Das Feuer

Am Abend saß Serio wie immer an seinem riesigem Schreibtisch. An der Wand stand der Diener, der nichts anderes zu tun hatte, als ihm den ganzen Tag lang jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Als die Sonne unterging, beendete Serio seine Arbeit ungewöhnlich früh. Heute abend würde seine Frau und seine Kinder wieder in der Stadt sein.

Die Drei waren für einige Zeit in die Hauptstadt Jua gefahren. Dort hatten sie seinem dortigen Sitz gelebt und seine Frau hatte mit dieser Lady Marea von den Sonnenschnee Inseln einen Termin gehabt. König Marduk V. wollte wohl irgendwie mehr Kontakt zu Serio haben und hatte das Treffen eingefädelt. Serio musste bei dem Gedanken lächeln. Als ob seine Frau irgendeine Ahnung davon hatte, was ihn und seine Geschäfte anging. Serio war einer der drei Obersten der Bank von Markaz und sein Reichtum war so groß, dass er sich wahrscheinlich das ganze Reich des Königs kaufen könnte.

Heute abend kamen die Drei jedenfalls endlich wieder nach Havental und sie würden zu Abend essen. Serio wusste das er eine sehr strenge und unnahbare Wirkung nach außen hatte. Keiner seiner Angestellten glaubte, er würde seine Kinder mögen oder gar lieben. Doch Serio liebte seine Kinder und vor allem seine Frau.

Als er um die Ecke trat, kam ihm der kleine Sergio entgegen gewatschelt. Eine Hausdame war ihm auf den Fersen und hob ihn hoch bevor er seinen Vater erreichen konnte. Serio tätschelte kurz den Kopf seines Sohnes, der ihn mit großen Augen anstarrte und dann vergnügt quietschte. Dann ging er in das Esszimmer hinein. Seine Frau saß dort und unterhielt sich mit einer Freundin. Die Freundin sah ihn und unterbrach das Gespräch. Serio und seine Frau umarmten sich kurz und das Essen wurde gereicht. Es gab natürlich nur das beste Essen, dass man bekommen konnte. Serio ließ extra ein Schiff nur für seine Lebensmittel übers Meer fahren.

Am Abend lag er zusammen mit seiner Frau im Bett. Die Kerzen um das Bett hatte er für sie aufstellen lassen. Zufrieden schlief er ein.

Er erwachte durch einen lauten Schrei. Seine Frau neben ihm brüllte. Er öffnete seine Augen und musste sofort husten. Überall war Qualm und Rauch. Das Feuer um ihn herum brannte hell. Seine Frau schien die Bettdecke weggeschmiessen zu haben, den diese sah er neben dem Bett liegend in Flammen aufgehen. Serio sprang aus dem Bett. Er hörte wie die Dielen unter seinen Füßen gefährlich knarzten. Er schrie um Hilfe. Seine Lungen füllten sich mit Qualm und abermals musste er husten. Seine Frau stand dicht neben ihm, das kleine Baby in ihrer Hand. Sergio schlief zum Glück nicht hier. Hoffentlich wurde er durch einen Hausdiener gerettet. Mühsam kämpften sie sich zur Türe vor. Gerade als er die Hand ausstreckte um an den Knauf zu langen, brach der Boden unter ihnen Weg.

Funken sprühten um sie herum und ein heißer Schmerz durchfuhr seine Wange als ein Stück glühende Kohle ihn dort traf. Er biss seine Zähne zusammen und sah sich um. Über ihm sah er Torg auf einem der Steinsäulen stehen. Der Diener streckte seine Hand aus und deutete an, sie zu greifen.

Serio dachte nicht nach. Er wollte hier nicht sterben. Er griff zu. Torg zog ihn mühsam nach oben. Gerade als Serio oben war, hörte er hinter sich ein weiteres Mal einen Knall. Sein Kopf zuckte herum und er sah wie der Boden, auf dem er gerade noch gestanden hatte, nachgab. Seine Frau stand dort und schaute ihn mit weit aufgeriessenen Augen an. Sie drückte ihr kleines Mädchen fest an sich, während sie wie in Zeitlupe zu fallen begann. Dann veränderte sich der Ausdruck in ihren Augen und Hass flammte auf. Und Serio wusste warum. Er hatte sich gerettet anstatt sie und das Kind. Das Feuerinferno war laut und dennoch hörte Serio die verfluchenden Worte seiner Frau klar und deutlich:

Ich verfluche dich, Serio. Ich werde auf dich warten und ich werde dich finden. Du wirst leiden unter meinem Zorn.

Serio wurde von seinen Dienern gerettet und auch sein Sohn Sergio überlebte das Unglück ohne einen Kratzer. Aber seit diesem Tage verfolgen Serio die Träume seiner Frau und je älter er wurde desto schlimmer wurden sie. Seine Angst stieg an und er begann den Tod zu fürchten.


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