Jelly Roger - Deutsch

Wer glaubt, dass schwimmen mit Delphinen eine heilsame Wirkung besitzt, der sollte sich mal auf eine Reise mit der Jelly Roger einlassen. Danach ist man ein anderer Mensch! - ehemaliger Reisender
 

Erscheinung und Auftreten


Die Jelly Roger findet man ausschließlich in den Gewässern von Alkewa. Kapitäne, Psychologen, Theologen und Homöopathen streiten bis heute darüber, ob die Jelly Roger ein Schiff, ein Wasserlebewesen, eine schwimmende Heilanstalt, oder gar eine göttliche Erscheinung ist.
Vor allem Seeleute vertreten die Ansicht, dass es sich bei der Jelly Roger nicht um ein Schiff handeln könne, da jedes Schiff per Definition eine Mannschaft und einen Kapitän benötigt. Jedoch muss man der Jelly Roger durchaus zugestehen, dass sie die Möglichkeit besitzt, Passagiere zu beherbergen und zu befördern.

Biologisch betrachtet gehört die Jelly Roger zu den psychologischen Riesenquallen (Medusozua Maximus Psychologica). Ihre äußere Erscheinungsform gleicht der von Tiefseequallen. Ein klassischer schirmartiger Kopf, welcher an der Unterseite mit langen Tentakeln ausgestattet ist. Der schirmartige Kopf der Jelly Roger vermag einen Durchmesser von über 200m zu erreichen und besitzt im Inneren zahlreiche Hohlräume, welche über ein Labyrinth von Klappen und Ventilen miteinander verbunden sind. Haut und Fleisch der Jelly Roger besitzen eine gallertartige Konsistenz und sind von durchlässig bis milchigem Erscheinungsbild. Durchzogen wird der gesamte Organismus von fluoreszierenden Nervensträngen.

 

Geschichte


Historisch betrachtet muss man die Jelly Roger zu den Piratenschiffen zählen. Jedoch raubt dieses Geschöpf kein Gold. Auch kann man eigentlich kaum von rauben sprechen, da diese Qualle sich ihre Beute nur zeitweise ausleiht.
Die Jelly Roger trifft man nur des Nachts, und dann auch nur in unregelmäßigen Abständen entlang der Küstenlinie Alkewas an. Durch muskuläre Kontraktion erzeugen die fluoreszierenden Nervenstränge der Riesenqualle ein leuchtendes Spektakel, das an eine riesige Kirmes erinnert. Die dadurch angelockten Schaulustigen werden, sobald sie sich in Reichweite befinden, von den Tentakeln der Jelly Roger ergriffen und ins Innere der Qualle befördert. Dies ist keineswegs gefährlich oder gar bedenklich. Ganz im Gegenteil, denn die geraubten Personen werden im inneren der Qualle fürstlich beherbergt. Die Hohlräume der Qualle sind weich, warm und flauschig, sodass man sich fühlt, als sei man in einem arabischen Kissentempel. Durch Bewegungen, wie Klopfen, Trommeln, oder Stampfen wird die Haut der Qualle in Schwingung versetzt. Diese Schwingungen erzeugen Töne und Rhythmen, welche vom fluoreszierenden Licht der Nervenstränge begleitet werden. Diese Mischung von Musik und Licht ruft bei den meisten Leuten ein Gefühl der tranceartigen Glückseligkeit und Bewunderung hervor. Da die Hohlräume im Inneren der Qualle alle miteinander verbunden sind, ist man keinesfalls alleine, sondern kann seine Nachbarn in den anderen Hohlräumen durchaus besuchen. Es gibt ganze Gruppen von Besuchern der Jelly Roger, welche die Qualle verwenden, um wilde Partys oder Konzerte zu feiern. Durch gemeinschaftliches Stampfen und Tanzen wird der ganze Körper der Qualle so in Schwingung versetzt, dass ein musikalisches Erlebnis erzeugt wird, welches seines Gleichen sucht. Personen, welche von einer Reise mit der Jelly Roger zurückgekehrt sind berichten, es fühle sich an, als befinde man sich im Zentrum eines leuchtenden Lautsprechers.

Nur das Essensangebot der Jelly Roger lässt etwas zu wünschen übrig. Die Riesenqualle filtert Algen und Plankton aus dem Meerwasser und vermengt dies zu einem grünlich grauen Brei, welcher zwar Nahrhaft ist, aber vom Geschmack eher an fischigen Haferschleim erinnert. Dieser Brei kann über einige Drüsen im Inneren der Hohlräume direkt aus der Quallenhaut gesaugt werden. Gereinigt werden die Hohlräume und Kammern von einigen Tiefseeschwämmen, welche unablässig an der Quallenhaut haften und langsam über die Oberfläche rutschen.

Nach einigen Wochen des Aufenthalts auf und in hoher See steuert die Jelly Roger erneut die Küstenlinie Alkewas an. Die geraubten Personen werden mit Hilfe der Tentakel im seichten Küstenwasser abgesetzt und haben meist eine starke Veränderung durchgemacht. Man kann sich sicherlich vorstellen, dass mehrere Wochen auf Planktonbrei-Diät und dazu ohne äußere Einflüsse des Alltags, dafür aber mit viel Musik und Licht einen bleibenden Eindruck bei den Reisenden hinterlassen können.

 

medizinischer Nutzen



Schnell wurde der medizinische Nutzen der Jelly Roger deutlich. Besonders vom Burnout betroffene Personen, oder Trauma Patienten bekommen in der Jelly Roger die Möglichkeit, sich einmal ganz auf sich selber zu konzentrieren. Der Alltag bleibt draußen, keine Anrufe, keine E-Mails und kein Internet. Es bleibt einem ja auf Dauer auch nichts Anderes übrig, als sich der Musik und dem Lichtspiel hinzugeben und ganz präsent im Hier und Jetzt zu sein. Alte und tiefsitzende psychologische Verletzungen kommen unweigerlich an die Oberfläche und vieles von dem, was man im Alltag verdrängt hat, kann mit Hilfe der meditativen Wirkung von Musik und Licht aufgearbeitet und geheilt werden. Emotionen aller Art treten dabei zum Vorschein und nicht selten berichten ehemalige Reisende davon, dass Lachen, Weinen oder Brüllen des Öfteren in den Kammern der Jelly Roger vernommen werden kann.

Einige Ärzte, Therapeuten und Psychologen verschreiben ihren Patienten eine mehrwöchige Quallenkur. Viele von der Qualle transportierte Personen behaupten von sich, nach der Quallenreise im Einklang mit sich und ihrem Umfeld zu sein. Während Therapeuten nie ganz objektiv sein können ist ein weiterer Vorteil der Quallentherapie, dass die Qualle kein Ego besitzt.
Es gibt bereits erste religiöse Ausrichtungen welche vom Jelly Zen oder Jellyismus reden und glauben, die Jelly Roger wäre ein Medium zum Pfad der Erleuchtung.

Niemand weiß so genau warum die Jelly Roger dieses Verhalten an den Tag legt, aber wahrscheinlich hat es mit der Nahrungsaufnahme der Riesenqualle zu tun. Es wird vermutet, dass sich die Jelly Roger entweder von Emotionen oder von menschlichen Ausscheidungen wie Tränen, Schweiß oder anderen, eher unapetittlicheren Ausflüssen ernährt.

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