terminiert Sommer 2022
Arbeitsblatt 43 – Meine Stärken
Der Glücksforscher Martin Seligman hat in seinen Untersuchungen über die Grenzen von Kulturen und Jahrhunderte hinweg sechs Tugenden oder »Stärkenfamilien« entdeckt. Dabei können 24 Charakterstärken dabei helfen, die Tugenden konkret in die Tat umzusetzen. Es zeigt sich in Studien, dass fünf Stärken eine spezielle Bedeutung für unsere Lebenszufriedenheit haben: die Fähigkeit, zu lieben und geliebt zu werden, Dankbarkeit, Tatendrang, Hoffnung und Neugier.

Überblick der 6 Tugenden und 24 Charakterstärken und …
  1. Weisheit und Wissen (kognitive Stärken für den Erwerb und Gebrauch von Wissen): Kreativität, Neugier, Aufgeschlossenheit, Liebe zum Lernen, Weitsicht
  2. Mut (emotionale Stärken, um mit Willenskraft Hindernisse auf dem Weg zur Erreichung eines Zieles zu überwinden): Authentizität, Tapferkeit, Ausdauer, Tatendrang/Enthusiasmus
  3. Humanität (zwischenmenschliche Stärken, die liebevolle Bindungen ermöglichen): Fähigkeit zu lieben und geliebt zu werden, Freundlichkeit, soziale Intelligenz
  4. Gerechtigkeit (Stärken, die die Beziehung zwischen dem einzelnen und der Gruppe/Gemeinschaft fördern): Teamfähigkeit, Fairness, Führungsvermögen
  5. Mäßigung (Stärken, die Exzessen wie z. B. Arroganz, kurzfristige Befriedigung, emotionalen Extremen entgegenwirken): Vergebungsbereitschaft, Bescheidenheit, Umsicht, Selbstregulation
  6. Transzendenz (Stärken, die Sinn stiften und dem Einzelnen ermöglichen, eine Verbindung zum größeren Ganzen herzustellen): Sinn für das Schöne und Gute, Dankbarkeit, Hoffnung (Optimismus), Religiosität und Spiritualität
  „Stärken stärken“ Was sind Ihre größten Charakterstärken? Wählen Sie aus den sechs Tugenden ihre persönlichen Stärken aus (oder auch andere, die nicht in der Liste aufgeführt sind). Dann tragen Sie in jeden Kreis eine Ihrer Stärken ein, die Sie für sich erkennen. In einem zweiten Schritt können Sie sich in Menschen hineinversetzen, die Ihnen wichtig sind und die Sie gut kennen. Was meinen Sie, würden andere über Ihre besonderen Stärken sagen? Schreiben Sie den Namen der Person und Ihre Stärken aus Sicht dieser Person in die außen liegenden Legenden. Sie können die Personen Ihres Vertrauens direkt befragen.    
Meine Stärken aus Sicht von Thomas sind: Urteilsfreiheit, Zuhörfähigkeiten. „Und, was Kathrin gesagt hat.“
Meine Stärken aus Sicht von Kathrin sind: „Wie Thomas, und Humor, Kreativität und Empathie.“
Meine Stärken aus Sicht von … sind:
Meine Stärken: Kreativität
Meine Stärken: Kunstsinnig
Meine Stärken: Feinsinnig
Meine Stärken: Fähigkeit zu lieben und geliebt zu werden
Meine Stärken: Freundlichkeit
Meine Stärken: Aufgeschlossenheit
Meine Stärken: Neugierde
Meine Stärken: Fairness
Meine Stärken: Nächstenliebe
Meine Stärken: Nachsicht
Meine Stärken: Dankbarkeit und Demut
Meine Stärken: Optimismus
Meine Stärken: Empathie
Meine Stärken: Zuhörfähigkeiten
Meine Stärken: Authentizität
Meine Stärken: Bescheidenheit
Meine Stärken: Ambiguitätstolerant
Ja, ich weiß, da kam ziemlich was zusammen. Aber ich denke trotzdem, dass dies meine Stärken sind, und keine „Ich hätte/würde gerne …“. Man muss sich ja nicht auf drei beschränken, und es ist auch nicht vermessen, mehr als nur ein paar zu äußern. Ich werde beizeiten noch jede Stärke erörtern oder diese zumindest beschreiben (siehe auch oben bei Meine therapeutischen Methoden – Ressourcen aktivieren!)

Im Folgenden meine Selbsteinschätzung zu meinen Stärken:
Ich würde mich auch darüber freuen, wenn du für deine Person die in der Tabelle aufgeführten Stärken bewertest und mir deine Einschätzung zukommen lässt. Ich verzichte hier absichtlich auf Fremdeinschätzung. Vielleicht können wir ja gemeinsam jede Stärke irgendwann mal thematisieren.
Arbeitsblatt 47 – Selbsttest: Was mich stresst … und was ich dagegen tun kann
  Wo liegen Ihre Stressauslöser: persönlich im Umgang mit sich selbst, in Beruf, Familie und Alltag? Bitte prüfen Sie, welche der folgenden Belastungen in Ihrem Alltag auftreten (ja oder nein). Dann gewichten Sie die Belastungen, die Sie mit »ja« angekreuzt haben, mit einem Punktwert. Sie haben insgesamt 10 Punkte, die Sie auf die verschiedenen Belastungen je nach ihrer Schwere verteilen können. Im Extremfall können Sie auch alle 10 Punkte für eine Belastung vergeben. Die anderen Belastungen erhalten dann keinen Punkt. So entsteht eine Rangreihe Ihrer wichtigsten Belastungsfaktoren.  
Nr.Stresssituation/Punkte (1-10)
1Schwierigkeiten, Berufs- und Privatleben miteinander zu verbinden
2Unzufriedenheit mit der Verteilung der Hausarbeit
3Soziale Verpflichtungen (z. B. in Vereinen oder Organisationen)
4Gesundheitliche Probleme (z. B. Krankheiten, Rauchen) bei mir1
5Gesundheitliche Probleme bei anderen
6Unzureichende Befriedigung körperliche Grundbedürfnisse (Schlaf, Ernährung, frische Luft, Bewegung)
7Unzufriedenheit mit der Wohnsituation (z. B. Lärm, zu kleine Wohnung)
8Ehe- oder Partnerschaftskonflikte
9Probleme mit den Kindern (z. B. Erziehung, Schule)
10Finanzielle Sorgen (z. B. Arbeitslosigkeit, Ratenzahlungen)
11Zu hohe Verantwortung am Arbeitsplatz
12Unzufriedenheit mit dem Arbeitsplatz (z. B. Unter-/Überforderung, mangelndes Interesse)
13Allgemeine Unterforderung (das Gefühl, nicht ausgelastet zu sein)
14Unzufriedenheit mit Arbeitsbedingungen (z. B. Bezahlung, Schichtarbeit)
15Informations‐/Reizüberflutung4
16Ständige Erreichbarkeit (Online‐Stress)
17Störungen bei der täglichen Arbeit (z. B. ständige Unterbrechungen, Termindruck, Zeitnot, Hetze)
18Konflikte mit anderen Personen (z. B. Vermieter oder Nachbarn)
19Spannungen am Arbeitsplatz (z. B. mit Kollegen, Vorgesetzten)
20Mangelnde Wertschätzung und Anerkennung der eigenen Arbeitsleistung (z. B. im Beruf, privat)
21Unstimmigkeiten im Verwandtenkreis
22Langeweile, keine Ideen für Freizeitgestaltung
23Anforderungen des Alltagslebens (z. B. Einkaufen, Kochen, Putzen, Ämtergänge)1
24Zu viele oder zu wenig soziale Kontakte
25Einsamkeitsgefühle oder sozialer Freizeitstress4
26Soziale Ängste, Unsicherheit
27Perfektionismus
28Mobbing
29andere Stressquelle
  Tragen Sie nun in die linke Spalte Ihre größten Stressoren ein und in die rechte Spalte, was Sie dagegen tun könnten. Notieren Sie im unteren Drittel bitte all jene Aktivitäten, die Ihnen guttun, Sie entspannen, auf die Sie sich freuen oder die Sie ruhiger werden lassen.  
Was mich stresst … Meine persönliche Belastungshierarchie: … und was ich dagegen tun kann
Zusammenkünfte mit Freunden. Reizüberflutung. Temporäre (~10-20 Minuten) Rückzüge in eine ruhige Umgebung.
Einkaufen gehen. Reizüberflutung. Online Einkaufen. Beruhigung durch Auriana. Für einige Minuten einen ruhigen Bereich des Geschäftes aufsuchen.
Arztbesuche Genügend Zeit lassen. Zu Fuß gehen. Betablocker nutzen, damit ich nicht mehr so zitter.
Konflikte mit Annika Skills statt SVV. Genügend Zeit einräumen, dass die Emotionen wieder erträglich sind. Objektiv bleiben. Zuhören (responsiv), statt in die Verteidigung gehen. (Achtung! Nicht ausgelebte und/oder verarbeitete Wut kann sich auf die boshafte Präsenz projizieren.)
Spiele mit meinen Kindern. Reizüberflutung Pausen zwischendurch. Grad des initialen Stresslevels bestimmt die Art des Spiels; so viel ich meine, ertragen zu können.
Einsamkeit Dies ist meine Dunkelheit. Ich weiß, was ich gegen das Alleinsein tun kann: Leute treffen. Leider ist dies kein Garant dafür, dass diese mein Einsamkeitsgefühl aus der Welt schaffen. Ich kann nur hoffen und diesen einen Wunsch hegen, dass jemand sich für mich, und das, was ich tue, interessiert. Eines fernen Tages vielleicht …
Verständlicherweise habe ich nie „Flucht“, auch wenn es hilft, aufgeführt.
  Das entspannt mich:
Zusammenkünfte mit Freunden, wo ich keine Reizüberflutung erleben muss. Paradoxerweise ist das in meiner hypomanischen Phase besser. Dort ist die Reizüberflutung zwar gegeben, aber sie setzt mir nicht mehr so zu.
Mit meiner Familie etwas unternehmen. Auch hier wieder nur in hypomanischen Zuständen. Ich taste mich aber in Normalzuständen da heran.
Wenn ich weiß, dass jemand sich für mich interessiert, mir offen zuhört und für mich da ist.
Gutes Essen in ruhiger Umgebung.
 
Arbeitsblatt 48 – Den inneren Schweinehund zähmen: mein Satz vom guten Grund

Was ist Ihr persönliche Motivation, warum Sie jetzt in Ihre regenerativen Stresskompetenzen »Erholen und Entspannen « investieren wollen? Für welches Ziel sind Sie motiviert (z. B. Gesundheit, Selbstfürsorge, Gelassenheit, Ausgeglichenheit, Work-Life-Balance)?
Abnehmen. Ich möchte endlich wieder so sein wie früher, aber auch die gesundheitliche Komponente ist mir wichtig. Meine regenerative Stresskompetenz ist das „sich eine Ausnahme gönnen“, wie bspw. alle 14 Tage dann doch mal den Pizzadienst beanspruchen, oder ein Mal pro Woche einen „Leckerabend“ veranstalten.
  Wenn Sie ein persönlich wichtiges positives Ziel haben, dann stellt sich die Frage, ob es sich lohnt, dafür Anstrengungen (z. B. Sport, Bewegung, Pflege von Hobbys, regelmäßige Pausen, Entspannungsübungen) auf sich zu nehmen? Denn das mit dem Üben ist es ja immer so eine Sache. Oft gibt es eine Reihe von inneren (z. B. den »inneren Schweinehund«) und äußeren Hindernissen (z. B. keine Zeit). Welche Hindernisse könnte es bei Ihnen geben?
Dass größte Hindernis ist wohl die Unterzuckerung am Tage. Und natürlich auch der Appetit, der ja nicht verschwunden, sondern mitunter nur verdrängt ist, und zusätzlich durch meine Medikamente teils diabolisch ist.
  Wie könnten Sie damit umgehen? Wer könnte Sie unterstützen?
Ich trinke über den Tag 3–4 Becher gezuckerten Kaffee, welcher die Unterzuckerung etwas erträglicher gestaltet. Das mache ich allein. Meine Familie unterstützt mich insofern, dass sie mir nichts, für mich Appetitliches, vorisst. Aber glücklicherweise war ich noch nie ein großer Fan von Süßigkeiten.
  So wie man einen jungen Hund erzieht, kann man auch den inneren Schweinehund zähmen, häppchenweise mit der Salamitaktik. Wichtig ist, nicht locker lassen, jeden Tag dranbleiben (… na gut, zumindest jeden zweiten …). Zur Erinnerung formulieren Sie Ihren persönlichen »Satz vom guten Grund«, mit dem Sie sich selbst motivieren können, an Ihren Zielen zu arbeiten und hängen Sie ihn gut sichtbar an eine Pinnwand oder den Kühlschrank.
  Ich werde intensiv an meinen regenerativen Stresskompetenzen arbeiten, weil …
… ich realistisch bleiben muss. Zwei Kilogramm die Woche abzunehmen ist einfach zu viel des Guten. Selbst ein Kilogramm können sehr stressen. Ich bleibe bei etwa 700 g/Woche. Das wären gut 100 g täglich, was ein Kaloriendefizit von etwa 700 kcal entspricht. Ich habe einen ungefähren Tagesgrundumsatz von 2200 kcal (Rauchen sei dank). Demzufolge beschränkt sich meine Kalorienzufuhr auf maximal 1500 kcal täglich. Ja, ja, ja, man könnte Sport betreiben, aber das ist sooooo …
Aber selbst ohne Sport ist das schaffbar. Ist doch egal ob ich im Juni oder erst im Juli wieder Idealgewicht habe. Zur regenerativen Stresskompetenz gönne ich mir einen Tag je Woche, wo ich auch mal 1500+ kcal zu mir nehmen kann (aber niemals über den Tagesgrundumsatz). Z. B. an einem Samstagabend eine Pizza bestellen. Oder auch einen „Obsttag“, wo ich munter 1-2 Kilo Früchte verspeise (Ja, die haben auch Kalorien). Und, da ich sportlich vollends müßig bin, kann ich mich nur an den obigen Werten entlanghangeln.
Betreffend der regenerativen Stresskompetenzen: Ich gönne mir ab und zu Auszeiten, wo ich wieder zu „Abnehmkräften“ kommen kann.
  Überlegen Sie sich konkrete Handlungsziele. Meine nächsten Schritte sind:
Für das „Finale“ müsste ich meine Ernährung umstellen. Was aber nicht allzu kompliziert sein wird, denn ich habe auch gelernt/gewöhnt, mich zu mäßigen. Ich hoffe nur, dies hält auch in Zukunft noch an. Das Abendbrot (Salat, Eiweißbrot mit Käse und Schinken und ggf. Antipasti und Obst) kann ich definitiv so beibehalten.
 
Arbeitsblatt 65 – Immer wenn …

Was versetzt Sie in Stress? Was macht Unruhe oder bringt Sie auf die Palme? Sammeln Sie pro Lebensbereich klassische Situationen (Anforderungen, belastende Situationen), die für Sie Stress bedeuten.  
BereichSituationen
Ausbildung/Beruf (Chef, Kollegen, Aufgaben, Prüfungen …)Immer wenn ich eine Platine entwerfe und zusammenstelle, fehlt ein Bauteil, welches dann nachbestellt werden muss (im Homeoffice eher nicht.), aber auch wenn unerwartet Fehler auftauchen z. B. beim Leiterplattendesign.
Partnerschaft (Tagesrhythmus, Ansichten, Angewohnheiten …)Immer wenn Annika über etwas spricht, sind es Probleme.
Kindererziehung (Trotz, Streitigkeiten, Überforderungen, Lärm …)Immer wenn ich nicht mit den Kindern am Computer spielen kann, fragt mich der Tim mindestens zehnmal am Tag, ob ich mit ihm spielen möchte.
Familie (Erwartungen, Verpflichtungen, zu wenig Zeit …)Immer wenn ich schlecht drauf bin, steht eine Familienfeier bevor. Und vice versa.
Freunde (Erwartungen, Diskussionen …)Immer wenn ich etwas sage, werde ich spätestens nach fünf Sekunden unterbrochen.
Hobby/Freizeit (Verein, Wetter …)Immer wenn ich eine tolle Idee habe, mangelt es an der Umsetzung, da ich entweder nicht genügend Motivation besitze oder entschlussleidig bin.
Straßenverkehr (Trödler, Beifahrer …) Immer wenn ich Auto fahre, dann als Beifahrer. Ist aber in Ordnung so.
Organisatorisches (Erledigungen, Verpflichtungen, Finanzielles …) Immer wenn ich etwas brauche, finde ich es nicht auf Anhieb.
Haushalt (Unzufriedenheit, nie endende Tätigkeiten …) Immer wenn ich in die Küche gehe, stehen Joghurtbecher herum. (Finde ich aber nicht so schlimm.)
Immer wenn …
Immer wenn …

Betrachten Sie im Anschluss Ihre typischen Stresssituationen in der Tabelle.
Haben die Stressoren etwas gemeinsam? Wenn ja: Was haben diese Situationen gemeinsam?
Ich würde sagen, das meiste davon betrifft meine Ansprüchlichkeit/Erwartungshaltung. Oder?
 
Arbeitsblatt 66 – Reaktionen auf Stress

Stresserleben zeigt sich auf verschiedene Art und Weise, häufig kommt es aufgrund der Ausschüttung von Stresshormonen zu mehr oder weniger starken körperlichen Reaktionen. Einige dieser Stressreaktionen treten besonders stark bei akutem Stress auf (z. B. Herzrasen, Hektik, Überforderungsgefühl), andere können auch durch chronischen Stress dauerhaft vorhanden sein (z. B. Magenbeschwerden, Schlafstörungen, Unzufriedenheit).

Markieren Sie in den vier Feldern, welche Stressreaktionen Sie von sich kennen und ergänzen Sie noch weitere für Sie typische Stresssymptome. Denken Sie dabei am besten an konkrete Stressreaktionen in den letzten Wochen. In Zukunft sollte es Ihnen dadurch besser möglich sein, zu erkennen, ob Sie gerade unter Stress leiden, um frühzeitig entsprechende Bewältigungsstrategien einsetzen zu können. Wenn wir die Stresssignale unseres Körpers kennen und beachten, dann haben wir die Chance, rechtzeitig gegenzusteuern, bevor es zu ernsteren gesundheitlichen Beschwerden kommt.  
Körper
Kopfschmerzen
Muskelzuckungen
Magen-Darm-Beschwerden
Sodbrennen
Herzrasen
Schwitzen
hoher Blutdruck
Müdigkeit
Erschöpfung
Schwindel
Appetitlosigkeit
Rückenschmerzen
Verspannungen
Anfälligkeit für Infekte
Zyklusstörungen (Frau)
Akorie (Gefräßigkeit, fehlendes Sättigungsgefühl)
Denken
Ablenkbarkeit
Konzentrationsprobleme
Blackouts
Wortfindungsstörungen
Vergesslichkeit
Gedankenkreisen

Gefühle
Lustlosigkeit
Deprimiert, frustriert
Gereiztheit, genervt sein
Überforderungsgefühl
Unzufriedenheit
Angstgefühle, Sorgen
Verzweiflung

Verhalten
Unruhe
Rastlosigkeit, hektisch
Schlafstörungen
Antriebslosigkeit
sexuelle Unlust
Nägelkauen
Zähneknirschen
Aktionismus
schnelles Sprechen
Bewegungsunruhe
 
Arbeitsblatt 67 – Warum fühlen wir uns überhaupt gestresst?

Betrachten Sie nochmals die Auflistung Ihrer typischen Stressoren auf AB 66. Kennen Sie Personen, die deutlich gelassener mit diesen Situationen umgehen würden? Dies könnte daran liegen, dass wir Menschen dieselben Situationen sehr unterschiedlich bewerten.

Meist fühlen wir uns besonders unter Stress, wenn bestimmte Anforderungen an uns gestellt werden, denen wir uns nicht gewachsen fühlen. Herausforderungen und schwierige Situationen sind demnach objektiv gesehen kein Stress, sondern wirken sich nur dann negativ aus, wenn wir das Gefühl haben, dass unsere Bewältigungskompetenzen nicht ausreichen.

Außerdem kann Stress entstehen, wenn uns etwas sehr wichtig ist (Ziele, Werte) und wir Angst haben, dass wir es nicht erreichen. Auch hier geht es letztlich nicht um eine objektive oder realistische Gefahr. Entscheidend dafür, wie heftig wir Stress erleben, ist allein, wie bedrohlich wir die Situation in Bezug auf unsere Ziele und Motive einschätzen. Die subjektive Bedeutung spielt also beim Stresserleben eine wichtige Rolle. Durch unsere Einstellungen, Werte und Motive können wir unser Stresserleben anfeuern oder abmildern.

Die folgenden Einstellungen führen häufig zu einem hohen Stresserleben. Oft stellt man sehr hohe Erwartungen an sich selbst, die einem das Leben schwer machen. Welche Erwartungen stellen Sie an sich? Überlegen Sie sich, ob Sie zu einer oder mehreren dieser Annahmen tendieren und besprechen Sie diese mit ihrem Therapeuten (nach Kaluza, 2012).

Sei perfekt! (überhöhter Wunsch nach Erfolg, Selbstbestätigung und Anerkennung durch andere über Leistung)
Sei beliebt! (überhöhter Wunsch nach Zughörigkeit, Angenommensein und Liebe)
Das ist meine absolute Schwachstelle. Ich möchte nicht berühmt beliebt sein oder angehimmelt werden. Ich möchte einfach nur geliebt werden. Trotzdem schaffe ich mir durch diesen Punkt nicht viel Stress, da ich es vermutlich so gewohnt bin und den Stand der Dinge einfach verdränge. Klappt mal mehr, mal weniger.

Sei stark! (überhöhter Wunsch nach persönlicher Unabhängigkeit und Selbstbestimmung)
Sei vorsichtig! (überhöhter Wunsch nach Sicherheit)
Ich kann nicht! (überhöhter Wunsch nach eigenem Wohlbefinden und einem bequemen Leben)
Auf den ersten Blick scheint dieser Punkt vor Egoismus zu überlaufen. Aber das ist bei mir nicht so. Ich möchte einfach nur gesund sein und nicht mehr leiden, und ich bin auch bereit, etwas dafür zu tun!

Behalte immer die Kontrolle! (überhöhter Wunsch nach Kontrolle über Situationen und Personen)
Das habe ich teilweise in depressiven Phasen. Vor allem, wenn etwas Negatives oder auch Neutrales ohne Ankündigung eintritt, stresst mich das sehr. Stichwort: insuffiziente Spontanität. Auf der anderen Seite, wenn ich in einer gesunden oder hypomanischen Phase bin, lasse ich mich auch gerne mal leiten, und sehe es als Chance, etwas Neues zu entdecken.
Vertraue nur dir selbst! (Misstrauen und soziale Abkapselung)
Arbeitsblatt 68 – Stressbezogene Gedanken und Bewertungen

In diesem Fragebogen finden Sie typische stressverstärkende Gedanken. Markieren Sie bitte, welche Gedanken Sie von sich kennen, wenn Sie mit einer schwierigen Situation konfrontiert sind. Die Auflistung ermöglicht Ihnen und Ihrem Therapeuten eine Übersicht über individuelle stressauslösende Gedanken.
Stressverstärkende Gedanken und Einstellungenniemanchmalhäufig
Das schaffe ich nicht!
Ich darf keine Fehler machen!
Ich muss es allen recht machen!
Was wird meine Familie (o. a.) sagen?
Ich darf nicht wütend sein!
Ich muss mich darum kümmern!
Bloß keine Schwäche zeigen!
Ich muss zu allen freundlich sein!
Es muss perfekt werden!
Ich bin ausgeliefert!
Warum tut die Person das? Da steckt doch was dahinter!
Ich halte das nicht aus!
Wenn ich nicht rechtzeitig fertig werde, ist Person X verärgert.
Was habe ich nun wieder falsch gemacht?
Ich muss abhauen.
Ich muss nur viel nachdenken, dann löse ich das Problem!
Ich fange schon an zu zittern!
Ich muss das alles noch heute schaffen!
Ich werde/könnte versagen!
Das gibt es doch nicht! Immer ich!
Ich bekomme nie etwas hin!
Jetzt hängen sie den Fehler wieder mir an!
Ich verliere die Kontrolle!
Sonstiges:
Sonstiges:
Arbeitsblatt 92 – Wie kann ich mich vor Rückfällen schützen?

Der beste Rückfallschutz ist die Kombination aus einer für Sie passenden medikamentösen Therapie und Maßnahmen, die Ihre Belastbarkeit im Alltag erhöhen.

Wir haben für Sie besten Tipps zusammengefasst, die helfen können, Rückfälle in der Zukunft zu vermeiden. Kennzeichnen Sie die Punkte, inwieweit sie diese bearbeitet haben!

= offen
= ist/wird (dauerhaft) erledigt
= bin dran und wird besser
= schaffe ich (bis jetzt) noch nicht

regelmäßige Medikamenteneinnahme
regelmäßige Termine beim Psychiater
Selbstbeobachtung schulen und damit die Selbstwahrnehmung verbessern
Frühwarnsignale beachten und frühzeitig zum Arzt gehen
stabilen Tages- und Nachtrhythmus etablieren (bezüglich Schlafzeiten, Aktivitäten)
den Alltag strukturieren, um eine gute Balance zwischen Aktivität und Erholung zu erreichen. Über- als auch Unterforderung vermeiden.
positive Aktivitäten in den Alltag einbauen; Hobbies pflegen
Selbstfürsorge betreiben (auf sich und die eigenen Bedürfnisse achten)
täglich frische Luft und Tageslicht tanken
regelmäßige Bewegung und Sport
ausreichend Ruhezeiten einplanen
Stressreduktion und Überforderung vermeiden
Konflikte mit nahestehenden Personen klären
Alkohol und Drogen meiden
Pflegen von Freundschaften, Bekanntschaften (soziales Netzwerk gibt Stabilität)
aktive Auseinandersetzung mit der Bipolaren Störung: zum Experten werden, Informationen einholen und sich mit dem eigenen Krankheitsverlauf beschäftigen
Austausch mit anderen über die Erkrankung, z. B. über Selbsthilfegruppen, Internetforen
 
Arbeitsblatt 97 – Wie bin ich?
 
Die unten stehenden Punkte „… wenn ich gesund bin“ kann ich persönlich nur schwierig einschätzen. Oft weiß ich nicht einmal, ob ich mich in einer gesunden Phase befinde, oder ob sie nur leicht depressiv oder bloß leicht hypomanisch ist. Oder: Es treten gleichsam depressive wie hypomanische Phasen in Erscheinung. Diese Zustände sind am verheerendsten. So eine Mischphase kann sich schnell als gesunde Phase tarnen – wenn keine Überreizung ansteht (nicht jeder Mischzustand ist quälend.) „Bin ich einfach nur mal so gut gelaunt, oder gehört meine Laune zur Hypomanie?“ Alles teils für mich unmöglich zu klärende Fragen, aber auch ins Mögliche zu verwandeln. Dazu muss ich noch mehr an mir arbeiten. Gewissermaßen meiner Introspektion ein neues Element reintrainieren.

Aktivitäten: Was tue ich? Wieviel Energie habe ich?
… wenn ich depressiv bin? – Nur passive Aktivitäten, aber auch das Schreiben. Ich versuche irgendwas zu finden, was mir gefällt, finde aber oft nichts. So sitze ich teilweise einfach nur herum und hoffe, dass der Spuk endlich vorbei ist. Gleichzeitig werde ich von einer Art „schattenhafter Energie“ getrieben, die es mir unmöglich macht zu entspannen.
… wenn ich gesund bin? – Schreiben, musizieren, komponieren …
… wenn ich hypomanisch bin? – Schreiben, musizieren, komponieren, viel Reden, … aber im schnelleren Tempo als im gesunden Zustand. Aber auch manchmal gereizt.

Aktivitäten: Wie verhalte ich mich anderen gegenüber?
… wenn ich depressiv bin? – „Lieb“ und schüchtern. Sehr konfliktscheu. „Ich möchte, dass es dir gut geht. Mach dir um mich keine Sorgen!“
… wenn ich gesund bin? – Ganz normal, teils unspektakulär, aber auch sozial.
… wenn ich hypomanisch bin? – Friendship is Magic! „Ich liebe euch alle!“

Was tue ich? Wie viel Energie habe ich?
… wenn ich depressiv bin? – Kann mich kaum bewegen. 1 % Energie, aber der Antrieb läuft auf Hochtouren, doch der Gang ist nicht eingelegt.
… wenn ich gesund bin? – Normal, aber trotzdem noch prokrastinierend.
… wenn ich hypomanisch bin? – Wow! 150 %. Kann mich aber nicht richtig auf eine Sache konzentrieren. Das, was mich in die Konzentration bringt, ist das Schreiben und Komponieren.

Wie fühle ich mich? Welche Gefühle sind da?
… wenn ich depressiv bin? – Fast keine. Aber in der Leere schwebt ein Herz der Liebe, doch kann ich es nicht greifen, und unter mir die Finsternis der Angst, welche mich vom Herz wegtreibt. Das ist teils unerträglich.
… wenn ich gesund bin? – Alle Gefühle. Ist auch ok so.
… wenn ich hypomanisch bin? – Freude und Liebe, aber auch Interesse/Neugierde. Wie ich mich fühle? Absolut geil. C17H21NO4-geil.

Wie ist mein Denken? Wie ist die Konzentration?
… wenn ich depressiv bin? – Blockade. Suchend nach Emotionen. Sehr langsam durch den Schmerz der Leere.
… wenn ich gesund bin? – Emotional und objektiv. Beides hält sich einigermaßen die Waage. Ich kann mich besser konzentrieren, solange die Aktivitäten nicht zu eintönig sind.
… wenn ich hypomanisch bin? – Kreuz und quer, und getrieben von einer unbekannten Macht.

Welche Gedanken habe ich in Bezug auf meine Umwelt?
… wenn ich depressiv bin? – Ich bin einsam. Keiner mag mich, keiner zeigt Interesse, keiner versteht mich.
… wenn ich gesund bin? – Fast alles ok. Ich denke aber immer noch, dass sich keiner interessiert.
… wenn ich hypomanisch bin? – Ich möchte alles wahrnehmen. Meine Neugierde wächst und wächst. Mir egal, ob sich jemand interessiert.

Wie denke ich über die Zukunft?
… wenn ich depressiv bin? – Gar nicht. Ich will einfach nur raus aus diesem Zustand. Sofort!
… wenn ich gesund bin? – Dies und das könnte nett und/oder angenehm sein. Vielleicht tue ich jemanden etwas Gutes?
… wenn ich hypomanisch bin? – Die Zukunft ist im Jetzt! Ich habe so viele Pläne, besonders anderen Menschen betreffend.

Wie gehe ich mit Problemen um?
… wenn ich depressiv bin? – Nehme sie gar nicht wirklich wahr.
… wenn ich gesund bin? – Lösen oder prokrastinieren.
… wenn ich hypomanisch bin? – „Komm! Wir machen das!“

Wie ist mein Körpergefühl? Wie schlafe ich?
… wenn ich depressiv bin? – Miserabel. Wenn ich depressiv bin, bin ich zwar energielos, aber leider dadurch nicht wirklich müde. Total ätzend!
… wenn ich gesund bin? – Geht so bis normal.
… wenn ich hypomanisch bin? – „Ich benötige keinen Schlaf!“
Hier muss erwähnt werden, dass mein Antipsychotikum für einen regelmäßigen Schlafrhythmus sorgt.
   
 

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Stefanie Stahl (Kailash Verlag) – Das Kind in dir muss Heimat finden

Im Aufbau.

Mein Schattenkind

Das Arbeitsbuch

Erster Schritt
Zweiter Schritt
Dritter Schritt


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Meine kongnitive Verhaltenstherapie

Therapiemethode – Spezial – Borderline-Spaltung

Ich habe von meiner Therapeutin eine Aufgabe bekommen, die negativen und positiven Charakterzüge meiner Angehörigen zu definieren und daraus ein Panoptikum zu bilden. Ich zeige ja leider betreffend anderer Menschen eine Schwarz-Weiß-Polarisation, und habe Schwierigkeiten sie nicht in „gut“ oder „böse“ zu stigmatisieren.
Aus datenschutzrechtlichen Gründen und weil ich meine Angehörigen nicht diskreditieren will, werde ich nur das Vorwort und mein eigenes Panoptikum hier veröffentlichen. Die negativen und positiven Charakterzüge meinerseits, sind nur Selbstbeobachtungen. Ich habe bisher von meinen Angehörigen noch keine Aussagen betreffend meiner Charakterzüge erhalten.  

Vorwort

In Anschlag zu bringen wäre: Negative, als auch positive Seiten haben ihre Berechtigung. Ich möchte niemandem seine Charakterzüge in Abrede stellen. Wenn er diese zu bewältigen sucht, ist das natürlich schön, aber wenn nicht, ist es auch legitim. Und so manche Charakterzüge kommen als Negativ-Positiv-Duett daher. Zielsetzung ist es, durch eine Art Panoptikum zwischen negativen und positiven Charakterzügen, Sensibilität und Konnivenz meinerseits aufzubauen. Ich persönlich habe arge Schwierigkeiten, negative und positive Charakterzüge anderer Menschen unter einem Dach zu bringen. Das wäre dann wohl eine von meinen negativen Charakterzügen. Das soll auch „typisch Borderline“ sein. Zeigt eine Person Negatives, erschüttert es meine Liebe zur jeweiligen Person, obwohl ich weiß, dass ich sie doch trotzdem liebe (Nicht sexuell). Klingt etwas barock. Ist aber so. Den „Liebeskern“, jener, der mich andere Menschen mit Nächstenliebe lieben lässt, wird aber dadurch nicht tangiert. Doch ich habe eine enorm hohe Stütze: Meine Vergebungsbereitschaft und Offenheit. Wären diese Charakterzüge bei mir nicht vorhanden, hätte ich den ein oder anderen Freund (auch damals) zum Teufel gejagt.

Für Leser, denen das Wort „psychosozial“ nicht geläufig ist: Die Charakterzüge müssen für einen selbst und gleichzeitig auch für die Mitmenschen direkt von Relevanz sein. Kreativität, Bildung, Ehrgeiz, usw. sind keine psychosozialen Charakterzüge – jedenfalls nicht direkt. Empathisch hingegen schon. Auch Emotion haben, je nach Stimulans, psychosoziale Auswirkungen. Dieser Artikel bringt nur die psychosozialen Charakterzüge die mich und den jeweiligen Angehörigen betreffen in den Fokus. D. h., die Exponate haben durchaus viel mehr negative, neutrale, wie positive Charakterzüge. Ich maße mir außerdem nicht an, zu entscheiden, wie sich jemand gegenüber seinem Partner (oder andere Personen) zu verhalten hat.

Ich vermute, meine Krankheit lässt auch die negativen Charakterzüge meiner Mitmenschen viel gravierender erscheinen, als diese augenscheinlich sind. Meine Empfindlichkeit wurde dadurch auf eine neue Stufe angehoben. Was ich persönlich irgendwie unfair gegenüber meinen Mitmenschen finde. Aber seit wann ist eine Krankheit schon fair?

Ich schreibe außerdem bei jeden von mir eingeschätzten Charakterzug auch die Emotion anbei, die ich dabei fühle, wenn dieser sich manifestiert.

Der ganze Artikel ist auch entre nous und reflektiert meine persönlichen Beobachtungen. Nur die jeweilig exponierten Personen und meine Therapeutin bekommen diesen Artikel zur Sicht. Wobei ich mir im ersten Fall noch nicht sicher bin.

Eine Bemerkung für meine Exponate: Dies alles hier sind meine Beobachtungen, und spiegeln das Bild wider, was ich von euch habe. Es sind jene Charakterzüge, mit denen ich persönlich Schwierigkeiten habe – im Großen, wie im Kleinen. Andere mögen das vielleicht anders wahrnehmen. Und ihr selbst seht euch mit ziemlicher Sicherheit auch anders. Versucht bitte nicht, in die Defensive zu gehen, und versucht auch bitte nicht, mich mit Worten zu überzeugen, dass die Punkte – aus eurer Sichtweise – falsch sind! Das funktioniert so bei mir nicht. Zeigt es lieber mit Taten! Beispiele zu den einzelnen Charakterzügen kann ich euch auch nicht per se mitteilen – also fragt bitte nicht danach! Fragt bitte also auch nicht, wie ich „darauf gekommen“ bin! Ich kann euch jedoch umgehend eine Rückmeldung zuteilwerden lassen, falls ihr im gegebenen Moment einen der genannten Charakterzüge berührt. Negative Charakterzüge zu haben, ist nicht gleichbedeutend mit „ein schlechter Mensch“ zu sein. Wir alle haben unsere negativen, wie positiven Seiten. Negativ bedeutet auch per se nichts Schlechtes und es ist nur menschlich. Und aus all diesen Gründen fange ich auch mit meinen eigenen psychosozialen Charakterzügen an. Ich gebe außerdem zu Bedenken, dass meine Krankheit meine Beobachtungen womöglich verzerrt.
Und bitte, versucht, nicht zu analysieren, wie gut ich euch kenne. Frei nach dem Motto: „Was schreibt er da? Er kennt mich anscheinend nicht richtig!“ Es sind nur, wie bereits schon erwähnt, meine Beobachtungen – die nicht fehlerfrei sein müssen.

Zu guter Letzt: Ich liebe euch! Vergesst das nicht!  

Ich

Negative Charakterzüge (Selbssteinschätzung)
  • Verträgt nur schwer Kritik (Emotionen: Angst, Ehrfürchtig, Empört, Gefroren, Missfällig, Überrascht, Traurigkeit, Wut, Verzweifelt)
  • Hat Komplikationen, negative und positive Charakterzüge der Mitmenschen als ganzheitliche Objektrepräsentanzen zu integrieren (Borderline-Spaltung) (Emotionen: Angst, Empört, Gefroren, Missmutig, Traurigkeit, Verzweifelt, Wut)
  • Harmonieorientiert (Geht Konflikten aus dem Weg) (Emotionen: Angst, Besorgt, Vorahnend)
  • Kann stark expressiv reagieren und dann wieder undurchdringlich (Emotional instabil) (Emotionen: Variabel)
  • Prokrastinierend (wenn es andere Personen betrifft eher seltener) (Emotionen: Ablehnung, Beschämt, Besorgt, Pessimistisch, Reue)
  • Erhebt Anspruch auf Authentizität gegenüber anderen Menschen (Emotionen: Empört, Hoffend)
  • Vermeidet gesellschaftliche Zusammenkünfte (Emotionen: Angst, Besorgt, Vorahnend)
  • Zu (sensorisch) sensitiv (Emotionen: Variabel)
  • Muss sich öfters zurückziehen (Überreizung) (Emotion: Variabel)
  • Schriftliche Sprache zu elaboriert (Wird oft nicht verstanden. Annikas Einwurf) (Emotionen: Freude, Neugierde, Hoffend)
  • Sehr reserviert, teils argwöhnisch (Öffnet sich nur sehr langsam) (Emotionen: Angst, Pessimistisch, Zynisch)
  • Anpassungsschwierigkeiten (Beißt sich mit Authentizität) (Emotionen: Angst, Empört, Gefroren, Wut)
  • Nimmt schnell an, niemand würde sich für ihn interessieren (Emotionen: Angst, Besorgt, Pessimistisch, Vorahnend)
  • Verträgt keinen Stress (Emotionen: Angst, Besorgt, Vorahnend)
  • Stellt zu hohe Ansprüche an seine Mitmenschen (Emotionen: Angst, Besorgt, Hoffend, Liebe, Vorahnend)
  • Will andere Menschen (obsessiv) therapieren (Emotionen: Besorgt, Hoffend, Liebe, Vorahnend)
  • Kann manchmal sticheln (Ist aber schon besser geworden) (Emotion: Zynisch)
 
Positive Charakterzüge (Selbssteinschätzung)
  • Authentisch (Emotionen: Angst, Vorahnend)
  • Emphatisch (Emotionen: Variabel)
  • Guter Zuhörer (wenn die Stimmen nicht belagern) (Emotionen: Variabel)
  • Zeigt und fühlt Interesse (Emotionen: Liebe, Neugierde, Überrascht)
  • Sehr aufgeschlossen (Emotionen: Freude, Hoffend, Liebe, Neugierde, Optimistisch)
  • Wertet nicht (Emotionen: Liebe, Hoffend, Optimistisch, Vorahnend)
  • Loyal (Emotionen: Froh, Liebe, Optimistisch, Vorahnend)
  • Liebt und verklärt jeden Menschen (Emotionen: Liebe)
  • Nachsichtig/Vergebungsbereit (Emotionen: Angst, Besorgt, Liebe, Optimistisch)
  • Tolerant (Emotionen: Liebe, Optimistisch, Überrascht)
  • Hohe Ambiguitätstoleranz (Emotionen: Liebe, Optimistisch, Überrascht)
  • Fair (Emotionen: Hoffend, Liebe, Optimistisch)
  • Ist gewillt, an sich zu arbeiten (Emotionen: Hoffend, Liebe, Optimistisch)
  • Hilfsbereitschaft extrem hoch (Nur psychisch und Psychosoziales) (Emotionen: Hoffend, Liebe, Optimistisch)
 
Neutrale Charakterzüge (Selbssteinschätzung)
  • Sehr vigilant (Überprüft sehr oft Aussagen) (Emotionen: Neugierig, Überrascht, Verwirrung)
  • Ambivert (Benötigt viel Alleinzeit und gleichzeitig viel Zeit mit anderen.) (Emotionen: Variabel)
  • Mag keine Wettkämpfe (Emotionen: Liebe, Reue, Traurigkeit)
  • Hilfsbereitschaft: Mittelmaß (Ausgenommen psychisch und Psychosoziales) (Emotionen: Hoffend, Liebe, Optimistisch)
  • Antikonformist (Emotionen: Angst, Besorgt, Vorahnend)
 
Panoptikum
Ich bin authentisch – spiele also niemandem etwas vor. Auch wenn mir so manche Manipulationen soziale Vorteile verschaffen würden. Zeitweilig ist der Drang, andere Menschen sollten es mir gleichtun so hoch, dass ich Authentizität von anderen schon verlange. Nicht gut. Meine Authentizität hat oft auch Nachteile, die mich dann als egoistisch kennzeichnen. „Mag ich nicht“. Dieser ehrliche Satz bringt einem nicht immer einen Blumentopf. Leider leidet darunter auch meine Sympathie anderen gegenüber. Wer ist schon sympathisch, wenn er seine Ehrlichkeit zur Schau stellt? „Weiße Unwahrheiten“ nutze ich hingegen doch ab und zu, aber nicht exzessiv. Auf der anderen Seite kann mein Gegenüber ziemlich sicher sein, dass ich es ehrlich meine und mich ehrlich verhalte. Wenn ich z. B. ein gemachtes Werk bewerte, sehe ich – naturgemäß – immer zuerst die positiven Seiten, und danach erst die negativen. So ist meine Meinung dazu durchaus wahrhaftig, auch wenn von meiner Seite aus viele Streicheleinheiten kommen. Leider habe ich diese Persönlichkeitseigenschaft nicht an meine sozialen Taxierungen vererbt. Mir fällt es schwer, negative und positive Charakterzüge meiner Mitmenschen unter einem Dach zu bringen. Jedes Mal, wenn sich ein negativer Charakterzug offenbart, werde ich innerlich gereizt. Aber dieser Artikel ist immerhin der erste Schritt, dem entgegenzuwirken.

Ich bin sehr empathisch, aber dadurch auch sehr emotional, und schlussendlich auch instabil. Auf der anderen Seite bin ich auch hin und wieder unnahbar. Eben dann, wenn ich mich emotional abblocke. So kann es im letzten Fall für andere nahezu unmöglich sein, mich empathisch zu lesen. Ein zusätzlicher Grund dafür kann auch meine Überreizung sein.

Für mich ist es auch wichtig, mein Gegenüber zu verstehen, und ich tue sehr viel dafür, um dies umzusetzen. Sowohl Auriana als auch ich sind Fragenfetischisten. Das könnte aber auch für Druck sorgen, da sich meine Fragerei wohl hin und wieder wie eine Ausfragerei anfühlt. Mitunter sogar wie ein Verhör. Aber ich arbeite daran. Auriana konstruiert auch gerne mal Fragenkäfige. Aber auch sie arbeitet daran. Der Sinn der Fragerei ist aber nichts Hinterlistiges, sondern wir wollen damit auch unser Interesse ausdrücken. Insofern ist jede Antwort unserer Fragen für uns interessant.

Dadurch, dass ich Stimmen höre, bin ich aktuell als beständiger Gesprächspartner nur schwer zu gebrauchen. Ja, die Stimmen stören mich nur dann, wenn der andere viel redet, sprich, wenn ich eher ein passiver Gesprächspartner bin. Dann werden sie intensiver. Rede ich, schieben sie sich in den Hintergrund. Ich sehe aber eine Tendenz, dass ich mich noch mehr und mehr daran gewöhne. Aber so oder so höre ich interessiert (gezeigt und gefühlt) zu, und maße mir mal an, auch das meiste davon zu behalten. In letzter Zeit fügt Auriana oft eine kurze Zusammenfassung von dem, was mein Gegenüber mir gesagt hat, sollte dieser eine längere Sprechpause (5+ Sekunden) einlegen. Das ist schon gewöhnungsbedürftig (Was an meinen Stimmen ist es nicht?), aber auch sehr praktisch, sollte ich was verpasst haben. Manchmal kommen dann von Auriana Fragen, die ich unbedingt stellen soll. Wenn ich zuhöre, fühle ich mich irgendwie in einem speziellen „Zuhörmodus“ versetzt, der startet, sollte eine Person anfangen, zu reden. Auf der anderen Seite benötige ich auch einen Gesprächspartner, der mir zuhört. Es muss nicht zwangsweise 50:50 (reden:zuhören) aufgeteilt sein. Ich begnüge mich, auch mit 30 % reden. Aber unter 25 % fängt langsam mein Herz an zu bluten. Das aber nur auf lange Sicht. Eine Gesprächssitzung kann auch mal einseitig verlaufen, wenn ich weiß, dass mein Gegenüber mir beim nächsten oder übernächsten Mal mir wieder aktiv zuhört. Sollte der andere aktuell Brennpunkte in seinem Leben haben, ist es auch in Ordnung, wenn ich ihn mal etwas mehr als nur drei Sitzungen zuhöre. Sehe ich aber, dass er seine Brennpunkte ignoriert und nicht daran arbeitet, und mir nur irgendwelche dämlichen Anekdoten auftischt, werde ich fuchsig.

Generell kann auch gesagt werden, dass ich keine „Partykanone“ bin; so verschwiegen wie ich bin (Es sei denn, ich bin in einer hypomanischen Phase). Dafür erzähle ich aber auch weniger Unsinn. Glaube ich.

Ich scheue so gut wie jeden Konflikt. Warum? Weil bei den meisten Konflikten aggressiv, bzw. emotional engagiert kommuniziert wird. Das mag ich so gar nicht. Und es überreizt mich schnell. Also ärgere ich mich über die andere Person im Stillen, was dazu führt, dass ich, dank meiner Schwarz-Weiß-Spaltung, den anderen Menschen wieder als bösartig hinstelle. Sollte ein Konflikt mit Annika entstehen, zeigt sich bei mir eine Art Zielkonflikt, der verarbeitet werden muss. Sie ist meine primäre Bezugsperson und auf so eine Person kann ich nicht wütend sein (Wie damals als Kleinstkind gegenüber meiner Mutter, als ich den Abwehrmechanismus der Spaltung betrieben habe). Auf der anderen Seite ist meine Wut da und muss irgendwo hin.
Die pathologischen Wege sind:
  • Projektion der Wut (Annika und meine) auf die boshafte Präsenz. Meine Wut projiziere ich zunächst auf Annika, und danach wird die Wut der dualwütenden Annika auf die boshafte Präsenz projiziert. Die letzte Projektion ist am verheerendsten, denn sie nährt mein ultimatives Objekt der Angst. Solche Projektionen laufen unbewusst ab und sind nicht steuerbar.
  • Selbstverletzendes Verhalten. Ich denke, hier benötige ich nicht viel zu erklären. Ich habe in einem Zeitraum von Mitte 2021 bis jetzt (2022-05-19) 19x SVV ausgeübt.
Die gesunden Wege:
  • Körperübung zur Reduktion intensiver Gefühle. Und wenn das nicht reicht …
  • Skills (siehe oben) zur Regulation sehr intensiver Gefühle.
Habe ich das alles im Griff, kann ich mich auch wieder normal streiten.

Ich bin sehr offen und zeige und fühle viel Interesse gegenüber meinen Mitmenschen, wie auch gegenüber ihrer Aktivitäten. Das reißt aber auch in tiefes Loch in mir, da ich die gleiche Offenheit und Interesse mir gegenüber so sehr wünsche, dass es schmerzt. Diesen Schmerz trage ich mittlerweile nach außen. Infolgedessen habe ich den Eindruck, dass sich niemand für mich interessiert, und zeige dies auch „halb-offen“ (Indirekte Hinweise), aber auch mal direkt. Das könnte bei meinen Mitmenschen für unerwünschten Druck sorgen.

Was die Kritik betrifft: Die vertrage ich nur schwer, aber auch nur, wenn der andere, während er Kritik übt, emotional ist. Vor allem, wenn mein Gegenüber mich nicht versteht oder verstehen will (das kommt sehr oft vor). Nüchterne objektive Kritik begrüße ich hingegen.

Und zur Sensitivität: Mal abgesehen von der sensorischen Überreizung, die ja eher physiologisch rezeptiv bedingt ist, ist meine Sensitivität in fast allen Lebensbereichen extrem hoch. Emotional engagierte Kommunikation kann ich so gar nicht ab. Aber auch, wenn jemand versucht, mir wehzutun, gehe ich eher in die Passivität über. Ich bin es einfach müde, mich zu rechtfertigen, und halte meine Urteile fast immer zurück. Und sollte ich wirklich gewahr werden, dass jemand mir absichtlich um des Wehtuens willen, wehtun will, verletzt mich das zutiefst. Dies gilt übrigens auch, wenn derjenige andere wehtun will. Ich gehe aber nicht in den Angriff über. Wahrscheinlich fangen die ersten Tränen bei mir an, sich zu bilden. Das ist der Moment, wo ich den anderen als böse einstufe. Und trotzdem, mein Herz redet weiter von Liebe. Mein Gegenüber muss schon sehr provokatorisch vorgehen, um dieses Herz zu zerstören. Und selbst dann, wird es wieder nachwachsen. Ich werde immer und immer wieder verzeihen, auch wenn es schmerzt. Denn ich sehe auch den Schmerz des anderen und wenn es ihm hilft, diesen auf mich zu übertragen, dann sei es so. Was ich aber mache, ist, Abstand nehmen, sollte es für mich zu viel werden. Das kann bei den anderen auch für Verwirrung sorgen, eben dann, weil ich mich nicht dazu äußere, was mich verletzt hat (Konfliktscheue).
Falls es nicht Absicht war, mir wehzutun, nehme ich das schon so wahr. Trotzdem kann es schmerzen, vor allem, wenn man mich nicht verstanden hat, oder es gar nicht erst versucht. Ich musste feststellen, dass dies sehr oft der Fall war. Auch wenn man versucht, mich zu belehren, tut es weh, denn der andere geht irrtümlicherweise von falschen Annahmen mich betreffend aus. Das tut wirklich weh. Eine negative Seite von mir ist auch, dass ich das Nicht-Verstehen und Desinteressiertsein anderer Personen mir gegenüber nicht mehr so gut tolerieren kann. Das gipfelt darin, dass ich den jeweiligen Personen auch kein Interesse mehr entgegenbringe. Ich möchte damit nicht sagen, dass mir jeder Mensch auf diesem Planeten mir Interesse entgegenbringen soll. Das geht nicht. Aber Menschen, mit denen ich zu tun habe, und gegenüber denen ich Interesse zeige, könnten wenigstens näherungsweise so viel Interesse mir gegenüber zeigen (und fühlen).

Dass ich einen Hang und Drang danach habe, Menschen therapieren zu wollen, steht auch in Synthese dazu, dass ich auch gewillt bin, so etwas gemeinschaftlich auszuführen. Ich kann einfach nicht die Finger davon lassen, andere Menschen „ausbessern“ zu wollen. Dabei akzeptiere ich sie ja so, wie sie sind. Ein Paradox? Nein, ist es nicht, denn mit „ausbessern“ meine ich nicht, dass ich Persönlichkeitseigenschaften verändern will; seien es die Vorlieben, Hobbys, Ideale, Kommunikationsstil, sexuelle Orientierung, Ethnie, Kultur, Bildungsstand, Habitus, usw. Diese akzeptiere ich so, wie sie sind. Für mich sind es bestimmte operationalisierbare Eigenschaften, wie Empathie, Zuhörfähigkeiten, Eigenverantwortung, Ich-Stärke, Emotionsregulation, Softskills, usw. Diese möchte (oder will) ich gemeinsam ausbessern. Von solchen Aspekten profitieren ja alle Beteiligten.
Generell könnte aber meine Neigung dazu führen, dass sich dadurch andere einmal mehr unter Druck ausgesetzt fühlen. Für eine tiefe Freundschaft ist es für mich jedoch obligatorisch, dass beide gewillt sind, an sich zu arbeiten. Das ist eine meiner Grundvoraussetzungen.

Dadurch dass ich nur ungern Wettkämpfe mag, verringert sich die Spieleauswahl enorm. Die meisten Spiele sind nun mal auf Wettkampf ausgelegt. Einen Vorteil durch diesen Charakterzug wüsste ich nicht. Vielleicht dass andere Spiele mit mir „besser“ zu spielen wären? Keine Ahnung. Trinkspiele hingegen mag ich hin und wieder. Aber da geht es ja auch nicht ums Gewinnen oder Verlieren. Dank meiner Medikamente darf ich die aber auch nicht mehr spielen. Rollenspiel ist mein Favorit. Dort spielt man, im Idealfall, miteinander und nicht gegeneinander. Mein Problem ist dabei, mein Hang zur Übertreibung. Wenn ich Rollenspiel spiele, dann investiere ich viel hinein. Das könnte andere abschrecken, die nur casual spielen wollen. Und so enttäusche ich wieder mich wieder mal selbst (Hey! Immerhin sage ich nicht mehr, dass andere mich dabei enttäuschen!) Aber zur Not spiele ich auch kompetitive Spiele – wenns unbedingt sein muss.

Annikas Einwurf war auch meine zu elaborierte schriftliche Sprache. Hierbei muss ich jedoch sagen, dass ich seit zwei Jahren geneigt bin, meinen Stil zu finden und gleichzeitig meine Sprache auch zu veredeln.

Eine Hypothese von mir ist: Je mehr Sozialkontakte jemand mit aufwarten kann, desto weniger fallen die negativen Charakterzüge der einzelnen für einen selbst ins Gewicht. Sollte nur der Partner der einzige Sozialkontakt sein, werden seine negativen Charakterzüge signifikanter. Inwiefern tiefe Freundschaften davon betroffen sind, kann ich nicht sagen. Der Nachteil an einem großen sozialen Kreis ist ja auch, dass man nicht mit jedem tiefe Freundschaften eingehen kann. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich lieber nur eine Handvoll Freunde, dessen Beziehungen aber in die Tiefe gehen. Und da lauert das Problem der Borderline-Spaltung, welche ich hier, im ersten Therapieschritt, angehen möchte.  

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Antitherapiemethoden

Dieses Kapitel ist noch im Aufbau. Ich liste hier alle „Tu das nicht!“ auf, welche bei mir keinen Erfolg erzielt haben, aber auch solche, die mit einer Aggravation (Verschlimmerung) einhergegangen sind. Und, wie immer, dies sind nur meine persönlichen Meinungen (Auch, wenn ich teilweise in der dritten Person schreibe).
  1. Prinzip Hoffnung – Dies ist der Diabolus aller passiven Methoden und betrifft nicht nur Krankheiten. Gar nichts zu unternehmen, und hoffen, es wird alles von allein besser, ist falscher als falsch. Es wird nichts besser. Einen Knochenbruch lässt man ja auch nicht ohne Therapie verheilen. Gleiches gilt auch für das Training – egal, ob Musikinstrumente, Sport, Spiele, usw. „Wenn ich nur 100 Stunden mehr Training (mit den gleichen Methoden) investiere, wird es besser.“ Ja, kann/wird es. Aber nicht effektiv. Und schon gar nicht, wenn man NICHTS anderes unternimmt.
    Und jetzt das alles auf schwere Krankheiten extrapoliert: NICHT GUT!
    Ich selbst war gut ein bis zwei Jahre im Prinzip Hoffnung gefangen, bis ich im März 2020 zumindest meine Lithiumtherapie angefangen hatte.
    Es mag zwar einige Fälle geben, wo das funktioniert hat, aber sich darauf zu verlassen ist auch falsch. Krebs geht auch nicht von sich aus in Remission. Ganz vorsichtig muss man mit den „guten Tagen“ sein, denn sie verleiten schnell, sich an das Prinzip Hoffnung zu klammern. Besonders, wenn man bipolar ist.
    Auch immer die gleichen Methoden (die ineffektiv sind) anzuwenden, ist nichts anderes als das „Prinzip Hoffnung“.
  2. Sich nur auf Fachkräfte verlassen – Die Hilfe von Ärzten und Therapeuten kann unterstützend sein, ohne Frage. Ja, teils sogar obligatorisch (Pharmakotherapie). Doch sein Leben in die Hände von ein paar Leuten zu legen, und selbst (hier auch wieder ein Teil von Prinzip Hoffnung) passiv zu bleiben wird bei psychischen Krankheiten nicht funktionieren. Ihr kennt euch selbst besser als jeder Therapeut (hoffentlich!). Ja, es ist anstrengend. Ja, Psychoedukation fühlt sich an, wie Schulbank drücken. Herauszufinden, was einem zuträglich und was förderlich ist, ist auch sehr anstrengend. Aber lohnend. Hätte ich mich nicht z. B. mit dem Thema Überreizung auseinandergesetzt, würde ich vermutlich jetzt herumirren und nicht wissen, wie mir geschieht. Es ist wie mit dem Klavierüben. Wenn man nur in Gegenwart seines Musiklehrers übt, kommt man auch nicht viel weiter. Mittlerweile existiert auch ein Großaufgebot an Materialien, welche einen anleiten und unterstützen. Ich verweise hier gerne auf den Beltz-Verlag.
  3. Stillschweigen & Verstecken – Dies ist fast genauso schlimm wie Prinzip Hoffnung. Wer psychisch krank ist, und die Krankheit verstecken möchte, wird daran mit ziemlicher Sicherheit zugrunde gehen. Besonders trickreich sind die Prodrome, die einem zwar den Geschmack auf die Zukunft liefern, doch diese Frühwarnsignale sollte man nicht verschweigen und übergehen. Leider wird durch das Stillschweigen- und Versteckspiel jegliche Heilung, die DEFINITIV ERFOLGREICHER ist, als in späteren Stadien, vereitelt. Viele psychische Krankheit können sich auch mit der Zeit chronifizieren, was die Genesung um einen weiteren Faktor erschwert.
    Zugegeben, bestimmte Symptome als pathologisch zu erachten ist gar nicht mal so leicht; besonders wenn sich diese subtil äußern und das Prinzip Hoffnung mitspielt. Und, nur wenn man eine Woche lang sich in einer trübseligen Gemütslage wiederfindet, heißt das auch nicht zwangsweise, dass man Depressionen hat. So etwas erleichtert einem nicht gerade die Früherkennung. Ich selbst hatte ja ein bis zwei Jahre lang das Prinzip Hoffnung an mir kleben. Ich hätte mir so einiges an Leid ersparen können. Leid, welches auch heutzutage immer noch vorhanden ist. Hinterher ist man immer schlauer.
    Ich bin definitiv dafür, dass jeder Mensch zumindest alle zwei Jahre bei einem Psychiater und/oder Psychotherapeuten einen Check durchführen lässt. Auch vermeintlich gesunde Menschen. So in etwa wie die Brustkrebsvorsorge. Ich bin mir aber selbst nicht sicher, ob überhaupt eine psychopathologische Vorsorge hier in Deutschland existiert. Ich weiß von einigen Früherkennungszentren. Wenn nicht, fände ich das schon ein wenig armselig von der öffentlichen Gesundheitsversorgung. Gerade psychische Krankheiten sind für den erkrankten Laien oft schwer zu erkennen.
    Also, warum sich verstecken und ausschweigen? Es gibt Menschen, die einen lieben, und die einen unterstützen wollen. Glaubt man kaum. Ist aber so. Den Starken spielen, ist ja bedauerlicherweise immer noch geläufig. Kein Angehöriger wird einem den Rücken zeigen. Aber nicht nur allgemeines Versteckspiel ist schädlich, sondern auch Partielles, wenn z. B. nur die Familie darüber Bescheid wissen darf. Das ist ein schweres Los, denn, und das muss man einräumen, werden noch viele psychische Krankheiten stigmatisiert. Depression kennt jeder. Da machen nur die wenigsten noch ein Fass auf (Stichwort: Verbeamtung. Deswegen gehen auch viele psychisch Kranke angehende Lehrkräfte nicht in Therapie. Traurig aber wahr.) Mit Angststörungen können auch eine Handvoll Leute was mit anfangen. Aber Schizophrenie: „Pass auf, sonst schnappt sich der Schizo noch ein Messer, rennt nackt durch die Gegend und sticht jeden ab.“ Siehe auch weier unten das Kapitel „Stigmatisierung“. Auch der Begriff „Schizo“ ist ja beleidigenderweise immer noch in Mode. Oder man klammert sich an Bilder, die einem die Filmbranche fälschlicherweise vermittelt. Das Traurige daran: Nur zehn Minuten Lesezeit (oder ein Videoclip auf YouTube) können dafür sorgen, dass man ein richtiges Bild von der Krankheit bekommt. Aber viele wählen dann doch lieber das Ignorantentum.
    Aber – Asche auf mein Haupt – ich habe meine Krankheit selbst meinem Arbeitgeber bzw. meinen Arbeitskollegen auch noch nicht mitgeteilt. „Es funktioniert ja.“ Ja, das tut es. Fragt sich nur, wie lange noch. Ebendarum teile ich es ja nicht mit. Im Homeoffice kann man sich gut verstecken. Ich denke aber, dass ich es ihnen irgendwann schon mitteilen sollte. Oder ich warte so lange ab, bis meine Symptome sich so gewandelt haben, dass ich wieder hochfunktional bin (Prinzip Hoffnung.) Bis jetzt hatte ich noch keinen Moment, wo ich mich wirklich abkapseln musste. Wer weiß, wann dieser kommen wird. Und wenn ich wieder in die Präsenz beordert werde, könnte ich meine Krankheit als Grund für das Homeoffice angeben. Ich warte einfach mal ab.
  4. „Ich schaffe das allein“ – Nein, schafft man nicht. ABER! Es sollte Zielsetzung sein. Das heißt nicht, dass man keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollte. Das sollte man definitiv. Es allein zu schaffen, ist nur das Ziel. Früher oder später sollte man es allein schaffen. Nur nicht auf den ersten Strecken. Dies ist gleichsam die Antithese zu „Sich nur auf Fachkräfte verlassen“. Besonders mit der Pharmakotherapie (man sieht Pharmakotherapie und nicht Pharmatherapie. Viele Therapien sind ergänzend und kein Alleinstellungsmerkmal) kommt man nicht umhin, sich an Fachkräfte zu wenden. Doch auch die Pharmakotherapie hat ihre Tücken. Das Gehirn verlernt auf Dauer, sich selbst zu regulieren. Ich lehne mich mal etwas aus dem Fenster und sage, dass man, früher oder später, auch ohne Medikamente auskommen sollte. Nur kann der Weg bis dorthin seeehr lang sein. Einzig die Rückfallprophylaxe sollte man in den Taschen haben. Was bei mir das Lithium wäre, welches ich höchstwahrscheinlich den Rest meines Lebens einnehmen werde.
    Und natürlich sollte man sich auch auf seine Angehörigen verlassen können. Angehörige sind ein zentraler Bestandteil des Lebens des Betroffenen, geben (idealerweise) Stabilität, und sollten selbst auch aktiv gegenüber der Krankheit des Betroffenen handeln. Wenn gewünscht, auch im therapeutischen Trialog. Die meisten Angehörigen verfahren sich selbst im Prinzip Hoffnung, primär dann, wenn der Betroffene therapeutisch gute Erfolge erzielt. Angehörige dürfen nicht passiv sein, weil sie mit ihrer Passivität die Heilungschancen verringern!
  5. Mangelnde Adhärenz/Compliance – Dies betrifft die (aktive) Mitarbeit an der professionellen Therapie. Der Mangel hat einige Facetten: nicht konform gehen mit der Meinung des Therapeuten und dadurch gewisse therapeutische Maßnahmen ignorieren. Aber auch, wenn die Maßnahmen zu beschwerlich sind. Dann hätten wir da noch die (teilweise) Verweigerung der Medikamenteneinnahme. Oft entdeckt man auch Widersprüche in der Therapie, d. h., die eine Fachkraft sagt A, und die andere wiederum B. Doch so etwas kann man kommunizieren. Ich musste auch feststellen, dass Ärzte nur ungern eigene Fehler einräumen. Das heißt aber nicht, dass die Patienten automatisch mehr wissen. Haltet euch an die fachlichen Vorgaben! Im Zweifelsfall hat die Fachkraft doch recht. Und ganz wichtig: Kommuniziert eure Bedenken, statt auf eigene Faust zu handeln! Eine zweite (oder gar eine dritte) Meinung einzuholen, ist auch vollkommen in Ordnung.
  6. „Ich weiß nicht, was ich tun kann“, ein Angehöriger – Angehörige, die nicht wissen, was sie tun können oder sollen, stehen vor einem Problem, welches ganz einfach gelöst werden kann. Wenn man etwas nicht weiß, dann bildet man sich fort und lernt. Ganz simpel, was? Wir leben nicht mehr in den Achtzigerjahren, wo man sich erst durch Bibliotheken kämmen musste. Heutzutage existieren viele YouTube-Videos, und an Literatur wird man auch regalweise zugeschmissen. Also, warum nicht mal ein, zwei oder auch mehr 10-Minuten-Videos ansehen, oder 9,95 € für ein Buch in die Hand nehmen? Machen aber nur wenige. Vielleicht liegt ja auch in der Unwissenheit ein vermeintlicher Schutz: „Was ich nicht sehe, existiert nicht.“ Traurig. Man quält sich also lieber tagein tagaus über Monate (oder gar Jahre) mit seiner Unwissenheit herum, die einiges an Heilprozessen vereiteln oder zerstören kann. Kein Angehöriger wird verpflichtet einen Masterstudiengang in klinischer Psychologie zu absolvieren, aber mal ein SACHbuch (nicht zwangsweise ein FACHbuch!) zu lesen, kann sehr unterstützend und vor allem, entlastend sein – auf beiden Seiten.
    Und wenn das nicht reicht, bieten auch viele Krankenhäuser Angehörigengruppen an. Und das ist kostenlos! Warum also nicht mal vorbeischauen?
    Hierbei muss noch beachtet werden, dass viele Angehörige zwar dem Betroffenen helfen wollen, aber sie wollen eher Lösungen, wie sie sich verhalten sollen gegenüber dem Betroffenen. Gewissermaßen eine Bedienungsanleitung. Genauso gut könnte man fragen, wie man sich gegenüber einer Schwangeren verhalten soll. Das ist per se nichts Schlechtes und auch sehr pragmatisch, aber weitaus ineffektiver als die Psychoedukation. Verhaltensanweisungen sind nicht die gesamte Lösung. So manche Erkenntnisse wird man erst habhaft, wenn man das Ganze sieht und ins Detail geht. Wenn man z. B. als Angehöriger lernt, ein besserer Zuhörer zu werden, kann es für den Betroffenen schon eine große Erleichterung sein, und damit auch für den Angehörigen. Wichtig ist aber auch, zum Experten der Krankheit zu werden, und damit Klarsicht aufbauen.
    Würde ein Angehöriger selbst Psychotherapeut sein, was meint ihr, könnte dieser einen anderen Therapeuten ersetzen? Ich denke nicht, da der fremde Therapeut ein gewisses Maß an Abstand wahrt. Das ist teils notwendig, und das kann ein Freund nicht. Im Idealfall kann man seinem Therapeuten alles sagen. Das kann man gegenüber einem Freund nicht. Aber! Beide würden sich wunderbar ergänzen. Ein guter Freund kennt einen meist wesentlich länger und intensiver als ein fremder Psychotherapeut. Nun gut, nicht jeder Freund muss ein ausgebildeter Therapeut sein, aber wenn er sich in allen Dingen, die die Krankheit betreffen, (weiter)bildet, kann dies sehr fruchtbar sein. Nur wer versteht, kann Verständnis aufbauen und helfen.
  7. Medikamente absetzen – Furchtbarer Fehler. Furchtbar, furchtbar, FURCHTBAR!!! Es hängt aber auch von der psychischen Krankheit ab. Bekommt man ständig in Internetforen zu hören, wo die Betroffenen auf die Pharmaindustrie schimpfen. Ich persönlich würde es nicht mehr ohne meine Medikamente aushalten. Wenn ich das Lithium absetzen würde, kämen die Selbstmordgedanken wieder und meine manischen Phasen werden wieder intensiver. Ich brauche nicht erwähnen, wohin das führen kann. Ich finde es sehr besorgniserregend, dass, auch wenn ich mir und anderen verspreche, niemals Selbstmord zu begehen, diese Gedanken sich ohne Lithium doch wieder so entwickeln, dass ich es nicht völlig ausschließen kann. Von daher könnte selbst eine oder zwei ausgesetzte Dosen mich in den Selbstmord „drängen“.
    Ein Antidepressivum abzusetzen ist falsch, aber ein Antipsychotikum (oder zwei, oder alle) abzusetzen, ist nicht nur grob fahrlässig, sondern auch hirnverbrannt (Wortwörtlich). Es ist nicht nur so, dass die einst gedrosselten Symptome wieder in all ihrer Pracht zurückkehren (können; Rebound-Effekte) – nein, es sind auch noch die Absetzerscheinungen, die auf den Plan treten. Man bekommt also gewissermaßen die doppelte Dosis an Unheil.
    Oben habe ich noch geschrieben, dass man irgendwann ohne den ganzen Medikamentencocktail zurechtkommen sollte. Nur diesen von heut auf morgen abzusetzen – cold turkey – halte ich nicht für sehr besonnen. Solche Medikamente schleicht man ganz behutsam aus. Natürlich alles in Absprache mit dem jeweiligen Psychiater. Im Idealfall sollte ein Ausschleichen in klinischer Umgebung stattfinden, wenn auch nur als Tagesklinik oder ambulant. Niemals auf eigene Faust die Medikamente absetzen!
  8. Die Gefühle zurückhalten – Man muss nicht unbedingt in der Straßenbahn laut losheulen/schreien. Oder in einem Gespräch seiner Wut freien Lauf lassen, nur weil man nicht mit der Meinung des anderen konform geht. Aber das Zurückhalten sucht sich andere Wege. Idealerweise nutzt der Betroffene sublimierende Abwehrmechanismen (wie etwa durch Kunst), Skills, oder etwas anderes Vergleichbares. Besonders wenn Psychosen mitspielen, äußern sich die nicht ausgelebten Emotionen als Bestandteil der Psychosen (bei mir jedenfalls), welche dann sehr unsympathisch sein können.
  9. Sich an Personen klammern, die einem nicht guttun – Dies ist, zugegeben, der schwierigste Punkt, und betrifft mich gar nicht. Ich erwähne das nur, weil ich es aus Internetforen mitbekommen habe. Oft kann eine solche pathologische interpersonelle Abhängigkeit nicht aufgebrochen werden. Das muss nicht nur eine finanzielle Abhängigkeit sein, sondern kann auch eine Emotionale, Soziale oder gar Kulturelle sein. Wenn man die Arschkarte gezogen hat, ist der Partner ein Narzisst und man selbst leidet z. B. unter Borderline. Oder beide sind Narzissten oder Borderliner. Oder beide beides. Oft gehen ungesunde Beziehungen auch mit einer Kollusion einher. Ist einer der Partner z. B. sehr narzisstisch, will also bewundert werden, so stellt sich der andere oft darauf ein, indem er ihn bewundert und idealisiert; damit delegiert er durch eine Art von interpersonalem Abwehrmechanismus seinen eigenen ungelebten Narzissmus an den anderen, ein Teil von dessen grandiosem Abglanz fällt dann auch auf ihn. Beim Zusammenleben in einem solchen kollusiven Arrangement nimmt häufig die Polarisierung der Rollen im Laufe der Zeit immer mehr zu, sodass die Konstellation für den einen oder anderen oder beide belastend werden kann, beispielsweise indem der eine Partner immer unselbstständiger, der andere immer selbstständiger und dominanter wird.
    Das mit der Kollusion war nur einer von vielen Aspekten, die sich negativ auf eine Partnerschaft auswirken können.
    Aber wie bricht man so etwas auf? Das kann ich hier leider nicht erörtern, weil es einfach zu komplex ist. Ich kann nur sagen: Nimm Abstand oder trenne dich! Das Wie kann ich hier auch nicht bereitstellen. Schwieriger wird es, wenn gemeinsame Kinder vorhanden sind.
    Und was ist mit Freunden, die einem nicht guttun? Hier ist es einfacher: Abstand nehmen! Keine oder nur sehr wenige Versprechen geben! So einfach die Theorie. In der Praxis wird es schon schwieriger. Man möchte ja niemanden Front machen.(*FN* *FN*)
    Zu guter Letzt kann man auch auf sein Bauchgefühl hören, und somit Personen, die einem nicht guttun, vorerst aus dem Leben ausschließen oder zumindest auf Abstand halten. Hier geht es auch um das Seelenheil des Betroffenen, und das ist primär wichtiger als irgendeine Beziehung zu einem Freund, der einem jegliche Heilungschancen verringert oder gar vereitelt. Natürlich kann man für eine gute Beziehung gemeinsam kämpfen. Doch zu welchem Preis? Ich bin selbst kein Fan von „Austausch statt Reparatur“, aber man sollte hier auch berücksichtigen, dass die Gesundheit des Betroffenen immer ganz oben stehen sollte. Ist dies gewährleistet, kann man sich an etwaige Beziehungsarbeiten herantrauen. Abstand nehmen bedeutet ja nicht, den Freund zu exkommunizieren.
    Natürlich stellt sich auch die Frage, ob man mit einem Partner zusammen sein möchte, der unter dem gleichen Krankheitsbild (oder etwas vergleichbares) leidet. Hier beißt sich die Katze selbst in den Schwanz. Auf mich bezogen würde ich sagen: eine neue Beziehung nur mit sehr, sehr viel Reflexion über diese Fragestellung. Aber sollte Annika krank werden/sein, bleib ich definitiv loyal. Und ja, es existieren funktionierende Beziehung, wo beide unter Schizophrenie leiden.
    Der dritte Unterpunkt wäre: Darf ich von meinen Angehörigen erwarten, dass diese mit meiner Krankheit zurechtkommen sollten? Ich selbst kann ja derjenige sein, der ihnen dabei nicht guttut. Bei Partnerschaften ist dies schon leichter zu beantworten. Doch was ist mit Freunden, die man nur einmal monatlich zu Gesicht bekommt? Sollen diese auch Abstand wahren? Das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Oft ist dies gepaart mit dem eigenen sozialen Rückzug. Zu guter Letzt ist diese Thematik auch vom Krankheitsbild abhängig. Aber, so oder so, sollte man fair gegenüber seinem Partner (und dem Umfeld) sein und aktiv an sich selbst arbeiten, und nicht die ganze Zeit auf der Stelle treten (Prinzip Hoffnung & „Ich kann nicht“), denn eine psychische Krankheit kann auch gravierende Auswirkungen auf den Partner haben. Ja teilweise sogar ansteckend sein, wie bspw. Depressionen.
    Aber wie zuvor erwähnt, der erste Unterpunkt berührt mich selbst nicht.
  10. Andere beschuldigen und ändern wollen – Ich weiß, dass sich dieser Punkt mit dem vorherigen „Sich an Personen klammern, die einem nicht guttun“ beißt. Aber hier geht es weniger darum, Selbstfürsorge und -schutz gegenüber anderen Personen zu betreiben, als die Mentalität, andere Personen ändern zu wollen. Klar, man kann (und sollte) in einer Partnerschaft erarbeiten, wie man gemeinsam die Krankheit ertragen und teils auch heilen kann. Aber das geht eher (oder sollte) mit einer Kooperation einhergehen. Gegenüber Freunden sollte man selbst entscheiden: Kooperation oder Abstand.
    Als Betroffener ist man auch definitiv empfindlicher, was Kritik betrifft (je nach Krankheitsbild). Aber auch wenn jemand anderes anders denk, handelt und fühlt, greift man schnell zu „erzieherischen“ Maßnahmen. Nicht gut. Rücksicht kann man verlangen, aber man kann nicht verlangen, dass der andere die gleichen Vorlieben, Ideale und Moralität annimmt. Genauso verhält es sich mit etwaigen Triggern. Sollte man als Angehöriger auf die, teilweise unüberschaubare, hohe Anzahl verschiedener Trigger achten? Das sollte jeder für sich selbst entscheiden. Ich selbst bin aber kein Anhänger von Triggervermeidung. Kann man verlangen, dass der andere langsamer und etwas leiser spricht, weil es sonst einem stresst? Ja, das wäre Rücksicht. Kann man verlangen, dass der andere Veganer wird? Nein, das kann und sollte man nicht. Unterm Strich ist folgende Aussage freilich eine goldene Regel: Man kann andere nicht ändern, nur sich selbst.
  11. „Ich kann nicht … es schmerzt“ – Dies ist wohl der wundeste Punkt eines jeden psychisch Kranken. Besonders gegenüber Methoden, die gewissermaßen ein Triggerfeuerwerk auslösen. Doch gerade da, wo es am meisten schmerzt, weiß man die Wunde zu reinigen (das tut schon weh), sie zu nähen (tut auch weh), mit einer Salbe zu beglücken (kann auch weh tun) und schlussendlich täglich den Verband wechseln (kann sehr anstrengend sein). Was für mich z. B. schwierig ist, sind die Montagnachmittagsbummeleien in der Fußgängerzone. Die haben ihre erste Male noch richtig geschmerzt. Aber nach und nach habe ich die Schmerzen kaum noch gespürt. Mittlerweile freue ich mich sogar darauf. Und ich kann mit Gewissheit sagen, dass die seelische Wunde schon ein gutes Stück verheilt wurde. Allein schon dank Auriana, die mir immer wieder Zuversicht zugesprochen hat, vor allem, da es auch ihre Idee war.
    Genauso verhält es sich mit Zärtlichkeiten gegenüber Annika. Fast jedes Mal, wenn wir beide kuscheln, schieben sich die Bilder meiner Vergewaltigung vor meinem geistigen Auge. Ich muss nicht erwähnen, wie schmerzhaft es ist. Doch ich habe ihr und mir versprochen, dass wir wieder häufiger kuscheln werden. Wenn sie es möchte, braucht sie mich nur ansprechen.
    Ich weiß auch, dass man die nötige Volition benötigt, um eine Methode in die Tat umzusetzen. Dazu braucht es auch Energie und zielführendes (unterstützendes) Emotions- und Stressmanagement und schlussendlich auch eine gewisse Höhe an zielbezogener Selbstdisziplin. Gerade das Emotionsmanagement gestaltet sich gegenüber der Konfrontation traumatischer Inhalte gar nicht mal so leicht. Aber es nützt nichts. Da sollte man durch. Oder man (und Angehörige) wird noch bis sein Lebensende damit unnötigerweise zu kämpfen haben.
  12. Übermäßig behütet werden – Das gilt gegenüber dem Partner, den Eltern, Freunden und jegliche Personen, die einem nahestehen. Es hat sich erwiesen, dass eine übermäßige Behütung sich negativ auf den Betroffenen auswirkt. Dies fängt bei Entscheidungsabnahmen („Was essen wir heute Mittag?“) an, geht über Dinge des Alltags (Essen kochen, Putzen, Wäsche, ja teils sogar die eigene Hygiene) bis hin zu vollkommener Interdependenz. Und genau diese Interdependenz ist pures Gift für einen psychisch Erkrankten. Das ist auch eines der Gründe, warum man bspw. einen an Schizophrenie erkrankten nicht so gerne hospitalisiert. Eine Bekannte (mit einer schizoaffektiven Störung) von mir war in einer zwei Jahre andauernden Reha. Dort hatte sie ein Zimmer. Alle Patienten mussten selbst kochen, putzen (ein Mal monatlich wurde trotzdem durch eine Reinigungskraft geputzt) und sonstige Dinge des Alltags selbstständig erledigen.
    Viele Angehörigen neigen auch dazu, den Betroffenen überzubehüten. Natürlich möchte niemand einen Nahestehenden leiden sehen, und so liegt es nahe, dass man Aufgaben übernimmt. Auf lange Sicht ist dies jedoch sehr kontraproduktiv.
    Ich weiß, wie schwer es ist, Eigenverantwortung zu übernehmen. Aber schon allein aus Liebe zu Annika, versuche ich sie nicht damit zu belasten. Alles andere hatte ich ja schon weiter oben erwähnt.
  13. Ungeduld – Viele Therapiemethoden benötigen ihre Zeit. Auch teils die Pharmakotherapie. Besonders bei Antidepressiva und Lithium. Das kann gut 2–4 Wochen dauern; bei Lithium teils Monate (Ich habe auch was von Jahren gelesen). Manche Methoden benötigen auch eine gewisse Anzahl an Wiederholungen, bevor sie fruchten. Z. B. sozialisierende Methoden, wie das Einkaufengehen. Oder auch die Konfrontationen mit der eigenen Angststörung. Es bringt nicht viel, sollte man das nur ein Mal monatlich in die Tat umsetzen. Am besten jeden Tag (man braucht ja nicht den Einkaufswagen komplett füllen, wenn man seine Sozialphobie angehen möchte.) So auch Triggerkonfrontation – am besten täglich. Einige Methoden benötigen auch ein gewisses Maß an Training, wie bspw. Meditationen.
    Falls ihr selbst in Therapie seid: Bleibt stark! Es wird definitiv besser, wenn ihr am Ball bleibt.
  14. Stressoren indirekt priorisieren – Oder mit anderen Worten: Sich selbst stressen. Stress ist ein großer Feind bei vielen psychischen Krankheiten, ganz besonders, wenn es sich um eine Krankheit aus dem schizoaffektiven Formenkreis handelt. Stress verursacht schnell eine Überreizung. Und eine Überreizung ist wie das Stochern in einer psychotischen Wunde. Hier sollte auch klar werden, dass Stress definitiv zur Verschlechterung der Krankheit beitragen kann. Und diese Verschlechterung ist in den meisten Fällen nicht temporär. Andererseits können bestimmte Methoden auch Stress erzeugen. Das wäre dann zwei Schritte vor, und ein Schritt zurück. Immerhin besser, als auf der Stelle zu treten. In einigen Fällen ist Stress sogar der Auslöser einer Krankheit, wie Bipolar oder Schizophrenie, sollte man entsprechend (prä)dispositioniert sein.
    Bevor du fliegen kannst, musst du fallen. Der Mut dazu kommt von dir selbst.

    Natürlich lässt sich nicht immer Stress vollständig vermeiden, doch man kann Strategien entwickeln, diesen zu vermindern. Das ist wichtig, denn wenn ich in stressende Episoden hineintauche, ist eine Belastung garantiert. Gewisse Dinge zu prokrastinieren, bis keine Sekunde mehr vor dem großen Crash übrig bleibt, ist weniger ratsam. Vor allem auch gegenüber Dingen, die erledigt werden sollten, bevor sie einem noch mehr stressen, oder sich ein Angehöriger zähneknirschend erbarmt, jene Sachen für einen zu erledigen, und sich der Stress nur von einer Person auf die andere verlagert. Nicht gut – und irgendwie auch unfair.
    Hier ist es z. B. wichtig, ein gutes Zeitmanagement an den Tag zu legen. Anstatt einen Termin punktgenau zu planen, könnte man sich vielleicht ein paar Minuten mehr Zeit einräumen. Wenn ich z. B. 60, statt 45 Minuten Autofahrt plane, wird diese, naturgemäß, weniger stressig (und komischerweise sind dann auch weniger Idioten auf den Straßen unterwegs.) Ich gehe z. B. immer 25 Minuten vorher los, wenn ich zu Fuß meinen Psychiater aufsuche. Eigentlich schaffe ich den Weg auch in 15 Minuten. Aber ich warte lieber 10 Minuten. Man kann ja auch ein wenig mit dem Smartphone spielen im Wartebereich, oder einfach seinen Gedanken nachgehen, oder ich unterhalte mich dann eben mit Auriana oder einer anderen Stimme. Und, wenn ich so darüber nachdenke, hat mein Vater auch diese „Ich fahre schon eine Stunde vorher los“-Allüre. Ok, bei mir ist es dann doch nicht so extrem.
  15. Alles auf einmal – Dieser Punkt ist eher ein Unterpunkt zu „Stressoren indirekt priorisieren“, und gehört auch zur instrumentellen Stresskompetenz. Oft hat man einiges auf der persönlichen Projektliste, und man läuft schnell Gefahr, alles auf einmal abschließen zu wollen. Sei es, sportlich fitter zu werden, abzunehmen, mit dem Rauchen aufzuhören, usw. Ein dauerhaftes Verlassen der Komfortzone kann sich positiv auswirken, keine Frage, doch wenn man sich selbst zu viel zumutet, läuft man Gefahr, in der Wachstumszone zu verbrennen. Es ist nicht verkehrt, Ziele zu haben. Doch diese bergen die Gefahr, sich selbst zu viel zu stressen. Man sollte sich nicht zu viel zur gleichen Zeit zumuten. Hier spielt natürlich auch die Ungeduld mit rein. Ich möchte auch gerne mit dem Rauchen aufhören, aber das wäre nur zusätzlicher Stress. Mein aktuelles Projekt ist das Abnehmen, und wenn ich weiter so mache, habe ich wieder mein Idealgewicht noch diesen Sommer (2022). Das reicht auch. Danach ist das Rauchen dran … vermutlich.
    Was nicht darunter fällt, ist der Großteil meiner therapeutischen Methoden. Auch wenn manche stressen, so kann ich mit Gewissheit sagen, dass diese à la longue lukrativ sind. Wie schon erwähnt: zwei Schritte vor, ein Schritt zurück.
  16. Sich sozial zurückziehen – Eine psychische Krankheit ist kein Kinderspiel, und oft mag man, wenn man leidet, sich nicht unter Leute begeben. Oft auch, weil man „nicht so gesehen werden will“ und sich nicht immer „sozialverträglich“ verhalten kann und möchte. Mach ich leider auch – aus diversen Gründen. Zusammenkünfte können zur Qual werden. Es ist aber auch abhängig, wo man sich trifft. Bei mir zu Hause ist der Basisschwierigkeitsgrad vielleicht 3/10 und woanders gut und gerne 6/10. Wenn der andere Gastgeber ein Rückzugszimmer hat, dann eher 5/10. Warum ist er woanders höher? Wenn ich den Gastgeber spielen kann, kann ich mich von der Reizüberflutung ablenken, aber auch vor dem gefürchteten „Blick in die Leere“. Schon z. B. alleine am Grill zu stehen, schirmt mich davor ab. Außerdem meldet sich gerne mal die boshafte Präsenz, wenn ich woanders bin. Besonders in fremden Wohnungen oder Häusern. Ich musste feststellen, dass mich größere Gebäude ängstigen – mal mehr, mal weniger. In allen fernen Räumen kann die boshafte Präsenz lauern. Das kann so weit gehen, dass meine Angst Richtung Panik driftet. Unglücklicherweise meint mein Stimmenapparat in solchen Fällen es nicht gut mit mir, und die Stimme der boshaften Präsenz zeigt sich auch dort + weitere unheimliche Stimmen. Teils geflüstert, teils deutlich gesprochen.
  17. Alkohol und Drogen – Über Alkohol brauche ich nicht reden. Ein jeder weiß, wie schädigend es sein kann, trinkt mal viel und/oder regelmäßig. Es geht mir hier eher um Cannabis, welches ja mittlerweile eine Modedroge geworden ist. Hierzulande, da (noch) illegal, nicht ganz so extrem. Cannabis kann für viele Kranke ein heilsamer Strohhalm sein, das möchte ich auch nicht verteufeln. Doch muss man aufpassen. Studienstand ist jedoch: Bei Krankheiten aus dem schizoaffektiven Formenkreis ist Cannabis für den Konsumenten pures Gift. Leider lese ich noch oft in diversen Foren (Gruppenthemen: Schizophrenie, Bipolar, schizoaffektive Störung), wie gut doch Cannabis sei. Es reduziert die Unruhe, macht einen entspannter, nimmt das Leid, usw. Ich kann nur sagen: Finger weg! Solltet ihr euch in diesem Formenkreis befinden, bzw. (prä)dispositioniert sein (Was die meisten gar nicht mal wissen). Manche müssen jahrelang konsumieren, um in eine drogeninduzierte Psychose zu rutschen. Bei anderen reicht der einmalige Konsum. Wie bei mir 2020. Der wahrlich größte Fehler meines Lebens.
    Aber auch Personen mit einer geringeren (Prä)disposition gegenüber dem schizoaffektiven Formenkreis sollten aufpassen. CBD ist ok, und ich hatte davon die Tropfen auch ausprobiert; leider ohne jegliche Wirkung. Das Gift ist das THC. Gleiches gilt auch für andere psychotrope Substanzen. Lasst die Finger davon!
  18. Heißhungerattacken nachgeben – Viele Psychopharmaka lösen Heißhungerattacken aus. Teilweise sogar durchgehend von morgens bis abends. Ich kann ein Lied davon singen. Und manche Antipsychotika, wie bspw. das Quetiapin, beeinflussen zusätzlich den Insulinhaushalt, dass man extra Gefahr läuft, zuzunehmen, und, wenn das noch nicht alles war, erhöhen sie auch das Risiko auf Diabetes mellitus. Der allergrößte Nahrungsfeind ist der raffinierte Zucker, der leider in sehr vielen Lebensmitteln enthalten ist. Vor allem in Convenience-Food, aber auch, „unerwarteterweise“ in Süßigkeiten. Zucker beeinflusst auch die Emotionsregulation – zum Negativen. Hat man eh mit dieser zu kämpfen, empfiehlt es sich, auf Zucker zu verzichten, oder auf Sparflamme. Ich selbst zuckere auch meinen Kaffee, aber nur, um eine Unterzuckerung entgegenzuwirken, da ich aktuell auf Diät bin.
    Und ja, ich weiß, wie schwer das ist. Oft isst man auch nur aus Langeweile, oder weil es einem psychisch schlecht geht. Was mir hilft, sind Fruchtgemüse (Auberginen, Avocados, Gurken, Hülsengemüse, Kürbisse, Okraschoten, Paprika, Tomaten, Zucchini, Kochbananen, usw.) Diese enthalten teils genug Zucker, um die Bestie einigermaßen zu zähmen. Ich präferiere vor allem Tomaten (20 kcal/100 g), und mache mir, wenn der Magen allzu sehr rebelliert, einen Tomaten-Zwiebelsalat mit Balsamicodressing. Das sind dann 50 kcal pro Schälchen. Von denen kann ich dann gut und gerne 4-6 über den Tag verteilt essen. Und wenn es dann doch eine Frucht sein muss, wähle ich die Wassermelone (30 kcal/100 g). Besser als eine Tafel Schokolade mit 540 kcal/100 g. Und, was mir am meisten hilft, ist Ablenkung. Diese Ablenkung muss aber (bei mir) aus geistig beschwerlichen Herausforderungen bestehen und gleichzeitig interessant sein. Das Schreiben ist gewissermaßen mein Hauptprogramm dabei. Damit kann ich den Appetit ganz gut verdrängen.
    Mir ist aber auch persönlich aufgefallen, wenn man diätet, dass das Essen, selbst das „Gesunde“ auf ein Mal richtig schmecken kann. Ich nehme es viel intensiver wahr. Vielleicht liegt es auch an meiner gestörten Filterfunktion. Was ich dann mal als „nett“ verbuche. Ein Abendessenbeispiel – Klick mich!
    Das ist ein typisches Abendessen von mir. Ich muss auch dazu sagen, dass ich NUR abends esse (Tomatenschälchen mal rausgenommen). Also kein Frühstück und Mittagessen. Über den Tag verteilt trinke ich nur mäßig gezuckerten Kaffee. Nachtrag 2022-05-12: Mittlerweile esse ich auch tagsüber ein wenig. Meistens ein oder zwei kleine Eiweißpuddings. Die Kalorien ziehe ich von meinem Abendbrot dann ab.

  19. Selbstverletzendes Verhalten – SVV ist sehr breit gefächert, was die Umsetzung betrifft. Vom einfachen „sich ohrfeigen“, über Ritzen, bis zum Ausreißen eines Augapfels. Ja, richtig, manche Menschen gehen so weit. Einige verletzen sich auch mit Fressanfällen. Rauchen zählt auch zu den SVVs. Genauso wie Tätowierungen, Piercings, Brandings, usw. Letzteres wird aber kulturell toleriert.
    Für mich ist diese Thematik sehr schwer. Ich selbst füge mir blutende Wunden zu. Bisher (Stand 2022-04-22) habe ich bereits 17 Mal SVV verübt. Was dagegen helfen soll/kann, sind die Skills.
    Der folgende Artikel ist auch sehr informativ betreffend selbstverletzenden Verhalten: https://www.psychosoziale-gesundheit.net/pdf/Int.1-Selbstverletzendes_Verhalten_lang.pdf
  20. Suizid – Bitte, auch wenn alles aussichtslos erscheint, probiere jede Therapiemethode durch! Irgendwo findet sich etwas. Ich glaube, seit 2021 ist Sterbehilfe betreffend Suizid auch hierzulande legal. Meine Meinung dazu ist sehr durchwachsen. Aber, bitte, bitte, nehm nicht diesen finalen Strohhalm! Dieser wird definitiv reißen und euch, aber auch eure Angehörigen, in die Tiefe stürzen lassen.
    Ich habe auch einen gescheiterten Selbstmordversuch hinter mir, und ich bin über alle Maße froh, dass ich nicht gestorben bin.
    Falls du in einer Krise steckst, suche dir bitte Hilfe! Ob professionell und/oder durch Angehörige in deinem Umfeld. Keiner möchte, dass du von uns gehst.


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Medikation

  • Lithium 1.800 mg / täglich – Stabilisator und Prophylaxe meiner bipolaren affektiven Störung und schizoaffektiver Psychosen. Lässt die Suizidgedanken verschwinden und dämpft manische Phasen. Mein wichtigstes Medikament.
  • Quetiapin 800 mg / täglich – Antipsychotikum.
  • Pipamperon 20 mg – 360 mg / täglich – Antipsychotikum.
  • Dimenhydrinat 300 mg / täglich – Antiemetikum gegen die Übelkeit durch Pipamperon und Propranolol.
  • Propranolol 120 mg / täglich – Betablocker. Gegen den Tremor durch Lithium.
  • Lorazepam 0,5 – 2,5 mg / täglich – Gegen akute Angstanfälle. Vorläufig abgesetzt, da keine angemessene Wirkung.
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Nahrungsmittelergänzung/Selbstmedikation
Die folgenden Medikamenten/Nahrungsergänzungsmitteln sind nicht rezeptpflichtig, aber apothekenpflichtig oder sonst wo käuflich. Man kann von diesen Substanzen halten, was man will, aber ich nehme jeden Strohhalm. Ich bin dadurch natürlich ein gefundenes Geldfressen für die Pharmaindustrie. Aber das ist mir mittlerweile egal. Wenn es hilft, und sei es nur durch den Placeboeffekt, nehme ich es.
  • 5-HTP – Mein Mittel gegen Depressionen, bzw. gegen Zyklothymia.
  • Basica Compact – Multitablette mit basischen Mineralstoffen und Spurenelementen. Genauer: Calcium, Chrom, Eisen, Kupfer, Magnesium, Molybdän, Selen und Zink.
  • Bromelain – Die Macht der Ananas soll Entzündungen Einhalt gebieten. Jede Entzündung im Körper kann Depressionen anfeuern.
  • Bronchipret/Sinupret – Förderlich für die unteren und oberen Atemwege. Gut gegen Entzündungen.
  • Fischölkapseln – Sollen auch gegen Entzündungen wirken.
  • Granufink – Die Macht des Kürbisses soll über das Harnverhalten walten. Ich nehme nur abends vier Kapseln und werde mittlerweile deutlich weniger wach nachts.
  • L-Arginin – Wie MACA.
  • MACA – Soll gegen mangelnde Libido wirken. Ich bin mal gespannt.
  • Magnesium – Weil Basica Compact nicht den Tagesbedarf deckt.
  • R-Alpha-Liponsäure – Macht freie Radikale unschädlich. Bringt Glutathion, Vitamin C und Vitamin E in ihre Ursprungsform zurück. Erhöht den Vitamin-C-Gehalt in Zellen. Erhöht insgesamt die antioxidative Aktivität im Körper. Alles verstanden?
  • Vitamin-B-Komplex – Dies ist wichtig, denn ein niedriger Vitamin-Bx-Spiegel ist schädlich für die Nerven.


Was passiert, wenn ich die Medikamente absetze?

Natürlich stelle ich mir diese Frage auch. Bei Lithium kehren schnell die Selbstmordgedanken wieder. Das hatte ich schon erlebt, als ich ein Experiment gewagt hatte, das Lithium abzusetzen, um festzustellen, ob dieses für meinen Tremor verantwortlich ist. Ja, ist es.
Bei Quetiapin werde ich vermutlich nicht einschlafen können und wieder in meinen 40:8-Rhythmus verfallen. Wahrscheinlich diesmal auch 64:8. Meine psychotischen Zustände würden sich verstärkt am Folgetag zeigen – spätestens am dritten Tag. Meine Stimmen würde vermutlich nur einen Hexensabbat feiern (wobei ich mir da nicht sicher bin, denn meine Medikamente zeigen keine Wirkung gegen die Stimmen; sie werden nur erträglicher. Insofern könnten, bei Absetzung der Medikamente, diese extrem unerträglich werden), und ich entkoppel mich aus der Realität und kann nicht mehr zwischen realen und Wahninhalten unterscheiden. Viele der ganz oben im Artikel genannten Symptome würden verstärkt.
Das Absetzen des Pipamperon stelle ich mir nicht als gravierend vor, bis auf, dass die Zeit zwischen Mittag und Abend unangenehm sein würde.
Nachtrag 2022-02-22: Mittlerweile ist das Pipamperon wichtiger geworden, wenn auch nicht gleichzusetzen mit dem Quetiapin. Ich denke, ein Absetzen wäre in diesem Fall nicht ratsam, sollte ich nicht tagsüber psychotisch werden wollen.

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Stigmatisierung

Im Aufbau.
Vorweg ein paar Fragen an euch:
1. Wie stellt ihr euch einen Schizophrenen vor?
2. Wie stellt ihr euch einen Bipolaren vor?
3. Wie stellt ihr euch einen Borderliner vor?
Welche Bilder kommen hoch, wenn ihr an die Erkrankten denkt?
Solltet ihr den Artikel bis hierhin gelesen haben, habt ihr schon mal ein einigermaßen korrektes Bild der oben genannten Krankheiten. Ich habe natürlich nicht jede Facette der genannten Krankheiten aufgegriffen, aber im Groben sollten die fälschlichen Annahmen, die leider noch in der Gesellschaft umhergeistern, korrigiert worden sein.

Irrtümer betreffend Schizophrenie


Irrtum Nr. 1: Schizophrene Menschen sind gewalttätig
Frankfurt, im Sommer 2019: Ein Mann stößt am Hauptbahnhof aus heiterem Himmel einen Jungen und seine Mutter vor einen ICE. Der Achtjährige stirbt, die Mutter überlebt. Medienberichten zufolge leidet der Täter zum Zeitpunkt des Geschehens an einer akuten Phase der paranoiden Schizophrenie.
Solche Nachrichten machen Angst. Unweigerlich drängt sich die Frage auf: Muss man vor Menschen mit Schizophrenie grundsätzlich Angst haben? Sind alle Erkrankten potenzielle Gewalttäter?
Nein. „Die allermeisten schizophren erkrankten Menschen sind friedfertig. Dies zu betonen ist wichtig, damit es aufgrund einzelner psychisch kranker Gewalttäter nicht generell zu einer falschen Beurteilung und damit Diskriminierung psychisch kranker Menschen kommt“ erklärte Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, 2011 in einer Pressemitteilung – nachdem es Mutmaßungen über eine mögliche Schizophrenie beim norwegischen Massenmörder Anders Breivik gegeben hatte.

Sonderform paranoide Schizophrenie:
Fest steht: Aggression und Gewalt können während einer akuten Krankheitsphase auftreten. Dies ist aber selten der Fall und betrifft vor allem eine bestimmte Form der Schizophrenie: „Bei der paranoiden Schizophrenie kann Gewalt vorkommen“, erklärt Dr. Riecke. „Die Kranken glauben zum Beispiel, dass von einer bestimmten Person Gefahr ausgeht und gehen gegen sie vor, um Unheil zu verhindern. Innerhalb des Wahns ist das eine plausible Handlung.“
Studien weisen zwar darauf hin, dass das Risiko für aggressives Verhalten bei Menschen mit Schizophrenie erhöht ist. Das ist jedoch insbesondere dann der Fall, wenn Faktoren wie Drogenmissbrauch oder unzureichende Behandlung im Spiel sind. Und es bedeutet nicht, dass Erkrankte generell gefährlich sind: Die meisten von ihnen fallen nie durch gewalttätiges Verhalten gegen andere auf.
Auf mich bezogen: Ich hatte von Beginn meiner Krankheit bis jetzt (2022-05-12) nicht ein einziges Mal, gewalttätige Gedanken, geschweige denn Gewalttaten ausgeführt. Jegliche Ängste, die ich bislang hatte, haben bisher nie dazu geführt, dass der Gedanke da war, mich bewaffnen zu müssen. Was sollte denn bitte ein Messer gegen die boshafte Präsenz ausrichten? Sie ist ja übernatürlich. Auch wenn ich das Gefühl habe, die boshafte Präsenz manifestiert sich in eine andere Person, so würde jegliche Gewalt nur dazu führen, dass sich die Präsenz woanders manifestiert. So meine Erfahrungswelt.
Irrtum Nr. 2: Schizophrenie bedeutet „Persönlichkeitsspaltung“
Jekyll und Hyde? Immer wieder hört oder liest man, Menschen mit Schizophrenie hätten eine „gespaltene Persönlichkeit“ – also mehrere Identitäten in sich, die abwechselnd das Ruder übernehmen.
Mit einer Persönlichkeitsspaltung hat eine Schizophrenie jedoch gar nichts zu tun. Menschen mit Schizophrenie leiden unter einer Störung der eigenen Wahrnehmung und des inneren Erlebens. Ihr Bezug zur Realität geht (oft phasenweise) verloren. „Gespalten“ ist bei ihnen nichts.
Mythos lässt sich historisch begründen:
Dass sich dieser Irrglaube so hartnäckig hält, hat zum Teil historische Gründe. Früher war man tatsächlich der Auffassung, eine Schizophrenie sei eine Art Persönlichkeitsspaltung. Die Erkrankung wurde auch als „Spaltungsirresein“ bezeichnet. Diese Ansicht spiegelt sich auch in der griechischen Herkunft des Begriffs Schizophrenie wider: schízein bedeutet so viel wie „spalten“ und mit phrḗn ist „Geist, Gemüt“ gemeint.
Wenn sich die Persönlichkeit eines Menschen in mehrere „Teilidentitäten aufspaltet“, handelt es sich um ein völlig anderes Krankheitsbild: Menschen mit einer dissoziativen Identitätsstörung (früher: multiple Persönlichkeitsstörung) sind schwer traumatisiert – so schwer, dass sie einzelne Persönlichkeitseigenschaften abspalten. Es entwickeln sich einzelne Teilpersönlichkeiten, die sich abwechseln und meist nichts voneinander wissen.

Irrtum Nr. 3: Wer Stimmen hört, hat Schizophrenie
Wer Stimmen hört, die in der Realität gar nicht vorhanden sind, muss nicht zwangsläufig an Schizophrenie erkrankt sein.
Fest steht: Stimmenhören oder andere Formen der Halluzinationen – etwa das Sehen von Personen, die gar nicht existieren – zählen zwar zu typischen Symptomen einer Schizophrenie, insbesondere der paranoiden Form der Erkrankung. Aber: Wenn eine Person Stimmen hört, ist dies kein Beweis für eine Schizophrenie.
Vielmehr können Sinnestäuschungen (und auch Wahnvorstellungen) auch andere Ursachen haben. Dazu zählen zum Beispiel:
  • Alkoholismus oder Alkoholentzug
  • Drogenrausch, vor allem durch sog. Halluzinogene wie LSD, Mescalin, Psylocybin aus halluzinogenen Pilzen und Haschisch
  • Erkrankungen des Gehirns/Nervensystems, z. B. eine Schädigung im Bereich des Schläfenlappens oder ein Tumor
  • Epilepsie oder Migräne, bei denen Halluzinationen im Vorfeld auftreten können (sog. Aura)
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
Nicht zuletzt können Halluzinationen und Wahnvorstellungen auch im Rahmen anderer psychischer Erkrankungen auftreten – etwa bei einer schweren Depression oder in einer Krise bei Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung. Oft ist den Erkrankten dann bewusst, dass diese Wahrnehmungen nicht real sind (sog. Pseudohalluzinationen). Mit einer Schizophrenie haben diese Beschwerden jedoch nichts zu tun.
Eine Schizophrenie muss aber nicht zwangsläufig mit Halluzinationen einhergehen. Bei der Schizophrenia simplex, einer milden Form der Schizophrenie, treten Wahnvorstellung und Sinnestäuschungen in der Regel nicht auf.

Irrtum Nr. 4: Alle schizophrenen Menschen müssen in der Psychiatrie leben
Falsch. Die „klassische“ Schizophrenie gibt es nicht, vielmehr kann die Erkrankung ganz unterschiedlich verlaufen. In manchen Fällen ist die Schizophrenie heilbar und in vielen Fällen gut behandelbar:
  • Bei etwa 20 von 100 Personen bleibt es bei einer einmaligen schizophrenen Episode. Bei ihnen treten keine weiteren psychotischen Phasen auf – sie gelten als geheilt.
  • Die meisten Erkrankten erleben immer wieder Phasen, in denen Symptome auftreten (sog. Schübe). Zwischen diesen Phasen klingen die Beschwerden ab oder sie bleiben in abgeschwächter Form bestehen.
  • 10 bis 15 von 100 Erkrankten sind durch die Schizophrenie dauerhaft beeinträchtigt. Sie leiden permanent unter schweren Symptomen und sind in der Regel nicht arbeitsfähig.
Aber: Viele Erkrankte sind durchaus in der Lage, regelmäßig arbeiten zu gehen und ein selbstständiges Leben zu führen – was sich wiederum positiv auf ihr Wohlbefinden auswirkt.
Wie man bei mir sieht, kann ich arbeiten (wenn auch „nur“ Homeoffice). Aber ich gehöre dann auch zu den 10-15 %, die mit den Symptomen dauerhaft leben müssen. Mein Stimmenapparat zeigt absolut keinen Rückgang. Genauso wenig, wie meine gestörte Filterfunktion, plus diverse andere Symptome. Ich würde sogar sagen, dass ich „mittelschwer“ betroffen bin. Hospitalisieren muss man mich nicht. Da gibt es viel, viel schwerere Fälle.
Irrtum Nr. 5: Menschen mit Schizophrenie sind geistig behindert
Verhalten sich schizophrene Personen so irrational und merkwürdig, weil es ihnen an Intelligenz fehlt oder sie sogar geistig behindert sind?
Nein. Bei einigen Patienten mit chronischen Verläufen sind zwar im Laufe der Zeit kognitive Einschränkungen möglich. Zum Beispiel können sie sich Informationen nicht mehr so gut merken oder ihre Aufmerksamkeit ist gestört. (Das bemerke ich bei mir leider auch.) Ihre intellektuellen Fähigkeiten sind jedoch meist nicht beeinträchtigt.
Auch manche bekanntere Persönlichkeiten sollen an der Erkrankung gelitten haben, darunter zum Beispiel der Mathematiker John Nash, dessen Leben im Film „A Beautiful Mind“ von Schauspieler Russel Crowe dargestellt wird. Eine Schizophrenie hat also nichts mit verminderter Intelligenz zu tun. Vielmehr entstehen die auf Außenstehende seltsam wirkenden Handlungen und Gedanken durch eine verzerrte Wahrnehmung und Interpretation der Realität.

Irrtum Nr. 6: Schizophrenie ist selten
Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand aus dem größeren Bekanntenkreis an Schizophrenie erkrankt, ist groß. Von 100 Personen erhält 1 im Laufe ihres Lebens diese Diagnose. Damit ist die Schizophrenie in der Gesamtbevölkerung etwa so häufig wie eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine diagnostizierte Epilepsie. Die Häufigkeit anderer psychischer Erkrankungen zum Vergleich:
Von 100 Personen erkranken im Laufe ihres Lebens Schätzungen zufolge etwa
  • 2 an einer posttraumatischen Belastungsstörung,
  • 3 an einer Zwangsstörung,
  • 16-20 an einer Depression und
  • 14-29 an einer Angststörung.
Fazit: Die Schizophrenie ist zwar keine besonders häufige Erkrankung, aber eben auch nicht extrem selten.
Irrtum Nr. 7: Hilflosigkeit – Angehörige können sowieso nichts tun
Angehörige können unter anderem zwei ganz wichtige Dinge tun. Zum einen können sie einfach da sein, Stabilität ausstrahlen und ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Und sie können dabei ermutigen, sich professionelle Unterstützung zu suchen.
Ganz wichtig auch: Sie sollten sich der Krankheit betreffend weiterbilden.  

Irrtümer betreffend Bipolar

Im Aufbau.

Irrtümer betreffend Borderline

Die Borderline-Störung ist immer gleich. Alle Betroffenen verhalten sich ähnlich gestört.
Falsch! So unterschiedlich wie jeder Mensch ist, so individuell wirkt sich Borderline auf Betroffene aus. So wenig „gleich“ Menschen mit blauen Augen oder blonden Haaren sind, so sehr unterscheiden sich auch Borderline-Betroffene in ihrer Persönlichkeit und ihrem Charakter.
Von Borderline betroffen zu sein bedeutet, dass keine Besserung möglich ist.
Falsch! Die Diagnose ist in erster Linie eine Momentaufnahme. Und auch, wenn Borderline nicht heilbar ist, können die Symptome der Störung durch gezielte Übungen und Therapien so gemindert werden, dass ein normales Leben möglich ist. Besserung ist also auf alle Fälle möglich.
Alle Borderliner haben in ihrer Kindheit ein Trauma erlebt. Viele von ihnen ein sexuelles Trauma.
Falsch! Obwohl unterschiedliche traumatische Erfahrungen weitverbreitet sind, haben nicht alle Betroffenen ein Trauma erlebt. Dies gilt für alle Arten von Gewalt genauso wie für sexuelle Gewalterfahrungen.
Mit Betroffenen kann man nicht über ihre Erkrankung reden.
Falsch! Einige Betroffene reden nicht gerne über ihre Erkrankung, andere dagegen haben damit keinerlei Probleme.
Die Ursache der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine gestörte Familienkonstellation.
Falsch! Borderline kommt sowohl in gesunden Familien, als auch in dysfunktionalen oder toxischen Familien vor.
Medikamente helfen Betroffenen nicht, führen im Gegenteil sogar zu einer Abhängigkeitserkrankung.
Falsch! Borderline direkt kann medikamentös nicht behandelt werden, die unterschiedlichen Symptome jedoch durchaus. Besonders Komorbitäten und begleitende Erkrankungen wie Depressionen können durch Medikamente abgeschwächt oder verbessert werden.
Auch abhängigkeitsgefährdete Betroffene dürfen medikamentös behandelt werden, nicht jedoch mit allen Medikamenten und auch nur in engmaschiger Begleitung durch behandelnde Ärzte.
Psychotherapie hilft bei Borderline nicht.
Falsch! Besonders die DBT-Therapie (Dialektisch-Behaviorale Therapie) hat sich als sehr wirkungsvoll erwiesen. Durch psychotherapeutische Begleitung können Patienten nicht nur Verhaltensweisen verändern, sondern auch Ursachen aufdecken und einen anderen Umgang mit Symptomen erlernen.
Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sind nicht in der Lage, einen Beruf auszuüben.
Falsch! Eine vorliegende Borderline-Störung sagt nichts über die Arbeitsfähigkeit eines Betroffenen aus. Manche Patienten sind aufgrund ihrer Symptomatik nicht in der Lage, einen Beruf auszuführen, andere arbeiten sowohl auf dem ersten, als auch auf dem zweiten Arbeitsmarkt. Mit dem (wieder) erlangen von Stabilität ist arbeiten oft möglich, andere Betroffene berichten sogar davon, dass eine berufliche Tätigkeit zu mehr Stabilität führt.
Borderline-Patienten können für ihr Handeln nicht selbst verantwortlich gemacht werden.
Falsch! Obwohl Borderliner oft impulsiv handeln, sind sie trotzdem für ihr Handeln und ihre Entscheidungen selbstverantwortlich.
Wer sich selbstverletzt leidet unter Borderline.
Falsch! Selbstverletzendes Verhalten geht nicht automatisch mit einer Borderline Erkrankung einher. Und nicht alle Borderliner verletzen sich selbst.


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Arbeit an mir selbst

Hier möchte ich in Zukunft erörtern, welche Brennpunkte an mir und die meines Lebens ich bearbeiten möchte. Dies ist nur ein Perspektivwechsel zu den therapeutischen Methoden, in denen ich ja schon erörtert habe, welche Auswirkungen diese Methoden auf mich selbst und meinem Umfeld haben.
Ich bin ein großer Fan von Persönlichkeitsentwicklung, auch außerhalb pathologischer Kreise. Und auch anderer Personen, wie z. B. Annika. Eine große Frage bei Paaren ist ja auch, wie sie an ihrer Beziehung arbeiten können, damit diese besser wird. Viele übersehen dabei, dass der eigentliche Brennpunkt meist nicht die Beziehung selbst ist, sondern man selbst. Wenn ich ein geringes Selbstwertgefühl habe, wirkt sich das definitiv auf die Beziehung aus. Statt umständliche Beziehungsarbeit zu leisten und teilweise auch zu erwarten, dass der andere sich ändert, wäre es dann eher ratsam, an sich selbst zu arbeiten und somit ein besseres Selbstwertgefühl aufzubauen, was sich dann wieder positiv auf die Beziehung auswirkt. Wie kann ich denn erwarten, andere zu lieben oder von ihnen geliebt zu werden, wenn ich mich nicht mal selbst lieben kann? (Meine Meinung)
Aber mit dem Selbstwertgefühl hatte ich noch nie Probleme. Das, was mir aktuell Probleme macht, ist die innere Leere, die verhindert, dass ich z. B. mit Annika kuscheln oder intim werden kann. Ich kann einfach nicht passiv sein. Na ja, ok, kuscheln ist eher semi-passiv. Trotzdem zeigt sich dabei auch die innere Leere. Was soll ich tun? Meine Vergewaltigung mal isoliert. Es immer und immer wieder versuchen? Klingt erst einmal ganz verheißungsvoll. Und das werde ich ab heute (2022-04-22) nun in Angriff nehmen. Es wird wohl ein paar Wochen dauern, bis die Aktion Früchte tragen wird.
Das, was ich in den letzten 2-3 Jahren an mir auch verbessert habe, ist das Zuhören. Und hier profitiert meine Beziehung zu Annika enorm. Aber auch gegenüber meinen Angehörigen, oder generell alle Menschen, mit denen ich in Kontakt bin.
Ein negativer Charakterzug ist auch meine Harmoniebedürftigkeit. Ich weiß, dass Konflikte gut sind, um eine Beziehung voranschreiten zu lassen. Aber es fällt mir unheimlich schwer, meinen Missmut zu äußern. Dann reagiert Annika wieder gereizt. Und dann wieder ich. Das ist schlimm. Aber es ist unvermeidbar. Man muss sich ja nicht auf Teufel komm raus streiten. Da muss ich noch einiges an Persönlichkeitsentwicklung investieren, dass ich halt angemessen streite. Das größte Hindernis ist dabei nicht die Harmoniebedürftigkeit. Diese ist eigentlich nur sekundär. Primär ist es meine niedrige Reizschwelle. Daran zu arbeiten ist wirklich sehr, sehr hart. Denn jeder Streit wird auch (in den meisten Fällen) emotional geführt. Und das überreizt mich. Die Schwelle kann ich leider nicht erhöhen, da sie auch ein neurologisches Problem ist. Was geändert werden kann, ist die Art zu streiten. Und wenn dann doch Wut mitspielt, muss man die halt (irgendwie) regulieren. Annika und ich kennen uns seit gut 23 Jahren, und die ersten 21 Jahre (also vor Ausbruch meiner Krankheit) haben wir uns täglich gezofft. Das war wichtig. Und wir sind immer noch zusammen. Vermutlich auch wegen unserer erfolgreichen Streitkultur. Wir haben auch beim Streiten immer den anderen respektiert. Um ehrlich zu sein, fehlt mir dieses Streiten ein wenig. Aber wir finden schon einen Weg.
Dann hätten wir da noch die Borderline-Spaltung. Dies ist eine meiner großen psychosozialen Baustellen. Das Schwarz-weiß-Denken. Ich schaffe es momentan noch nicht, die negativen und positiven psychosozialen Charakterzügen von anderen Personen unter ein Dach zu bringen und schlussendlich Sensibilität und Konnivenz meinerseits aufzubauen. Daran arbeite ich. Mehr folgt noch.

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Suizidversuch Januar 2020

Es geschah gegen Ende Januar – der schwärzeste Tag meines Lebens. Der frühe Morgen verlief relativ normal. Ich hatte mich am besagten Tag auch krankgemeldet. Grund: grippale Symptome. Die hatte ich wirklich, und meine Krankmeldung stand in keiner Verbindung zu meinem Suizidversuch. Schon in den Tagen zuvor hatte ich Briefe verfasst, die an meine Angehörigen adressiert waren. Auch an meine Kinder. Ich hatte sogar überlegt, ob ich ihnen nicht für jeden zukünftigen Geburtstag eine Karte anfertigen sollte, hatte es mir dann aber anders überlegt, weil ich wusste, dass mich das vom Suizid abhalten könnte, für den Fall, dass ich diesen plane. Im Nachhinein gedacht, hätte ich auch Videos von mir erstellen sollen. Ich wollte nicht, dass mich etwas am Leben halten würde, aber gleichsam wollte ich auch nicht sterben. Wie paradox. Die längsten Briefe hätten Annika, Lars und Tim bekommen. Im Gegensatz zu diesem Artikel hier konnte ich mich mäßigen und habe jeweils nur ein paar Seiten geschrieben. Handschriftlich (mit einer digitalen Kopie). Ich hatte zuvor auch überlegt, ob ich Annika nicht auch eine „Bedienungsanleitung“ für unsere Haustechnik und -IT anfertigen sollte, habe mich dann aber dagegen entschieden. (Diese werde ich aber so oder so irgendwann mal anfertigen, für den Fall, dass mir was passiert.) Außerdem hatte ich überlegt, mein gesamtes Tagebuch Annika zur Verfügung zu stellen. Da kamen so einige Einträge von 1995 bis 2020 zusammen. Ich hatte mich dann doch dagegen entschieden.
Wie ich es umsetzen wollte: Es sollte im Schlafzimmer passieren. (Ja, ich weiß, es war rücksichtslos arschig von mir, so etwas zu Hause zu machen.) Annika war außer Haus mit Lars zur Ergotherapie und zum Turnen. Tim war in der Schule. Damit mich meine Kinder nicht als Erstes entdecken würden, hatte ich die Türen (Flur- und Schlafzimmertür) mit Klebeband so verklebt, dass etwas Kraft nötig gewesen wäre, um sie zu öffnen. Mit einem Schild an der ersten Tür: „Bitte kräftig ziehen! Es tut mir leid!“ (Im nachhinein gedacht eine blöde Aktion, da Tim ja schon so etwas lesen konnte) Ja … „Es tut mir leid!“ … ich weiß gar nicht, wie oft ich diesen Satz in meinen Briefen niedergeschrieben hatte. Dann habe ich mir einen großen Kabelbinder, den ich mir um den Hals legen wollte, schon mal zurechtgelegt und eingestellt. Für etliche Minuten habe ich einfach nur diesen Kabelbinder angestarrt. Dann gab es den ersten Ruck und ich habe mir diesen dann um den Hals gelegt. Und wieder nur gestarrt. Ich weiß nicht, wie lange ich so auf dem Bett saß. Mir schossen so viele Gedanken durch den Kopf, aber einer ganz besonders: „Du machst das jetzt, und dann ist endlich Frieden!“ Doch immer wieder schoben sich die Bilder meiner Familie vor meinem geistigen Auge. Es war ein Kampf. Mein Bauchgefühl sagte mir, ich solle mich vor dem Computer hinsetzen und mir die Bilder und Videos von Annika und meinen Kindern noch mal anschauen. Ich wusste aber auch, dass mich das vom Selbstmord abbringen könnte, und ich wollte nicht noch mehr Pro-Leben in diesem Moment.
Zu dieser Zeit war ich in einer Mischphase. Also depressiv und hypomanisch. Der depressive Teil gab mir den Willen, sterben zu wollen. Der hypomanische Teil gab mir die Motivation, es umzusetzen. Genau deswegen sind diese Mischphasen so unsagbar gefährlich.
Ich konnte nicht weinen. Ich habe es versucht, aber es klappte nicht. Und immer wieder stellte ich mir die Frage: „Warum weine ich nicht?“ Ich habe mich nicht schlecht gefühlt. Ich würde sagen, es war eine Art befreiendes Gefühl in mir vorhanden, welches in einer tiefschwarzen Leere schwebte. Aber ich wollte, dass es endlich aufhört. Dass alles aufhört.
Der Tod sollte durch Strangulation eintreten. Ich hatte gelesen, es seien nur wenige Sekunden der Qual. Vielleicht fünf bis zehn. Das hörte sich „nett“ an für mich. Kein Blut, keine entstellten Gliedmaßen, einfach nur „eingeschlafen“. Gegessen hatte ich den Morgen auch nichts; also würde Erbrochenes auch wegfallen (Es wär so oder so nichts drin geblieben). Ich hätte mich dazu auch hingelegt, unter einer Decke. Ein Blatt mit: „Es tut mir leid!“, lag auf dieser Decke. Mein Atem war eine Mischung aus Stocken und Hyperventilieren. Mich trennte nur noch eine kräftige Armbewegung vor meinem Tod. Jegliche Werkzeuge, die mich aus der Schlinge befreien konnten, wie einen Seitenschneider, habe ich unter Verschluss gehalten, sodass ich keine Chance hätte, den Kabelbinder loszuschneiden. Aber in zehn Sekunden kommt man ohnehin nicht weit.
Dann hörte ich von oben Schritte und das Knallen der Haustür. Mein Herz machte einen Satz, und mit fast schon atemberaubender Geschwindigkeit habe ich jegliche Beweismittel (Klebeband, Schilder, Kabelbinder, Briefe, usw.) instantan entfernt. Für den Kabelbinder bin ich schnell in die Werkstatt und habe den Seitenschneider aus seiner Versenkung geholt. Annika und Lars kamen eine Stunde früher nach Hause. Turnen war ausgefallen. Was ich nicht wusste: Beide waren nur für wenige Sekunden im Haus, und sind danach zu Annikas Eltern gegangen. Theoretisch hätte ich es also doch umsetzen können.
Wollte mich das Schicksal am Leben halten? Was wäre passiert, wenn das Turnen nicht ausgefallen wäre? Hätte ich es getan? Hätte ich es getan, wenn ich gewusst hätte, dass Annika und Lars nur wenige Sekunden im Haus waren? Wäre ich noch am Leben? Was hätte Annika gesagt, wenn sie noch die Beweismittel und mich am Leben vorgefunden hätte? Fragen über Fragen, die ich nicht beantworten kann. Aber eines ist gewiss: Ich bin unendlich dankbar, dass es so gekommen ist.
Wie ich mich am Vortag gefühlt habe? Gut. Ja, sogar richtig gut. Die Welt war schön. Ich war hypomanisch. Die ganzen Briefe und Vorbereitungen hatte ich ja schon viele Tage zuvor angefertigt. Für den Fall der Fälle. Ich konnte am Vortag noch nicht ahnen, dass ich sie tatsächlich benutzen werde. Als Annika am nächsten Tag (der Tag, wo ich es umsetzen wollte) morgens außer Haus ging, brach die Welt für mich zusammen. Urplötzlich. Das triggerte die Depression und folglich rutschte ich in einen Mischzustand. Und da kam der Entschluss zu meinem Suizidversuch. Ja, fast schon mechanisch habe ich die Schilder positioniert und die Türen zugeklebt. Und als ich fertig war, setzte eine Art von Erleichterung ein. Den Rest habe ich schon oben beschrieben.
Nach dem Abbruch habe ich noch am selben Tag Beweismittel, darunter auch die Briefe und die digitalen Kopien, vernichtet, damit ich nicht mehr in die Versuchung gekommen wäre, sie noch mal zu benutzen. Das, was ich nicht vernichtet habe, ist mein Gedicht, welches ich bei JEDEM Brief anbei gelegt hatte. Siehe auch:
Gedicht Abschied – Klick mich!
In dieser fremden Welt geboren,
fühlte ich mich stets verloren.
Das Licht, das meine Heimat war,
war nie für mich zum Greifen nah.
Es lag so fern und auch so weit,
gebunden in der Ewigkeit.
Verhüllt in dunklen Stunden,
hat es mich nie gefunden.
Meinen Platz hab‘ ich gesucht,
in einem Albtraum, der verflucht.
Jedes Aufstehen, jeden Gang,
vollführe ich mit üblem Zwang.
Allein in meiner Dunkelheit
wart‘ ich auf die Vergänglichkeit.
Setz mich auf den finstren Steg,
geh‘ nicht weiter diesen Weg.
Beende meine Gegenwart,
auf dass ein neuer Morgen naht.
Ich suche nicht nach eurer Gnade,
auf diesem allerletzten Pfade.
Ich bitte nicht um eure Nachsicht,
wenn erloschen ist mein Licht.
Die Schmerzen waren unerträglich,
und peinigten mich doch täglich.
Bitte lasst mich in Frieden ziehen!
Ich möchte vor euch nicht fliehen.
Ich werde euch immer lieben! Es tut mir leid!
 

Was hält mich jetzt am Leben? Ich würde sagen, mein Leben – mit allem drum und dran. Eigentlich ganz einfach. Trotzdem habe ich mir eine Liste angefertigt, was ich zuerst tun müsste, bevor ich mir das Leben nehmen darf:
  • Annika Bescheid geben, dass ich Suizidgedanken habe (auch wenn diese noch so klein sind.)
  • Meiner Therapeutin Bescheid geben, dass ich Suizidgedanken habe.
  • Meinen Kindern und Annika sagen, dass ich sie liebe.
  • Meinen Verwandten sagen, dass ich sie liebe.
  • Meinen Freunden sagen, dass ich sie liebe.
  • Meiner Familie einen ganzen Tag widmen (z. B. Samstag)
  • Meinen Kindern einen ganzen Tag widmen.
  • Lars einen ganzen Tag widmen.
  • Tim einen ganzen Tag widmen.
  • Meinen Vater und Bruder zumindest ein Mal treffen.
  • Jeden Freund zumindest ein Mal treffen.
  • Lithium regelmäßig einnehmen. (Sollte auch nur eine Dosis – wodurch auch immer – ausfallen, darf ich kein Suizid begehen!)
  • Ein Haustechnik- und -IT-Handbuch erstellen. Unter anderem auch die Zugänge zu den Servern und damit auch zu meinem E-Mail-Konto (damit Annika alle Passwörter bekommt.)
  • Tagebuch Annika zugänglich machen.
  • Erneut alle Briefe schreiben.
  • Videos von mir erstellen.
  • Testament schreiben.
  • Eid auf „Das Versprechen“ (Das ist sehr persönlich und ich kann es hier nicht erörtern.)
  • Meinem Arbeitgeber eine zeitverzögerte E-Mail zukommen lassen.
  • Meine Geschichte fertigstellen (Da es eine Chronik ist, kann dies noch Jaaaahre andauern.)
  • Unter jedem Bild in meinem Wofür-Es-Sich-Zu-Leben-Lohnt-Fotobuch „Es tut mir leid!“ schreiben.
  • Den damaligen und auch designierten Syllabus meines Lebens einmal mehr ansichtig werden. (Bucket-List)
  • Die Psychiatrie anrufen oder vorbeischauen (Ist ja nur 15 Minuten Fußweg von hier.)
  • Mir die „Erlaubnis“ von Auriana, Malaika, Meryana, Myantha und Sibéal ein holen. (Das wird zu 100 % scheitern.)
  • Wenn du nicht mehr da wärst, wäre ich auch nicht mehr da.
  • Falls euch noch etwas einfällt, immer her damit!
Ja, die Punkte sind sehr komplex und aufwendig. Aber das sollen sie auch sein.
Wenn ich das Thema bei Auriana anspreche, zeigt sie sich verständnisvoll. Sie hat bisher