Tagebucheintrag von Nirus

Knochen. Mit einem Knall zerbirst der Stahl vor mir. Die Rüstung des Ritter nützt ihm nicht viel. Ein weiterer Schlag trifft seine Helm, in dem eine Beule verbleibt. Blut spritzt heraus, Knochen bersten. Schlag um Schlag dresche ich das Leben aus meinem Kontrahenten. Ich kann nichts anderes aber keiner kann es besser als ich. Mein Lord lässt mich seit ich bei ihm bin für ihn kämpfen. Ich habe ihn nie enttäuscht.

Meine Knochen zittern, als ich zum letzten Schlag aushole. Der Ritter geht vor mir in die Knie. Der Hieb schleudert ihn zwei Meter über den Sand der Arena. Die Menge jubelt. Ihr gefällt meine Art zu kämpfen. Sie ist brutal.

„Meine lieben Damen und sehr geehrte Herren,“ mein Lord wedelt mit seiner fetten Hand, in der er ein Tuch hält. „Danke, danke. Wiedereinmal war er siegreich, mein Kämpfer Urgax. Welcher Lord will mich als nächstes herausfordern?“ Die Menge ist still, alle warten gespannt ob es jemand wagt.

Mein Gesicht dagegen verzieht sich, den mein Name ist nicht Urgax. Doch dem Lord gefiel mein richtiger Name nicht. Nirus wäre kein guter Name für einen Kämpfer, waren seine Worte, gleich nachdem er mich gekauft hatte.

Als mich eine kalte Hand an der Schulter berührt, schrecke ich auf.

„Komm mit, Urgax,“ der grobgeschlächtige Krius, der Stallmeister und Gladiatorenwächter meines Lordes. Er führt mich zu meiner Zelle. Ich bin der einzige Gladiator über den Krius wachen muss. Eigentlich sind Gladiatoren seit einiger Zeit verboten aber mein Herr hatte es geschafft eine Sondererlaubnis zu erhalten. Er durfte sich zwar keine Neuen mehr kaufen aber die Alten behalten, bis sie verbraucht waren.

Es war eine Schande für meinesgleichen, einem Magier der Rankiader, als Gladiator zu dienen. Leider muss ich zugeben, das ich nicht viel andere Qualitäten als das töten habe. Das liegt wohl in der Natur der Sache.

„Hier rein,“ Krius stiess mich in die Zelle. „bring dir gleich was zu essen und trinken. Der Lord hat angeordnet, das du heute eine extra Karaffe Milch erhältst.“ Ein Lächeln umspielte das Gesicht des Stallmeisters.

Ich verdrehte die Augen und legte mich, ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen auf mein Bett. Wen ich wollte, hätte ich ihm schon längst den Kopf von seinem Körper trennen können. Leider war ich gezwungen meinem Lord zu dienen. Er hatte meinen Stein der Kona abgenommen und irgendwo versteckt. Erst wen ich hundert Kämpfe gewonnen hätte, würde er mir den Stein zurückgeben, hatte er gemeint. Der Ritter war schon mein fast zweihundertster gewesen.

Nach dem ich das von Krius gebracht Essen verspeist hatte, setzte ich mich im Schneidersitz auf mein Bett. Meine rechte Hand legte ich flach auf meine Stirn, die linke auf meine Hüfte. Dann begann ich mein Gebet zu sprechen.

„Koan, du bist mein Herr. Geboren aus Stein, geflossen in Lava und wieder erstarrt als Stein. Gib mir die Kraft, die Stärke und den Willen mein Leben als freier Mensch zu leben. Ich bin Mensch so wie du es warst. Merke dir meine Worte, Stein des Koans.“

Ich spuckte aus. Ohne meinen Stein war das Gebet sinnlos aber es beruhigte mich und gab mir ein wenig Kraft.

„Gläubiger Trottel, ich bin dein Herr,“ die Stimme meines Herren war wie immer krächzend. Sie passte nicht zu seinem dicken nach Schweiss stinkenden Körper.

„Steh auf, Magier. Ich habe einen Kampf für dich. Ein Magier. Sein Herr ist der große Lord Wittkenbaum,“ er spuckte die Worte des anderen Lordes aus wie eine saure Frucht. „Besiege diesen Mann und ich gebe dir deinen Stein zurück. Zumindest für ein Gebet.“

Als ich die Worte vernahm, machte mein Herz einen Hüpfer. Der Narr wusste nicht, was er tat. Meine ruhiges Verhalten musste ihn eingenebelt haben. Sobald ich den Stein in meinen Händen halten würde, konnte ich fliehen. Keiner in hundert Kilometer Umkreis konnte mich aufhalten.

Ruhig schaute ich den dicken Lord an und neigte meinen Kopf.

„Sehr wohl, mein Herr. Ich werde wie immer siegen.“ Ich sollte recht behalten, aber den Preis für meinen Sieg wusste ich noch nicht.

„Tod, Tod, Tod,“ die Zuschauer der Arena tobten als ich hineinlief. Überall auf dem Boden waren Gedärme, Blut und Knochen verteilt. Dazwischen lagen zerbrochene Schwerter und zersplitterte Speere und Schilde. Mir gegenüber stand er, mein Bruder. Es war nicht mein leiblicher Bruder, noch war es ein guter Freund der mir wie ein Bruder war. Es war ein Magierbruder. Einer wie ich. Noch wusste ich das nicht.

Ich ging vor meinem Lord in die Knie, so wie mein Kontrahent vor dem seinigen.

„Dies wird ein Kampf zwischen Magiern. Ein Kampf wie man es selten erlebt,“ der kleingewachsene Redner hatte eine Stimme die den letzten Winkel der Arena ausfüllte. Der einzige Zweck dieses Mannes war es die Kämpfe anzukündigen, ansonsten lebte er wie ein Tier in den Zellen unter der Arena. „Zur Linken seht ihr Urgax den Wilden, den Unbesiegten, der Champion der Lordes von Gertenschlags. Zur Rechten seht ihr den Herausforderer Umbrax, der Harte, Champion des Lordes von Wittkenbaum und Magier der alten Schule der Rankiader.“ Ich zuckte zusammen bei der Erwähnung meiner Schule. Mein Kontrahent war ein Bruder. Aus den Augenwinkeln beobachtete ich ihn. Er hatte seine braunen langen Haare zu zwei Zöpfen gebunden, die Links und Rechts an seinem Hals vorbei auf der Brust baumelten. Seine Robe war Braun wie meine. Ich konnte kein Zeichen seiner Magie erkennen. Man hatte es ihm wohl abgenommen.

„Möge der Kampf beginnen.“ In der Arena war es nicht üblich lange zu warten bis die Gladiatoren soweit waren. Mit einem Satz sprang ich auf die Beine und rannte auf meinen Gegner zu.

Meine Hand zebarst beim dritten Schlag. Mein Kontrahent benutzte die gleiche Magie wie ich. Mit Zähne knirschen beobachtete ich die wegfliegenden Knochen meiner linken Hand. Der Schlag hatte auch bei meinem Gegner Schaden zugefügt. Seine rechte Schulter war zersplittert und sein Arm lag zuckend auf dem Boden. Der vierte Schlage war tödlich. Mit dem linken Armstumpen traf ich den Kopf meines Gegenübers und zerschnitt ihm die Atemwege. Röchelnd ging der Mann zu Boden.

Schon immer war ich der stärkste gewesen. Dieser Mann vor mir mochte die gleichen Fähigkeiten wie ich besitzen aber auch die Meister in Rankiad hatten es nie mit mir aufnehmen können. Wen ich eines beherrschte war es meine Magie. Ich bin ein Magier der Knochen.


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